Die Poesie der Industrie

Diese Woche von Gerlafingen an Emme und Aare nach Solothurn (SO)

  • Am Bahnhof Gerlafingen, in der Nachbarschaft des Stahlwerks: Zuerst müssen wir über die Schienen.

  • Poetisch gleich danach die Stimmung im Ried.

  • Es geht über die Emmebrücke und dann ...

  • ... vorwärts, den Fluss auf diesem Stück zur Rechten.

  • In der Gegend der ehemaligen Papieri Biberist.

  • Etwas später eine Umleitung: Die Emme wird renaturiert.

  • Schöne Stimmung mit Falschfarben.

  • Die Kehrichtverbrennungs-Anlage kurz vor dem Emmenspitz.

  • Hier könnte man doch auch im Winter schön brätlen: am Emmenspitz.

  • Rückblicke auf die liebe alte Emme.

  • Nun sind wir an der Aare. Vorn der Weissenstein.

  • Solothurns Kathedrale. Gleich endet die Wanderung. Wobei: Man muss doch eigentlich noch die Altstadt besuchen.

Warmes, windiges Wetter, wo ist der Winter? Und fehlt er mir wirklich? Jedenfalls ist mir, als ich an meinem Wandertag in Gerlafingen aus dem Zug steige, nicht nach Schnee und nicht nach Bergen. Genau darum bin ich in die Industriezone des Kantons Solothurn gereist und nicht nach Davos oder Grindelwald oder Zermatt. Es gibt diese Tage, da begehre ich flaches Land und will keine Skifahrer sehen. Wenn ich dann allein unterwegs bin, ist mir das noch so recht.

Und wer jetzt denkt: Hilfe, um Gottes Willen, Industriezone! – dem sei entgegnet: Die knapp dreistündige Wanderung zuerst an der Emme, dann an der Aare führt tatsächlich an Fabrikarealen vorbei und an einer Kehrichtverbrennung. Gleichzeitig ist sie erstaunlich naturnah mit stillen Waldabschnitten und vermoosten Feuchtflächen.

Der goldene Gallier

Diesen Mix erlebe ich schon in den ersten Minuten in Gerlafingen. Auf dem Weg vom Bahnhof zur Emme komme ich durch ein Naturschutz-Ried. Und gleichzeitig gehe ich am Rand des Stahlwerks.

Nach Biberist verläuft auf der Westseite des Flusses der Pfad hernach schnurgerade, zeitweise wandere ich auf einem erhöhten Damm. Lustig das Restaurant am Weg, kurz bevor ich in Biberist wieder auf die andere Seite der Emme wechsle und zum Bahnhof Biberist Ost halte. Es heisst «Zum goldenen Gallier» und serviert stilechte Speisen wie Cordonbleu vom Wildschwein. Asterix und Obelix würden garantiert einkehren, für mich ist es noch zu früh.

Die Umleitung

Das nächste Industriemonument ist die Papieri, also die einstige Papierfabrik von Biberist; vor einigen Jahren wurde der Betrieb endgültig stillgelegt, mittlerweile ist man dran, eine neue Nutzung mit einem Mix aus Gewerbe, Kunst und Wohnen zu verwirklichen. Dann ein Gebiet, in dem monumentale Vorgänge zu beobachten sind und es zu einer Umleitung weg vom Wasser kommt: Die Emme führte vor einiger Zeit mehrmals bedrohlich Hochwasser, worauf man zum Schluss kam, dass sie mehr Platz braucht; die entsprechenden Umgestaltungen, eine Revitalisierung im grossen Stil, laufen.

Doch auch hier: Kaum habe ich das Reich der Monsterbagger hinter mir, kommt wieder Poesie. Dunkelblau bis schwarz das Wasser der Tümpel und Bachläufe, hellbraun die Schilfgräser, rotbraun das Laub vom Herbst.

82 Kilometer und dann das Aus

Autobahn, Bahn, dann vorbei an der Kebag, der Kehrichtverbrennung, und ich lange bei meinem Zwischenziel an, das lauschiger nicht sein könnte. Kein Wald ist da mehr und keine gewerblichen Bauten, alles tritt zurück, so dass ein Naturvorgang optimal zur Geltung kommt. Die Emme mündet an dieser Stelle nach 82 Kilometern stolzer Existenz in der Aare. Weit reicht der Blick vom Emmenspitz, die gemauerte Plattform sticht wie ein Schiffsbug ins Wasser, Steinbänke und Steintische laden zum Verweilen. Wieder einmal denke ich: Man muss im Winter brätlen. Nur nicht grad, wenn die Bise bläst.

Der Rest des Weges spielt an der Aare und bleibt luftig. Breit ist der blaue Fluss, kein Wunder, er hat sich gerade einen Artgenossen einverleibt. Auf der Nordseite der Aare zieht sich die erste Jurakette, das Restaurant auf dem Weissenstein ist in der klaren Winterluft deutlich zu sehen. Solothurn kommt schnell näher, bald zeigt sich die St. Ursenkathedrale. Am Bahnhof soll die Wanderung enden – aber natürlich werde ich nicht heimfahren, ohne zuvor durch die Altstadt zu streifen. Ein anderer Plan wäre es, flussaufwärts weiter zu laufen Richtung Altreu. Man muss im Winter nicht zwingend in die Berge. Auch ein Industriegebiet kann Charme entfalten.

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Route: Gerlafingen, Bahn – Biberist Ost, Bahn – Derendingen, Kreuzplatz – Emmenspitz – Sportzentrum Zuchwil – Solothurn, Bahn.

Sicherheit: Gute Schuhe anziehen, allenfalls (gegen vereiste Stellen) Schuhkrallen montieren.

Wanderzeit: Knapp 3 Stunden.

Verlängerung: Besichtigung der Solothurner Altstadt.

Wanderkarte: 233 T Solothurn, 1:50’000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Charakter: Praktisch nur geradeaus, also leicht. Erstaunlich natürliche Abschnitte.

Höhepunkte: Das Naturschutzried gleich nach Wanderstart und noch vor Erreichen der Emmebrücke. Der stille Emmenspitz. Der Anblick der Solothurner Kathedrale jenseits der tiefblauen Aare.

Kinder: Vorsicht am Wasser, vor allem an der Aare! Die Ufer sind fast überall ungesichert.

Hund: Keine Probleme.

Einkehr: Lokale in Biberist und Derendingen und am Ende in Solothurn.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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4 Kommentare zu «Die Poesie der Industrie»

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