Wollen Sie beim Joggen sexy aussehen?

Achtung, folgende Zeilen sind subjektiv – bis zum allerletzten Wort. Bei anderer Meinung fragen Sie bitte Ihren Sportartikelverkäufer oder Usain Bolt.

Joggerin in einer Werbung. (Flickr/lulumon athletics)

Joggen kann auch ästhetisch sein: Eine Joggerin in einer US-Werbung. (Flickr/lulumon athletica)

Joggen könne jeder. Immer und überall. Dazu brauche man nicht mal Talent. Nur ein Paar Turnschuhe. Es sei der billigste Sport der Welt. Klar! So mag das vielleicht in den Siebzigerjahren gewesen sein. Damals trug man zum Joggen noch Schlabberhosen aus Baumwolle, holte das älteste Shirt aus dem Kasten und bei Wind und Wetter zog man ein Sweatshirt drüber. Atmungsaktivität gabs damals noch nicht. Auch keine dämpfenden Sohlen bei den Schuhen, oder flexible und abgerundete Fersenpartien. War man deshalb langsamer? Ja!

Heute fallen auf diese Joggen-ist-günstig-und-ganz-simpel-Mythen nicht mal mehr Einsteiger rein. Wir schreiben das Jahr 2013. Funktionale Sportausrüstung ist Pflicht. Auch beim Laufen. Vom Stirnband bis zur Socke. Wer mit irgendwelchen, von den Grosseltern geerbten Klamotten und Schuhen durch die Natur trampelt, braucht definitiv eine stabile Psyche. Denn die klassischen Laufwege sind die Laufstege der Jogger. Zuhause reicht eine einzige Schublade für die Sportsachen nicht aus. Wir besitzen mehrere Hosen: kurze, lange, mittellange. Mehrere Shirts: für warme und für kalte Tage. Mehrere Jacken: winddicht, wasserdicht, softshell, hardshell. Mehrere Schuhe: für jeden Untergrund, Wald, Kiesel, Asphalt, leichte oder wasserdichte. Mützen, Handschuhe, Pulsuhr, iPod, etc. etc. etc.

Ein Vermögen investieren wir in unseren geliebten Laufsport. Macht uns das glücklicher? Ja! Niemand kann abstreiten, dass es sich mit einem frisch erworbenen 220-Franken-Hightech-Schuh besser läuft. Auch wenn man  sich das nur einbildet und noch fünf andere, gleichwertige Paare besitzt. Das spielt keine Rolle. Es geht schliesslich nicht nur um einen selbst, sondern auch um die anderen, die man da draussen kreuzt oder überholt. Stellen wir uns doch mal vor, heute würden noch immer alle die ausgeleierte nicht-hochtechnologische Schlabber-Baumwolle tragen. Wie unsexy wäre das denn! Könnten wir uns überhaupt motivieren, wenn die Mitjogger aussehen würden wie die Hesch-mer-en-Stutz-Typen am Bahnhof? Nein! Attraktive Sportlerinnen und Sportler sind der Grund, weshalb wir regelmässig und überhaupt die Laufschuhe schnüren. Sonst können wir genau so gut im Büro sitzen bleiben und die Kollegen anschauen, die nach geleisteter Überstunde nach Hause gehen, den bequemen Traineranzug anziehen, Salznüssli knabbern und «CSI Miami» glotzen.

Darum, meine lieben …

 

… Laufeinsteiger: Leihen Sie sich niemals gebrauchte Ausrüstung von Familienmitgliedern oder Kollegen, auch wenn Sie nicht sicher sind, ob Ihnen dieser Sport langfristig gefallen wird. Kaufen Sie sich alles neu. Lassen Sie sich vom Verkäufer verleiten. Ansonsten werden Sie es mit dem Joggen nicht durchhalten. Als Anfänger bringen Sie bereits genug Defizite mit: Sie sind langsam, haben einen seltsamen Laufstil, schnaufen wie ein Ross, müssen regelmässig pausieren. Das hemmt generell. Mit der modernsten und teuersten Ausrüstung heben Sie Ihr Selbstwertgefühl.

… Tights-Träger: Ob kurz oder lang. Hauptsache knalleng und nahtlos? Sie gehören zur meistgesehenen Sorte unter den Joggern, also zum langweiligen Mainstream. Tragen Sie Leggins um den Wolf zu verhindern? Um schon in der Quartierstrasse als Läufer erkannt zu werden? Um zu zeigen, wie viel Mann Sie bieten könnten? Falls Letzteres: Schauen Sie sich bei der nächsten Trainingseinheit um. Wie viele Tights-Träger finden Sie attraktiv? Nur sich selber, richtig? Leisten Sie sich doch eine kurze Überhose. Dann flirten wir Frauen vielleicht sogar.

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