Splitternacktwandern am Spittelnacki

Im Kanton Appenzell ist das Nacktwandern verboten. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Rund 10 Jahre sind es her, seit Nacktwanderer das Appenzell in Wallung brachten. In Innerrhoden trat gar die Landsgemeinde auf den Plan und verbot das Nacktwandern per Gesetz. Den Ausserrhoder Staatsanwalt packte daraufhin die Angst, dass Ausserhoden zum «alleinigen Mekka für Nacktwanderer» werden könnte, und er büsste einen wegen «unanständigen Benehmens». Nachdem der Fall durch die Instanzen gewandert war, beschied das Bundesgericht 2011: Die Kantone dürfen Nacktwanderer bestrafen. Seither ist es ruhig geworden ums Nacktwandern. Säntis, Schafberg und Altmann müssen nicht mehr befürchten, von Nacktwanderern bestiegen zu werden.

Lust auf ein Revival? Nacktwandern gesteigert, sozusagen? Also los: Aus Nacktwandern wird Splitternacktwandern! Für den erfolgreichen Relaunch brauchts die ultimative Location: Spittelnacki, eine sonnige Alp ob Erlenbach im Simmental.

Und diesmal springt auch die lokale Tourismusindustrie auf: Warum nicht ein Splitternacktwanderweg am Spittelnacki? Bald folgen ein Nacktbadesträndchen am nahen Hinderstockensee und spezielle Slots für Splitternacktwanderer bei der Gondelbahn von Erlenbach aufs Stockhorn.

Besser Bluttfuss

Und schon lässt sich der Hype nicht mehr stoppen: Auf Youtube gerät das Video eines Splitternacktwanderers zum viralen Hit. Pornhub erklärt nach Bitsch/VS auch Spittelnacki/BE zum «Premium Place». Spittelnacki wird zum neuen Hotspot der globalen Nudistenszene.

Dann aber twittert Trump: «Fake News!! Spittelnacki is not splitternackt! Burger King first!» Denn ein Joint-Venture von Fox News und TeleBärn brachte zutage, dass das Nacki nur ein kleines Egg an einem Hang ist. Und das Spittelnacki war früher im Besitz des Berner Burgerspitals. Ausgerechnet die prüden Bernburger! Pornhub widerruft den Premium-Status, die Nudistenszene wendet sich ab. Game over.

Spittelnacki wird also auch in Zukunft den ordnungsgemäss bekleideten Wandersleuten vorbehalten bleiben. Wobei: Die Alpweiden sollen ausnehmend weich sein dort oben. Ideal fürs Bluttfusswandern. Aber Obacht auf Kuhfladen!

Praktische Informationen

Routen

Das Spittelnacki, 1435 m.ü.M., ist von allen Seiten leicht erreichbar, von unten von Erlenbach oder Latterbach im Simmental, oder von oben, vom Stockhorn. Es bietet sich insbesondere auch an für reizvolle Überschreitungen: Entweder auf einfachen Wanderwegen von Reutigen im Stockental via Läsihütte und Matte (Alpwirtschaft) und hinunter nach Erlenbach (oder umgekehrt). Oder schwieriger (T4+) von Wimmis/Brodhüsi auf dem legendären Felsenpfad auf die Simmenflue, dem Wegweiser Sunnighorn (Pt. 1397) folgend. Danach über die Mittagflue (Pt. 1421) und die Hürleni ins Alpgelände von Chrindi und weiter über die beiden Heitihubel.

Einkehr

Gastbetriebe am und auf dem Stockhorn und während der Alpsaison auf der Matte (Pt. 1563).

8 Kommentare zu «Splitternacktwandern am Spittelnacki»

  • Dieter E. Albrecht sagt:

    „Verstoss gegen Sitte und Anstand“ sind Begriffe aus der Moral, welche eine unbestimmte, pauschale Begrifflichkeit bedeuten.
    Der Massstab ist fliessend.
    Er wird auch bestimmt durch den Alltag und die Zeitachse.
    Heute, 2018, ist die Beurteilung eines solchen Falles mit Sitte und Anstand mit nichts mehr zu rechtfertigen.
    Der Massstab „Sitte und Anstand“ ist für niemand vorhersehbar, auch nicht für Betroffene beiderseits.
    Selbst wenn ein nackter Mensch mitten auf dem Marktplatz stünde, ist das kein Weltuntergang im Jahr 2018 und wirft niemanden aus dem Gleis, in einer einigermassen aufgeklärten Gesellschaft.
    Man kann auch wegschauen wenn einen das stört, ohne dass man Schaden daran nimmt.

  • Eduard J. Belser sagt:

    Nachtwanderung sollten nur Menschen dürfen, deren Körper gewissen ästhetischen Ansprüchen genügen, damit sie die bekleidete Wanderer und das übrige Publikum nicht erschrecken. Vielleicht müsste man Nacktwanderwege mit entsprechenden Bodymassindex-Beschränkungen ausschildern. Ich würde mich als Nacktwanderer meinen Mitmenschen nicht zumuten, abgesehen davon fahre ich lieber Velo. Bei meinem Gewicht schont das auch die Gelenke.

  • werner boss sagt:

    Den Vorschreibenden sei gesagt, dass es um diese Jahreszeit besonders viele Bremsen ( grosse stechende Insekten) hat in der umschriebenen Gegend! Weshalb ein Nachtwandeln nur für Massochisten ein Vergnügen sein dürfte…
    Sonst finde ich es ziemlich doof, diese Gegend mit den Flurnamen Nacki, von denen es mehrere gibt,für einen Sommerfüller zu verhunzen! Nacki hat mit Nacktheit nichts zu tun, schon eher mit zäh, hervorstehend, unter dem Kopf,(Hürner).

    • Jack Meier sagt:

      in der schweiz gibt es keine „Bremsen“ hier gibt es nur Bremen. Aber vielleicht bringen die Massen an deutschen Flüchtlingen ja nicht nur den miesen ungeniessbaren Food mit sondern auch noch ihr eigenes Ungeziefer.. wir brauchen eigentlich ichts von allem… bis vor kurzem war es noch sehr toll hier…

  • Raylan Givens sagt:

    Also ich habe ueberhaubt nichts gegen splitternacktes Wandern und auch nichts gegen spezifische Wanderwege und Seen. Auf der Kehrseite frage ich mich bloss wie angenhem es ist mit einem Sonnenoel verschmierten Koerper und Schweiss eine Rucksack herum zutragen.

    • Christoph Bögli sagt:

      Alleine deswegen war ja auch das Riesentheater darum so absurd. Das Ganze ist ja auf den meisten Routen und bei den meisten Bedingungen derart unpraktisch und unangenehm, dass wohl auch der Grossteil der leidenschaftlichen Nudisten gerne darauf verzichtet. Die ganze Geschichte wurde also völlig übermässig aufgeblasen wegen nicht mal einer Handvoll Rucksackscheuerstellen-resistenter Extremisten..

    • Benno Nacktbader sagt:

      Givens,
      man sollte dort nackt sein dürfen, wo es auch Sinn macht, also beim Baden in Flüssen und Seen.
      Dort stört eine Badehose nur, aber leider geht der Trend in die andere Richtung.
      Die Badehosen werden jedes Jahr länger, und statt oben ohne wie noch vor 20 Jahren, geht der Trend leider eher Richtung Burkini.

      Nackt Wandern finde ich eher unbequem und irgendwie sinnlos, obwohl ich es noch nie gemacht habe.
      Ein Rucksack direkt auf dem Rücken wird nicht lange gut gehen.
      Man müsste sich in Wald und Wiese von oben bis unten mit Insektenmittel und Sonnenschutz einsalben, und die Zecken würden sich trotzdem freuen auf die gute Gelegenheit.

      • Raylan Givens sagt:

        Leider haben Sie recht. Vor 30 jahremn war es kein Problem mit freunden und Arbeitskollgen nackt in die Sauna oder an einen See zugehen. wie die zeiten sich aendern.

Kommentar

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