Die Spannung ist zurück

Der Leidensweg des Yann C. auf dem Weg zum fitten Mann. Ein Zwischenfazit nach acht Wochen.

Cherix, Muskelberg Der Leidensweg des Yann C. auf dem Weg zum fitten Mann Eine Serie in acht Teilen . 25.11.2015 (Tages-Anzeiger/Urs Jaudas)

Klar definierte Muskulatur – unser Autor blickt in eine rosa Zukunft. Foto: Urs Jaudas

Nach acht Wochen intensivem Training im My Gym, nach bitteren Stunden und gloriosen Momenten: hier und heute das Fazit. Die ganze Wahrheit. Was haben all diese Liegestütze, all die Klimmzüge und Gewichte aus dem Schwächling gemacht? Wie sehr verändert sich in zwei Monaten ein durchschnittlich fitter Mann, der tschuttet, allerlei Ballsportarten zum Plausch ausübt, aber zuvor noch nie einen richtigen Fitnessraum von innen gesehen hat?

Bevor ich zu den Antworten komme, eines vorweg: Nein, liebe Damenwelt, ich habe noch keinen Waschbrettbauch. Und nein, ihr dürft wirklich nicht nachgucken. Was ich aber verraten kann: zwei Zentimeter. So viel ging der Taillenumfang zurück. Insgesamt reduzierte sich mein Körperfettanteil von 14,1 auf 13,91 Prozent.

Abzunehmen war aber eigentlich nie das Ziel. Ich wollte ja mehr Muskeln, mehr Kraft, mehr Profil. Was ist also diesbezüglich passiert? Einiges, kann ich antworten. Es führte gar zur Entdeckung des Trizeps an und für sich. Aber klar ist, dass ich noch kein Muskelberg bin; noch keiner dieser Brocken, die das Trottoir für sich alleine beanspruchen. Letzthin hatte ich immerhin den Eindruck, dass mich der breite Türsteher vor dem Club besonders herzlich begrüsst habe. So kumpelhaft, schien mir. Von Muskelprotz zu Muskelprotz?

Vor acht Wochen hatte ich unter den wachsamen Augen von Personal Coach Sara Steinmann diverse Tests absolviert. Nun habe ich sie diese Woche wiederholt. Hier nun die Ergebnisse:

  • Bei den Klimmzügen habe ich mich erheblich verbessert: von 5 auf 10.
  • Eine Verbesserung von 78 Prozent gab es bei den Liegestützen. Innerhalb von drei Minuten schaffte ich neu 41 Push-ups (vorher 23).
  • Den Frontplank, das Brett auf Unterarmen und Zehenspitzen, halte ich neu über drei Minuten lang. Vorher waren es bloss zwei.

Coach Sara Steinmann war sehr zufrieden mit meinen Fortschritten. Gleich mehrmals musste ich zum obligaten High Five einschlagen. Stolz klatschte ich ab. Besonders der Frontplank, die Übung, bei der man auf Unterarmen und Fussspitzen abgestützt eine Brücke bildet, hatte sich zu einer Paradedisziplin von mir entwickelt. Sara meinte, dass die meisten Leute wohl knapp auf zwei Minuten kommen würden.

Ich fühlte mich gut. Stark. Gesund. Bald würde ich mein erstes Telefonbuch zerreissen.

Das Überlegenheitsgefühl hielt jedoch nicht lange an. Einer meiner besten Kumpels, nennen wir ihn Rodrigo, erzählte mir von einem Bekannten, der den Frontplank sechs Minuten lang hält. Sechs Minuten, Himmel! Rodrigo, vielleicht mein treuester Leser und härtester Kritiker meiner Darbietungen im Fitnessraum, konnte es sich zudem nicht verkneifen, das hohe Alter des Meisters – er ist schon in Rente – zu nennen. Rodrigos nachgereichte Information per SMS, wonach der Weltrekord bei über vier Stunden liege, war dann pure Boshaftigkeit. Aber ich lasse mich dadurch nicht unterkriegen. Dafür musste ich schon zu viel erleiden. An dieser Stelle soll noch ein letztes Mal an die rosafarbene Erniedrigung aus der Anfangszeit erinnert werden.

Aber die Kettlebell für Mädchen ist aus meinem Repertoire verschwunden. Ich blicke mit stolzer Brust in die Zukunft. Und vielleicht hole ich gar den 6-Minuten-Mann ein.

Outdoor Cherix* Yann Cherix, Teamleiter «Züritipp», mag jegliche Art von Ballsportarten, Tschutten ist ihm die liebste. Ein Fitnesscenter hat er aber noch nie von innen gesehen. Mit 38 Jahren realisiert er nun, dass er ziemlich ausser Form ist.

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