Neue Mode für Öko-Hipster

Outdoor-Kleider, die laut Werbung «guaranteed green» sind: Sympatex lanciert das erste 100% CO2-neutrale Membran. Foto: Sympatex

Eines muss man der Outdoor-Branche lassen: Sie ist aktiv, findig, kreativ. Von Saison zu Saison wirft sie bessere und «revolutionärere» Produkte auf den Markt. Noch wendigere Ski, noch atmungsaktivere Jacken, noch leichtere Rucksäcke. Sie erfindet Produkte, die mehr können, als wir uns jemals vorstellen konnten. Und mit dem Milliardengeschäft soll es trotz der warmen, schneearmen Winter auch in Zukunft bergauf gehen. Und siehe da: Während die Bergbahnen und Tourismusregionen vor einem Problem stehen, öffnet der Klimawandel den Outdoor-Ausrüstern eine neue Goldgrube.

Von Giftgrün zu Biogrün

Etwa die Hälfte des gesamten Umsatzes verdient die Outdoor-Industrie mit Bekleidung – insbesondere mit wind- und wasserabweisenden Jacken. Solche multifunktionalen Kleider sind mit giftigen Chemikalien behandelt, die nicht nur der Natur schaden, sondern auch dem sauberen Outdoor-Image. Deshalb werfen Umweltorganisationen wie Greenpeace den Herstellern seit Jahren vor, sie beteiligten sich aktiv an der globalen Umweltverschmutzung. Bisher reagierte die Industrie pikiert auf solche Kritik und verteidigte sich: Damit Kleider atmungsaktiv, wind- und wasserabweisend sein können, brauche es nun mal Gift. Schuld am Umweltschaden seien also nicht sie, die Hersteller, sondern wir Käufer, die solches Material wünschen.

Gemäss Columbia ein «Durchbruch für die Umwelt»: Ihre neuen «OutDry Extreme Eco»-Jacken. (Video: Youtube)

Mittlerweile wandelt sich nicht nur das Klima, sondern auch die Marketingstrategie der Outdoor-Branche: Wir «kritischen Konsumenten» sind jetzt nicht mehr ihre Feinde, sondern ihre Freunde. Sie hat uns zu ihrem grossen «Thema» erkoren. Wohl nicht ohne Grund: Aktuell herrscht ein Öko-Hype. Weniger Fleisch, Strom, Auto gehört zum guten Ton. Von diesem Biotrend wollen die Outdoor-Marken mitprofitieren – und die Gelegenheit nutzen, ihr giftgrünes Image weisszuwaschen.

Weiss wird das grünste Grün

Im Februar trifft sich die Branche an der Ispo, der grössten Fachmesse Europas. Die Hersteller werden sich mit Öko-Erfindungen gegenseitig überbieten. Für Aufsehen sorgt etwa Columbia mit drei neuen «OutDry Extreme Eco»-Jacken: «Wir haben die weltweit ersten wasserdichten und atmungsaktiven High-Performance-Jacken entwickelt, die komplett auf PFC verzichten und umweltfreundlich hergestellt werden», heisst es. Und: Die Jacken gebe es vorläufig nur in weisser Farbe, weil ungefärbter Stoff ressourcenschonender produziert werden könne. Pro Jacke würden dadurch mindestens 70 Liter Wasser gespart. Zur Herstellung werden allerdings 20 bis 30 Plastikflaschen benötigt, die angeblich aus Recycling stammen.

Die «Extrem-Öko»-Regenjacke von Columbia wurde bereits zur «grünsten Jacke» gekürt. Weiss könnte also bald das neue Grün werden. Ausser am Berg: da war weisse Kleidung noch nie eine sinnvolle Wahl. Aber das spielt ja keine Rolle, solange die Mode bei den urbanen Öko-Hipstern gut ankommt.

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