Das sonderbare Verhalten der Grossbanken

Verstehe einer die Banken: Blick auf die geballte Finanzmacht im Gebäudekomplex «Canary Wharf» in London. Foto: Matt Dunham (AP Photo)

Verstehe einer die Banken: Blick auf die geballte Finanzmacht im Gebäudekomplex Canary Wharf in London. Foto: Matt Dunham (AP Photo)

Kaum ein Ökonom wird von den Befürwortern freier Märkte höher geschätzt als Eugene Fama.

Der an der University of Chicago lehrende Professor und Wirtschaftsnobelpreisträger des Jahres 2013 ist der Vater der Markteffizienzhypothese. Diese besagt, stark vereinfacht ausgedrückt, dass alle verfügbaren Informationen immer schon in den Preisen enthalten sind.

Fama ist auch einer der einflussreichsten Architekten der modernen Finanztheorie; er hat zusammen mit Kenneth French eine wichtige Erweiterung des Capital Asset Pricing Model definiert.

Ein Grossteil der Arbeiten und der Philosophie Famas bildet heute ein Herzstück in Risikomodellen von Banken.

Kurzum: Eugene Fama, genauso wie «seine» University of Chicago, steht nicht im Verdacht, ein Linker zu sein und marktfeindliche Ansichten zu vertreten, um beispielsweise mit mehr und strengerer Regulierung das Geschehen an den Finanzmärkten einzudämmen.

Umso mehr muss erstaunen, wenn Fama in diesem Interview, das mein Kollege Christoph Gisiger kürzlich mit ihm geführt hat, folgende Aussagen macht:

Das «Too big to fail»-Problem ist nach wie vor ungelöst. Man hätte die Grossbanken damals verstaatlichen und später zurück an den Markt bringen sollen. Das wäre ein klares Signal für Investoren gewesen, dass sie in der nächsten Krise nicht gerettet werden. Ist eine Bank so relevant für das System, dass sie nicht untergehen darf, bürgt der Staat letztlich für ihre Schulden. Das ist nichts anderes als eine Subvention, die grosse Institute gegenüber kleineren bevorteilt. «Too big to fail» ist deshalb eine grosse Perversion des Kapitalismus.

Und:

Dieses Problem können wir nur lösen, wenn wir sicherstellen, dass Banken genug Eigenmittel haben, um grosse Verluste absorbieren zu können. Die Mindestquote des Eigenkapitals von 5 auf 10 Prozent zu erhöhen, reicht dafür nicht. Die Banken wehren sich mit Händen und Füssen gegen strengere Kapitalauflagen und behaupten, dass sie deswegen weniger Kredite vergeben könnten. Das ist aber absoluter Unsinn, denn gemäss dem Modigliani-Miller-Theorem spielt es keine Rolle, ob sie ihre Assets mit Fremd- oder Eigenmitteln finanzieren. Man sollte den Banken daher nicht erlauben, Dividenden auszuschütten, bis ihre Eigenkapitalquote 25 Prozent erreicht.

Eugene Fama, der Verfechter freier, effizienter Märkte, fordert von den systemrelevanten Grossbanken eine Eigenkapitaldecke von 25 Prozent.

Ja, er verlangt sogar, dass die Regierungen den Grossbanken Dividendenzahlungen verbieten, bis sie diese Eigenkapitaldecke erreicht haben.

Der Schlüssel für das Verständnis seiner Forderung liegt in seiner Begründung: Er will die Grossbanken nicht etwa durch mehr Regulierung an die kurze Leine nehmen, sondern er will eine ungesunde Marktverzerrung eliminieren: Dank der impliziten – oder expliziten – Staatsgarantie im Rücken kommen die Grossbanken nämlich in den Genuss künstlich niedriger Kapitalkosten.

Das ist in den Worten Famas nichts anderes als eine versteckte staatliche Subvention der Grossbanken. (Ein Thema, das wir bereits hier, hier und hier besprochen haben.)

Die Forderung nach mehr Eigenkapital für die Grossbanken ist nicht neu. Sie kam im Nachgang der Finanzkrise von 2008 rasch auf und wurde mittlerweile in den Empfehlungen des Basler Ausschusses der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, des Financial Stability Board sowie auch in diversen einzelnen Ländern – auch in der Schweiz – umgesetzt.

Bloss sprechen wir in den neuen, strengeren Eigenmittelanforderungen bestenfalls von 5 bis 6 Prozent hartem Eigenkapital: Das ist zwar doppelt so viel, wie die meisten Grossbanken vor der Krise hatten, ist aber immer noch sehr weit weg von den 25 Prozent, die Fama fordert.

Ein Grund dafür: Die Grossbanken haben intensiv und erfolgreich dagegen lobbyiert. Ihr Argument lautete etwa so (wie es stellvertretend für viele UBS-CEO Sergio Ermotti in diesem Interview äusserte):

  • Höhere Eigenkapitalvorschriften zwingen die Banken, ihre Bilanz zu verkürzen und/oder neues Eigenkapital aufzunehmen.
  • Weil Eigenkapital teurer sei als Fremdkapital, müsse die Bank ihre höheren Kapitalkosten auf ihre Kunden überwälzen.
  • Das bedeutet, dass Kredite teurer werden.
  • Und das wiederum bedeutet, dass weniger Kredite vergeben werden und dadurch die Wirtschaft geschwächt wird.

Die Aussage, ein höheres Eigenkapital verteuere die Gesamtkapitalkosten, widerspricht übrigens dem Modigliani-Miller-Theorem, das auch Fama in seiner Argumentation anspricht. Aber lassen wir diesen Punkt mal beiseite.

Wir möchten hier einen anderen Punkt beleuchten, nämlich die Aussage der Banken, sie müssten zur Erreichung höherer Eigenkapitalquoten ihre Bilanz verkürzen und/oder teures neues Eigenkapital aufnehmen.

Stimmt das?

Zumindest in einem Punkt nicht: Sie können ihr Eigenkapital auch stärken, indem sie einen grösseren Teil ihrer Gewinne einbehalten und den Eigenkapitalreserven zuführen. Das ist der Punkt, den auch Fama anspricht, wenn er fordert, die Grossbanken dürften keine Dividenden ausschütten, bevor sie nicht 25 Prozent Eigenkapital erreicht haben.

Genau in diesem Zusammenhang, der Ausschüttung von Dividenden, haben die Grossbanken in den Jahren nach der Finanzkrise nämlich ein äusserst sonderbares Verhalten an den Tag gelegt: Sie haben grosszügig Dividenden an ihre Aktionäre ausgeschüttet.

Und das, obwohl sie unter Druck standen, ihr Eigenkapital zu stärken.

Hyun Song Shin, leitender Ökonom bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel, hat in einer Rede an der London Business School Ende April auf diese Tatsache hingewiesen.

Die folgende Grafik von Shin verdeutlicht den Sachverhalt:

Einige Erklärungen dazu:

  • Hyun Song Shin hat 56 Grossbanken in entwickelten Ländern in Nordamerika, Europa (inklusive Schweiz) und Asien untersucht.
  • In der linken Grafik ist das kumulierte Niveau der Gewinne zu sehen, die diese Banken erwirtschaftet haben (rosa Balken). Kumuliert haben diese 56 Banken seit 2007 also 1266 Milliarden Dollar Gewinn erzielt.
  • Die gelben Balken in der linken Grafik zeigen die kumulierten Dividenden, die in diesem Zeitraum von den Banken ausgeschüttet wurden: 696 Milliarden Dollar.
  • Das heisst: Von all den Gewinnen, die die Grossbanken seit 2007 erwirtschaftet haben, wurde die Hälfte gleich wieder in Form von Dividenden an die Aktionäre ausgeschüttet.
  • Die rechte Grafik zeigt noch die geografische Unterteilung des Sachverhalts in USA, andere Länder (hier sind u. a. Japan, die Schweiz, Singapur und Hongkong vertreten), Eurozone und Grossbritannien. In der Eurozone und Grossbritannien ist das Bild besonders bedenklich: Dort wurde ein grosser Teil der erwirtschafteten Gewinne wieder ausgeschüttet.

Damit aber noch nicht genug. Unternehmen können ihr Eigenkapital nicht bloss in Form von Dividenden ausschütten. Sie können auch eigene Aktien vom Markt zurückkaufen, was den gleichen Effekt hat: Ihre Eigenkapitalbasis wird dadurch geschmälert.

Hier ist dieser Sachverhalt dargestellt, ebenfalls aus der Rede des BIZ-Ökonomen Hyun Song Shin:

Die Balken zeigen die kumulierte Summe, die die 56 untersuchten Grossbanken von 2007 bis 2014 in den Rückkauf eigener Aktien gesteckt haben: mehr als 1000 Milliarden Dollar.

Zusammengefasst lässt sich also sagen, dass die Grossbanken in der entwickelten Welt in der Zeit seit der Finanzkrise mehr als 1700 Milliarden Dollar in Form von Dividenden (696 Milliarden) und Aktienrückkäufen (1032 Milliarden) ausgeschüttet haben.

Die Manager haben bewusst entschieden, dass sie dieses Geld nicht einbehalten, um ihre Eigenkapitalbasis zu stärken. Und gleichzeitig haben sie sich lauthals und erfolgreich dagegen gewehrt, dass ihnen von den Regulatoren deutlich höhere Eigenkapitaldecken vorgeschrieben werden.

Selbstverständlich muss angefügt werden, dass viele Banken während dieser Zeit auch Kapitalerhöhungen durchgeführt und von ihren Aktionären neues Eigenkapital aufgenommen haben (die Credit Suisse zum Beispiel Ende November 2015). Trotzdem bleibt die Tatsache, dass die Banken den grössten Teil ihrer seit 2007 erwirtschafteten Gewinne sofort wieder ausgeschüttet haben.

Es besteht kein Zweifel: Das globale Finanzsystem wäre heute viel robuster und sicherer, wenn die systemrelevanten Grossbanken nicht wissentlich und willentlich ihre kumulierte Eigenkapitaldecke um 1700 Milliarden Dollar geschmälert hätten.

Ein sonderbares Verhalten, nicht wahr?

81 Kommentare zu «Das sonderbare Verhalten der Grossbanken»

  • Taric Trent sagt:

    “ Diese besagt, stark vereinfacht ausgedrückt, dass alle verfügbaren Informationen immer schon in den Preisen enthalten sind.“ … blabla, einflussreicher Wissenschaftler, seine Erkenntnisse werden verwendet (sogar von Banken!) usw.. und dann, „Kurzum“, oder also:
    „Eugene Fama, genauso wie «seine» University of Chicago, steht nicht im Verdacht, ein Linker zu sein und marktfeindliche Ansichten zu vertreten“

    ?….wie geht der Gedanke nochmals?

  • Anh Toàn sagt:

    Gefühlte 300 Beiträge haben sich inzwischen entweder mit den Bilanzen der Banken oder der „Geldschöpfung“ (QE etc.) der Notenbanken beschäftigt. Kein einziger Beitrag hat diese beide Punkte verbunden:

    Wenn die „Geldschöpfung“ jedoch durch Kreditvergabe der Banken geschieht, kann die Versorgung der Wirtschaft mit „Geld“ nicht losgelöst von den Bankbilanzen untersucht werden. Es ist unsinnig, einerseits die Banken zur Kreditvergabe anzuhalten (mit Negativzinsen), andererseits diese anzuhalten, ihr Eigenkapital zu stärken. In meinem Kopf geistert noch immer der Satz von Ossi Grübel rum: „Mit schrumpfenden Bankbilanzen gibt es kein Wirtschaftswachstum“.

    • Josef Marti sagt:

      Weshalb soll die Bankbilanz schrumpfen bei höherem EK? Man könnte Banken (ausser die Casinoabteilungen) gerade so gut als staatliche öff. Anstalten oder Departemente führen und auf jegliches EK verzichten, buchmässig überschuldete öff. Institute und Haushalte sind die Regel und ohnehin bedeutungslos. Natürlich müsste dann wie in einem Vollgeldsystem das Verbot der monetären Staatsfinanzierung gestrichen werden. Der Ösi geht natürlich davon aus, dass eine staatlich garantierte Zwangsdividende inkl. staatlich garantierter Bonus besteht, was in einem wettbewerbsfreien Monopol mit Staatshaftung logisch ist.

      • Anh Toàn sagt:

        Es geht ums Verhältnis von EK (Zähler) zur Bilanzsumme (Nenner), ob risikogewichtet oder absolut.

        Eigentlich stellt sich tatsächlich die Frage, wo der Unterscheid liegt: Wenn die Banken saniert werden müssen, wenn sie weniger als 25 Prozent EK haben oder wenn sie unter Null EK haben, saniert werden müssen sie ohnehin, wenn die verlangte EK Quote unterschritten wird.

      • Josef Marti sagt:

        Wieso nicht die Systemrelevanten zerschlagen und EK Vorschriften abschaffen sodass jede Bank Konkurs gehen kann. Systemrelevanz von nicht staatlichen Unternehmen darf in einer freien Marktwirtschaft gar nicht entstehen, das ist nur im Sozialismus zulässig. Bei den Kantonalbanken weiss man von Anfang an dass der Steuerzahler haftet. Der Ösi sagt einfach, Ihr könnt nur wachsen wenn Ihr mir meinen Wunschbonus auch wenn ich Pleite gehe garantiert; immerhin bis 2008 hat das gestimmt.

    • Rolf Zach sagt:

      Wenn Sie sich so darum bemühen, daß die Banken mit wenig Eigenkapital nichts Wirtschaftswachstum beitragen, dann sollte Bundesrat und Nationalbank von den USA verlangen, daß die FED im Falle einer Krise, der Lender of the Last Resort der UBS und der CS für ihre $ Geschäfte sind. Das gleiche gilt für die EZB für € Geschäfte und für die Bank of England für die £ Geschäfte. Damit könnte man die Gefahr von unserer Volkswirtschaft abwenden und sie würde deshalb nicht zusammenbrechen. Ich weigere mich, das Spiel der SNB von 2008 wiederholen zu lassen. Diese 50 Milliarden hätte die FED kaufen sollen+nicht die SNB. Den die FED hat weder US-Banken noch die Ausländer im Sub-Prime Markt kontrolliert.

      • Anh Toàn sagt:

        Diese 50 Mia hat ja die FED gekauft, bzw. genug ähnliches Zeugs so dass wieder ein Markt da war, die Nati mit Gewinn raus konnte. Könnte ja sein, dass die das Richtige gemacht haben. Und dass die Aussage von Ossi richtig ist, auch wenn von ihm, „Geld“ entsteht in Bankbilanzen durch Kreditgewährung, mehr Eigenkapital gibt es mit weniger Bilanzsumme also weniger Kreditgewährung. Mehr Eigenkapital bei Banken, weniger „Geld“.

        Wären ohne Grossbanken in der Schweiz, die Hauptsitze von Nestle und Novartis (noch) in der Schweiz?

        (Die Dividendenpolitik erkläre ich mir mit dem Bedürfnis der Banken nach Rententrägern als Aktionäre.)

        • Rolf Zach sagt:

          Natürlich haben Sie recht wegen den Sub-Prime Papieren. Aber dies war nur möglich, weil der $ als Reservewährung erster Klasse erhalten blieb. Das der $ überhaupt noch Reservewährung ist, verdankt er sicher der Weltmacht die dahinter steht, da sage noch einer es gelte bei Währungen nur die Wirtschaft und nicht die Politik. Harry Dexter White
          mag wohl ein Kommunist gewesen sein, aber todsicher war er ein US Patriot als er den Dollar zum Schatz der Schätze erhob und nicht diese gräßliche Kunstwährung Bancor nach Keynes. Der Inflationsrate des $ haben sich nur zwei Währungen entziehen können, der CHF und der Yen, ob dies der € in Zukunft kann, wird sich zeigen.

          • Rolf Zach sagt:

            Wegen Novartis und Nestle antworte ich Ihnen mit einem konkreten Beispiel. Schwedische Großbanken spielen sicher eine viel geringere Rolle in New York und London als UBS und CS. Trotzdem hat Schweden weltweit agierende Firmen wie IKEA, H&M, Volvo, Ericsson und SKF. In Finnland ist es noch auffälliger mit NOKIA.
            Wegen Eigenkapital soll man sich doch die Bankbilanzen der Großbanken vor 1914 in Europa ansehen, 10 bis 20 %
            Eigenkapital war üblich. Damals die goldene und aufrichtige Zeit des Kapitalismus für einige Herren Kommentatoren.
            Sicher kann man sagen im Rohstoffbereich ist der Ausdruck transnationale Gesellschaft berechtigt, ohne Politik geht es dort gar nicht.

          • Anh Toàn sagt:

            @Rolf Zach

            Also wenn die Grossbanken im Ausland nicht viel verdienen und im Inland nicht indirekt wichtig sind, warum verbieten wir denen nicht einfach das internationale Geschäft, wie @Josef Marti sagt, Systemrelevantes zerschlagen? (Huber sagt, weil die bösen Eliten und korrupt, er sagt aber nicht, warum das gute Schweizer Volk nicht eine entsprechende Initiative macht)

  • Michael Stöcker sagt:

    Es gibt ein weiteres wichtiges bilanzpolitisches Instrument zur Stabilisierung der Banken: Die Bildung von Rückstellungen. Zinsen müssen ja nicht nur die Kosten der Banken decken, sondern insbesondere die Risiken aus der Kreditvergabe kompensieren; denn das ist die Hauptfunktion des Zinses! Ansonsten kann es Zinserträge nur in einer wachsenden Wirtschaft geben. Warum? Weil schon Schumpeter erkannt hatte, dass der Zins ein Gewinnbestandteil ist: http://blogs.faz.net/fazit/2012/02/24/alte-meister-2-von-der-rastlosigkeit-des-kapitalismus-zum-100-geburtstag-von-joseph-schumpeters-theorie-der-wirtschaftlichen-entwicklung-266/. Gewinne gibt es im Aggregat aber nur in einer wachsenden Wirtschaft.

    • Michael Stöcker sagt:

      Passt natürlich nicht zu einer Shareholder Renditekultur, die mit allen Mitteln die EK-Rentabilität zu hebeln versucht. Und wenn man den Zähler (Gewinn) nicht mehr erhöhen kann, dann kann man ja noch den Nenner (EK) reduzieren. Nur: Der Leverage-Effekt kennt zwei Richtungen. Die Banken hatten den Archimedischen Punkt gesucht und auch gefunden.

      • Anh Toàn sagt:

        Sie bringen hier zwei Dinge durcheinander:

        – Rückstellungen sind Fremdkapital
        – Reserven sind Eigenkapital

  • Christoph Bögli sagt:

    Die Dividendenpolitik erklärt doch letztlich, wieso der Einfluss der Grossbanken weit über „normalen“, direkten Lobbyismus hinaus geht: Als Aktieninhaber profitieren grosse Teile der besser begüterten Bevölkerung inklusive zahlreicher Politiker und/oder deren persönliches Umfeld wenn substantielle Gewinne generiert und diese sich in Dividenden/Aktienrückkäufen als persönlicher Profit manifestiert. Entsprechend dürfte auch klar sein, wieso weite Kreise wenig bis kein Interesse haben, Regulationen vorzunehmen, die letztlich das eigene Einkommen schmälern. Ähnliches gilt für das Management, dessen Boni unter höheren Eigenkapitalvorschriften o.ä. leiden würden.

  • Rolf Zach sagt:

    Wenigstens haben die damaligen Schweizer Banker für den Moment in Deutschland erheblich mehr verdient als in Schweiz. Beim US Geschäft haben unsere Banken von Anfang an und immer erheblich weniger verdient als im Ausland-Inland und Inland-Inland Geschäft von der Schweiz aus. Diese noch heute von der Schweizer Politik angehimmelten Schweizer Bank- Koryphäen, waren durch die Amerikaner besoffen worden, sonst muß man ihre Intelligenz in Zweifel ziehen.

    • Maiko Laugun sagt:

      „Beim US Geschäft haben unsere Banken von Anfang an und immer erheblich weniger verdient…“

      Der Standort CH hat die Abzocker in den US-Filialen quersubventioniert. Das war schon bei der CS First Boston so.

    • Anh Toàn sagt:

      “Beim US Geschäft haben unsere Banken von Anfang an und immer erheblich weniger verdient…”

      Warum war / ist denn ein Inländer Kunde bei einer Grossbank? Warum geht er nicht zu einer Kantonalbank, einer Raiffeisen, einer kleinen privaten Vermögensverwalterbank? Für mich gibt es nur einen Grund, die Vorteile welche er glaubt, ihm die Grossbanken bieten können, dank deren internationalem Geschäft.

      Gäbe es heute ohne Grossbanken in der Schweiz eine Temenos, mit 2’300 im Schnitt hochqualifizierten Arbeitsplätzen in der Schweiz?

      • Rolf Zach sagt:

        Was wirklich enorm profitabel bei den Großbanken war ist das sogenannte Inland-Ausland Geschäft, damit meine ich die ausländische Kundschaft der Schweizer Großbanken hier in Zürich und zwar in allen Bereichen. Eines der profitabelsten war das Südafrika-Geschäft von Bankgesellschaft, Bankverein und Kreditanstalt. Dieses Geschäft hat die Bankgesellschaft so richtig gemästet. Nicht das Londoner Fixing zählte, sondern dasjenige von Zürich. Der Tessin war der Finanzplatz von Mailand, weil die Italiener ihre Liquidität nicht in Schweizerfranken halten konnten. Eine Großbank verlangte bei Depotgebühren 50 % mehr bei den Ausländern als bei den Inländern, die Ausländer zahlten dies damals gerne.

  • Martin sagt:

    So ein Käse! „Aktien aufkaufen schmälert das EK der Banken“! Wo haben Sie denn den Blödsinn gelernt? Zur Info: Bei einer Neuemission wird der Nennwert der Aktie als EK verbucht. Wenn die Aktien am Markt sind und die Bank oder sonst ein Unternehmen kauft diese wieder auf, hat dies überhaupt keinen Einfluss auf das EK. In der Schweiz gibt es Vorschriften, wie hoch die Mindestdividende bei einem Gewinn ausfallen muss (ich glaube mind. 5% vom Gewinn.) Wenn die Banken so viel Geld anhäufen würden, wie von Fama gefordert, würde einfach alles den Banken gehören. Aber die Amis können gut brüllen, die ziehen ja nicht mit bei BIZ Basel III.

    • Josef Marti sagt:

      Zumindest nach den neueren Regeln müssen eigene Aktien als Minusposten im EK geführt werden, sodass unter dem Strich bilanziell dasselbe erreicht wird wie eine AK Herabsetzung mit Mittelfreigabe.

      • Anh Toàn sagt:

        Es werden die Vorschriften über Kapitalherabsetzung beachtet, wenn eigene Aktien zurückgekauft werden. (OR 732ff)

        5 Prozent des Gewinnes dürfen nicht ausgeschüttet werden, solange die gesetzliche Reserve „nicht voll ist“, eine Regelung zu einer Mindestausschüttung kenne ich nicht.

        (In der Bilanz wurden eigene Aktien auf der Aktivseite geführt, wie Sie es beschreiben, es musste aber eine Reserve darauf gebucht werden in der Höhe des Anschaffungswertes: Das galt aber nur bis 2012. Seit 2013 beschreibt @Josef Marti richtig.)

        Vornehalt: Internationale und Bankengesetzliche Regelungen

        @Martin

        Sie erzählen Käse

  • Reto Stadelman sagt:

    Ich darf solche Beiträge nicht mehr lesen. Die sind sehr ungesund für meinen Blutdruck. Es fehlt solchen Leuten einfach am Willen eine nachhaltige Gesellschaft aufzubauen. Sie wollen einfach nicht. Natürlich wäre es möglich, aber man will nicht. Man kann da noch lange über wirtschaftliche Theorien diskutieren. Die Ermotis dieser Welt und die Personen die politischen Druck machen um so was zu verhindern, gehören einfach aufs Schafott. Unsere „Elite“ muss wieder Angst vor dem Volk haben und nicht umgekehrt!

    • Josef Marti sagt:

      Bekanntlich kostet Eigenkapital va. Boni, da die Renditeabgabe an den Aktionär absolut tiefer (höher) ist je tiefer (höher) die EK Unterlegung. Das immer wieder bemühte verfehlte EK Kostenargument dient aber vielmehr dazu, letztlich die Gewinnsteuer auf Null zu bringen (Gleichbehandlung mit FK Kosten); damit soll der voll haftende selbständige Unternehmer gegenüber dem limitiert haftenden Mehrheitsaktionär diskriminiert werden.

      • Reto Stadelman sagt:

        Also wieder Konzerne gegen kleine Unternehmen. Das ist allerdings kein gutes Argument gegen das was ich schrieb. Die Guillotine scheint attraktiver und attraktiver zu werden…

        • Fred Mazinaux sagt:

          Schon gut!Wie bringen wir Ihren „Apparat“ zur Spitze hinauf? Oder die Spitze unter den „Apparat“? Vor 300 Jahren ist das den“Untersten“ unter den Monarchen(siehe Diagram) nicht gelungen.Wir sind jetzt mit der wunderbaren Umwandlung der Monarchen& ihrer Land besitzenden Aristokratien, Kirchenfürsten etc, in Zentralbanker, Grossbanker Industrie Eliten etc&deren Repräsentanten im System das wir uns als „Demokratie mit Bürgermacht“ aufbinden liessen, auf der Seite der Zentralbanker untergekommen.Welche von uns haben eine Idee&Plan, wie weiter von hier&wann, bevor der Beelzebub uns total beherrschen kann.Link>

          http://www.zerohedge.com/news/2015-12-21/feudalism-then-now

    • Linus Huber sagt:

      Kurz und bündig erklärt. 🙂

      • Fred Mazinaux sagt:

        @Linus

        Kurz und bündig. Frei nach einem US Präsidenten hätte er sagen sollen: It’s not the Economy, it’s the Financial System, stupid!

        • Linus Huber sagt:

          😉 Ja Fred, es gab einen anderen Präsidenten, welcher die Gefahr des Kollektivismus und der schrittweisen Korrumpierung der Elite sehr wohl erkannte und daraus die logische Konsequenz darin sah, dass der Elite regelmäßig die Angst vor dem Pöbel in den Knochen getrieben werden muss:

          The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants.

          Der Glaube, dass Freiheit keinen Preis hat, ist heute allerdings derart weit verbreitet, dass solche prinzipiellen Überlegungen fast schon als Ketzerei bezeichnet werden.

  • Stefan Wiesendanger sagt:

    Gegen den Trugschluss, dass Bank-Eigenkapital teuer sei, kämpfen u.a. Admati, Hellwig und Miles schon seit Jahren an. Aktionäre müssten selbstverständlich einen Beitrag leisten, um den Mangel an Eigenkapital zu heilen, aber auch die Angestellten. In jeder anderen Industrie ist das selbstverständlich. Im Weg steht der freie Kapitalverkehr: wenn eine Bank (bzw. ein Land) sich positiv abhebt, wird sie (oder die Banken dieses Landes) zum attraktiven Uebernahme-Ziel!

  • Gregor sagt:

    Vergass noch das ultimative Geldschöpfungsmonopol zu erähnen FED inkl. IWF & Sonderziehungsrechte … !!!!

  • Gion Saram sagt:

    Die Tatsache, dass die Banken lieber den Aktionären fette Dividenden auszahlen oder sogar ihr Kapital zurückzahlen ist für mich ein klares Indiz das sie Banken selber nicht an eine bessere Zukunft glauben. Sie wissen das die stetige Geldausweitung das Ende der Fahnenstange erreicht hat es von jetzt an nur noch abwärts gehen kann. Deshalb geben sie den Aktionären lieber ihr Geld zurück da sie selber nicht mehr wissen wo und wie man Geld noch sinnvoll anlegen könnte. Die Anlageprofis wissen nicht mehr weiter und zahlen den Anlegern ihre Einlagen zurück.

  • Kowski sagt:

    Alles muss scheitern können.
    To big to fail sollte demnach heissen: to big to exist.

  • j.peider sagt:

    Macht die Banker wieder zu Beamten !
    (Was sie ja schon eimal waren, bevor sie die Staaten über den Tisch zogen)
    Die Banken sollten/müssen verstaatlicht werden, zum Nennwert !
    Ich verstehe nicht wie man die „Geldschöpfung“ in die Hände von Privatpersonen geben konnte, die ihr „Raubrittertum“ unter Ausnützung der herrschenden „Pseudo-Demokratie“ betreiben.
    Diese kleine hochfeine Bande von „Volksschmarotzern“ ist das „Krebsgeschwür“ unserer Gesellschaft.

  • Nadine Binsberger sagt:

    „Freier Markt“ ist schlicht inexistent. Wenn der alte Liberalismus-Papst (Alan Greenspan) schon vor Jahren zum Schluss kam, dass der „freie Markt“ nicht funktioniert und der neue Liberalismus-Papst (Eugene Fama) Regulierungen fordert, um den „freien Markt“ zu „erhalten“, dann sollte wohl dem hinterletzten Gläubigen endlich das echte Licht aufgehen. „Freier Markt“ ist ein anderes Wort für Fatalismus, „laissez faire“ heisst nichts anderes als „Lass diejenigen, die richtig viel Geld haben, ungestört machen was sie wollen, sonst werden sie sauer und das hat Konsequenzen“ und die „unsichtbare Hand“ ist der Gott, hinter dem sich alle verstecken, um ihre Handlungen nicht…

    • Reto Stadelman sagt:

      Verkürzen sie ihre Aussage doch einfach auf folgendes: Radikaler Marktliberalismus führt immer dazu, dass nur Einer übrigbleibt der alle Anderen versklavt.

  • Adrian Gnehm sagt:

    Würden Sie, Herr Dittli, Aktien kaufen, die während vieler Jahre keine Dividenden ausschütten? Kompenstorische Kurssteigerngen gibt es nur bei Technologiefirmen, sicher nicht bei grossen Banken.

    • Nadine Binsberger sagt:

      @Gnehm 11:07: Wer Aktien kauft, hat Geld übrig bzw. braucht es selber nicht, mind. nicht im Moment. Wer Geld übrig hat, kann sich überlegen, was er damit anstellen bzw. bewirken will. Am interessantesten und befriedigendsten wirds für mich, wenn ich mein übriges Geld nicht investiere, nur um noch mehr Geld zu bekommen, sondern um meine unmittelbare Umgebung zu „optimieren“. D.h. wenn in meinem Wohnquartier ein Arzt oder ein Bäcker o.ä. aktiv werden will, weil es das hier noch nicht gibt, dann unetrstütze ich ihn (zinslos) und trage so zur Lebensqualität für mich und meine Nachbarschaft bei. Das macht mich glücklich. Eine noch höhere „Dividende“ ist weder vorstellbar noch nötig.

      • Adrian Gnehm sagt:

        „Leider“ sind Pensionskassen und Versicherungen (sog. Institutionelle Investoren) gezwungen, die ihnen anvertrauten Gelder zu investieren. Die Nullzinspolitik der Notenbanken wird für die Pensionskassen mehr und mehr zum Problem, da Staatsobligationen wie die Bundesanleihen eine negative Rendite aufweisen . Die Institutionellen Investoren müssen sich deshalb sehr gut übelegen, wie sie die verlangte Rendite erwirtschaften können. Dividenden von Aktien sind mindestens ein Teil der Erträge.

        • Nadine Binsberger sagt:

          @Gnehm 14:12: Richtig. Aber es ist ohnehin eine Idiotie sondergleichen, sein Alter auf Jahrzehnte hinaus erstens individuell und zweitens über Aspekte eines historisch extrem jungen und volatilen Finanzsystems absichern zu wollen. Total geschichts-ignorant ist das. Darum: PK abschaffen, AHV entsprechend stärken.

          • Maiko Laugun sagt:

            „..PK abschaffen, AHV entsprechend stärken.“

            Oder ein das Existenz-Minimum sicherndes Grundeinkommen – und zwar bis ans Lebensende. Dann kann man alles andere ersatzlos streichen (PK, AHV, Arbeitslosenkasse etc. etc..) inkl. das ganze dahinter stehende Beamten-Heer.

          • Rolf Zach sagt:

            Wir hatten Ende der 80er Jahre eine PdA Initiative für eine Volkspension. Dieses kommunistische Zeug hat das Schweizer Volk abgelehnt, die skandinavischen Länder, die sowie so Kommunisten sind und deswegen ihre Volkswirtschaften ständig am Abgrund befinden, haben damals die Volkspension eingeführt. Komischerweise wollen die Flüchtlinge aus Afrika und Asien immer dorthin einwandern. In Skandinavien ist auch der Anteil der Eigenheimbesitzer gemessen an den Anzahl Haushalten viel größer als in der glücklichen Schweiz. Dieses unglückliche EU-Land Dänemark, das sonderbarerweise die Spekulation gegen die DKR und die Flüchtlinge im Gegensatz zu uns, abwehren konnte. Die Erfahrung der M Karikaturen.

  • kuki sagt:

    Unbegreiflich ist zudem, dass das Führungspersonal sich zuerst die Taschen füllt und sich erst dann auf das Wohl der Institutionen konzentriert. Wer tatsächlich immer noch glaubt, die Banken würden sich um die Volkswirtschat kümmern, müsste spätestens nach den obigen Ausführungen, sehr hart auf dem Boden der Realität aufschlagen

  • Gregor sagt:

    Da hätte ich noch eine kleine „Zwischenfrage“ …

    Wie hoch wären all die Seignioragen im Verhältnis zum Gewinn, welche die Banken der Allgemeinheit entziehen und zudem noch deren gratis Versicherungsschutz der Gemeinwesen geniessen?

  • Anh Toàn sagt:

    „Dank der impliziten – oder expliziten – Staatsgarantie im Rücken kommen die Grossbanken nämlich in den Genuss künstlich niedriger Kapitalkosten“

    Wenn die Einzahlungen zur Rettung ins Fremdkapital gebucht werden, statt das Eigenkapital abzuschreiben und neu zu kapitalisieren (Enteignung der Altaktionäre) wäre die implizite Garantie aufs Fremdkapital beschränkt. Dann wäre doch schon zumindest viel gewonnen.

    Die steuerliche Bevorteilung von Fremdkapital kann mit hybriden Instrumenten (Nachrangige Anleihen: Feste Verzinsung aber Risikotragung wie EK) vermieden werden.

    • Anh Toàn sagt:

      Habe den Satz anders angefangen als aufgehört:

      Wenn die Einzahlungen ins Eigenkapital gebucht werden, das alte Kapital abgeschrieben, die Altaktionäre 100 Prozent Verlust hätten, wäre viel gewonnen. Die systemrelevante Bank gehört halt dann dem Staat, der sie, wenn sie wieder Gewinn macht, verkauft und endlich Kasse macht, für das Risiko, das er immer getragen hat, die Garantie kostet auch in guten Jahren.

      Wenn man das risikotragende Kapital rettet, trägt es kein Risiko, und dann ist der Gewinn umso grösser, je kleiner das Kapital. Sonst wäre kleineres Eigenkapital mehr Risiko, auf dieses und aufs Fremdkapital, und damit wird kleines Eigenkapital teuer.

    • Maiko Laugun sagt:

      „Wenn die Einzahlungen zur Rettung ins Fremdkapital gebucht werden, statt das Eigenkapital abzuschreiben und neu zu kapitalisieren (Enteignung der Altaktionäre)…“

      Das sehe ich auch so, aber das korrupte Bundes-Bern leider nicht. Es wurde nur gerade soviel getan (z.B. die *Basel-Abkommen*), damit das Volk glaubt, es werde tatsächlich etwas getan. In Tat und Wahrheit dürfen sich die Finanzinstitute in fast gleichem Masse weiterhin bereichern. Das Risiko bleibt weiterhin beim Steuerzahler.

      Ist etwas System relevant (z.B. die Banken) – oder wird zu solchem erklärt – dann besteht die Gefahr, dass es selbst zum System wird und nicht nur ein Teil davon ist.

      • Maiko Laugun sagt:

        Hatte Ihren 2. Kommentar noch nicht gesehen, denke aber, dass ich den 1. schon richtig interpretiert hatte.

      • Anh Toàn sagt:

        @Maiko Laigun

        Ich bin so naiv, nur weil ich etwas nicht verstehe, heisst es nicht, dass die Anderen nicht eine vernünftige Erklärung, also nicht Eigeninteresse, sondern Sachzwänge, Gesamtinteressen gibt, welche entsprechendes Handeln rechtfertigen. Ich kann die halt nicht sehen:

        Es gibt viele, die verstehen viel mehr als ich, die haben Zugänge zum Rechtssystem Politik und Medien, da müsste doch Aufruhr sein, wenn es tatsächlich so falsch wäre.

        Aber man tut halt oft etwas, damit das Volk glaubt, es werde etwas getan: Die Kontrollen am Flughafen oder neue Bilanzen finden, in die man abgeschriebene Forderungen bucht: Die Rente war noch immer sicher. Bis sie sicher ausblieb.

        • Maiko Laugun sagt:

          “Sachzwänge”:

          In meinem früheren Leben bei meinem langjährigen Arbeitgeber (noch in der CH) hiess es stets … ”Aus innerbetrieblichen Gründen unter Sachzwängen” … und zwar immer dann, wenn das oberste Management entweder nicht willig oder nicht fähig war, auf notwendige Aenderungen in konkreten Sachverhalten einzugehen oder weil die Wahrheit nicht genehm war, hin und wieder auch um Dinge zu vertuschen.

          Deshalb denke ich, dass detaillierte Kenntnisse (“Gesamtinteresse” etc.) nicht immer zwingend notwendig sind. Es genügt, die sich stets wiederholenden Verhaltensmuster zu erkennen.

          • Anh Toàn sagt:

            „Sachzwänge“ ist natürlich immer relativ, aber die Politik der USA ist nun mal auch für die Schweiz relevant, und nicht alleine aus der Schweiz änderbar. Kaum kurzfristig. Siehe den Post von @Stefan Wiesendanger 20.05 14:14: „Im Weg steht der freie Kapitalverkehr.“

            Und hätte man in der Schweiz die UBS mit Einzahlung ins Eigenkapital saniert, also verstaatlicht, frag ich mich zB., wie laut gegen „Kommunismus“ gerufen worden wäre, (Banken verstaatlicht!) wie schnell politischer Druck den Rest der UBS möglichst schnell irgendwohin verschachert hätte. (Matter oder Ebner hätten „helfen“ können).

          • Rolf Zach sagt:

            Wie die Theologen über die jungfräuliche Geburt der Gottesmutter diskutieren, diskutieren unsere als ökonomische Sachverständige auftretenden Politiker über die unsichtbare Hand des Marktes. Ist dies für uns Gläubige, resp. Wirtschaftssubjekte, in unserem realen Leben relevant? Ich kenne nur ein Beispiel für die dazugehörige Realität, nämlich die Hand Gottes von Maradona, die Argentinien zum Weltmeister machte.

          • Maiko Laugun sagt:

            Es wurde den Bürgern – ich behaupte bewusst – politisch nicht erklärt, dass die Steuergelder für die (ausländischen) Aktionäre bestimmt waren. Die Gross-Banken sind mehrheitlich in ausländischem Besitze und haben Standorte in vielen anderen Ländern, bezahlt hat im Falle der UBS aber nur der CH-Steuerzahler.

            ”Aus innerbetrieblichen Gründen unter Sachzwängen” kein Geld ins EK.

            Die heutigen Banker sagen bereits wieder: „Es ist ja 2008 fast nichts passiert“.

          • Josef Marti sagt:

            @AT. Tatsächlich wurde die UBS ja saniert aber eben durch die SNB. Genau das war aber im Euroraum im Falle von Irland verhindert worden, da es innerhalb des EZB Systems als verbotene Staatsfinanzierung eines einzelnen Mitglieds gegolten hätte, deshalb gab es bei den Iren eine volle Umbuchung aufs Konto Staatsverschuldung.

          • Anh Toàn sagt:

            @Josef Marti: Die UBS wurde saniert, indem die riskantesten Assets aus deren Bilanz auf die Bilanz der SNB übertragen wurden, zu einem Preis, den man in dem Zeitpunkt am Markt nicht hätte erzielen können – es gab keinen Markt mehr dafür, sie waren wertlos. Hätte man die abgeschrieben in der UBS Bilanz, wäre die UBS wertlos gewesen, man hätte die gesamte UBS erhalten können (und die gekauften toxischen Papiere) für einen einzigen CHF.

            Die Frage bleibt, ob man damit tatsächlich mehr erhalten hätte, ob nicht der Wert der UBS dann tatsächlich Null oder negativ gewesen wäre, da im Staatseigentum operativ nicht zu retten und somit zu liquidieren gewesen wäre.

  • Anh Toàn sagt:

    „Selbstverständlich muss angefügt werden, dass viele Banken während dieser Zeit auch Kapitalerhöhungen durchgeführt und von ihren Aktionären neues Eigenkapital aufgenommen haben “

    Gerne hätte ich die Gesamtsumme der Eigenkapitalaufnahme im Vergleich zu den Dividenden und Aktienrückkäufen gesehen.

    Auch andere Firmen, nicht nur Banken, zahlen teilweise Dividenden und nehmen immer wieder neues Eigenkapital auf: Hin und her macht Taschen leer, aber jemandes Taschen werden dabei gefüllt.

  • Thomas Jordi sagt:

    Nein, das Verhalten ist nicht sonderbar. Die Banken wissen, dass in der Krise wieder der Staat einspringen wird.

    • Linus Huber sagt:

      Genau, weil sie aufgrund des fehlerhaften Anreizsystems in den vergangenen Jahrzehnten darauf konditioniert wurden.

  • Oliver O sagt:

    Diese Aussage ist falsch
    „Die Aussage, Eigenkapital sei per se teurer als Fremdkapital, widerspricht übrigens dem Modigliani-Miller-Theorem, das auch Fama in seiner Argumentation anspricht.“

    Dieses Theorem besagt, dass die Gesamtkapitalkosten gleich bleiben, also die Fremd- und Eigenkapitalkosten sich je nach relativer Gewichtung ändern (entgegen der Veränderung des relativen Gewichts), also die Gesamtkapitalkosten gleich bleiben.

    Des weiteren ist das Modigliani-Miller Theorem unbedeutend, da es viele Aspekte (z.B. Besteuerung) ausschließt. Inkl. dieser Aspekte sinken die Kapitalkosten bei steigender Fremdkapitalquote (also tieferem Eigenkapital).

    • Mark Dittli sagt:

      Danke für den Hinweis. Sie haben recht, ich hatte unpräzis formuliert. Die Passage ist angepasst und lautet neu: Die Aussage, ein höheres Eigenkapital verteuere die Gesamtkapitalkosten, widerspricht dem Modigliani-Miller Theorem. Ihre Meinung, MM sei „unbedeutend“, teile ich nicht. Es stimmt, MM geht von einer Absenz von „Friktionen“ aus und kann in Reinform in der realen Welt nicht angewandt werden. Trotzdem gilt: Eine höhere Eigenkapitaldecke senkt im Normalfall die Fremdkapitalkosten, weil die Bilanz sicherer wird. Die Tatsache, dass Fremdkapital steuerlich begünstigt und Eigenkapital benachteiligt wird, schafft schädliche Anreize und sollte behoben werden. Das allein kann jedoch kein Argument gegen MM respektive gegen höhere Eigenkapitaldecken von Banken sein.

      • Josef Marti sagt:

        Dafür soll ja bei uns die zinsbereinigte Gewinnsteuer eingeführt werden. Das überzeugt aber auch nicht. Niemand ist gezwungen sein Unternehmen in Form einer AG zu führen, es gibt auch die Personengesellschaft (zB früher alte Vermögensverw.banken wie Rahn und Bodmer). Die Wohltat bei Konkurs nicht mit dem ganzen persönlichen Vermögen zu haften darf steuerlich nicht noch gegenüber einem Personenunternehmer belohnt werden.

      • Jan Keller sagt:

        Das ist der Unterschied zwischen einem Theorem und der Praxis. Alle Firmen schauen auf die Gesamtkosten nach Steuern. Der Staat (durch die Zentralbanken) helfen bei den Marktverzerrungen (ueber QE) ja kraeftig mit.
        Derzeit koennen Banken und Firmen Liquiditaet fuer 10 Jahre fuer unter 1% bekommen. Falls das Theorem stimmt, und eine Bank zu 100% durch EK finanziert waere, dann muesste logischerweise der RoE nur marginal hoeher sein als die Fremdkapitalkosten. Ich wollte sehen wer diese Aktie kauft.

        • Josef Marti sagt:

          Gewerbekredit für eine KMU über 10 Jahre für unter 1%????

        • Josef Marti sagt:

          Wie steht es mit einer KMU die mit 4% EK Quote einen Kredit beantragen will?- die soll gefälligst ihre Substanz stärken um kreditwürdig zu sein.

          • Jan Keller sagt:

            Vodafone (BBB+/Baa1) hat diese Woche in CHF einen 8-jaehrigen Bond aufgelegt mit einer Rendite von etwa 0.35% p.a. – Die Coop Gruppe um einen Schweizer Namen zu nehmen hat kuerzlich 10-Jahre zu 0.50% p.a. aufgenommen. 1% ist demnach noch hoch gegriffen

          • Josef Marti sagt:

            Wie hoch ist die EK Quote dieser Konzerne? Dann sagen Sie mal einer KMU sie soll doch bitte Anleihen emittieren.

          • Linus Huber sagt:

            @ Josef

            Auch hier sind die Karten zugunsten der Grossunternehmen gemischt. Was immer vernachlässigt wird, liegt darin, dass die Verantwortung des Anreizsystems bei den Regierungen liegt und nicht bei z.B. den Banken und Grossunternehmen und es sich zu billig anfühlt, einfach die Akteure zu kritisieren. Indirekt will Jan auf diesen Punkt aufmerksam machen.

  • Rolf Rothacher sagt:

    Fama irrt gewaltig: Eigenkapital kostet immer mehr als Fremdkapital. Die Zinsen der COCOS sind deshalb auch viel höher als bei gewöhnlichen Anleihen der Banken.
    In der Schweiz leben die Banken heute von 2% Zinsmarge. Bei 25% EK für Grossbanken/15% EK für alle anderen müsste die Marge auf 4% steigen. Das würde die CH-Volkswirtschaft pro Jahr 20 Milliarden kosten. Diese 20 Milliarden wären die „Versicherungsprämie“ für ein stabileres Finanzsystem. Doch dieses Finanzsystem hat bislang noch nie vollkommen versagt. (Die UBS-Rettung hat dem Staat 5 Milliarden Gewinn gebracht). Eine Versicherungsprämie zu bezahlen, von der vor allem das Ausland profitieren würde, ist einfach nur dämlich.

    • Roman Kontic sagt:

      Ich sehe nicht ganz, weshalb nur das Ausland profitieren würde: Zwar versteuern die Grossbanken kaum noch etwas in der Schweiz und die meisten Arbeitsplätze sind auch nicht mehr hier – aber deswegen wäre der schweizer Finanzplatz von einem Ausfall dennoch massiv betroffen. Aber Sie weisen auf einen guten Punkt hin: alleine die Eigenkapitalvorschriften zu erhöhen wäre nicht zielführend. Es müsste durch geeignete Massnahmen sichergestellt werden, dass die Kosten nicht einfach den Kunden resp. den Kreditnehmern überwälzt würden. Die bereits erwähnte steuerliche Benachteiligung von Eigenkapital wäre sicher ein Ansatzpunkt.

    • P. Schmid sagt:

      Da die UBS seit Jahren keine Steuern bezahlt hat die UBS-Rettung dem Staat sehr viel Verluste beschert. Zudem hat der Aktienzerfall auch den Pensionskassen grosse Verluste beschert.

      Zudem, hat die Schweiz sehr viel Glück gehabt, weil die UBS und CS vor allem auch durch den Amerikanischen Staat gerettet wurde.

      Apropos: Ich frage mich ob ich bei der nächsten Steuerrechnung einfach dem Staat nur die Hälfte bezahle und ihm sage er solle doch mit dieser Hälfte ins Casino gehen. Denn damit könne er dann sogar noch Gewinn erzielen…

    • Anh Toàn sagt:

      @Rolf Rothacher „(Die UBS-Rettung hat dem Staat 5 Milliarden Gewinn gebracht).“

      So grob, hat die „alte“ UBS Gewinn jedes Jahr gemacht. Wenn es diese Garantie gibt, müssen deren Erträge auf die Dauer der Risikotragung umgerechnet werden, für die relativ kurze Zeit des Einschusses von Mitteln, kommt die Verzinsung dazu.

      Die 5 Milliarden sind nicht „Gewinn“, das sind Kommissionen für über Jahrzehnte geleistete Garantien. Ich glaube, das war zu billig.

    • Frank sagt:

      „Die UBS-Rettung hat dem Staat 5 Milliarden Gewinn gebracht“. Soso und in welcher Form hat denn die UBS diese 5 Milliarden gezahlt? Doch nicht etwa mit Geld, dass sie dank erteilter Staatsgarantie mit ihrem eigenem Emissionsrecht selber schoepfen kann? Weginflationiert. Und wer ist denn jeweils der Verlierer bei Inflation? Ouuu, das waer ja dann, …

      • Gregor sagt:

        Was bedeutet Gewinn im Wissen, dass die SNB&EZB&BOE! (inkl. 90% Girageldschöpfung der Banken) per Knopfdruck x beliebige Milliarden aus dem Hut zauber(t)n kann?

        Wertschöpfung gleich Null – führt aber zu fiktiven Gewinnen, welche von der FianzWirtschaft? gerne abgeschöpft wird.
        Da soll mir jemand noch erzählen, Arbeiten lohnt sich …. entscheidend ist eben nur für wen?

        Dank an die leistungslose Spekulation bei Null Risiko!

        • Linus Huber sagt:

          Was bedeutet Gewinn im Wissen, dass …

          Gewinn bedeutet in diesem Kontext, dass die Vetternwirtschaft bestens funktioniert.

    • Rolf Zach sagt:

      Ohne das Handeln der Obama Administration, die im Unterschied zu der Hoover Administration 1930 eine Weltwirtschaftskrise verhindert hat, wären die durch die SNB der UBS abgekauften Sub-Prime Papiere, ein Non-Valeur geworden. Nur das FED verhinderte, daß die SNB diese Papiere am Schluß noch mit Gewinn verkaufen konnte, denn diese Papiere hat die FED für die US Banken aufgekauft, um deren Bankrott zu verhindern. Eigentlich wäre es nicht die Aufgabe der SNB gewesen, die UBS zu retten, sondern diese Aufgabe hätte die FED übernehmen sollen, da es nur den US Finanzmarkt betroffen hat. Es war nicht, der Schweizer Kreditmarkt, der zusammenbrach, sondern derjenige der USA.

      • Rolf Zach sagt:

        Diese sollten sich alle, die die Schweizer Großbanken verteidigen, hinter die Ohren schreiben. Die Schweizer Immobilien-Spekulation mit Banken-Sanierung in den 90er Jahren, hat wenigstens teilweise unseren Spekulanten geholfen, aber die Gewinner der Sub-Prime Spekulation haben alle ihren Wohnsitz in den USA. Für dieses Ausland-Ausland Geschäft und dazu absolut nicht in Schweizer Franken (!) verlangen die Lobbyisten der Banken möglichst wenig Eigenkapital und die Rolle unserer SNB als „Lender of the Last Resort“! Für mich ein Verrat und eine tödliche Gefahr für das Gedeihen unserer Volkswirtschaft. Dieses Ansinnen unserer beiden Großbanken verletzt zu 100 % die Gesetze der Logik.

        • Rolf Zach sagt:

          Eine Ergänzung in unsere Bankgeschichte der 30er Jahre. Immerhin hat damals die Schweizerische Diskontbank mit lautem Knall Konkurs gemacht, die Schweizerische Volksbank mußte direkt der Bund retten. Diese Rettung kostete den Bund 20 % unserer Staatsausgaben. Die Basler Handelsbank und die Eidgenössische Bank siechten bis 1945 vor sich hin und wurden dann von Bankverein und Bankgesellschaft übernommen. Die Leu und die Bankgesellschaft haben ihr Aktienkapital massiv reduziert und der Bankverein und Kreditanstalt kamen mit der Liquidierung ihrer Reserven mit einem blauen Auge davon. Und warum all dies? Weil sie den Deutschen Investitionskredite gewährten, anstatt wie
          Briten Handelskredite.

          • Rolf Zach sagt:

            Keine englische Großbank hat wegen den Deutschen in die Röhre geguckt, unsere aber schon. Unsere waren sogar bereit, das heilige Bankengeheimnis in Einzelfällen gegenüber den Nazis zu verletzen, um wenigstens einen Teil dieser berüchtigten Stillhalter Kredite heraus zubekommen. Ein zentraler und ständig wiederkehrender Diskussionspunkt der Geschäftsleitung der Banken in diesen Jahren. Wollen wir diese traurige Geschichte wiederholen? Ein Teil haben wir 2008 bei der UBS erlebt. Was bei der CS gegenwärtig passiert, geht vielleicht in die gleiche Richtung, wie bei der UBS 2008. Die UBS und auch die CS haben hauptsächlich US-Schwarzgelder
            gebunkert, um ihre Liquidität zu verbessern.

    • Linus Huber sagt:

      Fama sagt nicht, dass Eigenkapital nicht mehr als Fremdkapital „kostet“, sondern dass dies grundsaetzlich bedeutungslos ist. Prinzipiell wuerde der geforderte Gewinn bei schwach kapitalisierten Unternehmen bedeutend hoeher liegen (tieferer Aktienkurs) als bei Unternehmen mit hoher Eigenkapitalquote, wenn da eben nicht die sich ausweitenden und unter unterschiedlichsten Varianten auftretenden indirekten und direkten staatlichen Subventionen nicht existierten.

      • Linus Huber sagt:

        Im letzten Satz ist ein „nicht“ zuviel.

        Die Banken haben es gut vorexerziert, wie man sich subventionieren laesst und die Grossfirmen weltweit streben danach, in die gleiche Richtung zu gehen, z.B. TTIP (u.a. staatliche Kompensation von aufgrund von demokratischen Entscheiden entgangenem Gewinn), massive Regulierung um die Konkurrenz von unten zu eliminieren, Ausnützung von Standortsbestimmung etc. etc. und all dies im Gleichschritt mit dauernder Reduktion des Risikokapitals. Das Anreizsystem wurde derart korrumpiert, dass viele vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr erkennen. Viele beklagen den Kapitalismus während es sich um institutionalisierte Vetternwirtschaft handelt.

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