Biker-Grosis Botschaft an die Frauen

«Ich habe lange und hart gearbeitet, damit ich nach meiner Pensionierung spielen kann»: Miss Kittie bei der Arbeit. Foto: PD

Ich beneide eine 69-Jährige! Eine Frau in ihrem Lebensabend, die locker meine Mutter sein könnte. In der amerikanischen BMX-Szene ist Miss Kittie eine lebende Legende – und nein, sie hat nichts mit der japanischen Comickatze mit der roten Schleife und dem ähnlichen Namen zu tun.

Diese Miss Kittie ist ein ganz anderes Kaliber. Sie ist der Inbegriff einer sportlichen Draufgängerin. Und das, obschon sie je zwei künstliche Knie- und Hüftgelenke hat. Die Seniorin ist die älteste BMX-Rennfahrerin Amerikas, und ich bin mir ziemlich sicher, dass auf der Welt nicht viele ältere Damen dem Nachwuchs auf dem kleinen Rad Paroli bieten können.

«Fahr doch selber!»

Ihr ältester Sohn bestritt als Teenager einige Jahre lang BMX-Rennen. Er war es, der Kittie Weston-Knauer, so heisst die Frau eigentlich, auf den Geschmack brachte. Oder besser anfixte. Anlässlich einer Mutter-Sohn-Diskussion knallte er ihr an den Kopf: «Wenn du glaubst, dass es so einfach ist, warum fährst du nicht selbst?» Und so fand sie sich als 40-Jährige am Muttertag mit anderen Mamis am Start ihres ersten BMX-Rennens wieder – im Sattel des Rades ihres Elfjährigen. Und sie wurde süchtig.

27 Jahre später gerät sie noch immer ins Schwärmen, wenn sie über ihr Hobby spricht: «Es macht riesigen Spass!» Im Rennanzug friemelt sie an ihrem Gefährt, als stünde sie ein Leben lang in einer Radwerkstatt. Dabei wirkte sie 33 Jahre lang als Schulleiterin. «Ich habe lange und hart gearbeitet, damit ich nach meiner Pensionierung spielen kann», sagt die Seniorin in einem Bericht.

Tatsächlich sieht es aus wie ein Kinderspiel, wenn Miss Kittie über die hürdenreiche Bahn rast. Wer nicht weiss, dass in obigem Video der «New York Times» in der leuchtorangen Schutzkleidung und dem Integralhelm eine 69-Jährige steckt, könnte sie glatt für einen jungen Waghals halten.

Frauen müssen für sich selber schauen

Vom eklatanten Altersunterschied lässt sie sich nicht beeindrucken. Sie lerne sehr viel dabei, auch wenn sie gegen Männer antreten müsse, weil die weibliche Konkurrenz fehlt. «Ich werde meine Sachen nicht packen, nur weil sie jünger und schneller sind – ganz bestimmt nicht!» Die Seniorin wird nicht müde zu sagen, dass Frauen in erster Linie zu sich selbst schauen müssen. Denn: «Wenn man gut zu sich selbst schaut, dann kommt der Rest von alleine!» Und damit meint Miss Kittie nicht nur BMX-Rennen, sondern nichts Geringeres als das Leben ganz grundsätzlich. Das alleine ist ein Argument für Kittie Weston-Knauers Vorbildcharakter. Nebst der körperlichen Fitness natürlich.

Ich beneide sie aber aus einem ganz anderen Grund: Wegen ihrer schier unerschöpflichen Energie, die sie an den Tag legt. Zwar geniesse ich es heute, eine innere Batterie zu haben, von der manche Mitmenschen behaupten, sie würde ein Duracell-Häschen in den Schatten stellen, nur weiss ich nicht, wie lange sie noch halten wird. Das Damoklesschwert des Alters schwebt darüber.

Miss Kittie besitzt diesen positiven Elan, der sich bei Rückschlägen, grösseren oder kleineren Desastern in Zuversicht verwandelt – bei so vielen älteren Menschen brechen ihn die Gebrechen. Ich beneide Miss Kittie um diesen Willen, der sie auch nach 69 Jahren immer wieder aufstehen lässt, und ihren Drive – nicht nur beim Fahren, sondern im Leben ganz
grundsätzlich. Sie hat ihr Geheimnis verraten, es lautet: «Finde deine Leidenschaft und gib dann alles!»

3 Kommentare zu «Biker-Grosis Botschaft an die Frauen»

  • Dan sagt:

    Soo schwierig sieht das jetzt wirklich nicht aus.

  • Brigitte Irene sagt:

    Wieso werden Frauen mit 69 als“ Grosis“ wahrgenommen. Eine Frau in diesem Alter bleibt eine Frau, unabhängig davon ob sie Kinder oder keine hat.

  • Peter Aletsch sagt:

    Scheint aber nicht besonders anstrengend zu sein, die BMX-Rennen. Mit den Prothesen hat sie aber Glück gehabt, denn es besteht besonders bei denen im Knie immer noch eine Chance von 20%, dass eine den Sport unmöglich macht. Eigentlich hätte sie gar keine brauchen müssen, denn Velofahren sollte vor Arthrose schützen. Zu spät begonnen?

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