Panoramatour auf der Sprachgrenze

Diese Woche eine Rundwanderung von der Videmanette aus (VD)

  • Talblick in der Gondel bergwärts.

  • Entre Deux Sex. Mit Sex hat das nichts zu tun.

  • Videmanette-Bergstation, das Restaurant.

  • Die ersten Gehmeter, bald geht es links hinab.

  • Le Rubli.

  • Eines der Seelein von Les Gouilles.

  • Weiter unten.

  • Die Buvette von Ruble. Leider ist sie nur im Winter offen.

  • Querpassage nach Pra Cluen.

  • Etwas weiter vorn sieht man schön...

  • ... auf die Gummfluh.

  • Der Col de la Videman, der Aufstieg zu ihm ist gar nicht mal so unstreng.

  • Auf dem Col de la Videman.

  • Blick vom Videmanette-Gipfel zu unserem Startort.

  • Gleich sind wir dort.

  • Und das ist Widmers Belohnung.

Pas mal! Sie ist ein Spektakel, die Gondelfahrt von Rougemont hinauf zur Videmanette. Im oberen Teil schweben wir durch den Felskorridor Entre Deux Sex. Mit Sex hat das gar nichts zu tun; «Sex» kommt in diesem Fall von lateinisch «saxum» gleich Stein.

Die offenen Flanken erinnern an die Rigi: In langen, übereinandergeschichteten Felsbändern legt der Berg sein Innenleben offen. Freilich verlaufen die Bänder unter der Videmanette nicht rigimässig horizontal, sondern streben im selben Winkel aufwärts wie die Gondel. Unsere Fahrt ist grosses Geologenkino.

Rougemont, übrigens, liegt im Saanetal, wir – Wanderfreundin Ronja und ich – sind mit der Montreux-Berner-Oberland-Bahn angereist. Vom Bahnhof zur Gondelbahn brauchten wir zu Fuss zehn Minuten. Wir sind also schon im Tal ein wenig gewandert, bevor es gut tausend Meter höher richtig losgeht.

Ein Réduit aus Stein

Die dreistündige Rundroute beginnt, indem wir von der Videmanette-Bergstation zu den Seelein von Les Gouilles absteigen. Das Wasser ist moorig bräunlich, wobei der Regen der letzten Tage mitgespielt haben mag. Als wir uns in dem Bergkessel umdrehen, sehen wir oben unseren Startort und rechts davon eine Festung in Grau. Ein Stein-Réduit. Der Berg trägt einen französischen Namen, der doch – wir wandern hart an der Sprachgrenze – deutscher Natur ist: Le Rubli. Einen hundertprozentig deutschen Namen hat er auch: Rüeblihorn. In der Wand kleben behelmte Menschen: ein Klettersteig.

Wir steigen weiter ab, werden die Skiliftmasten los, geraten in einen Wiesenhang, erreichen den untersten Punkt unserer Runde, die Alphütte Ruble oder auch Le Rubloz. Im Winter ist sie bewirtet, im Sommer nicht. Eigentlich hätten wir weiter oben nach Süden abdrehen können, aber die Hütte gefiel uns von weitem. Nun gefällt sie uns von nahem.

Der Kuhdisput

Kühe beglotzen uns. Ronja mag keine Kühe, sie findet, sie seien zu schwer und zertrampelten die Landschaft. Ich mag Kühe, weil ich finde, dass sie die Steilhänge so schön terrassieren. Nach der Rast – ich esse einen Schoggiriegel, Ronja isst wie immer nichts – geht es doch nach Süden. Auf einem Kiessträsschen passieren wir Pra Cluen und kommen bei Les Praz zum nächsten Alpgehütt.

Halt Widmer, das klingt alles viel zu nüchtern! Der Leser und die Leserin müssen wissen: Die Wanderung spielt inmitten der herrlichsten Berge. Le Rubli kam schon vor. Direkt vor Augen haben wir aber auch die ebenso monumentale Gummfluh samt Entourage. Einige Zeit später, nach dem schweisstreibenden ­Aufstieg die Wiesenhalde hinauf, legt das Panorama auf dem Col de la Videman um diverse Zacken zu: Die Berge reihen sich am Horizont.

Man könnte auch nach L’Etivaz

Ein Tipp für ambitionierte Wanderer: In fünf Stunden gelangt man vom Videman-Pass hinab ins Minidorf L’Etivaz; von dort stammt der gleich­namige Käse, den man irgendwann im Leben kosten muss.

Unsere Fortsetzung ist leicht, steigert aber noch einmal entscheidend das Glück. Wir zielen wieder auf die Videmanettebahn, legen freilich einen Umweg ein, indem wir vom Bergweg nach rechts abzweigen Richtung Videmanettegipfel; an einigen Stellen lauert die Kante, Vorsicht!

Oben auf 2185 Metern fühlen wir uns wie die Vögel, lassen uns vom Wind kühlen, haben Fernblick und wissen gleichzeitig, dass nah die Belohnung wartet. Nämlich die Bratwurstschnecke im Restaurant der Bergstation. Auf dessen Terrasse stossen wir wenig später an: immer gut, sich eine neue Gegend zu erwandern: Es lebe die Videmanette.

++

Route: Videmanette-Bergstation – Ruble – Pra Cluen – Les Praz – Col de la Videman – Videmanette, Gipfel – Bergstation.

Wanderzeit: 3 Stunden.

Höhendifferenz: Je 560 Meter auf- und abwärts.

WICHTIG: Die Gondelbahn ab Rougemont fährt nur bis und mit 26. August!

Wanderkarte: 262 T Rochers de Naye, 1:50’000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Charakter: Enorm viel Bergfeeling auf kurzer Strecke.

Höhepunkte: Die Gondelfahrt von Rougemont auf die Videmanette. Der Anblick des klotzigen Rubli von der Videmanette aus. Der umfassende Rundblick vom Videmanette-Gipfel. Die Einkehr am Schluss.

Kinder: Keine Probleme bei der üblichen Beaufsichtigung.

Hund: Keine Probleme.

Einkehr: Restaurant der Videmanette-Bergstation.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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1 Kommentar zu «Panoramatour auf der Sprachgrenze»

  • André A. Perret sagt:

    Bild 12/16 Beschreibung: „Der Col de la Videman, der Aufstieg zu ihm ist gar nicht mal so unstreng“. (doppeltes Negativ). Ouch, wenn man dies schnell liest, tönt es genau gegenteilig zu Ihrer Beschreibung im Text „…Einige Zeit später, nach dem schweisstreibenden ­Aufstieg die Wiesenhalde hinauf“.
    Bin Mitte August wieder mal in der CH…..diese Wanderung juckt mich sehr.

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