Die Schuldengesamtsicht

Der jüngste Bericht des Internationalen Währungsfonds zur weltweiten Finanzmarktstabilität ist ein weiteres Zeichen für kommende Stürme. Hier fasst der zuständige Verantwortliche des Berichts die wesentlichsten Ergebnisse zusammen – in ruhigen Worten spricht er über höchst Beunruhigendes:

Ein besonderer Reiz des Berichts ist eine Grafik, die ausgezeichnet die Gesamtschuldensituation jener Länder aufzeigt, die immer wieder im Fokus stehen – und eben nicht nur auf die Regierungen fokussieren. Unten habe ich sie aus dem Bericht zum drin Schmökern übernommen. Ok. Wegen der beschränkten Breite ist sie hier etwas klein geraten. Wer die Details nicht erkennt, kann sie augenschonend hier im Original (Seite 5) anschauen.

Die Grafik zeigt nicht nur die Schätzungen für das laufende Jahr zur vieldiskutierten Gesamtschuld ausgewählter Regierungen und zum primären Budgetsaldo (das ist jener ohne Berücksichtigung der Schuldzinsen). Darüber hinaus finden sich auch Daten zur privaten Verschuldung – der Haushalte, der Unternehmen und des Finanzsektors – und zum Anteil der Schulden, die gegenüber Gläubigern im eigenen Land und solchen im Ausland offen sind. Wo nicht anders angegeben, bedeuten die Zahlen Prozente gemessen am Bruttoinlandprodukt des Landes.

Keine Kommentare zu «Die Schuldengesamtsicht»

  • Ueli sagt:

    In Deutschland zerbricht gerade eine Regierungskoalition, da die deutsche FDP sich in offener Auflösung befindet und nur noch mit primitivem Populismus (die faulen Griechen müssen aus der EU rausgeschmissen werden!) punkten kann. Die Schwesterpartei der CDU namens CSU bläst ins selbe Horn und beweist wieder mal ihre Stammtischhoheit. Die Griechen, Italiener, Spanier, Portugiesen, Irländer und Franzosen wissen, dass nur noch Eurobonds und weitere Konjunkturpakete den Super-Gau der EU verhindern können. Selbst die Financial Times musste die Deutschen daran erinnern, dass ihre Exportindustrie seit der Einführung des Euro einen Handelsbilanzüberschuss mit der EU von sage und schreibe 900 Milliarden Euro erzielt hat. Die Kosten eines Zusammenbruchs der Eurozone wäre gerade für Deutschland ungeheurlich, da die neue Währung sich gewaltig aufwerten würde und somit der Industrie einen Schlag versetzen würde von dem sie sich sobald nicht mehr erholen könnte.

  • Max Habermann sagt:

    Der IWF bleibt sich treu. Er kann seine eigenen Prognosen und Charts nicht lesen und solche Leute werden noch ernst genommen.

  • Herb Schweizer sagt:

    @Herr Müller: Wenn ich Sie richtig verstehe, heisst das, dass dieser Markttest letztendlich dem Steuerzahler, dem Pensionär, den Pensionskassen, aber auch den Aktionären eine Menge Geld durch Verwässerung des BNP kostet, oder liege ich da falsch ?

    • Andres Müller sagt:

      ja natürlich, die Strukturkrise des Finanzsystems beginnt auch der Schweiz Geld zu kosten, auf vermutlich allen Kanälen. Die Schweizer Politik kann das nicht verhindern, die SNB nur in sehr begrenztem Ausmass. Was getan werden könnte wäre die Schweizer Infrastruktur zu verbessern, notwendige Reparaturen endlich vorzunehmen. Damit könnten fehlende Exportaufträge zum Teil kompensiert werden, die Schweiz kann auf dem Markt derzeit günstig Kapital aufnehmen. Das Zeitfenster für antizyklische Investitionen wäre da und die Notwendigkeit zum Beispiel die Kanalisationen zu restaurieren vorhanden. Stattdessen wäre es äusserst hilfreich jetzt auf neue Kampfflugzeuge zu verzichten, das Geld verschafft nur wenigen Arbeit und nutzt real wenig bis nichts.

      • Thomas Ernst sagt:

        Ja, und gerne auch die hässlichen, gefährlichen und verlustreichen Strom-Überlandleitungen endlich flächendeckend durch erdverlegte, verlustarme Leitungen ersetzen. Energie ist langfristig zuverlässig, auch, um das Geld wieder reinzuholen. Die Kosten würden sich sogar langfristig durch die eingesparten Verluste selber bezahlen. Sparpotential: 1-2 AKWs…

        Da die Energieversorger heute für die produzierte, aber er nicht verkaufte Verlustleistung nichts bezahlen (keine Steuern, Abgaben etc., sondern diese einfach auf den Konsumenten umlegen, haben sie selber natürlich keinen Anreiz. Es würde aber genügen, statt der verkauften, die produzierte Energie zu besteuern…

        Das Geld, die Technik und die Möglichkeiten liegen vor. Wenn man die Kabel z.B. in den Pannenstreifen der Autobahnen legt, oder neben Eisenbahnlinien, in Trottoirs und Velowege, braucht man noch nicht mal neue Durchleitungsrechte zu besorgen.

  • Rosmarie Kessler sagt:

    Das ganze Euro-Konstrukt war von anfang an falsch !
    Nach Brüssel gehören n i c h t vom Volk gewählte Landesvertreter die dort total überfordert sind und systematisch missbraucht werden wenn es um internationale Finanzen geht.
    Nach Brüssel gehoren die Vertreter der Multis. Eine sichtbare Lobby, die formuliert, was sie von den Nationen ‚wollen‘.
    Also bitte eine klare Trennung von National und International.

    • Urs sagt:

      Das was hier passiert, das mit den Schulden, hat mit dem Euro erstmal gar nicht’s zu tun…

      • Rosmarie Kessler sagt:

        …Urs
        Wenn es den Euro nicht gäbe, sondern immer noch den ECU, könnten Griechenland, usw. abwerten.
        Zudem wäre man viel flexibler den ECU-Korb zu gestalten, bzw. anzupassen, oder zu erweitern n a c h d e m sich Länder wirklich qualifizieren.
        In den Euro haben sich Länder (z.B. Italien oder Frankreich) hineingemogelt ohne die Maastrichtkriterien je zu erfüllen, und nun liegen sie der Allgemeinheit auf dem Buckel.
        Es findet wieder einmal eine Nivellierung nach unten statt. – Wem soll das nützen ?

        • Rene Wetter sagt:

          Ich verstehe nicht, warum der € an der Schuldenkrise Schuld sein soll, die Länder haben sich immer noch selber verschuldet und viele darunter wegen den unglückseligen Banken. GR wegen Korruption und Steuerhinterziehung und das hat NICHTS mit dem € zu tun. Abwertung wird immer als Allerheilmittel gepriesen, dabei ist es nicht anderes als die Enteignung des Sparers, da könnte man ja auch den € behalten und jedem Sparer 3=% vom Konto abbuchen. Wenn GR jetz abwerten könnte würde die Inflation und die Zinsen massivsteigen und anschliessend gingen div Firmen und Private konkurs. Da GR wenig exportiert nützt Abwerten nicht viel. Wers nicht glaubt schaue nach GB wo zur Zeit Stagflation herrscht.

        • Urs sagt:

          Schauen Sie mal wer in dieser kleinne Tabelle als Schuldner gelistet ist…. u.a. Privathaushalte. Die haben sich in den vergangenen Jahren oft verschulden müssen weil die Löhne nicht mehr an die effektiven Lebenshaltungskosten angepasst worden sind. Auch hier in der Schweiz ist diese Tendenz seit Jahren ungebrochen…

          Das gleiche übrigens auch bei den Staaten, den Kantonen, Bundesländern, Regionen, Städten, Gemeinden usw.. Die Neoliberale Ansicht ist ja gerdade das keine Steuern erhoben werden sollen sondern alles nötige mit Krediten finanziert werden soll.

          Dies hat man über Jahre so konsequent durchgezogen und das Ergebnis sieht man halt dann irgendwann mal… alles überschuldet. Bis auf die handvoll Steuerbefreiter Investoren, Aktionäre, Familien… beissen alle anderen in’s Gras und das hat mit Faulheit und über unsere Verhältnisse gelebt überhaupt nicht’s zu tun… das sind Amenmärchen um so weiter machen zu können wie bisher und die Oekonomische Belastung auf andere verschieben zu können wärend paralleld azu die Profite fliessen wie nie zuvor.

          Auch die Vermögen der Reichsten haben den Tief-Stand unmittelbar nach der ersten Krise ca. 2008 bereits wieder übertroffen. Alle anderen sind nach wie vor flach auf dem Boden und werden rücksichtslos zum sparen gewzungen da die meisten Menschen von den systemischen Steueroasen keinerlei Gebrauch machen können… die sind nämlich an ihren Arbeitsplatz, an die Hypothek, an den Pass-an die Nationalität, die Aufenthaltsbewilligung, die Sozialversicherungen, Familie usw. gebunden…

  • Andres Müller sagt:

    Vielleicht sollte man dieser Grafik auch die aufgeblähten Privatvermögen gegenüberstellen. Die USA alleine verfügen über ca.35% des privaten Vermögens der Welt. Das heisst die 1% reichsten US-Amerikaner besitzen etwa 1/3 der weltweiten Vermögen.

    • Andres Müller sagt:

      ach ja, noch nebenbei, die SNB wird gerade vom Markt getestet, ob der sFr. nicht doch ein „sicherer Hafen“ ist..Das wird der SNB vermtlich alleine Heute ein paar Milliarden kosten.

    • Andres Müller sagt:

      Weitere Hiobs-Botschaft aus Richtung der Banken. Die Deutsche Einlageversicherung will die versicherten Vermögen von 1,5 Millionen Euro auf nur noch 437.500 Euro fallen lassen. Es herrscht offene Panik beim Einlagesicherungsfonts. Dieses Ansinnen zeigt uns, dass Geld nirgends mehr sicher ist, schon gar nicht das Versprechen der Politiker dass die Forderungen gegen die Banken noch Vertrauenswürdig sind. Die Einlageversicherung spricht von nicht mehr vorhandener realer Deckungskapazität. Wenn man bedenkt dass es sich hier um Deutsche Banken handelt, um wieviel bedrohlicher ist die Situation anderswo?

  • Urs sagt:

    Gut ja, es ist eine „Debt“ Tabelle… interessant wäre aber als ausgleichende Gerechtigkeit zum Thema Schulden auch die einzubeziehen die keine Schulden haben, dafür aber als Kreditgeber fungieren… die beinahe einzigen die nach wie vor und unerschütterlich Profite scheffeln sind die Börsenkotierten Unternehmen sowie die die dahinter stehenenden Investoren-Aktionäre…

    Allein die 30 grössten DAX Konzerne zahlen Jahr für Jahr 30 Milliarden an Dividenden aus…

    Insofern war der Neoliberale Gesellschaftsumbau äusserst erfolgreich… genau das war ja das Ziel und beinahe wurde es erreicht. Beinahe im Sinne derer denen der Neoliberalismus immer noch nicht zu weit geht…

    • Josef sagt:

      Urs, sehe ich ähnlich. Ich verstehe auch nicht, wie man von einer Gesamtsicht sprechen kann, wenn dann doch nur von den Schulden die Rede ist. Wenn die Gesamtsicht auch die Gläubiger einbeziehen würde, wäre auch sofort klar, wo die Lösung zu suchen ist. Oder besser, wo sie sicher nicht ist. Ein Schuldner kann sich nicht selber entschulden. Das geht nur, wenn der Gläubiger mitmacht.

      • Roger sagt:

        Stimmt nicht ganz: Ein Deutscher will im griechischen Hotel „Schuldenfrei“ ein Zimmer buchen und es vorher anschauen. Das sei O.K. – er muss aber Euro 100.- als Depot hinterlegen. In der Zwischenzeit rennt der Hotelier zum Metzger und bezahlt seine Euro 100.- Schulden für die letzte Fleischlieferung, dieser wiederum rennt zum Eisenwarenhändler, um seine Euro 100.- Schulden für eine neue Maschine zu begleichen und letzterer rennt zur Prostituierten, um seinerseits Euro 100.- für noch nicht ganz abgegoltene Dienstleistungen zu bezahlen. Die Prosituierte geht darauf hin ins Hotel „Schuldenfrei“ und bezahlt ihre ausstehende Miete ihrer letzten Verrichtungen. Dem Deutschen gefallen die Zimmer im Hotel „Schuldenfrei“ überhaupt nicht und er verlangt seine Euro 100.- Depot zurück, welche beim Hotelier ja in vollem Unfang bereitliegen und von diesem ohne Zögern dem Deutschen herübergeschoben werden. Der Deutsche hat sein Geld zurück und alle sind schuldenfrei – dies ist die Neu-Erfindung der Oekonomie à la Greece.

  • Henry Mancini sagt:

    Da hats nicht wirklich viele grüne Felder. Wirklich etwas beunruhigend.

  • silver sagt:

    Marc Faber Interview vom 22.September 2011
    Marc Faber warnt vor erneutem Ausbruch der globalen Finanzkrise….

    http://goo.gl/o486b

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