Taugt das Hobby zum Beruf?

«Drecksarbeit»: Mit der Trailbauromantik, die man aus Bikefilmen kennt, hat das wenig zu tun. Fotos: Allegra Tourismus

«Du hast einen echten Traumjob!» Das bekommt man in der Bikebranche oft zu hören. Egal, ob Mechaniker, Entwickler, Trailbauer, Redaktor … Berufe, bei denen das Mountainbike im Mittelpunkt steht, gibt es viele. Aber wie sehr unterscheiden sich Aussen- und Innenwahrnehmung?

Ich selbst bin als Quereinsteigerin zum Journalismus gekommen – einfach, weil ich Spass am Schreiben habe. Noch mehr, wenn es sich um Themen dreht, die mir persönlich am Herzen liegen. Wie Mountainbiken. Ein Traumjob? Einerseits ja. Andererseits bin ich bei meiner Arbeit natürlich nicht ständig auf den schönsten Trails unterwegs, sondern sitze überwiegend am Schreibtisch. Ich nehme gewisse Abstriche gegenüber meiner vorherigen Tätigkeit in Kauf, bereut habe ich die Entscheidung aber nie.

Von Leidenschaft kann man nicht leben

Um in der Bikebranche gut über die Runden zu kommen, braucht es manchmal einen langen Atem. «Spass zu haben, in der Szene zu sein, das ist wunderbar, aber eben auch nicht alles», sagt Maria Müller, selbstständige Marketing-Managerin und ehemalige Women’s-Business-Managerin bei Specialized. Sie ist überzeugt: Was man mit Leidenschaft macht, macht man gut. Aber von Leidenschaft alleine könne man nicht leben.

Da hilft es, dass die Bedeutung des Bikesports allgemein wächst. Nicht zuletzt im Tourismus. Als Geschäftsführer von Allegra Tourismus entwickelt Claude Balsiger Bikedestinationen. Ein «Wunschjob», sagt er, zu dem ihn viele Stationen führten: Nach dem Lehramt studierte Balsiger Kommunikation, später arbeitete er als Bikeguide, Reiseveranstalter und Redaktor. «Ich glaube, diese Vielseitigkeit hat mir letztlich mehr gebracht als eine spezifische Ausbildung», sagt er. Biken ist für ihn längst nicht mehr nur persönliche Bereicherung, sondern ebenso ein wachsender Wirtschaftsfaktor.

Ständig den Trail im Kopf

Im Steilhang die Kurve kriegen: Trailbau ist auch körperlich anstrengend.

Mit ein Grund, warum auch Lukas Häusler in der Bikebranche tätig ist. Als die Gemeinde St. Moritz beschloss, eigene Trails anzulegen, fragte ihn ein Freund, ob er mitmachen wolle. Zunächst half der kaufmännische Angestellte nur während der Sommermonate mit, seit diesem Jahr ist er hauptberuflicher Trailbuilder. Der Job macht ihm Spass, und er kann gut davon leben.

Mit der «Trailbauromantik», die man aus Filmen kenne, habe seine Arbeit aber wenig zu tun. «Ich geniesse es, draussen zu sein, in und mit der Natur zu arbeiten», sagt er. Doch Trailbau sei auch körperlich anstrengend und er wenig daheim. Ob er noch zum Biken komme? «Ja, oft. Aber ich muss aufpassen, dass ich dabei nicht ständig über den Trail nachdenke und wie man ihn verbessern könnte.»

Wenn persönliche und berufliche Interessen ineinander übergehen, kann das gut, aber auch belastend sein. Ähnlich sieht es David Heine, Marketing-Manager bei BMC Switzerland. Traumjob? «Im Grossen und Ganzen ja», sagt er. «Ich liebe meine Arbeit, bei der es viele Highlights gibt, und würde den Weg immer wieder gehen. Gleichzeitig bin ich sehr eingespannt, manchmal werden mir Events und Reisen auch zu viel.»

Ein «Traumjob» ist eben immer noch ein Job. Ein schöner zwar, aber auch ein fordernder. Und: Am Ende entscheidet, wie überall, ob In- und Output im Verhältnis stehen – materiell wie ideell.

Haben Sie auch schon davon geträumt, das Hobby zum Beruf zu machen? Warum – oder warum nicht? Welche Abstriche würden Sie dafür in Kauf nehmen?

1 Kommentar zu «Taugt das Hobby zum Beruf?»

  • Klaus sagt:

    Ein interessantes Thema. Kaum beachtet und wenig verstanden. Da könnte man mehr in die Tiefe gehen:
    Buddelt ein Trailbauer nur oder ist er auch mit der Planung und dem Einholen von Genehmigungen befasst?
    Wie sieht sein typischer Tagesablauf aus?
    Wer bezahlt ihn bzw. die Trails?

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