Die (un)heimliche Stabilität der Schweizer Wirtschaft

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Die Wachstumszentren sind die gleichen geblieben: Ein Uhrmacher von Hublot bei der Arbeit. Foto: Keystone

Wie stark hat sich die Schweizer Wirtschaft seit dem Mittelalter verändert? Komplett, mindestens auf den ersten Blick. Wo früher Pflüge hin und her gezogen wurden, stehen heute Fabriken und Büros. Vor 500 Jahren arbeiteten 90 Prozent in der Landwirtschaft, heute weniger als 5 Prozent. Die Produktivitätsfortschritte sind atemberaubend.

Sobald man aber die Regionen und ihre relative Wettbewerbsfähigkeit betrachtet, sieht alles ganz anders aus. Es herrscht eine geradezu unheimliche Stabilität. „Plus ça change, plus c’est la même chose.“

Die Gebiete der heutigen Schweiz waren nämlich vor 1000 Jahren Teil des sogenannten Städtegürtels, der sich von Norditalien über und um die Alpen bis nach Südengland erstreckte und als Motor der europäischen Wirtschaft fungierte. Die Karte zeigt die wichtigsten Handelsverbindungen im 13. Jahrhundert (Quelle):

Dank dieser vorteilhaften Lage entwickelten sich die Städte der heutigen Schweiz zu international vernetzten Handels-, Finanz- und Gewerbezentren. Ab dem 16. Jahrhundert erlebten das Textilgewerbe und die Uhrenproduktion einen grossen Aufschwung, nicht nur in den Städten, sondern auch auf dem Land. Die Kaufleute kauften Rohstoffe ein und brachten sie zu den Bauernhaushalten im Voralpengebiet und im Jura, wo die landwirtschaftlichen Erträge gering waren und die Familien deshalb auf zusätzliches Einkommen angewiesen waren. Es entstand eine grossflächige Heimindustrie auf dem Lande.

Im 18. Jahrhundert erreichte diese Heimindustrie ein im europäischen Vergleich besonders grosses Ausmass. Die folgenden Karten aus dem Jahr 1785 zeigen die Verteilung der ländlichen gewerblichen Produktion:

  • Im Norden und Osten dominierte die Baumwollverarbeitung (violett).
  • Im Westen verbreitete sich die Uhrenindustrie mit Genf als Zentrum und dem Jura als Ausläufer (grün).
Bild1
  • Die Seidenproduktion war in der Region Basel, um Zürich und in Teilen der Zentralschweiz verbreitet (sandfarben).
  • Die Leinenherstellung war am Bodensee und im Bernischen heimisch (rot).
Bild2

Die regionale Verteilung sieht sehr vertraut aus. Denn heute sind es genau dieselben Gebiete, welche die Schweizer Wirtschaft vorantreiben. Es gibt offenbar eine direkte Linie von den Verhältnissen im Mittelalter zur Gegenwart:

  • Dort, wo früher Baumwolle gesponnen und gewoben wurde, ist heute die Maschinenindustrie ansässig.
  • In der Region Basel, wo früher Seidenbänder für die Haute Couture hergestellt wurden, ist heute die Chemie.
  • Im Jurabogen ist seit Jahrhunderten die Uhrenindustrie tätig (Quelle: Bundesamt für Statistik).

Nur die Leinenherstellung hatte keine langfristigen Folgen. Das erwies sich für die Wirtschaftsgeschichte Berns als fatal, während die Ostschweiz den Niedergang der Leinenproduktion mit der Baumwollverarbeitung auffangen konnte. Auf der anderen Seite sind neue Branchen dazu gekommen: die Lebensmittelindustrie, der Tourismus und die Finanzdienstleistungen.

Bild3

Kurz und gut: Aus der langfristigen Perspektive weist die Schweizer Wirtschaft eine kaum bekannte Stabilität auf. Die Wachstumszentren sind seit 1000 Jahren mehr oder weniger dieselben geblieben. Das gibt Anlass zu Optimismus: Ein Wirtschaftsraum, der seit Jahrhunderten dynamisch ist, dürfte nicht von heute auf morgen schrumpfen oder verschwinden – trotz aller Unkenrufe seit dem 9. Februar 2014.

75 Kommentare zu «Die (un)heimliche Stabilität der Schweizer Wirtschaft»

  • Chris sagt:

    Frustrierende Kommentare: warum müssen viele Kommentatoren immer alles schlecht reden, abwerten und so tun als dass alle Schweizer ganz allgemein Primitivlinge, Profiteure und Ausnützer sind? Warum kann man hier nicht einfach mal sachlich diskutieren und muss immer gleich alles (negativ) werten? Diese negative Grundeinstellung vieler Schweizer, die vergessen haben wie gut es ihnen eigentlich geht, ist die größte Gefahr für die Zukunft der Schweiz!

  • Linus Huber sagt:

    Obwohl schon abgehandelt, trotzdem noch ein empfehlenswerter Artikel zur Goldinitiative:

    https://etwasanderekritik.wordpress.com/2014/11/11/retten-sie-ihre-wahrung-und-ihr-land/

  • Linus Huber sagt:

    Off-topic

    Immer wieder die gleiche Leier.

    „It is an economic truth pretty much universally acknowledged that you cannot deflate your way out of a debt trap, yet it seems entirely lost on the eurozone high command.“

    http://www.telegraph.co.uk/finance/economics/11229340/Soon-there-wont-be-a-Europe-to-be-part-of.html

    Die Fakten sind:

    1. Die Zentralbanken in Anwendung fehlerhaften Dogmen haben durch die inflationäre Geldpolitik die Kreditblase kreiert.
    2. Nachdem die Blase 2008 platzte, glaubt man mit den gleichen Mitteln, welches das Problem produzierte, es zu lösen.

    Dass derart viele Ökonomen und Journalisten derart lernresistent sind, übersteigt meine Vorstellungskraft.

  • Walter Bernstein sagt:

    Der Wohlstand der Schweiz kommt v. a. daher, dass in der Schweiz mehr gearbeitet wird.
    Arbeitszeit pro Kopf in Deutschland 2012: 720 Stunden.
    Arbeitszeit pro Kopf in der Schweiz 2012: 963 Stunden.

    In der Schweiz wird pro Kopf also 34 % mehr gearbeitet als in Deutschland.
    Aber diese Zahl zeigt auch die grosse Schwäche der Schweizer Wirtschaft: Ihre sehr schlechte Produktivität:

    Das kaufkraftbereinigte BIP ist in der Schweiz 15 % höher als in Deutschland. Aber dafür müssen die Schweizer 34 % mehr arbeiten als die Deutschen. Das ist ein trauriger Beweis für die sehr schlechte Arbeitsproduktivität der Schweiz.

    • Linus Huber sagt:

      Na ja, einen Teil der Zeit wird wohl mit der Diskussion von Initiativen verprasst.

      • Anh Toan sagt:

        Wer sowas macht am Arbeitsplatz, sollte wegen Dummheit gefeuert werden.

        • Linus Huber sagt:

          Lach – Ja, diese nach Josef benannten Rendite-Sklaven müssen diszipliniert werden und sollen sich nicht in Angelegenheiten einmischen, die sie nichts angehen.

          • Anh Toan sagt:

            Doch, die Angelegenheiten gehen sie sogar was an – zu Hause. Am Arbeitsplatz gehen sie Arbeitsangelegenheiten an, vorbehalten dringliche oder nicht anders organisierbare persönliche oder gesellschaftliche Angelegenheiten.

        • Walter Bernstein sagt:

          Das zeigt aber auch, dass die Schweiz noch viel erreichen kann, wenn sie ihre Produktivität steigert.

          Tut sie es nicht, ziehen andere an ihr vorbei. Nicht in diesem Jahrzehnt, aber es ist nur eine Frage der Zeit.

          Vielleicht hat in 50 Jahren ja Südeuropa wieder die Vormachtstellung, die es einst hatte. In Norditalien hat sich diese hohe Wirtschaftskraft ja erhalten.

      • Linus Huber sagt:

        @ Walter

        Mein Bezug auf die „Diskussion von Initiativen“ war übrigens ironischer Natur, was wohl nicht jeder zu erkennen scheint.

    • Josef Marti sagt:

      Die gewünschte hohe Produktivität lässt sich durch Massenarbeitslosigkeit und Massenprekariat sowie tiefen Arbeitsstunden erreichen. In der CH ist die Arbeitslosigkeit immer noch vergleichsweise zu tief und es werden immer noch Leute mit tiefem Ausbildungsnieveau beschäftigt, generell ist die Erwerbsquote im Vergleich zu anderen Ländern viel zu hoch.

      • Anh Toan sagt:

        Die Schweiz hat, lese ich die Statistiken richtig, eine „standardisierte“ Erwerbsquote (15-64 Jahre) unter dem Durchschnitt der EU.

        • seebueb sagt:

          Wahrscheinlich sind das unterschiedliche Arten von Quoten.
          Die CH hat gem bfs brutto 58%(Männer 63,3), netto 68,5%(74,8), und standardisiert 83,5%(88,1).

          http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/03/02/blank/key/erwerbsquote.html

          • Anh Toan sagt:

            Das Problem ist, die Zahlen die ich selber durchaus für die Schweiz beim bfs finden kann, mit den Zahlen, die ich für Europa finden kann, vergleichen.

            Europa habe ich von

            http://de.statista.com/statistik/daten/studie/188794/umfrage/erwerbsquote-in-den-eu-laendern/

            da steht was von 15-64 und da finde ich für den EU Schnitt 72% und das fand ich realistischer mit den mittleren 68.5 als den 84 Prozent des BfS vergleichbar, denn dass die Erwerbsquote in Schweden oder anderen Staaten mit gesunder Wirtschaft und hoher Erwerbsquote bei Frauen tiefer liegt als in der Schweiz, das glaube ich nicht. Schweden würde als europäisches Land mit generell höchster Quote, noch knapp hinter der Schweiz liegen.

          • seebueb sagt:

            Ob die Zahlen stimmen, müssen Sie mit dem BfS ausmachen. Statista jedenfalls verlässt sich auf das BfS und weist für die CH für 2012 83,0% aus (83,3% für 2013, provisorisch). Im Zweifelsfall würde ich dem BfS eine grössere Zuverlässigkeit zubilligen als Ihrem Bauchgefühl.

            Folgende Faktoren fallen mir auf die Schnelle ein, die für eine klar höhere CH-Erwerbsquote sprechen:
            – Arbeitslosenquote 3% vs 8%
            – das Studium reduziert die E-Quote, die Akademikerquote ist hierzulande tiefer. Die CH liegt mit aktuell 27% ggü. dem OECD-Mittel von 36% klar hinten, bei einem direkten Vergleich müsste zudem die A-Einwanderung hierzulande berücksichtigt werden, gemäss einem Papier von avenir-suisse hatten 2005 bereits 60% der Einwanderer einen tertiären Abschluss.
            – Mutterschaftsurlaub Schweden 500Tage pro Kind, 950Tage pro Frau.
            – Pensionierungsalter (CH 63,8 vs 63,3) gibt ebenfalls ein paar Promille zugunsten der CH

            Zudem dürfte der besser ausgebaute schwedische Sozialstaat den einen oder anderen dazu bringen, mal ein bisschen Pause zu machen.

          • seebueb sagt:

            Was die Angabe von Links betrifft:
            Lesen Sie Ihr Post vom 18. November 2014 um 11:58

          • Anh Toan sagt:

            @seebueb: Sie wollen also sagen, die Schweiz hätte die höchste Erwerbsquote in Europa, obwohl die meisten Frauen ab 30 Jahren irgendetwas zwischen 20 und 80 Prozent arbeiten?

            Die Arbeitslosenrate ist übrigens irrelavant, Arbeitslose werden als erwerbstätig erfasst, wenn sie vermittelbar sind.

            Mutterschafts-„urlaub“ in der Schweiz etwa 12 Jahre, 60 Prozent!

          • Anh Toan sagt:

            @seebueb: Sie behaupten, in der Schweiz seien dxie Oberstufengymeller und die Studenten und die IV Rentner und die Pauschalbesteuerten und die nur teilweise arbeitenden Mütter totalk 16.5 Prozent der Bevölkerung im Alter von 15-64.

            Wenn die Statistiken nicht mkeinem „Bauchgefühl“ sondern dem, was ich sehe, höre, lese und rieche widerspricht, ist vielleicht auch nicht die Statistik „falsch“ sondern deren Bemessungsgrundlage eine andere.

          • seebueb sagt:

            Hat da jemand Mühe mit Einwänden? Haben Sie sich das von Blocher abgeschaut?

            Was den Rest betrifft: Siehe oben, das BfS steht Ihnen sicher gerne zur Verfügung.

          • Anh Toan sagt:

            „Allerdings werden bei dieser Statistik das Alter und die Wochenarbeitsstunden nicht berücksichtigt. “

            Wochenarbeitsstunden werden nicht berücksichtigt in der Statistik des BfS, merkt sogar der Blicks, jede Mutter die 20 Prozent arbeitet, gilt als Erwerbstätig.

            Und da liegt wohl der Unterscheid zwischen der Realität und der Statistik.

            Und jetzt dürfen Sie noch rausfinden, ob dies in den europäischen Statistiken gleich behandelt wird, und ob die Anzahl der entsprechenden Fälle ähnlich häufig ist.

    • seebueb sagt:

      Nonsens.

      Die Kaufkraft des Verkaufspreises ist dem Käufer sch****egal. Das PPP-BIP hat nichts zu tun mit internationaler Konkurrenzfähigkeit.

  • Walter Bernstein sagt:

    Wer an die Unverwüstlichkeit der Schweizer Wirtschaft glaubt, sollte sich mal mit – ehemals – reichen Regionen wie Wallonien, dem Ruhrgebiet, dem Manufacturing Belt der USA oder Mittelengland befassen.
    Früher blickten sie auf die ärmeren Landesteile hinab. Heute sind sie deren Kostgänger.
    Die reichsten Regionen Deutschlands sind die – früher bettelarmen (!) – Länder Baden-Württemberg und Bayern. Auch das reiche Hessen musste schon mal seine Söhne als Söldner ins Ausland verkaufen.
    Wenn die Wirtschaftsgeschichte eines lehrt, dann die Tatsache, dass eine falsche Politik die wirtschaftlichen Verhältnisse in wenigen Jahrzehnten komplett verändern kann.
    Und was wäre die Schweiz ohne den immerwährenden Austausch mit ihren Nachbarn, der unter dem Strich sehr viel zum Schweizer Wohlstand beigetragen hat.

    • Linus Huber sagt:

      @ Walter

      Zustimmung, indem ich es als höchst gefährlich betrachte, eine Prognose anhand der Verlängerung einer vergangenen lineare Entwicklung zu machen.

      Die Frage liegt wohl eher in der Gewichtung der durch die MEI erzeugten Veränderungen, respektive in der aufgrund der hohen Komplexität schwierigen Beurteilung der Veränderung des gesellschaftlichen Bewusstseins, welches nicht einzig die Schweiz betrifft.

      • Walter Bernstein sagt:

        Linus Huber, 00:23
        Die Schweiz hat immer noch beste Voraussetzungen für eine gute Zukunft.
        Ich möchte nur aufzeigen, dass wirtschaftlicher Erfolg nicht in Stein gemeisselt ist.
        Es gibt auch alte, traditionsreiche Unternehmen, die irgendwann plötzlich schliessen müssen.
        Geschichte schützt nicht vor den Stürmen des Wirtschaftslebens.

    • Rolf Zach sagt:

      Das schlimme ist, dass die gegenwärtige Macht-Elite in der Schweiz inklusive die bürgerlichen Politiker mehr als
      in unseren Nachbarn-Ländern, ein Wurmfortsatz der Wirtschaftsführer ohne irgendwelche eigenen politischen Vorstellungen
      (gilt auch für Blocher). Sie werden leider von einer schönen Anzahl von Wirtschaftsprofessoren mit einer neoliberalen
      Politik unterstützt, die den Staat als „quantité négligeable“ betrachten. Wir brauchen die politische Macht der EU für die Fortentwicklung unseres Wohlstandes. Die Macht, die wir bei einem EU-Beitritt abgeben, gewinnen wir durch die grössere
      Macht der EU gegen aussen. Wir haben gegenwärtig die Haltung des Suppen-Kaspars (Nein, diese Suppe esse ich nicht).
      Wir wissen alle, was der Struwwelpeter über sein Schicksal erzählte.

  • Bruno Bänninger sagt:

    Was für eine merkwürdige Schlagzeile. Die CH-Wirtschaftsstabilität ist weder „heimlich“ noch „unheimlich“.
    Wir brauchen keine mehr oder weniger wissenschaftliche Analysen wieso es war wie es war und wieso es ist wie es ist.
    Die Stärke der Schweizer/Innen und damit der CH-Volkswirtschaft ist, dass wir seit jeher nicht nur gerade soviel tun um irgendwie durchzukommen sondern wir taten und tun eben immer das entscheidende Bisschen mehr um vorwärts zu kommen.
    Im Leben gibt es Anstrengungen und Ergebnisse. Je grösser die Anstrengung desto grösser war , ist und wird das Ergebnis sein.

    • Ueli sagt:

      @Bruno Bänninger
      Klar – die Befolgung von bürgerlichen Sekundärtugenden waren schon immer ausschlaggebend dafür, dass es im Kapitalismus „erfolgreiche“ Länder und weniger „erfolgreiche“ gab. Gut – die Engländer, Holländer, Spanier, Belgier, Französen, Deutschen, Amerikaner liessen zu Zeiten auch Sklaven für den Weltmarkt und die Kapitalbildung schuften – aber das war eine andere Geschichte…

    • J. Kuehni sagt:

      Selbstlob stinkt, Herr Bänninger. Wer’s nötig hat, dem fehlt es meist an Selbstvertrauen. (Die Schweiz stinkt seit einiger Zeit ganz gewaltig). Immerhin geben Sie offen zu, dass es sich bei Ihrer Meinung um ein Bauchgefühl und nicht um Wissenschaft handelt: Die behauptete Korrelation zwischen Anstrengung und „grossem“ Ergebnis ist keinesfalls zwingend. Genausowenig sind die Armen und Erfolglosen immer zwingend selbst an ihrem Schicksal Schuld (was der unappetitliche, logische Umkehrschluss ihrer Überzeugung sein müsste).

      Die Belgier strengen sich genauso an wie die Schweizer (machen sogar die weitaus bessere Schokolade). Bloss haben Sie das Pech, seit den Zeiten Julius Caesars mitten im Armee-Aufmarschgebiet der grossen europäischen Konflikte zu leben und dauernd auf „Feld 1“ zurückgeworfen zu werden. Tough luck!

      Unsere Berge, ja die lieben wir nicht umsonst mehr als alles andere.

  • Anh Toan sagt:

    Naja, so bis entwa 1960 könnte man dies alles ja auch über England schreiben. Aber Angang der 80er schrieb dann Bob Geldof:

    „It’s so long Hong Kong and no more Singapore
    Those steaming nights of Malta
    Goodbye Gibraltar
    I’ll give you arms for Africa
    I’m hungry for India
    The sun’s set on Australia
    And vive le Canada

    They’re breaking up an empire
    Nobody’s buying British
    Calling for an umpire
    It really isn’t cricket
    The flags are coming down
    There’s a minimum of looting
    Somewhere in the distance I can see somebody shooting
    And another piece of red left my atlas today……..

    • Anh Toan sagt:

      Macht die Schweizerische-Vorgestern-Partei weiter wie bisher, bringt die Bilateralen zu Fall, heisst es bei uns

      Au revoir Romandie
      Adieu Bâle

      Und wenn Zürich dann mit Zug und Schwyz alleine die Subventionen für den Rest bezahlen muss…La Suisse n’existera plus!

      • Josef Marti sagt:

        Das ist doch kein Problem. Wie schon Gaddafi vorgeschlagen hatte wird dann das Territorium auf D, I, A und F aufgeteilt. Leider gibt es dann wahrscheinlich keine Schwingfeste und Alpaufzüge mehr.

      • Ueli sagt:

        @Anh Toan
        Ganz genau. Das Votum vom Februar 2014 war vor allem ein Zeugnis von Engstirnigkeit / Engherzigkeit / ökonomischer Unbedarftheit der Mehrheit der schweizer Stimmbürger, die an diesem Sonntag gestimmt haben und nicht im geringsten eine „Heldentat zur Bewahrung der Stabilität und Prosperität des Landes“. – Würde Ecopop bald angenommen, könnte man die Lichter löschen – vor allem in den erfolgreichen Regionen der Schweiz. Das ganzee noch irgendwie mit dem Hinweis auf „1000 jährige Stabilität“ verklären zu wollen ist äusserst naiv – und könnte auch in einem Jahr in einer SVP-Propagandazeitschrift zusammen mit einer „historischen Festschrift“ zur „Schlacht von Morgarten“ erscheinen.

        • Ronnie König sagt:

          @Ueli: Nein! Es war aus Frust geboren, weil das Volk die Lügen satt hat und genau sieht, dass das Erfolgsmodell so sicher nicht mehr lange für alle existiert und dann ganz massive Probleme kommen werden. Genau wie mit Ecopop wohl auch. Leider hat das Volk aber keine bessere zukunftsorientierte Vorlage. Und keine verlässliches Wort aus Wirtschaft und Politik das wirklich Hoffnung machen könnte.

          • Anh Toan sagt:

            @Ronnie König

            Worüber ist denn dieses Volk frustriert?

            Weil es nicht auf jeder Rangleiste zu Wohlstand (auch Verteilung, auuch Lebenserwartung, was weiss ich) ganz zuoberst ist?

            Weil man trotz 45m2 Wohnraum pro Kopf Dichtestress verspürt?
            Weil die Politiker in der besten Demokratie von allen den Volkswillen missachten?
            Weil man sich wohl fühlt im Erfolgsmodell, schiesst man sich ins Knie?

            Welche Lügen hat das Volk satt? Meinen Sie echte Lügen, also eine falsche Darstellung eines Sachverhaltes, oder meinen Sie Volksmund Lügen, eine später nicht eingetroffene Zukunftsprophezeihung oder eine später geänderte Meinung? Die Politiker erzählen Volksmund Lügen, weil das Volk sie hören will. Wer die „Wahrheit“ erzählt, wird nicht gewählt. Sie wollen ja auch Hoffnung gemacht kriegen aus Wirtschaft und Politik, würden Sie jemanden wählen, der Ihnen sagt, es gibt keine, wir sind verloren, alle, aber es ist bnicht schlimm, es gibt unendlich viele parallele Universen, und irgendwo ist auch eines, indem wir ein bisschen später verloren sind?

        • Linus Huber sagt:

          Oh jee, wer sich nicht unterwirft, wird gelyncht.

          • Ueli sagt:

            @Linus Huber
            Kurz und gut: Ich halte weder was von der Analyse und den „Rezepten“ eines Herrn Stieglitz (Nobelpreis hin oder her), noch von der Herrn Stockmans. Beide kratzen nur an der Oberfläche und betreiben einen oberflächlichen Lobbyismus für die eine oder andere vermeintlich „gute Seite“. Herr Stieglitz spricht von den 99% als wäre dies eine „homogene Masse“ (in den USA gibt es mindestens 5 Klassen, die u.a. vollkommen konträre Interessen vertreten), während Herr Stockman einfach die gute alte Neoliberalenplatte abspielt, die sowieso jegliche Misstände entweder bei den „faulen Armen“ oder beim „bösen Staat“ vermutet.
            Das beide dann am Schluss noch zu ähnlichen Schlussfolgerungen und „Rezepten“ kommen – erstaunt nicht weiter, da schon die Grundannahmen falsch sind.

          • Ueli sagt:

            @Linus Huber
            Die „Klassenfrage“ stellt sich nicht nur für Individuen:
            Je mehr Staaten, Regionen, betribswirtschaftliche Einheiten und Individuen in den Status von Verlierern einrücken (direkte Folge der globalen Konkurrenz), desto mehr internationale produktive Kaufkraft wird zerstört. Diese verschwundene Kaufkraft kann aber niemals insgesamt durch Kredite künstlich substituiert und revitalisiert werden. Einerseits dehnen sich Kredit und Verschuldung aus, andererseits schrumpft das globale Kaufkraftpotential. Diese beiden gegenläufigen Bewegungen überlagern sich dergestalt, dass aus jedem Zyklus von Mehrwertrealisierung der Gewinner ein grösserer Rest zurückbleibt, der weder produktiv angelegt noch direkt als zinstragendes Geldkapital ausgeliehen werden kann. Parallel zu den globalen Defizitstrukturen entwickelte sich daher seit den siebziger Jahren ein scheinbarer Überfluss von Geldkapital, das verzweifelt nach profitabler Anlage suchte; die Konkurrenz unter den Ausleihern war zunächst gross, und Kredite wurden „billig“ vergeben, ohne dass der internationale Kreditüberbau den angestauten, in der Geldform realisierten Mehrwert völlig absorbieren konnte.
            In dieser Zeit wurden folgerichtig nicht nur eilfertig Kredite der damals noch etwas zahlreicheren Gewinner an die Verlierer verschleudert und damit die Grundlagen für die spätere Schuldenkrise des Südens und Ostens gelegt, sondern ein Teil dieses Geldkapitals floss in einen anderen Sektor, den letzten und gefärlichsten des westlichen Marktsystemss, nämlich in die Spekulation. Parallel zum Verschuldungsprozess über die internationalen Handelsströme entwickelte sich daher in den 80er, 90er und 00er Jahren eine historisch nicht weniger beispiellose globale Immobilien- und Aktienspekulation. In den 80er Jahren war das Primärzentrum Japan und die Sekundärzentren in den USA und Grossbritannien. Japan schlitterte dann in die Deflation – die nun die USA und Europa als Primärzentren der letzten „Bubble“ erwartet.

          • Linus Huber sagt:

            @ Ueli

            Danke – Kein Argument hier, wobei ich wohl leicht anders formuliere.

            1. Darf ich in diesem Zusammenhang ihre Einschätzung der Bedeutung der Geldpolitik dazu erfahren? Glauben Sie, dass sich Blasen unabhängig von geldpolitischen Einflüssen zu diesem Ausmasse bilden ohne bedeutend frühzeitiger korrigiert zu werden?

            2. Sehen Sie in der gegenwärtigen Situation einen anderen Ausweg, als die angehäuften Versprechungen in Form von Krediten zu einem erheblichen Teil zu Liquidieren (abzuschreiben) wobei dies entweder aufgrund gewonnener Einsicht geplant ablaufen kann, oder ansonsten in der Form einer an einem Zeitpunkt auftretenden Vertrauenskrise unkontrolliert ablaufen wird.

          • Ueli sagt:

            @Linus Huber
            1. Man versucht freilich die Krise durch künstlich geschaffenes, eigentlich substanzloses Kreditgeld hinauszuzögern, in der Hoffnung, dass der Motor der Realakkumulation wieder anspringen möge. Wegen ihres schwächeren Kapitalstocks und ihres geringeren Grades an Verwissenschaftlichung, also ihrer Unfähigkeit, im Wettlauf der Produktivität mitzuhalten, konnten sich die Länder des Südens und Ostens auch nur in geringem Masse in den internationalen Waren- und Geldverkehr einbinden. Fiktives Kapital konnten sie daher nur in den Grenzen ihres jeweiligen nationalen Binnenkredits bilden, so dass die unvermeidlich folgende Aussenverschuldung um so schneller zum Schuldencrash und Zusammenbruch führen musste.
            Der Krisengrund aber ist für das gesamte warenproduzierende Weltsystem in allen seinen Teilen ein und derselbe: der historische Rückgang der abstrakten „Arbeits“-Substanz infolge der konkurrenzvermittelt erreichten Produktivität. Das warenproduzierende System ist jedoch an seinen tautologischen Selbstzweck gebunden und auf ein ewiges Weiterwachsen dieser „Arbeits“-Substanz im Weltmasstab angewiesen.

            2. Am allerwenigsten ist zu erwarten, dass die immanente Zerstörungslogik durch die etatistischen Krisen- und Notstandsverwaltungen gebrochen und bewältigt werden kann. Die Krise wäre nur zu überwinden, wenn der blossen Krisenverwaltung eine bewusste gesellschaftliche Aufhebungsbewegung entgegenträte, die diese Apparate wohl auch mehr oder weniger gewaltsam überrennen müsste.
            Die Kritik an der jakobinischen „Kopf ab“-Ideologie bedeutet keineswegs, dass die Menschheit sich dem Automatismus einer friedlichen Transformation des warenproduzierenden Systems anzuvertrauen hätte. Das wäre angesichts der katastrophalen Ereignisse eine weltfremde Vorstellung.

          • Linus Huber sagt:

            @ Ueli

            Danke für die ernsthafte Diskussion, welche ich sehr geniesse.

            Aufgrund des hohen Grades der Komplexität in der Wiedergabe der logisch fundierten Zusammenhänge fallen die Beiträge entsprechend schwierig verständlich aus, sodass meine garantierte Antwort noch auf sich warten lässt. Inzwischen wollen Sie mir evtl. den Ausdruck „abstrakte “Arbeits”-Substanz“ näher erläutern, damit sich die Möglichkeit von Missverständnissen reduziert.

          • Ueli sagt:

            @Linus Huber
            Bei der „abstrakten Arbeit“ wird die Verausgagung von Arbeit aus dem Kontext der sinnlichen Gebrauchswertschöpfung herausgelöst und in einen abstrakten Selbstzweck (Schaffung von Mehrwert) verwandelt.

          • Linus Huber sagt:

            Zu Punkt 1

            Die Bildung eines derart hohen Bestandes von fiktivem Kapital beruht aus meiner Sicht auf der Politik der Geldentwertung (Bestreben leichte Inflation zu erzeugen), welche seit über 30 Jahren zu einem Geldmengenwachstum weit über dem Wirtschaftswachstum führte. Wenn Sie hier das Wort „freilich“ (selbstverständlich) verwenden, würde dies bedeuten, dass sich die Politik (inkl. Zentralbanker) dessen bewusst waren, und damit im vollen Bewusstsein unter Anwendung der als Feigenblatt verwendeten fehlerhaften ökonomischen Dogmen diese Entwicklung vorantrieben, was ich allerdings bezweifle.

            Im zweiten Teil versuchen sie, wenn ich dies richtig interpretiere, zu erklären, dass der Wettbewerb in der Steigerung der Produktivität zu einer Reduktion des Faktors Arbeit führte. Ich gehe mit Ihnen einig, dass höhere Produktivität grundsätzlich mehr Möglichkeiten bietet, den gewonnenen Freiraum zu nutzen und dieser von den diversen Wirtschaftseinheiten (Staaten) unterschiedlich effizient genutzt wurde, speziell im Kontext der durch die Globalisierung bedeutend höheren Komplexität der verschiedenen Faktoren. Hier möchte ich einfach beifügen, dass durch die von der Geldentwertung erzeugte Verzerrung des Preisgefüges dazu führte, dass ein immer höherer Anteil der Früchte höherer Produktivität nicht der Bevölkerung zugute kam, sondern zur bekannten sich öffnenden Schere der Einkommen und Vermögen zwischen den 0,1% und dem Rest der Gesellschaft führte. Warum ein warenproduzierendes System auf das Weiterwachsen der Arbeitssubstanz angewiesen sein soll, entzieht sich meinem Verständnis.

            Zu Punkt 2

            Meine Interpretation Ihrer Worte ist, dass eine grundlegende Neuorientierung einzig durch eine revolutionäre oder revolutionsähnliche Bewegung möglich sein dürfte, wodurch sich die Frage aufdrängt, inwiefern Sie einen Zusammenhang im Verhalten der Regierungen (z.B. Ausbau der Überwachung) und der zu erwartenden gesellschaftlichen Verwerfungen zu erkennen glauben, oder eben nicht. Wenn eine bewusste Politik zur Sicherung der Machtverhältnisse betrieben wird, warum soll nicht eine entsprechende Strafe (Kopf ab) als Belohnung winken, denn wer bestrebt ist und sich dazu erkoren fühlt, Macht über seine Mitmenschen auszuüben und die ungerechtfertigt angeeigneten Pfründe gewisser Kreise mit allen Mitteln zu verteidigen, sollte auch bereit sein, die Konsequenzen auf persönlicher Ebene zu ertragen?

      • J. Kuehni sagt:

        Au revoir Romandie
        Adieu Bâle
        Arriverderci Ticino

        Hoho. Des Geissbocks‘ Kern:

        > Würde die EU morgen erfolgreich werden, bräuchte niemand mehr die Schweiz.
        > Drum warten wir verzweifelt auf den €-Kollaps der doch jetzt, jetzt, JETZT (bitte?) endlich kommen MUSS!
        > Wenn der nicht bald kommt, machen wir uns ja vorher noch selber fertig.

        Unser geistiges Wohlbefinden hängt vom (relativen) Misserfolg unserer Nachbarn ab. Was für ein ungemein sympatischer Haufen wir doch sind…

        Zum Blogthema:

        Die Seidenstrasse brachte Tausend Jahre lang Wohlstand in die Städte entlang ihrer Route, sogar in unwirtliche Wüsten und unwegsame Berggebiete … bis die Hochseeschiffahrt ihr buchstäblich das Wasser abgrub.

        So kanns‘ gehen…

  • ast sagt:

    Die gegenwärtig (scheinbare) Stabilität der Schweiz versteht sich gut im Kontext globaler Entwicklungen auf den Finanzmärkten und im Hightech -Bereich. Die Massnahmen welche die wirtschaftlichen Schwergewichte seit 2008 gegen die Finanzkrise einsetzen, stützen bisher vor allem die hohen Einkommen. Das könnte sich nun allerdings bald ändern, erstens weil dem Westen die Mittel ausgehen und zweitens weil in der Schweizer Politik gegenwärtig ein (selbst)zerstörerischer Hang überhand genommen hat, besonders im sozialen Bereich. Ich sagte scheinbar Stabilität, weil ich nur noch mittelfristig ein positiven Trend zu verspüren glaube, aber langfristig nicht. Auch scheint mir der aufstrebende BIP derzeit von einem (ungesunden) massiven Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich auszugehen. Verschiedene neue Volksinitiativen und die erstaunlichen Erfolge einer bestimmten Partei sagen mir das die Entwicklung des BIP die Realität für 80% der Schweizer nicht wiederspiegelt.

    • Rolf Zach sagt:

      Wir haben seit 1974 eine De-Industialisierung, die im ganzen nicht so schlimm ist, aber bei den einzelnen Branchen schon.Gut, die Textilindustrie war seit 1920 auf dem absteigenden Ast. Übrigens keiner unserer grossen Textil-Industriellen (auch nicht Schwarzenbach in den USA) verstand es einen multinationalen Konzern aufzubauen. Schanghai und Japan vernichteten unsere Exportmärkte. Das gleiche erlebten wir in den 70er und 80er Jahre den 20. Jahr. mit Dubied(Strickmaschinen), Sulzer (Textilmaschinen+Dieselmotoren) und Saurer (Nutzfahrzeuge). Kostete uns viele Arbeitsplätze!Die Dienstleistungen ersetzen wohl diese Arbeitsplätze, aber nicht alle Dienstleistungen haben attraktive Gehälter. Auch sind wir die Nation in Europa, wo das Einkommen allem Widerwärtigen des Arbeitslebens am meisten ausgesetzt ist. Wo haben die Mieten den grössten prozentualen Anteil an einem Lohn? In der Schweiz! Wo haben die Haushalte keine Gärten für die Anpflanzung von Lebensmittel? Wahrscheinlich ist die Schweiz hier negativ plaziert.
      Diese und andere zusätzliche Faktoren verlangen einen ausgebauten Sozialstaat, wird aber von vielen Ökonomen vergessen. Ich gebe ein Beispiel. Die türkischen Ehefrauen von 1970 hatten noch kein Kopftuch. Der Mann arbeitete auf dem Bau, die Frau brachte zusätzliches Einkommen heim durch ihre Arbeit als Näherin in der Textilfabrik, obwohl sie kaum Deutsch konnte. Aber sie hatte einen Status. Nach 1980 war nur noch die Arbeit des Mannes im Baugewerbe gefragt, aber nicht das seiner Frau. Die Frau blieb daheim, vergrub sich in die islamische Volksfrömmigkeit und trug dadurch automatisch Kopftuch und unterzog sich in Familienangelegenheit zu 100% dem Mann und den islamischen Prediger, die sich in der Schweiz einnisteten, wo sie vor 1980 von den Türken gar nicht gefragt waren. So kamen
      Konturen des anatolischen Dorfes in die Schweiz und wir haben keinen Ausweg einer vorindustriellen Subsistenz-wirtschaft, was natürlich auch die Sozial-Ausgaben beeinflusste.

  • Josef Marti sagt:

    Erstaunlich ist dass die CH bisher trotz starker Exportorientierung das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht recht gut wahren konnte, in Krisenzeiten waren Konsum bzw. Binnenkonjunktur meistens ziemlich robust. Das Bildungswesen wird nicht erwähnt. Das duale Bildungssystem hatte aber einen wesentlichen Anteil an der Fähigkeit zur Exportnation aufzusteigen. Gegenwärtig wird unter dem Einfluss der PFZ und des Migrationskarussells eine schleichende Akademisierung betrieben welche langfristig das Erfolgsmodell nachhaltig schädigen wird.

  • zweistein sagt:

    Fadengerade Argumentation. 1000 Jahre lang lief alles piccobello, warum sollte also ausgerechnet jetzt etwas schiefgehen?
    🙂

    • Anh Toan sagt:

      „Nur die Leinenherstellung hatte keine langfristigen Folgen. Das erwies sich für die Wirtschaftsgeschichte Berns als fatal,“

      Wie konnte denn das passieren? Bern war vorher 800 Jahre lang, allenfalls zusammen mit Zürich, der dominierende Ort der alten Eidgenossenschaft, und dann plötzlich der Niedergang. Die haben wohl gedacht, wenn es solange gut ging, kann es uns nie schlecht gehen.

      • Anh Toan sagt:

        Hat sich Gotthelf geirrt, als er in Geld und Geist beschrieb, wie die Berge Schutz bieten würden, vor dem Wandel der Menschen, dem Wandel der Zeiten?

        • Josef Marti sagt:

          Mindestens teilweise hat er recht behalten, weil er geahnt hat dass auf die Landwirtschafts- und Beamtenlobby Verlass ist.
          Von den SVP Rednecks wird zusammen mit den Linken und Netten das ultrakommunistische Konzept des NFA vehement verteidigt, dieses funktioniert nach dem Prinzip wer bekommt befiehlt, weil die Parasitenkantone in der Mehrheit sind und der Ständerat jede Anpassung blockieren kann. Die Nehmerkantone gehen also erst pleite wenn alle pleite gehen.

          • Ronnie König sagt:

            Am meisten Fortschritt, je nach Thema, kamen eigentlich von der FDP und SP. Ohne ihren Frust könnten sie das sicher besser erkennen. Der NFA ist sicher nicht perfekt, aber eine letztlich gute Lösung. Das lehrt uns die Geschichte der reichen Familien in Basel gar nicht so schlecht denke ich.

      • Linus Huber sagt:

        Wir wissen doch, dass die Berner ein wenig länger brauchen; denen kommt’s erst noch.

  • Ronnie König sagt:

    Und der Buchdruck, den Humanismus und die Folgen davon sind auch noch wichtig! Aber es tönt mit doch ein wenig zu optimistisch, wenn von Erfolg und Stabilität die Rede ist, denn viele Schweizer mussten das Land in alle Richtungen verlassen, weil die Zukunft zu miserabel erschien. Das relativiert die vermeintliche Stabilität ungemein in meinen Augen. Dem Frieden schien sie auch nicht gerade sehr dienlich gewesen zu sein, wenn man die kriegerischen Auseinandersetzungen und deren Gründe anschaut. Man kann aber auch unschwer erkennen, dass diese Zentren, ausser Uhren, alle in Gebieten lagen wo viel Wasserkraft da war, aber auch uralte Handelswege. Und heute ist die Bildung der breiten Masse ungemein entscheidender wie damals, es empfielts sich die Ansiedlung von erfolgreichen spezialisierten KMUs zu betrachten. Doch sollte auch klar sein, dass verheerende Momente das Rad der Zeit, Entwicklung und Veränderung nie stoppen konnten, nur mal abbremsen.

    • Waltern Roth sagt:

      Viele Schweizer wanderten auch deshalb aus, weil man ihnen das Leben, in den USA beispielsweise, als etwas wunderbares mit vielen Zukunftsaussichten schilderte. Es war meist eine Illusion, aber es war der selbe Mechanismus der heute auf die Asylbewerber aus Afrika so verlockend wirkt und sie auf den Weg in die Schweiz bringt.

      Rieche Verwandte, solche eben die es in den USA geschafft hatten, die beuchten uns, ( meine Mutter ) und malten das Leben in den USA als etwas derart gutes aus, das so mancher sofort begeistert Auswanderte. Das neue faszinierte die Menschen schon immer. Sogar heute wandern viele Schweizer ja aus, nur die Motive sind etwas andere.

      • Ronnie König sagt:

        Das trifft sicher auf einige zu, aber auch im Staatsarchiv sind die Aufwendungen für eine Ausreise belegt. Die Binnenmigration auch und die ablehnende Haltung der alt Eingesessenen ebenso.

      • Walter Bernstein sagt:

        Waltern Roth, 10:36
        Schon 1760 wussten die Europäer, dass Amerika überhaupt kein gelobtes Land war (wenn sie des Lesens mächtig waren),
        und zwar aus Gottlieb Mittelbergers „Reise nach Pennsylvanien“ von 1756, in dem er ausführlich die Mühsal und Armseligkeit einer Auswanderung nach Amerika beschreibt. 1754 emigrierte er nach 4 Jahren Amerika zurück nach Deutschland.

        Der einzige Grund für viele Europäer, in die USA zu gehen, war die noch miserablere Lage in Europa.

  • Marcel Senn sagt:

    Eine wirklich ernstzunehmende wirtschaftliche Entwicklung hat sich erst im späten 18. Jahrhundert richtig in der Schweiz entfaltet. Vorher waren wir doch vornehmlich Bauern, Handwerker, Reisläufer (vulgo Kriegshuren) und Alpenpasstransitprofiteure (vulgo Wegelagerer)!
    Mit dem 19. Jh. kam dann mehr Schwung ins Land, als wir schon 1830 die zweitgrösste Webereidichte Europas hatten. Und dank den visionären Ideen des ansonsten doch etwas kauzigen Herrn Eschers bekamen wir ein Eisenbahnnetz, den Gotthardtunnel und zuvor noch die Credit Suisse.
    Gegen das Ende des 19. Jahrhunderts kam dann v.a. dank den Immigranten und eingewanderten Ingenieuren v.a. aus Engelland und Frankreich die Industrie auf – BBC, Nestle, die Uhrenindustrie etc. Gleichzeitig wanderten zw. 1850-1930 rund 330’000 Klein- und Bergbauern infolge Perspektivlosigkeit und Unlust am Fabrikarbeiterleben in den Städten aus und Immigranten kamen v.a. aus Deutschland und Italien und halfen uns gegen Ende des 19.jh zu einem der Staaten mit dem höchsten BIP/Kopf weltweit zu werden – gut in dem Ranking sind wir immer noch in den Spitzenplätzen mit dabei.
    Das Wirtschaftswunder Schweiz hat vor gut etwas über 150 Jahren angefangen – vorher waren wir doch ein eher primitives und eher vulgäres Volk in Mitteleuropa – auch wenn unsere rechtsbürgerlichen Mitgenossen sich nächstes Jahr auf die Schlacht von Marigniano besinnen wollen und andere auf 1815.
    La Suisse n’a pas existé vraimant avant 1848!

    • Ronnie König sagt:

      Nicht zu vergessen, dass oft am Anfang ein Flüchtling mit voller Geldschatulle stand! Ob Parma/Chemie oder Nahrungsmittel. Aber ich gehe mit ihnen sonst ziemlich einig.

      • Waltern Roth sagt:

        Einseitige Sichtweise, und sie wiederspricht sich auch. Wenn die Schweiz eine grosse Dichte an Heimindustrie hatte war sie eben nicht das Entwicklungsland das Migranten brauchte. Denn die kamen erst so richtig als es hier attraktiv zum Leben war, nämlich ab ca. 1890. Zudem gabs hier mit dem entstehenden Reichtum aus der Textilindustrie auch plötzlich Kapital und kluge Köpfe die sich anderweitig entwickeln konnten. Herisau im Appenzell war eine kleine aber feine Metropole, St. Gallen ebenso. Kapital aus den Ausland war damals nicht in dem Masse zugänglich wie heute. Leute wie Alfred Escher haben unserem Land mit ihren Visionen, unter anderem dem Gotthardtunnel und der Schweizerischen Kreditanstalt, einen unermesslichen Nutzen gebracht. Die Grundlagen dazu entstanden mit dem Bundesstaat von 1849 mit seiner politischen Stabilität, und politische hervorragende Köpfe wie Ulrich Ochsenbein, aber auch Dufour usw. taten das ihrige dazu.

        • Ronnie König sagt:

          Herr Roth, sie sollten die Migration nicht so parteipolitisch-selektiv sehen! Die grossen Namen gingen in die Annalen ein, die kleinen eben nicht. Die grossen Namen kamen vor 500 Jahren und existieren teils noch heute. Nestle allein war es ja nicht, da kamen andere vorher und finanzierten teils diesen Aufschwung wie sie ihn sehen. Und wichtige Schweizer gab es schon immer, klar, aber nur wenige bewirkten viel und man weiss es heute noch.

      • Igor Marincek sagt:

        Viele Flüchtlinge kamen zwar ohne grosse Geldschatulle, aber dafür mit einer guten Ausbildung oder einem Universitätsdiplom oder Doktortitel in der Tasche. Die aus Frankreich vertriebenen Hugenotten haben uns die Uhrenindustrie gebracht. Ohne die Gründung der ETH vor 150 Jahren und der damit einhergehenden Spitzenforschung und Ausbildung von Ingenieuren hätten sich Maschinenindustrie, Chemie und Infrastruktur (Eisenbahnen, Brücken, Kraftwerke) nicht entwickeln können. Dies ist die Hauptquelle unseres Wohlstands! Leider haben inzwischen Finanzspezialisten und Juristen die Ingenieure an der Spitze unserer Vorzeigeunternehmen verdrängt. Seitdem wird Forschung und Innovation nicht mehr betriebsintern gefördert. Man kann ja mit Geld innovative Firmen aufkaufen.

    • Aka Keller sagt:

      Die Geschichte ist ein relativ konstanter Prozess unterbrochen von Zäsuren. Dass die Schweiz vor 1848 nicht existiert hat, ist als ihr Seitenhieb aus Uruguay gegen Christoph Blocher zu sehen.
      Die von ihnen beschriebenen vulgären Tölpel haben die letzten 500 Jahre ohne Krieg geschafft und sind zudem noch zu Wohlstand gekommen; ob mit Glück, List oder Berechnung sei dahingestellt. Die Schweiz hielt sich fern vom Massaker des 30 jährigen Krieges und anderen Waffegängen. Kappelerkriege, Napoleonische Besatzung und Sonderbundskrieg sind im Vergleich zum Gemetzel im Ausland geradezu harmlose Ereignisse.

      • Mark Studheim sagt:

        500 Jahre ohne Krieg in der Schweiz? Da haben Sie an der Mittelschule wohl nicht so recht aufgepasst. Oder ein durchaus beschönigtes – darf man gar sagen: naives? – Geschichtsverständnis. Der Sonderbundskrieg fand 1847/48 statt und forderte durchaus blutigen Tribut. Und davor? Ende 18. Jahrhundert erobert die französische Armee die Schweiz. Der erste und der zweite Villmergenkrieg findet statt zwischen ca. 1650 und 1700. Im 17. Jahrhundert schlagen sich Habsburger, Spanier, Franzosen und Bündner auf „schweizerischem Boden“ (gab’s damals noch nicht wirklich) über einen Zeitraum von 30 Jahren immer mal wieder gegenseitig tot. Reformationskriege im 16. Jahrhundert. Und so weiter und so fort – alles auf dem heutigen Gebiet der Eidgenossenschaft. Eine Liste auf Wikipedia mit allen bekannten Schlachten in der Schweiz: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Schweizer_Schlachten.

        • Aka Keller sagt:

          Der zweite Weltkrieg alleine forderte 53 Millionen Tote. Der erste Weltkrieg 17 Millionen Tote. Der Deutsch Französicher Krieg 1870/71 180’000 Tote. Napoleonische Kriege 3.5 Mio Tote.
          Taiping Revolution 1851 – 1854 in China 20 Millionen.
          Gelber Fluss: Am 9.6.1938 liess Chiang Kai-shek zum stoppen der Japaner die Dämme des Gelben Flusses aufbrechen und das Land überfluten. 890’000 Chinesen ertranken und 12 Millionen waren obdachloss.
          Ich habe weder ein navies Geschichtsverständnis noch habe ich schlecht aufgepasst. Die Anzahl Kriegstoten in der Schweiz verglichen mit der damaligen Bevölkerung war klein im Vergleich zum Ausland. Eben eine recht friedliche Ecke.

          • Ronnie König sagt:

            Friedlich vielleicht nicht gerade! Aber vernünftig genug um grosse Tragödien zu vermeiden. In der Schweiz. Genug Schweizer starben aber ausserhalb des Landes. Was sicher der Beleg für eine gewisse stabile Armut zu deuten ist in der breiten Masse damals.

      • Manfred Grieshaber sagt:

        Die letzten 500 Jahre ohne Krieg? Aus welchem rechtsnationalen Pamphlet haben Sie das denn abgeschrieben?
        Zu Ihrer Info:
        1529/31 Kapeller Kriege
        1620 – 1639 Bündner Wirren
        1653 Schweizer Bauernkrieg
        1656 Erster Villmergerkrieg
        1712 Zweiter Villmergerkrieg
        alles Bürgerkriege im Gebiet der alten bzw. der zugewandten Orte

        Die Schweiz wollte sich zwar von den Schrecken des 30-jährigen Krieges fernhalten und erklärte ihre Neutralität. Das hinderte Bernhard von Weimar aber nicht daran 1638 vom Elsass aus durch das Basler Gebiet zum damals noch österreichischen Rheinfelden vorzustoßen und dort die kaiserlichen Truppen unter von Werth zu besiegen. Und wissen Sie wer als Stellvertreter Bernhards von Weimar diesen Vorstoß plante und leitete? Johann Ludwig von Erlach, bernischer Patrizier, Politiker und General in fremden Diensten, zuerst bei den Schweden, dann beim Herzog von Weimar unter zum Schluss unter Turenne für Frankreich.
        Zugute halten muss man von Erlach das er seinen Einfluss in Frankreich dazu benutze um dem Abgesandten Basels und später der Tagsatzung, Johann Rudolf Wettstein bei seinen Verhandlungen in Münster zu unterstützen. Somit ermöglichte er Wettsteins Erfolg, die völkerrechtlichen Anerkennung der Schweiz als unabhängigen Staat im Frieden von Münster in 1647.

    • Michael Berger sagt:

      Das sehe ich ähnlich. Vor Mitte 19. Jh. gab es in der Eidgenossenschaft v.a. ein paar Städte, die durch Handwerk, Handel (Zürich, Basel, Genf) und Landbesitz (Bern) schon längerem eine gewisse wirtschaftliche Stärke besassen. Andere Orte und ländliche Gebiete (Landkantone und Untertanengebiete) waren eher arm. Das verbreitete Reislaufen deutet klar darauf hin. (Wer wird schon Söldner, wenn es andere gute Arbeitsmöglichkeiten gibt). Auch die umfangreiche Auswanderung im 19 Jh. spricht nicht für verbreiteten Wohlstand. Die vier genannten Städte haben ihre Wichtigkeit behalten, doch abgesehen davon gab es mehr Veränderung als Stabilität. Insbesondere sind mit der Industrialisierung und Neuordnung der Schweiz (1848) einige weitere Städte und Gebiete v.a. im Mittelland wirtschaftlich erstarkt.
      Die anhaltende Wichtigkeit und der relativer Wohlstand von Städten ist übrigens keineswegs ein „Schweizer“, sondern ein gesamteuropäisches Phänomen. Natürlich gab es einige Wechsel, doch sind viele heute (wirtschaftlich) wichtige Städte schon lange wichtig.

    • Rolf Bombach sagt:

      Als eher primitiver und vulgärer Mitbürger möchte ich dennoch auf die Gründung der Universität Balsel Anno 1460 hinweisen.

      • Hans Gschwind sagt:

        Basel, und seine weltoffene Art, brachte Erfindungen, Patente und Verfahrenstechnik und dies bis Datum. Zürich war zuerst, und ist nun wieder, eine Handelsstadt und in Winterthur wurden englische Maschinen und Zeichnungen kopiert; Patente verändert und, in den letzten 20 Jahren, die Fabrikation und Verfahrenstechnik „exportiert“. Der Jura-Belt und sein momentaner Höhenflug beruht auf dem Aspekt der steigenden Kaufkraft in 2. und 3. Weltländern und weniger auf Innovation (ausser im Marketing und das ist auch etwas) und Verfahrenstechnik. Die industrielle Entwicklung des oberen Linthgebietes sollte Futter für Ueberlegungen sein, speziell ian der Urne. Leider ist da viel ……… wie Sie es so schön schrieben. Dienstleistung in der Art der Vergangenheit, am Rande und jenseits der Legalität, schaffen keine Wertschöpfung mehr.

    • Rolf Zach sagt:

      Werter Herr Senn, so kann man das nicht sagen. Ich bin überzeugt, die Gründung des Bundesstaates hätte sich erheblich verzögert, wenn nicht vor 1848 über 100 Jahre ein sich ständig beschleunigte Industrialisierung (Textil und Uhren) stattgefunden hätte. Bereist nach 1830 haben Schweizer Kaufleute (vor allem Zürcher und Ostschweizer) in den Balkan und dass Osmanische Reiche feinste Stoffe geliefert, die mit den englischen durchaus aufnehmen konnten. Sie haben recht betreffend den Bundesstaat 1848, er beschleunigte nochmals enorm die Industrialisierung (Textil und Uhren) in der Schweiz. Vor 1914 war die Schweiz das Land auf der Welt für besten Textilien und dies beinhaltete nicht nur St. Galler Stickereien, dazu kamen natürlich die Uhren. Die Uhren waren aber unter scharfer Konkurrenz der damals ständig mächtiger werdenden sächsischen Uhren-Industrie z.B. Glashütte. Natürlich hatten wir den Aufschwung der Maschinenindustrie, aber dort war auch viel deutsches Kapital. Wer weiss noch, dass bis 1915 die AEG die Kapitalmehrheit bei BBC hatte. Die Basler Chemie war ein Zwerg gegenüber den Konzerne wie BASF, Höchst und Bayer und auch den Belgier Solvay. Bühler gilt als Weltmarktführer im Mühlenbau, war das nicht 1914 die deutsche Miag aus Braunschweig? Die deutsche Niederlage im 1. Weltkrieg war ein Segen für die Schweizer Industrie. Wir waren nämlich
      nur bei den Textilien und den Uhren Spitzenreiter und hatten dort auch einheimisches Kapital, sonst gerieten wir immer
      stärker unter Einfluss nicht nur von deutschen Ingenieuren, sondern auch von deutschem Kapital. Viele Bauern aus dem Voralpengebiet waren nicht gewillt sich als ungelernte Fabrikarbeiter zu verdingen. Sie emigrierten lieber nach den USA oder eben Argentinien. Einen grossen Einfluss hatte auch das bäuerliche Erbrecht, dass vielen Kantonen die Realteilung hatte, was das Bauernleben zusammen mit Verfall der Agrarpreis nach 1873 erschwerte. Eine Leseempfehlung, das Buch von Beckert „King Cotton“.

      • seebueb sagt:

        Da dürften Sie recht haben, der Post von Senn ist arg simplifiziert.

        Ein bekannter Fall ist der Ustermer Maschinensturm 1832, was impliziert, dass die Automatisierung bereits derart weit fortgeschritten war, dass sie als massive Bedrohung wahrgenommen wurde.

        Besonders bemerkenswert scheint mir, dass der Kanton Glarus offenbar eine Pionierrolle innehatte, der 1830 die Handels- und Gewerbefreiheit einführte – die Abwesenheit von Zünften dürfte hilfreich gewesesn sein. 1846 wurde Kinderarbeit im Kt. GL in mechanischen Spinnereien verboten, 1856 in allen Fabriken, 1858 Verbot der Sonntagsarbeit und 1864 Verbot der Nachtarbeit, Begrenzung der täglichen Arbeitszeit auf 12 Stunden.

        Der Kanton ZH verbat ab 1837 die Beschäftigung von schulpflichtigen Kindern in Fabriken.

        Gem. http://technik.geschichte-schweiz.ch/ war bereits 1814 die manuelle Spinnerei vollständig durch maschinelle Spinnereien verdrängt worden – Fabriken eben.

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