Minimalisten müssen 3,75 Millionen zahlen

Wie barfuss: Die kaum besohlten Laufschuhe von Vibram. (Bild: Vibram)

Barfuss durch den Wald: Die kaum besohlten Laufschuhe von Vibram. (Bild: Mark Gamba/Vibram Fivefingers)

Die Minimalisten boomen – sämtliche Laufschuhhersteller haben in ihrem Sortiment einen sogenannten Barfuss-Schuh. Einige dieser Treter sehen aus wie herkömmliche Laufschuhe, wie etwa der Nike Free oder der Gel-Excel 33 3, das Pendant von Asics. Bei anderen ist auf den ersten Blick sichtbar, dass der Hersteller so wenig Material verarbeitet hat wie nur möglich – so etwa bei der Minimalisten-Version von Adidas. Einige der Treter beschränken sich darauf – eine bessere Sohle zu sein. Am deutlichsten sind die Minimalisten oder Naturalrunner denn auch im Five Finger von Vibram zu erkennen. Der Trend weg von den übermässig gedämpften Laufschuhen, welche den Fuss- und Wadenmuskeln die Arbeit abnehmen, hin zu den kaum gesohlten Tretern, die eben diese Muskeln wieder spielen lassen, bescherte den Sportartikelherstellern volle Kassen.

Nun droht ihnen ein amerikanisches Gericht einen Strich durch die Erfolgsrechnung zu machen: Vibram USA sah sich gezwungen, mit einer Kundin einen Vergleich abzuschliessen, der es in sich hat. Wie Runner’s World schreibt, ging Valerie Bezdek aus dem Bundesstaat Massachusetts gegen den Schuhhersteller vor. Sie beschuldigt ihn, in seiner Werbung vorzugeben, die Five Fingers würden Fussverletzungen reduzieren und die Fussmuskeln stärken – ohne diese Theorien auf wissenschaftliche Ergebnisse stützen zu können. Mit dieser medizinischen Behauptung habe sich Vibram illegalerweise auf dem Rücken seiner Kunden bereichert. Ähnliche Klagen gingen in Kalifornien und Illinois ein.

Die Minimalschuh-Firma hat klein beigegeben, bevor es zu einem juristischen Präzedenzfall kam: Sie hat sich verpflichtet 3,75 Millionen Franken zu hinterlegen, um damit Kunden eine Rückerstattung von 94 Dollar pro Schuhpaar zu garantieren, die ihren Five Finger zwischen dem 21. März 2001 und dem Vergleichsdatum gekauft haben. Vibram hat eigens dazu eine Internetseite aufgeschaltet (www.fivefingerssettlement.com).

Damit aber nicht genug. Dem Minimalschuhhersteller ist fortan untersagt, in Marketingkampagnen zu behaupten, die Five Fingers würden die Fussmuskeln stärken oder das Verletzungsrisiko reduzieren – bis es dafür neue wissenschaftliche Beweise gibt. Platzt nun die Minimalschuh-Blase?

 

 

 

 

 

 

24 Kommentare zu «Minimalisten müssen 3,75 Millionen zahlen»

  • Tobias sagt:

    Gibt es denn wirklich wissenschaftliche Beweise, dass all die dicksohligen Laufschuhe, für Überpronierer, Supinierer, Plattfüssler und auch Normalos durch ihre (unter-) stützende Wirkung uns vor Fuss- und Gelenksschäden bewahren? Dies wird jedenfalls von der Laufschuhindustrie behauptet. Und wie steht es eigentlich mit all den Vitaminen und Nahrungsergänzungsprodukten für uns Sportler, die fleissig aber ohne wissenschaftliche Evidenz beworben werden? Vielleicht werden da noch viele Anwälte und Gerichte bemüht; aber wohl nur in den USA….

  • Sven Janner sagt:

    Wer anderen die Schuld gibt, gibt anderen die Macht.

  • speedster sagt:

    es gibt leute wie mich, die bekommen wegen schuhen mit zu dicken sohlen probleme mit fuss-, knie- und hueftgelenken. mit flachen schuhen, sub 20mm, und wenig sprengung sub 5mm kann ich 5-7x die woche trainieren ohne probleme zu haben. abseits von teer ist der vorteil noch groesser, man verknickt weniger, die belastung auf gelenke ist kleiner. stark gepolsterte schuhe gibt es noch keine 40 jahre, barfuss oder mit minimaler sohle laeuft der mensch seit jahrtausdenden…

  • Udo sagt:

    Hier geht es doch nicht im geringsten um die Wirkung oder Nichtwirkung von Barfussschuhen. Die Anwaltsfirma kassiert mit dem Fall fast eine Million Dollar…

  • Manfred Kern sagt:

    # DIE WISSENSCHAFT – UNSERE NEUE RELILION ! #

    Auf jeden Fall muss ich schauen, dass ich noch ein Paar Vibram ergattere, – bevor der Spuk vorbei ist.

    Denn meinen Hepatitis-Latschen tut’s bestimmt besser, als barfuss durch den Wald zu tigern..

  • Volkan Aydin sagt:

    Recht so!, den die Muskulatur wird durch das Training gestärkt, nicht durch irgendwelche Trendischuhe. Oder baut man die Muskulatur auch auf beim Schlafen, nur weil man sie anhat?

    Also wir sind früher im Karate 2 stunden Paarfuss durch den Wald gerennt, und das mit Schnee oder im Regen, dazu braucht man keine Pseudoschuhe, keinen Pulsmesser, und keine Energierigel etc.

    • Milic sagt:

      Richtig! Und wenn das Training ohne Schuhe oder ansonsten mit Minimalschuhen erfolgt, hat es den Vorteil, dass die Muskulatur auch tatsächlich gestärkt wird im Gegensatz zu Schuhen mit hoher Sprengung, Fussbett und Dämpfung-alles Dinge die wir erwiesenermassen nicht benötigen.

  • Chris sagt:

    Laufen soll jeder wie es ihm Spass macht und er sich nachher wohlfühlt. Wenn’s nur um Geschwindigkeitssteigerung geht ist schon mal was tüchtig falschgelaufen. Was ich an den Füssen habe oder eben nicht habe verrate ich jetzt nicht…

  • Peter sagt:

    Seit wann dürfen in der Werbung, nur Wissenschaftlich bewiesene Anpreisungen gemacht werden? Die Amis wieder…

    • Tom sagt:

      Das gilt doch eigentlich auch in der Schweiz denke ich mal. Für etwas werben das nicht stimmt ist Betrug.

  • Mario Monaro sagt:

    Erinnert an den Streit um die Behauptung, dass Milch starke Knochen gibt. In beiden Fällen kann jeder mit gesundem Menschenverstand nachvollziehen, dass eine zumindest minimale Wirkung da sein dürfte (Milch enthält Kalzium, welches für den Knochenaufbau wichtig ist und Minimalschuhe dämpfen den Schritt weniger und man muss selber mehr arbeiten). Wie gross diese Wirkung tatsächlich ist, ist in beiden Fällen wohl strittig und möglicherweise ist sie sogar minimal. Aber da ja homöopathische Mittel auch ohne wissenschaftlichen Wirkungsnachweis verkauft werden – weil sie manchen Menschen eben doch helfen – sollte man bei den Schuhen (und der Milch) nicht päpstlicher als der Papst sein. Wer sich besser fühlt hat Recht.

  • Max Hesdroom sagt:

    Es ist eine altbekannte Tatsache, dass die leichten und dünnbesohlten Schuhe als „Rennschuhe“ gelten – also für das eigentliche Rennen um die Leistung ans Maximum zu bringen. Für das Training wurde schon immer gesagt das diese wegen mangelnder Dämpfung nichts sind. Aber ein paar hippe, neumodische Trendfolger wissen es halt besser.
    Tja, wer nicht hören will muss fühlen. ;-)

    • Milic sagt:

      Es ist eine altbekannte Tatsache, dass die heutzutage so verbreiteten Verletzungen bei Läufern erst begannen, seit der Entwicklung von gedämpften Schuhen.

  • Don Roberto sagt:

    Jaja, der Glaube an die wissenschaftlichen Beweise. Ist es nicht wissenschaftlich untersucht worden, dass die Wissenschaft nur ihr bekannte Parameter oder Zusammenhänge untersucht?

  • Joerg Hanspeter sagt:

    @Captain kirk: Das Gericht sagt ja nicht, dass die Schuhe die Fussmuskulatur nicht stärken, es sagt lediglich, der wissenschaftliche Beweis fehle. Sie alleine sind leider noch kein wissenschaftlicher Beweis.

    • captain kirk sagt:

      Das ist mir schon klar. Aber hat den Vibram je behauptet das es Studien gibt zu diesem Thema? Denn ich weiss wirklich nicht ob Virbram je was von Studien zum Thema geschrieben hat. Wenn ja dann kann ich denn Entscheid des Gerichts eher nach voll ziehen.

      • Roland K. Moser sagt:

        Vibram schreibt, dass…

        Somit muss es auch zutreffen, weil es sonst eine Lüge ist, um Verkaufszahlen zu erzielen. Gäbe es Studien hätte Vibram diese sicher erwähnt und müsste keinen Rappen zahlen.

        Ich hoffe, in der Schweiz klagt auch einer.

  • captain kirk sagt:

    Kann den Gerichtsentscheid nicht nachvollziehen. Da ich selber Minimalschuhe verwende, kann ich sehr wohl bestätigen, dass es die Fussmuskulatur stärkt.

    • Cybot sagt:

      Es gibt auch Leute, die aus eigener Erfahrung bestätigen werden, durch Handauflegen von Krebs geheilt worden zu sein. Ein wissenschaftlicher Beweis ist das trotzdem nicht.

      • captain kirk sagt:

        Cybot wie mir scheint haben Sie sich ausgiebig mit der Materie Minimalschuhe beschäftigt. Schon mal einen von nahe gesehen?

    • Sven sagt:

      Ja, aber das sind persönliche, subjektive Eindrücke und keine wissenschaftlich untermauerten Analysen.

      • Urs Tobler sagt:

        Natürlich glaube ich wissenschaftlich untermauerten Analysen wie z.B. denen von Roche. Wer sind wir schon die nur persönliche Erfahrungen machen, sogenannte Anekdoten, keine Wissenschaft und nichts. Folglich nicht glaubwürdig.

    • gnu sagt:

      @captain kirk: Dies ist nicht weiter erstaunlich; wer sollte denn auch einen Gerichtsentscheid verstehen können, der gar nie getroffen wurde? Klägerin und Beklagte haben einen Vergleich getroffen, damit wurde ein Gerichtsentscheid obsolet…

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