Neue Berufe dank neuer Bürokratie

Alle Massnahmen zur Bürokratiebekämpfung führen letztlich zu noch mehr Vorschriften – aber auch zu neuen Arbeitsplätzen.

Sch… Bürokratie: Komplizierte Abläufe können einem die Freude an der Arbeit ziemlich vermiesen. Foto: iStock

Der Kampf gegen Bürokratie gehört zum Standardrepertoire zeitgenössischer Politik. Seit den 1990er-Jahren gab es ständig Versuche, den alten bürokratischen Staat durch einen modernen, wettbewerbs- und kundenorientierten Staat zu ersetzen. Im Rahmen des New Public Managements (NPM) sollte eine effiziente, schlanke und unbürokratische öffentliche Verwaltung mithilfe von privatwirtschaftlichen  Managementtechniken entstehen. Man ging davon aus, dass Staatsangestellten (Beamten) einfach die richtigen Anreize gesetzt werden müssen, damit sie eine optimale Leistung erbringen. Leistung und Qualität staatlicher Institutionen sollten durch Indikatoren erfasst und anschliessend über Anreize verbessert und auf Effizienz getrimmt werden.

Dieses Konzept ist allerdings kläglich gescheitert. Der mit dem NPM in Gang gesetzte, permanente Zwang zu messbarer Effizienz und messbarer Qualität entwickelte bald ein Eigenleben. Das NPM wurde Ausgangspunkt für eine neue Controlling-Evaluations- oder Optimierungsbürokratie, in der traditionelle Regeln und Vorschriften durch Leistungsvereinbarungen und messbare Ziele ersetzt wurden. Das erkennt man besonders deutlich im Bildungswesen oder Gesundheitswesen.

Bürokratiebekämpfung führte zu neuem Bürokratieschub

Die neue Bürokratie erwies sich als sehr beschäftigungsintensiv. Neben Tätigkeiten wie Administration, Organisation, Überwachung, Kontrolle, Registrierung, Dokumentation, Evaluation oder Kodierung umfasst sie beispielsweise auch Zertifizierung, Akkreditierung sowie Beratung, Coaching oder Mentoring. An der Arbeit sind dabei fast ausnahmslos ausgebildete Spezialisten und Experten. Manchmal agieren diese noch unter verständlichen Berufsbezeichnungen wie Kodierer, Berater oder Controller. Immer häufiger begegnen wir aber Fachpersonen, die sich beispielsweise «Data Facility Hierarchical Storage Manager», «Human Resources Management Consultant», «Regulatory Compliance Manager» oder deutsch «Fachreferent für medizinisches Versorgungswesen», «Regionalkoordinator im Bildungsmarketing» oder «freiberuflicher Zertifizierungsauditor» nennen. Je komplexer die Berufsbezeichnung, umso grösser die Wahrscheinlichkeit, dass der Beruf Teil der neuen Bürokratie ist.

Massnahmen, die ursprünglich zur Bekämpfung der Bürokratie vorgesehen waren, sorgten somit letztlich für einen neuen Bürokratieschub. Diese Tatsache hat der amerikanische Anthropologe David Graeber in seinem 2015er-Buch «Bürokratie – Die Utopie der Regeln als ehernes Gesetz des Liberalismus» beschrieben, welches besagt, dass jede Marktreform, jede Regierungsinitiative, die den Amtsschimmel bändigen und die Marktkräfte fördern will, in einer weiteren Zunahme von Vorschriften und Verwaltungsarbeit und damit Bürokratie resultiert.

Vollbeschäftigung dank Bürokratie

Diese Zunahme hängt mit dem Versuch zusammen, eine stets steigende Komplexität in den Griff zu bekommen. Wir haben immer komplexere Technologien, ein immer komplexeres Rechtssystem oder ein stets komplexeres Gesundheitswesen. Dem Staat werden so immer mehr Aufgaben übertragen, in der Meinung, dieser könne dann «von oben herab» mit entsprechendem Controlling garantieren, dass Wirtschaft und Gesellschaft in jeder Hinsicht wunschgemäss funktionieren. Das ist allerdings eine Illusion, aber eine Illusion, die viele neue Arbeitsplätze schafft. In Zeiten, in denen Automatisierung und digitale Transformation traditionelle Jobs zum Verschwinden bringen, bleibt die Beschäftigung so weiterhin hoch.

Daraus ergibt sich aber ein Dilemma. Wir müssen uns immer mehr mit der neuen Bürokratie herumschlagen, welche uns in vielen Bereichen das Leben verkompliziert und die Freude an der Arbeit verdirbt. Auf der anderen Seite garantiert aber gerade diese Bürokratie weiterhin Vollbeschäftigung.

59 Kommentare zu «Neue Berufe dank neuer Bürokratie»

  • Claire Deneuve sagt:

    @Ackermann: Ueber 90% aller Wirtchaftstransaktionen beruhen auf Verträgen, Vereinbarungen oder Vertrauen. Und da die Wirtschaft immer komplexer wird, da brauchts halt auch mehr Verträge und Vereinbarungen und darum brauchts auch immer mehr Papierliwender, die dafür sorgen, dass diese Transaktionen korrekt abgewickelt werden.
    .
    Gold in Form von Schmuck oder für Industrie macht einen Bruchteil der wirtschaftlicher Aktivität aus.
    Gold ist eine Kriegswährung! Goldmünzen und Barren kann man leicht rauben oder den Menschen für ein Butterbrot zwangsabluchsen, wie das die Nazis gerne gemacht haben.
    Aber Verträge sind zu einem grossen Teil sinnlos als Beute, allenfalls Inhaberpapiere taugen noch was als Beute.
    Ich nehme nicht an dass dieser arachische Goldstandard jemals zurückkommt

    • Markus Ackermann sagt:

      Nun, Frau Deneuve.
      Ich bin nicht für einen Goldstandard. Dafür gibt es gar nicht genug Gold.
      Ich bin für eine REAL-Wirtschaft, weil wir alle nicht von Papiergeld leben, sondern von Brot. Eine Fokussierung auf die REAL-Wirtschaft führt zum Ergebnis, dass parasitäre AusbeuterINNEN weniger abzocken können: 1% vs 99%

  • Stirnimann sagt:

    Im Buch „Leben im Büro“ von Bartmann werden die Auswirkungen des NPM sehr differenziert beschreiben. Er postuliert keine Rezepte und meint, dass wir uns doch zufrieden geben können, da es uns ja lohnmässig und überhaupt gut gehe. Sehr ernüchternd! Wir sind Gefangene und harren aus Angst vor Repressalien aus Es ist absurd, was in öffentlichen Einrichtungen abgeht, sehr oft weit weg von ökonomischen und gesellschaftlichen Nutzen. Aber da ist ja die Privatwirtschaft auch nicht viel besser aufgestellt.

  • Franz Marke sagt:

    Endlich spricht es einer aus! D R. M. Keynes hatte doch recht, als er vorhergesagt hatte, dass wir irgendwann nur noch 4h/Woche arbeiten müssen. Man müsste nur präzisieren: produktiv. Er hatte gedacht, dass wir den Rest Freizeit hätten. Die Realität ist nun, dass wir uns entschieden haben, stattdessen noch 38 h Bullsh*t dranzuhängen. Man muss aber gerecht sein: Wir alle werden immer pingeliger. Natürlich wollen wir, dass Kanotonschemiker das Trinkwasser auf Pestizidspuren untersuchen und dass es griffige Grenzwerte gibt. Beim Thema Krankenhäuser fordern dann auch alle „Qualitätskontrolle“ und wollen wissen, ob man mit Herzbaracke im Triemli 0.34% mehr Überlebenschancen hat als im Unispital, usw. Wir alle wollen das.

    • Taric Trent sagt:

      Tatsächlich zwingen uns völlig unbegriffene Umstände dazu so viel wie möglich zu arbeiten. Werbung zum Beispiel (als eines von Millionen Bullshit-Beispielen) fördert den Absatz und ist darum wertschöpfend (wenn auch als Allgemeines völlig unproduktiv – wer schaut sich schon freiwillig Werbung an?) – und wenn etwas wertschöpfend ist, dann wird es auch gemacht – weil man damit am Ende Geld produziert. Und weil das Bedürfnis nach Geld grenzenlos ist – man kann ja nie genug davon haben, da man damit alles haben kann – gibt es auch ein grenzenloses Bedürfnis nach Arbeit. Und weil die Arbeit nicht mal denen gehört, die sie machen (die verkaufen sie ja an die Unternehmen), haben in der Regel die Arbeitenden davon gerade soweit genug, dass sie am nächsten Tag wider anwesend sind.

  • Anh Toàn sagt:

    Vor 10 Jahren sollte ich für ein Star-Up eine Firma gründen, irgendwo in der Schweiz, die hatte nichts festes, Tätigkeit im Alpenraum, Produktion in der Tschechei, viele Dienstleister und vor allem Investoren aus Deutschland, teilweise der Schweiz. Da habe ich in Zug angerufen, gefragt nach vor allem Arbeitsbewilligung wegen dem Teil der Tätigkeiten in der Schweiz für den deutschen CEO: Antwort: „Sind Sie heute auf dieser Nummer erreichbar? Alle betroffenen Behörden werden Sie heute anrufen.“ Der eine hat erst am nächsten Morgen angerufen, und dafür um Entschuldigung gebeten. Insbesondere der Mann von der Bewilligungsbehörde war sehr konstruktiv: Sei in Zug ja sehr limitiert, aber er arbeite ja nur wenig in der Schweiz, eine Bewilligung für max 90 Tage irgendwann im Jahr reiche ja.

    • Anh Toàn sagt:

      Seither sage ich: Nach Zug geht man nicht wegen der Höhe der Steuern, sondern wegen der Qualität, der Kundenorientierung der Verwaltungsbehörden.

      Ich weiss nicht, wie die das besser machen in Zug als, um das Gegenteil zu nennen, im Wallis (da geht zwar manches auch einfach, aber halt nur, wenn man ein guter Kumpel ist).

      P.S: Ist deutlich mehr als 10 Jahre her, meine Erfahrung mit Zug, die Gesellschaft wurde vor 21 Jahren gegründet, bereits da war die Zuger Verwaltung begeisternd kundenorientiert. Nicht im Sinne von Bestechlichkeit: Es ginge vielerorts durchaus besser.

  • Werner Graf sagt:

    Es entstehen, Bullshit Jobs.

  • Stefan W. sagt:

    „Auf der anderen Seite garantiert aber gerade diese Bürokratie weiterhin Vollbeschäftigung.“
    Es gibt in der Schweiz keine Vollbeschäftigung. Schon gar nicht „weiterhin“.
    Die Arbeitslosenquote liegt bei rund 2.5%, die Sozialhilfquote bei 3%. Macht über 5%, die beschäftigt sein könnten, es aber nicht sind. Dabei ist eine unbekannte Zahl von IV-Bezügern, die eher aus arbeitsmarktlichen denn aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten können, nicht mal eingerechnet, ebensowenig wie diejenigen Ausgesteuerten, die keine Arbeit finden, sich aber trotzdem nicht beim Sozialamt melden wollen. Eine konservative Schätzung wäre wohl eher bei gesamthaft 7% Arbeitslosen in der Schweiz. Da kann man nicht wirklich von Vollbeschäftigung reden.

    • Ralf Schrader sagt:

      Dazu die Massen an Hausfrauen.

    • Claire Deneuve sagt:

      Stefan W: Ihre Milchbüechlirechnung ist ja sowas von grottenfalsch!
      Mal abgesehen, dass die aktuelle AL Quote gemäss RAV bei 2.1% liegt (99’000 AL), hat es darunter auch um die 20’000-25’000 arbeitsfähig erscheindende SoHi Empfänger, die von der SoHi aufs RAV geschickt werden und die darum in beiden Statistiken auftauchen.
      Des weiteren sind von den rund 275’000 Soziahilfefällen 31% Kinder/Jugendliche bis 17, rund 60’000 – 80’000 sind Working Poor, die einfach noch einen Zustupf bekommen von der SoHi. Dazu alleinerziehende Mütter etc
      Und bei den Fällen wird jeder gleich gezählt: Ob man nun ein Langzeit-Sohi Empfänger ist oder nur mal eine Ueberbrückungshilfe von 2-3 Monaten bekommt, in der Statistik sind das dann 2 Fälle, auch wenn am Jahresende nur noch einer auf SoHi ist.

      • Stefan W. sagt:

        Grottenfalsch ist vor allem, nur RAV-Gemeldete als Arbeitslose zu bezeichnen. Und von Vollbeschäftigung zu sprechen, was ein Hohn für ü50er ist, die keine Anstellung mehr finden, weder in der Bürokratie noch sonst wo. Eigentlich wollte ich nur diese Fehlaussage korrigieren. Ob es jetzt eher 7.5% oder eher 6.2% reale Arbeitslose sind, ist dafür nicht relevant.

        • Claire Deneuve sagt:

          Siehe meinen Kommentar unten: Ich behaupte nicht, dass nur die RAV AL Arbeitslose sind.
          Allerdings per Definition als Arbeitslos gilt:
          Wer beim RAV angemeldet ist
          Wer sich wirklich um Arbeit bemüht
          Wer auch wirklich vermittlungsfähig ist!
          .
          Dies unabhängig ob man Geld von der ALK bezieht. Es gibt auch einen Teil der Ausgesteuerten die freiwillig oder auf Druck der SoHi beim RAV angemeldet bleiben und somit in der AL Statistik.
          Die CH hat eine der höchsten Beschäftigungsquoten weltweit, dies schränkt schon die Möglichkeit von Unmengen an nicht erfassten AL ein.
          Gut Sie mit 7% sind noch einer der gemässigten Schwarzmaler, es gibt andere die daherplagören wir hätten schon mehr als 10% AL!
          Ich war 1997 mal arbeitslos mit bis zu 5.7% RAV AL – das waren dann wirklich düstere Zeiten!

      • Claire Deneuve sagt:

        Darum ist der durchschnittlich ausbezahlte Betrag pro SoHi Fall immer noch unter Fr. 10’000 pa.
        Schauen Sie sich doch mal im Rahmen einer Feldforschung zumindest einen Teil der SoHi Empfänger in den einschlägigen Quartieren an. Das sind tw ziemlich kaputte Gestalten, oft mit einer Bierdose in der Hand & Kippe im Mund.
        Viele SoHi Empfänger sind schlichtweg nicht mehr arbeitsfähig, sei es aus Suchterkrankungen, psychischen & pyhsischen Problemen, „schwierige Charaktere“ etc.
        Da schrillen bei jeder HR Dame sogleich die Alarmglocken. Aber sind oft noch nicht kaputt genug für eine IV, die auch immer schwieriger zu bekommen ist & bleiben in der SoHi hängen.
        Gemäss der dubiosen ILO Stichprobenerhebung lag die Erwerbslosenquote im Juni bei 4.0%, RAV 2.1%
        Die Wahrheit liegt dazwischen!

      • Anh Toan sagt:

        Habe mit einem Schreiner, vermittelt vom Sozialamt unser Haus renoviert: War ganz gut, ich beklage mich nicht, aber wenn ein Schreinerbetrieb rund CHF 100.00 pro Stunde für abgerechnet hätte, hätte ich mich nicht gefreut: Der ist höchstens 7 Stunden pro Tag belastbar, qualitativ gutes DIY Niveau, Bedingung war, dass er mit Hund kommt. Ich konnte mit ihm, aber als Arbeitgeber wollte ich den nicht in meinem Betrieb. Und das war noch kein Alkoholiker, Drögeler: Eine Mehrheit der Sozialhilfebezüger ist nicht vermittelbar, davon bin ich überzeugt. Was nicht heisst, dass die zu gar nichts zu gebrauchen sind.

        • Claire Deneuve sagt:

          Anh: Auch bei den registrierten AL sind noch gut 27.5% entweder v.a. in Hilfsfunktion, und in viel geringerem Ausmasse zudem Praktikanten, Lehrlinge & Schüler.
          Gut immerhin haben auch die in den letzten 2 Jahren kräftig abgebaut. Gab es 2017 noch 44’000 RAV AL in jenen Kategorien, sind es heute noch rund 27’000. Vermutlich hat auch die MEI Light da noch etwas dazu beigetragen.
          Die Zahl der Langzeitarbeitslosen über 1 Jahr ging von 2017 23’300 auf akt. 13’286 doch auch signifikant zurück!
          .
          Aber eben die reinen AL, SoHi & IV Statistiken (mal abgesehen von den nicht wenigen Doppelzählungen & Nichterfassten) sagen meist sehr wenig bis nichts über den „Zustand“ der Arbeitssuchenden aus. Da hats alles drunter vom topqualifizierten Ue50jährigen AL bis hin zu völlig Unbrauchbaren.

        • Anh Toàn sagt:

          Dann sind da noch die Eritreer, nach denen habe ich zuerst gefragt beim Sozialamt, und Tapete und Spannteppiche abkratzen kann jeder halbwegs geschickte und willige. Auch Farbe an eine Wand bekommen ist keine Hexerei, eine alte Küche rausreissen auch nicht, Abfallentsorgung. Antwort: Also wenn ich die Ruag oder die SBB wäre und ein Programm für 6 Monate einreichen würde – und da wären wir beim Thema des Beitrags – könne man darüber, aber einfach auf Basis CHF 25.00 (inkl. Ferien, 13Ml) pro Stunde nach Vereinbarung sei nichts. So kam ich zum Schweizer Schreiner. Mir ist egal wo jemand herkommt, viel interessanter ist, wo er hin will. (Hat jemand gesagt, weiss nicht mehr wer)

  • Peter Waldner sagt:

    Die Bürokratie ist einerseits eine Folge der unkontrollierbaren „Massenproduktion“ von Gesetzen durch die Legislative. Anderseits der pingeligen Umsetzung durch die Exekutive, erst durch die „Ausführungsbestimmungen“, dann deren Durchsetzung.

    Leider produzieren Parlamente Gesetze, ohne sich Gedanken über die Durchsetzung zu machen; schon gar nicht über den Aufwand, den sie der Verwaltung aufbrummen. Dabei geht den Parlamentariern der Überblick vollkommen ab; den haben bestenfalls (!) noch Juristen nach 13 Jahren Schule und 9 Jahren Studium! Das Resultat ist eine Bevölkerung, welche die Gesetze gar nicht mehr kennt und sich (abgesehen vom Autofahren) noch immer mehr oder weniger an den 10 Geboten orientiert.

    Gesetze müssen sein; aber nur so viel wie nötig – nicht wie möglich!

    • Franz Marke sagt:

      Haben Sie es nicht verstanden? Es gibt nicht ein Gesetz, was nicht auf Wunsch irgend eines Bevölkerungsteils geschrieben wurde. Lebensmittel, Umweltschutz, Versicherungswesen, Banken… In all diesen Bereichen hat die Öffentlichkeit mehr Kontrolle und strengere Regeln gefordert.

  • Charly sagt:

    Der Durchschnittsbürger würde wohl allzu schnell merken, wen er fürs tägliche Überleben mehr braucht: nämlich den Unternehmer und nicht den Staat!

    • Ralf Schrader sagt:

      95% der Menschheit, der Kulturgeschichte des Menschen, funktionierte ohne Unternehmen und ohne Staaten. Dabei wird es nicht nur bleiben, die Differenz wird zunehmen. Ab 2050 wird es weder Staaten noch Unternehmen geben und dabei wird es bist zum Verdampfen der Erde bleiben.

      • Charly sagt:

        So schnell wird es nicht geschehen aber in einigen 100 Jahren schon. Ich bin froh schon so alt zu sein und das ich die Verelendung nicht erleben werde.

    • Josef Marti sagt:

      Dafür braucht der Unternehmer den Staat wie Luft zum Atmen. Ohne Staat keine Aufträge, keine Subventionen, keine Exportrisikogarantien, keine Lobbyisten, keine Fachkräfte, keine Infrastruktur und keine Schuldsklaven.
      Deshalb haben arme Entwicklungsländer eine Staats- und Fiskalquote sowie Staatsschuldenquote von praktisch Null.

    • Franz Marke sagt:

      Komplett daneben. Warum blüht denn die Wirtschaft in Mitteleuropa mit all den Gesetzen und nicht in Kongo Kinshaza? Die Steuerbelastung dort dürfte auch tief sein. Wer nicht versteht, dass sich Kapitalismus und moderner Verwaltungsstaat gegenseitig bedingen, schaut vielleicht etwas unterkomplex auf die Welt.

  • Markus Ackermann sagt:

    von wg. „eine Illusion, die viele neue Arbeitsplätze schafft.“
    1. Was sind dies für Arbeitsplätze?
    Dienstleistungen
    2. WEM dienen sie?
    Weder Kunden noch Konsumenten: denn diese müssen (idR via Produktpreise, Gebühren oder Steuern) die Kosten dafür bezahlen
    3. Sind die Kunden nach der Transaktion mit solchen Kosten reicher als vorher?
    Nein, im Gegenteil!
    DARUM
    -> werden sie solche Kosten umgehen: sie kaufen z.B. günstiger im Ausland (ohne diese Kosten) oder auf dem Schwarzmarkt (zB Schwarz-Arbeit) oder im Internet (zB Medikamente, Fintech)
    -> wird der Wettbewerb der Kosten durch immer MEHR REGULATIONEN bekämpft, also durch ZWANGS-Konsum ausserhalb der Wettbewerbswirtschaft (zB Anwaltsmonopol)
    -> wird der Produktivitätsfortschritt an die Ausbeuter (Papierli-Wender) umgeleitet

    • Ralf Schrader sagt:

      Arbeit und Erwerbstätigkeit sind zwei völlig verschiedene Kategorien. Derzeit arbeite ich an meiner Tastatur. Das ist physikalisch Arbeit, führt aber nicht zu Einkommen.

      An anderen Tagen bin ich um die Zeit erwerbstätig. Mein Beruf generiert ein gutes Einkommen, obwohl ich dafür zwar tätig sein, aber nicht arbeiten muss.

      Ein Staat kann keine Arbeitsplätze schaffen, ein Staat oder die Wirtschaft schaffen Einkommenstätigkeit, egal ob mit Arbeit oder nicht verbunden. Diese wird tendenziell gegen Null gehen. Deshalb rationalisieren wir unsere Umwelt schliesslich.

      • Markus Ackermann sagt:

        @Schrader
        von wg. „Arbeit und Erwerbstätigkeit“
        Sie sind der Realität auf der Spur, haben es aber noch nicht recht verstanden
        … anders als Adam Smith (Begründer des Kapitalismus) & darauf aufbauend Karl Marx.
        Denn es geht nicht um Arbeit & Erwerb, sondern um „productive and unproductive labour“ (Wealth of Nations, Book 2 chapter 3; bitte googeln Sie!)
        .
        Viele Dienstleistungen verdampfen im Moment der Leistungserbringung: Man ist nach der Transaktion ÄRMER als vorher, zB service aux fonctionnaires statt service public.
        … weil diese Leistungen für den Kunden/Konsumenten also NICHTS WERT sind, will sie auch niemand kaufen & dafür bezahlen.
        AusbeuterINNEN (Papierli-Wender) wollen aber Geld sehen
        … also braucht es regulativen ZWANG
        Alternative:
        Betrug
        Erpressung
        Diebstahl

    • Claire Deneuve sagt:

      Tja Ackermann, wer sonst nichts wird, der wird halt Papierliwender. Denen geht die Arbeit nie aus und die werden meistens auch fürstlich bezahlt!
      .
      Die Existenzberechtigung unseres spätkapitalistisches Systems beruht vor allem auf Abundanz an Gütern & Dienstleistungen, darum funktioniert sogar – wenn auch mehr schlecht als recht – ein Trickle Down Effekt sogar noch irgendwie.
      .
      Aber mal ehrlich Herr Ackermann — soll denn noch mehr Konsumschrott produziert werden, welcher dann an den Black Fridays und sonstigen Sonderverkäufen zu Schleuderpreisen unters Volk gebracht wird, die sie sich mit schwindender Kaufkraft gerade noch leisten können?
      .
      Da ist es fast schon zwangläufig, dass die Bürokratie und der Papierliwender Sektor ausgebaut wird, irgendwas müssen die Leute ja arbeiten!

      • Anh Toàn sagt:

        Haben uns die „Fidget Spinner“ wirklich reicher gemacht? Und wenn ja, hortet die jetzt jemand so wie Gold, man sieht keine mehr?

      • Markus Ackermann sagt:

        @Deneuve
        Korrelieren Sie über die letzten Jahrzehnte das Mass der Verschuldung unserer Gesellschaften mit dem Mass der Regulationen
        ???
        … Je mehr unproduktive Dienstleistungen (zB securisation, Versicherungen, Justiz und all die jobs, die Binswanger nennt)
        … desto HÖHER die Schuldenstände von Privaten, Staaten etc.
        Welche Logik könnte dahinter stecken?
        Der Kapitalist beschäftigt Arbeiter gegen Lohn, diese bearbeiten Werkstücke, die dadurch DAUERND mehr wert werden.
        Die Arbeit der Papierli-Wender VERDAMPFT i.d.R. im Moment der Leistungserbringung (zB Anwälte, Banken, Buchhalter).
        Keine Wert-Schöpfung, sondern Wert-AB-Schöpfung.
        Das Defizit (Verdampfen) wird FINANZIERT DURCH SCHULDEN
        … via Bezugsscheine (Fiat-Währung)
        die mittlerweile NIE mehr zurückbezahlt werden können

        • J. Kuehni sagt:

          Wertschöpfung muss eben auch breit verteilt werden, sonst nutzt sie nichts oder kostet am Ende mehr, als Wert geschöpft wurde. Betrachten Sie doch die Bürokratie und das Papierliwendertum als Teil der Gestehungskosten des Produktes „Gesellschaft“ (inkl. Markt und Wirtschaft), die sich proportional zu Entwicklingsgrad, Komplexität und Ressourcenverteilung innerhalb dieser Grösse verhalten und entwickeln.

          • Markus Ackermann sagt:

            @Kühni.
            Eine sehr gute, wohl sogar die beste Form, Wertschöpfung breit zu verteilen,
            … ist der Preismechanismus in einer Wettbewerbswirtschaft
            ?
            DAS ermöglichte es zB chinesischen Kommunisten, mit kapitalistischer Methode Millionen ihrer BürgerINNEN aus der Armut zu führen.
            -> Nicht die Partei, nicht der autoritäre Staat unterscheiden zw. „Schrott“ & „Wohlfahrt“, sondern die Abermillionen von täglichen Transaktionsentscheiden unter Wettbewerbsbedingungen drücken die Kosten & garantieren einen rationellen Zugang zu Leistungen des BIP
            -> Konträr dazu ist das Versagen von geplanten Preisen oder Werten
            … weil Papierli-Wender bei der autoritären Festlegung eines „Wertes“ immer vom Wert abweichen, den eine Transaktion für das Individuum hat
            … und dies ist nicht NUR der Preis

          • Claire Deneuve sagt:

            Ackermann: Checked Sie’s eigentlich nöd?
            Dienstleistungen und Konsumgüter werden überhaupt nirgends bewertet sondern einfach verzehrt, ebenso die Staatsausgaben.
            Aber das I, dort entsteht was das , 5, 10, 20 oder gar 30+ Jahre hält und man abschreiben kann, linear oder degressiv, teilweise einen Rest behält.
            .
            Und wieso bitte soll man das nicht gegen Geld messen können? Sondern Realwerten bei den alten Sumerer, da war dann eine Kuh zwölf Schafe wert oder soundsoviel Weizenbüschel.
            .
            Ein bisschen realtätsfremd die Investitionen nicht in Geldeinheiten messen zu wollen. Sie können die Werte ja in Gold ausdrücken, wenn es Ihnen Freude macht. Wären dann einfach Metallwender. Aber am Ende wird doch auch der Wert von Gold in US$ gemessen.

          • Claire Deneuve sagt:

            Im übrigen machen Inventarveränderungen relativ wenig aus, 2017 waren es gerade mal 1.4%, aber die können auch mal leicht negativ sein. Investments in Fixed Capital ist dann schon ein grösserer Brocken, der zählt
            Global GDP – composition, by end use 2017:
            household consumption: 56.4%
            government consumption: 16.1%
            investment in fixed capital: 25.7%
            investment in inventories: 1.4%
            exports of goods and services: 28.8%
            imports of goods and services: -28.3%

          • Markus Ackermann sagt:

            Nöö, Frau Deneuve:
            SIE checken es nicht
            1. Papiergeld gabs in China seit dem 7. Jh n. Chr.
            Es ist BELIEBIG vermehrbar und nur ein BEZUGSSCHEIN für Arbeit oder Waren, die solche Arbeit repräsentieren. Grundlage des Wertes ist die Arbeit.
            Man kann unendlich viele Bezugsscheine drucken, aber man kann das Mass an Arbeit nicht unendlich multiplizieren: Die Anzahl der Menschen ist begrenzt und die Anzahl der Menschen mit bestimmtem Know-How (Fähigkeiten) ist noch limitierter
            2. Nur ganz dumme SozialistINNen stellen sich vor, dass „Dienstleistungen und Konsumgüter“ ohne Arbeit an Bäumen wachsen und „einfach verzehrt“ werden
            … ohne Transaktion mit einem Preis, einem Wert und einer Bewertung.
            Solche ganz dummen SozialistINNen fand man in Kambodscha & Venezuela, nicht in China.

          • Markus Ackermann sagt:

            Ab ca. 15. Jh. war das Papiergeld in China mit Silber gedeckt. Noch heute bedeutet das chinesische Wort für Bank „Silberlager“. HEUTE akkumuliert China Gold als Deckung für den Yuan.
            Die Geschichte JEDER Papiergeldwährung ist eine Geschichte der ABWERTUNG gegenüber Gold … regelmässig um 95% bis 99.9%. Das gilt auch für das £, den US$, den € etc. Grund dafür ist eben, dass Papiergeld (und erst recht securities, Kredite etc.) BELIEBIG vermehrbar ist
            … und natürlich auch vermehrt wird.
            DARUM muss man die in Papiergeld bewerteten Preise, BIP-Statistiken etc. mit einem Mass eichen, das nicht beliebig vermehrbar ist: Für die arbeitende Bevölkerung ist das idR ihre Arbeitskraft, für die parasitären AusbeuterINNEN zB das Gold
            … weil beides nicht beliebig vermehrbar ist

          • Claire Deneuve sagt:

            Ackermann: Mit den rund 1800 Tonnen ZB-Gold in China ist dort nicht mal ein Bruchteil des Geldes gedeckt und von all den Schuldpapierscheinen noch viel viel weniger.
            Der Goldstandard hat die FED 1931 mitten in der Depression zu 2% Zinserhöhungen genötigt und die Geldmenge massiv reduziert und so die Krise noch wesentlich verstärkt.
            Und wieso haben die fixen Wechselkurse und der Halbgoldstandard von Bretton Woods nur bis 1971 funktioniert und mussten dann aufgegeben werden? Das war doch fast schon so ein Krüppelstandard wie der €, der eine Zeitlang funktioniert hat in starken Zuwachszeiten und dann am Ende kläglich versagte vor allem wegen den Amis, weil die einfach immer über ihre Verhältnisse leben.

          • Claire Deneuve sagt:

            Ackermann: Mit US 10-Jahres Treasuries vor 100 Jahren angelegt und reinvestiert hätten Sie jetzt über 13’000%, mit Gold nur um rund 7500%!
            Im übrigen ist Gold eh ein Witz solange dessen Wert nach wie vor in US$ gemessen wird!
            .
            PS Ja und dass man für Dienstleistungen und Konsumprodukte auch arbeiten muss, das ist mir schon bekannt, aber diese Kosten werden nur zu einem geringen Anteil jemals kapitalisiert (als Vorräte oder Sparguthaben der Werktätigen) sondern sind einfach laufende Kosten und Ausgaben.

          • Markus Ackermann sagt:

            Ja, Frau Deneuve.
            Der Zinses-Zins-Effekt ist beeindruckend: eine Ver-130-Fachung in 100 Jahren
            … ABER die Abwertung des Papiergeldes
            innert den gleichen 100 Jahren eben auch
            ???
            Der US$ wertete gegen die Währung Gold von 1900 bis 1935 um über 40% ab,
            blieb dann bis 1971 etwa stabil und
            werte ab dann bis 1974 auf noch ~20% ab. Bis HEUTE wertete der US$ auf noch 5% – 10% ab.
            => aus der Ver-130-Fachung wird so innert 100 Jahren höchstens eine Ver-7-Fachung. Das ergibt einen jährlichen Zins von ~2%
            ??
            1.02^100 = 7.24
            … und dies entspricht in Etwa dem Produktivitätsfortschritt der REALwirtschaft
            => Die Eichung auf Gold kommt zu plausiblen Ergebnissen
            ABER da ist NOCH ein Problem:
            ?
            Es gibt auch sehr viel FIAT-Gold
            … an der COMEX
            … mit einer realen Golddeckung von ~1%

        • Claire Deneuve sagt:

          Ackermann: Seit 2000 stiegen zwar die Schulden von rund 87 Bio auf 246 Bio weltweit, also um fast 160 Bio, aber im gleichen Zeitraum wurde für 278 fixed Capital Formation geschaffen (Produktionsmittel, Real Estate, Infrastruktur) und dieses ist ebenfalls nach Abschreibungen noch um die 160-170 Bio Wert plus ein paar Dutzend Bio für den Restwert (va. Land).
          .
          Das Problem ist einfach, dass solch ein hoch verschuldetes System keine hohen Zinsen mehr erträgt, da diese durch das BIP erarbeitet werden müssen (auch wenn sie nicht dazugezählt werden) Das ist der aktuelle Knackpunkt, darum haben wir schon vielerorts Null-& Negativzinsen.
          .
          Die Schuldenzunahme ging also primär in Fixed Capital Formation und wurde nicht alles einfach irgendwie ausgegeben. Papierliwender leiben Fixed Capita

          • Markus Ackermann sagt:

            Nöö, Frau Deneuve
            Sie unterscheiden nicht zwischen der Bewertung in Büchern durch Papierli-Wender (zB securisation durch Banken, Versicherungen, Buchhalter) und dem Wert zum Liquidationswert
            ???
            Ich verkaufe Ihnen meinen Bleistift für 160 Bio. und KREDITIERE Ihnen den Kaufpreis. Jetzt haben WIR BEIDE ein Vermögen von je 160 Bio.
            … PLUS SIE haben Schulden
            ??
            Sie haben einen Bleistift für 160 Bio. und ich habe eine Forderung gegen Sie für 160 Bio.
            … die Sie als Schuld anerkennen
            … Solange Ihre Schuld NICHT liquidiert wird (also zum LIQUIDATIONSWERT gegen Waren liquidiert wird) bleibt MEIN Vermögen bei 160 Bio.
            … Solange Sie ihren Bleistift nicht zum Liquidationswert verkaufen, behält Ihr Bleistift seinen Wert von 160 Bio
            … DAS unterscheidet Bewertung vom Wert
            qed

          • Markus Ackermann sagt:

            Sie haben recht, „dass solch ein hoch verschuldetes System keine hohen Zinsen mehr erträgt, da diese durch das BIP erarbeitet werden müssen“
            Aber ist noch viel schlimmer
            ???
            Es gibt auch kein reales BIP, also keine reale Wertschöpfung, die den „Gläubigen“, also den GläubigeRn es als realistisch erscheinen lässt, dass sie mit ihren Forderungen (oder Renten) KÜNFTIG REALE Wertschöpfung (Waren) erwerben können
            … zB Brot für ihre gesparten Pensions-CHF
            …. entweder weil es zu einer Währungsreform
            …. oder zu einem Forderungsverzicht
            …. oder zu Inflation
            kommt.
            DARUM haben sich die Ausbeuter bereits IM VORAUS mit Realwerten (zum Liquidtionswert!) vollgestopft
            … und übergeben die faulen AAA-Securities einem Greater Fool.
            2006ff waren Greater Fools zB dt. Landesbanken

          • Markus Ackermann sagt:

            von wg „Die Schuldenzunahme … wurde nicht alles einfach irgendwie ausgegeben“
            In Analogie zu einer Firma gleicht dann das BIP ZUGLEICH einer Bilanz und einer Erfolgsrechnung.
            ???
            Der Kapitalist zahlt Lohn an seine Arbeiter, deren Werkstücke zum grösseren Teil im selben Jahr verkauft wird und zum kleineren Teil als Vorräte bewertet und GELAGERT werden für das Folgejahr.
            DIESE Vorräte (Waren, Halbfabrikate) können als REALE Deckung für Kredite dienen. Der Schuld stehen REALE Waren gegenüber und können zum Liquidationswert liquidiert werden.
            In den letzten Jahrzehnten ist aber ein immer grösserer Teil des BIP SOFORT als Dienstleistung „verdampft“. Soweit solche Dienstleistungen unproduktiv sind, haben sie oft KEINEN Wert für KEINEN Kunden.
            REALE Deckung bei Schulden?

          • Claire Deneuve sagt:

            Ackermann: Bei der Capital Formation sind in erster Linie die Gestehungskosten für Arbeit, Material entscheidend und nicht der Marktwert.
            Sie erinnern sich G+C+I+(X-Imp) und das I ist hier das Entscheidene in der Formel.
            Bleistifte gehören nicht zu I sondern zu C oder G (oder allenfalls zu X oder Imp)!
            Ich habe schon einige Capex Firmenformulare ausgefüllt und Bleistifte waren nie dabei!
            .
            Ja öffetenliche Infrastruktur wie eine NEAT kann man nicht verkaufen, aber trotzdem hat sie einen grossen volkswirtschaftlichen Wert.
            Oder China – als Capital Formation Weltmeister mit zw. 40-50%, das China 2019 ist nicht mehr das China 2000 — da wurde doch gewaltig was gebaut – gut die Schulden sind auch gewaltig gestiegen.
            Capital Formation wirft ja dann in der Regel meist Erträge ab!

          • Claire Deneuve sagt:

            Dass in den Nullerjahren mit Securisation und schlechten Hypobonitäten viel Schindluder getrieben wurde, darüber müssen wir nicht streiten.
            Zudem waren jene Ereignisse mitunter ein Auslöser der heutigen Schuldenkrise resp. haben die schon vorhandene Schuldenproblematik massiv verstärkt mit all den Hilfsprogrammen, neben den hausgemachten Problemen in der EU und mittlerweile sind wir bei Null- und Minsuzinsen, weil ansonsten das System implodieren würde, eben u.a. weil auch viel in Capital Formation investiert wurde auf Schulden und die Schuldenberge so angewachsen sind.
            .
            Mittlerweile haben die weltweiten Zentralbanken 30-35% aller Staatsschulden in ihren Büchern, aber ich kann mir vorstellen, dass es dereinst auch mal 80-90% sein könnten – praktisch zinslos versteht sich.

          • Markus Ackermann sagt:

            Ja, Frau Deneuve.
            G+C+I+(X-Imp):
            -> Wie werden diese Positionen BEWERTET (idR durch Papierli-Wender) und
            -> was ist ihr LiquidationsWERT im Austausch gegen REALE Waren (also nicht im Austausch gegen Geld oder Schulden/Hypotheken), insb. bei den Investitionen (I)
            -> Wie hat sich der Anteil der sofort „verdampften“ Dienstleistungen bei der Bewertung der einzelnen Positionen in den letzten Jahrzehnten entwickelt
            …. denn was sofort verdampft ist, steht als Liquidationswert nicht mehr zur Verfügung, obwohl Papierli-Wender diese Anteile weiterhin in der Buchhaltung / Bewertung fortschreiben wollen
            Bsp: Baubewilligungskosten, Notariatskosten, die meisten Kosten von Papierli-Wendern
            .
            Böses Erwachen:
            zB Immobilienkrisen Savings & Loan 1980 und 1990
            REALER Liquidationswert

          • Anh Toàn sagt:

            Der reale Liquidationswert aller produzierten Güter ist früher oder später Null, solange man die Entsorgungskosten externalisieren kann: Als man den alten Kühlschrank noch im See oder Wald entsorgen konnte: Ohne Externalisierung von Kosten, ist der Liquidationswert aller produzierter Güter früher oder später negativ um die Entsorgungskosten.

          • Anh Toàn sagt:

            „sofort verdampfte Dienstleistung“ zu „realem Wert in Waren“

            Wenn ein Haus gebaut wird, leistet der Architekt Dienste, dessen Arbeit verdampft sofort: Wissen Sie was, ohne die Arbeit des Architekten, ist die Arbeit des Sanitärinstallateurs, des Maurers, des Schreiners, des Elektrikers, wertlos. Und ohne Gesetze und Gerichte, Verwaltungsbehörden die das Eigentum des Bauherrn schützen, und die gegenseitigen Ansprüche der Arbeitleistenden und der Materiallieferenden und des Bauherrn, gäbe es keine arbeitsteilige Wirtschaft, der Bauherr würde sein Haus aus Steinen, Holz und Blättern bauen oder in eine Höhle ziehen.

            Jede Hochkultur hatte eine „aufgeblasene Bürokratie“.

        • Taric Trent sagt:

          Ackermann: Man kann nicht einfach arbeiten und hat dann Wert, und dauerhaft ist der auch überhaupt nicht, sogar wenn die Ware nicht zerfällt und bis in alle Ewigkeit ihre Nützlichkeit behält. Ob sich die Dienstleistung (Arbeit) physikalisch manifestiert oder nicht, macht für die Wertschöpfung auch nichts aus.

          • Markus Ackermann sagt:

            @Taric Trent
            Denken Sie noch einmal darüber nach: Die Alternative wäre: jeder in unserer Gesellschaft schafft Wert durch atmen und verdauen … NUR … atmen und verdauen
            … Oooohhhhmmmm

          • Taric Trent sagt:

            @Ackermann, sie haben mich nicht verstanden. Ich habe mich nicht gegen Arbeit als Quelle des Werts gewandt, sondern gegen ihre übervereinfachte Bestimmung, deren Konsequenzen ich benannt habe. Besonders weil sie Marx nennen, der die Bestimmungen dieser Arbeit wissenschaftlich gefasst hat -> Arbeitswertlehre von Marx. Sie sind in der Frage bei Smith stehengeblieben.

          • Markus Ackermann sagt:

            @Taric Trent
            Nöö.
            1. Marx baut auf Adam Smith auf
            2. Für Marx ist die Ware eine „vergegenständlichte Arbeit“. Auch hier widerspreche ich Marx nicht
            3. Falsch liegt Marx mit seinen daran anknüpfenden Theorien, zB
            Mehrwerttheorie
            Preistheorie
            Das sind Kopfgeburten, die mit der Realität nichts zu tun haben: In einer Wettbewerbswirtschaft wird der geschaffene Wert über den Preismechanismus rational via Transaktionen auf die Nachfragenden verteilt (siehe oben das Beispiel China) und die Kosten werden gesenkt
            …. weil niemand Leistungen von Papierli-Wendern kauft, die NICHTS WERT sind und für solche parasitären AusbeuterINNEN deshalb kein Platz bleibt
            …. PRÄZIS DARUM können diese nur via regulativem Zwang (zB Anwaltsmonopol, Einfuhrzölle) ausbeuten
            Alternative: Korruption

          • Markus Ackermann sagt:

            „all those laws which restrain … the competition to a smaller number than might otherwise go into them … are a sort of enlarged monopolies and may frequently … keep up the market price … above the natural price, and maintain both the wages of the labour and the profit of the stock employed about them somewhat above their natural rate. Such enhancements of the market price may last as long as the regulation of police which gave occasion to them.“
            Adam Smith, Wealth of Nations, Book I, Chapter VII
            .
            PRÄZIS DARUM nutzen Konzerne zB EU-Regulationen zum Zweck der Ausbeutung der KonsumentINNEN in der EU und
            PRÄZIS DARUM muss die EU im Dienste dieser Konzerne jede demokratische Kontrolle durch die KonsumentINNEN verhindern
            … sonst würden die KonsumentINNEN sich wehren

          • Taric Trent sagt:

            @Ackermann: Nochmals ihr Zitat:

            „Der Kapitalist beschäftigt Arbeiter gegen Lohn, diese bearbeiten Werkstücke, die dadurch DAUERND mehr wert werden.“

            Ist das nicht so zu verstehen, dass sie meinen, konkrete Arbeit sei wertschöpfend? Ja oder Nein? Falls Ja: Was ist nun, wenn ein Konkurrent einen Webstuhl einsetzt und die Werkstücke mit einem Viertel der Arbeiter herstellen kann? Was passiert dann mit dem Wert des Werkstücks, das ja gemäss ihnen (und von ihnen behauptet: Marx) DAUERND mehr Wert ist? Ich glaube soweit nicht, dass wir beide nur ein Missverständnis haben.

          • Markus Ackermann sagt:

            @Taric Trent
            1. Ja, der Einsatz von Kapital kann Arbeit ersetzen.
            Marx sah NUR die Arbeit als Produktionsfaktor.
            Smith sah auch das Kapital als Produktionsfaktor an.
            ABER: das Kapital (in Ihrem Bsp.: der Webstuhl) ist das Ergebnis von Arbeit (derjenigen, die den Webstuhl bauten und dafür Lohn erhielten).
            2. Just vor ~100 Jahren (1914) führte Henry Ford eine damals drastische Lohnerhöhung ein: 5 US$/week, eine Verdoppelung der damaligen going rate
            …. weil die Produktivitätssteigerung der Fliessband-Arbeit dies ermöglichte, also eine Kombination von 2 Produktionsfaktoren: Kapital und Organisation
            … und dies ist in der Definition von Adam Smith productive labour, weil DIESE Arbeit PRÄZIS NICHT verdampft
            3. Via Preismechsnismus konnte der Mittelstand einen Ford T kaufen

          • Markus Ackermann sagt:

            korrigiere: 5 US$ per day

          • Taric Trent sagt:

            Ackermann: Jetzt vermischen sie schon Produktionsfaktoren und Wertquellen obwohl sie mich ein paar Beiträge vorher noch selbst darüber aufklären wollten. Ich lasse mal gut sein und wünsche weiterhin frohe Beschäftigung mit den Klassikern.

          • Markus Ackermann sagt:

            Ziel der Produktion ist es, Werte zu schaffen
            … die verbraucht oder akkumuliert werden: Wealth of Nations (= Wohlfahrt)
            Die Transaktion beschreibt was wie passiert. Der Preismechanismus sorgt für Rationalität.

  • Claude Fontana sagt:

    Also als Consultant können sie sich ohne jegliches Diplom bezeichnen. «freiberuflicher Zertifizierungsauditor» tönt gut , das nehm ich. Viel Einfluss, wenig Verantwortung, Privatwirtschaft. Muss einträglich sein.
    Sicher ein Absoluter Bullsh**-Job. Aber Hauptsache, es kommt Geld rein. was braucht man da? Buchhaltung für fortgeschrittene? Ein Weisses Hemd, und Bundfaltenhosen?
    Irrtum, wenn sie bei den „Big Four“ angestellt werden ist man dort erstaunt, wenn sie 80% zutreffende Zertifizierungen erreichen. Der durchschnitt liegt nämlich tiefer. in den USA wurden sogar bis zu 50% Fehlzertifizierungen durch sie festgestellt.

Kommentar

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