Wie man die Kurve richtig kratzt

Gekonnte Kurvenfahrt an der Bike-WM 2010.

Gekonnte Kurvenfahrt an der Bike-WM 2010.

Nachdem der Bunny Hop als wichtigstes Manöver mit dem Bike vorgestellt wurde, geht es dieses mal um eine grundlegende Fahrtechnik, die sehr oft falsch ausgeführt wird: Das Kurvenfahren. Auch wenn der Untergrund einen grossen Einfluss darauf hat, wie schnell eine Kurve gefahren werden kann, so gelten immer die selben Regeln.

1. Blick nach vorne

Eine Kurve ist wie ein Hindernis:Je eher man sie einschätzen kann, desto besser ist die Vorbereitung. Der Blick geht früh in die Kurvenmitte oder darüber hinaus. Ideallinie suchen (siehe unten).

2. Gewicht auf dem Vorderrad

Viele Biker gehen in den Kurven zu weit nach hinten. Dadurch bringt das Vorderrad zu wenig Druck auf den Boden und verliert an Grip. Die Intuition gibt einem zwar vor, sich bei einer heiklen Stelle, wie einer Kurve, nach hinten zu strecken. Doch das Gegenteil bringt Vorteile: Den Kopf so weit vorstrecken, dass er über den Händen steht.

3. Geschwindigkeit anpassen

Das ist der Knackpunkt, an dem selbst Könner scheitern: Die Bremse nur VOR der Kurve ziehen. Während der Kurvenfahrt nicht bremsen. Sonst verlieren die Reifen an Bodenhaftung. Fehlt der Grip, wird man langsam oder riskiert einen Sturz. Vor allem: Finger weg von der Vorderbremse.

4. Idealline wählen

Auf Trails ist die am stärksten befahrene Linie in der Regel gut zu sehen. Optisch dient dieser Streifen als Leitlinie. Vor allem auf unbekannten Trails oder bei grösserer Geschwindigkeit fährt man automatisch dort durch. Die Ideallinie ist es jedoch oft nicht. Bei Kurven gilt die Regel: So weit aussen anfahren wie möglich. Danach so stark es geht in die Kurvenmitte ziehen, um sich dann beim Kurvenausgang wieder an den gegenüberliegenden Rand des Trails tragen zu lassen.

5. Richtige Fussposition

In Kurven, die keine Steilwand haben, ist der äussere Fuss unten, der innere oben. Dadurch wird der Druck auf die Aussenstollen des Pneus erhöht. In Steilwandkurven lässt man die Füsse waagerecht.

6. Locker bleiben

Es ist entscheidend, sich nicht zu verkrampfen oder gar ruckartige Bewegungen zu machen, falls ein oder beide Pneus in der Kurve zu rutschen beginnen. Wenn man ruhig bleibt, kommt es viel weniger zu brenzligen Situationen oder gar Stürzen. Hier schafft Übung Vertrauen.

7. Realistische Ziele setzen

Nehmen Sie sich vor, bestimmte Kurven zu fahren, ohne dabei zu bremsen. Beginnen Sie langsam, denn wer zu schnell in die Kurve fährt, macht es mit einem ruckartigen Bremsmanöver nur schlimmer. Am besten klappt es auf dem Hometrail: Vor der Kurve Tempo drosseln und in der Kurve Finger weg von den Bremsen. Anfangs wird das Gefühl ungewohnt sein, doch mit steigender Praxis steigt das Vertrauen – und Kurven machen mehr Freude als je zuvor.

Wie gut sind Sie im Kurvenfahren? Was ist für Sie dabei das Wichtigste?

5 Kommentare zu «Wie man die Kurve richtig kratzt»

  • Stefan Liimer sagt:

    Simon Eppenberger ist doch Bike-Coach? Wie kommt man dann auf die Idee so etwas zu schreiben?

    „…und in der Kurve Finger weg von den Bremsen.“

    Natürlich sollte man vor der Kurve auf die“optimale“ Geschwindigkeit abbremsen, aber wie sehen bei euch die Trails aus?
    In einem steilen Singletrail würde es mir nie in den Sinn kommen in der Kurve komplett von der Bremse zu gehen. Meine Technik
    ist mir da viel lieber, ich will mir nicht alle Knochen brechen :D

    • Franz Melliger sagt:

      Habe ich mir auch gedacht. Wenn man so richtig steil unterwegs ist, lasse ich die Bremsen gar nie ganz los. ;) Vielleicht würde es schon eine Zeit lang gut gehen, mit 70 durch den Wald zu donnern, aber wie lange? ;)

  • Ein Biker sagt:

    Bezüglich Ideallinie: In Steilwandkurven zieht man eigentlich nicht von aussen nach innen, um wieder rausgetragen zu werden (dabei riskiert man unter Umständen einen Abflug) sondern bleibt immer aussen. Und auch hier halte ich persönlich die Pedale auf der Aussenseite unten.

  • Heiri sagt:

    Mir fehlt hier noch Punkt 8 bzw.2b ;) Die Körperposition in den Kurven spielt nicht nur in der Fahrtrichtungs-Achse eine wesentliche Rolle. Auch sollte man nicht mit dem Bike mit in die Kurve liegen (Ausnahme Steilwandkurve), sondern eine aufrechtere Position einnehmen. Dies beeinflusst ebenfalls, dass die Stollenbelastung eher aussen ist und dass einem das Bike nicht komplett wegrutscht wegen den Fliehkräften. Korrigiert mich, wenn ich falsch liege…

    • Martin Bürlimann sagt:

      Nur das Velo muss in die Kurve, nicht der Fahrer. Ein Töfffahrer legt die Maschine in die Kurve und beschleunigt, damit er reinziehen kann. Du musst das Velo aufstellen, dann liegt der Oberkörper automatisch im richtigen Winkel.

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