Wenn Geld wichtiger ist als Gesundheit


Es ist empörend! Gesteuert von Profitdenken fällen einige Laufveranstalter zumal groteske, ja nahezu gesundheitbedrohliche Entscheidungen. Das jüngste Beispiel stammt aus Übersee, von keiner geringeren Organisation als den New York Road Runners (NYRR). Sie zeichnen für den New York City Marathon verantwortlich.

Ihr Gründer Fred Lebow hat auch den Marathon durch den Big Apple aus der Taufe gehoben. Man schrieb das Jahr 1972 als sich 127 Läufer am Start einfanden, einen Dollar Startgeld entrichteten und 42,195 Kilometer in Schlaufen um den Central Park zurücklegten. 2011 standen 47’323 Läufer an der Startlinie. Die Gebühr für eine attraktive Strecke durch die fünf Stadtteile New Yorks betrug zwischen 156 US-Dollar für die Mitglieder des NYRR Clubs und 281 Dollars für Ausländer. Die Organisatoren haben heuer das Startgeld erhöht. Es beträgt zwischen 216 für NYRR-Mitglieder und 347 Dollar für internationale Läufer. Als Grund dafür gaben die NYRR an, dass die Polizei ihre Kosten unter anderem für Verkehrsregelung neuerdings auf die Veranstalter abwälze. Die Laufgemeinschaft ballte die Faust im Sack.

Eine Sparmassnahme?

Noch bis vor zwei Jahren war ein rund 8 Kilometer langer Freundschaftslauf im Startgeld inbegriffen, seit 2011 ist der Lauf einen Tag vor dem Grossanlass zwar zeitgemessen dafür aber auch kostenpflichtig. Die Veranstalter heuschen dafür nun 50 Dollar pro Kopf. Auch diese bittere Pille schluckten die Läufer damals. Mit dem jüngsten Entscheid haben die Veranstalter die Nerven der Marathonläufer aber überstrapaziert: Sie beschieden im vergangenen August den Teilnehmern, dass ihre Kleider künftig nicht mehr wie seit jeher üblich vom Start ins Zielgelände transportiert werde. Sie würden aber dafür statt der traditionellen Alufolie im Ziel einen dickeren Umhang erhalten. Die Veranstalter begründeten die Neuerung mit der grossen Menschenansammlung im Zielbereich. Die Argumentation erscheint fadenscheinig. Ich selbst stand in New York zweimal am Start und am Ziel war die Warterei, bis ich wieder im Besitz meines Kleiderbeutels war erträglich. Der Verdacht liegt nahe, dass es sich um eine Sparmassnahme handelt. Im gleichen Jahr auch das Startgeld zu erhöhen ist dreist.

Wer läuft schwitzt. Wer 42,195 Kilometer läuft kommt also für gewöhnlich nicht trocken an. Der Körper, geschwächt von der kräftezehrenden Leistung, ist dann anfällig auf Erkrankungen – das ist kein medizinisches Geheimnis. Wer je über die Ziellinie eines Marathons gelaufen ist weiss, wie wertvoll ja unabdingbar trockene und im November – dann findet der NYC Marathon statt – warme Ersatzkleider sind. Es ist keine Frage des Luxus, sondern der Gesundheit. Kleiderbeutel können deshalb wie in Zürich, Winterthur und Linz abgegeben werden. Wo Start und Ziel nicht beeinander liegen wie in Boston, Nizza oder Wien sind die Organisatoren für den Transport der Ersatzkleider besorgt – ohne Diskussion.

Ein Boykott droht

Auf die Nachricht der NYRR reagierten die Läufer auf verschiedensten Foren. Eine regelrechte Welle der Entrüstung ergoss sich auf der Facebookseite des New York Marathons und der NYRR. In hunderten von Kommentaren machten die Sportler deutlich: Es reicht! Sie kündigten an den legendären Lauf zu boykottieren, nannten die Entscheidung «absolut kurzsichtig und unverantwortlich» und sammelten in einer Petition Unterschriften gegen den jüngsten Coup der Veranstalter. Die NYRR reagierten vor rund zwei Wochen: Sie geben den Läufern nun – vorerst für dieses Jahr – die Wahl. Wer keine Kleider abgibt, kann nach dem Ziel in einem Schnellverfahren aus der Menge mit einem dickeren Umhang herausspazieren. Wer auf den Transport beharrt, wird auf eine längere Fassstrasse gelenkt, um so zum entsprechenden Lastwagen zu gelangen – so war es bis anhin.

Der Marathongrossanlass von New York brüstet sich damit das höchstdotierte Langstreckenrennen zu sein. Die Gesamtpreissumme beläuft sich auf 853’000 US-Dollar. Es ist legitim, dass die Organisatoren darauf achten, dass eine Laufveranstaltung nicht zu einem finanziellen schwarzen Loch wird. Sie täten aber gut daran, dabei zumindest um die Gesundheit ihrer Teilnehmer besorgt zu sein. Mit derartigen Entschlüssen diqualifizieren sich die Veranstalter nicht nur, sie schaden dem Anlass. Bleiben die NYRR bei ihrem ursprünglichen Entscheid, dürften unzählige Sportler trotz Einmaligkeit und Prestige dem New York City Marathon fern bleiben.

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24 Kommentare zu «Wenn Geld wichtiger ist als Gesundheit»

  • Sabrina sagt:

    Auch ich stimme Markus Roth und den anderen Kommentatoren zu.Das schlimmste für eine Läuferin ist am Ziel lange zu warten (besonders nach langen Läufen, wie ein Marathon). Und wenn ich schon einen Kleidersack im Ziel kriege, dann möchte ich aber nicht in der Öffentlichkeit mich umziehen müssen. Also müssten auch noch Garderoben her und das ist für 40’000 wie beim NYC nicht möglich. Deshalb ist die gewählte Lösung des NYC für die Läuferinnen besser auch für deren Gesundheit.

  • Andreas Weiland sagt:

    Laufveranstaltungen sind zu einer reinen Goldgrube geworden, egal wo. Marathonexpo, Werbung, Schuhe, Vorbereitungskurse, etc.. Dem Einzelnen mag es nur um eine (neue) Bestzeit gehen. Der Industrie geht es darum ihre Produkte zu vermarkten. Ich bevorzuge Bananen anstatt Gel und Wasser anstatt Zuckerbrause. Jedem das seine. In NewYork wollen jedes Jahr über 100’000 Personen teilnehmen, jeder zweite wird ausgesondert. Deshalb werden die Zugangsbedingungen ab 2012 erschwert. Keine automatische Teilnahme nach drei Ablehungen, Zugangszeiten bei vorherigen Läufen werden erhöht,etc.. Da hat sich keiner aufgeregt. Es gibt eben eine grössere Selektion, das muss sein bei sovielen Bewerbungen. Höhere Kosten gehören sicher auch dazu. Kleidertransport ist sicher nützlich, aber es gibt ja auch keine Duschen im Central Parc (vgl. Rom). Also muss man ja eh nach Hause, egal wie, nur warm. Dickere Umhänge helfen da sicher. Und am Start gibt es die berühmte Kleidersammlung, die Bedürftigen zu Gute kommt. Dann muss man morgens um 6 h auf der Fähre nicht frieren.

    2011 nach 4.13 h hatte ich übrigens nicht das Gefühl, dass es irgendwie lange gedauert hätte, bis ich meinen Kleiderwagen gefunden habe. Das war straight forward. Das schlimmere war, dass ich erst um ca. 21 h zu Hause ankam, weil ich in Durham (CT) wohnt und erst zur Central Station musste (zu Fuss) und dann 1..5 h Bahnfahren ….

  • Juerg sagt:

    Bin von Basel, wohne schon seit 30 Jahren in Manhattan und bin die letzten 6 NYC Marathons gelaufen. Bei den nach dem Rennen verfuegbaren „Surveys“ habe ich mich immer wieder ueber den Stau nach dem Ziel beklagt. Als 4 Stunden Laeufer steckt man nach dem Ziel in einer Menschenmasse, die sich kaum bewegt und ein Gefuehl der Platzangst ist kaum zu vermeiden. Manchen Laeufern geht es gesundheitlich schlecht und brauchen aertztliche Hilfe, andere Laeufer koennen kaum noch gehen – und dies inmitten dieses Menschenstaus. Vor ein paar Jahren hat es auch schon panikarte Staus beim Abgeben der Taschen am Start gegeben. Das Problem ist die immer groesser werdende Anzahl von Laeufern an diesem Marathon. Die Strassen werden nicht breiter und die Moeglichkeiten des Auslaufs im Central Park sind begrenzt. Also muss man entweder die Anzahl der Laeufer reduzieren oder eben den Prozess am Ziel beschleunigen. Ich persoenlich stimme fuer eine Reduzierung der Teilnehmer.

  • Markus sagt:

    Also ich würde einfach woanders mitlaufen. Wozu muss man sich das noch geben `?

  • Luise sagt:

    NYM war nie mein Traum. Hab den Hype wegen dieses Laufes nie verstanden und kriege jetzt recht. Es ist eh nur ein Lauf für Leute mit viel Geld, vor allem für Ausländer. Für das Arrangement mit Flug, Startplatz, Unterkunft etc. kann ich locker drei Wochen Ferien machen – nicht in NY

  • Boris Günther sagt:

    Ganz einfach – voting by feet……

  • Gammeter Monika sagt:

    Ich werde dieses Jahr zum 4. Mal in NYC an den Start gehen und begrüssse die neue Variante „mit Poncho und Langarm-Shirt im Ziel schnell raus“. Also zumindest ich verspürte in der Vergangenheit jeweils wenig Lust nach 42km in den Beinen, noch zusätzliche Kilometer in die „falsche Richtung“ zu machen, nur um den Kleidersack in Empfang zu nehmen. Vor zwei Jahren habe ich trotz Temperaturen unter 10 Grad darauf verzichtet, den Bag zu holen, damit ich möglichst schnell ins Hotel und mit einem Bier in der Hand in die warme Badewanne kam. Tja, die Präferenzen sind eben verschieden und es jedermann recht zu machen, ist bekanntlich ein Ding der Unmöglichkeit.

  • Roland K. Moser sagt:

    Nicht mehr dort, sondern anderswo mitlaufen.

  • SomeintPhia sagt:

    Die Organisatoren werden müde lächeln über die Boykottierenden, denn sie haben in der Hinterhand die x-tausenden von Läufern / Läuferinnen aus aller Welt, die gerne diesen Lauf bewältigen wollen und bisher einfach nicht hinkamen.

  • Money makes the world go round especially in New York und die Marathon-Szene. Vor einigen Jahren waren die lokalen Rennen 9-15$ heute sind sie 25-35$. Also alles wird nur fuer eine Elite offeriert! NYC Ironman 2012 900$ 2013 1200$ nun wurde dies gerade abgesagt, da die Organisation nicht optimal ist.

    Fuer die Gepaeck-Geschichte musste ich mir wohl schon bald was einfallen lassen: your family can bring something at the family reunion…ok und wenn frau keine Familie hier hat? Da wollte ich schon eine Familie mieten. Nun ist dieses Problem geloest indem ich mein Sack abgeben werde und warten muss. Ich hatte nie ein Problem!!

    http://smuellernyc.blogspot.com/search?q=baggage
    mit oder ohne Gepaeck es wird gerannt! und NY at its best – bis bald am 4. November

  • roman sagt:

    Offenlegung der Geldflüsse, würde ja schnell aufzeigen ob sich da einer unverschämt bereichert.

  • Paolo Valenti sagt:

    Wollen Sie unser Mitleid, Frau Wertheimer? Als Schweizer muss man sowieso 4000 CHF für solche Marathon ausgeben (Marathonreise), so ist es kein Rennen mehr, sondern ein Lifestyle Event. Wenn no good, no go. Einfach

  • Roland Lörtscher sagt:

    Ich kann Markus Roth nur beipflichten! Wer (wie ich) nur eine durchschnittliche Zeit läuft, muss sich im grossen Pulk zur Kleiderrückgabe bewegen und dort (trotz grossem Einsatz der Helfer) lange auf seine warmen Kleider warten. Die neue Regelung bringt bestimmt Nachteile (vor allem für diejenigen, die kein Hotel in Manhattan haben oder keine Freunde/Familie, die sie im Ziel erwarten), der grosse Teil der Läuferinnen und Läufer profitiert aber erheblich.

  • Markus Roth sagt:

    LIebe Pia Wertheimer
    Sie lassen sich ziemlich stark blenden von der Facebook-Gemeinschaft! Achtung wir reden von gegen 50’000 Finishern, einem logistischen Problem, das zu lösen ist und auch klar von Verbesserungen, die der Organisator anstrebt. Es gab in der Vergangenheit viele Reklamationen über die langen Wartezeiten bei der Gepäckabholung im Ziel. Denken Sie über die nachfolgenden Zeilen nach:
    Wir haben eine Umfrage bei unseren Stammkunden (erfahrene Läuferinnen und Läufer) die zwischen zwei und 20 New York City Marathons gelaufen sind, gemacht. Das Resultat war klar und eindeutig: 75 % finden die Neuerung mit dem Langarm-Shirt und dem Poncho der abgegeben wird viel besser, als 30min., 40min. oder gar eine Stunde verschwitzt warten, bis man bei seinem Gepäckbus ist und sich erst dann warm anziehen kann. Das neue System mit dem Poncho erlaubt ein schnelleres Verlassen des Zielgeländes! Judihui, schneller unter der warmen Dusche ! Es ist verständlich, dass Amerikaner, die keine Unterkunft in New York gebucht haben (ich gehe davon aus, das sind wenige), sich am ehesten beklagt haben. Also bitte um ein bisschen mehr Objektivität und genauere Recherchen. Sie sind doch nicht bei den „ewig Gestrigen“, die alles immer nur negativ sehen.

    • Hugo sagt:

      Wieso muss man in New York 30 bis 40 Minuten auf den Gepäckbus warten? Das würde ja heissen, dass die Busse vom Start zum Ziel länger brauchen, als die Läufer, die in dieser Zeit 42 km absolvieren.

    • Peter Wieser sagt:

      Markus Roth bringt es auf den Punkt: wer in den letzten paar Jahren fast eine Stunde verschwitzt auf seinen Bag warten musste, steht der Neuerung positiv gegenüber. Spitzenläufer waren davon nicht betroffen, die breite Masse aber schon.

    • Pia Wertheimer sagt:

      Lieber Markus Roth
      Vielen Dank für die interessanten Ausführungen. Es ist spannend zu lesen, dass die Reiseanbieter, die wie Sie den NYC Marathon verkaufen, den Kunden den Puls gefühlt haben. Die Details dazu dürften interessant sein: Wie viele Läufer haben Sie befragt und wie lauteten die Fragen – traue nie einer Studie, die du nicht selbst gemacht hast ;-).

      Nicht alle Teilnehmer – auch nicht Amerikaner – haben das Glück und das Geld in Walkingdistance vom Zielgelände einquartiert zu sein, ich bin mir nicht sicher, was deren Gesundheit dazu sagen wird.

      However, das Gepäckproblem haben die Organisatoren offensichtlich erkannt. Ist es aber tatsächlich die richtige Lösung, auf den Kleidertransport, der vielerorts Usus ist, zu verzichten? Ich bin und bleibe gespannt…

  • Yves M. sagt:

    Der New York Marathon ist doch nur ein Status-Symbol. Da kann mitmachen, wer will.

  • Stefan Galliker sagt:

    Es ist schon ziemlich blauäugig, sich im Schosse des Kapitalismus und dem Hort der Verfechter der freien Marktwirtschaft über zu hohe Startgebühren zu beklagen. Solche Preise wären sicherlich auch bei Events in Europa gang und gäbe, könnte hier nicht ein erklecklicher Teil der Kosten externalisiert und auf die Allgemeinheit abgewälzt werden (Polizei, Aufräumarbeiten etc.).
    Wieso muss immer die Allgemeinheit für private Freizeitbeschäftigungen aufkommen? Sorgt doch mal wieder für euch selber und verlasst euch nicht immer auf den Staat, ich kann dieses Gejammer nicht mehr hören…

    • Flurina Candraja sagt:

      Frau Wertheimer beklagt sich ja auch nicht darüber, dass die Allgemeinheit die Kosten nicht übernimmt; sie mockiert sich darüber, dass trotz immer höherem Startgeld der Service immer lascher wird. Für 350.- US $ darf man doch noch erwarten, dass man sich nach dem Lauf trocken anziehen kann.

  • Hugo sagt:

    Auch am Ironman Switzerland und am 70.3 Ironman Rapperswil zählt nur das Geld (ebenfalls amerikanische Organisation). Die Leistungen schwinden von Jahr zu Jahr, nur die Anmeldegebühren bleiben gleich, oder werden erhöht.

    • Sabine sagt:

      Dem ersten Satz kann ich ja allenfalls zustimmen, dem zweiten allerdings nicht, die Anmeldegebühren sind letztes Jahr gesunken, sowohl füe den Ironman Switzerland als auch für Rapperswil.

  • bea schaer sagt:

    Berlin kostet einiges weniger und trotzdem super organisiert..solange genug laeufer sich das gefallen lassen words wohl jedes jahr so weitergehen

  • mel sagt:

    wo etwas anklang findet und erfolgreich ist, wird profit daraus geschlagen. ist ja eigentlich überall so… sich darüber aufzuregen, ist meiner meinung nach verschwendete energie. der veranstalter bestimmt die regeln und wer nicht (mehr) mitspielen will, den zwingt ja auch niemanden. es gibt weissgott andere marathons, läufe, sportveranstaltungen etc.

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