Titanenstreit um den Grund für die Tiefzinsen

NMTM

Die Zukunft wird zeigen, wer richtig lag: Die Ökonomen Larry Summers (links) und Ben Bernanke. Foto: Keystone

Vor rund einer Woche hat die Schweizerische Eidgenossenschaft zum ersten Mal am Kapitalmarkt Geld zu einem Negativzins aufnehmen können. Das bedeutet, ihre Gläubiger sind sogar bereit, ihr etwas dafür zu bezahlen, dass sie ihr Geld leihen dürfen: Konkret 0,055 Prozent.

Das ist nur die jüngste Schlagzeile in einer mittlerweile längeren Geschichte von sinkenden Zinsen, wie die folgenden Grafiken zeigen. Die erste zeigt die Entwicklung der Nominalzinsen in einer Reihe von Ländern gemessen an den Renditen 10-jähriger Staatsanleihen (Quelle: Oxford Economics):

Oxford Nominalzinsen

Die Nominalzinsen werden allerdings wesentlich von den Inflationserwartungen beeinflusst. Für Investitions- und Sparentscheide und damit für unser Thema sind die Realzinsen entscheidend, die um die Inflation bereinigt sind. Die unteren beiden Grafiken zeigen, dass sich am Bild laufend sinkender Zinsen auch in der Realzins-Betrachtung nichts ändert. Die Zunahme der Realzinsen in jüngster Zeit – sie wurden weniger negativ – ist einzig das Ergebnis der gesunkenen Inflationserwartungen bzw. wachsenden Deflationserwartungen und deshalb kein gutes Zeichen. Dazu unten mehr. Die Grafiken entstammen einem empfehlenswerten Sammelwerk zum Thema, das von VoxEU publiziert wurde:

VoxEU Realzinsen

Unter den Ökonomen herrscht eine intensive Debatte zur Frage, was letztlich für den Zerfall der Zinsen verantwortlich ist. In jüngster Zeit hat sie sich erneut verschärft, nicht zuletzt weil sich daran mittlerweile Titanen des Fachs wie Ben Bernanke – eben noch Chef der US-Notenbank – und Larry Summers beteiligen. Letzterer ist Ex-Finanzminister der USA (unter Clinton), Ex-Wirtschaftschefberater (unter Obama) und wurde beinahe Nachfolger von Bernanke als Notenbankchef.

Mit seiner Erklärung einer «Secular Stagnation» hat Summers schon vor einiger Zeit eine viel beachtete (und auch auf diesem Blog vorgestellte) Erklärung geliefert, die seither die Ökonomenzunft intensiv beschäftigt. Hier findet sich Summers These ausführlich in schriftlicher Form. Unten das Youtube-Video einer IWF-Veranstaltung, an der er die These erstmals vorgetragen hat. Für das Folgende gehts auch ohne diese Quellen.

«Secular Stagnation» bedeutet frei übersetzt «Jahrhundertstagnation», wobei man das mit dem «Jahrhundert» nicht allzu wörtlich nehmen sollte. Gemeint ist damit eine sehr lange anhaltende Stagnation, die dadurch ausgelöst wird, dass nicht mehr genug Gesamtnachfrage generiert werden kann, um für Vollbeschäftigung zu sorgen.

Begründet wird das mit dem Umstand, dass insgesamt die Ersparnisse im Verhältnis zu den Investitionen zugenommen haben bzw. die Investitionen im Verhältnis zu den Ersparnissen abgenommen. Nehmen die Ersparnisse (Einkommen minus Konsum- und Staatsausgaben) zu, ohne in entsprechend mehr Investitionen zu fliessen (das Ausland lassen wir vorerst unberücksichtigt), dann sinkt die gesamte Nachfrage in einer Volkswirtschaft.

Dafür können mehrere Ursachen verantwortlich sein, über deren Bedeutung im Einzelnen unterschiedliche Ansichten bestehen. Hier die meistgenannten:

  • Die demografische Entwicklung (weniger Arbeitsfähige im Verhältnis zu Senioren), die insgesamt zu einer höheren Sparquote führt, weil mehr für das Alter gespart wird.
  • Die geringe Kapitaltiefe der modernen Produktion. Die heute führenden Industrien (besonders im Software-Bereich) benötigen weit weniger Kapital als die einstigen Schwerindustrien und daher auch deutlich weniger Investitionen.
  • Der geringere Preis von Investitionsgütern. Auch dieser Umstand verringert den Anteil der Ersparnisse, der in Investitionen fliesst.
  • Die grössere Ungleichheit. Die Reichen konsumieren anteilmässig weniger, was einer grösseren Vermögensbildung bzw. Ersparnis entspricht.

Die «Secular Stagnation»-These geht nun davon aus, dass die Zinssätze, die Vollbeschäftigung wieder möglich machen würden, bereits deutlich in den negativen Bereich gefallen sind.

Die folgende simple Marktgrafik für Ersparnisse und Investitionen zeigt schematisch, was damit gemeint ist. Der Verlauf der jeweiligen Kurve (Ersparnisse bzw. Investitionen) zeigt den üblichen Umstand, dass bei tieferen Zinsen weniger gespart bzw. mehr investiert wird und umgekehrt. Vom Zinssatz unabhängige Einflüsse auf Ersparnisse und Investitionen (wie die oben erwähnten Ursachen für die «Secular Stagnation») verschieben jeweils die ganze Kurve. Gemäss der «Secular Stagnation»-These hat die Zunahme der Ersparnisse die entsprechende Kurve nach rechts verschoben bzw. die Abnahme der Investitionen die diesen entsprechende Kurve nach links. Das Ergebnis ist, dass nun das Marktgleichgewicht, wie in der Grafik gezeigt, tief im negativen Bereich liegt.

Grafik Gleichgewicht

Die bisherigen Ausführungen dürften die Frage provozieren, wie das alles mit dem Verhalten von Notenbanken zusammenhängt, die doch die Leitzinsen festlegen.

Dieser Frage hat sich Ben Bernanke in einem ersten inhaltlichen Beitrag auf seinem neuen Blog unter dem Titel «Why Are Interest Rates so Low» angenommen. Seine Argumentation: Eine Notenbank kann im Normalfall am ehesten noch den kurzfristigen Zinssatz beeinflussen. Darüber kann sie – in einem schwächeren Zusammenhang – auf die Inflationserwartungen Einfluss nehmen und – in einem noch schwächeren Zusammenhang – auch auf die längerfristigen tatsächlich vorherrschenden Zinssätze.

Etwas ganz anderes ist aber jener reale (also um die Inflationserwartungen korrigierte) Zins, der – wie die obige schematische Grafik gezeigt hat – vorherrschen muss, damit sich die gesamte Wirtschaft im Gleichgewicht befindet, also ohne mangelnde Gesamtnachfrage bzw. bei einer Vollbeschäftigung. Dieser sogenannte «natürliche» Zinssatz oder Wicksell-Zins (weil die Überlegungen dazu auf den Schwedischen Ökonomen Knut Wicksell zurückgehen) ist von Umständen in der Wirtschaft abhängig, die die Notenbank nicht beeinflussen kann, (wie – nebenbei bemerkt – das Potenzialwachstum oder eben die natürliche Arbeitslosenquote bzw. die sogenannte Nairu). Solche Umstände sind strukturelle Faktoren, wie jene eingangs erwähnten, die die Spar- und Investitionsentscheide beeinflussen.

Aufgabe der Notenbank ist es, sich eine Vorstellung darüber zu machen, wie hoch dieser natürliche reale Zinssatz liegt, und den tatsächlichen realen Zins dann mit ihrer Geldpolitik über ihre Leitzinsen in diese Richtung zu bewegen. Ist die Geldpolitik zu restriktiv, sodass das tatsächliche Zinsniveau deutlich höher liegt als der natürliche Zinssatz, steigt die Arbeitslosigkeit und die Wirtschaft schwächt sich ab. Fällt das tatsächliche Zinsniveau tiefer aus als der natürliche Zinssatz, überhitzt die Wirtschaft und die Inflation steigt.

Liegt der natürliche Zinssatz nun deutlich im negativen Bereich, wie das die Vertreter der «Secular Stagnation»-These annehmen, stellt das für Notenbanken ein Problem dar. Denn sie können den Leitzins nicht beliebig unter null senken, da irgendwann Bargeldhaltung zur attraktiven Alternative wird (Thema für ein andermal). Anders gesagt befindet sich die Wirtschaft dann in einer Liquiditätsfalle.

Ben Bernanke zweifelt an dieser These bzw. der Annahme, dass der natürliche Zinssatz sich für längere Zeit deutlich unter null Prozent befinden kann. In seinem zweiten Blogbeitrag zum Thema bringt er dafür zwei Argumente vor:

  1. Die Notenbank hat Möglichkeiten, den Realzins unter null zu senken: Den Nominalzinssatz (also den nicht teuerungsbereinigten, «angeschriebenen» Satz) kann sie zwar nicht deutlich unter null senken, aber sie kann für höhere Inflationserwartungen sorgen. Setzt sich die Erwartung durch, dass sich die Inflation, wie von der Notenbank zum Ziel gesetzt, bei 2 Prozent einpendeln wird, und befindet sich der Nominalzins bei null Prozent, dann erreicht sie damit einen Realzinssatz (einen teuerungsbereinigten Satz) von minus zwei Prozent.
  2. Realzinsen werden nie sehr lange sehr tief bleiben, denn dann würden sich selbst blödsinnige Investitionen lohnen, denn für das Leihen von Geld bekommt man dann ja in Kaufkraft gemessen noch etwas dazu. Als Beispiel für eine solche Investition nennt Bernanke das Abtragen der Rocky Mountains, um damit die Kosten eines Transports über dieses Gebirge zu sparen.

Larry Summers als Hauptvertreter der «Secular Stagnation»-These ist von dieser Argumentation wenig beeindruckt. In seiner Entgegnung auf Bernankes Blog kontert er wie folgt:

  1. Wie die Erfahrung der letzten Jahre zeigt – für Japan gilt das sogar für rund zwanzig Jahre – ist es für eine Notenbank alles andere als einfach, Erwartungen einer höheren Inflation zu schüren. Mit gewöhnlichen Massnahmen ist das kaum mehr möglich, weil sie den Leitzins wie erwähnt nicht mehr deutlich weiter senken kann, wenn er sich schon bei null Prozent befindet. Nur sehr ungewöhnliche Massnahmen, die im Normalfall für unverantwortlich gehalten werden (wie Käufe von Staatsanleihen bzw. ein Quantitative-Easing-Programm), können dann noch eingesetzt werden – ebenfalls mit ungewissen Erfolgsaussichten. Je glaubwürdiger Notenbanken darin sind, Unverantwortliches zu vermeiden, desto weniger können sie glaubwürdig höhere Inflationserwartungen schüren.
  2. Selbst negative Zinsen bedeuten in der Praxis fast nie, dass Privatpersonen oder Unternehmen Geld ausleihen können und dann noch etwas vom Gläubiger erhalten. Vor allem (aber nicht nur) die Zuschläge für das Risiko eines Zahlungsausfalls durch den Kreditnehmer führen dazu, dass der Zins selbst bei einem negativen Zinsniveau noch positiv ist, denn das allgemeine Zinsniveau bemisst sich an risikolosen Zinsen, die an den Renditen von Staatsanleihen gemessen werden, deren Rückzahlung als gesichert gilt (wie diejenigen der USA, Deutschlands oder der Schweiz). Diesen Punkt gesteht Bernanke in seinem Beitrag selbst ein.
  3. Wie schon in seinen früheren Beiträgen zum Thema macht Summers klar, dass eine Vollbeschäftigung in dieser Situation (mit einem negativen natürlichen Zinssatz) nur durch Übertreibungen an Kapitalmärkten erreicht werden kann, die auf Verschuldung basieren und zwingend irgendwann in Tränen enden. Tatsächlich haben die Blasen in den 2000er-Jahren zwar für Vollbeschäftigung gesorgt, nicht aber zu Inflation geführt. Das weist darauf hin, dass ohne diese Blasen die Wirtschaft trotz sehr tiefer Zinsen tatsächlich unterausgelastet geblieben wäre und mit den Blasen keine Überauslastung vorgeherrscht hat.

In seinem dritten Blogbeitrag zieht Bernanke schliesslich einen weiteren Joker gegen die These der «Secular Stagnation» aus dem Ärmel: Summers und die Vertreter der «Secular Stagnation» würden die internationale Dimension unterschlagen – explizit die Möglichkeit, dass bei sehr geringen Renditemöglichkeiten in einem Land sich höher rentierende Investitionsmöglichkeiten im Ausland bieten. Werden diese genutzt und fliesst Kapital in Länder mit höheren Renditen ab, dann führt das zu einer Aufwertung der Währungen in diesen Ländern und einer entsprechenden Abwertung der inländischen Währung. Dies wiederum würde die eigenen Exporte befeuern und damit der heimischen Wirtschaft über Exporte Schub geben – und auf diesem Weg auch die natürlichen Zinsen wieder in den positiven Bereich führen.

Zu diesem Punkt hat sich Paul Krugman in die Debatte eingemischt, der als polemischer Autor der «New York Times» bekannt ist. Doch der Nobelpreisträger zählt auch zu den führenden Ökonomen der internationalen Makroökonomie. Krugman gesteht offen ein, dass es gerade das auch von Bernanke vorgebrachte Argument zu möglichen Auslandinvestitionen war, das ihn lange zweifeln liess, ob es so etwas wie eine «Secular Stagnation» geben könne.

Das Beispiel Japans aber hat seine Zweifel ausgeräumt. Hier Krugmans Erklärung: Herrscht in einem Land eine «Secular Stagnation» (wie etwa in Japan) vor, ist nicht nur die Wirtschaftslage schwach, die Inflation ist zudem auch noch sehr gering oder negativ (letzteres wird als Deflation bezeichnet). Gleichzeitig ist die Notenbank in dieser Wirtschaftslage in der Regel an die unterste Grenze ihrer Leitzinsen gestossen, die nicht viel tiefer als null liegen können. Der Realzins (Nominalzins minus erwartete Inflation bzw. plus Deflationserwartung) ist dann nicht so tief, wie ein Blick nur auf die Nominalzinsen vermuten lässt; er kann bei Deflation sogar positiv sein, weil das Geld angesichts eines abnehmenden Preisniveaus ständig an Wert gewinnt. So erklärt sich die Zunahme der Realzinsen in der Eurozone (wie in der Zinsgrafik zu Beginn gezeigt) mit der laufend gefallenen Inflationserwartung.

Die Realzinsen sind unter dieser Voraussetzung nicht auffällig tiefer als in Ländern mit höheren Nominalzinsen und höherer Inflation. Ein Beispiel zur Veranschaulichung: In einem «Secular Stagnation»-Land mit einem Leitzins bei 0 Prozent und einer Deflationserwartung von 1 Prozent liegt der reale Zinssatz bei plus 1 Prozent. Genau gleich hoch liegt er in einem Land mit einem Leitzins von 3 Prozent und einer Inflation von 2 Prozent. Ein Abfluss von Kapital, der das Problem einer «Secular Stagnation» von selbst aufgrund deutlicher internationaler Zinsunterschiede löst, findet daher nicht statt.

Auch Bernanke gesteht ein, dass sich über die Aussenbeziehungen das Problem der zu tiefen Zinsen tatsächlich nicht gelöst hat. Deshalb liefert er in seinem dritten Beitrag zum Thema einen alternativen Grund für die aussergewöhnlich tiefen Zinsen. Eine «Global Savings Glut» sei verantwortlich. Dabei greift Bernanke auf eine ältere Analyse von ihm selbst zurück, mit der er schon als Fed-Gouverneur im Jahr 2005 für Furore gesorgt hat. Bernanke erklärt das gefallene und anhaltend tiefe Zinsniveau mit einem internationalen Überfluss (englisch Glut) an Ersparnissen, der vor allem durch Länder mit Nettoexportüberschüssen wie (zuvor) vor allem China und (heute) Deutschland geschaffen wird.

Dabei ist mit den Ersparnissen nicht das bewusste Verhalten von Kleinsparern, sondern das volkswirtschaftliche Sparen gemeint, das sich schlicht aus der Differenz zwischen allen Einkommen (dem BIP) und allen Ausgaben für den Konsum oder den Staat ergibt. Was von diesen Ersparnissen (S) nicht im Inland investiert (I) wird, muss als Nettoexportüberschuss (NX) ins Ausland fliessen (das führt zur simplen Formel S = I + NX, wie dieser Beitrag erklärt).

Permanente Nettoexportüberschüsse sind aber nur möglich, wenn Überschussländer keine ausreichende inländische Nachfrage nach ihren eigenen Produkten bilden bzw. bilden können – etwa wegen ungenügenden (oder aktiv eingeschränkten) Einkommen der eigenen Bevölkerung und/oder wegen zu geringen inländischen Investitionen oder weil sie aktiv ihre eigene Währung schwächen. Die Erlöse aus den Überschüssen werden wieder in die Defizitländer re-investiert und neutralisieren so eine Aufwertung der Währungen der Überschussländer (im Fall von Deutschland verhindert die Euro-Mitgliedschaft die Aufwertung). Vor allem verdrängen Nettoexportüberschussländer (wie Deutschland oder China) in den Defizitländern die Nachfrage nach den dort im Inland hergestellten Produkten und Dienstleistungen.

Besonders wichtig in unserem Zusammenhang: Kapitalzuflüsse aus Überschussländern sorgen in den Defizitländern für ein zu tiefes Zinsniveau. Dies – zusammen mit der schwächeren Nachfrage nach der eigenen Produktion wegen der Importüberschüsse – bietet dort oft Anreize für eine steigende Verschuldung, um mit dem dadurch angeheizten Konsum dennoch Vollbeschäftigung zu erreichen.

Laut Bernanke liegt deshalb die Lösung für das Problem zu tiefer Zinsen in einem ausgewogeneren weltweiten Aussenwirtschaftsverhältnis. Insbesondere fordert er Überschussländer auf, für eine vermehrte Nachfrage im eigenen Land zu sorgen und ihre Wirtschaft entsprechend ausgewogener auszurichten. Im Fokus hat er einerseits China, aber ganz besonders Deutschland, dem er in diesem Zusammenhang sogar einen gesonderten Blogbeitrag widmet.

Summers und Krugman widersprechen der Analyse von Bernanke zur «Savings Glut» bzw. der Schädlichkeit permanenter Nettoexportüberschüsse nicht im Geringsten. Aber sie sehen in ihr keinen Widerspruch zur «Secular Stagnation»-These. Hier in den Worten von Summers:

«Successful policy approaches to a global tendency towards excess saving and stagnation will involve not only stimulating public and private investment but will also involve encouraging countries with excess saving to reduce their saving or increase their investment. Policies that seek to stimulate demand through exchange rate changes are a zero-sum game, as demand gained in one place will be lost in another. Secular stagnation and excess foreign saving are best seen alternative ways of describing the same phenomenon.»

Deshalb sind die beiden auch nicht einverstanden mit der Schlussfolgerung von Beranke, dass man bloss die Überschussländer zur Raison bringen muss, damit sich die Lage wieder verbessert.

Als Regionen, die am meisten unter einer «Secular Stagnation» leiden, machen Summers und Krugman nämlich die Eurozone und Japan aus. Aus diesem Grund seien diese praktisch auf eine schwache Währung und Nettoexportüberschüsse angewiesen. Als Beleg für eine noch lang anhaltende Eurokrise führt Krugman zum Beispiel verschiedene lang laufende Marktsätze an:

«But look at what bond markets are saying! German interest rates – presumably an indicator of perceived euro safe rates – are negative out to seven years; the 10-year rate is only 16 basis points. This is telling us that markets expect the euro area economy to be depressed, and ECB rates very low, for many years to come. In effect, European bond markets are flashing a secular stagnation warning.»

In dieser Situation werde sich an den Nettoexportüberschüssen dieser Region in absehbarer Zeit kaum etwas ändern. Damit allerdings verbleibe das Problem, dass die Nachfrageschwäche Europas und Japans praktisch exportiert werde in Länder, die zwar besser dran sind, aber sich – wie vor allem die USA – keineswegs auf dem Weg zu einem gesicherten Aufschwung befinden.

In diesem internationalen Kontext ist daher – wenn diese Ökonomen recht behalten – noch lange nicht mit einer Normalisierung der Zinssätze zu rechnen.

87 Kommentare zu «Titanenstreit um den Grund für die Tiefzinsen»

  • Markus Ackermann sagt:

    Markus Diem Meier hat mit seinem Artikel ein wichtiges und kompliziertes Thema in hervorragender Weise dargestellt. Danke dafür! Arbeitet man sich durch die referenzierten Quellen, erkennt man, dass die Champions League der Ökonomen ihre Argumente vorträgt und zu sich widersprechenden Schlussfolgerungen kommt, basierend auf den gleichen Zahlen. Wie das?
    .
    Der Unterschied besteht m.E. nicht in den Fakten oder dem ökonomischen Wissen oder der ökonomischen Logik, sondern in der Perspektive: Summers vs Bernanke ist der Konflikt Werkplatz vs Finanzplatz. Realwirtschaft und Finanzwirtschaft arbeiten beide mit dem Zeitwert für Geld, den Zinsen.
    ABER: Mainstreet und Wallstreet setzen das Geld anders ein:
    – Die Realwirtschaft für Angebot und Nachfrage, für Investitionen und marginal efficiency, für Renten und Staatsschulden im Kontext von BIP, Inflation und Kaufkraft:
    -> PRODUKTIV ist, was als Wert geschöpft wird und bleibt, was gelagert werden kann: M.a.W., falls man nach der Transaktion reicher ist als vorher, bref: was VALUE ist (und meist unter die Bevölkerung verteilt wird von unten bis oben: soziale Marktwirtschaft)
    – Die Finanzwirtschaft für’s Casino, für hedges, für Finanzräder mit minimalem Eigenkapital, für Derivate.
    -> Dies ist UNPRODUKTIV, denn man sucht den „greater fool“, bref: Geld wird eingesetzt für SPEKULATION, die keinen value schafft, sondern umverteilt (meist von unten nach oben), weil die Spekulation immer gegen „das System“ spielt. Der ausgelutschte junk landet am Ende bei Rentnern, Sparern, Staat und Zentralbanken.
    .
    Als ehemaliger Finanz-Minister analysiert Summers die Zinsen mit der Perspektive der Realwirtschaft. Als ehemaliger FED-Chef analysiert Bernanke die Zinsen mit der Perspektive der Finanzwirtschaft. Kein Wunder: Die Zentralbanken (z.B. FED, €ZB) wurden in den letzten Jahren zu den Bancomaten der Geschäftsbanken, denn die Geschäftsbanken können via too big to fail alle anderen erpressen.
    .
    Bernanke wie Summers modellieren auf der Basis der Great Depression. Ich glaube, diese Modellierung ist richtig. Aber sie beinhaltet methodisch auch eine petitio principii.
    – Die secular stagnation (und 100% money) wurde damals diskutiert.
    – Barry Eichengreen bezeichnet den €U-Raum mittlerweile schon als „developping countries“ (nicht: „developped“ countries).
    Die Währung wird nicht durch die Realwirtschaft sondern durch die Finanzwirtschaft unterminiert (zu viele Schulden). Beispiel: € als Schulden-Monster.

    • Linus Huber sagt:

      “developping countries”

      Ich erinnere ich mich an einen Artikel, in welchem die Überbewertung von Währungen verglichen wird. An erster Stelle liegt die Bananenrepublik der Philippinen oder in anderen Worten, das Vertrauen in die philippinische Währung ist weltweit am höchsten.

      Da kann man den westlichen Zentralbankern ja nur noch gratulieren.

      • Anh Toàn sagt:

        Ich habe mal irgendwo gelesen, weiss nicht mehr wo und wann aber ich bin ganz sicher, es stand irgendwo, es kann nicht sein, dass es einer der zehn guten Gründe für Suchard Express war, es war in einem Wirtschaftsfachblogmagazin oder so, ganz bestimmt, Also da stand, vielleicht war es auch in einem Kommentar, ist ja egal, die Währung von Burundi sei am meisten überbewertet, weltweit. Wobei ich nicht mehr weiss, wie Überbewertung gemessen wurde, aber das ist nicht wichtig, wichtig ist, dass wir die faktische Tatsache erkennen: Die westlichen Zentralbanken, ausser die SNB seit man Hildebrand den Verräter ertappt hat, sind unfähig wegen einer fehlerhaften Indoktrination, und Draghi ist der Teufel.

    • Markus Ackermann sagt:

      Der Guardian hat eine Reihe von Beiträgen zu Negativ-Zinsen und secular stagnation veröffentlicht von Roubini, Rogoff, Eichengreen, Sinn (alle veröffentlicht via Project Syndicate)
      http://www.theguardian.com/business/series/project-syndicate-economists

  • Charles Stuker sagt:

    die hier publizierten vielfältigen Beiträge zu lesen war spannend und lehrreich. Deshalb möchte ich, wenn auch als Nachzügler, auf die Frage der „werthaltigen Investition“ ein paar Gedanken beisteuern.

    Unter der Annahme, dass die Weltbevölkerung weiterhin wächst, würde ich in Nahrung, also auch Trinkwasser, in Produktion und Ressourcen investieren. Wenn ich dann noch Geld übrig hätte, auch in Natur und Gesundheit investieren, weil ich ein Optimist bin und gerne das Leben mit Familie und Freunden geniesse.

    Der bereits kräftige Verteilkampf um Nahrung und Ressourcen wird sich durch das Bevölkerungswachstum eher verstärken und damit die Schere zwischen Arm und Reich vergrössern, was wiederum zu mehr politischer Instabilität führen wird. Würde es gelingen aus der Not eine Tugend zu machen, könnte dies den Wert des Kapitals positiv beeinflussen.

    Mit der Investition in die Produktion von marktgerechten Gütern, wird Mehrwert geschaffen. Mit der Sicherung des Zugangs zu den Ressourcen wird die Produktion langfristig gewährleistet und damit der Wert des gesparten Kapitals verankert. Überlassen wir diesen Teil den Chinesen und anderen billigen Produktionsländern, verlieren wir zunehmend unsere Kreativität und somit die Innovationskraft und machen unsere Wirtschaft von Dritten abhängig. Der Wert unseres Geldes könnte langfristig an Bedeutung verlieren, wenn wir unsere Unabhängigkeit und Werte aufgeben. Die Chinesen denken strategisch in langfristigen Zeiträumen. Das sollten wir auch tun.

    Wir können das Spiel der Mächtigen beobachten, versuchen es zu durchschauen und zu verstehen; beeinflussen können wir es kaum. Aber wir können eigene, hoffentlich gesunde, pragmatische Strategien entwickeln und darauf bauen — letztendlich Mehrwerte schaffen, um den Wert unseres gesparten Kapitals für uns und unsere Kinder nachhaltig zu sichern.

  • 3. Die Zentralbanken sind es, die das Zinsniveau bestimmen. Ben Bernanke hat hierzu viel Richtiges geschrieben. Allerdings passt dies nicht zum offiziellen Auftrag des Fed. Und die Geldmenge wird ebenfalls nicht durch die Notenbanken determiniert und somit auch nicht das Zinsniveau: https://zinsfehler.wordpress.com/2013/09/06/allmachtsfantasien-zur-zinssetzungshoheit/

    Wer mit dem geistigen Rüstzeug der Tauschwirtschaft die Geldwirtschaft analysiert, kommt nicht nur zu den falschen Schlüssen, sondern bastelt sich auch die falsche Modelle und Theorien, die dann irgendwann wie das geozentrische Weltbild an der Realität scheitern. Es ist ein intellektuelles Desaster, das einen übergroßen Anteil an dieser Krise und dem Elend in Südeuropa hat.

    LG Michael Stöcker

    • Walter Bernstein sagt:

      Michael Stöcker, 15.51
      In der Tat kommt den Zentralbanken die Schlüsselrolle zu.
      Zum Glück hat Europa die EZB. Ich halte sie für die beste Notenbank der Welt: Nach einer Schönwetterphase hat sie in der Krise ihre Stärke, Schlagkraft und Unabhängigkeit bewiesen. Sie ist kompetent, transparent und vereint meisterlich verschiedenste Kulturkreise (noch einige mehr als die SNB).
      Im Gegensatz zur Federal Reserve hat die EZB auch einen klaren Auftrag. Ben Bernanke hat öfters geäussert, dass er die EZB um ihr eindeutiges Mandat zur Inflationsbekämpfung beneidet. Die Federal Reserve wird vom Kongress eher als Gemischtwarenladen gesehen, der von der Arbeitslosigkeit bis zur Staatsfinanzierung für alles zuständig ist. Auch in Sachen Kommunikation setzt die EZB Masstäbe: Genau wie die EZB, hält seit 2011 auch die Fed Pressekonferenzen nach ihren Sitzungen ab.
      Sogar in der tiefsten Krise hat die EZB die Leitzinsen nie so tief gesenkt wie Fed und SNB, und sich dadurch Handlungsspielraum erhalten.
      Ich denke, dass die EZB die Finanzkrise besser gemanagt hat als jede andere Zentralbank. Andere Zentralbanken stiessen an ihre Grenzen oder haben vor der Politik kapituliert (z. B. die BoJ).

      • Linus Huber sagt:

        „Zum Glück hat Europa die EZB.“

        Zum Glück haben wir einen Blender wie Mario, welcher mitunter dafür verantwortlich zeichnet, dass Griechenland überhaupt in den EURO aufgenommen wurde und welcher meisterhaft die Rolle des Zauberlehrlings übernimmt. Aus meiner Sicht ist dieser Mann kein Glück für uns, sondern die Personifizierung des Teufels, welcher seine Macht einzig zugunsten seiner Klientele (Banken) ausspielt und aber gar nichts zum längerfristigen Wohle der europäischen Bevölkerung erwirken dürfte.Vielleicht werden wir die Handlung des Dr. Jordans in 10 Jahren als weitsichtig und weise beurteilen.

        • Anh Toàn sagt:

          Der Teufel Mario blendet uns in der Rolle des Zauberlehrings, und ohne Mario wären die Griechen nie im Euro gelandet.

          Die Handlung des Dr. Jordan erschöft sich darin, dass Handeln aufgegeben zu haben, er sagt er hätte keine Munition in Form von CHF mehr, beziehungsweise, wenn er sie verschiesst, würde sie wertlos: Das stimmt natürlich, wenn man belagert wird, ist es wichtig, die Munition im Keller zu vergaben, weil wenn man sie verschiesst, hat man sie nicht mehr im Keller:

          Was macht der Krug der nicht zum Brunnen geht, bis er bricht: Rein gar nichts, er spart sich auf, um seinen Wert zu erhalten, nicht seinen Nutzwert, um Wasser zu bringen vom Brunnen ins Haus, sondern er bewahrt den in ihm selbst liegenden Wert als kompletter unterzerbrochenen Krug in seiner natürlichen Schönheit und Richtigkeit als perfekter idealer Krug, der uns mit seiner Perfektion auch als Menschen besser macht, weil wir seinen Wert in sich ehren und respektieren und nicht missbrauchen, um ihn dem Risiko des Zerfalls auszusetzen um Wasser zu holen am Brunnen. Besser die Menschen verdursten mim haus, als dass der Krug zerbricht beim Wasserholen, und damit die Menschen korrumpiert, weil sie den Wert des Kruges nicht respektieren.

          • Anh Toàn sagt:

            Im alten Österreich soll mal jemand gesagt haben:

            Jetzt hatten wir eine so fesche Armee, und was machen sie damit? Schicken sie in einen Krieg!

          • Maiko Laugun sagt:

            @Anh Toàn: Falls der eine Brunnen verseucht ist, dann behält man sich den Krug besser auf bis man eine andere und sauberere Quelle gefunden hat. Macht vor allem dann Sinn, wenn man noch genügend sauberes Wasser zur Verfügung hat. Sich selber vergiften, kann man zur Not auch später noch. Oder eben, aus purer Solidarität und unnötiger Selbstaufgabe natürlich auch sofort. Man muss die Munition nicht im Keller vergraben. Man muss damit nur eines: Treffen!

          • Anh Toàn sagt:

            @Maiko Laugun:

            Hat man unendlich viel Munition, trifft man.

          • Linus Huber sagt:

            Was nützt unendlich viel Munition, wenn die Kugeln schlussendlich eher etwelchen Bauschebällchen ähneln und den Feind eher liebkosen als abschrecken, wie z.B. in Simbabwe. Was nützt es, wenn die SNB ihre Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit zwecks kurzfristiger Vorteile, welche potentiell extrem hohe Risiken nicht kalkulierbarer Konsequenzen in sich tragen, aufs Spiel setzt? Wenn eine starke Währung derart schlecht für die Schweiz sein soll, wie erklärt sich dann der wirtschaftliche Erfolg mit gerade einer starken Währung über die vergangenen Jahrzehnte? Einzig weil andere unter Anwendung verfälschender Begründung einen Währungskrieg anzetteln, muss die Schweiz gleich folgen und sich damit ins gleiche Boot setzen? Welche monetären Massnahmen werden folgen, wenn das zeitliche Vorziehen von Konsum (temporäres Wirtschaftswachstum zulasten der nächsten Generation) trotzdem ins Stocken kommt? Wie reagiert man am Ende eines Kreditzyklus, wenn plötzlich jegliche Massnahme durch unkontrollierbare Instabilität gekennzeichnet ist? Reicht es aus, die offensichtlichen kurzfristigen Vorteile zu erkennen, um eine gute Entscheidung zu fällen? Entscheiden im Endeffekt die Zentralbanker über wirtschaftliche Dynamik und Wachstum oder doch eher die unzähligen Menschen und Firmen? Wenn alles ein einfaches Spiel mit verschiedenen Aggregaten wäre, wären die Ökonomen nicht ahnungslos und in totaler Ignoranz der geschaffenen und zerstörerischen Anreizstrukturen in eine Krise geschlittert. Oft ist weniger mehr, jedoch würde dies ihre Existenzberechtigung in vielen Fällen tangieren, also gilt es immer stärker zu regulieren und manipulieren und alles zulasten der persönlichen Freiheit und Unabhängigkeit der Bevölkerung. Wer z.B. glaubt, dass die anstehende Jagd auf die Reichen wirklich diese tangieren wird, muss extrem naiv sein, tatsächlich wird damit die Mittelklasse weiter dezimiert.

          • Anh Toàn sagt:

            „Einzig weil andere unter Anwendung verfälschender Begründung einen Währungskrieg anzetteln, muss die Schweiz gleich folgen und sich damit ins gleiche Boot setzen? “

            Nein natürlich nicht, die Schweiz kann sagen, wir machen da nicht mit, macht Ihr mal, wir sind neutral und bleiben aussen vor, sind ein Sonderfall und souverän und haben nichts mit Euren Problemen zu tun: Stell Dir vor es sei Krieg, und keiner geht hin, dann kommt der Krieg zu Dir.

          • Anh Toàn sagt:

            @Linus Huber: Ich möchte Ihnen, der doch die bösen Banken hasst, Draghi als Teufel in Person bezeichnet und darauf spekuliert, dass Herr Jordan als weitsichtig und weise beurteilt werde in 10 Jahren. diesen schönen Kommentar bei http://bazonline.ch/wirtschaft/konjunktur/Im-Extremfall-kann-jede-Lieferung-nach-Europa-verlustreich-sein/story nicht vorenthalten:

            Ivo Suter: „Es ist frustrierend für die Schweizer Industrie, das Gewerbe und den Tourismus feststellen zu müssen, dass die Nationalbank die Finanzbranche nach wie vor viel höher gewichtet als die „reale Wirtschaft“.“

          • Linus Huber sagt:

            Was Ivo Suter äußert, ist ein weltweites Problem mit den Zentralbanken, indem sie einzig den Banken dienen und nicht zum Wohle der Bevölkerung agieren, ansonsten der Finanzsektor über die letzten Jahrzehnte nie derart stark gewachsen wäre und einzelne Firmen nie Systemrelevanz gewonnen hätten.

          • Anh Toàn sagt:

            Und ich habe gemeint der IVO Suter schreibt von der Aufhebung der Untergrenze durch die SNB, aber Sie wissen es bestimmt besser, dass er von einem weltweiten Problem der Zentralbanken redet, bei dem die SNB seit 15 Januar nicht mehr mit macht:

            „Einzig weil andere unter Anwendung verfälschender Begründung einen Währungskrieg anzetteln, muss die Schweiz gleich folgen und sich damit ins gleiche Boot setzen?“

            Das heisst doch, dass Andere das machen, die Schweiz nicht, das wollte Ivo Suter bestimmt auch sagen, er ist bestimmt ganz froh, dass Sie ihm helfen, seine Gedanken präzis zu formulieren: Er wollte über das weltweite Problem der Zentralbanken reden, nur wusste er dies nicht, aber es gibt ja Linus Huber.

  • 2. Es gibt eine multiple Geldschöpfung. Die LFT war die intellektuelle Basis für die Erklärung der Geldschöpfung. Auch bei der Deutschen Bundesbank. Zumindest bis zu Beginn der Krise im Jahre 2007. Erst im Jahre 2008 wurde der Geldschöpfungsprozess neu erklärt. Dieser Wechsel ist nur noch vergleichbar mit der kopernikanischen Wende. Die alte Darstellung der Bundesbank war falsch und hat nun aber Generationen von Schülern, Lehrern und Studenten (also de facto uns alle, die aufgepasst haben) in unseren Vorstellungen geprägt. Einen ersten Hinweis hierauf gab es am 31.12.2008 von Benedikt Fehr in der FAZ: Der Weg in das Milliarden-Desaster. Fehr ist seit 2011 Leiter des Zentralbereichs Ökonomische Bildung bei der Bundesbank. Eine offizielle Stellungnahme der Bundesbank gab es zu keinem Zeitpunkt. In den Tiefen ihrer Website hat sie am 13.11.2014(!) eine FAQ-Liste hierzu veröffentlicht: http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/FAQ_Listen/faq_zum_thema_geldschoepfung.html. Der Geldschöpfungsmultiplikator ist mittlerweile aus dem Glossar der Bundesbank entfernt worden und befindet sich nun auf dem Müllhaufen falsifizierter Theorien.

  • Linus Huber sagt:

    “Correlation of something else -0.927″

    Erstaunlich, wie einfach es für Steve Keen ist, den Finger auf einen bedeutenden Aspekt der fehlerhaften Doktrin eines Stanley Fischers, welcher unter anderen Bernanke, Summers, Mankiw, Krugman, Blanchard, Rogoff lehrte, zu legen.

    http://www.forbes.com/sites/stevekeen/2015/04/07/bernanke-summers-debate-ii-savings-glut-investment-shortfall-or-monty-python/

    Wer das “something else” erahnt, dürfte ökonomische Zusammenhänge besser als Fischer und seine „Titanen“ verstehen.

  • Walter Bernstein sagt:

    Trotz niedriger Zinsen ist jetzt die Zeit der Schuldentilgung gekommen. So will es Keynes !!

    Deutschland hat seit 2008, dem „Lehman“-Jahr, 500 Milliarden EUR neue Schulden gemacht.
    Jetzt – in Zeiten der Hochkonjunktur – muss Deutschland 500 Milliarden EUR zurückbezahlen.
    So will es Keynes !!

    Spanien hat 2008-2014 600 Milliarden EUR neue Schulden gemacht. Jetzt muss Spanien – das in die Hochkonjunktur eintritt – 600 Mrd. EUR Schulden tilgen.
    So will es Keynes !!

    Irland hat 2008-2014 130 Milliarden EUR neue Schulden gemacht. Irland wächst mit 5 % p.a. Also muss Irland jetzt 130 Milliarden EUR zurückbezahlen.
    So will es Keynes !!

    Welcher Keynesianer will mir da widersprechen? In guten Zeiten müssen Staatsschulden zurückbezahlt werden.
    So will es Keynes !!
    Wer das nicht akzeptiert, ist sicher vieles – aber als allerletztes ein Keynesianer.

    • Marcel Senn sagt:

      Bernstein: Was Sie aber vergessen, zu Zeiten von Keynes gab noch praktisch keine finanzielle Massenvernichtungswaffen wie Derivate, CDS, CDO, ABS, ETF etc etc und auch keine Schattenbanken, die praktisch unreguliert wüten können!
      .
      Ein damaliger Gegenspieler von Keynes – nämlich F.A. von Hayek (zusammen mit Milton Friedman) hat in den 80er Jahren Maggie Thatcher beim Big Bang beraten!
      .
      Würde Keynes noch leben, würde er vermutlich meinen: Als erstes mal weg mit diesem ganzen Spielcasino!

      • Walter Bernstein sagt:

        Marcel Senn, 21:31
        Vermutlich.

        Keynes zeichnet aus, dass er auf gesunden Menschenverstand setzt.
        Leider macht ihm die menschliche Natur einen Strich durch die Rechnung: Politiker und Wähler essen gerne Keynes‘ Zuckerbrot – aber seine bittere Medizin nehmen sie dann nicht. Obwohl beides untrennbar zusammenhängt.

        • Marcel Senn sagt:

          Bernstein: Völlig einverstanden, mir gefällt der Pragmatismus von Keynes auch. So hat er sich auch anlässlich der Reparationszahlungen während und nach den Versailler Verträgen gegen die Höhe derselben gewehrt: Zuerst waren es 21 Mrd Goldmark und 1921 dann schon 269 Mrd Goldmark was rund 95’000 Tonnen Gold entsprch – nur 1921 betrugen die total je geförderten Goldvorräte nur ca. 22’000 Tonnen.
          Aber die Banker und Politiker übergingen Keynes und so wurde ein Grundstein gelegt für eine der grössten Katastrophen des 21. Jh, den Aufstieg Hitlers 12 Jahre später (gut der 29er Crash und seine Folgen (Kapitalrückzug der USA ab 1931) haben später dann auch stark dazu beigetragen)!

          • Walter Bernstein sagt:

            Marcel Senn, 20:51
            Wirtschaftlich und politisch gesehen hatte Keynes Recht.
            Moralisch gesehen finde ich seine Forderung falsch: Österreich-Ungarn (und Deutschland) hatten den Krieg begonnen, und hätten für ihn zahlen müssen.
            Es geht nicht um Bestrafung, sondern darum, dass jeder für sein Handeln haftet.
            Dieses Verantwortungsprinzip kommt auch heute viel zu kurz. Zu oft wird die Schuld allen anderen gegeben, und anschliessend eine „Dolchstosslegende“ verbreitet.
            So wie dies die griechische Regierung gerade tut. Als Gegenbeispiel fallen mir Portugal und Irland ein: Dort hat man seine Verantwortung erkannt, konstruktiv an Lösungen gearbeitet und sich dabei stets ehrenhaft verhalten.

          • Linus Huber sagt:

            „So wie dies die griechische Regierung gerade tut (Verantwortungsprinzip).“

            Na ja, vielleicht ist ja nicht unbedingt die heutige griechische Regierung für das gegenwärtige Dilemma verantwortlich und noch weniger die griechische Bevölkerung, sondern diejenigen, welche unter Vernachlässigung der Sorgfaltspflicht Kredite an die griechische Regierung vergab. Weder in Irland noch in Portugal sind wir noch lange nicht am Ende der Geschichte angekommen, sondern die Lasten wurden einfach problemloser der Bevölkerung in Form von Staatsverschuldung untergejubelt; es rührt sich schon heute Unmut z.B. in Irland gegen dieses Vorgehen zugunsten der Finanzindustrie. Die irische Regierung hat sicherlich nicht ehrenhaft gehandelt, sondern einfach die Kosten des Risikos der Bevölkerung untergejubelt, welche jetzt auf Jahrzehnte entsprechend leiden dürfte. Lassen Sie sich nicht blenden durch die temporäre Ruhe aufgrund der massiven weltweiten Kreditmengenausweitung, welche viele Probleme temporär unter den Teppich wischt.

          • Marcel Senn sagt:

            Bernstein 07 44: „Moralisch gesehen finde ich seine Forderung falsch: Österreich-Ungarn (und Deutschland) hatten den Krieg begonnen, und hätten für ihn zahlen müssen.“
            .
            Sorry aber moralisch gesehen, was können Kleinkinder und Babies dafür, wenn sie in ein Land hineingeboren werden wo es an allem überlebensnotwendigen fehlt – sei es 1922 in Weimar oder 2015 in Griechenland, wo hunderttausende Kinder unterernährt und medizinisch unterversorgt sind!
            .
            Müsste man moralisch gesehen nicht auch all die sparwütigen Politiker wie Merkel, Schäuble und Co. mit ihrem Austeritätsterror nicht nach Den Haag vors Kriegsgericht bringen wegen angeordnetem fahrlässigem Massentotschlag??
            Zumal ja mit diesen Rettungspaketen vor allem die Guthaben von franz und deutschen Banken/Versicherungen gerettet wurden und nur Brosamen wirklich in Griechenland geblieben sind! Und die Iren werden jetzt noch 25 Jahre lang leiden, da hilft auch eine kurzfristige Erholung nichts — und die Krise ist ja noch lange nicht vorbei, die wird jetzt einfach medial beschwichtigt und schöngeredet!
            Und moralisch gesehen, wieso gingen dann fast alle Bankster straffrei aus?? Stinkt doch alles zum Himmel und Sie reden von Moral
            .
            Auch da muss man es wieder mal wie Keynes pragmatisch angehen und in die Subproblematiken eintauchen, bevor man einfach knallhart fast schon unmenschliche Handlungen verlangt – finde ich als humanistisch orientierter Mensch zumindest!

          • seebueb sagt:

            Da stellt sich die Frage nach den Alternativen.

            In GR bspw weigert sich die neue Regierung einerseits, die ganzen sozialen Zahlungen noch weiter zu kürzen (verständlich), aber gleichzeitig ist sie offenbar (trotz anders lautenden Absichtserklärungen) nicht bereit, die grundlegenden Probleme anzugehen.

            Weiter wie bisher geht auch nicht, die EU verweigert als Folge davon zusätzliche Kredite (wer füllt schon gerne ein Fass ohne Boden), ebenfalls nachvollziehbar.

            Als Konsequenz steuert GR auf den Staatsbankrott zu. Ob ein dadurch ausgelöster Zusammenbruch des griechischen Finanzsystems den Bedürftigen mehr hilft, scheint reichlich zweifelhaft, meist leiden die Schwächsten am stärksten.

          • Linus Huber sagt:

            @ seebueb

            Wenn es in erster oder zweiter Linie um das Wohl der Bedürftigen und Schwächsten ginge, hätte die EU inkl. EZB schon 2010 einen kostenmässig bedeutend günstigeren Weg einschlagen können. Diesen menschlichen Aspekt nun derart hervor zu streichen ist ein wenig zynisch.

            Es handelt sich um den Versuch, das System des legalisierten Diebstahls (moral hazard) weiter auszureizen. Es geht dabei zunehmend auch darum, aufgrund solcher Abschreibungen zusätzliche Staatsverschuldung in etlichen Mitgliedstaaten zu verhindern. Die Veräußerung von griechischen Assets wird längerfristig noch viel stärkere negative Konsequenzen für die griechische Bevölkerung nach sich ziehen als ein Ende mit Schrecken. Natürlich wird es kurzfristig der griechischen Unterschicht auch bei einer offiziellen Bankrotterklärung nicht besser gehen, jedoch sind aus meiner Sicht zwei Aspekte, welche ebenfalls bedeutungsvoll sind. Ersten erzeugt das Abschütteln einer Altlast eine neue Aufbruchstimmung und erlaubt es die erzwungene Notwendigkeit innerhalb der eigenen Möglichkeiten zu Leben mit neuem Elan anzugehen. Zweitens eröffnen sich in Notsituationen neue Varianten der gegenseitigen Unterstützung innerhalb der Gesellschaft, die alten verkommenen Werte wie z.B. Familie und Freundeskreis werden wieder neu als wichtig erkannt, denn das Modell des Wohlfahrtsstaates hat sich als eine Mirage entpuppt.

          • seebueb sagt:

            Das Ganze im Nachhinein als zynisch zu bezeichnen, ist das wirklich Zynische. Wenn für Normalos wie meinereiner bereits 2013 klar war, dass mit den damals aktuellen Massnahmen nur das Loch immer tiefer wird, muss das den Leute an den zentralen Stellen schon viel früher klar gewesen sein. Und nein, das hat nichts mit Ihrer „Indoktrinierung“ zu tun, sondern mit Politik. Aber darauf will ich gar nicht hinaus, das ist Schnee von gestern.

            Des Pudels Kern liegt darin, dass das Loch heute zu tief ist, als dass weiterhin ein Tuch darüber gelegt werden und seine Existenz negiert werden kann. Weiter-wie-bisher ist nicht mehr. Deshalb hatte ich auch für Syriza plädiert, weil die zumindest behaupteten, das Übel an der Wurzel angehen zu wollen – eine Behauptung, die mittlerweile leider auch nur nach heisser Luft aussieht. Gleichzeitig können weder Merkel noch Schäuble nachgeben wegen ihrem „es wird keinen weiteren Schuldenschnitt geben“, und u.a. dank der Publizität ist auch ein stiller Schnitt (Schuldzinsen auf Null oder sogar darunter senken) illusorisch (einverstanden, Beleidigen der Partner u.a.m. ist ebenfalls nicht wirklich zielführend).

            Also lässt man einfach die Unterschicht der Griechen verrecken, ist ja schön weit weg. Dass auch die jahrzehtelang mitgespielt haben und insofern mitschuldig sind (einer der Schwarzen Peter wäre hiermit verteilt), lässt sich nicht von der Hand weisen, nur ändert das nichts an ihrer heutigen Misere.

            Sollte GR tatsächlich bankrott gehen (für mich deutet alles in diese Richtung), werden wohl auch die Banken zusammenbrechen. Auch das wird in erster Linie die schwachen treffen. Die Nutzniesser werden Gruppen wie die Morgenröte sein, und das werden dann vielleicht auch wir zu spüren bekommen.

          • Linus Huber sagt:

            „Also lässt man einfach die Unterschicht der Griechen verrecken, ist ja schön weit weg.“

            Diesen Aspekt spreche ich in Bezug auf eine bedeutend günstigere Variante an, indem die einfache Bevölkerung direkt aus humanistischen Gründen temporär unterstützt worden wäre (evtl. auch aus einem EU Budget).

            Es war natürlich nicht die Idee, Sie als zynisch zu bezeichnen, sondern das Argument wirkt ein wenig zynisch, wenn man zugleich die EU als Organisation eher positiv einzustufen scheint. Was in Ihren Ausführungen zu kurz kommt, liegt in der Tatsache, dass Sie spezifische politische Entscheide zwar darstellen, jedoch nicht das System, welches einen zunehmenden Zentralismus anstrebt, welches „moral hazard“ zunehmend institutionalisiert, welches demokratische Selbstbestimmung abzubauen versucht, welches hauptsächlich der Teppich-Etage der Grossfirmen dient etc. zu hinterfragen scheinen. Die politischen Auswirkungen sind eine normale Konsequenz dieser genannten Bestrebungen dieser machthungrigen Bürokraten in Brüssels. Trotz der Widrigkeiten und sofern keine ernsthaften politischen Verwerfungen stattfinden, bin ich überzeugt, dass Griechenland in 5 Jahren nach einer heutigen offiziellen Bankrotterklärung bedeutend besser positioniert sein wird als z.B. die erwähnten Länder Portugal oder Irland. Natürlich muss die Regierung lernen, innerhalb ihrer Möglichkeiten zu leben, was der gegenwärtigen Regierung ebenfalls und offensichtlich schwer fällt.

          • Anh Toàn sagt:

            Linus Huber: „Was in Ihren Ausführungen zu kurz kommt, liegt in der Tatsache, dass Sie spezifische politische Entscheide zwar darstellen, jedoch nicht das System…. zu hinterfragen scheinen.“

            Der Schein als Tatsache, oder Ihre Interpretation anderer Aussagen als Tatsache oder was auch immer die von Ihnen angesprochene Tatsache sein soll, ist doch egal, Hauptsache man hat „Tatsache“ als Wort verwendet, weil damit der eigenen Aussage eine Objektivität zugeschrieben wird:

            Lernen Sie, einen geraden Satz zu machen.

          • Anh Toàn sagt:

            Ob es eine Tatsache oder ein Fakt darstellen könnte, dass es sein mag, dass Sie die meisten Worte in ihrer Bedeutung nicht wirklich zu hinterfragen vermögen, kann letztlich nicht ohne sich vertieft mit den Fragen, ob dabei nicht auch auf Moral hazard, Teppichetage, und geldentwertende zentralistische Bürokraten zumindest einen wichtigen Aspekt darstellen dürften, insbesondere, wenn dieser mit einer von Ihren immer wieder demonstrierten gesunden Misstrauen gegenüber den Eliten sich manifestieren würde, nicht abschliessen im Vermögen des Beurteilenden gewesen zu sein.

            Berauschen Sie sich an Ihren Satzkonstruktionen?

          • Anh Toàn sagt:

            Linus Huber: Es war natürlich nicht die Idee, Sie als zynisch zu bezeichnen, sondern das Argument wirkt ein wenig zynisch.

            Es war natürlich nicht meine Absicht, Sie als dumm zu bezeichnen, sondern ihre Argumente wirken ein wenig dumm.

          • seebueb sagt:

            Dass Sie mein einleitendes Statement als pro-EU interpretieren, liegt allein an Ihrer verzerrten Optik. Die EU ist weder Problem noch Lösung, sondern bestenfalls Hilfe.

            Das Problem ist GR selbst, das Gesamtpaket aus Volk, Regierung, Institutionen und allen weiteren Facetten. Die haben ihre Regierungen seit den 70ern selbst gewählt (soviel zur von Ihnen vergötterten Demokratie) und sich (nicht nur in den letzten 5 jahren) ein immer grösseres Loch gegraben aus dem sie jetzt nicht mehr rauskommen.

          • Linus Huber sagt:

            @ seebueb

            Ja, die Griechen haben ein immer grösseres Loch gegraben und schlussendlich erkennen wir, dass sie keine Chance mehr haben aus diesem Loch herauszukommen. Allerdings scheinen Sie dabei nicht zu erkennen, dass das Lochgraben aufgrund einer fehlerhaften ökonomischen Doktrin als angesagt empfunden und empfohlen wurde und in den meisten Staaten weltweit gegenwärtig gleichartig seine Anwendung findet. Der einzige Unterschied liegt darin, dass die Problematik in Griechenland nicht mehr ignoriert werden kann, während andernorts fröhlich weiter gegraben wird, da anscheinend aufgrund des Vertrauens in die Zentralbanken an ein kleines Wunder an plötzlich ausbrechendem massiven Wirtschaftswachstum geglaubt wird. Aus meiner Sicht ist Griechenland einzig ein Symptom eines bedeutend grösseren Problems, welches dazu führte, dass den Griechen die Gelegenheit geboten wurde, sich derartig zu überschulden.

  • Walter Bernstein sagt:

    Ein extrem guter und sorgfältig recherchierter Beitrag.

    Bin immer noch damit beschäftigt, den Inhalt genau nachzuvollziehen. Melde mich, wenn ich soweit bin … 😉

  • Josef Marti sagt:

    Wie man gerade lesen konnte sollen die deutschen Reallöhne tatsächlich gestiegen sein. Das ist die einzige Möglichkeit längerfristig die Inflation anzuschieben, weil diese massgeblich von der Entwicklung der Lohnstückkosten getrieben wird. Das ist aber etwas was die Monetaristen nicht wahrhaben wollen, und die Exportlobby will ihre relativen Lohnstückkostenvorteile nicht preisgeben.

  • H.Trickler sagt:

    Wenn sich die Titanen streiten kommt es mir vor wie des Kaisers neue Kleider oder der Geschichte wo niemand die Elefanten im Raum wahrnehmen will/darf!

    Im stur religiösen Glauben, dass Nullzinsen oder dann wenigstens QE die Wirtschaft ankurbeln und die Inflation in Gang setzen müsse, will man die echten Ursachen, warum im Westen und Japan die Wirtschaft stagniert und in China boomt nicht wahrnehmen:

    In China sind die Produktionskosten extrem viel tiefer, die Qualität ist ordentlich, die geringen Transportkosten machen gewinnbringenden Verkauf in der ganzen Welt möglich – warum sollte da irgend jemand noch teurer produzieren wollen?

    Was dem Westen an Produktion übrig bleibt, gibt nicht genug Arbeit für alle, weshalb die Arbeitslosenquoten nicht runter zu kriegen sind.

  • Anh Toàn sagt:

    S = I + NX

    Was ist denn „Nettoexportüberschuss? Das ist doch die Defferenz zwischen ins Ausland verkauften Produkten und vom Ausland bezogenen Produkten, als was man vom Ausland noch zu gut hat, da hat „liegen lassen“ oder man kann doch dann auch sagen, im Ausland investiert hat:

    S = I (wobei I im Inland oder im Ausland sein kann)

    Es gibt kein Sparen ohne Investition.

    (Man belehre mich!)

    • Anh Toàn sagt:

      Aus „…dass insgesamt die Ersparnisse im Verhältnis zu den Investitionen zugenommen haben bzw. die Investitionen im Verhältnis zu den Ersparnissen abgenommen.“ würde dann, dass vermehrt im Ausland statt im Inland investiert wird. Dann müssten aber die realen Renditen im Inland steigen, um die Investitionen wieder ins Inland zu holen.

      • seebueb sagt:

        Wenn man die Exporte, bezogen auf eine bestimmte Produktionsmenge, als Konsequenz einer zu tiefen Inlandnachfrage anschaut, dann müssten im Gegensatz die inländischen Renditen sinken, ist ja ein Überangebot da mit dem erst die Exporte befeuert werden.

    • Marcel Senn sagt:

      Anh: S = I (wobei I im Inland oder im Ausland sein kann)

      Dann müssen Sie aber auch noch die NIIP (Net international Investing Position berücksichtigen)

      In der CH war die am 31.12.14 noch 816 Mrd Fr. positiv — 4243 CH Guthaben im Ausland und 3427 ausländische Guthaben in der Schweiz – gut in unterschiedlichen Währungen!

      Bin ja höchst gespannt, wie sich die am 31.3. nach dem grossen Erdbeben vom 15.1 präsentiert — die NIIP wurde da aufgrund der neuen Währungsverhältnisse ziemlich durchgeschüttelt und dürfte grob geschätzt 200-300 Mrd weniger sein als Ende 2014! Wir (mit Investitionen im Ausland) wären also ärmer geworden und die russischen Oligarchen etc. mit Invesitionen in der CH reicher!
      .
      Was aber ganz unbemerkt auch von NMTM in den USA vor sich geht ist eine Verschlechterung von historischen Dimensionen der US NIIP!!!! Wäre doch mal ein Blogthema!!

      Die amerkanische NIIP betrug 2010 noch so um die MINUS 1.5 Bio $ — per Ende 2014 ist die auf schwindelerregende minus 7 Bio $ angestiegen!!!
      Wird da klammheimlich das US Tafelsilber an Ausländer verkauft, um den Schein des amerikanischen Traums noch aufrechtzuerhalten??

    • Walter Bernstein sagt:

      Anh Toan, 9:51

      Unter’s Kopfkissen legen …

  • Jürg Brühlmann sagt:

    Lohnerhöhungen im mittleren und tiefen Lohnbereich fördern den Binnenkonsum und die Inflation. Die Gewerkschaften wurden zerschlagen. Reiche können kein Geld umsetzen, sie spekulieren.

  • Paul Meier sagt:

    Ist doch ganz einfach, nichts von all dem studierten Gefasel: zu einen: die Zentralbanken refinanzieren die Casinos (sorry, Banken), die sie während Jahren zocken liessen und sich ins Elend zockten. Jetzt werden all die maroden Papiere aufgekauft, um sie wieder zocken lassen zu können. Das andere Problem sind die Politiker, die plötzlich meinen, der Wirtschaft müsse es immer gut gehen. Früher war akzeptiert, dass eine Rezession eine ganz normale Diät war, die notwendig wurde nach einigen Boomjahren. Plätzlich soll das nicht mehr gelten?! Die Menschen im Westen sind zum grossen Teil gesättigt (die, die es nicht sind, kommen nicht an die Kredite). Also sind sie nciht mehr bereit noch mehr zu konsumerien (Wenn ich vollgegessen bin, mag ich auch nicht mehr essen). Die Grossfirmen investieren nicht, obwohl sie im Geld schwimmen – KMU’s die Geld brauchen, kriegen es nicht. Das ganze System, das grundsätzlich gut funktionnierte, wurde von der Finanzwelt usurpiert und wird es heute noch – solange die Zentralbanker aus der Schule der Goldman Sachs, Harvard etc kommen!!

  • Daniel Wigger sagt:

    Die These der Secular Stagnation hat tatsächlich was an sich. Und es wäre ja geradezu angenehm, wenn sie eintreffen würde. Je mehr ich mich jedoch mit der These befasse, desto mehr beschleicht mich der Gedanke, dass es möglicherweise viel einfacher – naja, womöglich komplizierter – ist:

    Regionen, Staaten und Volkswirtschaften mit Stagnation haben nicht ein Problem mit Zinsen, Geldmengen und Inflationsraten, sondern sind schlicht und ergreifend weniger erfolgreich als die anderen und führen negative Statistiken an. Staaten wie Japan oder gewisse Südeuropäische Länder haben nicht ein Problem mit zu grosser Reichtumsverteilung (die ist in anderen Staaten viel grösser) oder mit Überalterung, sondern strukturelle Volkswirtschaftsdefizite. Billige Waren werden heute nicht mehr in Japan und in Südeuropa hergestellt, sondern in China.

    Die FED-Herren haben ein Problem: Sie sehen das Geschäft nur aus ihrer Warte. Sie meinen, sie seien der Hauptmotor einer Wirtschaftsentwicklung. Die wichtigen Entscheidungen werden jedoch auf der anderen Seite der Strasse gemacht: Im DoC (Department of Commerce, US Handeslministerium). Sie entscheiden, ob die Leute morgen noch einen Job haben oder nicht, weil sie für freie Handelsbedingungen und günstige Unternehmensgrundlagen schauen. Was die in der EU und in Japan viel zu wenig tun.

  • Marcel Senn sagt:

    Das Kapital hat einfach keine Lust mehr auf die schweisstreibende und mühsehlige Realwirtschaft und tummelt sich lieber im 75 Bio $ Schattenbankenparalleluniverum rum…
    .
    Dieses arbeitsscheue Schattenbankmonster wächst unaufhaltsam weiter….und lässt die Zinsen als Früchte harter Arbeit des Kapitals einfach liegen — spekulativer Einsatz bringt mehr…

    http://www.bloombergview.com/quicktake/shadow-banking

  • Marcel Senn sagt:

    „It’s the debt, stupid!“
    .
    Bei dieser gewaltigen Verschuldung von mittlerweile über 300% des Welt-BIP von rund 78 Bio$ fressen die weltweiten Zinszahlunen von gut 10-12% des Welt-BIP den Investitionshunger weg. Die globale Fixed Asset Formation wird vor allem noch von China ad absurdum geführt mit über 45% der China-BIP, aber auch die Blase wird bald mal platzen.
    Im Rest der Welt herrscht zunehmend tote Hose mit Investitionen – kein Wunder auch, bei den zunehmend abnehmenden Grenzerträgen und die Staaten sind auch schon ziemlich ausgeschossen – kein Geld für Brücken, Strassen, Abwassersanierungen etc etc.
    Brachte ein US $ Schulden von 1950-78 noch um die 0.59c BIP Wachstum in den USA, warens von 1979-98 noch rund 30c und heute fast Null — da bringt man sein Geld doch lieber gleich zu den Schattenbanken ins Grands Jeux mit den vielen Wettpapieren auf alles als sich mit der schnöden Realwirtschaft abzumühen, die nur bis 1980 noch knapp anständige Rendite brachten und darum musste Maggie 1986 erst das grosse Spielcasino eröffnen, damit wieder Schwung in die Bude resp. Rendite in die Kapitalien kam.
    Aber mittlerweile ist schon vieles völlig abgelutscht und zu viele tummeln sich rum und wollen noch ein bisschen Rendite erhaschen— es herrscht der nackte Anlagenotstand! Erstklassige Bonds findet man kaum mehr, dafür kommt wieder vermehrt Schrott auf den Markt. Gut jetzt versucht man es halt wieder mal mit Aktien – mal schauen ob der olle „sell in May and go away“ 2015 wieder mal goldrichtig sein wird — auf jeden Fall geht mittlweile schon ein leichter Kadavergeruch auf den Märkten um, aber was soll man denn sonst tun? Ameisli ins Schliessfach?
    .
    Kein Wunder sind die Zinsen so tief – bei soooo vielen Schulden und soviel Schuldzinssklaven die vom konsumieren abgehalten werden wegen dem Schuldenabstottern!

    • Josef Marti sagt:

      Sie sagen es; der alte Walter Wittmann hat bereits 2013 in einem Interview wie folgt auf diese Misere hingewiesen:

      Wir leben im Wohlfahrtsstaat, der die Bürger rundum versorgt.
      Ich plädiere für die soziale Marktwirtschaft. Der Wohlfahrtsstaat schnürt ein, die freie Marktwirtschaft ist gescheitert. Ihr verdanken wir das grösste Elend der Finanzindustrie.

      Sie reden von Elend und von Dauerkrise des Kapitalismus. Alles Schlagworte.

      Überhaupt nicht, die Krisen wiederholen sich. Europa steckt in der Rezession, in den USA wird beschönigt.

      Wie bitte? Es werden neue Jobs kreiert.

      Billigjobs. Weil der erste nicht reicht, suchen die Leute einen zweiten und dritten Job.
      Die Investitionen steigen.

      Falsch. Die Ausrüstungsinvestitionen steigen eben nicht. Die Firmen verwenden ihr Geld, um Aktien zurückzukaufen oder Firmen zu kaufen. Die Infrastruktur ist in einem lausigen Zustand. Die Wasserleitung von Upstate New York nach New York City ist aus dem Jahr 1825.

      • Marcel Senn sagt:

        Marti: So zw. 1945 bis 1980 hat ja der Kapitalismus mal so halbwegs funktioniert, die reale Wirtschaft erzielte noch genügend grosse Renditen für den Renditehunger des Kapitals, die Gehälter divergierten noch nicht so extrem auseinander, die Vermögen waren gleichmässiger verteilt.
        Aber wie immer in einem funktionierenden Wettbwerbssytem tendieren die Renditen mit der Zeit gegen Null und das passierte 1980 und es gab damals noch nicht so viel wirkliche Innovation mit massiven Vorteilen beim Start, was sich dann in der Rendite auswirkte – das kam dann erst ab 1995 mit Dot.Com — einige verdienten sich dumm und dämlich und die anderen wurden Blasenopfer!
        Darum hat ja Maggie 1986 das grosse Casino eröffnet um neue Renditefelder zu kreieren — ist ihr anfänglich auch gut gelungen und dann ist noch der Osten 1990 zusammengebrochen und die „Jeux sans Limites“ konnten ungehindert ihren Siegeszug antreten.
        .
        Nur mittlerweile 2015 tummeln sich so viele Akteuere in diesem Spielfeld, dass die Renditen auch wieder zunehmend unter Druck kommen oder schon eingebrochen sind.
        .
        Was nun? Nochmals ein neues Spielcasino erfinden und aufmachen geht wohl nicht mehr — ich wüsste nicht wie. Gut vielleicht findet einer der Physiker und Mathematiker in den Giftküchen der Gross- und Schattenbanken nochmals ein neues Instrument, bei dem vermutlich dann einmal mehr wieder wenige viel gewinnen und viele viel verlieren werden!

    • Markus Ackermann sagt:

      Richtig Herr Senn.
      Also müssen die Schulden runter auf etwa ein Niveau von maximal 150% des BIP. Gemäss Ihren 300% des Welt-BIP wäre dies eine Halbierung. Klar, die Welt ist viel komplizierter, als ich es jetzt viel zu einfach (und deshalb „falsch“) darstelle.
      1. Die ganze Welt arbeitet 1,5 Jahre für die Rückführung der Schulden.
      Dabei konsumiert sie nichts und isst nichts und wird auch nicht krank bzw. wird auch nicht behandelt. Toll!
      2. Oder: Alle Gläubiger (= Sparer + Rentner) werden im Ausmass von 1,5 Jahreslöhnen enteignet.
      Das wäre z.B. für jeden in der (kleinen, reichen) Schweiz etwa die Hälfte der BVG-Rente und in D würde die DURCHSCHNITTsrente von heute unter 1’000€ sich auf deutlich unter 500€ halbieren. Die Schuldner würden frohlocken … und sich gleich wieder neu verschulden. Toll!
      3. Oder: Keine Investitionen mehr und der Kapitalstock verrottet.
      —-
      Jetzt könnte man dies noch regional aufteilen. Was hiesse dies für Nordamerika, für Europa, für China, für Südamerika, für Afrika etc.? Konzentrieren wir uns auf Kontinental-Europa. Dort ist der wichtigste Player die €U.
      4. In der €U werden die Schulden und Guthaben in € ausgedrückt. Diese Schulden unterminieren die Währung. Mit dem € haben wir in unserer direkten Nachbarschaft das grössere Schulden-Monster als damals die Versailler Verträge. Gleichzeitig wurde die Demokratie mit Einführung der EU weitgehend abgeschafft: Man kann nur die lokalen Vögte abwählen, aber nicht die Zentrale. POLITISCH UND DEMOKRATISCH kann die €U mit der Massenverelendung nicht umgehen.
      5. Das hatten wir schon einmal: in der Great Depression.
      – Die USA konnten dies damals demokratisch lösen (Präs. Hoover vs Roosevelt),
      – in der Weimarer Republik war dies nicht möglich (innert wenigen Jahren stieg die NSDAP von ~3% auf ~30%; innert wenigen Monaten transformierten das christliche Zentrum und die Nazis Deutschland zu einer Diktatur: siehe Ermächtigungsgesetze)
      – heute ist das demokratische Niveau in der €U WEITAUS schlechter als z.B. in der Weimarer Republik
      6. Was ist die Antwort auf die Massenverelendung in der €U?
      – Gelenkte Demokratien und Volksdemokratien wie in Russland und China oder
      – Beauty Contests wie in den USA oder F oder
      – Brave New Europe oder
      – zurück zu einer Ständegesellschaft wie vor der frz. Revolution
      – oder noch weiter zurück?
      ——
      Die Wirtschaftspolitik der Nazis war von Anfang an auf Beutekriege ausgerichtet: Es ging um Plünderung zwecks Versorgung. Klar, es wird künftig wohl anders sein als damals mit den Nazis, aber:
      7. Werden die Verteilungskämpfe innerhalb €U ohne Krieg abgehen?
      8. Kann die €U ihre Schulden anders abbauen, als durch Enteigung und Verelendung der eigenen Bürger? Etwa auf der anderen Seite des Mittelmeers? Etwa durch die Behändigung der Ölfelder in Lybien, Syrien, Irak?

      • Rolf Zach sagt:

        Wer meint, der EURO sei eine Währung im Zusammenbruch, wie dies unsere Nationalbank meinte, täuscht sich gewaltig. Diese Währung wird nun einfach benützt, um die Konjunktur im Euro-Raum anzukurbeln. Was ist besser, ein Euro-Raum, wo die Konjunktur anzieht mit Hilfe von Zinsen, die praktisch sich real der Null-Grenze annähern, als ein Schweizerfranken, wo die Zentralbank die übelste Form der Deflationspolitik betreibt, mit stetig steigender Arbeitslosenzahl, wie wir sie seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt haben. Schlussendlich haben wir dann eine defizitäre Leistungsbilanz mit einer brachliegenden Industrie und das wir auch den Schweizerfranken abschwächen. Er ist dann nicht mehr die Reservewährung der Reservewährungen, sondern nur ein „Kümmerling“. Vergessen wir nicht, wie Bernanke und Geithner ohne Zögern riesige Summen direkt in die US Banken gepumpt haben, um ihren Zusammenbruch zu vermeiden. Nur Wells Fargo war noch solvent. Und wie stehen heute diese Banken da? Sehr gut, sie haben einen höheren Eigenkapital-Anteil als unsere viel gelobten Schweizer Grossbanken, die international ziemlich am Schluss sind. Warum soll das gleiche Vorgehen von Draghi über den Ankauf von Staatsanleihen der Mitgliedstaaten nicht funktionieren? Haben die EURO Miesmacher jemals die Transaktionskosten zwischen den Euro-Ländern mit oder ohne Euro berechnet? Abgesehen davon und hier wiederhole ich mich leider, die aussen wirtschaftlichen Zahlen der Euro-Zone sind besser als die der USA. Was die Einkommenspolitik betrifft, so ist diese nicht eine Sache der Zentralbanken, sondern der Politik und hier wird vieles falsch gemacht.

        • Anh Toàn sagt:

          Zur Politik der SNB:

          Heute kamen die Detailhandelsumsätze der Schweiz raus: „Swiss Retail Sales Fall Most On Record“ (dpa-AFX)

          Einzelhandelsumsatz = vereinfacht inländischer Konsum. Der Expüort wird bestimmt nicht wachsen mit dem starken Franken. Wenn Export und Inlandkonsum schrumpfen, warum sollten dann die Investitionen steigen? Die Rezession muss nur noch als Vergangenheit durch Tatsachen bewiesen (2 negative Quartale) bewiesen werden, Gegenwart ist sie schon.

          • Josef Marti sagt:

            Ich glaube auch dass das mit den Investitionen nichts wird, und schon gar nicht mit Schuldenbremsen und Steuersenkungsorgien. Gerade konnte man lesen, in Deutschland erfreue man sich angesichts der zu erwartenden Budgetüberschüsse; was ist die reflexartige Forderung? Richtig, noch mehr Steuersenkungen, und wenn man entgegnet, nein bitte vorher Schulden abbauen oder investieren, dann heissts: nein, nein lieber Subventionen abbauen dh, noch weiter kürzen, kürzen, kürzen bei den faulen Habenichtsen. Der Mainstream wird es nie lernen, da ist Hopfen und Malz verloren.

          • Marcel Senn sagt:

            Anh: Das war ja zu erwarten, wenn die halbe Eidgenossenschaft im Euronenfieber nach Deutschland, Oesterreich, Frankreich und Italien strömt um an der grossen nationalen Schnäpplijägermeisterschaft teilzunehmen.
            .
            Grenzt fast schon an kollektiven Wahn….
            .
            Und logisch, wer will z.B. in Basel-Stadt noch einen Laden aufmachen – die Investition kann man sich sparen — es gehen ja aktuell auch immer mehr Läden zu und solange die Immobesitzer immer noch so gierig sind, werden die halt eine Weile lang leer stehen.

          • Anh Toàn sagt:

            @Marcel Senn: Einkaufstourismus

            Die neueren Zahlen haben ja gezeigt, dass vor allem langlebige Konsumgüter (Autos, Küchen, Fernseher, Ferien) vermehrt im Ausland gekauft wurden, was mich erwarten lässt, dass sich der Detailhandel im Laufe des Jahres nicht erholen wird: Die grossen Käufe wurden schon getätigt, die Schnäppchenjäger haben ihre Kriegskassen geleert, halt im Ausland.

      • Marcel Senn sagt:

        Ackermann: Ich bin aktuell dabei das Weltschuldendilemma zu analysieren auf Grundlage des CS Wealth Report und den letzten McKinsey Debt and Delerage Report. Man muss also bei den USA wirklich in die FED Bücher rein gehen und Position für Position abhacken um zu schauen was McKinsey da alles genommen hat und was nicht — eine richtige Detektivarbeit.
        .
        Je mehr ich in die Details gehe, je mehr merke ich, dass da vor allem bei den USA teilweise massiv beschönigt wurde und längs nicht alle Schulden wirklich aufgeführt sind. Auch bei China habe ich schon einige komische Zahlen entdeckt gut dort verwunderts weniger.
        .
        Glaube keiner Studie, die Du nicht selber analysiert hast — und so kämpfe ich mich aktuell durch die Zahlenfriedhöfe der Welt und merke immer mehr wie wir belogen werden —- mit verschiedenen Querchecks kommt man den Schwindeleien langsam auf die Schliche.
        .
        Und aktuell bin ich ungefähr bei 300% – allerdings inklusive Financial Coorperation Debt, könnte aber auch noch mehr werden, die lokalen Schulden sind meist gar nicht drin in diesen Studien, oft fehlen auch Schulden für die Sozialvorsorgewerke — aber wenn das Kartenhaus mal zusammenbricht, werden die Financial Corp Debts als erste wie eine Atombombe einschlagen!

        Der Buchautor Daniel Stelter sieht die max Verschuldung von Staat Corp und Hauhalten bei 3 x 60% also 180%

        Hier noch ein gutes 15 Min Video zur ganzen Schuldenproblematik

        https://www.youtube.com/watch?v=2IYzk4ZSLuk

      • Linus Huber sagt:

        @ Markus

        Sicher doch, Ihr Denkmodell ist offensichtlich. Sie vernachlässigen in eleganter Manier die Anreiz-Struktur zu erwähnen, welche das langfristige Verhalten beeinflusste und zur gegenwärtigen Situation führte, indem Kredit unter Anwendung der entsprechenden Geldpolitik schrittweise des Risikos der Abschreibung entzogen wurde. Das Problem dieser Betrachtungsweise liegt darin, dass Risiken nicht einfach evaporieren, sondern zeitlich verschoben an einem anderen Punkt des Systems sich melden (z.B. Dot-Com bubble, housing bubble). Die Idee, dass aufgrund fehlendem Aktivismus der Zentralbanken DE mit den Nazis und die USA mit der Depression belohnt wurde, verhindert die wirkliche Ursache in der massiven Geldmengenausweitung der 20iger Jahre zu erkennen. Vielleicht hilft Ihnen folgender Artikel Ihre Ansicht ein wenig zu revidieren.

        http://www.forbes.com/sites/stevekeen/2015/04/16/you-do-need-a-weatherman/

        • Markus Ackermann sagt:

          @Huber
          „aufgrund fehlendem Aktivismus der Zentralbanken DE“
          Sie irren sich über meine Gedankengänge: Nix von linear. Ich suche mir analoge Bilder / Konstellationen in der Geschichte. Und meine Lieblingsidee / mein Lieblingsbild zu heute ist das Verhalten der dt. Reichsbank VOR der Hyperinflation.
          Was meine ich damit?
          1. Es gab damals massive Abflüsse aus D und keine Bank war mehr bereit, Kredite an die Realwirtschaft zu vergeben, weil die Banken um die eigene Liquidität bangen mussten. DARUM sprang die Reichsbank in die Bresche und flutete mit Reichsmark und dies führte dann später zur Hyperinflation.
          2. Ich erwarte HEUTE keine Hyperinflation, sondern eine asset inflation, weil die €ZB mit ihrem Bio-€-Programm die Liquidität (durch Räumungskäufe auf den Märkten) sicherstellen will. Kaum etwas davon wird in die Realwirtschaft fliessen. Es wird darum gehen, die Bewertungen in den Bilanzen und Versicherungen hoch zu halten. Und wenn die €ZB „ausgeschossen“ sein wird mit ihrem Bio.-€-Programm und es den € bis dann noch nicht „verjagt“ hat, wird eine andere Zentralbank übernehmen.
          3. Man kann es auch anders herum betrachten: Wer will heute noch €-Kredite vergeben, wenn er weiss, dass diese Kredite später mit entwerteten € zurückbezahlt werden? Nur jemand, den Verluste nicht scheren: die €ZB.
          4. Was wir mit Realzinsen und secular stagnation diskutieren, ist das Spiegelbild in der Realwirtschaft. Glaube ich. Eine klare Meinung habe ich noch nicht. Im Nachhinein wird man es dann besser wissen … aber dann wird’s wohl zu spät sein.

      • Linus Huber sagt:

        „Kann die €U ihre Schulden anders abbauen, als durch Enteigung und Verelendung der eigenen Bürger?“

        Einen grossen Teil der Schulden (nicht nur der EU) werden an einem ungewissen Zeitpunkt in der Zukunft aufgrund der fehlenden Bedienbarkeit eh abgebaut; die Frage ist hierbei eher, wer den Verlust zu tragen hat. Er wird definitiv wieder beim einfachen Bürger ankommen, während sich die Abzocker, Bürokraten und ihre Helfer (Politik), welche für diese Situation der nicht erfüllbaren Versprechungen verantwortlich sind, sich weiterhin ein 5Star-Leben leisten.

        • Markus Ackermann sagt:

          @ Linus Huber
          1. „an einem ungewissen Zeitpunkt in der Zukunft aufgrund der fehlenden Bedienbarkeit eh abgebaut“
          Ja! DARUM werden die Renten kleiner. Denn die „fehlende Bedienbarkeit“ heisst z.B.: Es fliessen keine Zinsen und die Versicherungen können deshalb auch nur noch tiefe Renten auszahlen.
          Die Schulden werden monetarisiert, von den Zentralbanken aufgekauft und in den Bilanzen belassen bis zum St. Nimmerleins-Tag. Damit gibt es keinen Schuldenausfall und in den Bilanzen der Banken und Versicherungen müssen diese non-valeurs nicht abgeschrieben werden.
          NB: Warum sind heute die DURCHSCHNITTSrenten in D tiefer als die AHV-Minimalrente? Die dt. Integration wurde in D (Kohl, Schäuble) via Sozialkassen finanziert, also können diese Sozialkassen ihre Funktion kaum noch ausüben.
          2. Anreizstruktur:
          Ich will nichts manipulativ verheimlichen. Selbstverständlich läuft da einiges schief. Aber ich habe hier noch keine klare Meinung. Mein „aktueller Stand des Irrtums“ ist:
          – Letztlich geht es hier um ein „agency problem“: Weil Funktionäre sich dazwischen gedrängt haben (Politiker, Staat, Beamte, Banken, Versicherungen etc. pp) kann der Bürger (Sparer, Aktionär, Arbeitnehmer, Patient, Konsument etc.) sein Vermögen und sein Einkommen nicht mehr via Markt nach seinen EIGENEN Bedürfnissen einsetzen, sondern es findet eine mannigfaltige Form von durch Normen vorgeschriebenem und geschütztem ZWANGSkonsum statt: also das Gegenteil von Wettbewerb und freier Marktwirtschaft, nämlich generell-abstrakte Bewertungen (von irgendwem wie immer legitimierten) statt individuell-konkreter Wettbewerb durch freie Kaufentscheidungen im Einzelfall.
          Bref: ein Wegfall von Freiheit des Bürgers bzw.: Ehrenwerte Motive (wie z.B. wenn Schutznormen Ausbeutung durch den Stärkeren verhindern wollen) werden von den Schlaueren (Ausbeutern) zu ihrem eigenen Vorteil und ohne Schaffung einer Wertschöpfung ausgenützt. Weil die Ausbeuter keine Werte schöpfen (man nach der Transaktion nicht reicher ist als vorher), sie aber trotzdem ihren Lohn wollen, wird die Differenz über die Verschuldung finanziert. Die Transformation von der wert-generierenden (produktiven) Real-Wirtschaft zur „Dienst“-leistungsgesellschaft der Sessel-Furzer schlägt auf die Verschuldung durch (in % des BIP)
          – Die ökonomische Diskussion zur secular stagnation geht (typisch für die Ökonomie) zu einem schönen Teil um Anreize und logisches Verhalten. Summers, Bernanke etc. spielen hier in der Champions League und ich spiele vergleichsweise nur beim FC Nieder-Düpfigen und kann da schlicht nicht mitreden, bis ich mir eine stabile Meinung gebildet habe

          • Linus Huber sagt:

            „Die Schulden werden monetarisiert, von den Zentralbanken aufgekauft und in den Bilanzen belassen bis zum St. Nimmerleins-Tag.“

            … und wenn es wieder rüttelt und schüttelt, werden einfach diese Bilanzen weiter aufgeblasen und anscheinend ohne weitere Konsequenzen …. ???? – Lineare Denkweise; selbst die SNB dürfte wohl erkannt haben, dass solch ein Vorgehen nicht so ganz klar ohne evtl. und potentiell sehr gefährliche Konsequenzen (z.B. zunehmende und immer weniger kontrollierbare Instabilität) angewendet werden kann.

          • Markus Ackermann sagt:

            @Huber
            Ja
            Niemand kann gegen die Zentralbanken spekulieren.
            Die einzige (traditionelle) Gegenposition wäre Gold, aber dieser Goldozean ist auch zu klein. Die Zentralbanken könnten auch diesen Goldozean aussaufen: €s werden zu non-valeurs. Und wenn die Zentralbanken die asset-Ozeane nicht aussaufen, wieviel wären diese assets dann noch wert?
            Wissen SIE, was seinen Wert behalten wird? Da bin ich gespannt! Ich suche sehr intensiv.

          • Anh Toàn sagt:

            @Markus Ackermann „Was seinen Wert Behalten wird“

            Ich bin sicher, 1 Euro wird immer 1 Euro Wert sein.

          • Linus Huber sagt:

            „Wissen SIE, was seinen Wert behalten wird?“

            Sie haben damit einen wichtigen Punkt angesprochen. Ursprünglich beinhaltete die Funktion von Geld (Währungen) eine gewisse Sicherheit als „store of value“ zu dienen. Diese Funktion wurde seit der Aufhebung (teilweise auch zuvor) des Goldstandards schrittweise zerstört, was dazu führte, dass immer neue Investitionsmodelle diese Funktion gesucht werden, diese Funktion zu erfüllen, was hingegen wieder die entsprechenden Blasenbildungen erzeugt. Dies bezeichne ich ankerlose Geldpolitik, in welcher die Währung einzig dazu benutzt wird, kurzfristig Wachstum durch vorgezogenen Konsum zu erzeugen. Was wird nun die Kaufkraft behalten? Na ja, wir sind vollständig auf die entsprechenden Entscheidungsträger und ihre willkürlichen Entscheide angewiesen; sie entscheiden was am wenigsten an Kaufkraft verliert. Auch Wohneigentum ist nicht unbedingt sicher, denn wenn Staaten finanziell in der Enge sind, werden auch Steuern auf Wohneigentum sicherlich stärker herangezogen werden. Aktien scheinen z.Z. im Trend zu liegen, weil die Teppich-Etage den stärksten Einfluss auf die Gesetzgebung auszuüben vermag, wobei hierbei schrittweise die demokratischen Werte untergraben werden. Aber selbst Aktien sind langfristig an Wirtschaftswachstum gebunden und wenn damit eine immer stärkere Umverteilung von unten nach oben abläuft, wird dies schwerlich den Konsum (Wirtschaftswachstum) längerfristig beflügeln, sondern einzig temporär durch weitere Ausweitung der Kreditmenge. Was aus meiner Warte sicher sein dürfte, ist der Umstand, dass Regierungen gleich welcher Couleur immer stärker diejenigen unter Beschuss nehmen, welche Vermögen haben, während gleichzeitig jene, welche vom Staat leben, schrittweise ebenfalls an Kaufkraft verlieren dürften. Das Problem liegt darin, dass Politiker zu hohe Erwartungen schürten, welche die Regierung nicht nachhaltig finanzieren kann, sozusagen eine Art Schneeballsystem, welches in vielen Programmen verwurzelt ist.

          • Markus Ackermann sagt:

            @Toan
            So, so: 1€ = 1€?
            Buffet: Price is what you pay, value is what you get
            1. Warum verschuldet sich Buffet in €s?
            http://www.cash.ch/news/kolumne/buffetts_eurobonds-3304307-567
            „wurde bekannt, dass Buffett die Euros umgehend in Dollar umtauschen möchte. Offenbar rechnet Buffett mit einer Abwertung des Euro. Sollte er damit recht behalten, kann er eigentlich nur gewinnen.
            Aber auch ohne zusätzlichen Währungsgewinn ist der Deal lukrativ. Es dürfte Buffett nämlich nicht schwerfallen, mit dem aufgenommen Kapital eine höhere Rendite als den vereinbarten Zins zu erwirtschaften. Allein die Dividendenrendite vieler US-Aktien ist deutlich höher als der Zinskupon.“
            2. Warum geben Gläubiger Kredite in €s, wenn sie doch wissen, dass diese Kredite in abgewerteten €s zurück bezahlt werden (wenn überhaupt!)?
            – Weil die Vorschriften für Banken und Versicherungen diesen ihnen keine andere Wahl lassen, Rentner und Sparer drauf zahlen und
            – ein rechter Teil der Verluste am Ende via Aufkäufe bei der €ZB landen werden, der Verluste egal sind
            http://www.fuw.ch/article/terra-incognita-am-bondmarkt/

          • Markus Ackermann sagt:

            @Huber 09.41
            Ja, ich stimme allem zu.
            Meine Antwort darauf ist:
            1. Ich orientiere mich NUR an der Real-Wirtschaft und dort nur auf das, was wirklich produktiv ist, also Werte generiert … in der Hoffnung, dass dieser Teil der Wirtschaft mittelfristig mehr Wert generieren kann, als ihm mittelfristig enteignet wird.
            2. Was ist „wirklich produktiv“? Es gibt einen Kunden, der FREIWILLIG das produzierte Gut bezahlen will, weil er nach der Transaktion reicher ist als vorher.

          • Markus Ackermann sagt:

            @Huber 09.41
            Ja, ich stimme allem zu.
            Meine Antwort darauf ist:
            1. Ich orientiere mich NUR an der Real-Wirtschaft und dort nur auf das, was wirklich produktiv ist, also Werte generiert … in der Hoffnung, dass dieser Teil der Wirtschaft mittelfristig mehr Wert generieren kann, als ihm mittelfristig enteignet wird.
            2. Was ist „wirklich produktiv“? Es gibt einen Kunden, der FREIWILLIG das produzierte Gut bezahlen will, weil er nach der Transaktion reicher ist als vorher.

          • Anh Toàn sagt:

            @Markus Ackermann

            „Etwas was seinen Wert behält“ ist nichts anderes als Ausdruck nach Sehnsucht nach einer sich nicht verändernden Welt:

            Wert ist ein Verhältltnis, Linus Huber sagt Kaufkraft behalten, aber Kaufkraft wofür: Zu einem Warenkorb, zu Grundbesitz in welchem Land, zu Oel, zu Gold, zu was?

            Soll das Wertverhätnis zu allem geleich bleiben, müssen auch die Wertverhältnisse aller Dinge untzereinander gleich bleiben, was nicht anders bederutet, als Tod:

            Herr Ackermann, auch Ihr Wert verändert sich: In absehbarer Zeit sind Sie komplett wertlos, weil nicht mehr existent.

            Dummköpfe die meinen, sie verstehen irgend etwas

          • Anh Toàn sagt:

            Bevor Ihr Euch fragt, was Wert behält, solltet Ihr fragen, was Wert ist.

          • Linus Huber sagt:

            Um einen Wert zu bestimmen, braucht man einen Massstab. Wenn ein Meter jeden Tag aufgrund kurzfristiger Überlegungen um einen mm kürzer wird, wie will man ein stabiles Haus bauen? Geld hat nicht einzig die Funktion als Zahlungsmittel zu dienen, sondern stellt ein Medium der Information dar. Wenn diese Informationen zunehmend verzerrt sind, führt dies zu Fehlentscheiden sowie Verlust von Vertrauen zwischen den einzelnen Akteuren. Ein Schneeballsystem hat wenig mit Fortschritt zu tun, sondern eher um die Anstrengung zunehmend Macht in weniger Hände zu konzentrieren und die Freiheit und Unabhängigkeit der Bevölkerung zu beschneiden.

          • Markus Ackermann sagt:

            @Toan
            Ein Unvernünftiger wird widerlegt, wenn er ökonomischen Blödsinn postet.
            Daraufhin nennt er ANDERE „Dummköpfe“, weil sie nicht seine Meinung teilen.
            Passt!

          • Anh Toàn sagt:

            @Markus Ackermann

            Wo werde ich widerlegt?

            1 Euro ist immer 1 Euro wert, 1 Meter ist immer 1 Meter lang (Trotz Linus Huber, der glaubt, es gebe Meter die nur aus 999 Millimetern bestehen)

            Wenn Buffet recht behält, und der Euro wertet ab, hat er Gewinne in USD. In Euro gibt es weder Verluste aus einem abwertenden Euro noch Gewinne aus einem aufwertenden Euro.

            Sucht Buffet „value“ in Junkfood? (http://blog.bazonline.ch/welttheater/index.php/34904/die-junkfood-gelueste-des-herrn-buffett/)

          • Linus Huber sagt:

            Ein Meter behält seine Wertigkeit als Massstab von Distanz oder Länge, während ein EURO (wie alle Währungen) seine Wertigkeit als Massstab von Kaufkraft dauernd verringert. Aber ärgern Sie sich nicht, Markus, wir sind uns an das OA (OverActing) von gewissen Personen gewöhnt.

          • Anh Toàn sagt:

            Linus Huber: „..während ein EURO (wie alle Währungen) seine Wertigkeit als Massstab von Kaufkraft dauernd verringert.“

            http://www.ecb.europa.eu/ecb/educational/hicp/html/chart3.de.html

            zeigt aber, dass dies in Europa seit 50 Jahren nie weniger der Fall war, als seit Euroeinführung:

            Also ist der Euro doch besser als was vorher war, wo die Wertigkeit der Währung als Massstab von Kaufkraft noch viel dauernder verringert wurde.

            Wenn Ihnen abwertende Währungen zuwider sind, müssten Sie eine Lobhudelei auf den Euro anstimmen.

    • Maiko Laugun sagt:

      @Marcel Senn: Zum Teil-Thema China hier noch die aktuelle Ansicht von Marc Faber: https://www.chinamoneynetwork.com/2015/04/17/marc-faber-the-chinese-will-not-print-money

      • Marcel Senn sagt:

        Maiko: Erstaunlich optimistisch Dr. Doom, allerdings auch ein bisschen Wischi-Waschi wie man es von den Astrologen her kennt, aber wenns dann doch hart auf hart kommen sollte:

        „Hopefully, it is painful because the society needs some pain from time to time, then the economy takes off again.“
        .
        Pain and Boom 🙂 Dann hoffe ich, es kommt nicht zu gäch — China ist ja noch nicht wirklich Bubble-experienced!

  • Rolf Rothacher sagt:

    Ist doch viel einfacher: Die Subprime-Krise hat direkt 2500 Milliarden Dollar an Vermögen vernichtet. Die Staaten haben die Gelegenheit genutzt und weitere 2500 Milliarden in Bankenrettungen/Ankurbelungsprogrammen verschleudert. Diese 5 Billionen wurden von den Zentralbanken in den Markt gepumpt, um eine Kredit-Verknappung zu verhindern. Doch gleichzeitig wurden die Eigenmittel-Anforderungen der Banken mehr als verdoppelt. Zudem gelten heute einige Positionen in den Bankbilanzen nicht mehr als Eigenmittel und bei der Bewertung der Aktiven gelten strengere Richtlinien. Vor allem Staatspapiere und Hypotheken müssen heute mit weit mehr Eigenmitteln unterlegt werden als 2007. Diesen 3-fach-Effekt haben die Banken noch längst nicht weggesteckt. Die Zentralbanken müssten weitere 6-8 Billionen Dollar in die Märkte pumpen, um diesen Mangel an Eigenmitteln auszugleichen (von dem immer behauptet wurde, er koste die Banken nichts, so als wenn Eigenkapital in jeglicher Höhe praktisch für lau zur Verfügung stände!). Inflation wird erst wieder einsetzen, wenn die Banken wieder dieselben Freiräume zur Kreditgewährung wie vor 2007 besitzen. So lange bleibt es bei der Deflations-Tendenz, welche die Investitionsfreude der Unternehmen hemmt und die Zuversicht der Konsumenten bezüglich ihrer finanziellen Zukunft zerstört. Da nutzen auch keine Staatsprogramme zur Ankurbelung, wie gerade Japan seit 20 Jahren zeigt, denn der Staat investiert nur ganz selten nachhaltig, schafft mit seinen Ausgaben vor allem kurzfristige Arbeitsplätze.
    Also entweder die Eigenmittel-Anforderungen der Banken wieder senken, damit sich ihre Risiko-Freudigkeit erhöhen kann. Oder weitere Billionen in die Märkte pumpen, bis (ganz zuletzt) auch 2 bis 3 Billionen bei den Banken als zusätzliches Eigenkapital angekommen sind. Vorher wird keine Inflation einsetzen (wie Japan beweist) und die Zinsen können sich nicht erholen, was beides die Zukunftsängste der Konsumenten/Sparer schürt und sie noch weniger ausgeben lässt.
    Übrigens: der klassenkämpferische Hinweis oben bezüglich der Reichen, die weniger Geld als die Armen ausgeben, ist völliger Quatsch. Zuallererst benötigt die Wirtschaft ungeheuer viel Kapital, damit sie funktioniert. Doch weit wichtiger ist der Umstand, dass nicht der Konsum letztendlich die Inflation befeuert, sondern die Investitionen und der Glaube an eine prosperierende Zukunft. Mit 0-Zinsen wird dieser Glaube jedoch zerstört (kaum Rendite auf dem Rentenkapital) und die Investitionen bleiben aus.

    • Josef Marti sagt:

      Soso, das Eigenkapital der Banken kommt also von der Notenbank. Es gibt nunmal keine staatlich garantierte und dem Publikum abgerungene Zwangs-Eigenkapitalrendite, das sollte doch eigentlich nicht so schwierig zu verstehen sein. Andernfalls bleibt nichts anderes übrig, als alle Banken dem Finanzdepartement und der Bundesbesoldungsverordnung von Frau Schlumpf zu unterstellen.

    • Marcel Senn sagt:

      Soso Herr Rothacher – mit zutiefst sozialistischen Methoden (Eigenkapital in die Banken pumpen mit Zentralbankgeld??) wollen Sie Ihren geliebten Kapitalismus wieder flott kriegen!
      .
      Oder die EK Anforderunge der Banken wieder senken — damit sie dann beim vermutlich bald mal kommenden grossen Domino Day geschmeidiger fallen oder was?

      Geben Sie es doch zu Herr Rothacher – diese Späthighendform des Kapitalismus ist grandios gescheitert – Sie werden vermutlich noch eine Weile dran glauben, bis es auf den Strassen brennt und es zu massiven Unruhen und Verarmung kommen wird — Griechenland könnte bald mal überall sein! Es braucht nicht mehr allzulange lange, die Lunte brennt schon!

    • Linus Huber sagt:

      „Glaube an eine prosperierende Zukunft“

      Dies ist der springende Punkt, jedoch bezweifle ich, dass die weitere Steigerung eines bereits überhöhten und immer schwieriger zu bedienenden Kreditvolumens diesem Glauben zuträglich ist.

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