Eine liebliche Leitung und zwei wilde Stadtberge

Diese Woche von St-Léonard an einem historischen Wasserkanal nach Sitten VS.

  • St-Léonard, am Bahnhof: Die Wanderung beginnt.

  • Wo Winzer sind, ist die Landschaft stilvoll geordnet.

  • Traubenland.

  • Am Bisse de Clavau über St-Léonard.

  • Reben, Reben, Reben, wer soll das alles trinken?

  • Es geht Richtung Sion. Unten die Rhone.

  • Wir haben uns vom Bisse de Clavau verabschiedet, es geht nach Sion hinein.

  • Die markante Bierbrauerei.

  • Place Maurice-Zermatten in Sion. Wir wollen zur Burgruine auf Tourbillon.

  • Blick von Tourbillon zur Kirche auf Valère.

  • Kaktus am Weg. Ja sind wir denn in Mexiko?

  • Tiefblick von Tourbillon auf die Place Maurice-Zermatten.

  • Jetzt ist es umgekehrt: Von Valère blicken wir hinüber zur Tourbillon-Ruine.

  • Erinnerungsplakette an der Kirche auf Valère.

  • In der Kirche.

  • Zum Schluss gibt es ein Bier.

Zu den Suonen oder «Bisses», so der französische Ausdruck, sind zwei Dinge zu sagen. Erstens heissen so die alten Wasserkanäle im Wallis. Und zweitens haben diese Leitungen ein Gruselimage. Als Nervenkitzler gelten sie. Manche von ihnen führen durch senkrechte Wände, stellenweise geht man auf Planken über dem Nichts.

Der Bisse de Clavau aber, der ist nett. Er ist, wie ich eben feststellte, ein Komfortbisse, der zwischen St-Léonard und Sitten ebenaus durch die Weinberge führt. Man kann diesen bald einmal 600-jährigen Kanal auch im Winter begehen, wenn kein Eis den Boden deckt. Abgründig ist hier gar nichts. Umso mehr darf das Auge schwelgen.

Auf der Barke übers Wasser

Am Start, in St-Léonard, leistete ich mir als Erstes einen Abstecher zum unterirdischen See. Er kam in dieser Kolumne schon einmal vor (hier), daher in aller Kürze nur dies: Der Lac Souterrain, 15 Wanderminuten ab Bahnhof, ist der grösste unterirdische See Europas. Barken führen den Touristen über das stille Wasser, dies ist eine Zauberwelt. Aber Vorsicht, am 5. November endet die Saison.

Wieder im Tageslicht, hielt ich am oberen Rand des Ortes hinüber zu meinem Bisse. Die folgenden vier Kilometer, das waren Reben, Reben, Reben. Das grüne Meer wogte in sanften Wellen zum Horizont und machte mich trunken. Wer soll all den Wein konsumieren, dachte ich. Und: Okay, ich melde mich freiwillig.

Eidechsenparadies

Schmal, aber komfortabel war am Bisse mein Pfad, die meiste Zeit ging ich auf Kies, in seinem Steinbett gluckerte das Wasser. Die hohen Trockensteinmauern: ein Eidechsenparadies. Die Rhone war ein grauweisses Band, in der Ebene wirkten die Autos wie im Spielzeugland.

Endlich nahm ich Abschied vom Bisse de Clavau und stieg ab an den Rand von Sitten. Inzwischen hatte ich beschlossen, gleich dessen Stadtberge zu besuchen, das Duo Tourbillon und Valère, das es mit den kecksten Emmentaler Güpfi locker aufnehmen kann. Und so nahm ich vom monumentalen Gebäude der Brasserie Valaisanne die Rue du Rawil hinab Richtung Altstadt und wählte dann die Rue des Châteaux. Dieses Stück durch die Stadt ging ich wanderweglos.

Die Buvette zwischen den beiden

Die Rue des Châteaux führte mich hinauf zur Place Maurice-Zermatten. Sie ist eine Art Basislager für Besteiger von Tourbillon und Valère, indem sie in der Senke zwischen den zweien liegt; die Buvette am Platz heisst sinnreich «L’Entre-Deux».

Als Erstes nahm ich mir Tourbillon vor. Der ruppige Pfad den glimmernden Fels hinauf war ein Abenteuerlein, ich war froh um die guten Schuhe. Einmal brachte mich ein riesiger Kaktus zum Staunen. Oben die Reste eines verzweigten Schlossgemäuers, darin Kinderjauchzen. Durchs schüttere Gras ging ich nach Osten bis zur Geländekante: tief unten das Tourbillon-Fussballstadion.

Die Basilica Minor

Valère, benannt nach einer edlen Römerin von einst, ist geringfügig tiefer, der Zugang komfortabler. Oben besuchte ich das historische Museum des Kantons, eine verschachtelte Abfolge kleiner Räume, in denen man das Wallis seit der Prähistorie kennen lernt. Und ich besuchte die Valère-Kirche. 1987 ernannte sie der damalige Papst zur Basilica Minor – ein Ehrentitel für Kirchen, die besonders wichtig waren oder sind. Ein Dutzend gibt es in der Schweiz.

Am Ende landete ich in der Altstadt. Auch da: historische Tiefe und immer neue Häuser mit grosser Geschichte. Man sollte öfter nach Sitten reisen, dachte ich auf dem Heimweg. Immerhin kenne ich die Zentrale der Walliser nun dank Tourbillon und Valère aus der Adlersicht. Und den gekauften Weisswein habe ich mit Genuss getrunken.

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Route: St-Léonard, SBB – unterirdischer See – Bisse de Clavau – Sion, Brasserie Valaisanne – Rue du Château – Place Maurice-Zermatten – Tourbillon – Place Maurice-Zermatten – Valère – Place Maurice-Zermatten – Sitten, SBB.

Wanderzeit: 3 ½ Stunden. Ohne Abstecher zum See ½ Stunde weniger.

Höhendifferenz: 375 Meter auf-, 389 abwärts.

Wanderkarte: 273T Montana, 1:50’000.

Charakter: Ziemlich leichte Wanderung mit viel Aussicht auf die Rebberge und die Berge über dem Rhonetal. Für den Aufstieg auf Tourbillon braucht man die übliche Trittsicherheit, der Weg ist steil und felsig.

Höhepunkte: Der unterirdische See von St-Léonard. Der Anblick des wogenden Rebenmeeres vom Bisse de Clavau. Der Blick von Tourbillon. Die Visite in der ehrwürdigen Basilika von Valère.

Museum auf Valère: Der Link.

Kinder: Vorsicht auf Tourbillon und Valère. Auch am Bisse de Clavau gibt es Abschnitte, wo der Hang links abfällt.

Hund: Machbar, aber sehr anstrengend.

Einkehr: In den Rebbergen über dem Bisse gibt es Winzerlokale. Abzweiger beachten. Sehr gut isst man in Sion in der Brasserie du Grand-Pont. Sonntag geschlossen. – Durchgehend warme Küche bietet die Pizzeria Don Carlos. Täglich geöffnet.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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1 Kommentar zu «Eine liebliche Leitung und zwei wilde Stadtberge»

  • Elisabeth Eugster sagt:

    Es gibt über die Bisses und Suonen des Wallis ein sehr schönes Büchlein: „Wandern an sagenhaften Suonen“ von Johannes Gerber. Mit sehr gut dokumentierten Wanderempfehlungen, Fotos und alten Sagen rund um die Suonen.

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