Die miesesten Mitläufer

Brooklyn Bridge

Laufen mit anderen kann so schön sein – wenn es keine Nervensägen sind. Foto: Curtis MacNewton/Flickr

In zwei Fällen ist beim Laufen Einsamkeit angesagt:

Wie erholend ist es, nach einem hektischen Arbeitstag allein durch die schattigen Wälder zu laufen. Den schwül-schweren Duft des Sommers in der Nase, eine laue Brise im Haar. Sorgen, Stress oder Wut bleiben immer weiter zurück und geben den Kopf frei für Kreativität, Ruhe und Zuversicht. Das ist einer der zwei guten Gründe, allein unterwegs zu sein. Aber auch bei Trainings, die ich mit einem vorgegebenen Aufbau und einer bestimmten Geschwindigkeit absolvieren will, bevorzuge ich das Alleinsein. Erfahrungsgemäss ist es nämlich gar nicht so einfach, eine Laufbegleitung zu finden, die beim selben Tempo denselben Nutzen hat.

Ansonsten machts aber richtig Spass, laufend Zeit mit Laufpartnern zu verbringen. Mal ist es unterhaltsam, mal motivierend, mal fungieren Freunde als Blitzableiter. Allerdings eignen sich nicht alle gleichermassen als Begleiter. Es gibt auch richtig miese Mitläufer.

Das sind die vier Typen:

1. Die Vorläufer: Das ist die mühsamste Sorte der miesen Mitläufer, die vor allem Frauen kennen. Sie pflegen zwanzig Zentimeter vorzulaufen – und zwar konstant. Die Konsequenz: Man spricht mit dem Rücken des Laufpartners, der ab und an ein «Was, ich versteh dich nicht!» nach hinten wirft. Wer aber glaubt, die 20-Zentimeter-Lücke schliessen zu können, in dem er kurz das Tempo verschärft, irrt und tut sich keinen Gefallen. Die Distanz wird nämlich dadurch keineswegs kleiner, nur die Geschwindigkeit immer höher. (Lesen Sie dazu auch: «Warum joggen Männer meist vor ihrer Partnerin?»)

2. Atemlose Dauerschnatterer: Plaudern ist okay, viel erzählen auch, genauso wie angeregte Diskussionen – aber nur, wenn man dabei seine Kräfte einteilt. Genau das beherrschen die Dauerschnatterer nicht, die oft in weiblicher Form auftreten. Sie texten ihre Begleitung unermüdlich zu, vergessen dabei aber ihre eigenen Grenzen. Und dann kommt der No-go-Moment: «Können wir bitte langsamer laufen, ich kann nicht mehr.» Ein Argument, das immer stechen sollte. Ausser eben bei Dauerschnatterern. Sie nutzen das langsamere Tempo, um ihre Redegeschwindigkeit hochhalten zu können. Sie vergessen, dass Sport kein Kaffeekränzchen ist und sie eine ganze Gruppe verlangsamen, damit sie ihren Wortschwall nicht unterbrechen müssen.

3. Die Platzhirsche: Diese Art Mitläufer sind oft Männer. Ganz Gentleman in Frauengruppen, manifestiert sie sich meist erst, wenn ein weiterer Läufer zugegen ist. Das Spiel ist immer dasselbe: Während der ersten Kilometer muss der Platzhirsch die Hackordnung bestimmen – sofern sich der andere Läufer (fast immer ohne Worte) provozieren lässt und auf das Spiel einsteigt. Als Erstes kommen die Fragen nach den jeweiligen Bestzeiten. Bringt dies nicht genug Klarheit, wird es bestialischer: Vom Platzhirsch gezogen, läuft die Gruppe immer schneller – bis feststeht, wer das schnellere Männchen ist. Allerdings kommt es nicht selten vor, dass dann bereits alle Luft raus und ausser einem roten Kopf nicht mehr viel drin ist.

4. Die Hügelfürchter: Diese Mitläufer fürchten Steigungen wie der Teufel das Weihwasser. Zeigt sich am Horizont ein Anstieg – egal wie lang und wie steil – geben sie mit einer Bemerkung wie «Puh, ist das streng!» Forfait auf Vorrat. Es ist völlig in Ordnung, auf die Bremse zu treten, wenn einem die Luft am Berg ausgeht – aber es nicht mal zu versuchen, ist feige und nimmt den Begleitern die Zuversicht und die Motivation, den Berg anzugreifen.

12 Kommentare zu «Die miesesten Mitläufer»

  • Aerne Doris sagt:

    Ich gehe am liebsten alleine los, konzentriere mich auf die wechselnden Stimmungen der Natur, gehe in Gedanken den vergangenen Tag durch oder
    bereite mich frühmorgens auf den Tag vor. Oftmals kommen die besten Ideen beim freien Lauf. Niemals gehe ich mit andern laufen, will mein eigenes Tempo. Ausnahme: Silvesterläufe oder kleinere Stadtläufe, dann geniesse ich es, in der Masse mitzulaufen und dabei erst noch Sozialstudien zu betreiben. Laufen tut einfach irrsinnig gut und lüftet mein Bürohirn aus.

  • Phil sagt:

    Eigentlich gibt es nur eine Art von nervigem Mitläufer: Denjenigen, der eine völlig andere Fitness hat. Ist er zu langsam, fühlt es sich nicht wie Laufen sondern wie Spazieren an. Ist er zu schnell, ist man frustriert, weil man nur hinterherhechelt. Genial ist ein Laufpartner gegen den man sich messen kann. Laufen mit Kollegen macht am meisten Spass wenn auch ein bisschen Wettbewerb dabei ist.

  • Hervé sagt:

    Ich nenne den Läufer an sich eine Zumutung. Der Mensch hat das Pferd gezähmt, das Rad erfunden und den Motor. Was also sollen das Gehetze und das Wilderschrecken im Wald?! Wenn ich einen Läufer (nicht im Wald) sehe, verlangsame ich immer die Fahrt, lasse das Fenster runter und rufe: „Guten Tag! Wollen Sie ein Stück mitfahren?“. In den vergangenen zwei Jahren und sieben Monaten haben nur 11,69 Prozent gelacht.

    • Jan sagt:

      Lachen, mein lieber Hervé, geht für Läufer gar nicht. Da die Beinmuskeln fast allen verfügbaren Sauerstoff beschlagnahmen, reicht es oben nur noch für den Gedanken „Laufen, muss Laufen“, keineswegs aber dazu, um die von Ihnen aus dem fahrenden Auto zur Verfügung gestellte Information zu analysieren und als lustig einzuschätzen. Darum bitte ich um Nachsicht.

    • Marco Müller sagt:

      Für einen so schlechten Witz sind 11.69% eine erstaunlich hohe Quote. Dazu ist auch zu sagen, dass Sie denselben Witz seit 2 Jahren erzählen. Schon ab dem zweiten Mal werden diejenigen, die ihn überhaupt mal lustig gefunden haben, spärlicher lachen.

      Beim Autofahren ist es doch wie beim Joggen: Man hat viel Zeit zum Denken. Nützen Sie doch die Gelegenheit, um sich den nächsten Knaller auszudenken!

    • Marco sagt:

      Trotzdem liest du diesen Blog :-)

    • Rosche sagt:

      Das Angebot habe ich auch schon erhalten und musste herzlich lachen :-)! So gekünstelt lustig, wie Sie die Sache hier beschreiben, könnte es auch einfach daran liegen, dass Sie nicht witzig sind.

      Erinnert mich etwas an meinen alten Herrn, der im Restaurant immer wahnsinnig witzig sein will bei der jungen Bedienung und beim ganzen Tisch ist jeweils sofort fremdschämen angesagt. Merkt er nicht, aber wir mögen ihn trotzdem :)

  • Lars sagt:

    Des weiteren nicht zu vernachlässigen:

    Der jammernde Angeber: Er berichtet in Echtzeit und ununterbrochen über jedes Ziepen und Stechen, sein schmerzendes Knie und den schlechten Schlaf – und entschuldigt sich damit dafür dass er nur so schnell läuft wie seine Laufkollegen.

  • Jan sagt:

    Mein Laufpartner ist fantastisch, ich liebe es mit ihm Joggen zu gehen. Aber dennoch hat er so seine Marotten: Er bleibt ab und zu abrupt stehen und pinkelt an den Wegrand, das ist bei ihm so ein Männlichkeitsgehabe. Oder er wechselt unverhofft die Seite und ich muss schauen, dass ich nicht stolpere. Oder er rennt voraus, auch wenn ich nicht mehr kann. Aber der ist noch jung und es geht immer besser. So ein Hund ist für mich der beste Motivator, der will immer raus.

    • Peter sagt:

      Ha,ha, das kenn ich. Diese Art Laufpartner kann man auch mal an die Leine nehmen und sich etwas ziehen lassen, wenn man fast schlapp macht:-)

  • Martin sagt:

    Um solchen Problemen vorzubeugen, laufe und wandere ich stets alleine. Erholung pur – ohne Geschnatter und unnötige Tempoverschärfung. Dafür grösseres Naturerlebnis.

  • Nick sagt:

    Es fehlen noch:
    Der Handy-Junky. Er wird von einer Trainings-App gesteuert, deren Frauenstimme er sklavisch gehorcht. Ausserdem unterbricht er das Training gern, um lautstark mehr oder weniger wichtige Telefonate zu führen, ohne Rücksicht auf seine Mitläufer, die genervt auf der Stelle treten.

    Der Lastesel. Er schleppt auch auf kurzen Strecken seinen halben Haushalt mit: Trinkflaschen, Kraftnahrung, diverse elektronische Geräte an denen er ständig rumspielt, Ersatzkleidung und weiteres Zeug.

    Der Experte. Er erklärt seinen nach Figur und Laufzeiten deutlich fitteren und erfolgreicheren Trainingspartnern, was diese alles falsch machen. Training, Ernährung, Ausrüstung, etc. Nichts machen sie gut. Warum er selbst trotzdem langsamer ist kann er aber auch nicht sagen.

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