6 Ärgernisse beim Herbsttraining

Ein Beitrag von Thomas Renggli*

Young man on treadmill jogging in front photograph of forest

Spiegelt die altgriechische Sisyphusarbeit wider: Das Laufband. Foto: Getty Images

Bodenfrost, Hochnebel, steife Gelenke. Der goldene Herbst hat – rein läuferisch gesehen – auch seine Schattenseiten. Da bietet sich das Fitnessstudio als warmes und trockenes Übungsfeld an. Auf Laufbändern lässt sich so strukturiert, effizient und gezielt trainieren wie nirgends in der freien Wildbahn. Doch auf den Hobbyläufer warten beim Indoortraining Gefahren, Ärgernisse und Unwägbarkeiten. Hier sechs besonders heimtückische Fallen:

    • Wer war zuerst? Das Laufband oder die Nervensäge, die es monopolisiert und immer ausgerechnet dann trainiert, wenn man selber vor Tatendrang fast zerplatzt? Es gibt kaum einen grösseren Ablöscher als Wellness-Kunden, die sich mit Getränkeflasche, iPod und Handtuch auf Fitnessgeräten häuslich einrichten und den wahren Sportlern hämisch lächelnd die Trainingszeit stehlen.
    • Hygiene und Sport stehen oft in Widerspruch zueinander. Doch seit in den hiesigen Fitnesszentren an jeder Ecke eine Flasche mit Desinfektionsmittel zu finden ist, besteht kein Grund, das Übungsgerät in ungereinigtem Zustand zu hinterlassen. Es gibt kaum etwas Abschreckenderes, als in der Schweisslache und Duftwolke des Vorgängers laufen zu müssen.
    • Gesellschaftliche Kontakte und offene Kommunikation sind wichtig fürs persönliche Gleichgewicht. Doch gibt es geeignetere Orte, um das soziale Defizit zu beheben, als das Fitnessstudio. Wenn man sich beim Training das Getratsche über die neue Frisur der Geliebten des Chefs, über die Farbe der Wohnungstür des Nachbarn oder die abendlichen Ausgangspläne der besten Freundinnen anhören muss, wähnt sich der konzentrierte und fokussierte Hobbysportler im falschen Film.
    • Ohne hier intolerant oder sektiererisch wirken zu wollen: Genau so schlimm wie scheintrainierende Plappermäuler sind die verhinderten Profisportler, die laut stöhnend und wild prustend den persönlichen Weltrekord anstreben. Im ärgsten Fall rudern sie so stark mit den Armen und wippen so ausladend mit dem Kopf, dass sie den Schweiss nur so um sich spritzen und die ganze Umgebung befeuchten. Gegen Übermotivation ist kein Kraut gewachsen – und der Hinweis, dass die nächsten Olympischen Spiele erst in vier Jahren in Tokio stattfinden, verpufft ebenso wirkungslos wie der sprichwörtliche Ruf in der Wüste.
    • Gerade auf Städtetrips ist das «Hamsterrad» im Fitnesszentrum oft die sicherste und schnellste Form, den Trainingsrhythmus hochzuhalten. Doch je nach Destination ist Vorsicht geboten. In den USA beispielsweise kann die Eingabe der Tempo-Einheit 10 zum «Fitness-Crash» führen: Im Land der Trumps und Clintons gelten andere Werte. Die Geschwindigkeit wird in Meilen pro Stunde gemessen.
    • Last but not least spiegelt das Laufband die altgriechische Sisyphusarbeit: Man läuft, läuft und läuft – und bleibt trotzdem stehen. Wer nicht als Don Quichotte des Feierabendsports enden und laufend gegen Windmühlen kämpfen will, hat nur eine Wahl: So schnell wie möglich warme Trainingskleider kaufen, Lammfellsohlen in die Laufschuhe schieben – und ab in den Herbstwald.

thomas_renggli*Thomas Renggli ist Dauerläufer und Journalist.

13 Kommentare zu «6 Ärgernisse beim Herbsttraining»

  • Michael sagt:

    Ich habe die Fans von solchen Muckibuden nie verstanden ! Allein der Dress- ToDo- und Benimmcode würde mich voll abschrecken. Oder die Gefahr mich mit Schnupfen Husten Heiserkeit anzustecken.
    Ich radle 15 km zur Arbeit wenn das Wetter es zulässt und gehe ab und zu Schwimmen. Im Sommer kommt Golfen und Motorrafahren dazu. Das reicht völlig, um nicht zu verrosten.

  • Karin sagt:

    ich würde eher ab 30 Grad aufs Laufband flüchten, Herbsttemperaturen sind ideal fürs Training und für die Stärkung des Immunsystems.

  • Paul sagt:

    Na sowas „Lammfellsohlen in die Laufschuhe schieben“
    Aber das ist wohl nicht ernst gemeint.

  • Cynthia sagt:

    Wenn man es sich – vom Platz und von der Lärmisolation her – leisten kann, empfehle ich jede(r)(m), sich selber so ein Laufband anzuschaffen. Ich geniesse es, morgens meine 5k gemächlich abzuspuhlen und die „morning show“ reinzuziehen. So kann ich gut in den Tag starten und rege mich höchstens über das Fernsehprogramm auf. Bei meiner S-Bahnstation sieht man in ein 24h Fitnessstudio rein. Die haben zwar immer genügend freie Crosstrainer und Laufbänder, aber die Typen, die dort wie Gorillas rumstolzieren, würden mir die Freude am Sport nehmen.

  • Karl sagt:

    ich persönlich bin den ganzen tag unter Menschen,(Gastronomie), somit treibe ich meine sportlichen Aktivitäten in der freien Natur, um meine ruhe zu haben. also kommt ein Fitnessstudio sowieso nicht in frage.

  • Roland K. Moser sagt:

    Wenn jemand das Laufband monopolisiert, indem er es braucht, ist es ja wohl gerechtfertigt. Auch wenn er 2 Stunden läuft und zwischendurch lediglich aufs WC geht.
    Anders sieht es aus, wenn das Laufband besetzt wird, ohne es zu benutzen, oder so zu benutzen, dass man auch Schikane sprechen kann.

  • Martina sagt:

    Diese Arroganz… Ich frag mich einfach, ob sie sich damit das Leben wirklich leichter machen.

  • Diego C. Petraccini sagt:

    Aus genau den genannten Gründen trainiere ich nur noch zu Hause oder Outdoor! Hinzu kam ein Trainingscoach, dessen einzigen Beschäftigungen online-Games und faule Sprüche waren.

  • Beat Kuster sagt:

    Danke, lieber Thomas Renggli, sie haben mich in der Annahme bestärkt, dass ein Fitnesszentrum kein Ort ist, den ich mir unbedingt antun müsste.

    • Michi sagt:

      Geht mir auch so. Werde es wohl nie verstehen, für was ein Laufband gut sein soll. Ob ich vom Schweiss oder vom Regen nass bin, spielt nun wirklich keine Rolle (jedenfalls für mich, bin aber offensichtlich in der Minderheit).

  • Dominik sagt:

    Ich habe noch nie so schlechtes Wetter erlebt, als dass es mich aufs Laufband gezogen hätte!

    • Blois sagt:

      Nur bei Temperaturen unter -5° C. Ist wirklich ziemlich schwach, im Herbst im Fitnesscenter joggen zu wollen.

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