Mountainbikes mit Getriebe – nur eine Frage der Zeit?

Sieht aufgeräumt aus, ist in der Wartung für Laien wohl zu anspruchsvoll: G-Boxx-2-Getriebe.

Sieht aufgeräumt aus, ist in der Wartung für Laien wohl etwas anspruchsvoll: G-Boxx-2-Getriebe.

«Was uns jährlich grossspurig als Neu- und Weiter-Entwicklungen in der Schaltungstechnik verkauft wird, ist nicht mehr als Fortschritt in Millimeterschritten», ist Mountainbiker Angelo überzeugt. Fakt ist, dass am Prinzip der Kettenschaltung seit Dekaden kaum nennenswerte Fortschritte verzeichnet werden konnten. Auch heute noch gilt für die meisten Fahrräder: Umwerfer und Wechsel verschieben die Kette von einem Ritzel aufs nächste. Der Fortschritt besteht vor allem darin, dass die Anzahl Ritzel erhöht und das Schalten auch unter Druck vereinfacht wurde. Die Problemzonen sind für Mountainbiker seit Jahren dieselben: Kette und Ritzel sind Schmutz und Wasser ausgesetzt, weshalb sie schneller verschleissen und korrodieren; der Wechsel ist exponiert und kann bei Stürzen leicht Schaden nehmen; und die herkömmlichen Schaltsysteme verlangen nach ausgeklügelten Rahmenkonstruktionen, um die Pedaleinflüsse auf die Federsysteme auszuschalten. Und ja, manchmal holt man sich auch schwarze Finger an der Kette.

Eine mögliche Lösung besteht darin, Getriebeübersetzungen und gekapselten Antriebssystemen einzusetzen, wie sie einige Hersteller bereits verbauen. Aktuell allerdings fast ausschliesslich an Downhill-Bikes.


Von den Vorteilen zeigt sich Angelo überzeugt: «Solche Systeme bieten einige Vorteile: Da sich das Getriebe in einem geschlossenen Körper befindet, ist es optimal vor Dreck und Wasser geschützt. Zudem fallen exponierte Teile wie der Wechsel weg, was den Wartungs- und Reparaturaufwand deutlich reduziert. Da sich an der Hinterradnabe nur noch ein Ritzel befindet, wird die ungefederte Masse reduziert. Zusammen mit der mittigen und tiefen Platzierung des Getriebes kann so das Fahrverhalten des Bikes optimiert werden. Neue Möglichkeiten, die Kette zum Hinterrad zu führen, ermöglichen es, Antriebseinflüsse am Hinterbau zu eliminieren.»

Die Liste der Vorteile ist lang. Dass sich die Technologien bis dato noch nicht bei tourenorientierten Mountainbikes durchgesetzt haben, dürfte an vier Gründen liegen:

  1. Der Preis für die Antriebs- und Schalteinheit allein übersteigt mitunter das Budget, das sich manch einer für ein komplettes Mountainbike vorgibt.
  2. Das Mehrgewicht gegenüber dem «klassischen Antriebs- und Schaltsystem» ist erheblich. Ein vollgefederter Rahmen mit Antrieb/Schaltung und Dämpfer bringt gut und gerne mal 10 Kilogramm auf die Waage.
  3. Bei technischen Problemen ist der Gang zum Fahrradspezialisten fast unumgänglich, wenn man nicht selber ein ausgeprägtes Flair für Technik und Schraubereien hat.
  4. Die Getriebe lassen sich nicht unter Last schalten. Allerdings danken es auch herkömmliche Kettenschaltungen, wenn nicht unter voller Last geschaltet wird…
  5. Zumindest die Kosten könnten fallen, wenn die produzierte Menge erhöht würde. Oder liegt die ideale Lösung gar in einem Mittelweg? Ein in die Hinterradnabe eingebautes Planetengetriebe wie man es von Hersteller Rohloff kennt verrichtet ähnlich zuverlässig und wartungsarm seinen Betrieb.

Ebenfalls erhältlich sind so genannte Getriebekurbeln. Hier werden die vorderen Kettenblätter durch ein Planetengetriebe an der Kurbel ersetzt. Beide Systeme lassen sich am Mountainbike nachrüsten, die Optik des Rahmens wird beibehalten. Doch auch hier sind Kompromisse gefragt: Während bei den Getriebekurbeln in gewissen Übersetzungen deutliche Reibungsverluste zu beklagen sind, führen Getriebenaben zu einer grösseren ungefederten Masse. Je nach Einsatzbereich sind diese Faktoren vernachlässigbar. Aber wer will schon seine bestehenden Probleme mit neuen ersetzen? Aber vielleicht sind wir ja ohnehin nächstens alle Sorgen los, wenn der deutsche Entwickler Nagelcraft hält, was er verspricht.

Wer hat bereits Erfahrungen gesammelt mit Getriebeübersetzungen und gekapselten Antriebssystemen? Mit Planetengetrieben in der Hinterradnabe oder an der Kurbel? Was bräuchte es Ihrer Meinung, um den neuen Technologien zum Durchbruch zu verhelfen? Welchen Preis wären Sie gewillt, dafür zu bezahlen? (in Franken und Rappen, aber auch in Mehrgewicht?) Und wer bricht die Lanze für das klassische Antriebs- und Schaltsystem?

46 Kommentare zu «Mountainbikes mit Getriebe – nur eine Frage der Zeit?»

  • Kim Dällenbach sagt:

    Altbewährt hält nunmal am längsten.
    Und wieso kompliziert, wenns auch einfacher geht.
    Die aufgezählten Gründe spielen ja wirklich nur für Profis eine Rolle, die mehr Zeit auf dem Bike als im Bürostuhl verbringen.
    Für die meisten – wie für mich selbst – ist es wohl wichtiger, dass Rad schnell und irgendwo selbst reparieren zu können.
    Das neue Getriebe scheint mir doch ein unnötiger Luxus für Otto-Normalverbraucher.

  • Chri Leis sagt:

    Echt innovativ ist auch das spreizbare Zahnrad von Hettlage: http://hettlagedrive.de/de/antriebssysteme/hettlagevariator/
    Kein Kettenschraeglauf und unter Vollast schaltbar. Ich wuerde mir allerdings wuenschen, dass es noch leichter waere und universal einfach einbaubar…

  • Dominik sagt:

    cycleinfo.ch hat vor zehn Tagen über die neue Nagelcraft-Getriebeschaltung informiert, siehe auch unter http://www.velofahrer.ch. Was ist davon zu halten, wer weiss schon mehr dazu?

    • Eduardo sagt:

      Ich habe mir im Internet die Grafiken zum für 2012 angekündigten NagelCraft-Getriebe angeschaut. Das Konzept an sich ist überzeugend (sehr kompakt, einfacher Aufbau, alle Teile liegen im Ölbad). Gewisse Zweifel habe ich jedoch, was die Haltbarkeit unter Dauerbelastung angeht, weil sehr starke Tretkräfte über sehr kleine Flächen übertragen werden. Aber vielleicht haben die Entwickler dieses Problem lösen können. Ein – zumindest theoretischer – Vorteil des NagelCraft-Getriebes ist die Möglichkeit, bei Defekten oder zur Schonung einen robusten Ein-Gang-Modus einstellen zu können, mit dem man bei längeren Reisen problemlos und unbegrenzt lange weiterfahren könnte.
      An sich finde ich die technischen Entwicklungen (u.a. bei Getrieben, Bremsen, Beleuchtung) bei Fahrrädern ein tolle Sache (vor allem, wenn man diesbezüglich an das absolute technische Elend in den Siebzigerjahren denkt), aber leider werden diese Fortschritte mit teilweise sehr hohen Kosten, komplizierten Einstellungen aufwendigen Wartungsarbeiten und der Sorge vor Defekten bei längeren Fahrten erkauft. Deshalb meine Rückkehr zu einem ungefederten Eingänger mit Seitenzugbremsen (wenn auch leicht modifiziert; z.B. mit den robusteren Bremskabeln von Mountainbikes/Mofas und einer halbwegs modernen Beleuchtung),

  • tömsi sagt:

    Wird sich nicht durchsetzen solange nicht einer der grossen 3 (Scott, Speci, Trek) aufspringt. Das gleiche wie bei den 29er Bikes, da ging vor 5 Jahren beim ersten Versuch auch nichts. Ausserdem ist es noch niemandem gelungen die Dimension des Geriebes auf ein „erträgliches“ Mass zu verkleiner und das Gewicht zu verringern. Sieht wirklich nicht gut aus, nicht einmal an einem martialischen Downhillbike. Da finde ich die Idee mit der Gertriebekurbel von Truvativ schon viel besser, die hat sich ja auch auf Anhieb durchgesetzt.

  • Armin sagt:

    Ich fahre seit 10 Jahren ein Tourenvelo mit Rohloff Speedhub, hatte in diesen 10 Jahren einen einzigen Schaltkabelriss, ansonsten nichts nichts und wieder nichts damit. Vor 10 Jahren haben sie zwar noch abgeraten, eine Rohloff mit auf eine Weltreise zu nehmen, weil sie nirgends zu flicken ist. Inzwischen hat man gemerkt, dass man sie nie flicken muss. Sensationell. Deswegen war für mich auch klar, dass mein neues Bike eine Rohloff Speedhub haben muss. OK, 2000.– teurer, dafür habe ich die auch noch in 20 Jahren. Und die Vorteile liegen auf der Hand. Wer je mal mit einem Rohloff-Bike schnell wechselnde Auf- und Abstiege gefahren ist, wird mir das bestätigen. Von Gang 1 – 14 in einem Ruck, auch im Stillstand, kein mühsames Schalten. Pflege- und Wartungsbedarf minim. Das Gewicht ist zwar leicht höher als bei einer Kettenschaltung, da braucht es halt ein paar Muckis mehr. Man gewöhnt sich daran. Wichtig ist nur, dass man sich dazu einen guten Rahmen besorgt, der sich gut mit der Rohloff versteht. Bei mir ists ein Nicolai Helius CC, der wippt nicht dank seinen 4 Gelenken. Einmal Rohloff, immer Rohloff

  • Ganz geiler Artikel und noch geilere Kommentare: Da eröffnet sich einem ja geradezu ein neuer Horizont! Schon seit geraumer Zeit suche ich nach einer Lösung, wie ich irgendwo im Fernen Osten möglichst zuverlässig- und wartungsfrei!- Fahrrad fahren kann. Das Problem: Man kann zwar allerhand Schaltungen kaufen dort- aber wehe, sie gehen kaputt: So richtig reparieren kann die nämlich niemand, was ganz schön nervt, wenn man viel fährt!

    Ich glaube, dank diesem Artikel und den Kommentaren bin ich einer zuverlässigen Lösung jetzt viel näher gekommen!

    Hammer!

    • Armin sagt:

      Siehe mein allgemeiner Kommentar zur Rohloff. Eine solche kannst du auch im Fernen Osten gebrauchen, denn sie geht einfach nicht kaputt. Ein Kollege war 1 Jahr mit Rohloff in Südamerika unterwegs, keine Panne.

  • Peter sagt:

    Ich fahre seit über zehn Jahren ein Velo mit einer Kombi-Schaltung aus Ketten- und Nabenschaltung von Fichtel und Sachs (gibt’s wohl nicht mehr), beide mit grip shift am Lenker. Hatte nie Probleme damit, aber immer genügend Gänge. Die Nabenschaltung (3 Gänge) meist ist im mittleren Gang, so habe ich and der Kreuzung immer noch einen Gang Reserve, um im Stand zu runterzuschalten.

  • frank peters sagt:

    normale kettenschltungen oder nabenschaltungen haben einen wirkungsgrad von 90-98% (je nach gang). welches system soll da bitte besser sein.

    downhill ist ja auch nicht fahrradfahren.

    • Jan Zbinden sagt:

      Du scheinst ja beide Systeme zu kennen, und da Downhill nicht Fahrradfahren ist, braucht ein Downhiller ja auch kein Fahrrad. Bitte, bleibt sachlich…

  • Eduardo sagt:

    Entnervt von Problemen mit Ketten- wie Nabenschaltungen, habe ich den radikalen Schritt in die andere Richtung vollzogen und bin auf Eingänger umgestiegen bzw. habe meine Velos darauf umgebaut. Vorteile: Immer die optimale Kettenlinie, bestmöglicher Wirkungsgrad, extrem robust und wartungsarm, billig und uninteressant für Diebe. Zudem komme ich damit nicht in Versuchung, wie früher oft längere Zeit in einem etwas zu hohen Gang zu fahren. Nachteil ist, dass ich mit dem Eingänger weder auf flachen Strecken sehr schnell fahren noch grössere Steigungen bewältigen kann, aber damit kann ich als recht gut trainierter Alltagsfahrer ohne Ehrgeiz am Berg sehr gut leben. Für Mountainbikes und Rennräder ist diese schaltungslose Variante natürlich völlig ungeeignet.

  • Guido sagt:

    16 Jahre bin ich mit meinem GT Zaskar im Geländer rumgetobt und hatte nie ein Problem mit meiner konventionellen Kettenschaltung. Ich habe sie auch nicht gross gereinigt. Jetzt werde ich mir ein neues Bike kaufen und es wird bestimmt mit einer Kettenschaltung ausgestattet sein.

  • Sam sagt:

    Es ist ganz einfach: Die herkömmlichen Kettenschaltungen sind für normalos schlicht zu kompliziert zu schalten, speziell, wenn im Stand geschaltet werden soll.

    DIE Alternative am Markt ist sicher NuVinci mit der stufenlosen Übersetzung. Das Gewicht geht OK, die Spreizung ist mit 360% mehr als angemessen. Durch die stufenlose Übersetzung ist dieses System von Fallbrooktech sicher DIE Revolution im Bereich der Übersetzungen, siehe http://www.fallbrooktech.com/08_bike_german.asp
    Dazu noch Zahnriemen … und das Fahrrad für meine Frau, Gelegenheitsfahrerin und keine Liebhaberin von 2 gegenläufig funktionieren Gangschaltungen am Lenker, ist perfekt.

  • Jan Zbinden sagt:

    PS: Bin zur Zeit in das neue Getriebebike von Nicolai verliebt: Nucleon AM… ist leider etwas teuer und schwer.

  • Jan Zbinden sagt:

    Ich fahre seit mittlerweile 6 Jahren ein Santa Cruz Nomad mit Rohloff-Speedhub. Ich bin mit dem Bike über den Alpenhauptkamm gestrampelt, war in Portes du Soleil shutteln (Lift rauf, Velo runter) und nutze es für meine allwöchentliche Trainingsrunde (Gempen et al.). Der grosse Vorteil ist aus meiner Sicht nicht die geringe Wartungsfreiheit und die garantierte Funktion (obwohl da natürlich auch toll ist, auch bei Schnee und Eis, mir sind meine Kettenschaltungen auch schon eingefroren) sondern das Schalten zu jeder Zeit (auch im Stand) ohne bspw. auf die Kettenlinie achten zu müssen, ich schalte mit der Rohloff wesentlich öfter als mit einer Kettenschaltung. Nachteile sind das Mehrgewicht (ca. 1/2 kg über einer XT-Kettenschaltung) und die nicht so hohe Effizienz (da kann Rohloff schreiben, was sie wollen, eine gut gehende Kettenschaltung läuft leichter). Zudem sind da ja auch ganz neue Lösungen im Kommen: http://nagelcraft.com/ oder das weiter oben im Thread erwähnte Pinion, die werde ich sicher ausprobieren, wenn sie auf den Markt kommen. Fazit für mich als Fahrer ohne Stoppuhr: nie mehr zurück zur Kettenschaltung! Der Racer sollte besser bei der Kettenschaltung bleiben.

  • Urs Meier sagt:

    Wir haben in der Familie 2 Rohloff 14-Gang Naben und fahren seit bald 15 Jahren problemlos damit, auch in abgelegenen Gegenden.
    Bis jetzt unerwähnt blieb die 18-Gang Getriebeschaltung Pinion P-1 http://www.pinion.eu/de/ mit vielen im Artikel beschriebenen positiven Eigenschaften wie gute Gewichtsverteilung am Fahrrad. Der Entfaltungsbereich ist gewaltig und grösser als mit 10-fach Ritzelschaltung. An der nächsten Eurobike Messe soll gemäss Geschäftsleiter ein Fully mit P-1 stehen. Ich hoffe es gibt bald genügend Fully-Anbieter mit diesem Getriebe, ich brauche bald mal ein neues Bike.

  • Hans Hermann sagt:

    Mein alter Raleigh hat schon seit über 50 Jahren ein gekapseltes Planetengetriebe von Sturmey-Archer.

  • Jürg Müller sagt:

    Absurd: Ambitionierte Velofahrer werfen hunderte wenn nicht tausende von Franken auf, um ein paar Gramm an Gewicht einzusparen, und hier versucht ein Journalist, uns ein kiloschweres Getriebe als Fortschritt zu verkaufen. Vom Reibungsverlust der vielen internen Ketten ganz zu schweigen.

  • Ich warte schon lange auf eine echte Alternative zur traditionellen Kettenschaltung. Aber in der Bikebranche wird selbst im DH-Bereich zuviel Augenmerk auf das Gewicht gelegt. Da können noch so tolle Getriebeschaltungen entwickelt werden, sie werden vermutlich nie in die Gewichtsbereiche einer Kettenschaltung vordringen.
    Als Alternative gibt es jetzt die hydraulische Schaltung von Acros auf dem Markt. Diese ist leicht und vorallem wartungsfrei. http://www.trailsupply.ch/acros/a-ge.html

  • Deed sagt:

    Das G-BOXX-2 Getriebe ist intereressant. Bei einem Gewicht von 4,4kg (inkl. kurbel) und verhältnismässig begrenzter Übersetzungsbandbreite (zB. 38 / 13-27) ist es aber für den Cross Country Bereich – sprich: für die grosse Masse der Mountainbker – noch kein Thema.

  • Claus Scherschel sagt:

    Irgendwas mach ich wohl falsch.
    Ich besitze zwei Mountainbikes (ein Enduro-Fully und ein Freeride-Hardtail), dazu ein schelles Trekking-Rad zum Pendeln. Die Mountainbikes sind im Dauereinsatz, gefahren wird bei jedem Wetter: im heimischen Wald, in den Alpen, im Bikepark. Geputzt werden die Bikes nie, allenfalls mal abgewischt (lohnt einfach nicht, am nächsten Tag sind sie eh wieder dreckig). Das Äußerste, was den Rädern zugute kommt, ist die obligatorische Funktionskontrolle. Probleme: keine. Schaltgefühl: satt und knackig. Sturzempfindlichkeit: ein paar Kratzer gab’s im Laufe der Jahre, okay. Wartungsaufwand: gering (alle zwei Jahre ein Verschleissset).

    Alle Bikes sind mit konventioneller Kettenschaltung ausgestattet.

    Was mach ich denn falsch, dass ich noch immer keinen Getriebeantrieb haben will?

  • Ich fahre seit 2009 eine Hammerschmidt-Getriebekurbel mit meinem Freerider. Bisher habe ich keine Nachteile feststellen können, dafür umso mehr Vorteile: Wartungsfreiheit, sofortige Schaltung im Stand oder unter Last, wesentlich mehr Bodenfreiheit und die Kette springt NIE ab. Diese Vorteile rechtfertigen das höhere Gewicht aus meiner Sicht deutlich, zumal es nur wenig über einer Kettenschaltung inklusive Kettenführung liegt. Sehr zu empfehlen also!

  • Konrad Rölz sagt:

    Gibt es eigentlich Velos mit Automatikgetriebe? Bei sehr vielen Radlerinnen und Radler sehe ich immer wieder, dass sie kaum schalten und permanent im falschen Gang unterwegs sind. Da wäre ein Automatikgetriebe doch eine sinnvolle und kraftsparende Sache.

    • Peter Ringger sagt:

      Es gibt immer noch einige „Mutaped“-Velos aus den 30er Jahren. Diese sind durch Rücktritt umschaltbar und wurden damals als „Automatik“ verkauft, wobei es sich ja nicht wirklich um eine Automatik, sondern eher um eine „Beinschaltung“ handelt. 1938 haben sogar 2 Mutapeds an der Tour de Suisse teilgenommen, landeten aber nur in den hinteren Rängen.

  • O.M. sagt:

    Dann gibt’s ja noch Velos mit Kardanwelle von Biomega und (leider) Nexus Schaltung:
    http://www.velo-winterthur.ch/?/velo-winterthur/velo/biomega/biomega-velos.htm

    • Robert sagt:

      Eben, das meinte ich. Die Antriebswelle hat keinen Kardan. Und die beiden Kegelradsätze laufen nicht in Öl sondern sind einfach ein bizzeli mit Schmierfett eingepappt. Das kostet Leistung – und somit natürlich Tempo.

  • Robert sagt:

    Ich habe bis heute alle Schaltsysteme kaputt gekriegt! Bei einem normalen Wechsel ist jedoch der Erwerb und Einbau einer neuen Kassette eher ein Klacks, bei Getrieben kriegt man das Muffensausen. Letzhin habe ich eine Antriebswelle statt Kette versucht (Tourenrad) – cool, aber man pedalt sich „zu Tode“, weil die Reibungsverluste eben doch deutlich spürbar sind. Ich war jedesmal froh und glücklich, wieder einen ganz normalen, guten Wechsel zu fahren, zu dem man auch überall Ersatzteile bekommt.

  • Jörg Müller sagt:

    Seit Jahrzehnten gab und gibt es von Fichtel & Sachs die Hinterradnabenschaltung. Früher als 3-Gang ausgelegt. Sogar mit Rücktrittbremse integriert. Geschaltet wird bequem mit einem kleinen Hebel am Lenker. Robust, sauber und wartungsfrei.
    Irgendwann wurden sie als Altherrenrad unmodern und es mussten Kettenschaltungen her mit immer mehr Gängen.
    Für heutige City-/Tourenräder wäre eine 5-Gang Version vollkommen ausreichend. Der Rücktritt könnte entfallen und so wäre dann auch genug Platz für mehr Gänge ohne zusätzliches Gewicht. Aber eine 21-Gang Kettenschaltung macht einfach mehr her, auch wenn viele Gangstufen mindestens doppelt sind. Für Leistungssportler sinnvoll, nicht aber Leute die damit nur in der City herumfahren.

  • Ich habe vor 11 Jahren simpel.ch als Velomarke gegründet wo ausschliesslich Getriebenaben verbaut werden. Schon damals bin ich mit der Rohloff Nabe Downhill Rennen gefahren und wusste aus meiner Arbeit als Garantie-Fachmann einer grossen Bike Marke, dass Nabenschaltungsräder einfach besser halten.

    Ich habe Kunden die 20’00km-Weltreisen ohne ein einziges Problem mit dem Antrieb meistern. Einer davon sogar noch mit Zahnriemen statt Kette! Bis 2015 hat sich das Getriebe durchgesetzt, davon bin ich überzeugt. Der einzige Ort wo das nicht passieren wird sind Rennvelos und sehr sportliche CC-Mountainbikes. Aber es kommen Sachen auf den Markt die enorm was bewegen werden!

  • Urs Amann sagt:

    Kein Wunder wird dieses System nur in Downhill Bikes verbaut, das Gewicht dürfte erheblich höher sein als bei konventionellen Schaltungen, und der Aufbau sehr komplex. Entsprechend ist wohl der Preis auch um ein vielfaches höher.

  • Hilmar Brand sagt:

    Der Schweizer Hersteller http://www.katz-bikes.com hat schon seit einiger Zeit eine elegante, wenn auch etwas kostspielige Lösung parat; mit Nabengetriebe, wobei die Kette in der Kettenstrebe (nomen est omen) absolut gekapselt geführt wird und Verschmutzung, Verschleiss und Geklapper der Vergangenheit angehören.

  • Peter Oberholzer sagt:

    Ich verstehe schon lange nicht mehr, warum an allen Fahrrädern nur Kettenschaltungen verbaut werden. Ich fahre ein Reise- und Alltagsvelo mit einer Rohloff-Nabenschaltung. Die hat soviele (nutzbare!) Gänge wie eine Kettenschaltung und auch den gleichen Umfang an Übersetzungen. Die ganzen Vorteile wie Wartungsarmut, Schaltbarkeit im Stand, Robustheit (da kann kein Umwerfer abreissen, kaum eine Kette rausspringen) und aufgeräumte Optik möchte ich nicht mehr missen und wären auch an einem Mountainbike nicht fehl am Platz. Das Mehrgewicht ist allenfalls für Wettkampfpiloten ein Problem. Oder für Hobby-Gewichtsoptimierer. Aber sicher nicht für die Mehrheit der Fitness- und Tourenbiker. Und den hohen Preis vergisst man bei all den Vorteilen schnell. Ich sage: einmal Nabenschaltung, immer Nabenschaltung.

    • Markus sagt:

      Für ein Alltagsvelo kann eine Nabenschaltung sicherlich Sinn machen.
      Bei meinem Reiserad wollte ich um keinen Preise etwas haben, das nicht auch selber repariert werden kann.
      Zudem erhält man praktisch auf der ganzen Welt Ersatzteile für klassische Schaltungen.
      Wenn Sie ein Reiserad brauchen, um den Donauradweg o.ä. zu befahren, möge das gut sein.
      Wollen Sie aber auf längeren Touren in anderen Gegenden die Welt bereisen, ist von Rohloff abzuraten.

      • Sturmey Archer sagt:

        Lieber Markus

        Hast du Erfahrung mit der Speedhub? Du hast recht, das Ding kann man tatsächlich nicht reparieren. Weil es nix zu reparieren gibt. Die Speedhub geht einfach nicht kaputt, egal wie ich sie quäle… wenn ich auf die Tour meines Lebens gehen würde, dann damit.

      • Peter Rietsch sagt:

        Blödsinn.

        1. Eine Rohloff geht nicht kaputt.
        2. Wenn man an sehr abgelegenen Orten unterwegs ist, gibt es auch keinen Ersatz für ein Shimano Schaltwerk. Hier ist man mit der robusteren Rohloff besser bedient.
        3. Bereist man hingegen „zivilisierte“ Gebiete, kann im schlimmsten aller schlimmen Fälle auch vor Ort eine konventionelle Schaltung ans Rad gemacht werden, denn die ist ja dann vorhanden.

        Für Touren gibt es im Moment wirklich keinen Grund für etwas anderes als Rohloff, ausser vielleicht die Freiheit bei der Wahl eines individuellen Übersetzungsverhältnisses (und natürlich der Preis).

  • Peter Ringger sagt:

    Ich sammle alte Velos mit Tretlagergetriebe oder Schaltgetriebe, wie Getriebekurbeln damals genannt wurden. Die meisten stammen aus den 30er Jahren. Nabengetriebe waren damals noch nicht üblich, und Umwerferschaltungen gab es fast nur bei Rennvelos. Die Fertigungsqualität von damals übertrifft das heute übliche bei weitem, mit einer Ausnahme funktionieren diese Schaltungen (3 oder 4 Gänge) einwandfrei und die Gänge lassen sich leicht und auch bei Stillstand einlegen. Mein Prunkstück ist ein „Cosmos“ 4-Gänger aus den Sportwerken Biel, mit Stängelibremsen vorne und hinten, umschaltbarem Licht (Abblendlicht/Scheinwerfer) und zusätzlicher Rücktrittbremse, damals wohl der Rolls-Royce unter den Velos, und es fährt sich auch so. Es gab sogar „Automatische Getriebe“: das 3 Gang „Mutaped“ lässt sich durch Rücktritt umschalten. Das funktioniert immer noch gut, ist aber etwas gewöhnungsbedürftig. Der minim höhere Reibung dieser Getriebe ist im alltäglichen Gebrauch nicht spürbar, könnte aber bei den Exrembelastungen eines Rennens schon eine Rolle spielen. Es gab auch schon Mountainbikes: Die Adler-Werke in Deutschland bauten ein „Berg- und Tal“-Fahrrad mit 3-Gang Tretlagergetriebe und breiten Pneus. Es verkaufte sich damals gut, konnte sich aber nie so durchsetzen wie das Mountainbike heute.

    • Hans Abbühl sagt:

      Sehr interessant, was Sie da schreiben. Ich habe auch schon Mutaped-Velos gesehen, aber noch nie einen Cosmos-Viergänger. Diese Mutaped-Getriebe sind mechanische Wunderwerke, irgendwie etwas „Braves“. Seit einger Zeit gibt es ja die Tretlagerschaltungen System Schlumpf.

  • Patrick Keller sagt:

    Ein Velo, das beschleunigt werden will, wird auch in Zukunft nicht auf hochpräzise Kassettenschaltwerke verzichten können, und zwar deshalb, weil minimales Gewicht das A und O ist.
    Das Problem ist nämlich nicht die Technologie an sich, sondern eher die minderwertigen Schaltwerke, mit denen die meisten Alltagsvelos ausgestattet sind. Wer hier nicht spart sondern auf hochwertige Komponenten setzt, erlebt Velofahren in Reinkultur, ohne Getriebe-Ballast und mit dauerhaft präzisen Gangwechseln auch unter Last.

    • Werner Holliger sagt:

      Die Technologie des Kettenwechsels weist den Nachteil auf, dass die Kette selten gerade – also fluchtend – über die beiden Kettenblätter geführt wird. Meistens läuft sie mehr oder weniger schräg, was einem ein Blick von hinten auf ein Bike mit Kettenwechsel sofort zeigt. Und je schräger die Kette ist, desto grösser ist auch ihr innerer Widerstand. Ich masse mir nicht an, ohne genaue Messungen zu behaupten, was nun die Beschleunigung des Velos mehr hemmt, das sehr geringe Mehrgewicht einer Schaltnabe à la Rohloff (bei ihr fallen – grob gesagt – im Vergleich zum Kettenwechsel die zusätzlichen vordern Kettenblätter, der Umwerfer, der Wechsel, die Ritzelkassette und allenfalls der Kettenspanner weg) oder der innere Widerstand der nicht fluchtend laufenden Kette. Minderwertige Komponenten können dabei ein erhebliches zusätzliches Problem darstellen.

  • Ich kenne die Rohloff als Tourenfahrer. Nach über 25’000km war die erste grosse Wartung – auf dem Vorbeiweg bei Rohloff in Kassel D – fällig. Gratis und innerhalb einem Tag übrigens. Anonsten ist abgesehen vom gelegentlichen Ölwechsel nichts zu tun. Dafür bietet die Schaltung aber die Möglichkeit durch knietiefen Schlamm zu fahren ohne geringste Schaltungsprobleme, dies habe ich selbst zu genüge getestet.

    Auch das Argument, Schalten unter Last sei nicht möglich gilt nicht für die Rohloff. Sie ist wirklich dafür ausgelegt, der Fahrer braucht dann allerdings ziemlich viel Kraft und die Schaltung wird wohl auch schneller verschleissen.

    Das Preisargument relativiert sich ebenfalls, wenn man die lange Nutzungsdauer einer einzigen Schaltung mit der einer Kettenschaltung vergleicht: Inzwischen sind einige Rohloffnaben über 100’000km gefahren.

    Für mich gilt, dass ich wohl nie mehr eine Kettenschaltung fahren werde.

    • Werner Holliger sagt:

      Ihre Erfahrungen kann ich bestätigen. Es gibt meiner Ansicht nach wirklich keine stichhaltigen Gründe gegen eine Nabenschaltung von der Qualität der Speedhub. Ich habe vielmehr die Vermutung, dass für viele Bikler die Rohloff schlicht und einfach zu wenig sexy ist – aber ich selbst brauche nichts an meinem Bike, das sexy ist, zuverlässig muss es sein. Viele sexy Bikes sind ja eh von der Konstruktion her so ausgelegt, dass sie mit dem einen oder andern physikalischen Grundgesetz ein wenig Mühe haben, Stichwort Rahmenfederung: Was einem hier so über den Weg fährt, regt doch manchmal zum Schmunzeln an, vor allem, wenn die Fahrer dann noch erzählen, was sie für das Ding bezahlt haben……..

      • Jan Zbinden sagt:

        Was soll das? SInd Sie jemals auf einem Fully gesessen? Und was hat das mit Sex zu tun? So ein Blödsinn!

        • Werner Holliger sagt:

          Doch, doch, Jan Zbinden -ich bin schon verschiedene Male auf verschiedenen vollgefederten Bikes gesessen. Und jedes Mal hat es mich unter anderem sehr interessiert, wie sich die Vordergabel beim Treten verhält. Entweder blockiert man sie, und dann federt sie eben nicht, oder dann federt sie nicht nur dann ein, wenn sie sollte, sondern auch beim Treten und vernichtet einen Teil der Tretenergie. Physikalisch ist ja gar nicht anderes möglich. Ich bin übrigens auch schon auf einem Hochrad gesessen und habe so ziemlich jeden Fahrradtyp gefahren, den Sie sich vorstellen können – vielleicht sogar noch mehr ;-)

          Sex (bzw. sexy, was ja nicht dasselbe ist): Erkundigen Sie sich einmal bei den Designern der grossen Bikemarken, dann werden Sie sicher begreifen, was ich damit gemeint habe. Sie werden danach garantiert zu einem Aha-Erlebnis kommen….

          • DanM sagt:

            Was für ein unnötiger Beitrag, ja Herr Holliger – sie sind der Größte… ach und lassen sie sich doch bei Gelegenheit die Grundlagen der Materie erläutern, dann werden sie auch nicht ständig als Schaumschläger enttarnt ;-)

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