Vollwertkost im Urnerland

Diese Woche in der Innerschweiz

  • So. Wir sind angekommen, Göscheneralp, Wanderstart.

  • Im Restaurant könnten wir freilich zuerst noch einkehren.

  • Was für eine Landschaft: der Dammagletscher mit dem Göscheneralpsee.

  • Unsere Wanderroute, vom Stausee betrachtet: Es geht das Tal hinab.

  • Markante Felsbuckel im Gebiet In den Feden.

  • Vor dem Jäntelboden-Seelein sehen wir immer noch die Spuren des Staudamm-Baus.

  • Das Seelein auf dem Jäntelboden.

  • Die Strasse, auf der wir kamen.

  • Typisch Urnerland, überall Felsblöcke.

  • Tiefblick.

  • Je tiefer wir kommen, desto grüner das Gelände.

  • Haustrio bei Abfrutt.

  • Reizvoll vermoost alles auf dieser Passage.

  • Kurz vor Göschenen ist der Pfad gesichert.

  • Wir sind in Göschenen, wo nach dem Dorfrundgang ...

  • ... die Wanderung am Bahnhof endet.

Mit einer Postkartenansicht beginnt auf der Göscheneralp unsere Wanderung. Von der Dammkrone des Stausees schweift das Auge westwärts über das Wasser und prallt auf einen Bergriegel; der darin eingelagerte Dammagletscher schimmert grauweiss.

Links und rechts rahmen flechtenbewachsene Felswände in Hellgrün das Bild. Es taucht immer wieder einmal in einem Kalender mit den schönsten Schweiz-Impressionen auf.

Alternative zum Klassiker

Wer einen Wanderklassiker machen will: In vier Stunden können wir den See umrunden. Hier möchte ich eine andere Route vorschlagen, sie ist wenig alpin, dafür äusserst abwechslungsreich und bestens geeignet für Familien.

Am Anfang steht – das verbindet beide Unternehmungen – die Busfahrt von Göschenen auf die Göscheneralp. Dort hat es ein Restaurant. Doch wo ist der See? Ein paar Gehminuten entfernt, etwas höher oben. Der Weg zum Staudamm führt vorbei an einem Holzgestühl mit einer alten Glocke darin. Sie stammt von der Kapelle der Göscheneralp. 1963 flutete man die Alp; die Glocke erinnert an dieses Ende im Zeichen der Stromgewinnung.

Das soll eine Gemütlichwanderung sein

Auf der begrasten Dammkrone machen sich alle anderen Wanderer an die Tour um den See, ein paar ältere Leute setzen sich auf die Bänklein. Wir, Wanderfreund Ivan und ich, beschauen uns ausgiebig den Dammagletscher. Dann drehen wir ihm den Rücken zu, unser Ziel ist Göschenen, wir nehmen den Pfad, der steil abwärts führt. Wir passieren eine Serie bauchiger Felsbuckel; gerade üben sich an ihnen Kletterer.

Auf dem Jäntelboden, einer weiten Fläche, kommen wir zu einem Seelein und zu einem Campingplatz mit Tipis. Dies soll eine Gemütlichwanderung sein, wir rasten ein erstes Mal.

Der Heilige mit dem Krummstab

Hernach eine zweite Steilstufe: das St.-Niklausen-Tobel. Wir mögen die Feuchtigkeit, den Waldschatten, die im Schummer talwärts stürzende Göschenerreuss. Ein Bildstock mit dem Heiligen Niklaus samt Mitra, Messgewand und Krummstab überrascht uns.

Kurz tangieren wir die Strasse zur Göscheneralp; wir haben sie zwischenzeitlich vergessen. Nach dem Tobel macht uns ein schöner Rastplatz betrübt. Wir haben nichts zum Brätlen dabei. Keine Wurst, kein Bürli, kein gar nichts. Mein Snickers ist nutzlos.

Kühlen ohne Strom

Weiter unten weist eine Tafel des «Wasserweges Göschenen» auf ein gemauertes Loch im Fels neben dem Weg, einen Kühlverschlag, in dem in stromlosen Zeiten Milchprodukte frisch blieben. Während wir noch über die Klugheit früherer Epochen und ihrer Menschen reden, sehen wir bei Abfrutt drei nebeneinander aufgereihte Gebäude: ein angejahrtes Haus, ein remisenartiges Gaden sowie eine Kapelle – Wohnen, Arbeiten, Beten in engen Verschränkung.

Erneut wandelt sich der Pfad. Wir betreten einen zauberisch vermoosten, mit Felsblöcken bestückten Wald. Weiter vorn ein Seilgeländer, zur Linken fällt das Terrain ab. Auf diesem Weg – unter ihm verläuft eine Wasserleitung des 19. Jahrhunderts, die Göschenens Hotels mit Wasser versorgte – muss man auf Kinder ein Auge haben.

Mal nicht vorbeibrausen

Und schon zeigen sich die ersten Häuser von Göschenen. Gut, dem Dorf einmal anders zu begegnen als immer nur im Vorbeibrausen. Um den Ort näher kennen zu lernen, drehen wir eine Runde, um erst danach dem abseitigen Bahnhof zuzustreben.

Bei einem Eingeklemmten vor der Bahnhofsbuvette sind Yvan und ich uns einig: Es war eine tolle Wanderung. Ein Bilderbuch: steile, flache, bewaldete, offene, felsige, steinige, grüne Landschaften. Vollwertkost im Urnerland.

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Route: Göscheneralp (Bus) – Staumauer – In den Feden – Jäntelboden – Bonen – Abfrutt – Stockwald – Göschenen, Dorf – Göschenen, Bahnhof.

Wanderzeit: 3 Stunden.

Höhendifferenz: 94 Meter auf-, 769 abwärts.

Wanderkarte: 255 T Sustenpass, 1:50 000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Charakter: Kurz und ungeheuer abwechslungsreich. Gute Schuhe nötig, da einige Abschnitte feucht sind.

Höhepunkte: Schon die Fahrt auf die Alp. Daselbst der Anblick des Dammagletschers. Das herrliche Jäntelboden-Seelein. Der Bildstock mit dem Heiligen.

Kinder: Passt, weil die Route nicht zu lang ist. Man muss die Kinder aber beaufsichtigen.

Hund: Gegen seine Teilnahme spricht gar nichts.

Einkehr: In Göschenen. Göscheneralp: Restaurant Dammagletscher, Mo Ruhetag.

Bus: Bus Göschenen – Göscheneralp, täglich bis 14. Oktober. Reservation obligatorisch: 079 343 01 09 mindestens 2 Stunden vor Abfahrt.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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