Wie stabil ist Ihr Liebesleben?

epa04404077 A picture made available on 17 September 2014 shows an extreme athlete balancing on a webbing during the International Highline Meeting in Monte Piana, near Misurina, in the northern Italian Alps, Italy, 12 September 2014. EPA/Balazs Mohai HUNGARY OUT

Ein stabiler Körper auf einem schmalen Grat: Eine Slacklinerin in Italien. Bild: Balazs Mohai (Keystone)

Ein beachtlicher Teil aller Freizeitsportler motiviert sich nicht aus Freude an der Bewegung, sondern um die Figur in Form zu halten. Wenn der Körper fit ist und möglichst wenig Fett aufweist, fühlen sie sich selbstbewusster und letztlich attraktiver für das bevorzugte Geschlecht. Doch jetzt haben Kognitionswissenschaftler herausgefunden: Ein trainierter Körper erhöht nicht nur die Chancen auf Erotik, sondern auch die Fähigkeit, eine dauerhafte Liebesbeziehung zu führen.

Aus früheren Studien ist etwa bekannt, dass Leute, die eine Tasse warmen Kaffee in der Hand halten, positiver über ihre Beziehung denken, als bei einem Eiskaffee. Nun wollten die Forscher der Universitäten Pittsburgh und Waterloo wissen, wie sich «Stabilität» auf das Liebesleben auswirkt. Stabilität wählten sie deshalb, weil man den Ausdruck im konkreten wie im übertragenen Sinn verstehen kann. Beispiel: Ein stabiler Körper ist fassbar, eine stabile Beziehung ein Empfinden. Die Neurowissenschaftler vermuten, dass nicht nur das Gehirn denken kann, sondern auch der Körper. Auch er beeinflusse unsere Gefühle und Lebenseinstellung. Es ist ein relativ neuer Forschungszweig und nennt sich «embodied cognition», was übersetzt «verkörperlichtes Denken» heissen könnte.

Also setzten die Wissenschaftler ein paar Studenten – diese waren alle seit mindestens einem Jahr in einer festen Beziehung – an ein Pult, um ihren Fragebogen auszufüllen. Die eine Hälfte bekam ein stabiles Pult, bei den anderen wackelte es leicht, ebenso der Stuhl. Resultat: Die «Wackelprobanden» sahen deutlich weniger Zukunftsperspektiven in ihrer aktuellen Partnerschaft. Daraufhin luden die Forscher mehr Leute ein, auch verheiratete und ältere. Diese mussten den Fragebogen an einem Stehpult am Computer ausfüllen und am Ende noch einen Brief an ihre/n Liebste/n schreiben. Die eine Hälfte durfte dabei nur auf einem Bein stehen, was sie offenbar als derart mühsam und nervig empfanden, dass sie die negativen und frustrierenden Seiten ihrer Beziehung in den Vordergrund stellten – und die Briefe mit Vorwürfen an den Partner spickten. Während die anderen, die auf beiden Beinen stehen durften, Liebesschwüre formulierten, bei denen selbst Valentin neidisch geworden wäre.

Körperliche Instabilität – ob auf wackeligem Untergrund oder auf wackeligem Bein – mache den Geist unsicher, der Kontrollverlust vermindere das Selbstwertgefühl markant. Auch in Bezug auf die Partnerschaft. Was wir nun mit dieser Feststellung anfangen sollen, wissen die Wissenschaftler selber nicht. Aber sie bleiben dran, forschen weiter, und bis dahin können wir vielleicht Folgendes befolgen: alle wackeligen Möbel aus der Wohnung entfernen. Lernen, stundenlang auf einem Bein zu stehen wie ein Yoga-Meister. Und wenns in der Beziehung trotzdem kriselt, dann greifen wir halt auf das altbewährte Sportlerplus zurück: die erhöhten Chancen auf Erotik. Mit einem fettreduzierten, durchtrainierten, starken Körper darf man die Umsetzung auch auf wackeligem Untergrund wagen. Oder?

Wie stabil ist Ihr Liebesleben?

22 Kommentare zu «Wie stabil ist Ihr Liebesleben?»

  • Miriam Seibert sagt:

    Ein wunderbarer Artikel… Mich erstaunt immer wieder, was die Wissenschaft miteinander vergleicht. Mich würde interessieren: Wer schreibt schon auf einem Bein stehend einen Liebesbrief? Und wie hoch ist der prozentuale Anteil der Menschen, die kaum noch Fett am Körper haben?
    Stabilität ist so in ziemlich allen Lebenslagen und Lebensbereichen hilfreich. Aber hat das was mit dem Körpergewicht zu tun? Liegt es nicht vielmehr an der inneren Einstellung, der eigenen Ausgeglichenheit? Dass Bewegung hier unterstützend wirkt, zweifle ich gar nicht an. Nach einem Tag auf der Couch fühle ich mich alles andere als wohl in meinem Körper, denn dann fehlte etwas in meinem Tag. Und ich gehöre zu dem Personenkreis, der gerne sich gerne bewegt, viel in der Natur unterwegs ist, die Schweizer Bergwelt wandernd erkundet, sein Velo liebt und dennoch 5 kg zu viel auf die Waage bringt….

  • Peter Zuber sagt:

    Das ist eine Art von psychologischer Forschung, die gar nirgends hinführt. Das tönt ganz witzig und verkauft sich in den Medien gut. Schön hat das die Journalistin auch gleich geschrieben: „Was wir nun mit dieser Feststellung anfangen sollen, wissen die Wissenschaftler selber nicht.“
    Einer der wichtigsten Vertreter dieser Forschungsrichtung, D. Stapel, wurde übrigens als Betrüger entlarvt: https://de.wikipedia.org/wiki/Diederik_Stapel
    Er hatte beispielsweise „herausgefunden“, dass Befragte mehr diskriminierende Antworten abgaben in einem unordentlichen Raum. Erinnert mich fatal an die oben berichteten Studien…

  • Ernesto sagt:

    „Ein trainierter Körper erhöht nicht nur die Chancen auf Erotik, sondern auch die Fähigkeit, eine dauerhafte Liebesbeziehung zu führen.“ Wie aufregend. Ein dickes Portemonnaie hat oft den gleichen Effekt. Expertenmeinungen gehören zu der niedrigsten Evidenzstufe dienen aber vorzüglich als Journalistenfutter.

  • Vollenweider sagt:

    Ich weiss ja nicht, wie Sie es halten, Frau Knecht, aber ich habe Sex mit einem Menschen, nicht mit einem Körper. Diese oberflächliche Fixierung auf den ästhetischen Anblick und die Straffheit von den Körperteilen, die man zu berühren beabsichtigt, dünkt mich ziemlich unentspannt. Und Entspanntheit ist meines Erachtens ein wichtiges Kriterium für die Qualität von Sex und Beziehungen. Zeigt ja eigentlich auch die zitierte Studie. Geniessen können und sich fallen lassen sind zudem nicht die Eigenschaften die ich mit – exzessivem – Sporttreiben verbinde. Es geht eben nicht nur darum, wie lange man kann, sondern was man währenddessen macht. Ein sportliches Pensum abspulen gehört da auf jeden Fall nicht zu meinen Phantasien.

    Und zuletzt noch dies: Eine gute Flasche (ja: Flasche nicht Glas) Wein mit einem anregenden Gespräch (am liebsten dazu noch was zu Essen) ist für mich um einiges attraktiver als der durchtrainierteste Körper, den man sich vorstellen kann.

    • Christoph Bögli sagt:

      Wieso schliesst denn das eine das andere aus? Man kann auch mit trainierten Menschen eine Flasche Wein trinken und ein gutes Gespräch haben. Es ist ja nicht so, dass die Leute umso schlauer oder angenehmer werden, desto unsportlicher oder übergewichtiger diese sind.

      Und zum Rest: Erotik hat nun einmal auch eine stark optische Komponente, selbst wenn diese relativ und auch persönliche Geschmackssache ist. Und wenn der Anblick oder auch die Wahrnehmung mit den restlichen Sinnen wie Berührung nicht wirklich erotisch ist, dann dürfte das dem Sex nicht unbedingt dienlich sein. Für guten Sex braucht es ja auch erst einmal (An-)Spannung und nicht Entspannung, die folgt eher hinterher..

  • Charles Dupont sagt:

    „No Sex Please, We’re British“; stammt sicher nicht von Winston Churchill. „No Sports“ schon eher. Ich bin ein nichtenglischer Nichtsportler, und mag aber den britischen Humor. Sex macht mir einfach mehr Spass – als Sport.

  • Wilhelm Salch sagt:

    Kräht der Hahn auf dem Mist, weiß die Henne daß sie mit ihrer Beziehung zum Hahn in einer glücklichen & stabilen Liebe ist! Die geschulte Henne weiß zudem wann sie fällig ist… Wer aus solchen Studien sein Wissen zieht darf sich Wissenssoziologe nennen. M.a.W. hier gilt ‚Holzauge‘ sei wachsam, denn primär sagen solche Studien etwas über den Wert ‚von Studien‘ hinsichtlich unseres Anspruchs an ‚Studien‘ aus. Auf den Punkt gebracht: …kleine Ursachen haben in der Summe eine verfälschende Wirkung. Also der Titel bezieht sich auf unsere Liebe zur Theorie… ;o)

  • Hotel Papa sagt:

    Sehr stabil. As in nonexistent.

    Soviel zu tauglichen Kriterien…

  • Luise sagt:

    Durchtrainiert = lustfeindlich? Seltsame Idee. Heisst das schlaff und faul = erotisch und lustvoll? Ein durchtrainierter Körper, gut durchblutet, muskulös und kräftig ist nicht nur eine Augenweide, sondern auch angenehm zu spüren – egal in welchem Alter wir sind. Obschon, auch Sportlerkörper altern. Aber sie fallen nicht aus der Form, hängen nicht träge durch.

  • Dänu Meister sagt:

    Hast du noch Sex oder machst du schon Triathlon ;-) Nichts gegen Sport mach ich selber auch, manchmal sogar ein wenig grenzwertig. Aber wenn man vor lauter Sport sich nicht mehr sieht und keine Zeit hat, kann ich mir vorstellen halten auch die Beziehungen länger. Letzthin kam eine im gleichen Medium publizierte Studie zum Schluss, dass leicht übergewichtige bessere Beziehungen hätten oder wars Sex, seis drum… Aus eigener Erfahrung weiss ich, etwas weniger Training kann ganz schön hilfreich sein für besseren Sex :-)

    • Christoph Bögli sagt:

      Wobei ja immer noch Welten zwischen etwas Freizeitsport und Triathlon o.ä. liegen. Bei letzterem gibts ja fast zwangsweise kaum noch Raum für anderes, was effektiv nicht sehr vorteilhaft für das Liebesleben sein dürfte.

      Zumal bei Triathleten, (Ultra-)Marathonläufern, etc. irgendwann auch die körperliche Attraktivität abhanden kommt. Gerade Ausdauersport ist ja nur begrenzt vorteilhaft für das Aussehen, entsprechend kippt das dann bald mal ins Gegenteil. Sehnig-ausgemergelte Triathlonläuferinnen wirken für mich jedenfalls noch so attraktiv wie die anorektischen Laufsteg-Models, also so ziemlich gar nicht. Allerdings macht das das andere Extrem, also die völlige Unsportlichkeit plus Übergewicht, keineswegs besser..

  • Sportpapi sagt:

    Ist der fettreduzierte, durchtrainierte starke Körper nicht auch ein Zeichen einer gewissen Lustfeindlichkeit und wird auch so verstanden?

    • Hausfrau sagt:

      Oh nein. Ein sportlicher Körper ist sexy. Wer sportlich fit ist, der dürfte auch sonst Durchhaltevermögen haben… ob es stimmt? Das findet man dann heraus.
      Aber fürs Auge mal ein guter Anfang.
      Eine aus der Form geratene Figur ist ja auch nicht zwingend mit Völlerei, mangelnder Selbstdisziplin und Haltlosigkeit gleichzusetzen.
      Aber anzusehen ist ein Bierbauch nicht so schön.

      • Barockengel sagt:

        Für Singles und Unsichere mag das ja zutreffen. Für stabile selbstichere Menschen zählen wohl viele andere Faktoren mehr als ein durchtrainierter Körper. Und was ist wenn der Partner oder die Partnerin erkrankt? Hören wir dann auf zu lieben, weil etwas nicht mehr schön anzusehen ist? Eben, das Liebesleben hängt primär vom Charakter ab und weniger von der Physis. Sonst wäre die Basis der Beziehung auf einem ziemlich schwabbeligen Fundament.

        • Carolina sagt:

          Da gebe ich Ihnen völlig recht! Manchmal wird mir ganz merkwürdig, wenn ich wieder jemanden treffe, der sich und seinen Partner nur über den Körper zu definieren scheint; wo sich Attraktivität, Liebe und Sex nur an der Durchtrainiertheit zu messen scheinen. Was machen denn diese Leute, wenn mal etwas schiefläuft im Leben: Krankheit, Tod, was auch immer. Davonlaufen? Partner austauschen? Resignieren? Ich hatte schon mehr als einen jungen Mann in der Praxis, der mit dem veränderten Körper seiner Frau in der Schwangerschaft nicht umgehen konnte bzw wollte – die möchte ich am liebsten anschreien, dass sie mal ihre Wertmassstäbe überarbeiten…..

      • Armando sagt:

        … und Orangenhaut bei Frauen ab 40. Haben Sie leider vergessen.

    • Carolina sagt:

      SP, bei mir ist das so, ja! Wobei ich Sport und Bewegung in Massen für gut und richtig halte. Aber die exzessiven Selbstbeobachungen und ständigen Körperoptimierungsversuche vieler sind für mich der totale Abturner. Denn guter Sex hat für mich vor allem etwas mit Loslassen zu tun – bei jemandem, der in (für mich) obsessiver Weise seinen Körper kultiviert, könnte ich nicht loslassen. Da ist mir jemand mit einem kleinen Teddybauch und ein paar Problemstellen viel lieber – da werden auch meine Macken akzeptiert und das ist durchaus lustfreundlich.

    • Christoph Bögli sagt:

      Ist halt wie immer auch eine Frage des Masses. Ein sportlicher Körper wirkt grundsätzlich nun einmal attraktiver und zu einem gewissen Grad eben gerade auch lustbetonter. Immerhin wird dadurch auch Freude an Bewegung und Aktivität, am Draussensein, etc. signalisiert. Und: Wer sportlich ist, kann im Prinzip auch bei anderen Freuden des Lebens herzhafter zugreifen, etwa beim Essen.

      Problematisch wirds höchstens, wenn das in ein Übermass umschlägt. Wenn jemand Sport und Ernährung obsessiv betreibt ist das dann effektiv mühsam. Zumal bei solchen Leuten die Sportlichkeit ja nicht zu mehr Selbstbewusstsein führt, sondern sich selbst bei nahezu fettfreiem Modellkörper noch zu fett oder zu wenig muskulös fühlen..

      • Carolina sagt:

        In meiner Erfahrung werden die von Ihnen zuletzt Erwähnten häufiger! Genüsslich essen, trinken und nicht sofort per App oder Gadget die Kalorien gedanklich am nächsten Morgen abarbeiten scheint immer seltener zu werden. Auf der anderen Seite: mit so jemandem möchte ich auch gar nicht dem Genuss frönen – ist ja immer mit schlechtem Gewissen und moralinsauren Erwartungen verbunden.

        • Christoph Bögli sagt:

          Ob die wirklich mehr werden oder nur penetranter bzw. offensichtlicher auftreten? Möglich ist beides. Mir persönlich scheint der Trend wenn schon generell Richtung Extreme zu gehen, auf allen Seiten des Spektrums. Die Kehrseite ist ja, dass die Zelebrierung von Genuss auch stärker zu sehen ist, ob nun wahrhaftig oder als reine Show. Gerade was das Kochen und Nahrungsmittel angeht. Insofern kann man wohl sagen, dass generell alles mehr zum (öffentlich dargestellten) Lifestyle verwurstet wird. Was wiederum seine guten wie schlechten Seiten hat. „Genuss“ wurde insofern mit der Zeit ja auch wesentlich komplexer. Früher konnte man sich noch damit zufrieden geben, eine Portion Schnipo mit Industriebier herunter zu spülen, heute muss der ernsthafte Geniesser schon wesentlich mehr auf der Kiste haben..

          Wie auch immer, was ich persönlich störend finde: Dass man in solchen Diskussionen immer wieder „Genuss“ und „Lust“ mit Übergewicht, Unsportlichkeit und unkontrolliertem Essen gleichgesetzt wird. Und um das zu „belegen“ wird irgendein Zerrbild eines kalorienzählenden Rohkost-Triathleten dagegen gesetzt. Dabei ist halt letztlich beides Unsinn. Körperliche Aktivität, die Spass macht, gehört ja genau so zu einem genussvollen Leben wie Essen, bei dem die Qualität vor Quantität geht..

          • Luise sagt:

            Dieser Beitrag spricht mir aus der Seele. Genuss und geniessen ist nicht einfach Völlerei und Alkohol im Übermass. Genussmenschen müssen nicht übergewichtig sein. Sich in der freien Natur bewegen empfinde ich als wesentlich lustvoller als auf dem Sofa liegen. Ein bisschen „love-handles“ stören nicht. Aber wenn sich jemand im Bett nur noch so mühsam bewegen kann wie ein Wal auf dem Trockenen finde ich das alles andere als sexy.

          • Carolina sagt:

            Hä? Entweder ich habe hier etwas missverstanden oder Sie, Luise! CB wehrt sich doch genau gegen diese Schwarz-Weiss-Zeichungen: entweder Zerrbild Fetter, Genusssüchtiger, Fauler, Nichtsportler auf der einen Seite oder eben der kalorienzählende Rohkost-Triathlet auf der anderen Seite….. Dazwischen gibt es einen riesigen Graubereich an Normalität, von Menschen, die alles in Massen machen, die sich auf der unteren oder oberen Skala eines für-ach-so-wichtig-erklärten BMIs bewegen; die sich ab und zu ein Schnipo gönnen und ein Bierchen zum Feierabend. Die aber keine grosse Geduld mit Leuten haben, die alles nur an Aussehen, Sexyness und Körperkult festmachen!

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