Skisport in der Krise?

Sessellift auf den Crap Sogn Gion. Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Immer wieder hört man von einer sinkenden Anzahl Skifahrer auf den Pisten, von roten Zahlen der Bergbahnen und von der abnehmenden Schneemenge. Klar, die letzten Winter waren schneemässig wirklich bescheiden und in Anbetracht des Klimawandels sollen solche Winter ja in Zukunft keine Ausnahme bleiben. Aber den Skisport deswegen gleich an den Nagel hängen? Das kann ich mir nicht ernsthaft vorstellen. Trotzdem habe ich dieses Jahr – nach den zweiten Weihnachtsferien ohne Schnee in den Bergen – erstmals überlegt, ob wir nächstes Jahr nicht doch mal wieder eine «normale» Silvesterparty zu Hause feiern sollten. Einige unserer Freunde fahren mittlerweile gar nicht mehr in die Skiferien, sondern nur noch tageweise in nahe gelegene Gebiete, denn – egal wie man es dreht und wendet – mit den Kindern ist Skifahren einfach ein teurer Spass. Und dann haben mir skibegeisterte Bekannte ohne Geldsorgen erzählt, dass sie dieses Jahr in den Sportferien nach Oman statt in die Skiferien fahren. Ich dachte, ich höre nicht recht…

Die aktuellen Erhebungen der Seilbahnen Schweiz (SBS) liefern Fakten: Die Anzahl der Ersteintritte (erster Drehkreuzdurchgang pro Tag) sind in der Tat rückläufig. Die Entwicklung im internationalen Vergleich ist allerdings uneinheitlich. Während Frankreich und Österreich im langjährigen Mittel eine eher stabile Entwicklung aufweisen, ist die Entwicklung in Italien und in der Schweiz negativ. Im Winter 2015/16 verzeichneten die Schweizer Skigebiete 21,6 Millionen Ersteintritte. Gegenüber dem Fünfjahresschnitt beträgt der Rückgang 11,7 Prozent. Dies ist der tiefste Wert seit mehr als 25 Jahren.

Konkurrenz durch Badeferien

Die Gründe dafür sind vielfältig. Laut den Statistiken der SBS spielt der starke Franken eine wichtige Rolle: Durch den gesunkenen Eurokurs wurden die Skiferien in der Schweiz für ausländische Gäste deutlich teurer. Bei einem direkten Preisvergleich treten Unterschiede von bis zu einem Drittel auf, sodass auch einige Schweizer Skifahrer in die benachbarten Alpenländer ausgewichen sind. Noch vor einigen Jahren waren die Hälfte der Skiurlauber in der Schweiz ausländische Gäste, 2015/16 waren es nur noch 37 Prozent.

«Hinzu kommt, dass ein verändertes Freizeitverhalten zu einer grösseren Diversifikation der Angebote führt», sagt Maurice Rapin, Leiter Bereich Tourismus & Mitgliederservice von Seilbahnen Schweiz. «Auch Fernreisen (Badeferien im Winter, et cetera) werden heute vergleichsweise günstig angeboten und stehen daher in direktem Wettbewerb zu Wintersportferien.» Auch der Schneemangel der letzten Winter ist nicht spurlos an der Motivation der Skifahrer vorbeigegangen und wird – so die Prognosen – für alle Orte unterhalb von 1500 Metern in den nächsten 30 Jahren ein Problem bleiben: Die Saison wird kürzer (weniger Betriebstage), die Beschneiungskosten steigen. Ein einziger Tag in einem grossen Skigebiet kostet mittlerweile durchschnittlich 250’000 Franken, davon entfallen bereits 43’000 Franken auf die Beschneiung.

Hohe Ausstiegsquoten

Fazit: Ein eingefleischter Skifahrer hängt den Wintersport wohl nicht komplett an den Nagel. Wie die Statistik der SBS zeigt, sinkt aber die Aufenthaltsdauer am Ferienort und damit die Anzahl seiner Skitage – aus den diversen Gründen. Die klassische «Skiwoche» wird zu «ein paar Skitagen», der Nachwuchs lernt zwar noch das Skifahren, ist aber nicht mehr so regelmässig dabei, was vermutlich zu hohen Ausstiegsquoten führt. Es ist im Durchschnitt also tatsächlich weniger los auf den Pisten – bei steigenden Betriebskosten. Das klingt schon ein bisschen nach Krise…

Wie ist das bei Ihnen? Sind Sie noch immer genauso oft auf der Piste unterwegs wie früher? Wenn nein, welche Gründe waren für Sie ausschlaggebend?

Beliebte Blogbeiträge