Eine kuriose Rangliste

So viel zur ökonomischen Freiheit: Bewohner eines Wohnkäfigs in Hongkong. (Bild: Reuters)

So viel zur ökonomischen Freiheit: Bewohner eines Wohnkäfigs in Hongkong. (Bild: Reuters)

Vor kurzem hat die amerikanische Denkfabrik Heritage Foundation ihren neusten «Index of Economic Freedom» publiziert. Wie immer hat Hongkong gewonnen, gefolgt von Singapur. Für nächstes Jahr ist mit demselben Ergebnis zu rechnen.

Wer geglaubt hat, man würde sich in Hongkong über die erneute Auszeichnung freuen, sah sich allerdings getäuscht. Der Index löste vielmehr Schulterzucken aus. Denn wer nur ein paar Monate in Hongkong gelebt hat, merkt schnell, dass die ökonomische Freiheit nur im internationalen Sektor gilt. Der Binnenmarkt ist hingegen alles andere als offen und frei.

Am auffälligsten ist das Fehlen von ökonomischer Freiheit im Immobiliensektor. Der grösste Teil des Baulandes befindet sich in den Händen des Staates, der durch Verknappung des Wohnangebots die Preise hochhält, um die Steuersätze niedrig zu halten. Das Ergebnis ist, dass die Wohnverhältnisse kaum enger sein könnten. In der Presse erscheinen immer wieder Artikel von Familien, die in Wohnkäfigen wohnen.

Auch die Bauwirtschaft ist nicht dem freien Wettbewrb unterworfen. Es sind ein paar wenige Firmen, die den Kuchen untereinander aufteilen und dafür sorgen, dass die Preise hoch bleiben. Damit sichern sie sich eine kontinuierliche Monopolrente. Fast alle Hongkonger Tycoons haben ihr Vermögen dank ihres privilegierten Zugangs zu den Staatsaufträgen im Immobiliensektor gemacht.

Es geht noch weiter. Einige wenige Unternehmen haben die Kontrolle über die grossen Lebensmittelläden, das Bussystem, den Schiffstransport, die Hafenrechte und die Kioskketten. Auch hier spielen staatliche Lizenzen eine entscheidende Rolle. Nur der Telekombereich ist dereguliert. Prompt haben einige Tycoons in diesem Geschäft grosse Verluste gemacht. Sie sind es sich nicht gewohnt, im freien Markt erfolgreiche Strategien zu entwickeln. Der Journalist Joe Studwell hat den Aufstieg der politischen Unternehmer in Hongkong und Südostasien in seinem faszinierenden Buch «Asian Godfathers» treffend beschrieben.

Als die Heritage Foundation letzte Woche den neusten Index in Hongkong präsentierte, hat ein liberal gesinnter Journalist der South China Morning Post auf die Ungereimtheiten aufmerksam gemacht. Die Antwort lautete, man könne diesen Aspekt «aus Mangel an komparativen Daten» nicht berücksichtigen. Immerhin eine ehrliche Antwort, aber auch eine, die einem dazu veranlasst, den Index aus Mangel an Objektivität nicht zu berücksichtigen.

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