Warum Fitness besser als Fremdgehen ist

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Sex mit der Kraftmaschine: Ein Mann im Fitnesscenter. Foto: Charly Triballeau (AFP)

Menschen mit stabilem Muskelkorsett empfinden ihre Beziehung als stabiler als Personen mit lascheren Muckis. Diese erfreuliche Neuigkeit aus dem Labor der Kognitionswissenschaftler überbrachte meine Kollegin Natascha Knecht vor einer Woche an dieser Stelle. Der Schluss klingt wunderbar und so romantisch: Ein trainierter Körper erhöht nicht nur die Chancen auf Erotik, sondern auch die Fähigkeit, eine dauerhafte Liebesbeziehung zu führen. Gerne packe ich noch einen Vorteil, der Sportlern zugute kommt, obendrauf: Zu den höheren Erotikchancen und der robusteren Beziehungsfähigkeit kommt das Vermögen hinzu, mit Problemen fertigzuwerden!

Auch das kann eine Studie untermauern. Deren Urheber ist eine Dating-Website für verheiratete und in einer Beziehung stehende Personen, teilgenommen haben 9654 verheiratete Probanden. Aus der Umfrage geht hervor, dass die meisten Untreuen eine Affäre mit körperlicher Betätigung im Fitnessstudio gleichsetzen, wenn sie Eheprobleme plagen. 82 Prozent der Teilnehmer gaben an, mit Problemen in der Beziehung zu kämpfen. 23 Prozent davon gaben wiederum an, ihnen fehle die Leidenschaft und der Sex in der Partnerschaft – nicht weiter verwunderlich, schliesslich tummelten sie sich auf einer Fremdgeh-Plattform. Ebenfalls eine Rolle spielen offenbar arbeitsbedingte Probleme (16 Prozent), Distanz wegen der Kinder (17 Prozent) oder finanzielle Schwierigkeiten (13 Prozent).

19 Prozent der Befragten flüchten sich in eine Affäre. Und hier kommt endlich die gute Nachricht: Genauso viele greifen zu einem weitaus weniger zerstörenden Gegenmittel: Sporttraining und Meditation! Der Gründer der Dating-Plattform frohlockte: «Unsere Studie zeigt, dass unsere verheirateten Mitglieder eine Affäre als eine Lösung sehen – eine, die so gut ist wie ein anstrengendes und intensives Workout im Fitnessstudio.» Für ihn steht also fest: Ein intensives Workout im Bett ist spannender als eines im Fitnessstudio. Und da hat er ja völlig recht!

Allerdings plädiere ich – anders als er, der seine Kundschaft zum Seitensprung animieren will – für ein prickelndes und schweisstreibendes Training mit dem eigenen Partner. Fremdgehen? Ja – aber bitte sportlich! Ich kann den Wunsch, aus einer Krise flüchten zu wollen, gut nachvollziehen. Davonlaufen im eigentlichen Sinne des Wortes ist aber bestimmt die bessere Alternative – sofern das eigene Bett wirklich das eigentliche Ziel bleiben soll. Für diese Erkenntnis braucht es kaum mehr als gesunden Menschenverstand: Sport kann zwar zeitintensiv sein und so zu Spannungen führen, er hinterlässt aber keine Wunden und wirkt nicht zerstörerisch. Im Gegenteil: Wenn eine Auseinandersetzung kein Ende findet, die Schuhe zu schnüren und den Kopf zu lüften, schafft nicht nur räumliche, sondern auch emotionale Distanz. Zudem setzt der Körper – genauso wie beim Sex – insbesondere beim Ausdauertraining Endorphine frei. Diese sorgen für Glücksgefühle, für eine positive Grundeinstellung – eine gute Basis für ein konstruktives Gespräch oder fürs Verzeihen. Und wer dann – dank Sport mit einem durchtrainierten Körper – den Partner verführt, hat den Fünfer und das Weggli dazu.

Ich resümiere: Wer Sport treibt, hat also bessere Chancen auf erotische Stunden, besitzt bessere Fertigkeiten, um eine dauerhafte Beziehung zu führen, und ist konfliktfähiger. Fragen?

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