Arm, aber sexy

ruderer

Links, rechts, Chachacha – oder so ähnlich: Das Schweizer Doppelvierer-Team gibt auf jeden Fall vollen Einsatz. Bild: I believe in you / Youtube

Viele Sportler und Vereine kämpfen um jeden Rappen – das gilt insbesondere für die Randsportarten. Mit den Crowdfunding-Plattformen entdecken die Athleten und Vorstände neue Wege, um Träume zu realisieren. Einige zeigen sich dabei äusserst kreativ – in der Präsentation ihres Wunsches, aber auch mit der Belohnungspalette, mit der sie ihren Sponsoren Danke sagen. Einige aktuelle Leckerbissen:

Ruderer sind sexy. Das ist beim Video des Schweizer Doppelvierer-Teams auf der Crowdfunding-Plattform I believe in you unschwer zu erkennen. Die sechs feschen Athleten sind auch kreativ und zu vielem bereit, wenn es darum geht, ihren Olympia-Traum zu verwirklichen. Sie brauchen Geld für ein Trainingslager in Portugal. Zwar könnten sie von Stripqueen Kim Basinger noch viel lernen, wenn es darum geht, die gestählten Körper lasziv zu bewegen. Immerhin lassen sie aber mutig die Hüllen fallen – jedenfalls teilweise. Das ist aber nicht alles, was die Sportler zu bieten haben. Sie können nämlich weit mehr als nur die Ruder ins Wasser hauen: Wer einen nervigen Computer hat, kann sich für 250 Franken bei Markus Kessler fachgerechte Hilfe holen – guter Zweck inklusive. Nico Stahlberg würde seine Muskeln spielen lassen, und zwar als Holzfäller – Kostenpunkt: 1500 Franken. Für 2500 Franken steigen drei Personen mit ins Boot und erhalten eine Ruderlektion auf dem Sarnersee inklusive Grillparty.

Einfallsreich wie nützlich zeigen sich auch die Cheerleader TVL Capital Hornets aus Bern, wenn es darum geht, ihre Financiers zu belohnen. Sie brauchen Mittel, um ihre Herberge an der Weltmeisterschaft in Orlando zu finanzieren. Für 500 Franken kommen vier Athleten und bringen die Wohnung des Spenders auf Vordermann. Das Versprechen: Noch nie waren die vier Wände so sauber. Und wer einen grösseren Anlass plant und dazu Personal braucht, kann sich für 1000 Franken ein Team von zehn bis zwölf Mitarbeitern sichern – Ausdauer garantiert.

Grosses Kino punkto Idee beim Werbespot hat die Regie des FC Lommiswil gezeigt. Sie suchen Geldgeber, die für eine Lichtanlage eines Trainingsplatzes in die Tasche greifen. Die Filmemacher liessen die Jungmannschaft für die Aufnahmen mit Stirnlampen zum Training antreten. «Die einen spielen Lichtmasten und die andern mätscheln», sagt der Trainer im Off. Worauf die Jungmannschaft die Lampen anknipst und loskickt. Ein sehenswertes Match im Dunkeln wird angepfiffen, untermalt von einer Laurel-und-Hardy-Musik. Spätestens nach dem von einem verlegenen Junioren vorgetragenen Spruch «bitte, liebe Schweiz, bringt uns Licht ins Dunkel» schmelzen alle Herzen. Und wer möchte nicht Ruhm erreichen, in dem die Juniorenteams des FC Lommiswil an einem Spieltag seinen Namen und ein grosses «Merci» als Schlachtruf vor dem Match verwenden – das gibt es schon für 10 Franken. Für 500 Franken kommen die Junioren gar mit einer Leckerei bei den Spendern vorbei – die ideale Lösung, wenn sich die Schwiegermutter angemeldet hat, nicht?

Bei der Plattform Wemakeit.com sind in der Rubrik Sport die Basler in der Mehrheit. Zwei Projekte drehen sich um Kunst und Kino mit Sportthemen. Ganz konkret um Körperertüchtigung geht es nur bei einem der Vorhaben unter der Rubrik Sport, und das kann sich sehen lassen. Protagonistin ist eine Rampensau, mit der Trendsportler auf BMX-Rädern, Skate- und Kickboards durch Strassen, Wald und Wiese ziehen. Das überdimensionierte, irgendwie schnuckelige Ferkel sorgt für Aufsehen, genauso wie die Radakrobaten, die es begleiten. Der kleine Sadist hätte die schnuckelige Sau aber gerne tatsächlich auf der Rampe gesehen … Wie gut sie sich dort neben den Bikern und Skatern macht, bleibt das Geheimnis der Macher des Videos. Die Jugendlichen wollen damit jedenfalls den Umzug ihrer Sportanlage finanzieren. Sie müssen aus dem Basler Pumpwerk raus in eine 800 m grosse Zelthalle, und für den Neubau der Rampen, die sie zum Springen benötigen, muss Geld her. Der Verein Trendsport Basel lässt sich bei einer gebührenden Unterstützung nicht lumpen, er organisiert für den Spender von 1300 Franken etwa einen Nachmittag mit dem Skategott Albert Nyberg oder dem Bikeüberflieger Ruben Alcantara. Bleibt, den Initianten viel Schwein zu wünschen, schliesslich haben die Jungen Orte wie diesen, an dem sie sich ungehindert austoben können, dringend nötig.

3 Kommentare zu «Arm, aber sexy»

  • Jacques sagt:

    „Arm, aber sexy“ – wäre aber auch ‚geklaut‘. Vom eh. Oberbürgermeister von Berlin, dem festfreudigen Klaus Wowereit. Man soll Feste feiern, wie sie fallen.
    Und in meiner eigenen Prioritätsliste kommt ‚Feste feiern‘ – vor sportlichen Aktivitäten. Natürlich findet man mit etwas Kreativität – auch immer eine sexy Verbindung. Wenn nicht in Berlin, dann im lebensfrohen München. In F – sowieso …

  • Markus Schneider sagt:

    Es ist doch völlig überflüssig, dass an jeder Hundsverlochete Teams aus aller Welt antreten, um ihr bescheidenes Können zu demonstrieren und sich zuhause als Lokalmatadoren feiern zu lassen. Wer wirklich Spass am Sport hat, der kann ihn auch ohne Publikum betreiben. Der Verdacht ist gross, dass hier Sport bloss für den scheinbar unerlässlichen Exhibitionismus herhalten muss – und natürlich, um den lukrativen Werbe-Deal unter Dach und Fach zu bringen.

    • Paul Winsele sagt:

      Lieber Markus,
      Ich denke du begreifst nicht ganz, was der Zweck dieser Aktionen ist. Die Sportler trainieren 3 mal täglich, haben somit keine Möglichkeit noch anderweitig Geld zu verdienen. Auf dieser Stufe muss man sich entscheiden ob man völlig aufs Training setzt, oder nicht. Tut man dies, besteht ein ständiger Geldmangel und dies nur weil man so passioniert ist (könnte man auch Spass am Sport nennen).
      Nicht in jedem Sport leben die Athleten in so einem Überfluss wie im Fussball, wo man schon als Zweit Liga Spieler davon leben kann.
      Bitte unterstützt diese Sportler, dass sie ihren Traum von Olympia leben und uns stolz machen können.

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