Trichets Zuchtmeister-Vision

Will die Finanzen aller Euro-Länder unter ein Dach bringen: Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank.

Will eine zentrale Kontrolle der Finanzen aller EU-Länder: Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank.

Letzten Freitag hat der Chef der Europäischen Zentralbank EZB, Jean-Claude Trichet, in einer Rede mit einem Vorschlag überrascht: Er fordert für die Zukunft einen europäischen Finanzminister. Die Idee wurde weitum als Bekenntnis des im Herbst abtretenden «deutschen Franzosen» zur Europäischen Idee aufgefasst. Was fordert Trichet wirklich und wie Hilfreich ist sein Vorschlag?

Zuerst noch einmal das Grundproblem: Wie mittlerweile überdeutlich geworden sein sollte, funktioniert die Währungsunion in ihrer aktuellen Ausgestaltung nicht. Dem System fehlt das, was andere Wirtschaftsräume mit einer gemeinsamen Währung haben. Eine ausgeleichende Migration von Beschäftigten und/oder ausgleichende Zahlungen, wenn einige Regionen in eine wirtschaftliche Krise schlittern, während andere überhitzen. Passende Leitzinsen für solch unterschiedliche Regionen festzulegen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Doch genau auf dieses Instrument beschränkt sich die Geldpolitik. Leitzinsen, die sich dann am Durchschnitt orientieren, verschlimmern die Lage überall: Für jene in der Krise sind die Zinsen zu hoch, weshalb sie noch mehr leiden und den Gürtel enger schnallen müssen. Für jene mit einer überschäumenden Wirtschaft bleiben die Zinsen zu tief, was dort zu weiteren Übertreibungen führt – wie etwa Blasen an den Immobilienmärkten.

Werden wir konkret:  Die Krisenregion in der ersten Hälfte des letzten Jahrzehnts war Deutschland, überschäumt hat die Wirtschaft in Irland, Spanien und sogar jene in Griechenland. Die Wachstumshelden von damals sind die Krisenländer von heute. Unter anderem das Gürtel-Enger-Schnallen der Deutschen von damals macht diese jetzt wieder zu Exportmeistern, die zinsbedingten Übertreibungen von damals haben dagegen in Spanien, Irland und Griechenland die Preise in die Höhe steigen lassen, so dass diese Länder jetzt gemessen an ihrer geringen Produktivität dramatisch an Wettbewerbsfähigkeit eingebüsst haben. Und eine Abwertung der Währung – der gewöhnliche Anpassungsmechanismus – ist unmöglich.

Zurück zu Trichets Vorschlag. Der Chef der Europäischen Zentralbank sieht die Krise der Eurozone offenbar weniger als Problem untauglicher Institutionen, als vielmehr eines der rechten Moral:

Betrachten wir den Euroraum heute: Länder, die sich an die Regeln der einheitlichen Währung halten, wachsen und gedeihen. Dies zeigt, dass solide Politik und eine gesunde Wirtschaft eng miteinander zusammenhängen. Doch es gibt auch das Gegenteil: Länder, die Wortlaut oder Geist der Regeln nicht eingehalten haben, befinden sich in einer schwierigen Situation. Dies hat dann auch Rückwirkungen auf andere Länder der Wirtschafts- und Währungsunion.

Wovon spricht der Mann? Kein einziges Mitgliedsland der Eurozone hat die Regeln immer eingehalten. Dass sie es getan haben, lag nicht bloss an einem unverantwortlichen Verhalten (Griechenland ausgenommen), sondern war oft die Folge der konjunkturellen Entwicklung und auch der meist für ein einzelnes Land unangepassten Geldpolitik. Nochmals: Spanien und Irland (der einstige «Keltische Tiger») waren noch vor kurzem die Vorbilder. Deutschland war der «kranke Mann Europas».

Was will nun Trichet mit einem Finanzminister? Soll der für den finanziellen Ausgleich sorgen? Nein, das sollen Hilfspakete tun, wie sie bereits beschlossen wurden.

Nach der weltweiten Finanzkrise stehen wir vor der Herausforderung, Länder in finanziellen Schwierigkeiten zu unterstützen. Hierfür gibt es Hilfsmechanismen, die an strikte Auflagen geknüpft und mit dem IWF abgestimmt sind. Mir ist bewusst, dass es Bedenken gibt, wohin dies führt. Man fürchtet, dass die Grenze zwischen Unterstützung und individueller Verantwortung verwischen könnte, wenn die Auflagen nicht konsequent umgesetzt werden.

Trichet hält Ausgleichszahlungen für ein notwendiges Übel. Vor allem für übel: Sie verwischen die «Grenze zwischen Unterstützung und individueller Verantwortung». Stimmt, doch das ist bei jeder Art von Union mehr oder weniger der Fall: Auch in der Schweiz zwischen den Kantonen und auch im Verhältnis zum Bund. Für ihre Wiedervereinigung haben auch die Deutschen einen hohen Preis bezahlt. So was nennt man in einer Union ansonsten Solidarität. Wenn davon kaum mehr jemand etwas wissen will, sollte man das mit der Union besser lassen. So weit will aber Jean-Claude Trichet doch nicht gehen , drum hält er Hilfszahlungen nicht nur für übel, sondern doch auch für notwendig – zumindest in einer ersten Stufe.

Und wenn ein Land trotz solcher Zahlungen nicht aus der Krise kommt und die Defizite weiter steigen? Die Ursachen der Probleme werden mit den Hilfszahlungen schliesslich nicht behoben. Dann befindet sich das Land in Phase 2 und die Kopfgeburt von Jean-Claude Trichet kommt ins Spiel: Der Europa-Finanzminister und seine Behörde schwingen die Peitsche:

Ein solches europäisches Finanzministerium sollte nicht unbedingt ein grosses europäisches Budget verwalten. Ich denke eher an ein Finanzministerium mit direkten Zuständigkeiten in drei Bereichen. Erstens: Aufsicht über Haushaltspolitik und Wettbewerbsfähigkeit sowie den Durchgriff auf die Wirtschaftspolitik der Länder, die sich in der eben beschriebenen «zweiten Stufe» befinden. Zweitens: alle typischen Zuständigkeiten eines Finanzministeriums in Bezug auf den integrierten Finanzsektor der Union. Dies sollte mit der vollständigen Integration dieses Sektors einhergehen. Drittens: Vertretung der Union in internationalen Institutionen.

Ok. Versuchen wir uns das praktisch vorzustellen: Nehmen wir mal an, die spanische Verschuldung würde weiter steigen, weil die Wirtschaft des Landes angesichts einer zu geringen Produktivität und zu hoher Preise auf den internationalen Märkten nicht mehr wettbewerbsfähig ist. Nun erfolgt eine Hilfszahlung. Weil die Ursache des Problems ungelöst bleibt – wie aktuell in Griechenland und Irland – wird die Verschuldung weiter steigen. Nun kommt unser geplanter Eurofinanzminister und greift durch. Aus Brüssel verordnet er Lohnkürzungen, um die Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen. Um das Ziel zu erreichen wären aber Lohnschnitte im Umfang von 20 bis 30 Prozent nötig. Der deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn hat auf die Wirkungen einer solchen Politik in Griechenland gemeint:

Wenn Griechenland dagegen eine sogenannte interne Abwertung in dem nötigen Umfang von 20 bis 30 Prozent im Euroraum durch Kürzung von Löhnen und Preisen versuchte hinzukriegen, geriete es an den Rand des Bürgerkriegs

Wie gut könnte sich eine Regierung in Spanien noch halten, die das mitträgt? Was würden die Spanier von der Euroidee halten?

Bleibt die Frage, ob denn Herr Trichet überhaupt kein Feingespür für politische Entwicklungen hat? Seine Worte:

Ich meine, die Antwort… liegt in der Stärkung des europäischen institutionellen Rahmens. In den Bereichen Wirtschaft und Finanzen heißt dies eine deutliche Stärkung der Institutionen der Wirtschafts- und Währungsunion. Mit Institutionen meine ich nicht Technokraten, die komplexe und bürgerferne Entscheidungen treffen. Ich meine vielmehr jene Regeln und Organisationen, die unsere zentralen Werte bewahren und auf das Gemeinwohl abzielen. Institutionen, die Vertrauen zwischen den Völkern und Nationen Europas stärken. Institutionen, die die Zusammenarbeit fördern.

Würde der vorgeschlagene Finanzminister diesen Ansprüchen denn wirklich genügen?

Keine Kommentare zu «Trichets Zuchtmeister-Vision»

  • rohstoffeboom sagt:

    Mr. Dax Dirk Müller: Das wird eine ganze üble Geschichte!

    http://goo.gl/k7jBD

    wie recht er hat!!!!

  • Michael Schwarz sagt:

    Diese Idee ist nicht neu, seit Jahren propagiere ich für eine neutrale internationale Organisation, die die Geldpolitik der Industrieländer ganzheitlich reguliert. Mit einem internationalen Finanzministerium kann das Problem des Ungleichgewichtes nicht lösen. Es braucht eine globale Zentralbank, die die Geldpolitik der nationalen Zentralbank koordiniert, reguliert. Der Goldstandard unterstützt die Regulatoren dabei. Die Geldpolitik der nationalen Zentralbank muss demokratisch werden, was heute nicht der Fall ist.

  • Tom Baer sagt:

    Leitzinsen? Ich frage mich warum in allen Weltreligionen ein Zinsverbot gilt und das sicher nicht nur so zum Spass und man trotzdem über Zinsenprobleme redet?
    Schafft den Zins ab, es geht wirklich auch ohne oder nicht?
    Oder schafft wenigsten eine Parallelwährung, wie den WIR, für alle, das wir die Wahl haben. Es kann doch nicht sein, dass wir nur eine auf zinsbasierendes FIAT Währung haben, die nur aufgrund ihrer hirarchischen monopoliserten Struktur funktioniert und die von einer privaten Institution wie der FED kontrolliert wird.

  • Klaus Behrendts sagt:

    Und da ist sie wieder, die französische Allmachts-Phantasie. Und wieder ein Absolvent der Elite-Hochschule der Grande Nation, wo derartige Sonnenkönige geradezu herangezüchtet werden. Die Absicht ist klar: eine selbsternannte Elite schaltet und waltet nach Belieben, gerade so wie es ihr nützt. Das ganze Gerede und Fach-Geschwafel verbirgt nur eines: dass genau diese Art von Politikern und Bankern zusammen die Welt an den Rand einer Katastrophe getrieben haben. Jetzt, da die Völker plötzlich bockig werden (siehe z.B. Island) müssen auch noch die nationalen Parlamente entmachtet werden, damit ja nichts Falsches passieren kann (z.B. eine Blockierung der Zahlungen). Was aus solchem Denken entspringt ist im besten Fall ein Strauss-Kahn, im worst case ein Weltenbrand!

  • Bruno Schnider sagt:

    Der Mann spricht aus, was immer mehr Menschen auf dem europäischen Kontinent denken:
    Nigel Farage!

    http://www.youtube.com/watch?v=ZTsvB3jvsmM

    Klare, deutliche Worte an unsere korrupte Politikerkaste. Mit den besten Wünschen zur Weiterempfehlung!

  • Patrick Ryf sagt:

    Wer denkt, dass die Lösung der Finaz-Probleme mit noch mehr Machtkonzentration in Brüssel gelöst werden können, leidet eindeutig unter Realitätsverlust. Dass die Finanz-Krise von gewissen Kreisen inszeniert wurde um damit diktatorische Macht an sich zu reissen, war vielen Beobachtern längst bewusst. Wie die einzelnen Völker auf den Würgegriff der Finanz-Taliban und einem Brüsseler Diktat reagieren werden, war offen, zeichnet sich aber bereits in Griechenland und Spanien ab. Der unbänige und blinde Wille der EU-Eliten, die Völker Europas unter ihrem zentralen Diktat zu kollektivieren wird Europa ins totale Chaos stürzen. Die EU entwickelt sich ganz klar in die Richtung einer Diktatur und wird von den nicht befragten Europäischen Völkern abgelehnt. Sollte die Brüsseler Zentralmacht denken, sie könne ihr Diktat den Völkern mit Macht aufzwingen, wird es in Europa schon bald zu Unruhen und Bürgerkriegen kommen und die einzelnen Europäischen Völker gegen einander aufhetzen, nicht weil es keine EU gibt, sondern weil es eine totalitäre fehlgeleitete EU gibt.

    • Ueli sagt:

      Wir sind jetzt in Phase 2 der Krise. Also bei der „Schocktherapie“ der Mächtigen gegen die Ohnmächtigen.
      Die Technokraten in Brüssel und Washington erledigen jetzt nur die Drecksarbeit für die nationalen Parlamente. Da kein Politiker seinen Leuten erklären kann, dass ihnen die Löhne um 30 % gekürzt werden müssen, die Sozialleistungen des Staates auf ein Minimum zurückgefahren werden und dadurch jegliche Hoffnung (auf ein menschenwürdiges Dasein) im Keim erstickt wird, müssen es halt die „bösen Buben aus Brüssel und DC“ machen.
      Worum geht es bei der Übung? Um die Rettung von privatem Kapital und nicht um Irland, Griechenland, Portugal oder Spanien!
      John Maynard Keynes sagte einmal: „Der Kapitalismus basiert auf der seltsamen Überzeugung, dass widerwärtige Menschen mit widerwärtigen Motiven irgendwie für das Gemeinwohl sorgen werden.“
      Ja…aber das unglaubliche ist, dass die Leute immer noch an dieses Märchen glauben.

      • Anh Toan sagt:

        @Ueli: Was Keynes ueber Kapitalismus sagte, passt auch auf Demokratie. Deswegen brauchen sowohl Demokratie als auch Kapitalismus Schranken und Korrekturen. Bei der Demokratie sind dies vor allem Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung, Foederalismus und der absolute Kerngehalt der Menschenrechte, welche die Minderheit vor der Mehrheit schuetzten, im Kapitalismus vor allem Arbeitnehmerschutz, Mieterschutz, Konsumentenschutz und Wettbewerbsrecht, welche die schwaechere Seite vor Ausbeutung durch die staerkere schuetzen.
        Ein wesentlicher Teil des privaten Kapitals, das gerettet werden soll, ist Pensionskassenkapital von Arbeitnehmern ganz Europas, auch der Schweiz. Doch vor dem Geld geht es um nicht weniger als die Rettung des friedlichen Zusammenlebens in Europa. Wie waere die Stimmung in Europa, wenn nur schon GR, IRL und PL aus Euro und Eu austreten, pleite gehen, eine neue schwache Waehrung einfuehren, die ueber Inflation den Mittelstand enteignet und die Kaufkraft der Arbeitnehmer und Rentner um 30% reduziert, dazu die Verluste in den Pensionskassen, die hohen Zinsen reduzieren den Wert der Immobilien etc.etc.? Sagen die Griechen dann, wir waren schoen bloed uns in den Euro gemogelt zu haben und zu glauben, die Party kostet nichts? Nein, selber ist man nie schuld, schuld sind die anderen, hier die Deutschen haben uns reingelockt, und Kredite aufgedraengt zum Kauf Ihrer Produkte, kurz haben uns betrogen und verarscht. Die Maerkte wuerden darauf spekulieren, welches Land das naechste ist, was die Wettbewerbsvorteile der staerkeren Laender dank guenstiger Finanzierungskosten weiter verstaerken wuerde. Sind auf Grund der hohen Zinskosten dann Spanien und Italien pleite, trennt sich der Norden Italiens (Mindestens Lombardei, vielleicht bis Toscana, ohne Rom) vom Sueden, und stellt ein Beitrittsgesuch zu EU und Euro, schliesslich ist der faule, mafioese Sueden inkl. der kriminellen roemischen Zentralregierung schuld, dass man nicht im Eliteclub EU mithalten konnte Spanien hingegen enteignet die Deutschen und Englaender an den Mittelmeerstraenden, denn diese haben schliesslich die Blase verursacht und sollen nicht ungeschoren davonkommen. Jetzt gehts los, jetzt gehts los!
        Lieber Ueli, es gibt viele Moeglichkeiten fuer eine zukuenftige Entwicklung in Europa nach einer Pleite Griechenlands, zu Glauben, es gehe nur um die Rettung von privatem Kapital ist eine zu einseitige oder gar triviale Sichtweise. Es geht auch um die Rettung von privatem Kapital.
        Ich halte griechische Anleihen in einer Hoehe, dass ich damit weder reich noch arm werde.

        • Ueli sagt:

          Lieber Anh Toan!
          Deine Antwort auf die globale Krise des Kapitals, welche sich jetzt in eine globale Staatsschuldenkrise gewandelt hat, ist mir eine Nummer zu moralisch und zu legalistisch. Ich habe ja auch nichts gegen die Einhaltung der Menschenrechte u.s.w. Aber da liegt eben der Hund schon begraben. Je mehr man „das Recht“ auf Nahrung rausposaunt, umso mehr kann man davon ausgehen, dass in vielen Teilen der Welt gehungert wird…dann empört man sich auf der „übersättigten Seite“, organisiert eine Spendengala und auf dem folgenden Apéro können sich dann die „Wohltäter des Menschengeschlechts“ wieder den Wanst vollschlagen.
          Arbeitnehmerschutz, Mieterschutz, Konsumentenschutz…nichts dagegen…aber sind das nicht schon ein bischen angestaubte Errungenschaften aus dem letzten Jahrhundert? Abgesehen davon operiert das Kapital schon lange nicht mehr national…d.h. in der Schweiz wird dann halt nur noch die Buchhaltung gemacht, während in China und Indien „ohne“ grosse Schutzmassnahmen produziert werden kann.
          Das Pensionskassengelder auf den Aktienmärkten und auf den Bondmärkten verspekuliert werden ist ein Skandal…und ich kann ihnen garantieren, dass in 5 Jahren keiner mehr von tollen Renditen träumen wird, weil beim Platzen der nächsten Blasen, die jetzt schon gigantische Ausmasse angenommen haben, der Traum vom geldheckenden Geld, für die meisten endgültig vorbei ist.
          Weiter, halte ich es keineswegs für fahrlässig, dass Griechenland, Portugal, Spanien und Irland aus dem Euro aussteigen…die grossen Verlierer bei dem Spiel währen vor allem die Deutschen, da diese ihre Wettbewerbsvorteile, welche auch durch den Euro geschaffen wurden, sich in die Haare schmieren könnten.
          Es gab auch eine Welt vor dem Euro und die sah nicht so aus wie die Apokalypse. Die ganze Angstmacherei ist nichts anderes als eine weitere List der Mächtigen um die Ohnmächtigen in die Schranken zu weisen. Aber die Leute haben langsam verstanden, dass wenn sie jetzt nicht auf die Strasse gehen und Plätze besetzen, dass sich dann die Mächtigen in Zukunft alles rausnehmen werden.
          Einen schönen Freitag noch!

          • Anh Toan sagt:

            Lieber Ueli, besten Dank fuer Deine Antwort.

            1. Ich gehoere nicht zu denjenigen, die Angst machen wollen, ich glaube daran, dass die Menscheit noch immer Loesungen fuer Probleme gefunden hat.
            2. Wo sollen Pensionskassen das Geld anlegen, wenn nicht in Staatsanleihen. Die Mehrheit der Menschen mit ein bisschen Sachverstand bezeichnet wenn schon jede andere Anlage als Spekulation
            3. Die „Maechtigen“ sind genauso ohnmaechtig wie die „Ohnmaechtigen“, allenfalls sind sie besser darin, ihre Ohnmacht zu akzeptieren und reagieren darum schneller auf sich veraendernde Umstaende, waehrend die Ohnmaechtigen versuchen, die Veraenderung zu verhindern. Und, speziell fuer Taric Trent, sie haben vielleicht auch einfach nur mehr Glueck (gehabt).

      • Hampi sagt:

        @Ueli sagt:
        8. Juni 2011 um 10:36

        Wenn die Stadtregierung von Madrid (Stadtpräsident und Stadträte) anstatt ca. 200 Dienstwagen nur noch deren 100 haben soll, dann hat das sehr wenig mit Menschenwürde zu tun. Auch hat es nichts mit Kapitalismus zu tun, sondern vielmehr mit dem allgemeinen menschlichen Besitzstandverhalten. Dieses Verhalten kennt keine Grenzen wie Kapitalismus, Komunismus, Diktatur, Demokratie etc. Es gehört zu unserer Grundausstattung.

        Das spanische Arbeitsmarktsystem zum Beispiel muss reformiert werden, weil es auf schäbigste und unverdiente Weise die langjährigen Arbeitnehmer auf Kosten der Jüngeren übervorteilt. Das hat die Konsequenz, dass es auf dem Arbeitsmarkt ein Zweiklassensystem gibt: jene die praktisch unkündbar (weil zu teuer) sind und jene die „gratis“ entlassen werden können. Dass dieses System für die Produktivität ein absoluter Albtraum ist, ist nicht allzu schwer einzusehen. Auch dass das System ein gewaltiger Nachteil für Neueinsteiger (Junge) bedeutet, bedarf keiner Doktorarbeit.

        Ein bisschen mehr „Meritokratie“ gegenüber dieser grotesken Zweiklassengesellschaft hat auch nichts mit Kapitalismus zu tun, sondern vor allem mit „gesundem Menschenverstand“ .

  • Kunz Walter sagt:

    Wie Meisterhaft er z. B. die EZB im Griff hat erfahren wir ja täglich aus der Presse.

  • SuperBear sagt:

    Ich fuerchte, es ist die einzige verbleibende Moeglichkeit. Natuerlich gibt es dadurch eine Verwaesserung von deutschen Anleihen . Dies ist aber immer noch besser als ein Systemkollaps. Sollte man nicht genuegend Kaeufer fuer die neuen „Eurobonds“ finden, bleibt immer noch der amerikanische Weg, sprich QE durch die EZB. Dies wuerde mehr Inflation bedeuten und wie eine Steuer auf Ersparnisse wirken. Das gleiche praktizieren ja auch die Englaender (BoE bond buying program) mit kurzfristigen Zinsen bei 0.5 pct und einer Inflationsrate von 5 pct. Komischerweise beschwert sich kaum einer darueber.

  • Der Finanzminister, resp. die Europäische Zentralbank, welche Anleihen auflegt und sie den Ländern zuteilt, wäre das einzig Richtige, um zu verhindern, dass einzelne Spekulanten Länder wie Griechenland in den Ruin treiben können! Ich habe von Anfang des Euro an nicht begriffen, dass das nicht so läuft. Eine gemeinsame Währung und trotzdem wurschtelt jedes Land irgend etwas herum, ist ein gefundenes Fressen für Spekulanten und auch für die Länder, die sich darauf verlassen, dass die reicheren Länder ihnen helfen, wenn sie keine Budet-Disziplin haben.

    • Thomas Steffen sagt:

      Die Spekulanten sind die besten Doktoren der Wirtschaft. Griechenland ist finanziell tot – das muss man jetzt einfach einmal akzeptieren. Dort gutes Geld schlechtem nachwerden bringt gar nichts. Das Land hätte man schon lange Bankrott gehen lassen sollen. Die Spekulanten hätten das ihrige dazu beigetragen. Sie können nicht auf der einen Seite die Spekulanten verdammen (die fressen alles wie Haie wenn es verwundet ist – und das ist auch gut so) und auf der anderen Seite erkennen Sie das Problem: einige Länder verlassen sich darauf, gerettet zu werden !

      • Anh Toan sagt:

        Laesst man Griechenland pleite gehen, schnellen die Zinsen fuer Portugal und Irland deren Banken hohe Investments in GR haben) in die Hoehe, diese gehen auch pleite, damit vermutlich auch Spanien, Italien und Belgien, was wiederum Frankreich zumindest an den Rand eines Bankrotts bringen wuerde. Falls die Kettenreaktion nicht in Frankreich gestoppt werden kann, ist spaetestens zwei drei Jahre spaeter auch Deutschland bankrott, da dessen Exportwirtschaft zusammenbricht und damit das BSP um zweistellige Prozentzahlen schrumpft, was zusammen mit der durch die notwendigen Stuetzung der Banken (Investiert in F) massiv gewachsenen Schulden schlicht ruinoes waere. Die Maerkte werden diesen Verlauf vorwegnehmen (Zinsen steigen sogar fuer D rasch) und damit beschleunigen. (An allfaellige SVP-ler: 500 Mio Europaer fluechten in den CHF, da sie auch dem USD nicht trauen, der USD Kurs sinkt auf 0.25, vergesst Handel mit Asien, die Schweiz kann nicht mehr exportfaehig sein).
        Kurz, GR muss saniert werden. Die Griechen wissen dies, und versuchen, weiterhin mehr zu konsumieren als sie produzieren und Euroland zahlen zu lassen (63 jaehrige Arbeitnehmer in D finanzieren die Renten von 56-Jaehrigen in GR). Dagegen wehrt sich die EU mit in Frage stellen von zugesagten Raten, oder mit dem Vorschlag Herrn Trichets zur Entsendung einer finanzpolitischen Inquisition. Dieser Druck auf GR dient auch dazu, den Waehlern in den Nettozahlerlaendern die Rettung GRs verkaufen zu koennen, nach dem Motto, einmal muesst Ihr zahlen, in Zukunft wirds nicht mehr passieren. Auf diesem Weg wird die politische Auseinandersetzung zu den notwendigen Ausgleichsmechanismen fuehren, wenn auch auf Umwegen.
        Die Wurzel der EU liegen in der Montaunion von 1950: Seither herrscht Frieden in Europa (ausser EX-Ostblock), solange gabs dies seit den Roemern nicht. Geht die EU unter, tut sie dies im Streit, dann Gnade Gott Europa inkl. Schweiz. Liebe Deutsche und auch Schweizer, was darf Frieden kosten? Koennt Ihr in Frieden und Wohlstand leben, wenn in Eurer Nachbarschaft die Strukturen zusammenbrechen und Chaos herrscht? Der Weg zu einem besseren Europa ist lang aber nicht weit, denn wichtig ist, dass wir auf diesem Weg weitergehen und nicht zurueck, dahin, wo wir herkamen.

        • Mikeyns sagt:

          Europa ist vor 65 Jahren schon einmal untergegangen und hat die Schweiz nicht mitgerissen. Es war damals möglich, die Strukturen (Währung, Finanzplatz, Verwaltung) aufrecht zu erhalten, als ringsum das Chaos ausgebrochen war. Ihre Schwarzmalerei ist pure EU-Propaganda.

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