Drei Dinge, die Sie beim Joggen vermeiden sollten

Heute ein Gastblog von Res Strehle*.

(Keystone/Martin Rütschi)

Nur wer ohne Kopfhörer unterwegs ist, hat den vollen Laufgenuss: Jogger in einem Schweizer Wald. (Keystone/Martin Rütschi)

Joggen ist die einfachste Sportart der Welt. Sie braucht guten Willen und ein paar gedämpfte Turnschuhe (am Strand gehts auch ohne) und das wärs schon. Trotzdem schreiben sich im deutsch-englischsprachigen Raum zahllose Experten und ehemalige Spitzenathleten die Finger wund, was man beim Joggen alles tun und lassen sollte. Die Ratgeberliteratur für Einsteiger füllt inzwischen ganze Gestelle und wird Einsteiger weniger ermutigen als einschüchtern.

Der Laie hats einfacher. Er hält sich an drei bewährte Grundregeln und kommt damit gut über die Runden. Er wird es so womöglich nicht bis zum Marathonläufer bringen, aber für eine allwöchentliche Lockerung, gute Gespräche mit Laufpartnern und vielleicht sogar mal eine Runde um den Pfäffiker- oder Greifensee reicht es allemal. Und er wird ohne Krankheit eine Bewegungsart, die er im Kleinkindalter mit Freude entdeckt hat, auch im Alter nicht verlernen.

Folgende Regeln seien zur Beachtung empfohlen:

  1. Vermeiden Sie längere Asphaltstrecken, sie wirken sich wie Schläge auf Knie- und Hüftgelenke aus. Zu empfehlen sind Naturböden, am besten ein weicher Waldboden. Joggen auf Schnee und Sand mag anstrengend sein, aber es ist einer längeren Strecke auf Asphalt oder gar Steinboden in jedem Fall vorzuziehen.
  2. Starten Sie nie so schnell, wie Sie eigentlich laufen könnten. Vor allem ambitionierte, oft zugleich schlecht trainierte Läufer übertun sich in der Startphase, speziell auf steil ansteigendem Gelände, und leiden danach auf der gesamten Strecke. Wenn Sie langsam starten, vorzugsweise auf flachem oder nur leicht ansteigendem Gelände, können Sie später jederzeit zulegen. Und Ihr Puls wird nach und nach den idealen Belastungspuls erreichen. Lassen Sie sich folglich jederzeit mit Freude überholen – der Wettlaufgedanke hat beim Joggen nichts zu suchen.
  3. Hören Sie keine Musik. Musik aus Kopfhörern ist eine schöne Sache, vor allem dann, wenn einen die Umgebung mit unangenehmen Geräuschen malträtiert. Quietschende Trams, eine S-Bahn, die aus dem Tunnel donnert, die Nähe zur Autobahn oder Sitznachbarn, deren Gespräche Sie nichts angehen, sind eine ideale Umgebung für die Flucht in eine andere Klangwelt. Joggen im Wald ist es nicht: Nur ohne Kopfhörer werden Sie die Vogelstimmen hören, mit der Zeit die verschiedenen Rufe, Stimmungen und Vogelarten unterscheiden lernen – eine wunderbare Erfahrung, auch leise Geräusche wahrzunehmen. Wie Blinde werden Sie sich zu den Vogelstimmen innere Bilder machen, unterstützt durch das Glückshormon Endorphin, das bei Beachtung von Regel 1 und 2 nach einer halben Stunde ausgeschüttet wird.

So werden Sie als Laie diese Sport-, Unterhaltungs- und Meditationsart lieben lernen. Von Durchhalten oder gar Spitzenzeiten an internationalen Marathonläufen werden Sie nicht berichten können, aber was ist das schon gegen diesen wunderbaren Ruf des Wiedehopfs?

*Res Strehle ist Chefredaktor des «Tages-Anzeigers».

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