Tempobolzern droht schneller Tod

Immer mit der Ruhe: Jogger auf der Brooklyn Bridge in New York. Foto: Curtis MacNewton (Flickr)

Immer mit der Ruhe: Jogger auf der Brooklyn Bridge in New York. Foto: Curtis MacNewton (Flickr)

Die Raketen unter den Läufern haben den Hang, ihre gemütlicheren Artgenossen zu belächeln. Viele von ihnen betonen sehr gerne, dass Läufer nicht gleich Läufer ist. Sie unterscheiden Läufer von Joggern – und zählen sich natürlich nicht zur zweiten Kategorie. Denn während im Volksmund die beiden Worte Synonyme sind, hat für manchen ambitionierten Läufer der zweite Begriff eine abwertende Konnotation. In seinen Augen wird der «bedeutende» Unterschied zwischen den beiden Gruppen im Strassenverkehr besonders deutlich sichtbar: Jogger (die Gemächlichen) würden nämlich anders als Läufer (die Schnellen) am Rotlicht auf der Stelle traben bis es Grün wird – bemüht, sportlich zu wirken, mit dem Resultat, sich lächerlich zu machen. Läufer hingegen würden höchstens ob der Pause ärgerlich aus der Wäsche schauen.

Jogger leben länger

Die Unterteilung der Spezies, die in Laufschuhen unterwegs sind, oder eben die Frage «Läufst du schon, oder joggst du noch?» hat schon viel Tinte fliessen lassen. Nun dürften die «Läufer» aber nach der Lektüre einer kürzlich publizierten Studie von ihrem hohen Ross steigen. Sie spielt nämlich den «Joggern» in die Hände – und zwar in einer sehr existenziellen Art und Weise. Dänische Forscher haben untersucht, welcher Läufer-Gattung ein längeres Leben prognostiziert wird.

Die jüngst veröffentlichte Expertise zeigt, dass das Mortalitätsrisiko von körperlich aktiven Teilnehmern 30 Prozent tiefer ist als jenes der Sofahocker. So weit, so bekannt. Noch stecken die Schnellen im selben Topf wie die Langsamen. Nun haben die dänischen Forscher aber konstatiert, was alle Tempobolzer aufhorchen lassen sollte: Ihre Sterberate unterscheidet sich kaum von jener von den Stubenhockern!

So läuft man dem Tod davon

Die Wissenschaftler haben konkret das Tempo, den Trainingsumfang und die Sporthäufigkeit unter die Lupe genommen. Dazu haben sie 15 Jahre lang 1098 gesunde, normalgewichtige Läufer und 3950 gesunde, normalgewichtige Nichtläufer verschiedenster Altersgruppen begleitet. Sie untersuchten daraufhin die Todesfälle und verglichen sie mit der eigentlichen Lebenserwartung der Verstorbenen.

Diese Forschungsarbeit aus Skandinavien ergab, dass durchaus ein Laufrezept für ein längeres Leben existiert. Die Probanden, die 1 bis 2,4 Stunden wöchentlich in den Laufschuhen unterwegs waren, haben nämlich die tiefste Sterblichkeitsrate. Zudem erweist sich zwei- bis dreimal die Woche rennen als optimal, um dem Tod möglichst effizient von der Schippe zu springen. Und am längsten leben eben jene, die trödelnd unterwegs sind. Läufer, die sehr häufig und sehr schnell unterwegs sind, haben hingegen im Vergleich zu den Sofahockern keine bemerkenswerten Vorteile.

Todesursache ungeklärt

Ein kleiner Hoffnungsschimmer auf ein längeres Leben bleibt den Tempobolzern aber – auch ohne dass sie künftig mit angezogener Handbremse unterwegs sein müssen: Die dänischen Wissenschaftler haben nämlich in dieser Studie nicht untersucht, woran die Probanden starben.

9 Kommentare zu «Tempobolzern droht schneller Tod»

  • Peter Aletsch sagt:

    Die Zahl von 2 Todesfällen bei den Extremläufern ist statistisch nicht gerade überzeugend. Es könnten auch Null sein, dann würde man behaupten, es garantiere hohes Alter. Erinnere mich an eine andere Dänische Studie, wo gefunden wurde, dass angestrengte Alltags-Velofahrer deutlich länger leben würden.

    Aus meinem Bekanntenkreis: – Mann, 80, geistig und physisch noch sehr fit, Teilnehmer an 24-Std.-Lauf von Biel. Stirbt kardiovaskulär. – Frau, 40, berichtet mir von Mont-Blanc-Besteigung und 4 Stunden Schwimmen. Hat ab und zu Suizidgedanken. Man müsste also auch die Ursachen für Exzessivität berücksichtigen. Offenbar ‚brauchen‘ gewisse Leute Extremsport, um ein inneres und äusseres Gleichgewicht herzustellen. Sie fühlen sich einfach so besser. Ist wichtiger als langes Leben.

  • Wildberger sagt:

    Als medizinisch interessierter Laie leuchtet mir diese Studie ein. Wer dauernd am Limit trainiert stresst sich dauernd und Dauerstress tötet.

  • Daniel Wigger sagt:

    aber das wissen wir doch schon seit langem. Der Spruch dazu lautet: Allzuviel ist ungesund.

  • arnold gasser sagt:

    Der Läufer ist der Raging-Bull unter den Laufsportlern. In goldmansachs’scher Manier will er überall abräumen und das gelingt ihm dann auch häufig im Sport, wie im Beruf und auch im Privaten. Aber eines Tages stresst er nach dem Extremjoggen wieder nach Hause zu seiner schönen Frau und trifft statt dieser auf den Sensemann. Bald darauf aber wird seine einsame Witwe den vor dem Rotlicht dämlich auf der Stelle trabenden Jogger treffen, sich in diesen verlieben und einladen, zu ihr ins Auto zu steigen. So reisst sich der gemütliche Jogger ungewollt, Haus, Auto und die schöne Frau unter den Nagel. The Jogger takes it all.

  • A. Koch sagt:

    Traue keiner Statistik, die du nicht selbst manipuliert hast, oder so ähnlich ;-) Also, einfach das Leben geniessen, ob bolzend, joggend, oder als Sofa-Surfer.

  • Karl-Heinz Failenschmid sagt:

    Wer sich zu oft zu lange im roten Bereich bewegt, wird eher nicht alt. Es gibt einen idealen Aufbau eines Tages, eines Rennens oder sogar des Lebens. Man sollte sanft beginnen, sich moderat warmmachen, dann steigern und gegen Ende wieder auslaufen lassen. Der absolute Blödsinn nennt sich H.I.T. Ich weis wovon ich rede, ich habe ca. 10 Jahre lang im Wald Brennholz aufbereitet, ein Haus renoviert und mindesten zwölf Mal einen Marathon im Ziel beendet. Immer, wenn es Probleme gab, hatte ich zu schnell begonnen. Bei der Pace sollte man sich an der eigenen Person bemessen, als fünfundfünfzigjähriger nicht an einem fünfundzwanzigjährigen Kaderathleten.

  • Herbert Peter sagt:

    Jogger, Läufer, Velofahrer, Biker, … chunnt’s ächt drufaa? Wir haben wichtigere Dinge. Hauptsache es macht Spass, auch ein kurzes Leben.

  • Christoph Bögli sagt:

    Allgemeine Trends sagen natürlich nicht zwingend viel über den Einzelfall aus – und umgekehrt – aber trotzdem ist das keine überraschende oder wirklich neue Erkenntnis. Langfristig am oder über dem Limit zu trainieren ist generell heikel und lässt die grundsätzlich positiven Effekte von Sport schnell mal verpuffen. Körperlicher Verschleiss und ständige (Über-)Belastung können anderen Bereichen wie dem Immunsystem Ressourcen entziehen und damit den Körper schwächen, zudem können starke Belastungen auch Vorerkrankungen z.B. am Herzen in den tödlichen Bereich bringen. Wie bei allem gilt darum auch beim Sport, dass mehr nicht automatisch besser ist, sondern man eine gesunde Balance finden muss.

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