So kommen Sie auf Touren

Skitour

Skitouren mit Steigfellen werden immer beliebter, doch die Risiken sollten nicht unterschätzt werden. Auch die Technik, zum Beispiel eine Spur im Neuschnee zu legen, braucht Erfahrung. Im Bild: Eine Tourengruppe beim Alphubeljoch auf 3782 Meter. (Foto: Natascha Knecht)

Skifahren und Snowboarden macht Spass. Aber die Hektik auf den Pisten, das Gedränge an den Liften und das laute Gedudel aus den Schneebars kann auch enervieren. Kein Wunder suchen immer mehr Leute Entspannung abseits des Trubels. Es heisst, Skitourengehen sei jener Wintersport, der zurzeit am meisten boomt. Ruhe und Abgeschiedenheit kombiniert mit körperlicher Herausforderung, Gipfelglück und einer Abfahrt durch jungfräulichen Pulverschnee. Was gibt es Schöneres?

Wie jede alpine Spielart birgt auch eine Skitour gewisse Risiken. Etwa die Gefahr, in eine Lawine zu geraten oder sich zu verirren. Deshalb wird Neueinsteigern empfohlen, Einführungskurse zu besuchen – selbst dann, wenn sie später ausschliesslich bei geführten Touren teilnehmen möchten, etwa bei einer SAC-Sektion oder Bergsteigerschule. Wer auf eigene Faust aufbricht, sollte vorbereitet sein und die Risiken beurteilen können. Doch das setzt viel Erfahrung voraus. Schnell ist verblasst, was man in einem Kurs gelernt hat, wenn man die erworbenen Kenntnisse nicht regelmässig anwendet. Beispielsweise die wichtigsten Einflüsse auf die Entscheidungsfindung. Oder wie der Selbstausstieg aus einer Gletscherspalte gelingen kann. Oder wie man einen Flaschenzug installiert, etc.

Im Winter sind Bergtouren rauer, schwieriger, gefährlicher

Die Anforderungen an den Skibergsteiger sind vielfältig und umfassen weit mehr als Fitness, die richtige Ausrüstung, das Beherrschen von Spitzkehren und die nötige Abfahrtstechnik. Wer einen Gipfel im Winter erklimmen möchte, sollte damit rechnen, dass alles etwas rauer, schwieriger, kälter, gefährlicher und auch schlechter zu finden ist als im Sommer. Wetter, Schnee- und Lawinenlage richtig einzuschätzen und bei einer Fehlprognose trotzdem zurechtzukommen, gehört zu den wichtigsten Fähigkeiten, die sich ein Tourengeher aneignen sollte. Und was ist zu tun, sollte das Unglück tatsächlich eintreten? Wie rettet man schnellstmöglich verschüttete Kameraden?

Folgende zwei Lehrbücher können helfen, das Wissen aufzufrischen, oder sich Kenntnisse anzueignen:

Quasi die «Bibel» der Skitourengänger (Fortgeschrittene, Profis und solche, die es werden wollen) ist: «Bergsport Winter – Technik, Taktik, Sicherheit» von Kurt Winkler, Hans-Peter Brehm und Jürg Haltmeier aus dem Verlag des Schweizer Alpen-Club SAC. Dieser Ratgeber vermittelt alles Notwendige – etwa über Lawinen und Tourenplanung, Ski-, Snowboard- und auch Schneeschuhtouren, Steileis- und Mixedklettern, Natur und Umwelt. 272 Seiten, 47 Farbfotos, 6 Kartenausschnitte, 223 Zeichnungen, 19 Tabellen, 18 x 12 cm, Softcover, 3. überarbeitete Auflage 2012. Ladenpreis: 42 Franken. Preis für SAC-Mitglieder: 33 Franken (www.sac-verlag.ch)

Insbesondere für Neueinsteiger geeignet ist: «Skitouren – Ausrüstung, Technik, Sicherheit» von Markus Stadler aus der Reihe «Wissen & Praxis» des Bergverlags Rother. Dieses Buch zeigt die wichtigsten Aspekte des Skitourengehens auf. 160 Seiten, 100 Farbabbildungen, 16,3 x 23 cm, kartoniert, 1. Auflage 2012. Ladenpreis: 33.50 Franken.

Aber nicht vergessen, was der SAC zu bedenken gibt: Bergsteigen ist gefährlich und kann zu Körperverletzungen oder Tod führen. Die Angaben in jedem Lehrbuch unterliegen einem starken Wandel der Zeit. Ein Lehrbuch soll die Risiken im Alpinismus möglichst umfassend aufzeigen, kann jedoch nicht davor schützen. Es entbindet daher in keiner Weise von der Selbstverantwortung jedes Benützers, wozu unter anderem das Erlernen der notwenigen Techniken unter fachkundiger Aufsicht sowie die Einhaltung aller Angaben der Bergsportartikelhersteller gehören.

Ich wünsche allen einen unfallfreien Winter mit (hoffentlich) viel Schnee und unvergesslichen Touren!

21 Kommentare zu «So kommen Sie auf Touren»

  • Aschi sagt:

    Mit der Erfahrung ist es so eine Sache. Vielleicht hatte man auf 200 Touren oft Glück und schreibt das nun der Erfahrung zu.

  • hallo mitenand

    zur ergänzung meines vorigen beitrages.
    die hauptbasis um zu lernen… steht an erster stelle, immer wieder gehen und gehen, nur so gewinnt man die
    ueberlebenswichtigen Erfahrungen und Erkenntnisse. die kommentare der sofa bergsteiger erübrigen sich. alles was nicht
    selbst durchgestanden, und erlebt worden ist, bleibt theorie.
    bei jeder tour lernt man neues dazu. bis man sagen kann, jetzt habe ich skitouren-erfahrung das dauert 5-10 jahre. oder
    anders gesagt ca. 200 touren.

    ich wünsche allen eine tolle skitouren-saison.

    gruss von
    raphael wellig http://www.raphaelwellig.ch

  • hallo mitenand

    klar skitouren ist was grossartiges.
    ein ausgezeichneter bericht von natascha, besten dank.

    die zahl der skitouren-geher ist in den letzten 30 jahren auf das 4fache angestiegen. im bericht müsste noch erwähnt
    werden, das die unfall zahlen seit jahren rückläufig sind. das spricht für die skitouren-geher, und alle wintersportler abseits
    der piste. das zeigt auch, das die ausbildungen auf hohem niveau sind. skitouren-geher ist sicherer als autofahren…

    und stille ziele gibt es immer noch genügend, ich gehe einfach meistens dort, wo es keinen roten strich hat…

    ich wünsche allen eine schöne skitouren-saison 2012/13.

    gruss von
    raphael wellig http://www.raphaelwellig.ch

  • bop sagt:

    Bitte hören Sie auf, für Skitouren Werbung zu machen.
    Es hat schon viel zu viele Leute unterwegs. Seit min. 15 Jahren sieht man die Entwicklung und die ist nicht positiv. Immer mehr Leute am Berg, immer mehr Verantwortungslose, sei es bezüglich Lawinen oder Natur. Die Sporter ins Fitnessstudio und die Touristen vor dem Fernsehen. Dann bleiben die schönen Berge für mich.
    Skitour ist blöd, gefährlich, kalt, nass, anstengend, usw. Die Pisten sind viel besser.

    Spass :-)

  • Aschi sagt:

    In den Voralpen können Hügel mit geringer Höhendifferenz und Neigungen unter 30° meist auch bei Gefahrenstufe 1 bis 3 begangen werden. Ich sage aber nicht wo, denn überlaufene Touren gibt es genug und etwas Fantasie und Kartenlesen gehören zum „Steissen“.

    • Andreas sagt:

      Ja aber, was hat die Höhendifferenz einer Tour mit der Lawinengefahr zu tun? Natürlich je grosser die Differenz, je unterschiedlicher können die Schneeverhältnisse sein. Aber eine geringe Höhendifferenz macht eine Tour nicht sicherer, genauso wenig wie wenn es wenig Schnee hat. Ich hab schon erlebt, dass wir die kleinen Schneefelder zwischen der Grasnarbe suchen mussten und trotzdem eine Schneebrett fernausgelöst haben.
      Grundsätzlich haben sie aber schon recht. Man kann auch bei Gefahrenstufe 3 Skitouren unternehmen, solange man die Steilhänge (ab 29°) meidet. Ich finde diese Situation sogar einfacher, als wenn ich einen kritischen Hang beurteilen muss.

      • Aschi sagt:

        Bei grossen Höhendifferenzen kann die Gefahrenstufe im Bulletin je nach Höhe ü.M. unterschiedliche Werte aufweisen. Geringe Höhendifferenzen erlauben auch rechtzeitigere Heimkehr um den im Tagesverlauf sich verschlechternden Bedingungen auszuweichen. Kleinere Touren mit geringer Höhendifferenz erlauben auch am gleichen Berg gelegentlich verschiedene Expositionen zu testen bei mehreren Aufstiegen und geringerem Risiko. Natürlich sind gerade schneearme Zonen ein besonderes Risiko mit den schneegefüllten Mulden neben dem vom Wind freigelegten Gras der Rippen und Buckel. An der Galmscheibe haben wir einmal ein Schneebrett im Aufstieg ausgelöst. Wenn man nach oben blickte sah man nur grüne Buckel, in den Mulden wartete der abfahrbereite Schnee und er ging ab.

  • Stephan Geiser (SAC Tourenleiter) sagt:

    Theorie ist gut, Praxis ist besser. Deshalb unbedingt auch SAC Lawinen- und Skitourenkurse besuchen, welche durch den SAP Zentralverband in Zusammenarbeit mit Bergsteigerschulen angeboten werden. Auch die SAC Sektionen bieten jeweils Anfang Winter entsprechende Kurse an. Dann unbedingt mit den SAC Sektionen auf Tour gehen, bevor man sich alleine ins Gelände wagt. Deshalb: Jahrelange Erfahrung ist überlebenswichtig, denn Bergsteigen lernt man beim Bergsteigen und nicht Zuhause in der warmen Stube beim Bücherlesen.

    • Stephan Geiser (SAC Tourenleiter) sagt:

      Zudem – Lawinensicherheit gibt es nur dort wo es flach ist und keinen Schnee hat…

      • Philipp Rittermann sagt:

        ja was – somit also nicht in den bergen….. *wieher* you made my evening!

      • Joachim Adamek sagt:

        Ok, unter fachkundiger Anleitung lernen, ist zweifellos meist effektiver und viel spannender, als sich alleine mühsam ein paar Kenntnisse anzueignen. Es ist eine — wenn auch oft vergessene — Binsenweisheit, dass derjenige, der das Wissen anderer zu nutzen versteht, meist schneller und einfacher ans Ziel kommt, als jener, der glaubt, erst noch einmal das Alphabet erfinden zu müssen.
        Dennoch kann ich jedem, selbst wer bereits über solide Kenntisse verfügt, nur empfehlen, ab und an einen Blick in die neusten Lehr- und Sachbücher zu werfen, weil man dort nicht nur nützliche Tips findet, sondern — was weit wichtiger ist — man dann auch Gelegenheit hat, die verschiedensten Situationen — in die man möglicherweise nie kommen möchte — gedanklich durchzuspielen. So ist man deutlich besser auf Extremsituationen vorbereitet, als wenn man lediglich den einen oder anderen Kurs besucht. Sicher, Freizeitsport soll nicht in Stress entarten. Aber jedes Mehr an Kompetenz macht nicht nur Spass. Es macht vor allem stark.

        • Joachim Adamek sagt:

          Übrigens: Sie können ganz schnell selbst testen, wie gut Sie für den Notfall vorbereitet sind. Fragen Sie sich, worauf man beim Bau einer Schneehöhle insbesondere achten muss. Und kennen Sie die Alternative dazu? Wissen Sie, wie man ein Panzerknacker-Iglu baut? Zur Kontrolle können Sie beides ganz schnell googlen. Und die Überlebenskünstler schauen am besten unter “Quinzhee-survival shelter” nach.

  • Karl sagt:

    Das aktuellste Buch ging leider vergessen:

    Lawinenkunde, Harvey S., Rhyner H., Schweizer J., Bruckmann Verlag GmbH, München, 2012, ISBN 978-3-7654-5779-1

    Siehe auch:
    http://www.slf.ch/dienstleistungen/buecher/lawinenkunde/index_DE

  • Joachim Adamek sagt:

    Der richtige Blog zur rechten Zeit. — Vielen Dank für die Tipps, insbesondere für die Literaturempfehlung. Lehrbücher sind zwar schnell überholt, aber ich habe noch keine Minute bereut, die ich in ihre Lektüre investiert habe. YOLO, damit es besser gelingt!

  • Urs sagt:

    Bevor sich Neulinge diesen Winter nun in der warmen Stube einschliessen und zuerst die zurecht gelobte Fachliteratur auswendig lernen, sei zusätzlich erwähnt, dass es auch wunderschöne leichte Touren gibt, die kein Studium und keine Adrenalin-Sucht voraussetzen. Diese leichten Touren sind, genau wie jede Wanderung, nicht gänzlich frei von jedem Risiko, aber jedem Menschen, der auf den Napf wandern und eine blaue Piste abfahren kann, zuzutrauen. Ein Kursbesuch zum Erlernen der Grundlagen ist natürlich immer eine Voraussetzung, und beim Bergführer sollten sie auch nicht sparen, wenn sie unerfahren sind. Aber Skitouren sind nicht nur etwas für sogenannte „echte“ Bergsteiger. Oft trifft man auf leichten Skitouren ganze Familien inklusive Hund an, die sich gerne gemeinsam draussen bewegen, ohne ein raues, schwieriges und gefährliches Abenteuer zu suchen. Machen Sie einen Kurs, suchen sie sich leichte Touren aus, und warten sie nach Schneefällen ein paar Tage. Sie werden erstaunt feststellen, dass oft bereits ein perfekt präpariertes Trasse vorhanden ist, dem Menschen wie sie vergnügt und pfeifend bis zum Gipfel folgen, wo es ein Becher Wein und ein Schnupf gibt, bevor sie sich die zerfahrenen Hänge runterstürzen, dabei Purzelbäume schlagen und vor lauter Lachen fast in die Hosen machen.

    • mel sagt:

      ein schöner beitrag. ich sehe das auch so: klein anfangen und das draussen-sein und gemeinsam-etwas-erleben geniessen. es muss nicht immer höher, weiter, schneller sein ;-)

  • Jürg sagt:

    3×3 Lawinen von Werner Munter nicht zu vergessen. Allerdings geht bei Bergsport im Schnee am Ende doch nichts über eine(n) Bergführer(in).

    • hallo jürg

      einverstanden das werner munter buch 3 x 3 ist für mich das beste auf dem markt.
      ich durfte im gebirgsdienst bei diesem mann sehr viel lernen… er ist für mich der grösste fachmann ueber lawinen-kenntnisse.

      du schreibst, es gehe doch nichts ueber einen bergführer/in.
      – du solltest doch wissen, die lawine weiss nicht, und fragt nicht, das ob du experte bist…

      es muss auf deinen eintrag gesagt sein, die grössten lawinen-unfälle sind mit bergführern passiert:
      – jamtal, im dezember 1999, 11 tote.
      – kaprun im märz 2000 mit bergführer und skilehrer 12 tote
      – jungfrau unfall 2008 mit 6 toten

      dies hier ist sachliche kritik, und die statistiken belegen das… sollte mir mal was passieren dürft Ihr gerne eure
      meinung dazu schreiben… mit tut das nicht mehr weh dann…

      noch was, schreibt doch eure namen ganz aus… wenn ihr richtige männer und frauen sein wollt…
      ich wünsche allen eine schöne touren-saison.

      gruss von
      raphael wellig http://www.raphaelwellig.ch

    • hallo jürg

      hier noch eine ergänzung. was heisst das hier nur ueber einen bergführer…. und was hat der bergführer am
      9.dezember 2012 in engelberg geboten.
      12 menschen sind in eine lawine geraten… drei verletzte. man ist bei stufe drei, erheblich in diesen voll ausgerichteten
      nordhang gefahren, der zwischen 35 – 40 grad steil ist…

      wieso kommunziert man nicht offen in den medien, das die gruppe von einem bergführer geführt wurde… groesse zeigt
      man, zu fehlern zu stehen. nur so lernt man, und kommt der mensch und die wissenschaft weter.

      wir sind am selben tag, dem 9.12.2012 150m unter dem gipfel der hinterer rosswies umgekehrt… wegen wummgeräuschen, siehe :

      http://www.gipfelbuch.ch/gipfelbuch/detail/id/57288 ( will hier keine eigenwerbung machen )

      ich bin mir bewusst, dass es mich auch mal erwischen kann… ich tue aber alles mögliche, eben auch mal umkehren, um einen lawinenunfall zu vermeiden…

      ich wünsche allen viele schöne touren im 2012/13.

      gruss von
      raphael wellig http://www.raphaelwellig.ch

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