Der plattgewalzte Nerv

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(Flickr/TheQSpeaks)

Auf dem Weg zum Morton Neurom: Läufer leiden häufig an einer schmerzhaften Nervschädigung im Vorfuss. (Flickr/TheQSpeaks)

Was ist ein Morton Neurom, warum sind Läufer betroffen – und was kann man gegen die Schmerzen tun? Unser Sportarzt Dr. Martin Narozny-Willi* erklärts:

Symptome

Diese Schmerzen am Fuss, sie sind nicht mehr auszuhalten! Seit Wochen dauern sie nun schon an.
 Zuerst hatten Sie nur beim Lauftraining Beschwerden. Ein brennender Schmerz am Vorfuss und teilweise ein Fremdkörpergefühl, als würde Sie ständig ein Steinchen im Schuh plagen. Am Anfang sind die Beschwerden nach dem Training gleich wieder abgeklungen, jetzt leiden Sie aber auch zunehmend im Alltag. Seit auch noch ein Taubheitsgefühl zwischen den Zehen hinzugekommen ist, war es genug. Sie gingen zum Arzt.

Differentialdiagnose und Abklärung

Ihr Arzt war sich zuerst auch nicht so ganz sicher. Am Vorfuss kann bei einem Läufer so einiges Beschwerden verursachen. Fussfehlformen, Überbelastungsreaktion der Mittelfussknochen, Durchblutungsstörungen der Knochen, Ermüdungsbrüche, Nervenläsionen, Gelenkentzündungen und Arthrose, um nur einige zu erwähnen. Bei der Untersuchung konnte der Arzt einen Schmerzpunkt an der Fusssohle feststellen, zudem bereitete die Kompression des Vorfusses heftige Schmerzen. 
Das Röntgenbild des Fusses war unauffällig. Der Arzt hat einen Verdacht, will der Sache weiter auf den Grund gehen und veranlasst eine MRI-Untersuchung, die dann auch die Diagnose liefert. Wie bitte, ein Morton Neurom? Nie zuvor gehört.

Morton Neurom MRI.

Morton-Neurom-MRI.

Diagnose
Bei einem Morton Neurom handelt es sich um eine wiederholte mechanische Schädigung eines Nervs am Vorfuss, welcher für die Sensibilität verantwortlich ist. Dadurch kommt es zu einer Entzündung und Schwellung sowie bei längerem Verlauf auch zu einer Vernarbung des Nervs. In diesem Stadium klingen dann die Beschwerden meist auch nicht mehr spontan ab.

Das Morton Neurom.

Verursacht Schmerzen: Das Morton Neurom.

Ursachen

Die eigentliche Ursache ist nicht ganz klar. Als Risikofaktoren gelten z.B. Spreizfüsse mit einer Abflachung des Fussquergewölbes und zu enge Schuhe. Beides verursacht einen erhöhten Druck auf den Nervenstrang, sodass sich dieser zwischen den Mittelfussknochen und den dazu gehörenden Bändern immer wieder entzündet. Typischerweise tritt das am häufigsten zwischen der 3. und 4. Zehe auf. Die Nervenentzündung erklärt auch die brennenden Beschwerden und das Taubheitsgefühl zwischen den Zehen.

Therapie
Zuerst sollten die Ursachen angegangen werden: Um einen Spreizfuss zu korrigieren, kann eine Schuheinlage für den Laufschuh angefertigt werden, welche den mechanischen Druck auf den Nerv reduziert. Bei den Laufschuhen sollte auf ein Modell gewechselt werden, welches dem Vorfuss mehr Platz lässt. Oft ist dies leider nicht ausreichend. Um die chronische Entzündungsreaktion zu stoppen, muss der Nerv auch mit einer oder allenfalls mehreren Kortisoninjektionen beruhigt werden. In der Mehrheit der Fälle können damit die Beschwerden zum Abklingen gebracht werden.

Einlagen für die Laufschuhe können helfen.

Einlagen für die Laufschuhe können helfen.

In seltenen Fällen treten trotz aller Massnahmen die Beschwerden wieder auf. Dann muss bei entsprechendem Leidensdruck eine Operation erwogen werden. Dabei wird der verdickte und vernarbte Nerv herausgeschnitten. Danach bleibt allerdings ein Taubheitsgefühl zwischen den Zehen. Die Zehen selbst können jedoch weiter aktiv bewegt werden, da es sich nur um einen Hautnerv handelt, der keine motorischen Fasern führt. Nach der Operation muss der Vorfuss in einem Spezialschuh für 3 bis 4 Wochen entlastet werden.

Dr. med. Martin Narozny*Dr. med. Martin Narozny-Willi, Facharzt Orthopädische Chirurgie FMH, Sportmedizin SGSM und Verbandsarzt Swiss Ice Hockey. Medbase Zürich, Sportmedizin und Leistungsdiagnostik. Die Klinik ist eine Swiss Olympic Medical Base.

 


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13 Kommentare zu «Der plattgewalzte Nerv»

  • Rosanna sagt:

    lest einfach mal „born to run“….da gibts Einblick ins Rennen ohne Schuhe mit gesunden Füssen….!!!

  • Otto Liebschitz sagt:

    Mein Tipp: Machen Sie etwas weniger Sport. Sie werden länger und beschwerdefreier leben, die Qualität und Zufriedenheit steigen. Machen Sie reinen Tisch mit sich und der Welt.

  • Teofilo Folengo sagt:

    Das Oedem sollte erst im T2-gewichteten Bild hyperintens werden, da Protonensignale angereichert sind. Bin kein Experte, aber sehen wir hier nicht das Gegenteil?

  • Hans Dampf sagt:

    Zusammenfassung der wissenschaftlichen Literatur zu diesem Thema: Ein Neurom ist ein gutartiger Tumor eines Nerven. Was Sie beschreiben ist eine Morton-Neuralgie. Diagnostisch ist die Anamnese und Untersuchung führend. Das MRI hat eine mässige Sensitivität und schlechte Spezifität (je nach Studie sogar schlechter als Ultraschall). Das Bild zeigt auch nicht ein (hypointenses) Neurom, sondern ein (hyperintenses) Oedem. Die konservative Behandlung besteht vorallem aus einer Sohlenversteifung und Abrollhilfe um das Abscheren des Nerven gegen das intermetatarsale Ligament zu vermindern. Kortisoninjektionen haben eine Erfolgsrate von 11 bis 47% was nicht gerade berauschend ist, und bergen das Risiko von (irreversiblen) Fettgewebsnekrosen und Sehnenrupturen. Eine Operation sollte – wie alle Operationen – erst dann diskutiert werden, wenn die nicht-operativen Möglichkeiten ausgeschöpft sind und relevante Beschwerden persistieren.

  • Josef sagt:

    Spreizfuss, zu enge Schuhe im Vorderfussbereich. Soso. Spreizfuss ist keine Ursache, sondern ein Symptom, verursacht durch die völlige Erschlaffung der Mittelfussmuskulatur. Und dies wiederum wird durch die Prothesen am Fuss verursacht: hoch gedämpfte, den Fuss „in Form“ pressende Laufschuhe mit hohem Absatz, der den Bewegungsablauf unnatürlich führt und neben dem Fuss auch Schienbein/Wadenbein-Muskulatur abbaut, das Knie znd die Hüfte schädigt.
    Einzige Therapie: langsam (!) auf minimalistische Laufschuhe (Merrell Foot Glove, Vibram Fivefingers) oder Barfuss (Socken im Fitnesscenter) umstellen. Damit verdienen Orthopäden und Chirurgen keinen Rappen.

  • Christian Duerig sagt:

    Kommentar ist überflüssig. Der Orthopäde weiss, wovon er spricht. Ich höre ihm aufmerksam zu und bin dankbar über seine Ratschläge. Mit dem Laufschuh „Transcend“ von Brooks kehrt das schmerzlose Laufvergnügen zurück. Vielen herzlichen Dank, Herr Dr. med. Martin Narozny-Willi. Very merry X-mas !

  • Roland K. Moser sagt:

    „…Fussfehlformen, Überbelastungsreaktion der Mittelfussknochen, Durchblutungsstörungen der Knochen, Ermüdungsbrüche, Nervenläsionen, Gelenkentzündungen und Arthrose, um nur einige zu erwähnen…“
    Wer soweit ist, sollte vielleicht die Intensität reduzieren und teilweise aufs Rennvelo und MTB umsatteln.

  • Luc sagt:

    Die übliche, vorschnelle Antwort von Ärzten: „Operation“!
    Möglichst schnell operieren! Das bringt die Kasse zum klingeln! Nicht, dass ich grundsätzlich gegen Operationen bin, oft ist dieser Weg tatsächlich unumgänglich. Aber jeder Patient sollte alle möglichen Alternativen sorgfältig abwägen. Der allwissende Halbgott in Weiss existiert schon lange nicht mehr!
    Es gibt z.B. für etliche Fussprobleme – u.a. auch Morton Neurom und Hallux (!) – bereits unzählige, grossartige und bleibende (!) Erfolge bei Anwendung der Spiraldynamik…

    • Roland K. Moser sagt:

      Der Dr. med. hat aber etwas anderes geschrieben: Zuerst Ursachen angehen und dann im Notfall die Operation.

      • Dorian Doppelganger sagt:

        Spiraldynamik ist eine eingetragene Marke, da werden auch einige Kassen klingeln. Und wenn Sie nicht medizinisch behandelt werden wollen, dann müssen Sie ja auch nicht zum Arzt gehen. Den Spiraldynamiker freuts bestimmt. Ob es dies Ihren Fuss auch tut, ist schwer zu beurteilen.

    • Muriel sagt:

      Nach Jahren voller Schmerzen in denen ich alles mögliche ausprobiert habe -inkl. Spiraldynamik, von der ich ein grosser Fan bin!!- habe ich mich dann doch für eine Operation entschieden. Und endlich kann ich wieder gehen, laufen, alles machen was Herz begehrt und Fuss wieder erlaubt. Operationen sind nicht per se schlecht.

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