Alkohol als Läuferfalle

Outdoor

Laufen ist ein hoch effektiver Weg zum Idealgewicht. Foto: Halfpoint (iStock)

Das tägliche Jogging hat für viele Menschen eine regenerative Wirkung. Ich persönlich – obwohl weder mit Mike Shiva verwandt noch mit Elizabeth Teissier verschwägert – empfinde das Laufen fast schon als etwas Meditatives oder Semi-Esoterisches. Bei keiner Aktivität gelingt es mir besser, «abzuschalten» und mich zu entspannen. Auch fliegen mir laufend die Ideen und kreativen Gedanken förmlich zu. Es geschieht nicht selten, dass ich auf der morgendlichen Laufrunde den roten Faden durch den nächsten Artikel finde. Gelegentlich gehen mir die Geistesblitze bis zum Computer allerdings wieder verloren.

In erster Linie bleibt der Laufsport aber eine physische Herausforderung – und damit eine Betätigung, die Energie braucht und abbaut. So geht es den meisten Hobbysportlern darum, das Wohlbefinden zu stärken, den Körper zu trainieren und damit auch dem eigenen Schönheitsideal näher zu kommen. Man kann durchaus auch dem schlechten Gewissen davonlaufen – sei es nach einem opulenten Mahl oder nach einer feuchtfröhlichen Nacht. Gerade das Laufen in verkatertem Zustand kann aber sehr gefährlich sein. Von simplen Fehltritten bis zu epileptischen Anfällen ist die Bandbreite der potenziellen Gefahren gross. Für Wettkampfläufer gilt: Ab zwei Tage vor dem Rennen sollte ganz auf Wein und Bier verzichtet werden.

Kommt dazu, dass der Konsum von alkoholischen Getränken einen übermässigen Kalorienfaktor darstellt. Wer durchs Laufen abnehmen möchte, sollte konsequent auf Alkohol verzichten. Denn der Organismus beginnt erst dann mit der Fettverbrennung, wenn er das Stoffwechselgift Alkohol abgebaut hat.

Die Energiebilanz ist der Schlüssel

Apropos Fettverbrennung: Die Vorstellung, dass man allein durchs Joggen abnehmen kann, ist falsch. Der Schlüssel zu weniger Gewicht ist die Energiebilanz. Deshalb helfen auch Diäten in der Regel nicht weiter. Fitnesstrainer Fritz Bebie erklärt: «Diätversprechungen sind meist kostenpflichtige Märchen mit Folgen – der Jo-Jo–Effekt lässt grüssen. Wenn Sie abnehmen wollen, dürfen Sie durchs Essen nicht mehr Kalorien aufnehmen, als Sie durch die Bewegung verbrennen.»

Beim Abnehmen spielt das Joggen die Rolle eines Stoffwechselverstärkers. Es hilft, den Körper dazu zu bringen, die Nährstoffe optimaler zu verwerten, der Rest wird schneller ausgeschieden. Sie werden feststellen, dass Sie öfter als bisher die Toilette aufsuchen; Ihr Körper signalisiert Ihnen dabei: Ich brauche nicht so viel, wie du mir zuführst.

Im Vergleich zu anderen Sportarten ist das Laufen sehr trainingseffektiv. Ein Jogger mit 75 Kilo Gewicht, der eine halbe Stunde im Kilometerschnitt von 6:20 Minuten joggt, verbraucht 385 Kalorien. Gemächliches Radfahren (15 km/h) über 30 Minuten verbrennt 231 Kalorien, entspanntes Schwimmen 308 Kalorien, Walking (ca. 5 km/h) 135 Kalorien.

Doch die Fettverbrennung ist nur ein Schritt auf dem Weg zum Ziel – und der Glaube, dass langsames Joggen (auf Fettverbrennungsstufe) die Kilos automatisch dahinschmelzen lässt, ein Missverständnis. Wer so zu seinem Wunschgewicht kommen möchte, müsste stundenlang joggen und zeitlich das Pensum eines Profimarathonläufers absolvieren – und das lässt sich weder dem Arbeitgeber noch der Familie erklären.

12 Kommentare zu «Alkohol als Läuferfalle»

  • Michael Huber sagt:

    Dieses Getue ums Marathonlaufen geht so was von auf den Geist. Kaum mehr ein Manager, der nicht Marathon läuft und davon erzählt. Nur um nach zwei bis drei Jahren wieder aufzuhören. Die Knie machen es längerfristig doch nicht mit. PS: Auch ich war mal so einer. Marathons in NY, Boston, Berlin, etc. Irgendwann einmal habe ich gemerkt, dass das nur auch ein Ausdehnen der Leistungsgrenzen war. Anspannung nun auch noch in der Freizeit, und nur wegen einer guten Finisherzeit. Heute lache ich über diese Verbissenheit. Meine Knie freuen sich über das Rennvelofahren, was für mich eine bessere Wahl darstellt.

  • Britta Wurz sagt:

    Nichts hilft besser beim Abschalten wie Alkohol.

  • Michael Wichmann sagt:

    Meine Bobachtung zur meditativen Wirkung: Joggen hilft nicht, um abzuschalten, hilft aber Probleme entspannter anzugehen. Durch den hohen Automatismus beim Laufen hat das Gehirn Zeit über offene Probleme nachzudenken. Wirkliches Abschalten gelingt beim Golfen. Vier Stunden in der frischen Luft, 10 km Gehen und keine Sekunde an etwas anderes denken als: wie kriege ich den Ball ins Loch. Das ist Abschalten pur.

    • Tina Fässli sagt:

      Bei mir ist es das Tauchen. 40 Minuten im kalten See, totale Stille bis auf das eigene Atmen, Fokussierung auf den Moment, keine Möglichkeit, gestört zu werden..herrlich. Wandern hat einen ähnlichen Effekt, dafür muss ich aber schon mehrere Stunden unterwegs sein. Ich wünsche jedem, dass er „seine“ Abschaltmöglichkeit findet.

    • Roland K. Moser sagt:

      Bei mir wirkt joggen 1A. Das Rennvelo dito. MTB auch, aber irgendwie anders, weil man sich immer wieder konzentrieren muss.

  • Roland K. Moser sagt:

    Beim Alkohol ist nicht der Energie-Gehalt das Hauptproblem, sondern seine perversen Auswirkungen auf den gesamten Stoffwechsel.

  • Rosche sagt:

    Sogar der „grosse“ Herbert Steffny führt aus, dass nichts gegen ein Bierchen am Abend vor dem Marathon spricht. Die Besäufnisse vor und nach den grossen Ultras müsste man auch mal miterleben, da ist auch am Vorabend der eine oder andere Profi dabei (das Bild mit dem US-Profi, der oben ohne bei der Ziellinie rumtorkelt und am nächsten Tag aufs Podest kommt, hat sich eingebrannt). Soll keine Ode an den Suff sein, sondern eher ein Anstoss, es nicht allzu eng zu sehen. Bin überzeugt, dass wenn man die Handbremse vor dem Rennen zu stark anzieht, man sie dann im Rennen nicht lösen kann (und da bin ich nicht der Einzige, der das so sieht und erlebt).

  • Kurzer Einwurf sagt:

    Andersrum:

    „Wenn Sie abnehmen wollen, dürfen Sie durchs Essen nicht mehr Kalorien aufnehmen, als Sie durch die Bewegung verbrennen.“

    oder

    „Wenn Sie abnehmen wollen, müssen Sie durchs Essen weniger Kalorien aufnehmen, als Sie durch die Bewegung verbrennen.“

    • Eben nicht sagt:

      Glaube so sollte es eben nicht gemeint sein. Wenn Sie abnehmen wollen und nur so viele Kalorien oder weniger Kalorien zu sich nehmen, als sie durch den Sport verbrennen, dann wird der Körper ziemlich schnell anfangen Muskeln abzubauen und Sie werden weitere Beschwerden haben, da Sie massiv zu wenig Energie haben werden.

      • second step sagt:

        Der Körper speichert Energie als Zucker in der Leber und als Fett. Diese Energiereserven braucht er wenn er über eine bestimmte Zeitspanne weniger Energie erhält als verbraucht. Sie können somit nicht anders abnehmen als dem Körper weniger Energie zu zuführen als er verbraucht (es geht auch ganz ohne Sport, nur langsamer).
        Falls Sie doch wissen wie lassen Sie die Methode patentieren: Sie werden garantiert reich damit und der Medizinnobelpreis winkt auch.

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