Pumptracks machen Schule

  • Für Schüler und Profis: Pumptrack in Sils. Fotos: Gstaad-Scott & Velosolutions

  • Auf Asphalt werden Kinder spielerisch an den Sport herangebracht.

  • Kreatives Pflaster: Die Anlage liegt zwischen Fussballplatz und Schulhaus.

  • An Wochenenden sind Kinder und Eltern auf dem Track anzutreffen.

  • Respekt und gegenseitige Rücksichtnahme sind oberstes Gebot. Wie überall.

Ein Pumptrack an der Schule – davon können die meisten Kinder nur träumen. Viele erleben den Schulsport leider wenig abwechslungsreich, verbunden mit einem klassischen Bewertungssystem. Wem die Begeisterung für Bewegung nicht in die Wiege gelegt wurde, ist da schon mal demotiviert. Es geht aber auch anders: Mit Pumptracks für Biker direkt neben dem Schulhaus machen Gemeinden wie Jenaz, Sils, Flawil und Mendrisio Schule – im wahrsten Sinne des Wortes.

«Pumpen» statt treten

Das Besondere an Pumptracks: Die Rundkurse aus Wellen, Anliegerkurven und Sprungelementen lassen sich alleine durch Gewichtsverlagerung, also Be- und Entlasten von Vorder- und Hinterrad, und den daraus resultierenden Schwung fahren. Ganz ohne in die Pedale zu treten. Im Idealfall, denn ein bisschen Übung benötigt das schon. Mit häufigerer Nutzung verbessern sich Kraft, Kondition und Koordination.

Ideal für Schulkinder, finde ich. Oder? «Auf dem Pumptrack werden Kinder spielerisch an den Sport herangebracht», meint auch der ehemalige Downhill-Profi Claudio Caluori. Mittlerweile leitet er das Gstaad-Scott-Mountainbike-Team und baut als Chef von Velosolutions Trails und Pumptracks. «Natürlich werden die Kinder nicht alle Mountainbiker, aber viele finden einen Einstieg in den Sport generell. Ausserdem verbringen sie weniger Zeit vor dem Bildschirm.»

Steigende Nachfrage

In der Schweiz, aber auch in anderen Ländern wie Deutschland oder Luxemburg gibt es bereits mehrere Pumptracks in Schulnähe. Teilweise werden sie (ohne Bewertung) in den Schulsport integriert, ansonsten sind sie nach dem Unterricht frei zugänglich. «Die Anlage bei uns ist sehr gut aufgenommen worden», berichtet Mario Kunz, Gemeindepräsident von Sils. «An Wochenenden sind Heerscharen von Kindern und Eltern auf dem Track anzutreffen.» Denn: Biker jeden Alters und mit unterschiedlicher Erfahrung können auf dem Pumptrack trainieren und Spass haben.

Velosolutions Pump Park Sils i.D. from Claudio Caluori on Vimeo.

Die Nachfrage nach Pumptracks ist stark gestiegen – Velosolutions legte allein in diesem Jahr 25 neue Tracks an. Die meisten aus Asphalt. Sie lassen sich auch mit Skateboards oder Inlineskates und bei jedem Wetter nutzen, benötigen dazu quasi keinen Unterhalt. Und die Verletzungsgefahr? «Klar, Schürfungen können etwas stärker ausfallen als bei einem Untergrund aus Erde, aber dafür ist der Grip deutlich höher, und somit sind Stürze wesentlich seltener», so Caluori.

Des einen Freud…

«Doch es gibt auch Schattenseiten», berichtete die NZZ. Wo Jugendliche zusammenkämen, werde es lärmig und betriebsam. Viele Menschen störe das. Aber war das nicht schon immer so?, frage ich mich. Auch in Sils gibt es Probleme: Vandalismus und Pöbeleien, die jedoch nicht mit dem Pumptrack per se zusammenhängen. «Die ganze Anlage ist zu einem Jugendtreffpunkt geworden, wo aber nicht der Velosport im Vordergrund steht», bedauert Kunz. Der Gemeinderat sieht sich nun gezwungen, das bisher frei zugängliche Gelände einzuzäunen. Ganz klar: Respekt und gegenseitige Rücksichtnahme sind oberstes Gebot. Wie überall. Aus meiner Sicht sind Pumptracks dennoch eine Bereicherung – an Schulen und ganz generell.

Wie stehen Sie zum Thema Pumptrack – gute Sache oder unnötige Investition? Sollten Ihrer Meinung nach mehr Pumptracks entstehen? Auch an Schulen und mit öffentlichen Mitteln?

2 Kommentare zu «Pumptracks machen Schule»

  • Roland sagt:

    Emanuel. Wie im Text geschrieben und auch im Video ersichtlich – so ein Asphalt-Pumptrack kann mit dem Skateboard, Inline-Skates, BMX, Mountainbike, Laufvelo (oder sogar mit ferngesteuerten Autos) usw. befahren werden. Da braucht es kein teures Hightech-Bike dazu, ganz im Gegenteil: die Federung würde nur unnötig Pump-Energie schlucken. Stabil muss es unter Umständen schon sein, vor allem wenn man zu Springen beginnt und die Distanz noch nicht perfekt einschätzen kann… so lange man nur über den Pumptrack rollt sind die Kräfte deutlich kleiner und das Bike braucht nicht extrem stabil zu sein.

  • Emanuel sagt:

    Schöner Text und schön wenn sich das eine Schule leisten kann. Ich würde das bei uns auch jederzeit unterstützen, solange alle jederzeit davon profitieren können. Jetzt aber einfach zu sagen die Kids würden das so super toll finden ist etwas gar einfach… Schon mal an alle Kinder gedacht die kein so tolles Bike haben?! Wenn sie da mit dem ocasions Velo aus dem Billigbaumarkt ankommen und nach dem ersten Hüpfer irgend etwas verbogen ist ist nicht nur die Motivation hin sondern auch der soziale Ausgrenzung Tür und Tot geöffnet. Der Schulsport mit dem „klassischen Bewertungssystem“ basiert halt auch darauf, dass man mit einem Paar billigen Turnschuhen Höchstnoten erreichen kann.

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