Italien kommt nicht vom Fleck

NMTM

Die Wirtschaft stagniert: Baustelle in Rom. Foto: Alessia Pierdomenico (Getty)

Das Ergebnis der italienischen Wahlen ist alles andere als überraschend, wenn man die ökonomischen Daten betrachtet. Seit bald zwanzig Jahren kommt die Wirtschaft kaum vom Fleck. Auch die jüngste Konjunkturaufhellung in Europa ändert wenig an der italienischen Tristesse. Um die jahrelange Stagnation zu überwinden, wäre ein überdurchschnittliches Wachstum erforderlich. 2017 wuchs die Wirtschaft nicht einmal um zwei Prozent, wie die neusten Daten von Eurostat zeigen (Quelle).

Die folgenden beiden Grafiken dokumentieren das Ausmass der Stagnation. Sie zeigen die Entwicklung des realen BIP und des realen BIP pro Kopf. Letzterer Wert liegt immer noch unter dem Niveau von 2000. Man kann also durchaus von zwei verlorenen Jahrzehnten sprechen.

Was sind die Gründe für die italienische Schwäche? In der Regel gibt es bei einer Diskussion zwei Lager. Das erste Lager ist überzeugt, dass strukturelle Probleme entscheidend seien: unflexibler Arbeitsmarkt, starres Lohn- und Preissystem, dysfunktionales Bildungssystem, geringe private Ausgaben für Forschung und Entwicklung, die veraltete Industriestruktur. Das zweite Lager betont die schädliche Rolle des Euro. Wie Griechenland sei Italien ein Verlierer der Währungsunion. Um seine preisliche Wettbewerbsfähigkeit zu bewahren, müsste Italien eine deutlich schwächere Währung als heute haben.

Hohe Lohnstückkosten

Mir hat nie eingeleuchtet, warum sich die beiden Lager immer wieder heftige Rededuelle liefern. Oft geht es um eine fast schon religiöse Frage: Bist du für oder gegen den Euro?

Die Wahrheit ist doch, dass sich die beiden Sichtweisen gut ergänzen. Italien hat ohne Zweifel grosse strukturelle Probleme. Aber genau deswegen war der Beitritt zur Währungsunion ein kapitaler wirtschaftspolitischer Fehler. Nur wenn ein Land über eine hohe Flexibilität verfügt – wie zum Beispiel die baltischen Länder –, ist es in der Lage, den realen Wechselkurs über Lohn- und Preissenkungen zu schwächen. Wenn aber diese Flexibilität nicht gegeben ist, verschärft die Euromitgliedschaft die strukturellen Probleme.

So sind die Löhne in Italien seit Ausbruch der Eurokrise 2010 nicht gesunken. Damit sind auch die Lohnstückkosten gegenüber Deutschland nicht wesentlich zurückgegangen. Italien bleibt nach wie vor zu teuer im Verhältnis zu seiner wirtschaftlichen Produktivität.

Rekordhohe Staatsschulden

Wie weiter? Eine Möglichkeit wäre, aus der Währungsunion auszutreten. Dafür gibt es aber keine Mehrheit, weil die Angst vor dem Unbekannten grösser ist als die Mühsal mit den bestehenden Verhältnissen. Das ist gut zu verstehen. Ein Austritt birgt kurzfristig enorme Risiken. In Griechenland schreckte Tsipras 2015 genau aus diesem Grund vor einem Austritt zurück. Das machte ihn erpressbar, sodass er heute Vorlagen bringen muss, die das Demonstrations- und Streikrecht in Griechenland eindämmen. Mit linker Politik hat das nichts mehr zu tun.

Die andere Möglichkeit wäre eine grundlegende wirtschaftspolitische Reform. Doch dies ist genauso unrealistisch, mindestens in der kurzen Frist, denn die Veränderung des Bildungssystems oder die Erhöhung der privaten Ausgaben für Forschung und Entwicklung lassen sich nicht von einem auf den anderen Tag beschliessen und umsetzen.

Bleibt nur noch die Hoffnung, dass die EZB die Zinsen möglichst lange tiefhält, damit der Staat die steigenden Schulden bedienen kann. Mittlerweile befinden sich die Staatsschulden in Prozent des BIP auf einem Höchstand – höher als Mitte der 1990er-Jahre.

Wie schwierig die Lage Italiens geworden ist, lässt sich unter anderem daran ablesen, dass immer mehr Leute dem Land den Rücken kehren. Vielleicht wird die verbesserte konjunkturelle Situation die Auswanderungsrate etwas bremsen. Aber am Trend dürfte sich in den nächsten Jahren wenig ändern, wie eine Grafik der «Financial Times» zeigt (Quelle):

Der Aufstieg der Protestparteien war demnach nur eine Frage der Zeit. Sie werden aber auch wenig an den grundlegenden Problemen Italiens ändern können. Mit weiteren politischen Verwerfungen ist zu rechnen.

89 Kommentare zu «Italien kommt nicht vom Fleck»

  • Christian Müller sagt:

    Wer der Meinung ist, dass alles eine Frage von „strukturellen Problemen“ (das Wortkonstrukt ist nichts anderes als eine blumige Umschreibung von: die Löhne sind zu hoch und der Kündigungsschutz ist zu stark) sei, müsste irgendwie zeigen können, dass diese erst 1999 begonnen haben. Tatsächlich kamen die Italiener mit denselben „strukturellen Problemen“ aber gut zurecht, solange sie eben die Möglichkeit hatten, die Lohnstückkostendifferenzen über die Abwertung der eigenen Währung laufend anzupassen.
    Wären in Deutschland und im Norden wirklich Europäer des Herzens (und nicht nur der Worte) im Amt, wäre es klar, dass die Anpassungen des über 20 Jahre aufgelaufenen Unterschieds in der Wettbewerbsfähigkeit von 20-30% nicht allein dem Süden plus Frankreich aufgetragen werden kann.

  • Hans Hödli sagt:

    Ist mir unerklärlich weshalb Ökonomen immer schwaches Wachstum und Stagnation bemängeln. Auch die CH und Japan haben schwaches Wachstum, trotzdem sind sie die wirtschaftsstärksten Nationen mit noch vorhandenen Mittelschichten im Gegensatz zu D.
    Stagnation hat Vorteile, tiefe Zinsen freut die Aktienmärkte sowie die Bodenbesitzer dank hoher Bodenpreise in den Zentren, die Renditesklaven profitieren dafür von tiefer Inflation und vergleichsweise tiefer Arbeitslosigkeit. Tiefere Arbeitslosigkeit in den USA geht dagegen nicht ohne Inflation und höhere Zinsen, das ist der Nachteil von handelsdefizitären Ländern; Italien gehört nicht dazu. Und D hat nur tiefe Arbeitslosigkeit dank Massenprekariat ausserhalb der Statistik.

    • Jan Svoboda sagt:

      von wegen,die tiefere Arbeitslosigkeit in den USA ist reine Fiktion,die Bevölkerung wächst um mindestens 2.5 Millionen pro Jahr, damit kann der Jobmarkt kaum mithalten, gleichzeitig sind die neu geschaffenen Jobs zu 80% im Tieflohnsegment. Alles nur Statistikakrobatik, man mus nur die Revisionen der Zahlen nach einigen Monaten beachten, spätestens Ende Jahr werden die Zinsen wieder sinken.

  • Peter Sieber sagt:

    Die Strukturprobleme sind das eine, aber, und ich erinnere mich noch an einen Artikel vor der Einführung des Euro, eine Einheitswährung kann nicht funktionieren. In dem Artikel wurde sogar von der Möglichkeit eines Krieges wegen des Euro gesprochen. Alle Volkswirtschaften, welche unter dem Euro leben müssten theoretisch die genau gleichen Gesetze, Vorschriften, Produktivitätsgewinne etc haben, damit die Bewertung stimmt. Dies ist sicherlich nicht der Fall, denn u.a. unterschiedliches Arbeitsrecht und -Gewohnheiten führen dazu, dass die bei der Einführung vorgenommene Bewertung heute nicht mehr korrekt ist.

    • Jan Svoboda sagt:

      richtig aber das Wichtigste haben Sie nicht erwähnt, den Kreditmarkt und Zinsen, der Hauptgrund warum solche Währungsunion nie funtioniert wird, die EZB kann für die völlig unkompatible Wirtschaftsräume keine unterschiedlichen Zinssätze setzen, das heisst entweder entsprechen die Sätze den Ländern im Norden oder im Süden, aber nicht allen, die zu tiefen Sätze verleiten dann Länder wie GR oder ES zu kopfloser Verschuldung ( ist ja soo billig) was dann zu Kredit- und Immoblasen führt.Umgekehrt würden die höheren Sätze die Konjunktur im Norden abwürgen.

      • Rolf Zach sagt:

        Ich will nicht wiederholen, was ich da jahrelang geschrieben habe, dass der € eine Reservewährung ist und bleibt und er hat eine Zentralbank, dass ist das wesentliche! Haben Sie sich einmal mit der Währungsgeschichte des Schweizerfrankens befasst, dann wissen Sie, was sich meine?
        Natürlich hat es am Anfang an richtiger Banken-Aufsicht in einem Teil der Länder der €-Zone gefehlt, aber wie war es in den USA und der Schweiz, dort hatten wohl die Behörden vor 2008 die Sachlage zusammen mit ihren Zentralbanken zu 100 % im Griff. Wenn es nach Ihren Überlegungen ginge, hätte man zum Beispiel einen Florida $ und einen Vermont $ einführen sollen und in der Schweiz einen Thurgau CHF und einen Zürich CHF.

        • Hans Hödli sagt:

          Nein, der wesentliche Unterschied im Eurosystem zu USA / CH ist die Tatsache, dass alle Mitglieder ihre nationalen Notenbanken behalten haben, diese haben zwar keine Kompetenz in der Geldpolitik dürfen dafür nach Belieben Geld drucken resp. eigene Staatsbonds aufkaufen. So ermöglichte dies eine massenhafte Kapitalflucht reicher Griechen während das Fussvolk rationiert wurde. Wenn die Euroturbos die europäische Integration ernst nehmen würden müssten sie sofort alle nationalen Notenbanken verbieten. Diese bleiben aber für die Staaten eine heilige Kuh weil sie ein Symbol vermeintlicher Souveränität darstellen.

        • Jan Svoboda sagt:

          Herr Zach,Sie leben in einer Fantasiewelt,die Geschichte des Dollars bis 1913 und zum Teil noch bis 1971 war eine Geschichte einer mit Metal gedeckten Währung, und ähnlich liegt es beim Schweizerfranken bis zur Annahme der neuen Verfassung in 1999, und Gold war genauso Gold in Florida oder Utah. Aber seit 1913 und spätestens nach 1971 haben die Amis ein Scheeballsystem,besser gesagt eine legalisierte Geldfälschung, ditto die übrigen Länder. Diesen Unterschied schienen Sie nicht zu verstehen und der grösste Lacher ist ihre Behauptung, die Zentralbanken hätten etwas im Griff, der Grundstein der heutigen Krisen haben sie Jahre vor 2000 gelegt, eigentlich sind sie längst irrelevant, aus dieser Ecke kommen sie nicht mehr raus.

          • Rolf Zach sagt:

            Wissen Sie, ich habe über das amerikanische Geldsystem gelesen, ich weiß über was ich spreche. Zum Beispiel war in den südlichen Kolonien des 18. Jahrhundert der Brauch, Tabakblätter als Banknoten Deckung zu missbrauchen. Es wird immer den Leuten eingetrichtert, der Goldstandard vor 1913 sei Jahrhunderte alt. Das stimmt nicht, auch nicht in der Schweiz. Übrigens, Milton Friedman, den ich nicht mag, hat darüber sein Standardwerk geschrieben. Die FED gibt es übrigens erst seit 1913.

          • Linus Josef Anton Huber sagt:

            Lieber Rolf, es ist bedeutungslos, welche Naturalien etc. man zur Gelddeckung benutzte, sondern die Frage liegt einzig darin, ob und zu welchem Ausmass eine Währung entwertet wird und damit der Umverteilung dient. Ja, es gab auch früher immer wieder Scharlatane, welche die Währungen z.B. um Kriege zu führen machtanmassend entwerteten und es endete quasi immer desaströs. Solchen Machtgelüsten steht ein gelebter Goldstandard im Wege indem er Machtkonzentration schwächt.

          • Maiko Laugun sagt:

            @Linus Huber:

            „Lieber Rolf, es ist bedeutungslos, welche Naturalien etc. man zur Gelddeckung benutzte,..“

            Da haben Sie absolut recht. Es spielt keine Rolle, ob es sich bei den „Naturalien“ um Gold oder Kafirahm-Deckeli handelt. Es geht nur um den Glauben daran, gell Huberchen?

          • Maiko Laugun sagt:

            Viellicht sind ja Briefmarken die Lösung, um eine „Umverteilung“ von unten nach oben zu verhindern?

          • Maiko Laugun sagt:

            Die Briefmarken müssten allerdings NATIONAL geprägt sein, weil alles andere der freien Marktwirtschaft widersprechen würde. Am besten mit Heidi und dem Matterhorn drauf. Dann kommt alles gut.

  • Monique Schweizer sagt:

    Immerhin sind die privaten Haushalte in Italien mit 41.4% oder 800 Mrd U$ bei einem Wohneigentumsanteil von 72.3% nicht so stark verschuldet wie viele andere Länder (wie z.B. die Schweiz mit 127.5%/BIP (Weltrekord))
    .
    Solange das Dach über dem Kopf einigermassen sicher ist, kann man auch mit einem Teller Spagetthi und einem Tischwein noch einigermassen gut vor dem italienischen Idiotenfernsehen überleben.
    Für die Jungen bis 45 gibts das Hotel Mama mit All-Inclusive Service und ansonsten braust man zur Zerstreuung etwas mit der Vespa um die Piazza. Und mit dem tiefsten Akademikeranteil (nur rund 19%, die dafür zu einem grossen Teil mit dem Punktemaximum von 110 Punkten) in ganz Europa kommen die Italiener auch nicht zuviel ins Grübeln oder auf dumme Gedanken.

    • Rolf Zach sagt:

      Wie geht es den ausgesteuerten Arbeitslosen in der Schweiz? Angeblich viel besser! Wir sind ja das Schlusslicht in Europa, was der Anteil Eigenheim-Besitzer betrifft, 42,5 % (wieder abnehmend).
      Als Ausgesteuerter muss man bis auf 6’000 Franken das ganze Vermögen abgeben, bevor man Sozialhilfe bekommt. Im Kanton Zürich ist es wie folgt. Sie sind ein ehemaliger Vizedirektor einer Bank und finden keine Arbeitsstelle mehr. Sie haben aber eine Mietwohnung zu 4000 Franken in einer renommierten Vorortsgemeinde der Stadt Zürich.
      Sie erhalten nie das Geld, um diese zu behalten.
      Sie ziehen dann an die Hohlstrasse in Zürich für eine billige Wohnung. Man kann raten, welche Gemeinde diesem Mann weiterhin Sozialhilfe zukommen lässt.

      • Hans Hödli sagt:

        Das bezweifle ich. Der holt sich seine FZL von 2 Mio und geht auf eine Alp wo er sich selbstverwirklichen kann. Oder dann geht er in die Karibik oder so.

      • Hans Hödli sagt:

        Ich finde das immer rührend wie Herr Zach sich stets um die bemitleidenswerten Bankangestellten des mittleren Kaders sorgt.

      • Monique Schweizer sagt:

        Zach: Auch in der Hohlstrasse finden Sie auf dem freien Markt keine günstigen Wohnungen mehr, da wird der Ex-Banker wohl eher in der Agglo fündig.
        4000 Fr. ist meines Wissens der Vermögensbetrag auf den sie abbauen müssen, bis man SoHi bekommt.
        Ein Bankvizedirektor der sich keine grösseren Reserven zugelegt hat, ist einfach ein Konsumidiot und verdient es nicht besser! Man weiss ja schliesslich wie schnell man in der Finanzindustrie als älterer Kadermitarbeiter seinen Job verlieren kann, wenn die jungen hungrigen Talente nachrücken!
        In der Regel gibts dann in der Finanzindustrie auch noch sechsstellige Abfindungen und/oder Lohnfortzahlungen etc

  • Paul Meier sagt:

    Italien hat viele Probleme, die es seit Generationen vor sich her schieben konnte durch die regelmässigen Abwertungen. Seit der Einführung des EUR ist das nicht mehr möglich. Sind wir ehrlich – Kohl hat aus der EGW eine geniales Konstrukt für das Wohlergehen der deutschen Elite geschaffen: mit der EU und seiner Personenfreizügigkeit ist dafür gesorft, dass Deutschland genügen billige Arbeitskräfte erhält und so die Löhne tiefhalten kann und mit dem (billigen) EUR ist dafür gesorgt, dass die deutschen Exporte brummen. Die Gelackmeierte n sind der deutsche Mittelstand und der Rest der EU…

    • Rolf Zach sagt:

      Wie ist dies mit den deutschen Touristen des Mittelstandes, die der Goethe-Verherrlichung nachgehen und das Land besuchen, wo die Zitronen blühen? In welcher Währung zahlen diese ihren Kaffee in Rom und Palermo und mit welcher Währung zahlen sie im teuren München.
      Ich als Schweizer Tourist in Mailand kann mich dann aber über meine Bank ärgern, die mir nicht gerade einen preiswerten Umrechnungskurs gibt, für den Euro, denn ich aus dem Geld-Automaten dort beziehe.
      40 % der deutschen Exporte gehen in die €-Zone (weitere 20 % in die übrige EU/abgerechnet in €).
      Meint man wirklich, die deutsche Wirtschaft wolle den ursprünglichen Zustand wieder haben.
      Habe nie einen Artikel betreffend den Einsparungen im Währungsaustausch lesen können.

  • Kurt Engel sagt:

    Warum raffen das die Politiker nicht. Es ist doch offensichtlich, dass der Euro für etliche Staaten eine Katastrophe ist, selbst dann, wenn AM den ganzen Unsinn bezahlt.

  • Bo. Zett sagt:

    Ziehen wir doch die Moeglichkeit in Betracht, dass beide Ansichten korrekt sind. Das fehlende Glied um den vermeintlichen Widersrpuch zu loesen, heisst LIRA. Mit der Lira war es moeglich die fehlenden Produktivitaetsfortschritte – verursacht „unflexibler Arbeitsmarkt, starres Lohn- und Preissystem, dysfunktionales Bildungssystem, geringe private Ausgaben für Forschung und Entwicklung, die veraltete Industriestruktur“ mit Abwertung zu kompensieren. Das heisst im Klartext, die desolaten italienischen Umstaende sind Schuld am fehlenden Fortschritt, der Euro ist die Ursache der fehlenden Moeglichkeit abzuwerten

    • Anh Toàn sagt:

      „Mit der Lira war es moeglich die fehlenden Produktivitaetsfortschritte – verursacht „unflexibler Arbeitsmarkt, starres Lohn- und Preissystem, dysfunktionales Bildungssystem, geringe private Ausgaben für Forschung und Entwicklung, die veraltete Industriestruktur“mit Abwertung zu kompensieren.

      Statt „Mit“ ganz am Anfang schreibe ich Dank und am Schluss statt „mit Abwertung zu kompensieren“ zu zementieren.

      Mich würde interessieren, wer dafür bezahlt hat, oder ist Abwertung ein „free lunch“?

      • Hans Hödli sagt:

        Selbstverständlich ist Abwertung ein free lunch, sieht man bei den Amis seit bald 50 Jahren. Die Free Lunch Geber sind immer die Gläubiger. Wer sich dagegen nicht in eigener Währung mehr verschulden kann muss halt den Gürtel enger schnallen, wie es sich für anständige verantwortungsvolle Sparer gehört, spare in der Zeit so hast du in der Not (dafür halt vielleicht kein deutsches Auto mehr); andernfalls muss man halt einen FW Kredit erbetteln gegen sogenannte Strukturanpassungen und Privatisierungen.

        • Anh Toàn sagt:

          Nur bei den Amis bezahlt das Ausland den Lunch.

        • Anh Toàn sagt:

          E sind auch nicht nur die Gläubiger. Die Arbeitnehmer arbeiten ja nicht weniger hart, weil die Währung schwach ist. Sie können sich aber als Konsumenten nur die einheimischen Produkte leisten. Eben die, welche sich auf dem Weltmarkt nur dank einer schwachen Währung, eben billig verkaufen lassen. Das bessere Zeugs, dass sich die Arbeitnehmer anderer Länder mit stärkeren Währungen leisten können, an das kommen sie nie ran. (Und wenn sie mit Verrenkungen kämen, wird es besteuert, damit sie nicht rankommen)

        • Hans Hödli sagt:

          Hat man nicht den Dollar gilt folgendes:
          Wenn man längerfristig real mehr konsumiert als man selbst produziert geht das nur mit Lohnniveau über dem Produktivitätsniveau und damit mit Inflation, steigenden Zinsen und steigender Aussenverschuldung. Schliesslich braucht man FW Kredite und aus dieser Falle gibt es kein Entrinnen mehr. Was ist die Lösung:
          1. Erhöhung des eigenen Kapitalstocks, das hat aber mit FW Krediten allein noch nie geklappt
          2. Gürtel enger schnallen und auf den westlichen Konsumschrott verzichten.
          3. Transferausgleichsmechanismen, Subventionen, Entwicklungshilfe – diese Massnahmen zementieren allerdings die lokalen Herrschaftsverhältnisse mehr als dass sie nützen (Strukturerhaltung)

  • Tom Maier sagt:

    Italien hat Probleme welche nach 2. Welt land tönen; – organisierte Kriminalität und Korruption, dazukommend die Tendenz dem Staat möglichst wenig zu geben und möglichst viel zu nehmen. So kann es nicht funktionieren im Rahmen der europäischen Nachbarn. Ein Wunder steht Italien überhaupt da wo sie heute sind, die Frage müsste also nicht lauten „Wiso läuft die Wirtschaft so schlecht?“ sondern „weshalb läuft die Wirtschaft unter diesen Bedingungen überhaupt in irgend einer Form“. Schade um dieses Land, liebe Menschen, einmalige Kultur.

  • andy sagt:

    Die Löhne in DE müssten angehoben werden, um das italienische Wettbewerbsproblem auch zu entschärfen, nebst dem das in DE selbst ja alles andere als rosige Einkommensverhältnisse im Ganzen herrschen.

  • Marco Curti sagt:

    Es gibt eine Region in Europa, die seit Jahren boomt, deren Arbeitslosigkeit tiefer ist als in der Schweiz, deren Wohlstand hoch ist – sie liegt in Italien, hat den Euro und sie heisst … Südtirol! Es kann nicht am Euro liegen, sondern an strukturellen Problemen (Bildungssystem, fehlende Innovationsfähigkeit, Korruption/Mafia etc.), dass es im südlichen Teil Italiens nicht vorwärts geht. PS: Mit Statistiken und Graphiken zu Gesamtitalien zu argumentieren bringt nichts, es gibt 2 Italien und die sollte man analytisch immer trennen.

    • H.Schmid sagt:

      @Marco Curti, (selbsternannter) Revoluzzer und Historiker:

      Das Argument mit Südtirol ist dermassen skurril, dass man annehmen könnte es handle sich um schlecht geratenen Sarkasmus (weil ökonomisch inkompetent)

      Leider wissen wir ja, dass der Hintergrund solcher sinnfreien Fabulierungen der ist für den Euro in der Schweiz zu werben (darum auch der sinnfreie Vergleich mit dem Schweizer Arbeitsmarkt)

      Nichts neues: In der Vergangenheit war ein „Grund“ für den Beitritt (TalkTäglich), dass für Sie als CIO der ZKB der EURCHF Kurs so schwierig zu prognostizieren sei. (Das verdutzte Gesicht von Rene Zeyer dabei phantastisch)

      Ihre „Prognosefähigkeit“ hat ja Kultstatus …

  • glancy mueller sagt:

    gerne wiederhole ich, was seit jahrzehnten bekannt ist: solange die regierung das problem mafia nicht in den griff kriegt, bleibt italien rückständig. und ich prophezeihe, dass dies leider noch lange so bleiben wird. die krux liegt in der italienischen mentalität. zuerst kommt die familie, dann die familie und am schluss die familie. so kriegen auch die grössten loser die besten jobs. und wer aus politik und wirtschaft gut buckelt, kriegt auch sein scherflein ab. das frustriert alle möglichen talente, die italien dann den rücken kehren oder resigniert für 1000 euro monatlich schuften. es ist darum auch nicht verwunderlich, dass alle larifari-regierungen der letzten jahrzehnte nichts, absolut nichts erreicht haben. ausser stillstand und frust.

    • Kurt Otto Bruppacher sagt:

      Überdimensiale Bürokratie. Zoll Gandria 3 Zollbeamte
      Zoll Italia 24 Zollbeamte 16 Guardia-Finanzia andere
      Zollstellen das gleiche Desaster. Viel zu grosser Einfluss
      der Mafiabanden und des Vatikan. Italien ist die nächsten 20.Jahre nicht zu retten wenn es den Euro
      nicht verlässt.

  • Marazzi Marco sagt:

    Ach was! Was machen die reichen Schweizer ? Sie kaufen gute italienische Produkte … Gutes Essen, gute Musik, schöne Kleider, schöne Autos , schöne Möbel und guter Fussball … Die weniger reichen Schweizer ziehen mehrheitlich vor, sicher sehr viel zu schaffen, vermeintlich gut zu verdienen und eher schlecht zu essen … Dafür aber brummt ‚unsere‘ Wirtschaft … Ich denke, dieses Modell wird man den weitaus meisten Italienern aufzwingen müssen, was ziemlich schwierig sein wird, wie die Vergangenheit zeigt … Und das neue Personal, welcher den Ruder umschmeissen sollte, ist eher eine Garantie dafür, dass der Versuch scheitern wird … wenn’s überhaupt je unternommen wird..

  • Wolfgang sagt:

    Viele Italiener und Griechen wollen keine noch höheren Steuern zahlen und gleichzeitig keine Kürzungen des Sozialstaates und keine ( gemessen an der lauen Produktivität erforderlichen Lohnkürzungen ) ertragen und sie wollen ( besonders die Griechen ) keine Währung, welche so weich ist wie Butter in der Sonne. Das heißt sie wollen die Vorteile des € behalten, jedoch nicht die dafür erforderlichen Anpassungen erbringen

    Alles zusammen klappt nicht und somit kommen solche komischen Wahlergebnisse raus.

  • J. Kuehni sagt:

    Nochmals:

    Einen europäischen Binnenmarkt der als Wirtschaftsraum mit China und den USA mithalten kann, gibt es nicht ohne gemeinsame Währung. Zerfällt der Euro und damit die EU, werden die europäischen Nationalstaaten ohne Ausnahme zu „Rule takers“ degradiert (die Schweiz ist schon heute ein „Rule taker“, weil sie sich selbst die Mitgestaltung in der EU – wie bescheiden auch immer – versagt). Leute, die für Europa die Renationalisierung verlangen, müssen gleichzeitig auf einen kompletten Zusammenbruch des globalisierten Wirtschaftssystems hoffen, nur so sind allenfalls „Szenarien“ plausibel, in denen mittlere und kleine Staaten ihre eigenen Regeln lokal durchsetzen können.

    • J. Kuehni sagt:

      Die Nachteile, welche wirtschaftlich schwächeren Regionen in Europa durch die Einheitswährung erwachsen (immer weniger durch nationale Grenzen determiniert, wie Anh Toan unten richtig anmerkt) müssen demgemäss gegen die Nachteile eines alternativen Status als „Rule taker“ ausserhalb von EU und Binnenmarktes aufgewogen werden und können nicht einfach mit einem früher (vielleicht mal) existenten Zustand verglichen werden.

      • Linus Josef Anton Huber sagt:

        Das Ziel der Grossfirmen liegt darin, dass sämtliche inkl. demokratischen Staaten zu „rule takers“ degradiert werden und somit einzig im Namen noch Demokratien sind. Die Aufgabe der Selbstbestimmung der Bevölkerung soll durch einen zentralistischen Einheitsbrei ersetzt werden, in welchem die Regeln anhand des Lobbying durch die Grossfirmen und damit die Reichsten der Reichen bestimmt wird. Es handelt sich um eine legitime Position diesen Umstand als erstrebenswert zu betrachten und einzig die kurzfristigen materiellen Vorteile als Richtschnur zu verwenden.

        Es ist allerdings auch legitim, anderer Ansicht zu sein und die Vielfalt, Selbstbestimmung, Freiheit etc. als Werte zu betrachten, welche man auch bei temporäre Problemen nicht einfach aufgibt.

      • Linus Josef Anton Huber sagt:

        „They who can give up essential liberty to obtain a little temporary safety, deserve neither liberty nor safety.“ – Ben Franklin

        • Monique Schweizer sagt:

          LJAH: Sie meinen etwa nach dem Motto:
          Life is a bitch, you have to pay for everything, there are no free f**ks on the markets!

        • J. Kuehni sagt:

          „They who can give up essential liberty to obtain a little temporary safety, deserve neither liberty nor safety.“ – Ben Franklin

          Exakt, Herr Huber: Die Italiener (und andere) versuchen, in einer hyperglobalisierten Wertschöpfungskette ihre „essentielle Freiheit“ durch Mitgliedschaft in der EU und Eurozone aufrechtzuerhalten und verzichten dafür auf die „kleine, temporäre Sicherheit“ der Währungsabwertung zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit.

          Aus vermutlich ähnlichen Gründen half Ben Franklin im Umfeld der damaligen, eurozentrischen Kolonialglobalisierung bei der Gründung der USA mit.

          ;-))

          • Linus Josef Anton Huber sagt:

            Die „kleine, temporäre Sicherheit“ respektive die kurzfristig orientierten Vorteile gewann Italien, als es der EU und dem Euro beitrat und damit einen Anteil der eigenen Freiheit und Selbstbestimmung aufgab. Die Konsequenzen der Selbstaufgabe melden sich u.a. in der sich in diesem Artikel beschriebenen Form.

          • J. Kuehni sagt:

            Italien hat sich nicht anlässlich von EU- und Eurobeitritt „selbst aufgegeben“. Vielmehr haben sich die europäischen Nationalstaaten in zwei Weltkriegen autodemontiert und ab 1945 ein Dasein als Vasallen von zwei aussereuropäischen Hegemonialmächten geführt. Ab 1989 hat die zunehmend globalisierte Wertschöpfungskette dann auch noch den letzten Anschein von nationaler Selbstbestimmung weggefegt.

            Insofern, als Europäer im 21. Jahrhundert noch über eine normative Gestaltungskraft mit globaler Wirkungsmacht verfügen, ist dies der EU, so schwächlich sie auch immer erscheinen mag, zu verdanken.

          • Linus Josef Anton Huber sagt:

            Was heisst hier genau, sich nicht selbst aufgegeben. Natürlich haben sie damit ihre Unabhängigkeit und Freiheit marginal geschwächt. Die EU gewinnt in erster Linie an Macht und Gewicht, weil sich die einzelnen Staaten dieser Diktatur unterwerfen. Niemand bestreitet, dass Grösse der Macht zuträglich ist; aber gerade als Schweizer sollten wir wissen, dass dies nicht der einzige Faktor ist, welcher darüber entscheidet, wie gut es der Bevölkerung geht. Vielmehr ist z.B. die direkte Demokratie, welche man schrittweise zu demontieren versucht und in anderen Staaten (und anscheinend auch Ihnen) wohl als eine Art politische Verirrung betrachtet wird, von Bedeutung.

          • J. Kuehni sagt:

            Die EU ist keine Diktatur. Jedes Mitglied kann austreten, sofern der Wille zum tragen der (ökonomischen) Konsequenzen vorhanden ist. „Freiheit“ bedingt eben die Übernahme von Verantwortung und die Fähigkeit zur selbständigen Existenzsicherung, jeder Teenager muss dass irgendwann begreifen.

            Wollen Sie hier vor versammelter Blogleserschaft behaupten, bloss die Nichtmitgliedschaft der Schweiz in der EU, oder ihr „Exil“ auf den Philipinen (unter Duterte, einem Staatschef, der einem Diktator ähnelt wie ein Ei dem anderen) bewahre Sie vor der Deportation ins Umerziehungslager durch sinistre EU-Schergen für ihre Möchtegern-Résistance gegen das böse Brüssel, so wie es sich für eine REALE Diktatur gehört?

            Lächerlicher, pathetischer Blödsinn.

          • J. Kuehni sagt:

            „Aber gerade als Schweizer sollten wir wissen, dass dies nicht der einzige Faktor ist, welcher darüber entscheidet, wie gut es der Bevölkerung geht.“

            Jaja, die Schweiz, Glückskind der letzten 150 Jahre mit ewig strahlender, weisser Weste und wohlfeile Trittbrettfahrerin von Kolonialmächten und deren Plünderung des Globus genauso, wie sie heute Trittbrettfahrerin des von anderen kreierten europäischen Binnenmarktes und dessen normativer Verhandlungsmacht ist.

            Kein Grund für Vorwürfe an die Schweiz übrigens. Aber auch kein Grund zu Hybris und Verkennung der ganz und gar unheroischen Grundlagen der Existenz dieses Landes im 21. Jahrhundert.

          • J. Kuehni sagt:

            Haben Sie in der CH-Presse irgendwo davon gelesen?

            ;-))

          • Linus Josef Anton Huber sagt:

            Genau was Sie kritisieren (Plünderung des Globus, Vasallenstatus) wird nun dank erhöhter Machtkonzentration einfach effizienter organisiert. Warum verwechseln Sie Grossunternehmen, welche den Politbetrieb weltweit immer stärker ob anhand von Korruption oder Lobbying zugunsten der 0,1% bestimmen mit der schweizerischen Demokratie?

            Natürlich hecheln Regierungen und deren Politiker befürwortend für die EU, denn sie erweitert ihren Einfluss und Arbeitsmarkt. Nur hat dies wenig mit dem Volkswillen und wirklicher Demokratie zu tun. Sie träumen von einem Ideal einer EU und scheinen nicht zu verstehen, dass je höher die Machtkonzentration, desto höher der Anreiz von Korruption und Machtmissbrauch.

          • Linus Josef Anton Huber sagt:

            Das Abgleiten auf die persönliche Ebene ist immer ein Zeichen für fehlende oder mangelhafte Argumente. Ich teile Ihre Meinung nicht, aber es würde mir nicht im Traum in den Sinn kommen, Sie anhand dessen zu kritisieren, wie Sie persönlich Ihr Leben organisieren. Im Fussball wird dies mit einer roten Karte geahndet.

          • J. Kuehni sagt:

            „Das Abgleiten auf die persönliche Ebene ist immer ein Zeichen für fehlende oder mangelhafte Argumente.“

            Ihr Argument, dass die EU eine Diktatur sei, bezeichne ich als lächerlichen, pathetischen Blödsinn, ganz unpersönlich.

          • J. Kuehni sagt:

            Was sind ihre Argumente gegenüber meinen Feststellungen, dass EU Mitglieder unzweifelhaft die Freiheit zum Austritt besitzen und dass EU-Bürger (ebenso wie -Nichtbürger) die Freiheit besitzen, die EU, ihre Institutionen und Repräsentanten in mehr als nur deutlicher Sprache zu kritisieren, zu beleidigen und zu verunglimpfen, ohne dabei die geringste Unterdrückung oder gar Repressalien befürchten zu müssen?

            Das einzige, was Sie riskieren, ist, dass jemand wie ich ihre Anti-EU-Hysterie als den *BS* bezeichnet, der sie ist.

            Ganz unpersönlich.

          • Linus Josef Anton Huber sagt:

            Austreten kann man auch aus einem diktatorischen Verein. Der Umstand, dass man Austreten kann, ist kein Beweis, dass keine diktatorischen Strukturen ausgebaut werden. Wie locker und geordnet ein Austritt von statten geht, können wir ja heute gut am Beispiel des Brexit mit verfolgen. Ein Theater mit unzähligen diktatorisch anmutenden Forderungen um andere Staaten davor abzuschrecken.

            Aber Sie werden so oder so ein linkslastiger EU-Turbo bleiben ohne zu bemerken, dass Sie damit die Machtkonzentration zugunsten der 0,1% begünstigen. Ich halte niemanden davor zurück, sich ins Unglück zu stürzen, nur will ich nicht mit gezerrt werden.

          • J. Kuehni sagt:

            Nein, aus einem diktatorischen Verein kann man nicht austreten. Bringen Sie doch mal einen Präzdenzfall, wo dies gewaltfrei möglich war.

            Der Brexit ist ein Schlamassel, weil die Briten dem „Cakeism“ nicht entsagen können. Sie wollen die ökonomischen Konsequenzen ihrer neuen „Freiheit“ nicht tragen. Wie Teenager eben.

          • Linus Josef Anton Huber sagt:

            Sicher doch, z.B. reist man als Individuum aus und nimmt irgendwo eine andere Nationalität an. Als Bevölkerung wählt man den Weg der Sezession, welche das elementarste demokratische Mittel darstellen dürfte. Solchen Bestrebungen sind immer, wie auch im Falle des Brexit, aufgrund des Machtverlustes in diesem Falle der EU mit Schwierigkeiten verbunden. Dass die EU keine Gewalt anwendet, liegt in erster Linie daran, dass sie zum Glück keine Armee besitzt und nicht weil es ihr widerstreben würde, Gewalt anzuwenden, wie man bestens aus dem erpresserischen Verhalten erkennen kann. In 20 Jahren dürfte ein Austritt noch schwieriger sein, da sich die diktatorischen Strukturen weiter entwickelt sein werden.

          • J. Kuehni sagt:

            Genau. Und weil die EU so eine Diktatur ist, leidet sie ja sooo stark unter Netto-Auswanderung (massenhafte, persönliche Sezession), dass man sich fragen muss, was die WAHREN Motive der Identitären sind, wenn diese wieder Stacheldrahtgrenzen unter Schiessbefehl aufziehen wollen.

            „Dass die EU keine Gewalt anwendet…blabla“… Hätte, würde, täte. Sie „argumentieren“ zunehmend fadenscheinig.

          • Linus Josef Anton Huber sagt:

            Ach, wie niedlich, glauben Sie wirklich, dass man Ihre Absicht der Nazikeule bei Verwendung des Begriffs „Identitäre“ nicht erkennt?

            Ein Staat ist nun mal geographisch dimensioniert und es handelt sich um eine der ureigensten staatlichen Aufgaben, den Zutritt zum Staatsterritorium zu sichern. Die absichtliche Diffamierung dieser Staatsaufgabe könnte man dahingehend interpretieren, dass Sie die demokratischen Staaten abschaffen und durch eine Weltregierung ersetzen wollen. Diese Idee der NWO dürfte sich mit den Vorstellungen der 0,1% recht gut decken.

          • Anh Toàn sagt:

            „Nazikeule“ Was soll man denn sonst mit Nazis anfangen, wenn nicht keulen?

          • Anh Toàn sagt:

            „die demokratischen Staaten abschaffen “

            Es gibt ja nur die Schweiz als echte Demokratie, alles andere sind ja Parlamentsdiktaturen, gemäss Ihnen:

            Also wenn schon sollen nationale Diktaturen abgeschafft werden zu Gunsten eine demokratischen Weltregierung, welche sich für die Interessen der Weltbevölkerung einsetzt.

            Was fänden Sie denn daran falsch? Machtkonzentration ist ohne bei den Starken, den Amis und den Chinesen vor allem.

            Die Eritreer sezessionieren persönlich und nehmen irgendwo eine Staatsbürgerschaft an.

            Jeder Mensch ist frei und hat das Recht, sich eine Staatsbürgerschaft auszusuchen: So entsteht Konkurrenz zwischen den Staaten: Was halten Sie Herr Huber von so viel Konkurrenz und Freiheit?

            Ach, die Nigger wollen Sie nicht in der Schweiz?

          • J. Kuehni sagt:

            „Nazikeule“

            Die Schleimigkeit ihrer Unterstellungen ist diesmal wieder besonders ekelerregend.

            Nicht alle Identitären sind Nazis, aber viele Nazis euphemisieren sich gerne als „identitär“. Wer Nazis in seinen Reihen akzeptiert, braucht sich nicht zu wundern, wenn braunes Zeug an ihm hängenbleibt.

            Wenn ein Staat seine Wirtschaft mit Nachbarstaaten weitgehend integriert (aus welchen Gründen auch immer), wird die Grenzüberwachung gezwungenermassen löchrig. Man kann eben nicht das Füfi und das Weggli haben.

            Je „freier“ der Handel, desto grösser der normative Anpassungs- und Harmonisierungsdruck, damit der freie Handel auch noch „fair“ bleibt.

          • Linus Josef Anton Huber sagt:

            1. Wenn Sie jedermann, welcher die Sicherung der Staatsgrenzen befürwortet als Identitären bezeichnen, sind Sie es, welcher unterstellt.

            2. Der stark und zugunsten der Grossunternehmen (und damit 0,1%) regulierte Handel, welcher fälschlicherweise als Freihandel bezeichnet wird, bezieht sich einzig auf Waren und hat nichts mit Personenverkehr zu tun. Es ist einzig eine Frage des Willens, ob und inwiefern die Grenze gesichert wird.

            3. Die Skandalisierung des Begriffes „Grenzsicherung“ und die offensichtliche Akzeptanz oder Befürwortung der Unfähigkeit des erweiterten Wirtschaftsraum namens EU seine Aussengrenzen zu sichern ergibt einzig einen Sinn, wenn Sie sich im Tandem mit den 0,1% die Abschaffung des demokratischen Nationalstaates wünschen.

          • J. Kuehni sagt:

            Mehr dümmliche Unterstellung von Ihnen, Herr Huber.

            1. Ich mokiere mich über die „Motive“ der Identitären, die für die Wiedererrichtung von nationalen Grenzen innerhalb der EU, nötigenfalls mit Stacheldraht & Schiessbefehl „weideln“ (wollen Sie bestreiten, dass die das tun?), im Kontext ihrer Behauptung von persönlicher Sezession aus der „EU-Diktatur.“

            2. Mehr oder weniger freier Waren-, Kapital- und Personenverkehr sind untrennbar miteinander verbunden, alles andere wäre unmenschlich. Freilich träumen reiche Rentiers von exklusiver Bewegungsfreiheit, die „kleinen Leute“ sollen gefälligst hinter ihren Nationalgrenzen hocken bleiben.

            3. Strohmann: Sie fordern nicht die Sicherung der EU-Aussengrenzen, Herr Huber, sondern NATIONALE Grenzen.

          • Linus Josef Anton Huber sagt:

            1. Warum mokieren Sie sich über die Motivation, die Rechtsstaatlichkeit worauf mitunter der soziale Frieden ruht zu bewahren?

            2. Dass der Verkehr von Waren, Kapital und Personen untrennbar miteinander verbunden sei, ist einzig ein Märchen der EU und stellt weltweit betrachtet eher die Ausnahme als Regel dar. Die Motivation der Verknüpfung liegt nicht in der Idee von Menschlichkeit, sondern darin, die Nationalstaaten zugunsten der übergeordneten EU zu schwächen.

            3. Ich fordere nichts, sondern stelle fest, dass die Sicherung der Grenzen eine grundlegende Aufgabe eines demokratischen Rechtsstaates darstellt. Angesichts einer EU, welche unfähig ist, ihre Aussengrenzen zu sichern und was Sie offensichtlich unfähig sind zu kritisieren, wird dies umso wichtiger.

          • Linus Josef Anton Huber sagt:

            Sie scheinen die Zeichen der Zeit nicht zu erkennen. Die Globalisten sind aufgrund der Reaktionen der Bevölkerungen weltweit unter Druck. Sich ungeachtet des sich wechselnden Volkswillen blind an diesem wohl zur Zeit überholten Modell festzuklammern, erzeugt einzig unnötige Resentments und untergräbt die demokratischen Werte, was bedeutend gefährlicher ist, als die vermeintlich und hochgeschaukelte Gefahr eines Nationalismus, wessen wir uns aufgrund der Erfahrung des letzten WK sehr wohl alle bewusst sind. Die Auseinandersetzen liegt also zwischen Globalisten und Demokratie statt.

    • Jan Svoboda sagt:

      auf den Zusammenbruch der Globalisierung muss man nicht hoffen, der ist schon da, man muss nur den heute publizierten Handelsbilanzdefizit der Amis von über 56 Milliarden $ in einem Monat anschauen um zu wissen, nicht nur die Eurozone funktioniert nicht, der gesamte Schneeballsystem der ungedeckten Währungen steuert auf den Kollaps. Nur den ahnungslosen EU Turbos und den ewig gestrigen Sozis bleibt es ein Geheimnis.

  • Hans Hödli sagt:

    Italien hatte seit dem Krieg immer Regierungskrisen und kennt gar nichts anderes, das schlimmste was passieren könnte wäre eine stabile Regierung. Alle Südeuropäer wollen einfach die Garantie haben dass sie weiterhin regelmässig deutsche Autos kaufen dürfen, dafür brauchts den Euro, aber sicher keine Regierung, und schon gar keine Strukturreformen.

    • Bernhard Piller sagt:

      Die Garantie, deutsche Autos kaufen zu können und dann damit stempeln gehen….
      Haben Sie auch schon von Jean-Baptiste Colbert gehört?

      • Anh Toàn sagt:

        Als ich 2007 in Sizilien war, teilten sich die zwei Brüder, Mitte Zwanzig der eine kochte im Yachthafen ein paar mal in der Woche, der andere war gerade Arbeitslos ein Auto: Sie tankten für 5 Euro, aber es war kein Fiat, es war ein Opel Tigra.

  • Anh Toàn sagt:

    „Italien hat ohne Zweifel grosse strukturelle Probleme. Aber genau deswegen war der Beitritt zur Währungsunion ein kapitaler wirtschaftspolitischer Fehler.“

    Warum? Mit der schwachen Lira wurden auch keine strukturellen Probleme überwunden.

    Seit dem 2. WK hatte Italien ohne Zweifel grosse Strukturelle Probleme: Zum Glück hatten die eine schwache Währung: Erstens wanderte bis zum Euro fast niemand aus nach Mitteleuropa: Pizza kam über Amerika nach Mitteleuropa wie nach Vietnam. Nämlig.

    • Rolf Zach sagt:

      Ich schätze Ihren Sarkasmus!

      • Anh Toàn sagt:

        Danke!

        Ausgewandert wird aus zwei Gründen: Wenn es zu Hause Scheisse ist, oder wenn es woanders viel besser ist: Ich führe den Anstieg der italienischen Auswanderung in den letzten 2-3 Jahren viel mehr auf die Erstarkung der Mitteleuropäischen Wirtschaft zurück, als auf die Schwäche der italienischen.

        • Anh Toàn sagt:

          Von 1860 bis 1960 sind die Italiener ausgewandert, weil es in Italien Scheisse war. Seit 1960 wandern die aus,k wenn die Wirtschaft in Mitteleuropa brummt, die Arbeitskräfte anlockt. Ist in Mitteleuropa auch Flaute, geht man öfters an den Strand und Fussball spielen und motzt über die Politik.

          • Anh Toàn sagt:

            Statt über die Emigration der Italiener könnte man auch über die brummende mitteleuropäische Wirtschaft schreiben. Aber in der Schweiz will niemand lesen, wie gut es den wirtschaftlich starken Gegenden (Ländern ist falsch, Ostdeutschland ist in weiten teilen wie Süditalien) geht, mit dem Euro: Aber wer will dies denn in der Schweiz wissen. Der Euro würde unseren Reichtum zerstören, und unsere Demokratie und ist darum Teufelszeugs.

  • Rolf Zach sagt:

    Die Frage ist doch einfach. Was war besser für Italien nach der Beinahe-Katastrophe der Weltwirtschaft 2008 ausgehend von den USA? Eine Politik mit der Verteidigung der Stellung des Euros als Reserve-Währung oder wie in der Vergangenheit mit einer ständigen Abwertung der Lira gegenüber $, SFr. und DM.
    Was war besser in der EU, das britische Konzept der Schwächung des £ immer stärker gegenüber $ und € oder wie Italien neu ausgestattet mit einer Währung € mit viel Ähnlichkeit zur ehemaligen DM?
    Oder anders gesagt, ist die britische Wirtschaft im Export deshalb stärker als die italienische? Sie ist es nicht, dies zeigen alle Zahlen eindeutig.
    In Italien ist nicht die Volkswirtschaft krank, sondern die politischen Institutionen, die ihre Funktion nicht erfüllen.

    • Kurt Müller sagt:

      Kleines Beispiel, um Ihre Argumentation im Keim zu zerstören. Das Nissan-Werk in Sunderland produziert pro Jahr mehr Autos als alle italienischen Autofabriken zusammen.

      • Anh Toàn sagt:

        Und warum produziert Nissan nicht Italien? Weil z.B. die Gewerkschaften durchsetzen, dass im heiligen Ferienmonat August niemand arbeitet. Und Nissan hat sich für das Werk in Sunderland, kaum war die Brexit Abstimmung durch, von May Garantien versprechen lassen für den Zugang zum europäischen Binnenmarkt:

        http://www.independent.co.uk/news/business/news/theresa-may-nissan-eu-deal-brexit-latest-a7402791.html

        • Hans Hödli sagt:

          Die Italiener sind eben schlauer, sie machen Exportüberschüsse trotz Streikrecht usw., was die Briten trotz freiwilliger Versklavung und liberalem Arbeitsmarkt nicht schaffen. Das interessiert die Briten aber auch nicht, die sind happy dass die Fussballmeisterschaft im Winter durchspielt und sie im Pub Darts spielen und ihr Pfützenbier saufen können.

          • Maiko Laugun sagt:

            @Hans Hödli: „..und sie im Pub Darts spielen und ihr Pfützenbier saufen können.“

            Unabhängig davon, dass ich Ihren Kommentar schätze, so erinnert er mich inhaltlich doch stark an einen gewissen Kommentator namens ‚Josef Marti‘.

      • Hans Hödli sagt:

        Und Ihre Behauptung ist im Keim zerplatzt. Italien schreibt seit einiger Zeit wieder Exportüberschüsse, ganz im Gegensatz zu GB.

  • Anh Toàn sagt:

    Die Wahlen haben vor allem gezeigt, dass man Italien nicht als homogene Einheit behandeln kann. Wenn jemand sagt, Italien sei dies oder das, die Italiener wollen so oder so, hat er immer unrecht. Aber eigentlich würden die Italiener jeden wählen, der ihnen verspricht, dass sie wieder Weltmeister (im Fussball) werden.

    Tsipras hatte bei der Eurofrage nicht Angst vor dem Unbekannten: Die Griechen wollten nicht raus, Tsipras und Varou haben versprochen, der Euro bleibe: Der Euro blieb und Tspiras auch.

    • Rolf Zach sagt:

      In der hervorragenden Sendung „28 Minutes“ von Arte gaben sich die Italien-Experten ziemlich überzeugt, dass die gleichen Italiener, die diejenigen Parteien wählten, die gegen die EU und besonders auch den € hetzten, in einem Referendum für die Beibehaltung des € stimmen wie die Griechen.
      Was sie aber deutlich sagten, die Italiener wollen wie ganz Europa auch, keine weitere illegale Einwanderung. Italien ließ diese Immigration einfach geschehen. Sie hofften, Europa werde die Überzähligen aufnehmen, dies fand nicht statt und die Italiener finden sich deshalb von den anderen EU-Ländern verraten.

      • Carlo sagt:

        @Zach
        Falls mich die Erinnerung nicht trügt hat das griechische Volk damals „oxi“ gestimmt und war somit auch bereit den Euro über Bord zu werfen.

        • Rolf Zach sagt:

          Es hat gegen den Abbau des Sozialstaates gesprochen, aber nicht gegen die Abschaffung des Euros. Auch die Italiener wollen nichts wissen von Einschränkungen und der Änderung ihres Verhaltens zum Staat, den viele als räuberische Obrigkeit betrachten. Aber ihre gutes €-Geld wollen sie behalten.
          Warum haben Tessiner Banken derartige Schwierigkeiten? Die italienische Wirtschaft hatte in Lira-Zeiten dort ihre $, DM und SFr. als eiserne Liquidität geparkt, ist heute nicht mehr nötig.

        • Anh Toàn sagt:

          @Carlo: Sie müssen sich die Frage ansehen, um die Bedeutung eines Neins zu verstehen.

      • Anh Toan sagt:

        Einig sind sich die Italiener, dass sie keine Immigration aus Afrika mehr wollen. Aber fuer die im Norden beginnt Afrika suedlich der Toskana

  • Francesco Caruso sagt:

    Sehr geehrter Herr Straumann
    …der Abschluss ist mir etwas zu pessimistisch. 5S ist nicht irgend eine Protestpartei, diese wurde von einem echten Komiker ins Leben gerufen, welcher mit überspitzt dargestellten Wahrheiten die Leute nicht nur zum Lachen gebracht hat sondern auch überzeugt hat…ein meines Wissens einmaliges Phänomen. Wenn dieses Gedankengut, welchem nebenbei gesagt die Schweiz stehts als Vorbild gedient hat, sich weiter durchsetzt, sind auch mittelfristig Verbesserungen möglich.

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