Ist Outdoor besser als Indoor?

Outdoor oder Indoor? Im Fitnesscenter braucht es starke Nerven, draussen starke Abwehrkräfte: Frau trainiert Liegestütze.

Outdoor oder Indoor? Im Fitnesscenter braucht es starke Nerven, draussen starke Abwehrkräfte: Frau trainiert Liegestütze.

Rein trainingsmässig spielt es wahrscheinlich keine Rolle, ob man eine Stunde auf dem Laufband rennt, oder eine Stunde draussen durch den Wald wetzt. Training bleibt Training. Nun fanden britische Forscher heraus: Wer sich draussen in der grünen Natur bewegt, der steigere sein Wohlbefinden und seine gute Laune deutlich mehr als Indoor-Sportler. Stress, psychische Anspannung, Ängste und gar Depressionen würden draussen schneller verfliegen. Aber nicht nur das: Je ausgeglichener der Geist sei, desto mehr mache auch das Training Spass – und folglich halte auch die Motivation länger an.

Im Fitnesscenter braucht es starke Nerven

Wie bei so vielen Studien überrascht mich auch dieses Resultat wenig. Klar, ich bin bekennende Outdoorsportlerin. Warum? Ein Training im Fitnesscenter macht mich fertig. Nicht physisch, sondern nervlich. Wenn ich am Mittag oder nach Feierabend hingehe, herrscht dort Hochbetrieb. Um an eine Maschine zu kommen, muss ich mich anstellen oder auf ein anderes Gerät ausweichen, das zwar nicht in den Trainingsablauf passt, aber immerhin frei ist. Widerlich finde ich, wenn ein muskelbepackter Typ im hässlichen Träger-Shirt die Handtuchregel missachtet und einen verschwitzten Sitz hinterlässt. Vom verbissenen Gestöhne aus der Hantelecke gar nicht erst zu reden, oder vom Schweissmief in der Luft. Und bei den Ausdauergeräten: Null Verständnis habe ich für Leute, die gemütlich auf dem Laufband spazieren und dazu TV schauen, obschon alle Laufbänder besetzt sind und hinten bereits eine ganze Meute ansteht und ellbögelt («Ich warte schon länger als du, gell!»). In meinem Fitnesscenter gibt es eine Frau, die spaziert jeden Abend drei (!) Stunden lang auf dem Laufband. Weshalb schlendert sie nicht draussen durch die Gegend und lässt sich vom Geschehen inspirieren?

Natürlich bin ich mir bewusst, dass auch gewisse Faktoren gegen Outdoorsport sprechen. Das Argument, Sport draussen sei allein wegen der frischen Luft gesünder, ist sicher gewagt. Denn das hängt immer vom «Ort des Geschehens» ab. Hier eine Liste von

OUTDOOR-KONTRAS:

Hitze. Sport bei ungewohnt hohen Temperaturen kann selbst für gut Trainierte ein gesundheitliches Risiko bedeuten, bis hin zu Überhitzung oder Kollaps führen. Aber zum Glück haben wir ja jetzt Herbst, also wieder perfekte Bedingungen, um sich draussen auszutoben.

Ozonbelastung. Auch als «Lungengift» bezeichnet, gelangt Ozon über Mund und Nase in die Atemwege und kann in den kleinen Lungenbläschen Reizungen und Entzündungen hervorrufen. Husten und Atemnot sind hierfür typische Beschwerden. Unter massiven Ozon-Problemen leiden allerdings nur ein Bruchteil der Sportler und nur dann, wenn die Werte sehr hoch sind. Intensiver Sport empfiehlt sich in solchen Zeiten möglichst früh morgens oder nach 19 Uhr. Gegen einen ruhigen Spaziergang im Schatten spricht jedoch auch tagsüber nichts.

Kälte. Adäquate Ausrüstung ist Voraussetzung. Kalte Temperaturen können aber die Atemwegsschleimhäute reizen und zu einer Überreaktion der Bronchien führen. Allerdings erst bei unter minus 18 Grad Celsius. (Lesen Sie auch: «Ist Laufen bei Minustemperaturen gesund?»)

Feinstaub. Die winzig kleinen Teilchen können ungehindert in die Lunge wandern und Entzündungen, Wucherungen, Asthma, Bronchitis oder sogar Krebs verursachen. Wer in der Stadt entlang viel befahrener Strassen läuft, atmet mehr davon ein als jemand, der ins Grüne ausweicht. In der Schweiz sind wir privilegiert: Die Städte sind klein, darum sind wir überall schnell draussen im Wald.

Aber eben, Indoor-Sport ist nicht besser. Hier eine Liste von

INDOOR- KONTRAS:

Oft sind sie besetzt oder verschwitzt: Frau trainiert an Fitnessgerät.

Oft sind sie besetzt oder verschwitzt: Frau trainiert an Fitnessgerät.

Feinstaub. Dagegen hilft kein Fitnesscenter. Sie befinden sich meistens mitten in der Stadt und selbst wenn es eine Klimaanlage gibt, zirkuliert da keine andere Luft als die von draussen.

Klimaanlage. Statt im Sommer durch die Hitze zu joggen, ist es selbstverständlich angenehmer, in klimatisierten Räumen zu trainieren. Aber die künstliche Luftzirkulation führt leicht zu Erkältungen. Weil wir beim Sport schwitzen und die Luft verhältnismässig kalt ist, kühlt der Körper leichter aus. Reduzierte Luftfeuchtigkeit lässt unsere Schleimhäute schneller austrocknen. Auch Krankheitserreger fliegen da mehr durch die Luft als im Grünen.

Durchzug. In meinem Fitnesscenter gibts keine Klimaanlage, dafür stehen immer die Fenster offen – Sommer und Winter. Wegen der Zugluft hatte ich am nächsten Tag schon Nackenschmerzen. Und weil es unten auf der vielbefahrenen Strasse eine grosse Kreuzung hat, atme ich oben die Abgase ungefiltert in meine Lunge.

Künstliches Licht. Wegen des fehlenden Tageslichts kann man drinnen nicht von der wichtigen Vitamin-D-Produktion für die Knochen profitieren. Das Sonnenhormon gibts draussen.

Monotonie. Drinnen sieht es zu jeder Jahres- und Tageszeit gleich aus. Zudem tummeln sich meistens die gleichen Leute rum. Auf die Dauer langweilig.

Was sind Ihre Für und Wider Out- und Indoor?

Beliebte Blogbeiträge