Der lange Weg zurück zur Normalität

Das Besondere an grossen Finanzkrisen im Unterschied zu gewöhnlichen Rezessionen ist die hohe Verschuldung, die nach ihrem Ausbruch eine Erholung der Wirtschaft für lange Zeit behindert. Auf jeden Fall für eine viel längere Zeit als im Fall einer gewöhnlichen Rezession. Das ist die Botschaft aller grösseren Untersuchungen historischer Beispiele. Die wohl wichtigste jüngste Studie dieser Art stammt von den Ökonomen Kenneth Rogoff und Carmen Reinhart. Ihre Erkenntnisse haben sie im Buch «This Time is Different» niedergeschrieben. Eine kurze Studie der beiden zeigt, mit welchen durchschnittlichen «Erholungsfristen» von Finanzkrisen gerechnet werden muss und welche Konsequenzen sich zeigen. So zeigt eine Grafik aus diesem Papier etwa, dass die Arbeitslosigkeit über 4,8 Jahre um 7 Prozent zunimmt:

Wie schnell nach einer Krise wieder Normalzustände herrschen, hängt in erster Linie davon ab, wie lange der Schuldenabbau vor sich geht. Man spricht hier vom «Deleveraging» – dem Umkehrprozess des «Leveraging» im Vorfeld der Krise. «Leveraging» bezieht sich auf die Anhäufung einer immer grösseren Verschuldung, die jeweils mit Bezug auf ein steigendes Vermögen basierend auf scheinbar ewig steigenden Preisen von Sachwerten (meist Immobilien) im Vorfeld von Crashs rechtfertigt wird.

Eine Studie des McKinsey Global Institute, dem Think Tank des Beratungsunternehmens McKinsey, ist nun der Frage nachgegangen, wie weit es denn her ist mit dem Deleveraging in ausgewählten Ländern. Die Studie ist mittlerweile schon verschiedentlich in den Medien aufgenommen worden. Unten die wichtigsten Grafiken daraus und was sie besagen.

Die erste macht klar, dass das Deleveraging bis zum zweiten Quartal 2011 (der letzte von der Studie berücksichtigte Zeitpunkt) noch kaum begonnen hat. In einigen Ländern hat die Verschuldung sogar noch drastisch weiter zugenommen, zum Beispiel in Spanien, Frankreich und Japan:

Wie weit der Weg zur Normalität bzw. zum vollendeten Deleveraging noch ist, vergleicht die Studie anhand der Finanzkrisen-Erfahrungen von Schweden und Finnland in den 1990er Jahren. Die folgende Grafik (sowie ein Grossteil der Studie) geht auf die Entwicklung in den USA, Spanien und Grossbritannien ein und vergleicht die bisherige Entwicklung mit jener von Schweden von damals:

Wie die Grafik zeigt, sind die USA in Sachen Deleveraging am weitesten. Ein wichtiger Grund dafür ist laut der Studie, dass zwei Drittel der Schuldenreduktion allein auf Ausfälle («Defaults») auf Hypotheken zurückgeht. Der Schuldenerlass durch Bankrott der Schuldner spielt hier eine weit grössere Rolle als in den untersuchten europäischen Ländern.

Die nächste Grafik macht klar, dass die öffentliche Diskussion, die oft auf die Staatsschulden fokussiert, zu kurz greift. Sie zeigt für ausgewählte Länder das Gesamtbild der Verschuldung:

Wie die Geschichte von Finanzkrisen zeigt, ist ihre übliche Folge ein dramatischer Anstieg der Staatsschulden. Wie Reinhart und Rogoff in den erwähnten Studien zeigen, hat der Einbruch der Staatseinnahmen daran den weitaus grösseren Anteil als die Rettungsmassnahmen für Banken oder andere Private. Das heisst allerdings nicht, dass diese Rettungsmassnahmen unwichtig sind, um die Lage zu stabilisieren. Der Staat kann auf jeden Fall Schulden besser tragen als Private (wenn er sich in eigener Währung verschuldet und nicht in eine Währungsunion eingebunden ist), das zeigt sich allein an den sehr tiefen Zinsen für die Staatsanleihen etwa der USA, Grossbritanniens und Japans.

Ein gleichzeitiges Deleveraging der Privaten und des Staates würde die Lage dagegen verschlimmern, ausser die ausfallende Nachfrage würde vom Aussenhandel her kompensiert. Wenn aber die potenziellen Handelspartner ebenfalls auf dieses Ventil setzen, geht die Rechnung nicht auf. Die Staatsverschuldung muss abgebaut werden – aber zur richtigen Zeit: Sobald sich die Lage der Privaten stabilisiert hat, muss und kann der Staat Sparmassnahmen durchsetzen. Hier die grafische Version dazu in der McKinsey-Studie:

Diesem gestaffelten Vorgehen folgen die USA – wie schon oben gesehen – mit grösserem Erfolg als andere. Auch die untere Grafik, die die Entwiclung der verschiedenen Schuldenkategorien zeigt, macht das noch einmal deutlich:

Wenn man den Finanzsektor aussen vor lässt (warum das Sinn machen kann, gleich unten), entspricht die Zunahme der staatlichen Verschuldung (+19) ziemlich genau der Abnahme der privaten (-18). In dieser Betrachtung ist die Gesamtverschuldung zwar nicht gesunken, aber die Voraussetzungen für eine Verbesserung der wirtschaftlichen Entwicklung sind – dank dem privaten Deleveraging – weit besser geworden.  

Paul Krugman begründet, warum der gesonderte Einbezug des Finanzsektors in der McKinsey-Studie das Bild verfälschen kann (Hervorhebung durch mich):

My preference is to leave financial-sector debt out of the picture, because it’s conceptually very different from nonfinancial debt. Think of it this way: compare two banking systems, one in which banks directly lend deposits out to customers, another in which many deposits are lent out through the interbank wholesale market, and then lent on to nonfinancial customers. The second system will show much higher financial-sector debt, and it is in some real sense more risky than the first, but the real economy isn’t more highly indebted than in the first case. In general, financial-sector debt is about the internal organization of intermediation, and it’s not the same kind of thing as when households or business run up a lot of debt.

Spanien ist Beispiel für ein Land der Währungsunion, das eben nicht über erhöhte Staatsausgaben das private Deleveraging in einer ersten Phase unterstützen kann. In den Worten der Studien-Autoren:

Spain faces a particularly difficult challenge in reducing debt, since it is contrained in its ability to use fiscal or monetary policy to revive growth.

Hier das Ergebnis:

Ein Deleveraging der Privaten findet fast überhaupt nicht statt. Und hier liegt das Hauptproblem von Spanien. Die Staatsverschuldung steigt trotz der Sparmassnahmen weiter – als Folge der anhaltenden Wirtschaftskrise mit einer Arbeitslosigkeit von mehr als 20 Prozent und einer Jugendarbeitslosigkeit von beinahe 50 Prozent. So steigt dann auch die Gesamtverschuldung.

39 Kommentare zu «Der lange Weg zurück zur Normalität»

  • NeoLib sagt:

    Die Analyse zum Stand des Deleveraging weist einen methodischen Fehler auf, weil dort der Effekt der Monetisieung nicht beachtet wird:

    Beispielsweise weist der „flow of funds“ der USA in Ihrer Analyse eine wesentlich günstigere Entwicklung aus, als dies real stattfand, denn Ihr Schaubild ignoriert jenen Anteil, welcher unter „Total Credit Market Assets Held by Domestic Financial Sectors – Monetary Authority (MATCMAHDFS)“ zu finden ist.

    Dies sind rund 2200 Mrd. $, welche Sie als „Deleveraging“ verbuchen

  • Michael Schwarz sagt:

    Es ist ein Widerspruch in der ökonomischen Theorien des Deleveragings. Einerseits ist der Fed für das Wirtschaftswachstum bzw. Beschäftigungsquote verantwortlich, andererseits muss der Fed das Deleveraging umsetzen. Kurzgesagt, der Fed kann nicht gleichzeitig zwei widersprüchliche Ziele verfolgen, nämlich gleichzeitige Deflation und Inflation.

    Das Deleveraging kann nur umgesetzt werden, wenn die Preise und Einkommen zurückfahren und der Fed eine restriktive Geldpolitik betreibe, das ist nicht der Fall. Durch die extrem lockere Geldpolitik Bernankes können die Banken Leverage erhöhen, wodurch die Stabilität des Finanzsystem in den USA wieder gefährdet wird. Das Deleveraging findet nur in der Realwirtschaft statt, das bedeutet, dass die Liquidität der Fed nicht in der Realwirtschaft angekommen ist – es ist ein schlechter Zeichen für das Realwirtschaftswachstum. Die Leveraging muss bei Banken stattfinden, in Gegenzug muss in der Realwirtschaft die Leveraging erhöhen, womit die Investition in Realwirtschaft gefördert wird.

    Die Aussage Krugmans, dass wenn die Banken nicht aus der Statistik ausklammert, das Bild verfälscht werden würde, ist unsinnig, weil die Banken die Situation des tieferen Zinses genutzt haben, die eigne Spekulationskasse zu füllen, d.h. bei Banken findet ein Prozess des Leveragings statt.

    Das ist der Grund warum ich Bernanke seit über zwei Jahren seine Geldpolitik kritisiere, weil das Deleveraging findet in falschem Bereich statt, dies ist auf übertriebene extrem expansive Geldpolitik zurück zu führen. Deshalb geht die Beschäftigungsquote sehr langsam zurück, der Handelsbilanzdefizit steigt weiter an, Verlust des Kaufkraftes – Aussenwertverlust des Dollars. Dies führt zur Armut und Elend, somit beginnt der rasche Abstieg der USA als Wirtschaftsmacht und Militärmacht. Die US-Politiker haben bis heute nicht verstanden, wie die globalisierte Wirtschaft in 21. Jh. funktioniert – sie haben immer noch das veraltete Bild der nationalen Staates. Ein Umdenken findet nach der Krise von 2008 immer noch nicht statt, weil sie an den Ideologien, die seit WW2 entstanden ist, festhalten wollen.

    • Michael Schwarz sagt:

      Die US-Ökonomen verwechseln zwischen der spekulative Investition und mittel- und langfristiger Investition in der Realwirtschaft – der Zinssatz hat keinen Einfluss auf die langfristige Investition in Realwirtschaft. Die US-Ökonomen fokussieren auf die kurz- bis sehr kurzfristige Ziele, dies führt zur Bildung des Ungleichgewichts auf lange Sicht – kurzfristig scheint das Problem entschärft zu haben , aber von mittel- und langfristigem Sicht verschieben wir nur das Problem, bzw. schöpfen wir den zukünftigen Kaufkraft aus.

      Das Deleveraging heisst sparen, aber Bernanke vertritt der Meinung, dass das Sparen Deflation verursacht, was die Erholung der Wirtschaft bremsen könnte. Das Deleveraging durch Inflation zu erreichen ist wieder ein Widerspruch, weil es die mittel und langfristige Investition massiv verhindert. Die empirischen Daten zeigen bis heuten, dass die mittel- und langfristige Investition durch Bernankes inflationäre Geldpolitik die Investitionen der Realwirtschaft seit letzten zwei gehemmt haben.

      Der Lösungsansatz ist die Stabilität des Währungssystems und Finanzsystems, gleichzeitig muss man langsam aber stetig sparen. Eine Deflation ist notwendig um die Überschuldung der Privat- und Staatshalte abzubauen.

  • mueller sagt:

    liebe autoren
    ich würde es sehr begrüssen, wenn ihr in den statistiken und analysen auch jeweils die schweiz aufführen könntet. die ch wird in den meisten online-medien totgeschwiegen, und ich guck immer mal wieder hier rein, in der hoffnung was über die ch rauszufinden.

  • Andres Müller sagt:

    Eine nette Analyse „durchschnittliches Deleveraging“. Leider lassen sich aus diesen Erkenntnissen, wie lange „Schuldenkrisen“ durchschnittlich dauern kaum etwas allgemein Gültiges ableiten. Die Schuldenkrisen in den 90er Jahren waren Inselerscheinungen welche durch die Nachwirkungen des sogenannten Nixon Schock und dem Ende von Bretton Woods I ausgelöst wurden, die aber von einem globalen Durchstarten von Schwellenländern sowie Chinas und Indiens begleitet wurden. Dies erlaubte eine schnelle Rückkehr zum Wachstum, da die globale Nachfrage noch intakt war.
    Die Krise die wir jetzt haben fällt mit einem sehr wichtigen Indikator zusammen, nämlich dem Peak of Oil und einem Stand der Raionalisierung und Automatisierung welche dem Wachstum von Arbeitsplätzen technische Grenzen setzt. Auch ist die Welt heute durchgängig erschlossen, die humanen Ressourcen sind erschlossen und somit ist das Ende der Billigarbeitsplätze abzusehen. Auf der Kostenseite fallen immer höhere Anstrengungen an um die Wirkungen der Bevölkerungsexplosion abzufedern = höhere Militäraufgaben, Einbussen während sozialen Unruhen wie dem Arabischen Frühling.
    Ebenfalls belastend auf die Staatengemeinschaft wirkt der weltweite Freihandel, in dem nicht demokratische Staaten wie China eine immer wichtigere Rolle spielen. Es lässt sich sagen, die Demokratie steht immer mehr unter Druck durch“ Technokratien“ abgelöst zu werden. Ebenfalls nicht berücksichtigt in diesen Statistiken ist die gesammte Menge von Derivaten die sich vermehrt haben wie Ratten. Da heute die Finanzkrise den ganzen Globus erfasst hat, erscheinen die sogenannten CDS Versicherungspapiere inzwischen als wertlose Finanzinstrumente. Griechenland darf man nicht bankrott gehen lassen, weil sons die fünf grössten CDS -Banken in den USA hopps gehen würden, nicht weil man so sehr an Hellas hängt. Man will die Illusion aufrecht erhalten, man könne Bonds durch CDS versicher lassen -eine Halluzination die sich demnächst als Fatamorgana bemerkbar machen dürfte. Die aufgeführte Krise in den USA 1929 ist im Hinblick auf die damals völlig andere Monetarisierung der Welt (Gold oder Silber oder Bimetall -Währungen) nicht mit den reinen Fiat Money Lösungen nach dem Nixon Schock vergleichbar. Heute basieren alle wichtigen Währungen nur noch aus der Kombination aus tatsächlicher Macht und Glaube an Macht.Der tatsächliche Wert des US$ und damit die Höhe der US Staatsverschuldung ist ein Glaubenssatz der jederzeit um Faktoren ändern könnte (im Gegensatz zu einer Währung die mit physischen Werten gedeckt ist).

    Ja -wir leben ist einer anderen Zeit -und deshalb halte ich die historischen Develerage Statistiken für ein Spielzeug für Träumer und ökonomischer Glaubensfreaks.

  • hans nötig sagt:

    Also wenn man das ganze ketzerisch betrachtet gründen die Boomphasen auf Kredit und die Krisen sind dazu da diesen wieder abzubauen, damit das ganze von vorne losgeht.

    Eigentlich eine Nullnummer für alle die keinen Gewinn während der Boomphasen abschöpfen können (oder einfach sonst ein unverschämtes Gehalt bekommen). Dieser wird dann „sicher“ geparkt und Zinsen abgeschöpft (welche natürlich wiederum von der Mehrheit erwirtschaftet werden).

    Da dieses parken mehr Profit generiert als wenn man es real investieren würde schwappt immer mehr Geld um den Globus, welches sich natürlich an lukrativen Orten konzentriert und dadurch Blasen bildet.

    Nebenbei muss natürlich die Kreditvergabe aufrechterhalten werden, die liegt ja allem zugrunde. Ist dies im privaten Sektor nicht mehr möglich muss dies eben der Staat übernehmen (in dem er für faule Kredite einspringt, subenvtioniert, etc). Da sind wir dann in der „Krise“ angelangt, oder aber wenn eine der Blasen platzt, und der Rotstift wird angesetzt. Natürlich nicht bei unseren Koriphäen (sp?) der Politik und Wirtschaft, wieso soll man denn auch Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen? Alle müssen nun Opfer bringen, die private Verschuldung sinkt, Kredite werden wieder vergeben, der Staat kann nun zurückschrauben (falls das geht) und die ganze Orgie geht von vorne los als gäbe es keinen Morgen.

    Und allen gefällts, uns Sklaven sowie den hehren Meistern oben drin (natürlich).

    Oder habe ich den Artikel jetzt falsch verstanden?

  • H. Trickler sagt:

    @Markus Niederberger

    „Das hiesse, in der Phase des Aufschwungs auf mögliche Profite verzichten. Wann hat der Homo Oeconomicus das je getan?“

    Der Homo Oeconomicus verhält sich definitionsgemäss rational und zweckmässig. Es waren die Kasino-Gambler in den Banken, Parlamenten und andereswo, welche das Schlamassel angerichtet haben!

    Wenn der Staat jemals echte Profite auf seiner Verschuldung gemacht hätte wäre es ja vielleicht noch erträglicher? Den Profit hatten andere, z.B. diejenigen welche die Zinseszinsen kassierten!!

    Und auch Private zogen aus der Verschuldung nur dann einen echten Nutzen, wenn sie nicht zu extrem war, z.B. durch Kauf einer Liegenschaft welche sie problemlos auch bei etwas steigenden Zinsen halten konnten.

    Kurz gesagt:: Eine kleine, angemessene Verschuldung für langfristig nützliche Investitionen kann sinnvoll sein, aber ein Schuldenberg führt immer zum Desaster.

    • Urs sagt:

      Ich hoffe ich erinere mich richtig… im Jahre 2013 soll die Eidgenössische Alkoholverwaltung privatisiert werden… Wohlgemerkt, das ganze wird mit Abgaben unterhalten und ist demnach nicht durch Verluste gefährdet. Schön das man solche Systeme ganz im Sinn der Neoliberalen Sichtweise dem Staat (und somit uns allen) aus den Händen reisst um die Profite einmal mehr einer Handvoll Investoren in den Rachen zu werfen…

      Es geht mir hier nicht um das Deetail der Alkolverwaltung sondern um die gesamte Systematik das alle möglichen profitablen staatlichen Einheiten privatisiert werden und die nicht so profitablen oder verlustbringenden nach und nach eliminiert werden oder in einer Form ausgestaltet werden das zumindest Segmente auf Profite getrimmt werden können…

      Damit aber nimmt man dem Staat (und das sind am Ende wir alle) eine Einnahmequelle nach der andern was wie üblich auch weitere Budgeplafonierungen und Budgetsenkungen hinausläuft…

      Wir alle (ganz allgemein die oft zitierten 99%) aber leben zu einem grossen Teil von den Strukturen die von allen finanziert werden und allgemein zur günstigen Benutzung offen stehen… In England wird dank den Sparmassnahmen ein Soziales System nach dem anderen eliminiert. Das ganze auch noch mit List und Tücke nicht grossflächig sondern in kleinen Teilen verteilt über längere Zeiträume so das stets nur kleine gruppen von den äusserst negativen Effekten betroffen sind…

      Für die meisten Menschen in einem Land aber sind gemeinschaftlich finanzierte Systeme die einzige Möglichkeit ein einigermassen zivilisiertes Leben führen zu können. Einzig die kleine Gruppe von sehr gut verdienenden kann es egal sein ob irgendwelche günstigen staatlichen Strukturen vorhanden sind… die können alles was an Infrastruktur fehlt einfach selber bezahlen…

      Die meisten anderen können das nicht…

  • Markus Niederberger sagt:

    Dass es noch viel einfacher wäre, sich von vornherein nicht soo extrem zu verschulden wird in den Studien leider nicht gesagt.

    Das hiesse, in der Phase des Aufschwungs auf mögliche Profite verzichten. Wann hat der Homo Oeconomicus das je getan?

  • fischer sagt sagt:

    Aber hallo, wie dekadent ist die politische Gilde, denn wer einfach die laufenden Rechnung nach den Einnahmen richtet, und nicht entsprechend den wahren Bedürfnissen sich anstellt, die sind doch heute nicht mehr zu retten. Bedenkt doch was heute an Schulden ausgehäuft werden, dies bezahlen doch die Enkelkinder, die vermutlich sehr sauer sein werden, wenn nur immer keine konsolitierte Massnahmen in die Wege geleitete werden. Es ist ein Affront, wenn man nachwievor nach dem Giesskannenprinzip Politik betreibt. Man müsst einfach die Pseudobedürfnisskultur ein für alle Mal ausschlagen und nur den wahren Bedürfnissen, nach Vernunft und normativen Regeln auch arbeiten. Wie in Deutschland, so doch in der Schweiz, der Verwaltungswahnsinn ist doch durch nichts zu überbieten. Der Bürokratie muss eine schnelle Verschlankung zugemutet werden können, ansonsten ist die Politik nicht flexibel, und somit auch gegen Veränderungen für eine gute Zukunft.

  • H. Trickler sagt:

    Mit viel wissenschaftlichem Fleiss wird festgestellt, dass eine gleichzeitige Entschuldung von Privaten UND Staat schwieriger ist als nacheinander.
    .
    Dass es noch viel einfacher wäre, sich von vornherein nicht soo extrem zu verschulden wird in den Studien leider nicht gesagt.
    .
    Dass es einen point of no return gibt, wird aktuell in Griechenland vorgeführt, wobei die EU-Politikdarsteller interessanterweise überhaupt nicht über die Target2 Verschuldung reden, welche dieselbe Grössenordnung wie das Total der griechischen Staatsanleihen haben…

    • hans nötig sagt:

      Traurig ist ja, das dafür eigentlich die Medien zuständig wären. Das die Staffage der EU-Krise nicht darüber schwadroniert wie schlimm es wirklich ist, ist ja eigentlich logisch. Es geht zwar nicht wirklich um ihren Kopf (wird ja sowieso niemand in die Verantwortung genommen, völlig egal was da verbrochen wurde), aber um etwas ähnlich wichtiges, die Wiederwahl.

      Was uns die Kasper erzählen hat ja auch nicht wirklich viel mit der Wirklichkeit zu tun. Man könnte sie ja auslachen, nur wird es kommentarlos abgedruckt, ohne auch nur eine Sekunde für Recherchen zu verschwenden. Und der Grossteil der Menschen nimmt diese Hofberichterstattung für bare Münze.

      Dabei wären all die relevanten Zahlen öffentlich zugänglich.

      • H. Trickler sagt:

        Abgesehen von öffentlich-rechtlichen Medien gehören sie alle der Hochfinanz und werden sich hüten, ihre Eigentümer zu sehr blosszustellen.

        In Deutschland haben die öffentlich-rechtlichen darüber berichtet, dass das heutige Fiat-Geld eine fragwürdige Glaubensangelegenheit ist und die Target2 Salden ein grosses Risiko bedeuten.

        In der Schweiz habe ich solche Sendungen nicht gesehen, und kurzes Googeln hat nicht zutage gefördert.

        • hans nötig sagt:

          Kann mir gut vorstellen das dies für die ÖR der Schweiz auch nicht soo von Belang ist. Aber wir sind ja bei Target2 auch nicht dabei und haben auch keine Forderungen von über 450Mia. Euro.

          Mit öffentlich zugänglich meinte ich auch eher das die Daten von den Nationalbanken veröffentlicht werden und dies jedermann einsehen könnte. Da das natürlich ziemlich starker Stoff ist wären wir darauf angewiesen das die „4. Gewalt“ eben das für uns erledigt und das ganze für den Finanzlaien verständlich rüberbringt. Aber Sie haben ja schon schön dargelegt wieso die das nicht tun.

          Falls Sie Daten zur Euro-Krise suchen kann ich sonst nur http://www.querschuesse.de/ empfehlen, sollte die nicht bereits bekannt sein.

  • «In general, financial-sector debt is about the internal organization of intermediation, and it’s not the same kind of thing as when households or business run up a lot of debt.»
    Das ist natürlich klar, dass man das gerade ausklammern würde, denn dort liegt ja gerade das eigentliche Problem. Paul Krugman spricht das fractional reserve banking an, wobei die Geldmenge jedesmal erhöht wird, wenn Geld verliehen wird. Bank A leiht Bank B 1000 – zu diesem Zeitpunkt sind buchhalterisch 1000 im System. Bank B verleiht nun an Bank C 900 – zu diesem Zeitpunkt sind buchhalterisch bereits 1900 im System, Bank C verleiht 810 an eine Firma – schon sind 2710 im System. Geht nun diese Firma pleite und bezahlt ihre Schulden nicht, geht auch die Bank C pleite, damit auch die Bank B und am Ende die Bank A (Zentralbank). Der Zusammenbruch des Systems wurde bisher verhindert, indem die ZBs immer mehr Geld zu immer günstigeren Konditionen ins System pumpten und die Banken in den U.S.A haben durch verschiedentliche Tricks ihre Bilanzen geschönt indem sie Abschreiber nicht vornahmen, das Fed die Papiere (MBS) übernahm, oder pseudo-Refinanzierungen mit ihren Kunden machten.
    Kein Wunder will Krugman dies ausklammern, wie alle Ökonomen immer die echten Probleme ausklammern, damit sie ihre Lieblingstheorie nicht beerdigen müssen.

    Diese Maschine könnte nur dann wieder in Gang kommen, wenn die reale Wirtschaft ein starkes Wachstum zeigen würde – das ist aber höchst unwahrscheinlich, da die Konsumenten, auf denen die Wirtschaft zu ca. 70% besteht kein Vermögen haben und keine Kredite mehr bekommen mit denen sie konsumieren könnten. Solange der Konsument Ende Monat nicht wieder mehr Geld in der Tasche hat um zu konsumieren, gibt es kein Wachstum.

    • Marcel Zufferey sagt:

      Der private Konsum macht in den USA >50 Prozent des BIP’s aus (zumindest noch in der Zeit, als der Häusermarkt brummte), in der Schweiz sind es meines Wissens weniger, so ca. 45 Prozent. Derprivate Konsum alleine- bzw. die sprichwörtliche Schwalbe- macht noch keinen Sommer aus. Ich denke, das sollte auch beachtet werden. Den Binnenkonsum fahren gelassen hat z. B. Deutschland (u. a. durch die Jahrzehntelange Lohnzurückhaltung)- mit den bekannten Bremsspuren in der Binnenwirtschaft: Den Titel des Export-Vizeweltmeisters hat sich Deutschlandauf Kosten der Binnennachfrage teuer erkauft.

      • will williamson sagt:

        Richtig. Diese Ansicht habe ich seit längerer Zeit verschiedentlich vertreten. Export von harten Waren gegen weiche Währungen kann eigentlich nicht das Ziel einer Volkswirtschaft sein, insbesondere wenn dann im Endeffekt noch ein grosser Teil der Forderungen abgeschrieben werden muss.

  • will williamson sagt:

    Dezember 2003, Coopzeitung: „Die USA leben auf Pump. Die Defizite der USA steigen weiter und gefährden den Dollar… Die USA verschulden sich immer stärker gegenüber dem Rest der Welt. Die Fehlbeträge betragen über 1,5 Milliarden $ – PRO TAG!“ Henry C.K. Liu hat zum Thema „Verschuldung der USA“ geschrieben, die USA würden die Dollars produzieren und die übrige Welt produziere die Güter, die man mit diesen Dollars kaufen kann. Im gleichen Sinne könnte man sagen, die USA führen überall in der Welt ihre Kriege und der Rest der Welt finanziert diese. Obwohl die Situation seit langem bekannt ist, hat sich diesbezüglich in den letzten Jahren faktisch nichts geändert. Die zusätzliche Staatsverschuldung soll ja 2012 wiederum eine Billion $ betragen. Im Gegensatz zur US-Verschuldung ist die europäische Schuldenproblematik erst in jüngerer Zeit in den Fokus geraten, aber ebenfalls erst in einem Zeitpunkt, zu dem das Ausmass eine Bereinigung in kurzer Zeit nicht mehr als möglich erscheinen lässt – ausser man mache eben in diversen Ländern einen massiven Schuldenschnitt.

    • Anh Toan sagt:

      Die europäische Schuldenproblematik ist in den Focus geraten, im Frühjahr 2010 als die US Schuldenproblematik am dramatischsten wahr, QE1 lief ohne Erfolg, QE 2 wurde etwa da beschlossen: Dem FED gelang es nicht, die Zinsen für langfristige Staatsanleihen zu senken (4% wollten nicht fallen), was im Zusammwenhang mit den Hypothekarzinsen Gift für den Immobilienmarkt und damit sowohl den Konsum und die Bankbilanzen war. In diesem Zeitpunkt stiegen die Zinsen der griechischen Staatsanleihen. Die europäische Schuldenkrise hat die Anleger zurück in den USD und zu den USA gebracht. Zufall oder geschickte Lenkung der Wahrnehmung der Massen?

  • will williamson sagt:

    „In the language of economics, credit and debt are related but not the same. In fact, credit and debt operate in reverse relations. Credit requires a positive net worth and debt does not. One can have good credit and no debt. Too much debt lowers credit rating. When one understands credit, one understands the main force behind the modern economy, which is driven by credit and stalled by debt. Behaviorally, debt distorts marginal utility calculations and rearranges disposable income. Thus debt turns more commodities into Giffen goods and creates what US Federal Reserve Board chairman Alan Greenspan calls „irrational exuberance“, the economic man gone mad….

    It is obvious that debt changes human behavior. A little debt reinforces responsibility. The US social system of private property is built on the notion that homeowners with a life-long mortgage are better citizens than renters. People tend to take better care of their homes and plant roots in their communities if they „own“ their homes, even though 90 percent of the purchase value is in debt that is not expected to be paid off until three decades later.

    On the other hand, it is clear that excessive debt encourages irresponsibility. The borrower may develop an irresistible incentive to walk away from his debt if he perceives the debt to be beyond his ability to repay, or the cost of the debt to exceed its benefits. Even a central bank, which is the domestic lender of last resort, is wary of the problem of moral hazard, that commercial banks within its system would lend irresponsibly if they knew that their lending errors would be bailed out by the central bank.
    (Henry C.K. Liu, September 14, 2002)

  • Marcel Zufferey sagt:

    Quintessenz: Wir werden eine Jahre andauernde Phase wirtschaftlicher Stagnation bei historisch tiefen Zinsen erleben. In der Schweiz mit (leicht) deflationären Tendenzen. In Europa halte ich eine Stagflation im schlimmeren Falle für nicht ausgeschlossen.

  • Der Linke ohne Staatsallüren sagt:

    @Linus Huber
    Die Maschine läuft nur noch dann heiss wenn die Geldschleusen maximal geöffnet werden.

  • Roberto Di Paolo sagt:

    Eine richtige Entscheidung heute kann sich morgen als grundfalsch herausstellen. Kurz: Fehlallokation von Kapital ist völlig normal, ausser man behauptet die Zukunft zu kennen. Das ständige Suchen nach Schuldigen hilft dann auch nicht weiter. Wenn man es merkt, muss man aufräumen und nicht noch mehr gutes Geld dem Schlechten nachwerfen. Wenn es länger dauert, bis man es merkt, sind vielleicht mehr betroffen, als für die Konjunktur gut ist und dann dauert das Aufräumen auch länger. Deleveraging nach einer Phase des Leveraging ist deshalb völlig normal. Die Dauer des Deleveraging hängt dann davon ab, wie weit sich die Wirtschaft als Ganzes verrannt hat und ob sie das Aufräumen wirklich angeht oder unter den Teppich kehrt. Von dem her gefällt mir der Artikel sehr gut.

  • Urs sagt:

    Die Zentralbanken sind primär für den Werterhalt der Währung und Investitionsschutz geschaffen worden… generell nicht vom Volk sondern von Individuen welche banal als Kapitalisten (Kapitaleigentümer-Kreditgeber-Investoren) bezeichnet werden können. Die Individuen mit extrem grossen Vermögen die bei jedem drohenden oder aktuellen Wertzerfall halt am meisten verlieren…

    Diese sind es, die mit all den Massnahmen in der EU und den USA zuerst geschützt werden. Alle anderen Teilnehmer am Monopoly-Brett das wir als Gesellschaftgefüge wahrnehmen sind ein Nebenschauplatz und werden u.U. mitgenommen oder eben nicht. In keinem Bericht/Artikel werden den Schulden die privaten Vermögensverhältnisse dieser Ultrareichen gegenüber gegestellt.

    Warum nicht? Warum sind die in keiner Statistik enthalten welche uns erklären soll was da passiert und warum? Mehr Verständis und eine Meinung bringt man für die im vergleich kleinen Hypothekenschulder (und die faulen Griechen etc.) auf da die Beträge für den kleinen Mann noch verständlich im Kopf kalkuliert werden können. Derart argumentiert auch die Politik…man sucht die Schuldigen beim Mann von der Strasse, bei den Arbeitern und Lohnempfängern… Schon bei einigen dutzend Mio. Vermögen/Einkommen hört aber das Verstänis auf… die Beträge sind einfach zuhoch, zu fantastisch also lässt man die erschöpft und kopfschüttelnd beiseite….

    Kommt noch dazu das man durch die verbittert geführtenWettbewerbsdoktrin vieles andere untergeordnet hat. Grob gesagt, der Shareholderkapitalismus feiert sich und seine Erfolge selber ohne die anderen Teilnehmer auf irgendeine Art und Weise mitzunehmen…das wäre immer die Mehrheit, die 99.5% über die sich viele lustig machen obwohl sie selber Teilnehmer der gleichen Gruppe sind… flache Lohnkurven, Verbindlicheit bei den Beschäftigungsverhältnissen, keine Beteiligung an den Produktivitätserfolgen noch an den Profiten… Nichts.

    Die Vermögen und Einkommen der reichsten paar % weltweit haben jeweils nach 1-2 Jahren bereits wieder die Stände von vor den Krisen erreicht und steigen kontinuierlich weiter… wärend der Rest der BEvölkerung durch X Massnahmen mehr und mehr verarmt… wird. Wegzölle und den 10′ Abgeben sehen heute einfach anders aus…

    Was sich in den letzten 2-3 Jahrzehnten auch noch geändert hat ist das Selbstverständis der politischen Spektren das man alle Bereiche und Beteiligten in den jeweiligen zivilgesellschaften mitgenommen hat… das hat man beiseite geschoben und feiert seitdem die Individualisten (Eigenverantwortung, Hedonismus, Egoismus sind Werte die mehr und mehr zelebriert worden sind) die es schaffen max. an sich zu reissen ohne Rücksicht auf Verluste…

    Die unsichtbare von Ideologen Weltweit missbrauchte Hand des Adam Smith, dumme liberaliserung die stets von oben herab bestimmt worden ist, aber primär von unten nach oben angewendet worden ist. Man hat also die bereits kapitalistisch Benachteiligten der unerbittlichkeit liberaliserter Märkte ausgesetzt wärend sich die oberen Etagen mit ihren Selbstdefinierten Regelwerken zugemauert haben…

    Eine dieser systemsichen Mauern sind die Steuroasen… die von jeglicher Mitbestimmung (war da mal was mit Demokratie?) und Verantwortung (Steuern, Abgaben, Progression bis ganz nach oben?) ausschliessen… Tresore unter Palmen und an Sandstränden… so zu sagen.

    • Der Linke ohne Staatsallüren sagt:

      @Urs
      Sie zeichnen leider ein zu einfaches „Lagebild“, da Sie eine Homogenität der „99 Prozent“ unterstellen, welche es eben in der Realität nicht gibt. Selbst die vielbeschworene „Mittelklasse“ ist doch weit davon entfernt ein „revolutionäres Klassenbewusstsein“ aufzubauen, da sie viel zu sehr damit beschäftigt ist ihre eigenen „bescheidenen“ Besitzstände gegen „Asylanten“ und „andere Schmarotzer“ zu verteidigen. Die Identifikation mit den Herrschenden geht gerade in dieser „Schicht“ so weit, dass der Klassenkampf tatsächlich nur noch eine Getrete nach Unten darstellt und dies kann den „herrschenden Schichten“ nur Recht sein.

      • Urs sagt:

        …das ist tatsächlich so… viele merken eben nicht das sich die Armut und prekären Beschäftigungs und Lebensverhältnisse von unten nach oben fressen… nur die, die es erwischt hat Begreifen unter Umständen was passiert… aber das dies keine Mehrheiten werden braucht es in allen betroffenen Ländern massive und permanente Gegenpropaganda wie etwa die von den faulen Arbeitslosen, den Scheininvaliden, dem Sozialschmarotzern… permanent und in X Varianten…

        …würde das aufhören hätten auch die berechtigten Zweifel, Fragen und Alternativen wieder Oberwasser…

        Mit den 99% meinte ich die die Mehrheit der Menschen die für eine winzige Minderheit bezahlen… dabei spielt es keine Rolle ob diese nun Systemfreundlich oder Systemfeindlich gesinnt sind. Bezahlt wird so oder so… das ist an und für sich nichts neues, neu ist aber die Masslosigkeit, Frechheit und Selbstverständlichkeit verbunden mit Lug und Betrug mit der das durchgezogen wird…

        Gute Beispiel liefert etwa regelmässig das Verfassungsgericht in Deutschland das eine parlamentarische ABstimmung nach der anderen revidiert weil dies eben gegen die Verfassung verstösst… (in der Schweiz gibt es kein Verfassungsgericht, was dringenst nötig wäre…) auch diese angewandte Systematik der gezielten Unterwanderung Demokratischen Strukturen der (Volks)vertreter ist neueren Datums… neueren Datums ist auch das Verhältnis von Lobbyisten und Politischen Entscheidungsträgern und das Selbstverständis mit dem diese in den Parlamentsgebäuden aus- und eingehen… neu ist auch, das mehr und mehr Grundlagen der Entscheidungsfindung und Meinungsfindung Ausserparlamentarisch in Kommissione und Räten (Neudeusch Technokraten) ausgedacht und bestimmt werden… man stellt die Bürger also permanent vor ein undurchsichtiges Lügengebäude aus TINA Prinzipien…

        • Der Linke ohne Staatsallüren sagt:

          @Urs
          Ein besonders krasses Beispiel wie sehr die Politik von der herrschenden Klasse bestimmt wird sind die USA (das neue Rom!):
          Nearly half of US-Congress members are millionaires including two third of Senators according to a survey by the Center of Responsive Politics. But Millionaires constitute (literally) only one percent of the american population.

          The Charts of Millionaires
          Darrell Issa: $450`000`000
          Michael Mc Caul: $380`000`000
          John Kerry: $231`000`000
          Mark Warner: $192`000`000
          Mitt Romney: $260`000`000
          ……….u.s.w.

          • Urs sagt:

            Ein gutes Beispiel wie der erwirtschaftete Wohlstand von unten nach oben transferiert wird aber nicht mehr zurück fliesst kann man bei der Beschäftigungsstrategie der IBM, um nur ein bekannteres Unternehmen hervorzuheben, erkennen…

            Die Strategie geht in Richtung massiver Reduktion der fest Angestellten zu Arbeit auf Abruf. Von der Verbindlichkeit in die Unverbdindlichkeit… aus weltweit ca. 400’000 Angestellten werden so ca. 200’000 (In Deutschland als Pilotprojekt Region sollen aus ca. 20’000 ca. 12’000 permanent Beschäftigte werden) wärend der Rest sich als Projektmitarbeiter bezeichnen darf die weder soziale Absicherung und nicht mal vergünstigungen beim Kantinenessen erhalten…

            …ganz oben sitzt, via die Finanzmärkte, mit ca. 6% Aktienanteil ein gefeierter Investor… Warren Buffet, der sich wirklich freut das die IBM selbst in schlechten Zeiten das maximale aus ihren Strukturen und demnach aus den Arbeitern rausholen kann… letzte ausgewiesene Profite der IBM ca. 5.5 Mrd..

            Wie gesagt, die Armut und prekären Lebensumstände kommen nicht von oben. Die kommen ausschliesslich von unten. Die Betroffenen sind meistens ruhig, kritiklos, zufriedengestellt mit ein paar Brösmeli und dank der miserablen Lohnverhältnisse zu keinen grossen Aktionen mehr fähig…

            Um Eigenverantwortung und Selbstständgkeit leben zu können braucht es ein Umfeld das dies auch ermöglicht. Doch dieses wird permanent abgerissen und zerstört und je lauter die Rufe nach Eigenverantwortung sind, desto geringer die Möglichkeiten dafür…

  • Linus Huber sagt:

    Es ist richtig, dass wir uns in einer Phase des Deleveraging befinden. Obige Analyse greift zu kurz, da nicht erklärt wird, warum wir solch massive Schuldenberge aufbauten und warum wir nicht jene zur Rechenschaft ziehen, welche uns dieses Problem einbrockten.

    Der Grund, dass diese nicht nachhaltigen Mengen von Krediten/Schulden aufgebaut wurden, begründet einerseits auf der Tatsache, dass die ökonomischen Theorien dem totalen Kreditvolumen in einem System im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung viel zu wenig Bedeutung beigemessen wird. Dabei ist es für einen nicht in Theorien verhafteten Verstand offensichtlich, dass dies an Grenzen stossen muss und dass irgendwann die Blase (welche gerade durch den Kreditboom aufblähte) platzen muss.

    In Bezug auf die Gründe, die zu solchen spekulativen Blasen (Internet, Immobilien, Staatsverschuldung) führen/führten, liegt wohl darin, dass wir Zentralbanken haben, welche glauben, dass sie die wirtschaftliche Leistung mit etwelchen monetären Manipulationen stimulieren können, wobei eben diese Gremien einen nur sehr kurzen Zeithorizont sehen und die negativen Aspekte ihrer Manipulationen ignorieren.

    In den letzten Jahren haben sich die Bilanzsummen der meisten Zentralbanken verdreifacht. Dies hatte zur Folge, dass die notwendigen Abschreibungen auf Fehlinvestitionen hinausgeschoben wurden und diese Zeit mehr oder weniger genutzt wurde, die Kosten aus Fehlinvestitionen der Allgemeinheit unterzujubeln anstelle dass sie dort anfielen, wo die Fehler gemacht wurden. Die Banken haben über die vergangen vielen Jahre mit viel zu hoher Leverage gearbeitet um möglichst hohe EPS (und Boni) zu generieren. Da sie zugleich die Systemrisiken sowie die Nachhaltigkeit der Kredite nicht sorgfältig berücksichtigten, wurden zwar im Rahmen des Leveraging enorme Profite produziert, welche sich jedoch jetzt langsam in dauernde Verluste drehen. Wie gesagt, die Zentralbanken geben den Banken fast zinsloses Geld, um dadurch dieses Deleveraging zu verzoegern. Damit nehmen die Zentralbanken massiven Einfluss auf Eigentumsrechte (und als Konsequenz das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit), und dies ohne demokratische Legitimation. Die Manipulationen der Zentralbanken fördert die Spekulation und Kleptokratie dadurch und straft die einfachen Sparer, welche kaum noch eine Zinsrendite erzielen können in diesem Umfeld der finanziellen Repression.

    Ich hoffe, dass wir jene, welche uns diese Suppe einbrockten, endlich zur Rechenschaft ziehen und auf den Weg zur effektiven Rechtsstaatlichkeit zurückfinden.

    • Karin Gut sagt:

      Die erwähnten Staaten sind alles Demokratien. Das Volk hat selber bestimmt, wer die Staaten lenkt. Nachträglich nach Schuldigen zu suchen, welche zur Rechenschaft gezogen werden können, bringt so oder so nichts.

      Grundsätzlich sind in einer funktionierenden Wirtschaft Schulden bzw. Kredite ein Faktor, welcher das Wirtschaftswachstum erheblich beschleunigt. Davon profitieren die Wähler eines Staates und dem Konsum wegen geht das Volk in blindem Vertrauen fast jedes Risiko ein. Die Folge sind Mini- bis Maxi Crashs. Bisher haben wir vor allem Mini bis gelegentliche Midi Crashs erlebt, mit etwas Glück ist unser Leben schon zu Ende bevor wir Maxi Crashs miterleben müssen.

      • Linus Huber sagt:

        Es ist unabdingbar, dass die Schuldigen identifiziert und bestraft werden, ansonsten wir uns immer stärker einer Kleptokratie nähern (da diejenigen, welche sich straflos bereicherten damit sicherlich nicht stoppen werden, wenn sie persönlich nicht zur Rechenschaft gezogen werden), welche das Risiko birgt, dass populistischen Politiker gewählt werden, welche extreme Massnahmen vertreten würden. Bis anhin haben sich noch keine solchen Politiker in Stellung gebracht, jedoch kann sich dies schnell ändern, wenn sich die Stimmung wieder trübt.

        In der S&L Krise in den USA vor vielen Jahren wurden 10,000 Personen rechtlich belangt und jene Krise war x-mal kleiner als die von 2008. Dies zeigt wie die Gesetze über die vergangenen vielen Jahre immer stärker korrumpiert wurden zugunsten der 1%. Die Idee, dass ein Gremium von z.B. 20 Leuten in der Lage sind, eine Wirtschaft durch monetäre Eingriffe längerfristig beeinflussen können gehört ins Märchenreich (sind wir jetzt Kommunisten mit Planwirtschaft?). Die Zentralbanken verzerren höchstens die Marktkräfte, wodurch Risiko falsch bewertet wird und Wohlstand von unten nach oben umverteilt wird.

        In Bezug auch Schulden/Kredite als Faktor; ich erinnere mich nicht, dass ich dies nicht als Faktor erwähnte, sondern eben gerade erklärte, dass der Verschuldungsgrad zuwenig berücksichtigt wird.

        • Karin Gut sagt:

          Grundsätzlich gebe ich Ihnen ja recht, die freie Markt- und Geldwirtschaft funktioniert (aus diversen Gründen) je länger je schlechter. Und selbstverständlich kommt dem Verschuldungsgrad eine hohe Bedeutung zu, ich wollte da nur allgemein allfällige Träumer darauf aufmerksam machen, dass die Kombination minimaler Verschuldungsgrad und maximales Wirtschaftswachstum eine Illusion ist.

          Den Ruf „es ist unabdingbar, dass die Schuldigen identifiziert und bestraft werden“ halte ich aber wie schon erwähnt deswegen für eine unerfüllbare Forderung, weil man im grossen ganzen keine Schuldigen findet, abgesehen vom herrschenden Volk (demos kratia, Demokratie). Die Herrscher haben sich selber ins Bein geschossen.

          Es gibt immer auch kriminelle Elemente und die gehören strafrechtlich belangt. Aber im grossen ganzen muss man sagen: Die staatlich gesetzten Rahmenbedingungen waren einfach mangelhaft. Da sind Leute zur Reichtum gekommen, welche diesen Reichtum nicht hätten erlangen können sollen. Aber im Sinne der Gesetze sind sie legal reich geworden. Und auch wenn solche Kreise zusätzlich versuchen mit Hilfe der Politik ihre Pfründe zu sichern, dann ist das immer noch nicht illegal.

          Die Globalisierung mit unterschiedlichen Rechtssystemen in den einzelnen Staaten macht die Sache noch viel vertrackter. Sogar in der Schweiz selber kämpfen wir mit der Diskrepanz kantonaler und nationaler Rechtshoheit, wie z.B. der teilweise ausufernde Steuerwettbewerb zeigt.

        • Thomas Ernst sagt:

          @Karin Gut

          Ich finde es reichlich unverantwortlich, um nicht zu sagen kriminell, wie Sie hier versuchen die Politicos reinzuwaschen mit dem Argument: „Das Volk hat selber bestimmt, wer die Staaten lenkt.“

          In keiner der sogenannten Demokratien hat der Bürger eine echte Wahl, da es die Lenker der Parteien sind, welche die Leute auf die Wahllisten bugsieren – oder eben auch nicht. In DE können Sie ohnehin nur sozialistische Parteien wählen. Ich CH können Sie auch die SVP wählen, was aber auch nichts nützt, weil der linke Filz ohnehin nur sozialistische Figuren zum Zuge kommen lässt.

          Noch nicht mal in der Schweiz, der direktesten aller Pseudodemokratien hat das Volk wirklich Einfluss z.B. auf den Währungskurs oder andere zentrale Entscheide. Da wird immer mit den „internationalen Verpflichtungen“ operiert.

          Die 1%er der Wirtschaft und die von ihnen abhängigen Politiker haben gemeinsam die Demokratie ausgehebelt und die für die Top-Bankster lukrative Schuldenwirtschaft – mit freundlicher Unterstützung der EUROkraten, der Goldenboys und der Bilderberger – angekurbelt. Nun, wo die Blase platzt, werden die Kleinen Drangsaliert, der MIttelstand ausgeblutet und die Demokratie verdampft. Italien: Im festen Griff der Bilderberger. Griechenland: Demokratie ade. In Deutschland: Tina Merkel – eine Stasi-Funktionärin – macht, was sie will und das willfährige Parlament (aka Schwatzbude) nickt ergebenst.

          So wird die Neue Weltordnung, die Vorherrschaft des amerikanischen Raubtierkapitalismus auf der Welt etabliert.

          Uns Sie schwafeln da was von „Die staatlich gesetzten Rahmenbedingungen waren einfach mangelhaft.“ ?! Das ist nicht mangelhaft, das ist Verrat! Wir brauchen dringend einen Satz Nürnberger Prozesse!

          • Linus Huber sagt:

            Ich stimme Ihnen größtenteils zu Herr Thomas. Einzig die Darstellung lässt sich fast als eine Verschwörung verstehen, wovon ich eher Abstand nehmen würde. Es liegt einfach in der Tatsache, dass sich jeder der nächste ist und jene, welche diese lukrativen und populären Jobs inne haben, nicht mehr das Allgemeingut im Auge, sondern ihre persönlicher Erfolg. Es ist menschlich so zu handeln, aber gesellschaftlich gesehen verwerflich. Deswegen vertrete ich die Ansicht, dass wenn nicht bald eine richtige Veränderung angestrebt wird, eine gefährliche Entwicklung sich in Gang setzen könnte. Die Unterdrückung solch einer Bewegung (Polizeistaat) würde zwar eine Verzögerung erwirken, das Problem jedoch nicht lösen sondern nur eine umso stärkere Reaktion hervorrufen.

            Kurz um : Banker und Politiker passt langsam auf was ihr tut, es könnte sonst wirklich gefährlich werden für Euch.

          • Urs sagt:

            @Ernst; So im grossen ganze stimme ich Ihnen zu… das Bild der Welt das sich mir zeigt sieht in etwa auch so aus…

            Aber das mit den Sozialisten und Linken die sich sicht- und unsichtbar tummeln, also da kann ich nicht zustimmen. Auf den Packungen steht zwar ab und zu das S drauf, aber die Inhalte sind bürgerlich-authoritär-antidemokratisch wie bei den anderen Rattenfängern auch… am Ende, die Gesetze und Massnahmen die beschlossen werden…

            Was sich hier zeigt und immer mehr Menschen betrifft sind nicht repressionen des staates sondern eben wie Sie feststellen repressionen einiger privater Entitäten die sich gegen den grossen Rest der Menschen stellen und eine Forderung nach der anderen Durchsetzen können…

            …dies u.a. auch mit massiver Aufrüstung von Massenkontrollsystemen… ich finde die Bilder mit den schwarzen Kunststoff bewerten Polizisten schrecklich die mit grausamer Technik und Zivilgesellschaftlich fragwürdigen Gesetzen gegen die eigenen Bürger eingesetzt werden… heute sind es nur kleine Randgruppen, es können aber auch Mehrheiten daraus werden… die Technik, die Massnahmen, die Gesetze aber bleiben die gleichen… die negativen Auswirkungen auf Bürgerpartizipation genauso…

          • Anh Toan sagt:

            @Linus Huber: „Es liegt einfach in der Tatsache, dass sich jeder der nächste ist und jene, welche diese lukrativen und populären Jobs inne haben, NICHT MEHR das Allgemeingut im Auge, sondern ihre persönlicher Erfolg. Es ist menschlich so zu handeln, ..“ Früher hatten die Mächtigen das Allgemeingut im Auge obwohl es menschlich ist, wie Sie betonen, so zu handeln?

            Also was müssen wir ändern, damit die Mächtigen wieder das Gemeinwohl im Auge haben? Richtig, die Politiker, die werden aber von Menschen gewählt, also wählen Menschen falsche Politiker, somit müssten wir die Menschen ändern, oder sie nicht mehr Politiker wählen lassen. Wir könnten auch akzeptieren, dass Politiker Eigeninteressen verfolgen, und darum ihre Macht begrenzen, was wir tun mittels Gewaltenteilung, Rechtsstaatlichkeit und Freiheitsrechten oder mit Offenlegungspflichten von Interessenverbindungen und vielem anderem: Haben Sie Vorschläge, was man verbessern könnte, wäre ich an vielem interessiert, das Verändern der Menschen erscheint mir keiner vertieften Prüfung wert, um für einmal ganz zurückhaltend Mumpitz zu umschreiben.

            @Karin Gut liegt richtig, wir haben alle diese Politik zu verantworten, die Wähler für was sie gewählt haben, die zu Hause gebliebenen, für was sie nicht gewählt haben. Wer sich anlügen lässt, ist selber schuld, solange der Lügner nicht mit betrügerischen Mitteln arbeitet. Wäre schlichtes Lügen verboten, würde ich dringendst zu absolutem Schweigen raten.

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.