Genug von der Ski-Maschinerie

Ein Gastbeitrag von Malin Auras*

Das französisch-schweizerische Skigebiet Les Portes du Soleil gehört mit 200 Bahnen zu den grössten der Welt: Sessellift in Champéry VS. Foto: Laurent Gilliéron (Keystone)

Das französisch-schweizerische Skigebiet Les Portes du Soleil gehört mit 200 Bahnen zu den grössten der Welt: Sessellift in Champéry VS. Foto: Laurent Gilliéron (Keystone)

Grösser, schneller, perfekter – in den Skigebieten wird ausgebaut, erweitert, verbunden und modernisiert. Die Lifte werden schneller und komfortabler, die Pisten perfekt und lückenlos beschneit, die Infrastruktur stetig ausgebaut. Ziel ist es, den Skifahrern möglichst bequem Zugang zu möglichst vielen Pistenkilometern zu verschaffen und ein abwechslungsreiches Drumherum zu bieten. Schliesslich sollen die Gäste in der nächsten Saison wiederkommen – und nicht über Langeweile klagen.

Die Möglichkeit, die knappe Ferienzeit effizient zu nutzen, ist das Gebot der Stunde. Man fährt mit den Ski bis vor die Haustüre, entdeckt an einem Tag diverse Täler und Hunderte, perfekt präparierte Pistenkilometer, lässt sich in beheizten Sesselliften kutschieren und hat alle Einkaufsmöglichkeiten und Wellnessangebote vor Ort.

Klein, aber fein

Trotzdem sind wir mittlerweile nur noch in überschaubaren, wenig überlaufenen Skigebieten unterwegs. Mir genügt ein schöner Skiberg mit ein paar guten Abfahrten und möglichst viel unverbautem, abwechslungsreichem Gelände. Ich entscheide mich bewusst für Gebiete, die nicht aus Pistenautobahnen zwischen endlosen Verbindungswegen und -liften bestehen. Mit einer Ski-Infrastruktur, die sich den Bergen anpasst, statt sie zu überlagern. Ein Gebiet, in dem die Kinder noch «Geheimwege» entdecken, Schanzen finden und Tiefschneeabkürzungen ausprobieren können.

Nirgendwo kann ich mich besser entspannen als im Skiurlaub. Gerade im Winter, wenn man viel zu Hause sitzt, bietet das Skifahren die Möglichkeit, den ganzen Tag draussen zu verbringen. Ich tausche den hektischen Alltag gegen die Einsamkeit der Berge, das perfekt Organisierte gegen das Abenteuerliche, industrialisierten Raum gegen möglichst unverbaute Natur.

Erlebnisbremse

Aber wo bleibt das Abenteuer, wenn die Skigebiete immer besser organisiert sind? Wo bleibt da der Kontrast zu unserem perfekt durchgeplanten Alltag? Finden wir die – in unserer Zeit so propagierte – «Entschleunigung» bei immer schnelleren Liften und endlosen Vergnügungsangeboten? Wo bleiben Ruhe und Erholung, wenn sich tausend Leute auf endlosen Pistenautobahnen tummeln? Und was ist mit der Schönheit der Berge, wenn rundherum nur ein konstruierter Mega-Spielplatz zu sehen ist?

Der Gigantismus in den Skigebieten ist gut für die Liftbetreiber, die Gäste anlocken müssen. Gut für die Hoteliers, die ihre Zimmer vermieten wollen. Gut für alle, die vom Fremdenverkehr abhängig sind. Aber ist immer grösser, schneller, perfekter gut für uns Skifahrer? Brauchen wir das wirklich?

Idylle oder Gigantismus: Was suchen Sie in den Skiferien? Sind kleine, unmoderne Skiresorts noch überlebensfähig? Wie stehen Sie zum weiteren Ausbau der Skigebiete?

Malin*Malin Auras ist freie Journalistin und schreibt unter anderem für das deutsche Skimagazin «Planet Snow». Am liebsten – wenn auch viel zu selten – ist sie auf zwei Brettern in den Schweizer Bergen unterwegs.

12 Kommentare zu «Genug von der Ski-Maschinerie»

  • Stefan sagt:

    Der Blog scheint „hier ist es überlaufen“ zu schreien, ein Manifest gegen den Massentourismus sozusagen.

    Nun war aber am vergangenen Samstag in Davos-Parsenn und zwei Wochen davor in Lenzerheide-Arosa bei den allerbesten Wetter- und Pistenverhältnissen nichts von Massentourismus zu spüren: Wartezeiten im Sekundenbereich, überall Platz ohne Ende.

    Meine grösste Sorge ist, dass dieser Komfort – den ich durchaus zu schätzen weiss – mangels zahlender Besucher in die Unwirtschaftlichkeit entschwindet. Wer es auch einmal ruhig und einsam mag, der geht dahin, wo keine Infrastruktur steht, wo somit auch keine Kosten im Unterhalt anfallen. Auch das macht sehr viel Spass.

  • Beat Reuteler sagt:

    Jedem das Seine.
    Wer den Trend im Skisport in den letzten 15 bis 20 Jahren nicht mitmachen wollte und somit nichts am Hut hat mit Carven findet meiner Meinung nach jederzeit auch sonst genügend Möglichkeiten. Seltsam nur dass ausgerechnet das Portes du Soleil – Gebiet als Beispiel für den modernen Ausbaustandard herhalten musste. Dabei ist das Alter der Liftanlagen, vielleicht mit Ausnahme von Champéry, sprichwörtlich. Wer es lieber ruhig hat und die 50+-Jährigen Tellerlifte bevorzugt besuche das Schneesportgebiet des Portes du Soleil! Aber besser in Torgon beginnen, nicht in Champéry!

    Recht gebe ich der Autorin in Bezug auf die Verbindungen, wo von den Investoren mMn viel zu viel Wert drauf gelegt wird. Wir können beispielsweise locker eine Woche Skiferien in Zinal verbringen ohne die Verbindugsbahn nach Grimentz auch nur ein einziges Mal zu benützen.

    Etwas anderes macht mich aber auch stutzig: Die Autorin beklagt sich über „tausend Leute auf endlosen Pistenautobahnen“. Aber die Bahnbetreiber beklagen sich über die fehlenden Frequenzen und die somit mangelnde Rentabilität. Da geht doch etwas nicht auf, oder?

  • Sacha D. sagt:

    Zuerst muss ich mal was dringend festhalten. Dieser Artikel ist masslos übertrieben.
    1.) In der Schweiz ist es verboten, Skigebiete zu erweitern. Nur
    Ersatzanlagen erlaubt.
    2.) Vergleicht man CH-Skigebiete mit Skigebieten im Ausland, stehen unsere wie Micky Maus Anlagen da. Les 3 Vallées, Val d Isere, Paradiski, Sestriere, Gröden usw…. das sind Megaskigebiete in Frankreich und Italien. Seht euch mal diese Pistenpläne an!!!!!Also bitte aufhören, unsere Skigebiete seien übertrieben gross.
    3.) Es gibt 5-6 super Projekte für Skigebietsverbindungen (kein Ausbau von Pisten wohlverstanden) welche aber von Umweltverbänden bekämpft werden. Leider haben diese Verbände zu viel Macht in der Schweiz und verhindern alles. Zumal diese Projekte alles andere als mit Grössenwahn zu tun hat sondern nachhaltend und vernünftig!!!!

    • Sacha D. sagt:

      Als Ergänzung zu meinem Kommentar. Les portes du Soleil ist nicht vollständig verbunden, ganz ohne Bus geht es nicht. Kommt dazu, dass die meisten Anlagen auf französischem Staatsgebiet stehen „Liebe Bund Zeitung“. Insbesondere in Avoriaz!

  • Sepp sagt:

    Sie gehen ins falsche Skigebiet.

    Gehen Sie mal nach Rosswald im Wallis. Da hats 3 Bügelliskilifte und x kombinationen und alle Ferienhütten stehen mehr oder weniger auf der Piste. Superfamiliär und klein. Nix Skizirkus.

    • Beat Reuteler sagt:

      Gut dass Sie mich warnen. Mit Hütten auf der Piste habe ich nichts am Hut. Ich bevorzuge Schnee zum Skifahren.
      So bleibt Ihnen dieses Idyllische Gebiet und ich störe Ihre Kreise nicht….

  • Christof sagt:

    Der Artikel spricht mir aus der Seele …. und es gibt sie sehr wohl noch diese kleineren Skigebiete. Nennen werde ich sie aber hier sicher nicht …… ;-)

  • Glen sagt:

    In Obersaxen gibt es eine ‚Perle‘ namens Sasolas – pitoreske Landschaft und mitten drin ein archaisch anmutender Schlepplift. Seit rund zehn Jahren kämpft eine Genossenschaft, eine Gemeinde für den Erhalt dieser Pisten/dieses Gebietes. Die Bergbahnen allerdings bluten diesen Teil des Skigebietes regelrecht aus – Jahr für Jahr weniger Bügel am Lift, im Dauerclinch mit der Gemeinde, kein Bekenntnis für eine Investition in den Lift (Konzession läuft 2017 ab).
    Für mich wäre das ein herber Verlust und ist wahrscheinlich auch ein Grund, diesem Skigebiet nach rund 25 Jahren den Rücken zu kehren.

  • Peter sagt:

    Ich finde wir haben genug Bahnen, kleinere Skigebiete lassen die Seele mehr baumeln, da die Hektik kleiner ist. Wir brauchen keine grossen Skipisten. Skifahrern soll Erholung sein und nicht Stress.

  • S. Zürcher sagt:

    Das Abenteuer findet man immer noch in vielen der weitläufigen Skigebiete der amerikanischen Rocky Mountains und der Green Mountains (Vermont). Abseits der get erschlossenen Hauptpisten gibt es viele Pisten die noch mit nicht-kuppelbaren 2-er Sesselliften oder andere alte Lifte bedient sind. Manchmal liegt in diesen Teilen des Skigebiets eine Woche nach dem letzten Schneefall noch wunderbaren Pulverschnee.

    Nachdem ich nach ein’gen Jahren in Nordamerika nach Europa zurückgekehrt bin, konnte ich den hiesigen Skibetrieb bald nicht mehr aushalten. Stattdessen haben meine Frau und ich neue Ausrüstung gekauft und gehen jetzt nur noch Schneeschuwandern.

    • Peter Ritter sagt:

      Ich kann Dir nur zustimmen. Die Weiten Vermonts sind für uns in der Schweiz Ansässigen doch eher ein Traum.
      Die Schweiz wird immer enger warum muss ich nicht näher erläutern. Somit wird auch der Freizeitraum immer enger und anstatt Entspannung macht sich Agressivität bemerkbar. Das zum Teil unsinnige Angebot an Zusatz „Kick and Fun“ scheint hierzulande das höchste der Gefühle der sog. Touristikgmanager zu sein. Die Schweiz wird unter diesen Facts. zunehmend zu einem teuren, und zunehmend ungeniessbaren Massenbrei

      • S. Zürcher sagt:

        Sie haben mich wohl falsch verstanden. Vermont und die anderen nördlichen Staaten Neuenglands sind zwar landschaftlich beeindruckend, allerdings gibt es auch wenig Arbeit. Da ich keine Millionen geerbt habe und stattdessen gearbeitet habe, war ich im dicht besiedelten südlichen Neuengland wohnhaft. Diese Staaten haben, wie auch die Schweiz, Ihre Hausaufgaben gemacht und die alten Industriebetriebe (z.B. die einst starke Textilindustrie) durch neue Wirtschaftszweige ersetzt. Ins besondere die forschungsstarken Universitäten Ziehen junge Leute aus ganz Amerika und der ganzen Welt an. Einige von denen bleiben nach dem Studium in Neuengland, tragen zum Reichtum der städtischen Staaten bei und kaufen sich ein Wochenendhaus in Vermont, wo sie ab und zu ein paar Dollar liegen lassen.

        Wenn wir im Sommer oder Winter zu Fuss in den Schweizer Bergen unterwegs sind, kommt es oft vor, dass wir den ganzen Tag niemand antreffen. Es gibt in den Alpen viele Möglichkeiten abseits des Massentourismus (wie in anderen Kommentaren beschrieben, auch teilweise auf der Skipiste).

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