Achtung, ein veganer Bergsportler!

Outdoor

Müssen Bergrestaurants sich besser auf Veganer einstellen? Alpinisten essen auf der Terrasse vor der Coazhütte im Engadin. Foto: Arno Balzarini (Keystone)

Kürzlich wanderte ich allein auf den Fronalpstock im Glarnerland. Ausser einem Bauern, der mir auf dem Alpsträsschen mit dem Traktor entgegenratterte, begegnete ich niemandem. Wenige Meter unter dem Gipfel überholte mich dann ein drahtiger Mann in kurzen, engen Jogginghosen. Er war Bergläufer mittleren Alters und sehr fit. Oben drückte er auf seine Stoppuhr. Die Laufzeit schien gut zu sein, jedenfalls lachte er mir zufrieden entgegen.

Wir kamen ins Gespräch, und es ergab sich, dass wir zusammen Gipfelpause machten. Er war in Flirtlaune, also flirtete ich ein bisschen zurück. Warum auch nicht? Sieht ja keiner. Im Rucksack hatte ich ein Sechserpack Madeleines, ein stark fett- und zuckerhaltiges Feingebäck. Momentan mein Lieblingsproviant beim Wandern. Ich bot dem Bergläufer eines an. Doch er reagierte wie ein aufgescheuchtes Huhn. Er sei Veganer, erklärte er. «Seit zwei Jahren konsequent.»

Tierisch radikal

Mir wäre seine tierfreundliche Lebensweise wurst gewesen, aber ihm nicht. Unaufgefordert zählte er die Gründe auf, die ihn zu diesem «radikalen Schritt» bewegt hatten. Er sprach über Ethik, Moral und dergleichen. Als Veganer verzichtet er auf alles Tierische, also auch auf Eier. «Legehühner müssen nämlich auch leiden», sagte der Bergläufer. Und in meinen Madeleines habe es Ei drin. Recht hatte er. Es stand sogar gross auf der Plastikverpackung: «Mit Vollei».

Aus seinem Mini-Trailrunning-Rucksack zauberte er einen Riegel. «Selber gemacht», sagte er stolz. Das Rezept habe er eigens ausgetüftelt: Haferflocken, Nüsse, Kürbiskerne und irgendwelche Supersamen und Superbeeren aus Mittelamerika, die schon die alten Maya gegessen hätten und noch heute bei den indigenen Völkern als «Kraftnahrung» gälten. «Interessant», sagte ich höflich und biss in mein zweites Madeleine mit Vollei.

Dann zeigte er auf meine Schuhe und meinte, die Sohlen seien mit Klebstoff verarbeitet, der tierische Bestandteile beinhalte. Seine Laufschuhe waren dagegen vegan korrekt. Da achte er beim Kauf drauf, was gar nicht so einfach sei. Ohnehin sei das Leben als veganer Bergsportler gar nicht so einfach. Auch Daune sei ein Tabu. Genau wie Leder, Wolle und Filz. Ich trug ein Shirt aus Merinowolle – nicht gut in seiner Weltanschauung.

Dumme Beizer?

Als er anfing, über die Bergbeizen herzuziehen, packte ich meine Sachen. Die meisten Alpwirtschaften, so klagte er, hätten zwar ein paar wenige vegetarische Gerichte im Angebot, aber auf vegane Kundschaft seien sie überhaupt nicht eingestellt. Er könne da nicht einmal Rösti essen, weil diese mit Butter gebraten werde. Und in der Salatsauce habe es Mayonnaise. Diese Beizer seien einfach nur dumm, so der Bergläufer. Denn die Veganer-Gemeinde werde immer grösser, viele von ihnen seien Outdoorsportler und Berggänger. Aus Protest gegen die alpine Küchenpolitik würden viele Veganer solche Beizen gänzlich meiden, dort also nicht einmal etwas trinken.

In vielem hatte der Bergläufer sicher recht. Ich finde es gut, wenn jemand konsequent vegan lebt. Meinetwegen darf er auch missionieren. Die Lust auf Madeleines mit Vollei vergeht mir trotzdem nicht. Die Lust auf veganes Flirten ist mir dagegen für immer vergangen.

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66 Kommentare zu «Achtung, ein veganer Bergsportler!»

  • Tamar von Siebenthal sagt:

    Nun, Veganer sind sicher extrem, aber immer noch besser sls diese Vielzshl von Ignoranten, welche sich keinen Deut darum scheren, wie die Tiere gehalten werden, die sie essen und für deren Fraktion auch Fair-Trade ein Fremdwort ist.

  • Dani Slamanig sagt:

    Schlussendlich bleibt es eine menschliche Interpretation von Tierleid, welche Veganer/innen ins Feld führen. Bin sofort einverstanden, dass artgerechte Tierhaltung und sanfte Tötung ein Muss sind. Aber fragt mal einen Löwen, ob ihn das Leid der Gazelle interessiert, in die er grad seine Reisszähne schlägt. Aber es gibt auch wirklich gute ökologische Argumente, den Fleischkonsum niedrig zu halten. Hatte auch mal 6 Jahre lang immer einen Rucksack voll Nahrungsmittel dabei, bis es mir zu blöd und zu asozial wurde. Lieber genieße ich heute, was es vor Ort gibt oder jemand für mich kocht. Jedenfalls ist mir diese wütende Missioniererei auch unsympathisch, und m. E. soll jemand, der sich speziell ernährt sein Zeugs selber mitnehmen, statt einfach nur wütend sein zu wollen.

  • Marie sagt:

    „Die Lust auf veganes Flirten ist mir dagegen für immer vergangen.“

    Naja, also ich muss sagen ich hatte auch schon schlechte Flirts mit Omnivoren, Carnivoren und Vegetariern. Sollte mir folglich die Lust auf einen Flirt mit allen o.g. vergangen sein?

  • Tobi sagt:

    „Die Lust auf veganes Flirten ist mir dagegen für immer vergangen.“

    Ist doch prima, wenn sich die Konkurrenz eigenhändig ins Schachmatt setzt. Glückliche Menschen sind eh am Attraktivsten :)

  • Pia Spengler sagt:

    Sie können es als ein Zeichen sehen, dass sie einem Engel in Menschengestalt
    begegnet sind
    hoffentlich denken Sie bald über Ihre -Ernährung nach, im Interesse Ihrer -fitness -Gesundheit und Schönheit
    erst als es mir mit 52 JAHREN sehr schlecht gegangen ist, habe ich die Augen geöffnet
    sicher habe ich noch viel ungesünder gelebt als sie mit ihren madeleines aber die habe ich auch verzehrt

    naja man kann damit alt werden, aber wie
    also ich finde es sehr gut, dass Sie von der Begeg nung berichten
    es ist einer von sehr vielen Rufen auf den richtigen Weg
    meine tiefen gründe kommen in diesem link vor, auch wenn gar nicht von eioern zucker weizen die rede ist, aber diese fehlernährung begünstigt die ausbreitung von viren und die demolation des Immunsystems

  • Carnivorus Extremus sagt:

    Sauber ins Wespennest gestochen wie man an der Vielzahl der Kommentare erkennen kann, das war aber vermutlich auch der Sinn des Artikels.
    Missionare auf allen Seiten, lustig und unterhaltsam…

  • Florian Keller sagt:

    Das Wort „missionieren“ ist im Zusammenhang mit Veganismus völlig unangebracht. Schliesslich basieren Veganismus und Tierrechte nicht wie Religion auf Märchen und Fabelwesen, sondern auf gerechten ethischen Überlegungen. Dabei ist klar, dass den Tierausbeutern jene Veganer lieber sind, die wegsehen und die Klappe halten. Vor allem, wenn ihnen egal ist, dass für ihre Madeleines Küken geschreddert und sogenannte Legehennen fünfzehn Monate ausgebeutet und dann vernichtet werden. Umso weniger dürfen wir Tierrechtler schweigen.

  • Stefan Luzi sagt:

    Als begeisterter Bergsportler und Vegetarier seit 30 Jahren möchte ich mich zunehmend vegan ernähren, dies, weil ich merke, dass ich viele Fragen (woher kommt die Milch eigentlich? Was passiert eigentlich mit den männlichen Küken? etc.) bisher einfach ausgeblendet habe…
    Meine Erfahrung ist es jedoch, dass v.a. meine Fleisch-essenden MitbürgerInnen kaum mehr vom Thema lassen können, wenn man mal darauf stösst (ich vermeide das eigentich eher…) und sich unter starkem Rechtfertigungs- bzw. Argumentationsdruck fühlen.
    Alternative zu den SAC-Hütten? Biwak.

  • Markus sagt:

    Super, Samen aus Südamerika essen ist ja so was von ökologisch und nachhaltig! Nebenbei hat es auch den genialen Nebeneffekt, dass sich die Einheimischen ihr Grundnahrungsmittel nicht mehr leisten können, da der europäische Wohlstandsveganer das 100-fache für ein Kilogramm bezahlt und die Produzenten ja keine Deppen sind. Aber dann Demonstrieren gehen gegen die bösen Amis die den Mais zu Ökobenzin verarbeiten. Und die Produktion von (gentisch verändertem) Soja – egal für Tierfutter oder Tofu – zerstört massenweise Urwald.

  • Lori Ott sagt:

    Schön für Natascha Knecht, dass sie nicht wie ich eine Veganer-Allergie oder eine sonstige Extremisten-Intoleranz hat.

  • Petsch sagt:

    Mal abgesehen von der nervigen Wohlstandsdebatte Vegi/Vegan finde ich das Flirten in der Schweiz im Alltag eine unglaublich schwierige Angelegenheit.
    Dieser Beitrag bestätigt das ganze mal wieder. Viele Mitmenschen nehmen sich hier in der Regel sowas von bitterernst, dazu hat Spontanität praktisch kein Platz mehr in unserer Kommerz-Gesellschaft…

  • Markus Mühlbacher sagt:

    Ich bin auch Laktose-Intolerant. Die hat nichts mit „Wohlstandsmoden“ zu tun, sondern schlicht mit einer körperlichen Unverträglichkeit: Trinke ich auch nur ein Glas normale Kuhmilch, habe ich danach 24 Stunden massive Magenblähungen – weder für mich noch für meine Mitmenschen wirklich toll. Fleisch esse ich normalerweise nicht, weil es unnötig ist, ich kein Verlangen danach habe und die Fleischproduktion definitiv unnachhaltig ist (z.B. 1kg Rindfleisch = 16’000 Liter Wasserverbrauch). Hat also alles nichts mit Ideologie, sondern mit Fakten zu tun. Und @Eva: Du könntest ja ganz einfach alle Milchprodukte laktosefrei einkaufen, und die „Normalos“ würden es nicht merken… Laktosefreie Machiatos ect. sind übrigens in beinahe jedem Norwegischen Café Standard.

    • jan beran sagt:

      Trinken Sie Kaffee ?
      1kg Rindfleisch 16 000 l Wasser
      1kg Kaffee 22 000 l Wasser

      • Mathias sagt:

        1 kg Fleisch reicht vielleicht eine Woche, wahrscheinlich weniger. 1kg Kaffe zwei Monate bei 2-3Kaffee am Tag.

    • Markus sagt:

      Mich stört vor allen Eure Erwartungshaltung. Warum soll Eva ihre Sortiment umstellen und die lokalen Milchprodukte-Produzenten nicht mehr berücksichtigen, nur damit sie Dich bedienen kann? Du kannst doch einfach Deine Milch in die Hütte mitnehmen und fertig. Und natürlich würden es wir merken – mindestens am Preis.

      • Markus Mühlbacher sagt:

        Hallo Markus & Jan, es geht nicht um Erwartungshaltungen, sondern um die gesellschaftliche Realität. Und die sagt uns nun mal klar: Laktose-Intoleranz nimmt ständig und schnell zu. Und es gibt auch kleine, lokale Produzenten, die laktosefreie Produkte herstellen, wie z.B. die Napfmilch (alles Milch von Bergbauern), Molkerei Biedermann etc. Wenn Eva es sich leisten kann, 20-30% der potenziellen Kundschaft (nämlich all die mit Laktose-, Gluten- oder anderer Intoleranz, dazu kommen noch die Vegetarier) zu ignorieren: Super für sie, aber dann möchte ich dann auch keine Klagen hören über das „schlechte Geschäft“!

        • Markus sagt:

          Laktose-Intolerant sind ca. 17% der CH-Bevölkerung und von denen gehen dann (statistisch gesehen) ca. 8% in die Berge fürs Wandern, Bergsteigen, etc. (ca. 50% der Gesamtbevölkerung geht in die Berge). Der Anteil Vegetarier ist – entgegen dem Medienhype – seit bald 20 Jahren konstant bei ca. 3%, Veganer sind unter 1%. Statistisch gesehen machen ihr also knapp 10% aller Besucher von Bergrestaurants und Hütten aus und nicht 20-30%. Zudem konsumieren Vegetarier Milchprodukte. Ein Bergrestaurant oder eine SAC-Hütte ist nun mal kein Sanatoriumsbetrieb und wegen 10% der Kundschaft den Betrieb umstellen und Milch vom Napf z.B. ins Wallis karren ist betriebswirtschaftlicher und ökologischer Blödsinn. Sorry, ich bleibe dabei – packt Euren Rucksack und selber hochtragen!

  • Joachim Adamek sagt:

    Ich kann Frau Knecht nur zu gut verstehen, ich hätte wohl an ihrer Stelle genauso gehandelt. Wessen Gespräche auf einer Hütte nur ums Essen kreisen, der hat nichts verstanden. Letzte Woche bekam ich ein paar Bilder vom „Berg-Urlaub“ geschickt, bei dreien bekam ich mächtig Appetit: Schlagsahne, Erdbeeren, Vanilleeis & Apfelplätzchen. – Man wollte mir wohl zu verstehen geben, dass man auf einer Bergtour nichts entbehren muss. Das kontrastierte befremdlich mit Reinhold Messner’s „Absturz des Himmels“, das ich gerade las. Ein (lesenswerter) Versuch über die Erstbesteigung des Matterhorns.

  • Andi sagt:

    Der Herr war ja selber „erst“ (finde ich super!) seit 2 Jahren Vegan, da ist es wie mit den Raucher die kürzlich Nichtraucher werden, sind ja immer die schlimmsten militanten antiraucher…denke dass ist etwa daselbe…
    Ich lebe nun seit 10 Jahren Vegan und das legt sich alles…im Gegeteil mit missionieren hatte ich null erfolg danach aber als ich es für mich tat…wurden plötzlich viele aus dem Bekanntenkreis Vegan oder Vegetarier…so ala Vorbild funktion..
    Trotzdem die Veganer müssen sich jeden Tag immer dieselben Vorurteile anhören…wie z.B wie bekommst du deine Proteine oder Eisen etc etc…
    Das nervt noch viel mehr;)
    Die Sklavenhalter waren vor 100 Jahren auch immer genervt wennd da jemand kam um sie zu belehren, das diese Sklaven doch auch Rechte hätten…das ist der PUNKT!

    • Lori Ott sagt:

      Das Schlimme ist, dass strikte Veganer glauben sie seien etwas Besseres. Ich lebe vegetarisch, und wenn die Suppe im Restaurant halt mal trotz gegenteiliger Behauptung des Personals geschmacklich klar erkennbar mit Fleischbouillon gemacht ist, hoffe ich einfach dass meine Haut wegen dem einen Mal nicht reagiert, und gut ist.

  • Robin H. sagt:

    Ein Witz, der früher für Piloten galt, gilt heute auch für Veganer:
    „Wie merkt man, dass ein Veganer an der Party ist?
    Gibt nichts zu merken, er wirds von selber lautstark erzählen“…
    P.S. Angesichts des endlosen Blabla von Veganern aber auch von Fleischessern sage ich immer nur:
    „Wenn ich eingeladen bin, esse ich alles, aber einkaufen tu ich tendenziell Vegan“.
    Mit dem Statement umschifft man die meisten Diskussionen :-D

  • Jan sagt:

    Auf Veganer einstellen? Nicht wirklich. Aber ein bisschen mehr „Zermatt“ täte den restlichen Schweizer Bergrestaurants schon gut, in Sachen Qualität, Abwechslung und Service. Übrigens, die Region Hochkönig – Maria Alm in Österreich ist gemäss Eigenwerbung selbst in den Bergrestaurants auf Vegane Gäste eingestellt.

  • Maja sagt:

    Wieso sich ausgerechnet Leute, die sich an den allerärmsten Lebewesen, nämlich Pflanzen, die sich überhaupt nicht wehren können, vergreifen, sich moralisch so überlegen fühlen, bleibt wohl deren Geheimnis. Oder sind Pflanzen in den Augen von Veganern etwa keine Lebewesen?

    • Andi sagt:

      Doch sicher…aber Lebewesen ohne Nervensystem;)

    • Christian Weiss sagt:

      Oh. Pflanzen können sich sehr wohl wehren. Die meisten von ihnen produzieren Gifte gegen Fressfeinde. Viele davon kann man rauskochen. Aber wer vegan und roh (fr)isst, muss sich über Bauchschmerzen nicht wundern.

      • Andi sagt:

        demfall kann davon ausgegangen werden dass Herr Weiss noch nie roh oder vegan gegessen hat, sonst würden Sie nicht so ein Unfug rauslassen.
        Spricht eher für die Tendenz das Sie nur Fleisch essen…lassen sie mich raten..Sie nutzen auch Zahnpasta mit Fluor..ergibt alles Sinn;)

    • habakus sagt:

      und ich dachte bei der Produktion von tierischen Lebensmittel gehen mehr Pflanzen drauf… muss ich falsch recherchiert haben. Was sind den die neuesten logischen Rückschlüsse dazu?

    • Patrick sagt:

      1. Pflanzen haben kein zentrales Nervensystem und sind nicht in der Lage, Schmerz zu spüren. Jegliche chemische Reaktion der Pflanze, wenn sie bspw. ausgerissen wird, ist vergleichbar mit der Reaktion der Haut, wenn die Sonne auf sie einstrahlt.
      2. Durch Tierproduktkonsum werden viel mehr Pflanzen zerstört.
      3. Tu quoque Denkfehler: 2 wrongs don’t make a right. Selbst wenn Pflanzen Schmerz spüren könnten: wie kann man damit den Schmerz von Milliarden von Tieren rechtfertigen? Richtig, gar nicht. Eine schlechte Tat kann man nicht mit einer anderen schlechten Tat rechtfertigen. Aber wie gesagt. Pflanzen können sehr wahrscheinlich nicht annähernd Schmerz wie Tiere verspüren.

  • Daniel Castro sagt:

    Ein Tipp von mir: Beim nächsten Flirt einfach den Landjäger auspacken und schauen was passiert :).

  • Anthony sagt:

    Als Vegetarier hier meine Wahrnehmung der Sache: 9 von 10 Gesprächen über meine Ernährung werden von Fleischessern gestartet. Das geht dann meistens so: „Ah, Sie haben das Vegi-Menu. Aber Eier und Milch und so essen Sie schon, oder? Also ich esse ja auch nicht viel Fleisch! Und wenn, dann eh nur regionales Fleisch! Und Vegetarier kann ich ja noch ein bisschen nachvollziehen, aber diese Veganer sind mir schon etwas zu extrem blablabla“. Aha. Und Weshalb nun sollte mich das alles interessieren? Weshalb sollte ich wissen wollen, wie viel Fleisch mein Gegenüber isst und was er/sie von Veganern halten? Weshalb muss ich mir jetzt anhören, dass Fleisch eben schon viele Proteine hat und so? So geht es Vegetariern und Veganern STÄNDIG! Dabei wollen wir doch eigentlich nur in Ruhe essen…

    • Christoph Bögli sagt:

      Das müssten sich effektiv so einige auch mal hinter die Ohren schreiben. Meine Erfahrung ist auch, dass sich da viele Fleischessen fast obsessiv mit dem Thema beschäftigen, sei es aus ernsthafter Neugier oder um die eigenen Vorurteile zu bestätigen. Das geht so weit, dass das in manchen Kreisen ein regelmässiges Thema ist, selbst wenn nicht mal ein Veganer/Vegetarier anwesend ist. Insofern würde ich behaupten: auf jeden missionarischen Veganer kommen zwei, die ungewollt ständig dazu genötigt werden, sich zu rechtfertigen und das Thema endlos zu debattieren..

      • Marina sagt:

        Da habe ich aber ganz andere Erfahrungen. Und das schlimmste ist, dass ich es satt habe, überhaupt noch Leute zum Essen einzuladen, weil ich absolut keine Lust habe, jedem noch ein eigenes Menü zu kochen. Glutenfrei, vegan, vegetarisch, cholesterinfrei, lactoselos etc..
        Ginge es uns schlecht, wäre jeder froh, er hätte überhaupt etwas zu essen. Offensichtlich geht es uns in der Überfluss Gesellschaft viel zu gut, dass man vor lauter Überdruss nicht mehr weiss, wie blöd man sonst noch tun könnte.

        • Christoph Bögli sagt:

          Dass Leute verstärkt mit ihren Essgewohnheiten hausieren gehen bzw. die eigene Ernährung zur Ideologie aufgeblasen wird, mag sicher so sein. Aber das widerspricht meiner Aussage ja nicht. Im Gegenteil, mittlerweile wird von vielen ihr Fleisch- bzw. Allesessen ja auch als passivaggressive Monstranz vor sich hergetragen und jeder Andersessende präventiv mit Herablassung bedacht.
          Aber zum Glück ist das eher eine lautstarke Minderheit, wie diese Leute auch eine lautstarke Minderheit unter Veganern oder sonst wo sind. Was da am meisten hilft: Ignorieren. Und sich normale Freunde suchen. Bei meinen Einladungen sagt jedenfalls keiner was und gibts höchstens mal eine Nussallergie, aber mit der ist nun leider effektiv nicht zu spassen..

          • Anthony sagt:

            Danke, Christoph Bögli. Das ist doch genau das Problem, die lautstarke Minderheit, die dann von der jeweiligen „Gegenseite“ als Stellvertreter für die gesamte Gruppe missverstanden wird – ob nun bewusst oder unbewusst. Dabei wäre es so einfach, wenn man diese Leute ignorieren würde.

        • Christian Weiss sagt:

          Ein Freund von mir, der Käse nicht ausstehen kann, sagt: Früher hätten sich die Leute noch beleidigt gefühlt, wenn er den Käse verschmäht habe. Heute erzähle er immer, er sei laktoseintolerant (was quatsch ist), und seither brande ihm Verständnis und Mitgefühl entgegen. Man kann also die ganzen Essstörungen – denn das sind sie bei genauer Betrachtung meistens – durchaus zu seinem Vorteil nutzen.

    • Christian Weiss sagt:

      Auf einen Veganer kommen etwa 300 Fleischfresser. Ich bin die meiste Zeit nur von Fleischfressern umgeben.
      Glauben Sie mir. Das Bedürfnis, ständig Ernährungsphilosophien auszutauschen, ist sehr gering.

  • Alan Miller sagt:

    Sie haben recht, Frau Knecht: Auch ich ziehe tachykardisches Flirten dem veganen Flirten jederzeit vor. Wobei Herzklopfen nicht zwingend vom Bergsteigen kommen muss. Nämlich.

  • Rosche sagt:

    Erinnert mich an ein Comic von letzthin: ein Typ spricht an einer bevölkerten Strassenecke eine Frau an, die ihn nach dem „Hallo“ gleich mit „I have a boyfriend!“ unterbricht. Im Hintergrund schreit ein Unbeteiligter: „I’m a vegan!“

    Bringt es gar nicht so übel auf den Punkt :-)

  • Albert Gabriel sagt:

    An was erkennt man einen Veganer? – Muss man gar nicht, er wird es einem schon sagen…

    • Patrick sagt:

      Wie erkennt man einen Nicht-Veganer? Keine Angst, er wird dich schon fragen, woran man einen Veganer erkennt und dass sie es einem schon erzählen werden. Und sie denken dabei, dass sie richtig lustig wären, wenn sie so einen alten, ausgelaugten Witz erzählen.

  • Eva sagt:

    Der vegane Herr sollte mal wissen, welchen unerhörten Aufwand es für mich bedeutet, das nötige Futter für Gäste, welche sich als „Laktose intolerant“, „Gluten allergisch“, „vegan“ anmelden, zu beschaffen und rechtzeitig oben auf dem Berg zu haben.
    Manche aber haben ihre speziellen Nahrungsmittel im Rucksack dabei. Zum Glück.

  • Christoph Bögli sagt:

    In vielen Berghütten istdie kulinarische Qualität und Auswahl leider bescheiden. Dass man es in der heutigen Zeit etwa nicht schafft, eine akzeptable vegetarische Option anzubieten, ist schon eher beschämend. Umso mehr aber auch, dass die meisten dann nicht wenigstens dazu stehen, sondern den Leuten ein vegetarisches Menü andrehen, das meist daraus besteht, dass man das Fleisch mit ein paar zusätzlichen Dosenrüebli schüttet. Für 30-40 Fr. eher dürftig.
    Richtig ist aber auch, dass die radikal-fordernde Haltung mancher ziemlich nervig ist. Eigentlich finde ich eine vegane Ernährung ja sogar sympathisch, aber verstehe trotzdem nicht, wieso manche in diesen Ausnahmefallen nicht fünf gerade sein lassen können und die Rösti trotz Butter essen. Diese alles-oder-nichts-Haltung ist kaum hilfreich.

    • Klara sagt:

      Ich finde es super, dass es in den Bergrestaurants nicht auch noch vegetarische Sonderkost, und schon gar keine veganen Mahlzeiten gibt. In der heutigen Zeit sind die Restaurants immer übervoll und man ist um jeden froh, der nicht kommt. All die Wohlstandsgeschädigten, die unbeirrt auf die Lebelwesen, die sich am allerwenigstens wehren können, nicht mal schreien, nämlich die Pflanzen, losgehen, die sollten gar nicht missionieren und sich auch nicht beklagen. Die sollten sich schämen.

      • Frieda sagt:

        Wieso sollten die sich schämen? Sie zerstören ja durch ihre Ernährungsweise insgesamt weniger Pflanzen als mit einer omnivorischen Ernährung. Sind die Produktionsabläufe in Vergessenheit geraten?

      • Patrick sagt:

        Liebe Klara
        Bitte „tu quoque“-Denkfehler googeln.
        Und Pflanzen können keinen Schmerz empfinden, dazu fehlt das zentrale Nervensystem. Wenn ihr System gestört wird, also bspw. ein Stück der Pflanze abgerissen wird, reagiert die Pflanze mit chemischen Prozessen. Die sind vergleichbar mit der Haut, die reagiert, wenn die Sonne auf sie scheint.
        Zudem ist Veganismus kein Luxusproblem. Im Gegenteil. Ich entziehe mich dem ganzen Luxus von Fleisch, Milch, Käse und Eiern.

    • Hotel Papa sagt:

      Na ja. Die Berghütten waren ja ursprünglich Alpbetriebe, die ihre Produkte anboten. Und Alpwirtschaft, basierend zu 99% auf Viehwirtschaft, liefert nunmal wenig vegetarisches, und schwerlich veganes.
      Das zeigt sich halt auch im traditionellen Angebot.

      • Mathias sagt:

        Wenn aber die Produkte mit Helikopter/Bahn da hoch transportiert werden, zieht das Argument nicht mehr. Oft lagern in den Hütten 2l PrixGarantie Milchbeutel oder Megapackungen Bratwürste, die nicht vom Dorfmetzger kommen (weil zu teuer). Es geht nicht um die kleine Alp, wo Wanderer etwas Käse und Most bekommen, sondern um die Restaurants auf 2800müM.

  • Domenico sagt:

    Haha, den habe ich wohl auch schon mal getroffen (oder zumindes eine Person, welche derselben Religion angehört)…

  • R. Sauer sagt:

    Prinzipiell finde ich es ok, wenn jemand vegan lebt. Wie so vieles ist es aber eine Ideologie mit allen Ecken und Kanten.
    Zum Beispiel die Doppelmoral:
    Die Samen lässt er sich aber aus Südamerika herschippern oder gar fliegen. Die Butter im Rösti auf der Alpwirtschaft meidet er aber. Gerade bei Alpwirtschaften kommen die Zuaten doch oft aus der Umgebung. Und ich meine da leben die Kühe halbwegs glücklich.
    Durch die Klimaerwärmung von wiederentdeckten Werbungs-Samen aus Südamerika schmelzen dann die Polkappen und die Eisbären verhungern. Dazu ändert sich der Lebensraum von Zig-Millionen Tieren.

    Kurz: Was ist nun besser? Regionales Fleisch oder Überseevegan?
    Ich z.B. esse auch gern Quinoa und Amaranth, versuche es allerdings eher selten zu essen, wegen der Überseegeschichte.

    • Patrick sagt:

      Nutztierhaltung ist der grösste Motor der globalen Erwärmung. Klar, Chiasamen von Südamerika und Kokoswasser aus Thailand sind keine ökologischen Hochflieger, dennoch weniger schädlich als selbst lokales Fleisch. Ausserdem verzichte ich mitunter auch aus gesundheitlichen Gründen auf Tierprodukte, weshalb ich dann lieber auf ein selbstgemachtes veganes Menü aus dem Rucksack zurückgreife, als auf die lokale Butterrösti

      • R. Sauer sagt:

        Auch der Anbau von (veganer) Nahrungsmittel verbraucht grosse Flächen. In dieser Fläche (z.B. ehm. Wälder) gibt’s es weniger wildlebende Grosstiere. Dafür züchtet der Mensch diese nun zum Selbstzweck. Aus diesem Grunde halte ich Ihre These zumindest in Teilen für eine Milchmädchenrechnung. Natürlich trägt der hohe Methanausstoss insbesondere der Kuh dazu bei.

        Alle Klimadiagramme zeigen einen Temperaturanstieg jedoch erst in Zusammenhang mit der Industrialisierung und explodierendem Bevölkerungswachstum, nicht etwa seit dem Beginn der Domestizierung von Nutztieren, wie Sie indirekt behaupten.
        Treiber sind also Industrialisierung und eine grosse Bevölkerung. Ich gebe Ihnen Recht, dass wir wegen letzterem den Fleischkonsum künftig senken müssen.

  • Nick sagt:

    Ich respektiere andere Menschen und ihre Meinungen, egal ob politisch, religiös, technisch (Apple-Jünger, sag ich nur), sportlich (Stichwort Fussballclubs ..) oder sonstwie. Von Fanatikern und Missionaren, gleich welcher Richtung, entferne ich mich möglichst rasch und diskussionslos. Natürlich schliesst die Meinungsfreiheit das Recht zur Meinungsäusserung ein, aber nicht die Pflicht der Umgebung, sich diese Meinungen auch anzuhören oder gar, sich zu streiten.

  • Markus sagt:

    Warum erwarten 0,0001 % einer Minderheit, dass sich der Rest der Welt um ihre Bedürfnisse zu kümmern hat (bei den Vegitarriern sind es konstante ca. 4%)? Dann sollen Sie doch ihr Futter selber auf den Berg tragen und mich in Ruhe meine Gulaschsuppe schlürfe lassen.

    • Mathias sagt:

      Es geht nicht um die Bedürfnisse von 0,0001 % der Menschen, sondern um die Bedürfnisse der Tiere, für die sich leider nur 0,0001 % der Menschen stark machen.

      • Klara sagt:

        Ich glaube nicht, dass Tiere, die gegessen wurden, noch ein Bedürfnis haben.

      • sepp z. sagt:

        Mathias, Bedürfnisse der Tiere: In der Geschichte der Welt wurden Tiere immer auch von Tieren gefressen. Es ist normal, natürlich. Man muss sich halt einfach ein bisschen um die Qualität bemühen. Regional, kein Monokulturen, kein Antibiotika drin etc. Und dazu gehört eben auch, dass man nicht aus Südamerika importierte Samen isst, sondern heimische.

  • Roland K. Moser sagt:

    Aus meiner Sicht hatte der predigende Veganer hier Recht: Die Tierhaltung ist ein Skandal. Es ist Tierquäl-Haltung.

    • Lori Ott sagt:

      Aus meiner Sicht liegt der Vegan-Prediger falsch, wenn er seine Obsession ungebeten als Gipferkonferenz aufdrängt, denn das ist, wenn nicht geistige Umweltverschmutzung doch mindestens extrem unhöflich.

      • Sokrates sagt:

        „Geistige Umweltverschmutzung“
        Muss ich unbedingt in meinen Wortschatz aufnehmen!

        • Dan sagt:

          Es gibt etliche, wie Sie sagen, ‚unfreundliche‘ ‚Annäherungsversuche‘ von Mitmenschen aus verschiedensten Gründen. Da wären wir wieder bei erwähnter Spontanität und Gesellschaftsproblemen und ev. fehlender Toleranz und Veständnis dafür.
          Ich bin offen täglich etwas zu lernen und mein Bewusstsein zu erweitern. Entscheiden kann ich ja selber. Vor Jahren hatte ich noch keine Ahnung von bewusstem Lebenswandel, und Hintergründe, bin dankbar jedem der mir dazu verholfen hat.
          Wettergespräche find ich mühsamer und unproduktiver. Schõn zu sehen wie diese unbedeutende Anektote soviele Stunden Gehirnaktivität ausgelöst hat. Massiver Erfolg des Veganers.
          Veganer ist man mehrheitlich des Tierleides wegen. Viele Vegetarier sind es aus ganz anderen verantwortungsbewussten Gründen.

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