Die 9 besten Tipps gegen Kälte

Raus in den Schnee: Gut eingepackt sein ist wichtiger als gut aussehen. Foto: Joseph (Flickr)

Nie sind die Berge schöner als im Winter! Schade darum, dass viele Leute die freie Natur und den Schnee meiden, weil sie sich vor der Kälte fürchten. Hier sind meine Tipps gegen das Frieren – für Bergsportler und Gelegenheits-Outdoorer.

1. Mentale Einstellung

Nicht selten sind es traumatische Erinnerungen aus der Kindheit, die viele Erwachsene davon abhalten, in den kalten Monaten freiwillig vor die Haustür zu gehen. Doch mit der heutigen Funktionskleidung (es muss nicht die teuerste sein!) friert man nicht mehr so rasch – zwischen neuen Textilien und dem Skianzug von damals liegen Welten.
Tipp: Ein positives Erlebnis in den verschneiten Bergen kann die alte, eingesessene Einstellung ändern.

2. Bewegung ist das A und O 


Wer im Schnee nur herumsteht, friert rasch – egal, wie gut er angezogen ist. Bewegung hilft! Das muss nicht zwingend steiles Bergaufgehen sein. Auch Skifahren, Schlitteln, Eislaufen, Wandern, Spazieren machen warm (und Spass).

3. Mehrschichten-Prinzip

Ob aus Wolle von Merinoschafen oder synthetischem Material: Die Schicht direkt auf der Haut sollte körpernah sitzen. Foto: Icebreaker.ch

Die Temperaturen können sich outdoor rasch ändern. Klassisches Beispiel: Am Morgen liegt der Talboden noch im Schatten, die Kälte klirrt. Im Durchzug der Gondel gehts bergauf. Oben scheint die Sonne, und die Luft ist deutlich wärmer. Man wandert los oder fährt Ski und schwitzt. Manchmal zieht ein eisiger Wind. Kommt man am späten Nachmittag zurück ins Tal, liegt es wieder im Schatten. Man tut also gut daran, für jede Situation gerüstet zu sein. Hierzu bewährt sich das sogenannte Zwiebelschichtenprinzip. Statt einer einzigen dicken Jacke trage ich drei oder vier Schichten – und kann je nach Bedarf an- und ausziehen.

  • Erste Schicht: Unterwäsche
    Die erste Schicht liegt direkt auf der Haut und hat darum eine entscheidende Aufgabe. Sie sollte bei Wärme kühlen und bei Kälte wärmen, Schweiss ableiten und schnell trocknen. Moderne Funktionswäsche kann das problemlos. Persönlich bevorzuge ich Langarmshirts und Leggings aus Merinowolle, weil ich kein synthetisches Material auf der Haut mag. Zudem müffelt Merino auch nach mehreren Stunden oder gar Tagen nicht.
    Tipp 1: Die erste Schicht sollte körpernah und faltenfrei sitzen.
    Tipp 2: Gewöhnliche Schafwolle ist outdoor ebenso ungeeignet wie Baumwolle oder Jeans, da sie Nässe aufsaugen, nur langsam trocknen und den Körper auskühlen.
  • Zweite Schicht: Isolation
    Ihr Job ist, zu wärmen. Gut eignen sich Jacken aus Fleece oder Primaloft. Primaloft ist ein synthetisches, der Daune ähnliches Isolationsmaterial. Bei schweisstreibendem Sport eignet sich Primaloft besser als Daune, da die Federn bei Nässe verklumpen und nur langsam trocknen.
    Tipp 1: Jacken haben gegenüber Pullovern eine zusätzliche Funktion: Man kann auch mit dem Reissverschluss die Körpertemperatur regulieren.
    Tipp 2: Eine körpernahe Isolationsschicht reiht sich besser ins Zwiebelprinzip ein als eine weite.
  • Dritte Schicht: Windstopper

    Wer etwa beim Bergaufgehen keine wärmende Isolationsschicht braucht, sich aber gegen den Wind schützen will, ist mit einer Softshelljacke gut bedient. Sie kann selbstverständlich auch über oder unter der Isolationsschicht getragen werden.
  • Vierte Schicht: Harte Schale
    Wind- und wasserabweisende Funktionsjacken und -hosen bilden die äusserste Hülle beim Zwiebelprinzip. Sie schützen nicht nur vor Schnee und Wasser, sondern auch gegen Kälte. Dank dampfdurchlässigen, atmungsaktiven Membranen regulieren sie von innen das Körperklima.

4. Kopf bedecken

Etwa 40 Prozent seiner Abwärme gibt der Körper über den Kopf ab. Eine dicke Wollmütze schützt nicht nur die Ohren vor der Kälte, sondern den ganzen Körper. Es lohnt sich auch, den Hals zu bedecken. Besser als ein Schal ist ein «Halsschlauch» – einen solchen kann man bei Bedarf auch über Mund und Nase hochziehen.

5. Hände schützen

Kalte Finger sind lästig. Für Schneesport eignen sich isolierte, wasserabweisende Handschuhe. Mit Fingerhandschuhen hat man mehr Griff, Fäustlinge sind dagegen wärmer.

6. Warme Füsse

Die Schuhe sollten wasserdicht und isoliert sein, eine dicke Sohle und ein gutes Profil haben – und zudem nicht zu knapp sitzen. Zusätzliche Isolation geben Thermosohlen (das können ganz normale vom Grossverteiler sein). Wichtig sind auch die Socken – solche aus Baumwolle eignen sich nicht, da sie nicht wärmen. Ich trage Socken aus Merinowolle.

7. Löcher stopfen

Dicht machen: Dank verlängerten Ärmeln und hohem Kragen mit Reissverschluss zum Regulieren. Foto: Icebreaker.ch

Selbst wenn man von Kopf bis Fuss tipptopp eingekleidet ist, gibt es Schlupflöcher für Wind und Kälte. Diese kann man jedoch «stopfen». Zum Beispiel am Kragen: Wenn die Jacken gute Kapuzen haben, schützen sie über die Mütze hochgezogen zusätzlich vor frostigen Temperaturen. Ein weiteres Schlupfloch befindet sich am Handgelenk – zwischen Handschuh und Ärmel. Dagegen hilft, wenn Shirt oder Jacken bis zum Daumen über die Hand gezogen werden können.

8. Warm essen und trinken


Hunger macht kalt. Ebenso Durst. Ideal sind warme Speisen und Getränke (in der Beiz). Auf einer Winterwanderung lohnt es sich, ein heisses Getränk (z.B. Tee) in einer guten Thermosflasche im Rucksack mitzutragen.
Tipp: Alkohol mag höchstens kurzfristig wärmen, darum den Schümli-Pflümli erst nach der Outdooraktivität bestellen.

9. Gut aussehen?

Sofern man nicht an hippe Orte geht, spielt das Aussehen keine Rolle. Wenn die Farbe von Handschuhen und Mütze nicht zusammenpassen oder wenn die Frisur unter der Wollmütze verstrubbelt, ist das völlig egal. Outdoor geht es darum, die Natur, den Schnee, die Landschaft und die Bergluft zu geniessen, Spass und Freude zu haben – und das geht im Winter nur, wenn man draussen nicht friert.

Bis bald in den Bergen!

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