Welche Krankheiten riskieren Sportmuffel?

Lässt sich bewegen: Angestellte der Moskauer U-Bahn auf der Rolltreppe. (Keystone)

Lässt sich bewegen: Eine Angestellte der Moskauer U-Bahn fährt mit der Rolltreppe. (Keystone)

Die Motivation für regelmässiges Sporttreiben variiert von Mensch zu Mensch. Der eine joggt, um sich fit zu fühlen, der andere, um sein Gewicht in Schach zu halten. Andere haben Ziele, wollen über sich hinauswachsen, ihre physischen Grenzen testen. Manche sagen, Sport sei ein wichtiger Faktor, um psychisch ausgeglichener zu leben.

Aber was geschieht eigentlich, wenn wir uns zu wenig oder gar nicht bewegen? Bisher war bekannt, dass Bewegungsmuffel ein erhöhtes Risiko aufweisen, Herzerkrankungen und Diabetes Typ 2 zu entwickeln. Weshalb das so ist, wusste die Wissenschaft allerdings nicht. Denn es gibt keinen typischen Couch-Potato. Der eine ist vielleicht übergewichtig, der andere dagegen ein fanatischer Körnlipicker und schlank, treibt aber trotzdem keinen Sport.

Im Rahmen einer Studie baten nun Forscher der University of Missouri eine Gruppe junge, gesunde und sportliche Erwachsene, sich markant weniger zu bewegen, einigen wurde gar absolute Bettruhe verordnet. Das Resultat publizierten sie soeben im Magazin Medicine & Science in Sports & Exercise.

Auch schlanke Menschen sind betroffen

Im Zentrum der Studie stand insbesondere die Frage, wie sich körperliche Inaktivität auf den Blutzuckerspiegel auswirkt. Denn besonders nach Mahlzeiten schnellen die Werte in die Höhe. Diese massiven Schwankungen gelten als Hauptursache für Diabetes Typ 2 und Herzprobleme – Körpergewicht und Körperfettanteil spielen dabei eine untergeordnete Rolle.

Die Missouri-Probanden wurden mit Überwachungsgeräten ausgerüstet, welche den Blutzuckerlevel rund um die Uhr massen. Zudem erhielten sie einen Pedometer, der zählt, wie viele Schritte sie in ihrem Alltag gehen. Und sie mussten ein Tagebuch führen, was und wie viel davon sie gegessen haben.

In den ersten drei Tagen durften die Volontäre ihren gewohnten Lebensstil nicht verändern, sie mussten sich so viel bewegen wie normal und ihr Sportprogramm wie üblich absolvieren. Im Schnitt machten die jungen Probanden 13’000 Schritte pro Tag (der Bevölkerungsdurchschnitt liegt bei ca. 5’000 Schritten, empfohlen sind mind. 10’000). In diesen drei Tagen zeigten die Messgeräte an, dass ihre Blutzuckerwerte nach den Mahlzeiten nur wenig anstiegen.

Ganz andere Resultate dann aber während des zweiten Teils des Experiments, als die Probanden ihr Sporttraining ausliessen, sich im Alltag weniger als 5000 Schritte pro Tag bewegten, mit dem Lift fuhren, statt die Treppe zu nehmen, sich das Mittagessen liefern liessen, statt es draussen beim Take-away selber zu holen. Gegessen haben sie exakt die selben Mahlzeiten und Snacks wie während der ersten drei Tage, um die Resultate nicht aufgrund fettreicherer oder zuckerhaltigerer Nahrung zu beeinflussen. Folge: Die Blutzuckerwerte nach den Mahlzeiten waren im Durchschnitt 26 Prozent höher als in den Tagen, in denen sie sich normal bewegten und Sport trieben. Mit jedem inaktiven Tag stiegen die Werte mehr an.

Die Wissenschaftler waren überrascht, wie unmittelbar sich körperliche Inaktivität auf den Blutzuckerspiegel auswirkt. Veränderungen des Fitnesszustandes treten dagegen erst mit der Zeit auf, ebenso die Zunahme von Körperfett (aufgrund der verminderten Aktivität).

Treppenlaufen für die Gesundheit

Die gute Nachricht: Nachdem die Volontäre wieder normal aktiv waren, pendelte sich ihr Blutzuckerspiegel rasch wieder ein, er schnellte nach den Mahlzeiten nicht mehr rapide in die Höhe.

Die bedenkliche Nachricht: Wer sich über lange Zeit hinweg kaum bewegt, mutet seinem Körper starke Schwankungen des Blutzuckerhaushalts zu und entwickelt damit ein ernsthaftes Risiko, chronisch an Diabetes Typ 2 oder Herzproblemen zu erkranken. Ob eine Person übergewichtig ist oder nicht, und ob sie auf die Ernährung achtet, hat offenbar nur einen geringen Einfluss darauf.

Darum empfehlen die Forscher der University of Missouri, sich regelmässig zu bewegen – bereits kleine Einheiten würden sich positiv auswirken. Im Büro immer wieder aufstehen und umhergehen, mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren oder eine Tramhaltestelle früher aussteigen, Treppen steigen statt Lift fahren etc. Es sei nicht nötig, ein Marathon-Training zu absolvieren, um sich vor den erwähnten Volkskrankheiten zu schützen. Aber das Forschungsresultat zeige klar: Bewegung ist das A und O.

Als leidenschaftliche Sportler nehmen wir solche Ergebnisse natürlich gerne zur Kenntnis, oder?

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