Moral vs. Ökonomie

Gemälde des Thomas von Aquin.

Vertrat im Spätmittelalter das Zinsverbot in der katholischen Kirche: Thomas von Aquin.

Ökonomische Analysen sind unmoralisch – und das ist gut so. Leider bestehen hier eine Menge Missverständnisse.

Gehen wir ein typisches Beispiel aus gängigen Alltagsanalysen durch, wie sie sicher die meisten schon gehört oder gelesen haben:

Dass Griechenland jetzt hart sparen muss und dass das Land leidet, ist nur gerecht. Immerhin haben die Griechen lange Zeit über ihre Verhältnisse gelebt. Dass dann jetzt ausgerechnet jene ihr Geld für dieses Land riskieren sollen, die selbst den Gürtel enger geschnallt haben, ist unmoralisch und deshalb auch eine schlechte ökonomische Lösung.

Debatten um die Frage, ob Griechenland weiter Geld erhalten soll und zur Wirkung von Austerität laufen oft unter dem Motto, dass Griechenland schliesslich selbst Schuld ist. So wird dann nicht nur die Krise Griechenlands zu einer Moralgeschichte, sondern die Eurokrise generell: Die Länder haben generell überbordet, nun sollen sie büssen. Dass das so nicht stimmen kann, zeigt die folgende Grafik (die Prozentsätze beziehen sich auf das Bruttoinlandprodukt, der schwarze Strich bezeichnet die Maastricht-Höchstgrenze von 60 Prozent):

Wie die Grafik zeigt, waren die heutigen «Krisenländer» Spanien und Irland einst Musterschüler in Sachen Staatsverschuldung. Genau genommen hätte diese Entwicklung damals, bzw. die Gründe dahinter bereits ein Warnzeichen sein sollen – auch das positive moralische Urteil führt in die Irre. Wer sich mit der Eurokrise vertieft befasst, bzw. diesen Blog regelmässig liest, weiss, dass die Ursache der Eurokrise in erster Linie die institutionellen Unzulänglichkeiten der Währungsunion sind, die diesmal nicht Thema sein sollen (mehr dazu hier oder hier). Immerhin scheint der moralische Fingerzeig im Fall von Griechenland am meisten angebracht zu sein: Der griechische Staat hat massiv überbordet und bei den Statistiken getrickst. Tatsächlich hat das dieser Staat schon vor der Euromitgliedschaft, doch diese hat es ihm dank rekordtiefen Zinsen in den 2000er-Jahren erst ermöglicht, die Verschuldung in neue Sphären zu hieven.

Dennoch: Für eine Einschätzung über die richtige wirtschaftspolitische Antwort auf die aktuelle Lage Griechenlands ist die Frage der «Schuld» selbst dieses Landes, bzw. seiner Politiker irrelevant. Eine Bestrafung des Landes sorgt weder für eine «gerechte» Lösung – es werden nicht in erster Linie jene bestraft, die für das Überborden verantwortlich sind – noch ist das hilfreich zur Lösung irgendeines Problems weder in diesem Land noch in einem anderen der Eurozone. Wenn harte Sparmassnahmen inmitten einer seit fünf Jahren anhaltenden Depression mit einer Arbeitslosigkeit von 25.4 Prozent, einer Jugendarbeitslosigkeit von sagenhaften 57 Prozent und der Unmöglichkeit einer Währungsabwertung tatsächlich funktionieren würden, dann wäre eine solche Politik zu befürworten, nicht aber als Strafe. Nun, sie funktioniert offensichtlich nicht. Diese Politik zeigt bisher alles andere als die erhofften Früchte, was genau besehen wenig überrascht. Doch die moralische Argumentation übertrumpft offenbar die ökonomische Realität und sorgt so für schlechtere Ergebnisse, laut Paul De Grauwe ist das ein Grundproblem für die gesamte Politik in der Eurokrise (PDF).

Doch das Problem mit der Vermischung von moralischen Urteilen und der ökonomischen Analyse geht deutlich weiter: Das zeigt sich besonders am Begriff der «Schuld». Er hat gleichzeitig die ökonomische Bedeutung eines geschuldeten Betrags, wie auch die moralische im Sinne von «Schuld sein» durch ein Vergehen. Da liegt die Idee der Bestrafung nahe.

Seit der Finanzkrise wird denn in unterschiedlichen Debatten jede Art von Verschuldung ganz generell als Laster identifiziert. Ohne die Möglichkeit von Verschuldung müsste die Welt besser sein, ist für viele die Schlussfolgerung. Wer sich verschuldet, gefährde die wirtschaftliche Entwicklung.

Hier zeigt sich die Vermischung von moralischem Urteil und ökonomischer Analyse in Reinform. Denn tatsächlich ist es umgekehrt: Ohne die Möglichkeit, sich verschulden zu können, wären wir sehr viel ärmer. Ausgezeichnet hat das Izabella Kaminska von FT Alphaville in einem Beitrag unter dem Titel «On the demonisation of debt» schon im vergangenen November zusammengefasst. Hier zwei sehr allgemeine Hinweise auf den Nutzen von Verschuldung:

  • Sie ermöglicht die Trennung von Investition und Einkommen. Wer ein Unternehmen starten will, eine Innovation hervorbringt, oder als Landwirt das Saatgut und die Geräte aufbringen muss, um eine spätere Ernte überhaupt erst zu ermöglichen, braucht am Anfang Mittel, die ihr oder ihm fehlen, bzw. die sie oder er erst später verdient, wenn die Rechnung aufgeht. Wäre die Möglichkeit der Verschuldung ausgeschlossen, müsste sie oder er das Unterfangen aufgeben. Die Möglichkeit der Verschuldung ermöglicht es, Kosten und Erträge zeitlich zu trennen.
  • Die Möglichkeit der Verschuldung ermöglicht weiter die Verteilung der Früchte der eigenen Produktivität auch über den eigenen Lebensverlauf. Wer nach einer guten Ausbildung einmal besonders Leistungsfähig sein möchte, benötigt aber schon zu Beginn die Mittel zum Erwerb dieser Fähigkeiten. Ohne Verschuldung ist das nicht zu machen.

Kein Wunder war Verschuldung immer ein Teil des menschlichen Wirtschaftens – und ist keineswegs eine Frucht des modernen Kapitalismus.

Mit Verschuldung eng verknüpft ist der Zins. Wiederum ein moralisch höchst aufgeladener Begriff. Sowohl die christliche, wie die muslimische Religion haben eine Geschichte von Zinsverboten. Besonders bekannt dafür ist die Lehre von «Kirchenvater» Thomas von Aquin im 13. Jahrhundert. Aber sie haben auch eine Geschichte der Umgehung dieser Verbote. Kaum jemand leiht Geld aus, ohne für das Risiko dieser Ausleihungen entschädigt zu werden – ob es nun das Risiko ist, das Geld nicht zurückzuerhalten oder das Risiko der Geldentwertung.

Mit den Begriffen Verschuldung, Zins und Risiko sind wir schliesslich bei den Banken angelangt. Auch sie haben nicht erst seit der Finanzkrise einen ausgesprochen schlechten Ruf in Sachen Moral. «Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?» – so lautet die immer wieder gern zitierte Aussage aus Bertold Brechts Dreigroschenoper. Tatsächlich haben auch Banken eine zentrale Funktion im modernen Wirtschaftsleben: Ihre Aufgabe ist die Vermittlung der temporär nicht benötigten Vermögen an jene, die für die Mittel eine bessere aktuelle Verwendung haben und entsprechend dafür zu zahlen bereit sind. Und die Banken sollten aus ihrer Erfahrung die Risiken am besten einschätzen und sie mit einem angemessenen Preis versehen können. Genau das ist die Funktion des Zinses, er ist Ausdruck für das eingegangene Risiko, die Knappheit der vorhandenen Mittel und die Erfolgschancen des Projekts, für das Mittel nachgefragt werden.

Keine Frage, so harmonisch wie in dieser Lehrbuchbeschreibung der Funktionen von Schuld, Zins und Bankwesen funktioniert die reale Welt nicht. Aber nicht, weil es Schulden, Zins und Banken gibt, sondern weil die Entwicklung menschlicher Gesellschaften nicht harmonisch verläuft. Die Instabilität, die sich im Umgang mit Schulden und im Verhalten des Finanzwesens zeigt, ist die Instabilität der gesellschaftlichen Entwicklung.

Die Einschätzungen zur Zukunft und damit zu den eingegangenen Risiken können fundamental falsch sein und sie sind es oft auch. Das aus den Augen zu verlieren, ist eine der tieferen Ursachen von Verschuldungskrisen, Bankzusammenbrüchen und schwerer wirtschaftlicher Krisen. Sie folgen, wenn die Demut vor der Wandelbarkeit gesellschaftlicher Umstände vergessen geht. Wenn alle glauben, die Risiken kontrollieren und perfekt messen zu können, wenn darauf die Preise und Zinsen basieren und in der Folge auch die eingegangene Verschuldung, die dann tatsächlich immer wieder überbordet (mehr dazu hier). Das kann auch passieren, wenn es möglich ist, auf Kosten von anderen hohe Schulden einzugehen – auf Kosten der eigenen Bevölkerung, einer nachfolgenden Regierung, einer nachfolgenden Generation oder wie im Fall der Banken auf Kosten der Öffentlichkeit, die dann rettend einspringen muss, wenn das gesamte Finanzsystem zusammenzubrechen droht.

Aus einer guten ökonomischen Analyse folgt nicht, Schulden seien stets unbedenklich, aber auch nicht, sie seien verdammenswürdig. Sie fragt nach den Bedingungen, unter denen sie schädlich und unter denen sie nützlich sind. Das ist das Thema von Ökonomie, nicht die Moral.

Das alles heisst natürlich nicht, dass moralische Urteile und moralisches Handeln keine Bedeutung hätten. Das hat eine enorme Bedeutung, ganz besonders auch auch im Bereich der Wirtschaft. Das Thema sind aber  ökonomische Analysen. Wenn sie gut sein sollen,  müssen sie amoralisch sein und frei von ideologischen Vorgaben – genauso wie das Lösung von Rechenaufgaben. Das heisst, sie sollen Wirkungszusammenhänge untersuchen, ohne dies mit der Wünschbarkeit eines Wirkungszusammenhangs zu vermengen. Die Summe von 6 und 7 ergibt selbst dann 13, wenn jemand das für eine Unglückszahl hält.

68 Kommentare zu «Moral vs. Ökonomie»

  • ast sagt:

    Ein besonderer Beitrag (ein Memorandum mit dem Titel „Für eine Erneuerung der Ökonomie“), passend zur Blog-Diskussion, im März 2012 verfasstes Memorandum u.a. von Herrn Ulrich Thielemann (in der Schweiz bestens bekannt 😉 …ein kleiner Ausschnitt daraus:

    „•Sozialwissenschaftler anderer Disziplinen und etwa auch Personalverantwortliche von Unternehmen befürchten, dass das Wirtschaftsstudium in seiner heutigen Form einer ethisch fragwürdigen Ökonomisierung des Denkens Vorschub leistet. Dies wird vor allem von der Warte einer dem Gedanken der Aufklärung verpflichteten Wirtschaftsdidaktik als höchst problematisch betrachtet.“
    http://www.mem-wirtschaftsethik.de/memorandum-2012/das-memorandum/

  • Linus Huber sagt:

    Wer ist der wichtigste Mann in unserem Lande?
    Wer kann unseren Wohlstand zerstoeren und dies fast unbemerkt und unter dem Scheinwerferlicht der oeffentlichen Diskussion?
    Wer kann dies bewerkstelligen, obwohl er nicht demokratischen Regeln ausgesetzt ist?

    Es handelt sich um Dr. Jordan. Ich will ihm natuerlich nicht unterstellen, dass er dies beabsichtigt, muss hingegen hinzufuegen, dass der Weg in den Ruin meistens mit guten Absichten gepflastert ist. Die SNB ist die wichtigste Institution in Bezug auf unser Wohlergehen, kann problemlos Wohlstand umverteilen, versteckt sich hinter dem Begriff der Unabhaengigkeit, was naeher betrachtet eigentlich nichts weiter heisst als Unabhaengigkeit vom Souveraen oder vom Buerger. Ist dies wirklich Sinn und Zweck, dass eine Institution mit solcher Macht ihre Entscheidungen nicht auf demokratischer Basis faellen muss?

  • Linus Huber sagt:

    Der Artikel versucht in meinen Augen ein wenig die Idee zu praesentieren, dass Oekonomen eigentlich nichts weiter als Erbsenzaehler sind und damit nicht herangezogen werden sollten, etwelche Verantwortung fuer auf ihren empirischen Erbsenzaehlerei basierenden Folgerungen uebernehmen zu muessen. Es greift mir ein wenig zu kurz, dass man sich damit reinwaschen kann, denn die Folgen dieser Theorien landen auf den Schultern der einfachen Leute.

    Wir haben schon etliche Schwachpunkte der oekonomischen Lehre hier behandelt (z.B. Mangel an Nachhaltigkeit, Vernachlaessigung der Reflexitaet etc.) und jetzt daherkommen und sagen, na wir sind einfache Mathematiker mit unseren Modellen und sind unschuldig an der heutigen Situation.

    Jeder Mensch kann sich irren und es ist ebenfalls menschlich, dass man sich um seine persoenliche Existenzsicherung kuemmert. Jedoch ist es langsam an der Zeit, dass die Entscheidungstraeger, welche uns in die heutige verfahrene Situation manoevrierten, endlich einmal zur Rechenschaft gezogen werden und dies gilt auch fuer jene, welche sich oekonomischer Modelle bedienten.

    Der Begriff „Moral Hazard“ wird versucht zu marginalisieren, indem man ihn als unwissenschaftlich einstuft, nicht erkennend, dass die Folgen von nicht korrigiertem „Moral Hazard“ enorme wirtschaftliche Reaktionen produziert, welche weit ueber rein oekonomische Aspekte hinausgreift, sondern das Gewebe der Gesellschaft und des friedlichen Zusammenlebens massiv strapaziert. Die oekonomischen Modelle erkennen natuerlich diese indirekte und von Komplexitaet gekennzeichnete Veraenderung nicht sondern koennen sich auf einmal nicht mehr erklaeren, warum zum Beispiel der Konsum trotz massivem Stimulus nicht erneut mit konstantem Wachstum aufwartet. Es geht nicht um eine Formel, welche widerlegt werden muss, sondern es geht um das Konzept der extremen Vereinfachung von ausserordentlich komplexen Zusammenhaengen, welche nicht erkannt und beruecksichtigt werden.

    • ast sagt:

      und das Kuriosum dabei Herr Huber, den „Moral Hazard“ zu unterschlagen ist selbst Unwissenschaftlich, indem man einfach andere Disziplinen wie die Sozialwissenschaft unterschlägt oder ignoriert. Wie kamen denn diese statistischen Daten zustande und au welcher Basis wird da gerechnet -wenn die Basis gezinkte Karten sind die zu Milliarden im Umlauf sind, dann erübrigt sich eine Zusammenstellung jeglicher Daten. Ein Beispiel, die Mafia in Chicago hatte seinerzeit in den 20er Jahren erstaunlicherweise intern eine saubere Statistik ihrer Finanzströme geführt -und da die kann man doch später nicht zum Beleg für irgendwelche Volkswirtschaftlichen Positionen heranziehen -oder doch? Aus meiner Sicht gescheht eben genau das -zwar durchmischt mit weissem Kapital von Millionen anständiger Arbeiter, Firmen und Managern, aber ein Grossteil der Daten beruht nun mal auf zwielichtigen wenig ethisch integren Geschäften. Nehmen wir doch mal die Zahlen aus der Schweizer Steuerverwaltung und sehen mal nach welche Firmen und Personen die höchsten Gewinne vermelden. Ich will sie hier in diesem Blog nicht benennen, aber es ist jedem selbst überlassen sich die Zahlen mal etwas genauer anzusehen von wem die stammen. hier trotzdem einige Zahlen:

      „Von den 280 Milliarden Franken steuerbarem Gewinn waren 270 Milliarden allein auf diejenigen 8286 Unternehmen zurückzuführen, die mehr als eine Million an steuerbarem Gewinn verbuchten. Die restlichen rund 270 000  Unternehmen erwirtschafteten gerade mal 10 Milliarden Franken des steuerbaren Gewinns.“

      Nun, wenn man etwas genauer beleuchtet wer diese 280 Milliarden Gewinn einfahren, dann erübrigt sich die Statistik dazu aus meiner Sicht -infolge Moral Hazard aus meinen Kalkulationen ausgeschlossen, genauso wie die Schnaps- und Kokaingeschäfte der Mafia im Chicago der 20er.

  • Die Irrelevanz der Moral

    „Betrachten wir uns die gegenwärtige Moral etwas genauer, so erkennen wir, dass es sich um eine doppelte oder sogar eine dreifache Moral handelt. Die in den Staatsgesetzen und in der öffentlichen Meinung verankerte Moral soll verhindern, dass der Einzelmensch in eigennütziger Weise gegen den Nutzen seiner Mitmenschen und damit gegen den Gemeinnutzen verstößt, z. B. durch Diebstahl und Betrug. Aber sie erreicht diesen Zweck nur in einem verhältnismäßig kleinen Teilbereich der menschlichen Gesellschaft, nämlich nur für die Menschengruppe der wirtschaftlich Schwachen, also der Arbeitenden. Der wirtschaftlich Starke, also der Kapitalist, hat ja die moralisch verwerflichen, d. h. durch die Gesetze verbotenen und durch die öffentliche Meinung verfemten Mittel nicht nötig zur Verwirklichung des Eigennutzes mit Schädigung der Mitmenschen und des Gemeinwohles und zwar im allergrößten und praktisch uneingeschränkten Ausmaß.
    Neben dieser offenkundig doppelten Moral gibt es aber noch eine dritte, von den wenigsten Menschen durchschaute Seite, bedingt durch das heimlich schlechte Gewissen der Vertreter und Nutznießer dieser verlogenen Moral. …“

    http://www.deweles.de/files/nwo_moralisch.pdf

    Wer nicht weiß, was Gerechtigkeit ist, darf auch nicht wissen, was Ungerechtigkeit ist, um eine Existenz in „dieser Welt“ (zivilisatorisches Mittelalter) ertragen zu können. Zu diesem Zweck gibt es die Religion, die so erfolgreich war, dass sie die systemische Ungerechtigkeit der Erbsünde bis heute aus dem allgemeinen Begriffsvermögen der halbwegs zivilisierten Menschheit ausblenden konnte, während das Wissen seit langer Zeit zur Verfügung steht, um diese „Mutter aller Zivilisationsprobleme“ endgültig zu eliminieren:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/07/die-ruckkehr-ins-paradies.html

  • Ich glaube, im Kern ist man sich hier einig, dass man zwischen Wahrhaftigkeit und Wünschbarkeit in einer Wissenschaft unterscheiden sollte. Deshalb ist im Grundsatz jede echte Wissenschaft amoralisch (sogar jene, welche Fragen der Moral beackert). Wer wissenschaftliche Fragen von einem Standpunkt der Moral kritisiert, hat das Problem, dass man immer „getrost anderer Meinung“ sein kann. Daher sind jene Angriffe am effektivsten, die innere Widersprüche einer Wissenschaft aufdecken. Wenn also jemand einen ökonomischen Sachverhalt unter Weglassung moralischer Aspekte (Gerechtigkeit, Fairness, …) rein logisch oder empirisch widerlegen kann, dann setzt er sich vielleicht dem Vorwurf der Amoralität aus. Dafür ist aber sein Widerspruch solide und nicht mehr debattierbar, denn Logik ist keine Frage der Meinung. Wer diesen Widerspruch ablehnt ist dann höchstens ein Idiot.

    Mir wäre es auch lieber, man würde allgemein einsehen, dass der trickle-down Neoliberalismus oder die den Griechen auferlegte Austerität „ungerecht“ sind. Aber wirkungsvoller ist in jedem Fall, wenn man empirisch zeigen kann, dass diese schlicht nicht funktionieren, denn ob 2+2=4 ist, ist keine Frage der Moral. Wer dann trotzdem dafür ist, gehört in die Liga jener, die glauben, die Erde sei eine Scheibe (was natürlich deren Recht ist, aber was sie anderweitig qualifiziert…).

    • Thomas ernst sagt:

      Ja.

    • ast sagt:

      Herr Sommer, ein Seitenblick in die Quantenphysik reichte mir vor einigen Jahren aus, an der Konstanz wissenschaftlicher Ergebnisse zu zweifeln. Im Prinzip sagt die Quantenphysik voraus, dass alles miteinander verwoben ist, das Betreiben einer Wissenschaft ohne Seitenblick auf andere Wissenschaften ist aus meiner Sicht ein fataler Fehler. Die Spezialisierung in der Wissenschaft ist zwar eine einfache Möglichkeit den Menschen der Wissenschaft betreibt zu fokusieren und nicht zu überlasten. Dennoch kümmert sich die Realität schlicht nicht um die beschränkten Möglichkeiten des Menschen um komplexe Zusammenhänge analysieren zu können. Die Modelle der Quantenphysik zeigen auf, dass vor allem komplexe Systeme oft vom Ergebnis der klassischen Physik abweichen. Aus meiner Sicht ist Meteorologie mit ihren zweifelhaften Voraussagen noch weit präziser als jeglichen Modelle aus der Ökonomie. Machen Sie sich vielleicht mit der Möglichkeit vertraut, dass Ethik ebenfalls auf wissenschaftlichen Grundlagen beruht, nämlich via die Sozialwissenschaften, Biologie usw. und dass es nicht möglich ist ein komplexes Problem der Ökonomie unabhängig davon zu analysieren.

    • ast sagt:

      „ob 2+2=4 ist, ist keine Frage der Moral“

      Nein , isoliert betrachtet nicht, aber in der komplexen Realität der Ökonomie gibt es keine langfristig absoluten Grössen. Wenn man heute mit 2 Franken 4 Brote kaufen kann, so könnte es bereits Morgen 3 Franken kosten 3+3 = 4 (Brote).
      Indem man stets vor Augen hat dass sämtliche Grössen in der Ökonomie schon Morgen nicht mehr stimmen können, gleicht der Einsatz von Mathematik ohne Analyse der menschlichen Entwicklung (zum Beispiel die Vertrauensfrage) in diesem Fall eher astrologischer Sterndeutung.

  • Je angestrengter wir unsere wirtschaftlichen Ziele verfolgen, desto weiter entfernen wir uns von ihnen. Je mehr Wohlstand wir erreichen wollen, desto mehr zerstören wir ihn. Je liberaler wir sein wollen, desto totalitärer werden wir. Das hat damit zu tun, dass die Prämissen, von denen wir ausgehen, 180° verkehrt sind.

    Wirtschaft bedeutet Gütermanagement. Jede Gesellschaft braucht und hat eine Wirtschaft, denn ohne Gütermanagement kann eine Gesellschaft nicht existieren. Wir müssen dringendst unsere Ökonomie auf grundlegend neue Prämissen stellen. Je länger wir weiterfahren wie bisher, desto mehr entfernen wir uns von unseren eigenen Zielen. Nun gibt es optimalere und weniger optimale Organisationsformen des Gütermanagements. Aktuell herrscht der sogenannte freie Konkurrenzmarkt vor, der angeblich über seine unsichtbare Hand den Homo Oeconomicus ganz von selbst glücklich und zufrieden macht. Das ganze wird als liberal bezeichnet und ist kombiniert mit einer Wachstumsnotwendigkeit.

    Von echten liberalen Grundideen sollten wir uns jedoch nicht abwenden und zu einer diktatorischen, zentralistischen Planwirtschaft übergehen. Der Liberalismus muss aber gänzlich neu gedacht werden. Liberal sollte bedeuten, dass alle Wirtschaftsakteure (Unternehmer, Arbeiter, Konsumenten, Staat) sich auf gleicher Augenhöhe begegnen und sich gemeinsam um das Wohl aller kümmern. Liberal sollte beinhalten, dass die Menschen sich in der Ökonomie frei bewegen können. Der blutrünstige, ruinöse Konkurrenzkampf auf den Märkten ist nicht liberal sondern eine perfide Form von Totalitarismus. Faustrecht hat mit Freiheit nichts zu tun, höchstens mit der Freiheit eines einzigen, nämlich des Stärkeren. Deshalb ist der wahre Liberalismus nicht im völlig freien, deregulierten Markt zu finden, sondern in der zivilisierten, direktdemokratischen Auseinandersetzung zwischen allen ökonomischen Interessen. Nur diese hilft, sowohl das Faustrecht-Chaos als auch den Totalitarismus zu vermeiden.

  • Christian Bolliger sagt:

    ökonomische Analysen sind nicht unmoralisch, wie im Lead behauptet, sonder amoralisch wie im Text vom Autor erklärt. Ich glaube da hat ein Redaktor was verbockt …

  • Ursula Badertscher sagt:

    Mich erstaunt immer wieder, mit welch überzeugter Systemgläubigkeit und naiver Blindheit gewisse Ökonomenkreise den Gospel ihrer „Wissenschaft“ zu verbreiten wagen.

    Dieser Artikel ist höchst entlarvend. Er zeigt einmal mehr, dass die meisten Wirtschaftsjournalisten (genau wie viele Ökonomen und praktisch sämtliche Politiker) das Konzept unserer Geldschöpfung weder im Ansatz noch in seinen praktischen realwirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen begriffen haben.
    Wer derart vereinfachend und schulmeisterlich von Schulden und Zinsen predigt und dabei unsere Geldschöpfung (welche sich ja ausschliesslich dieser Instrumente bedient!) völlig ausblendet, leidet an einem gefährlichen blinden Fleck!

    Ökonomen sind vergleichbar mit Astrologen, die felsenfest glauben aus den Sternenbahnen Wirkungen herauslesen zu können, ohne sich dabei auch nur um die elementarsten astronomischen Kenntnisse oder Tatsachen zu kümmern.

  • Thomas sagt:

    Der Artikel thematisiert erfreulicherweise einen Aspekt, der gerne tabuisiert und unter den Tisch gewischt wird. Die Unterscheidung zwischen einem Sachzusammenhang (7+3=13, oder „wer reich ist, wird immer reicher, wer arm ist, wird immer ärmer“) und seiner Bewertung (wollen wir das, oder wollen wir das nicht -> was müssten wir tun, um Gegensteuer zu geben?)

    Leider wird auch hier der elementare Unterschied zwischen Investitionen (Schulden, um für die Zukunft etwas aufzubauen) und Konsumkrediten unterschlagen oder übersehen.

    Investitionen sind Konsumverzicht heute zugunsten von Mehrkonsum in der Zukunft. Investitionen führen tendentiell zu Wachstum in der Zukunft.
    Konsumkredite sind vorgezogener Konsum zulasten des zukünftigen Konsums. Konsumkredite führen tendentiell zu Blasenbildung (Boom and Bust).

    Was Griechenland (als Muster, nicht als einziges Land) gemacht hat, ist auf staatlicher Ebene Kredite aufzunehmen, um damit Konsumausgaben (Neue unproduktive Bürokraten, Löhne, Renten etc.) zu finanzieren. Konsum hat aber keinen „Return on Investment“, weil Konsum kein Investment ist, sondern ein blosser Verbrauch.

    Hätte Griechenland all die Milliarden in Infrastruktur, Produktionsanlagen etc. investiert, hätten sie heute eine funktionierende Wirtschaft. So haben sie ein überschuldetes Rentner- und Bürokratenasyl, das natürlich nichts abwirft.

    Schulden =/= Schulden.

    • Thomas sagt:

      …hätte natürlich 7+6=13 heissen müssen…

      • Ich bin nicht ganz sicher, ob Konsumkredite tendenziell schlecht sind (wenn sie zurückbezahlt werden können) oder zu Blasen führen müssen, denn letztlich drehen sie nur die Reihenfolge 1.Bezahlen 2.Konsumieren um.

        Was in jedem Fall schlecht ist, sind Kredite zur Finanzierung von Wertpapierkäufen (Ponzi-Kredite), denn diese führen via inflationären Wertpapierpreisen in jedem Fall zu Blasen und Krisen (wir haben genug solche Krisen gesehen, um diesen Sachverhalt als wahr akzeptieren zu können).

        PS: Wenn Sie Orwell gelesen haben, wissen Sie, dass auch 7+3=13 sein kann, wenn die Partei es verlangt…

    • ast sagt:

      Seit 1972 ist der US$ eine gezinkte Spielkarte im Kreditsystem, später zogen die anderen Währungen (unter Druck der USA auf den IWF) in das Lager der virtuellen Währungen (Fiat Money) nach. Danach war der Druck von Schulden unter dem Eindruck von anziehender Inflation und der Möglichkeit unbeschränktem Gelddruck stark gefallen. Bis 2007, dem Ausbruch der Subprime-Krise in den USA. Seither achten Investoren wieder vermehrt auf die Schulden, obwohl der Staat weiterhin beliebig Geld nachzudrucken vermag. Das sinkende Vertrauen führte in die Euro-Krise, denn ohne verbesserte Schuldenanalysen wären die Taktik von Goldman Sachs wohl aufgegangen (beim Fälschen der GR Statistik), die griechischen Schulden wären früher weniger aufgefallen oder vom Markt ignoriert worden. Genauso wie gezinkte Karten eine Weile lang nicht auffallen, auf diese Weise glaubte man in den 90er Jahren noch an den Weihnachtsmann -der ewige und anhaltende Profit duch mindestens 8% Geinn via die Aktienmärkte. Bei der Volksabstimmung in der Schweiz bezüglich der Einführung der Pensionskassen wurden die Risiken durch Fiat Money und Schulden weitgehend unterschlagen. Der lanfristige Profit von 8% war in den Wahlunterlagen abgedruckt als wäre das ein physikalisches Gesetz.

    • Linus Huber sagt:

      Sehr guter Kommentar.

      @ Ralf

      Natuerlich ist Kredit fuer vorgezogenen Konsum als negativ zu betrachten. Im Grunde ist auch staatliche Verschuldung als negativ einzustufen, da der Staat selber ja nicht in der Lage ist etwas zu produzieren, sondern einzig jenen, welche produzieren, einen Teil ihres Erwirtschafteten wegzunehmen.

      Allerdings ist die Angelegenheit eine Frage des Masses. Wenn ich ein Haus kaufe und einige Freunde und Bekannten mir dabei in der Form von Krediten helfen, ist dies eine andere Sache, als wenn institutionalisiert jeder seinen Bankkredit kriegt und die Banken die gesamte Geldmenge (Kreditmenge) massiv in die Hoehe treiben, waehrend die Zentralbanken friedlich vor sich her schlummern. Bei dieser Ausweitung der Kreditmenge (vor allem im Konsumentensegment) werden die Preise der erworbenen resp. zu erwerbenden „Ware“ in die Hoehe getrieben, da durch den Kredit eine unnatuerliche Nachfrage kreiert wird.

      Ich moechte hier jedoch einen andern Aspekt ansprechen. Natuerlich hat der Schuldner die Schuld, jedoch derjenige, welcher jemandem soviel Kredit andreht, dass dessen Faehigkeit diese je zurueckzahlen zu koennen in Frage gestellt werden muss, in meinen Augen ebenfalls zur Rechenschaft heranzuziehen ist. Der Geldverleiher ist im Allgemeinen derjenige, welche dieses Risiko zu bewerten hat und dementsprechend einen Kredit gewaehrt oder eben ablehnt. Wenn ein Kreditgeber seine Sorgfalt in dieser Hinsicht vernachlaessigt (Bewertungen der Kreditagenturen duerfen hier keine Entschuldigung, sondern hoechstens eine Erklaerung darstellen) so soll er die Kosten seines Fehlers tragen.

      Ein weiterer Aspekt liegt darin, dass die wirklichen Abzocker sich keinen Deut darum kuemmern, nach welchem oekonomischen Modell sie agieren und ob dieses auch nur einen Ansatz von Nachhaltigkeit in sich traegt, sondern interessieren sich einzig dafuer, die bestehenden Verhaeltnisse (welche profitable fuer sie sind) so lange wie moeglich aufrecht zu erhalten.

      • Thomas ernst sagt:

        @ Linus

        Hypotheken sind in aller Regel Investitionen, da das Haus ja nicht aufgegessen wird, also keinen Konsumartikel darstellt. Auch wenn man mit dem Eigenheim kein Geld verdient, spart man sich trotzdem die Miete ( übrigens die Begründung für diese unsägliche Sondersteuer genannt Eigenmietwert).

        Ein Beispiel, dass eben Kredit =/= Kredit!

        • Linus Huber sagt:

          Grundsaetzlich stimme ich zu, wobei wenn ein Haus einzig zum Eigengebrauch verwendet wird, kann man dies auch als Konsum bezeichnen. (Die Meinungen gehen da wohl ein wenig auseinander, wobei auch die Qualitaet der Bauweise sicher mitspielt, sowie die Frage wie langfristig man die Angelegenheit betrachtet)

          Zusaetzlich besteht das Problem, dass wir zwar Eigentum in der Form von einem Eigenheim besitzen, dies jedoch in der heutigen Zeit der massiven Manipulationen es auch eine einfach Option einer Einnahmequelle eroeffnen mag (indem man z.B. die Grundeigentumsteuer erhoeht).

          Ein wichtiger Aspekt erkenne ich einfach darin, dass die Preise des Wohneigentums durch die massive Erhoehung des Hypothekenbestandes in einem Land mit angefeuert werden. Soweit ich mich richtig erinnere, nimmt die Schweiz in dieser Beziehung einen prominenten Platz ein (Hypothkenbestand von ca. 120-130% des BIP). Hypotheken werden nicht basierend auf dem jaehrlichen Einkommen des Kreditnehmers restriktiert, sondern orientieren sich am Werte des Wohneigentums.

          Es gibt Studien, welche aussagen, dass idealerweise die durchschnittlichen Wohneigentumspreise in etwa 300% des Durchschnittseinkommens eines Staates sein sollten. Bei ueber 500% redet man von einer problematischen Situation. Ich denke, wir liegen massiv ueber 500%.

  • Alfred Siffert sagt:

    Das Problem ist doch vielmehr, dass heute Niemand mehr Ahnung von Ethik und Moral hat. Gerade bildungsferne Kreise wie SVP, Banker und Neureiche poltern blind durch die Gesellschaft. Ich stelle immer wieder fest, dass Manager, Anwälte aber auch Naturwissenschaftler moralisch und ethisch bedenkenswert handeln. Ich habe vor 7 Jahren an der HSG einen MBA gemacht. Und da gab es z.B. einen Deutschen, der heute Amtsdirektor ist, der war sowas von Blocher-Führer-Prinzip-Treu, der ging über Leichen. Er ist heute auch in der Führung einer Pensionskasse beim Bund und mitverantwortlich für die Anlage von hunderten von Millionen. Dabei würde der glatt für 100 Euro (ist ja seine Währung) seine Grossmutter verkaufen und sogar 100 Euro zahlen, wenn er seine gehassten und gemobbten Feinde eine Schlucht runter stossen könnte. Ethik und Moral ist weder in der Oekonomie noch in der Wirschaft und je länger je mehr sogar beim Bund kein Thema mehr. Der invesitiert sogar in Foxcon-Aktien oder Kinderarbeit-Fabriken: Hauptsache die Rendite stimmt.

    • ast sagt:

      Herr Siffert, die aktuelle Werbung der UBS wird Sie bestätigen, die Banker haben keine Moral:

      „Andere für sich arbeiten lassen: Hier bringts Erfolg.
      UBS Strategy Funds.“.

      Der Spruch wird kaum viel Aufmerksamkeit sorgen, denn mit dieser Strategie funktioniert inzwischen Alles, von Aktienbörse bis Pensionskasse.

      Der Spruch „Zusammen arbeiten“ ist nicht mehr Bestandteil unserer Kultur. Im grossen Stil betrieben nennt man das auch Schneeballsystem. Fiat Money ermöglicht allerdings ein temporäres Perpetuum mobile dieser Strategie, da die Unabhängigkeit von realen Werten erlaubt Wertpapiere in beliebiger Menge nachzudrucken (Quatitative Easing). Natürlich steigen dabei gleichzeitig die Schulden jener die für diese Strategie arbeiten müssen, als auch die Vermögen jener die solche Aufträge an die Banken vergeben können. Der Schritt die Staatsverschuldung für irrelevant zu erklären ist in den USA nicht mehr fern, das würde gut zur bereits 1970 unter Vertragsbruch vollzogenen Ablösung des US$ von realen Werten wie Gold passen. Insofern man stetig neue virtuellen Werte nachdruckt, kann das Zeitfenster des Schneeballsystems noch einige Jahre ausgedehnt werden -bis dann das aprupte Ende kommen wird- durch Volksaufstände, Diktaturen und dergleichen mehr.

  • ast sagt:

    Ohne Moral, bzw sozial ethische Richtlinien -kann man die Wissenschaft der Ökonomie nicht gebrauchen, die Verteilungsfrage ist wichtiger als die Geldtheorie. Das ist wie bei einer ballistischen Berechnung einer Kanonenkugel, zuerst sollte man sich damit befassen warum die Kugel überhaupt abgeschossen werden soll. Alle die gegenwärtigen Statistiken der Volkswirtschaft sind unbrauchbar für eine Lösung der Wirtschaftskrise, inklusive Schuldenkurven, Wirtschaftsleistung, Baltic Dry Index, Aktienkurse usw. , weil sie alle unter einer grundsätzlich mangelhaften Kreditverteilung entstanden sind. Man kann auf unsinniger Substanz nichts Wesentliches aus einer Statistik heraus lesen, ansonsten beteiligt man sich an fiskalischer Astrologie.

    • Thomas ernst sagt:

      ..die Frage, ob und wohin eine Kugel geschossen wird, hat nichts mit Ballistik zu tun. Die Leute differenzieren leider oft viel zu wenig, kein Wunder dass dann so vieles schief geht.

      • ast sagt:

        Herr Ernst, aus meiner Sicht gibt es keine Wissenschaft die völlig unabhängig von anderen Wissenschaften ist. Der Versuch eine Blackbox um die Wissenschaft der Ökonomie zu ziehen -um insbesondere ethische Fragen auszuklammern, ist grundsätzlich zum Scheitern verurteilt -selbst wenn die Berechnungen mathematisch schlüssig erscheinen.

  • Der Unterschied zwischen un- und amoralisch wurde bereits weiter oben angesprochen. Im übrigen muss eine Wissenschaft (Ökonomie ist keine) nicht moralisch sein. Es reicht vollkommen, wenn sie einfach wahr ist. Da die Ökonomie schon diese einfache Regel nicht beherrscht, könnte man als kleinen Dienst (man will ja helfen!) ein paar ökonomische Fakten aufzählen, die die Ökonomie nicht vollkommen korrekt wiedergibt (früher sagte man dazu „lügen“):

    1. Es gibt keinen Freien Markt, und wenn es einen gäbe, würde er nicht funktionieren.
    2. Märkte sind nicht im Gleichgewicht, sondern grundsätzlich instabil.
    Korollar: Märkte sind nicht die höchste Form sozialer Ordnung.
    Korollar 2: (Staats-)Eingriffe in Märkte führen nicht zu Instabilität.
    3. Ein Monopol und ein Perfekter Wettbewerb führen zu demselben Resultat.
    Korollar: Monopole sind nicht sozial schädlich.
    Korollar 2: Eine Einheitskrankenkasse führt nicht zu höheren Tarifen.
    4. Supply-side („trickle-down Neoliberalismus“) funktioniert nicht und hat auf diesem Planeten (Erde) noch nie funktioniert. Sein Funktionieren wäre ein Marktversagen.

    Unmoralisch (statt amoralisch) ist höchstens, dass die Ökonomie diese Dinge behauptet, obwohl sie weiss, dass sie nicht stimmen. Aber eben, Ökonomie ist keine Wissenschaft, sondern eine Religion, und bei der letzteren geht es nicht um Wahrheit, sondern darum Gott (Markt) zu preisen, im Namen des Marktes, der Economiesuisse und der Steuererleichterungen für Reiche, Amen.

    • Michael Schwarz sagt:

      @Sommerer

      Wer sagt, dass wir ungläubiger sind. Wenn wir zum Arbeit gehen, gehen wir jeden Tag in die Kirche des ökonomischen Glaubens. Die Wirtschaftswissenschaft hat als ernsthafte Wissenschaft angefangen, aber sie endet mit ökonomischen Glauben. Ein absoluter freie Markt wird nicht geben, weil er am Ende zum Marktversagen führen wird. Ein funktionierter Markt benötigt unbedingt Regulatoren, um die Anhaltung der Regeln zu überwachen.

      Die Privatisierung der Krankenkasse in der Schweiz war mit dem Ziel der Verbilligung der Prämie. Dies zeigt, dass viele Ökonomen das Standmodell nicht genau hingesehen haben, weil sie es verstanden haben, wie der Markt funktioniert. Sie geben lediglich das was in Unis gelernt haben, wieder, ohne es zu verstehen, was sie da tun. Das ist das Ergebnis des Auswendigslernens, ohne Verstand.

    • Thomas sagt:

      @ Ralph

      Mit ihrer Bemerkung „…Ökonomie ist keine Wissenschaft, sondern eine Religion…“ disqualifizieren Sie gerade Ihre Fähigkeit zum differenziert Denken. Wie bereits oben ausführlicher erläutert, KANN ein beliebiger Sachgegenstand gar nicht wissenschaftlich oder unwissenschaftlich sein, da Wissenschaft eine Arbeitsweise bezeichnet, wie man an eine (beliebige) Frage herangeht.

      Wenn Sie immer noch glauben, dass Medizin, Biologie oder Physik per se „Wissenschaften“ sind, und Astrologie, Psychologie oder Ökonomie nicht, legen Sie bloss offen, dass Sie offenbar noch nie vertieft über „Wissenschaft“ nachgedacht haben, sich aber trotzdem nicht entblöden, in der Öffentlichkeit Wertungen dazu abzugeben. Schade.

      Jedes der aufgezählten Themen kann sowohl wissenschaftlich als auch religiös betrieben werden. Das CERN ist der grösste Tempel der Atommodellgläubigen. Die EU ist der heilige Gral aller unreif und abhängig Gebliebenen. etc.

      • Ich glaube, wir hatten diese Debatte schon einmal, und ich dachte, ich hätte damals mit Ihnen übereingestimmt, dass es die Methode ist, die eine Wissenschaft von einer Religion unterscheidet. Mir sind Sachverhalte egal. Mir ist aber nicht egal, wie diese Sachverhalte zustande gekommen sind. Wissenschaft ist, was man „macht“. Wenn man von vornherein weiss, was ist, und seine Anstrengungen darauf richtet, dies zu beweisen und alles andere ignoriert oder umleugnet, dann ist das keine Wissenschaft, sondern Religion. Die Erde ist im Mittelpunkt des Universums, weil die Bibel es impliziert. Planetenbahnen lassen sich dann mit grotesk komplizierten Kreisen auf Kreisen auf Kreisen schon irgendwie erklären. Weil „Medizin, Biologie oder Physik“ wissenschaftlich betrieben werden und Widersprüche daher nicht weggeleugnet wurden, haben ihre Weltbilder schon mehrfach geändert werden müssen (die Physik 3mal im 20. Jahrhundert allein!). Weil Ökonomie nicht wissenschaftlich, sondern religiös betrieben wird, sind ihre „Wahrheiten“ immer noch wahr, auch wenn sie durch andere Ökonomen (unter Anwendung von Wissenschaft) widerlegt worden sind. Man erklärt sie einfach zu Ketzern und ignoriert ihre Beiträge (wörtlich zu verstehen: Ihre Artikel werden in den Fachzeitschriften mit fadenscheinigen Argumenten abgewiesen).

        Die Ökonomische Theorie ist keine Wissenschaft, weil ihre Methode unwissenschaftlich ist. Ich habe aber immer ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ich alle Sachverhalte akzeptiere, die auf empirischen Studien (=wissenschaftliche Analysen) beruhen. Ironischerweis gilt dies nicht für die Ökonomie, wenn ich an den Aufschrei unter Ökonomen denke, den Olivier („the state of macro is good“) Blanchard ausgelöst hatte, als er in einem empirischen Papier die Austeritätspolitik der EU kritisiert hatte. Da kommt einmal ein wissenschaftlicher Artikel, und die Ökonomische „Wissenschaft“ schreit Zeter und Mordio, weil er der Orthodoxie widerspricht…

        • Thomas ernst sagt:

          @Ralph

          Es macht die Sache nicht besser, wenn Sie „die Ökonomie“ und „die Ökonomen“ undifferenziert in einen Topf werfen und dann Ihre subjektiven Vorurteile darauf projizieren.

          Führende Ökonomen wie zB Ernst Fehr ( Ökonomie des Mitgefühls) arbeiten sehr wohl einwandfrei wissenschaftlich. Die Tatsache, dass die manipulierenden Mainstream-Medien ihre eigene politische Agenda haben ist nicht den Ökonomen vorzuwerfen.

          Dass es unter den Ökonomen wie unter den Journis oder Politikern eine ganze Anzahl geistig und moralisch korrupter Mietmaeuler und Speichellecker gibt ist unbestritten. Es gibt aber keine verlässlichen Daten, wonach der Pfusch- und Betrugsanteil bei ökonomischen Arbeiten Grösser wäre als zB in der Genetik onder der Biochemie.

          • Ich hätte vielleicht präzisieren müssen: Wenn ich unqualifiziert von „die Ökonomie“ oder „die Ökonomen“ rede, dann meine ich den mainstream (free market fundamentalist „trickle-down“ Washington consensus). Spezielle Personen nenne ich in der Regel mit Namen, oder qualifiziere sie im weasel-way („es gibt“, „manche“, …).

            Was Ihre Bemerkung über „korrupte Mietmaeuler und Speichellecker“ unter „Journis oder Politikern“ angeht, möchte ich zur Schonung meines Blutdrucks meiner stillen Zustimmung lediglich durch Kopfnicken Ausdruck geben.

            Im Übrigen interessieren mich auch nicht die Ausnahmen („Pfusch- und Betrugsanteil“) sondern der modus operandi einer Wissenschaft.

            PS: „Ökonomie des Mitgefühls“ tönt etwas esoterisch (LOL). Gilt dieser Ernst Fehr in seiner Zunft etwas? Obwohl das Thema dieses Blogs „Moral vs Ökonomie“ ist, behagt mir Amoralität und „Unmitfühl“ der Ökonomie irgendwie besser, aber egal. Nichts für Ungut.

          • Thomas ernst sagt:

            Googeln Sie Ernst Fehr (Uni ZH) und machen Sie sich ein Bild. Insider haben mir gesagt, er sei Seitenwägen 5 Jahren auf der Kandidatenliste für den Wi-Nobelpreis.
            Die Ökonomie des Mitgefühls ist ein Forschungszweig, den Fehr mit dem Dalai Lama verfolgt. Siehe auch Mind and Life XX Conference in Zürich ( u.a. Mit dem Dalai Lama, Fehr, und anderen).

            Was definiert eigentlich „Mainstream“ in der Wissenschaft? Wohl die Journis/Medien, nicht eine Mehrheit von Forschern oder Lesern.

          • Google? Kenn ich! Aber ich wollte eine Meinung von jemandem hören, der einen Puls hat. Googlen kann ich dann ja immer noch. Danke einstweilen!

            Mainstream ist, was gilt. Die aktuell gültige Theorie ist Angebotspolitik (aka trickle-down Neoliberalismus).

  • Felix Gauch sagt:

    Jede Logik wirft einen Schatten je eigener Irrationalität, wenn es um Verhalten von grösserer Tragweite geht und kann deshalb nicht von Ethik und Moral abgekoppelt werden – und zwar längst bevor ein Oekonom zur Tat schreitet und dieses nach seinen Kriterien analysiert. Er kann sich also gar nicht diesen Fragen entziehen, da in jeder Analyse eine Beurteilung vorliegt, und sei es auch nur durch eine Gewichtung: Er nimmt Teil und Anteil an einem Bezugssystem und steht bereits innerhalb – als Betrachter.

    • Thomas sagt:

      @ Felix

      Ich bin völlig mit Ihnen d’accord, dass es keine wissenschaftliche Arbeit gibt, die frei von der Werthaltung des Wissenschafters wäre. Im Detail hat das E. Brian Davies in seinem Buch „Why Beliefs Matter“ dargestellt.

      Es ist aber gute wissenschaftliche Disziplin, die Ethik/Moral/Weltanschauung so weit wie möglich transparent zu machen, und aus der Interpretation der Daten herauszuhalten. Dadurch, dass Ökonomen aus den verschiedensten Weltanschauungen parallel arbeiten, kommt per Saldo eine durchaus brauchbare, a-moralische Erkenntnislandschaft zusammen, auch wenn einzelne „Schulen“ natürlich eindeutige Schlagseite haben.

  • Michael Schwarz sagt:

    @ Diem Meier:

    Sie haben eine gute Frage stellen, die heute so aktuelle ist, wie vor fast 200 Jahren. Eigentlich geht es um die Frage warum betreiben wir Ökonomie? welches Ziel verfolgen wir? und warum studieren wir Wirtschaft?

    Um die Fragen zu beantworten muss man eine Umfrage an Hochschul-Studenten richten. Über 90% der Studenten, die WiWi studieren, wollen reich werden. Kurzgesagt, es geht nicht um die Wirtschaft als Wissenschaft, sondern um reich zu werden oder als Türöffner für gutbezahlten Job einen Vorteil zu haben. Die Wirtschaft als Wissenschaft interessiert solche Leute nicht. Das ist reine Ressourcenverschwendung, weil sie nicht an die WiWi interessiert sind.

    Ein Studium in WiWi geht nicht um wirtschaftliche Macht zu gelangen. WiWi ist da um das gesellschaftliche Zusammenleben zu erleichtern, sowie die demokratische Gesellschaft und Wirtschaftssystem zu stabilisieren und die Menschen Wohlstand und Glück(wie Adam Smith sagte) zu erlangen.

    Fazit: die Ökonomie ist der Moral, ohne Ökonomie wird auch den Moral nicht existieren. Es ist kein Zufall, dass Adam Smith als Moral Philosoph das erste ökonomische Buch schrieb.

    • Thomas sagt:

      @ Michael

      Über 90% der Studenten, die Jus studieren, wollen reich werden. Vielen Studenten geht es nicht primär um das „Wissen an sich“, sondern um die Grundlage für einen guten Job.

      Es mag ihre persönliche Auffassung sein, „WiWi ist da um das gesellschaftliche Zusammenleben zu erleichtern, sowie die demokratische Gesellschaft und Wirtschaftssystem zu stabilisieren…“. Das ist aber keine naturgegebene Zielsetzung, sondern lediglich ihr persönlicher Wunsch.

      Wie jeder Disziplin (Physik, Medizin) geht es auch in der wissenschaftlich untersuchten Ökonomie „nur“ darum, die Zusammenhänge zu verstehen und sie damit (ev.) beherrschbar zu machen. Das gilt für die Untersuchung von Infektionsmechanismen genauso, wie für die Einflüsse von Geldmanipulationen oder oder der Reibungseffekte von Gummi auf Asphalt.

      Nichts gegen Ihre persönlichen Wünsche, doch sollten Sie nicht versuchen, ihre Wünsche anderen als „naturgegeben“ unterzujubeln.

      • Michael Schwarz sagt:

        @ Thomas:

        Wenn jemand glaubt, dass er in der Lage wäre die Wirtschaft zu beherrschen, muss er ein Gotteskomplex haben. Wenn wir die Konjunkturprognose der KOF oder Ifo anschauen, dann ist der Varianz der Prognose bis zu 100%. Man kann die Wirtschaft versuchen zu verstehen, beherrschen lässt die Wirtschaft. nicht. Das ist der Traum jedes Wirtschaftswissenschaftlers, aber dieser Traum wird zum Albtraum.

        Ich muss nochmals betonen, dass die WiWi keine Physik oder Mathematik ist, vor allem das wirtschaftliche Ungleichgewicht und Instabilität können nicht durch der Naturwissenschaft gelöst werden. Im Gegenteil, die schlimmert die Situation.

  • Hans Jecklin, Autigny sagt:

    Wenn der Autor schon Missverständnisse bereinigen möchte, sollte er zwischen a-moralisch (nicht moralisierend) und un-moralisch (gegen die Moral) unterscheiden. Von aussen verordnete Moral durch eine Ethik der inneren Wahrhaftigkeit zu ersetzen wäre dann tatsächlich ein positiver Bewusstseinswandel zu Eigenverantwortlichkeit als Teil der (globalen) Gesellschaft. Schön wär’s ….

  • Reuter sagt:

    Der deutsche Oekonom Wilhelm Röpke hat es so formuliert: Das Mass der Wirtschaft ist der Mensch und das Mass des Menschen ist sein Verhältnis zu Gott. Das beide Aussagen auf das Engste miteinander verbunden sind sollte bei näherer Betrachtung jedem deutlich werden. Das was wir heute haben ist eine verselbstständigte Wirtschaft welche nicht mehr dem Menschen dient sondern welcher der Mensch zu dienen hat. Es ist meiner Ansicht nach ins völlige Gegenteil verkehrt worden. Und durch Schuld in Form von Geld, egal ob Staat oder Einzelperson, werde ich dann zu einem Sklaven dieses Systems welchem man dann kaum noch entweichen kann.

  • Martin Holzherr sagt:

    Die Eurokrise macht viele innereuropäische Probleme erst sichtbar. Zum Beispiel das Problem der Zuständigkeit und Verantwortlichkeit.
    Dieser Beitrag aber will der Problemanalyse aus dem Weg gehen, denn es geht im Kern nur darum, dass Austerität schlecht sei und dass man die Probleme am besten mit Geld zuschüttet. Es stimmt zwar: Nicht die „Debatten um die Frage, ob Griechenland weiter Geld erhalten soll und zur Wirkung von Austerität“ führen weiter. Aber auch das Ignorieren und Zuschütten von Problemen mit mehr Liquidität führt nicht weiter. Wie selbst Politker wie Schäuble erkannt haben, müssen sich die Länder in der Eurozone nun eben dreinreden lassen. Sie können ihre Sozial-/Steuer- und Industriepolitik nicht mehr völlig autark gestalten. Das aber ist noch nicht angekommen.

    Eine nüchterne Analyse fern von Utopien wie derjenigen, dass Deutschland nun Löhne und Preise inflationiert um damit Ungleichgewichte auszugelichen, kommt doch zum Schluss, dass die Eurokrise für einige Länder noch viele Jahre dauern wird, fast unabhängig davon was für Massnahmen ergriffen werden. Unkonventionelle Lösungen wie ein temporärer Austritt von Ländern aus der Eurozone oder die Schaffung eines Nord-/ und Südeuros würden wohl noch am ehesten die Krise beenden oder abschwächen, sie sind aber auch äusserst riskant.
    Der wahrscheinlichste weitere Verlauf der Eurokrise wird nächstes Jahr auch Frankreich in die Krisenzone bringen, womit dann ein Weiterwursteln wie bisher äusserst schwierig werden wird.

  • Heinz Butz sagt:

    Ich möchte den Verfassern dieses Blogs zugute halten, dass sie als Wirtschaftsjournalisten ja nach dem Mund der Banken schreiben müssen, denn wes Brot ich ess, den beiss ich nicht.

    Es wäre aber einmal an der Zeit, darüber zu berichten, seit wann es den Casino-Turbo-Kapitalismus gibt und warum. Gleichzeitig wäre interessanter als langfädige theoretische Erklärungen über Zukunftsanalysen und ähnliches zu berichten, wenn Nutzen und Schaden dieses speziellen Kapitalismus einmal durchleuchtet werden, aber mit klaren Fakten bitteschön.

    • ast sagt:

      Der Friedensforscher Galtung hatte vor Jahren in luzern auf die Frage hin, ob die Schweiz dem EWR beitreten soll -nach überlgtem zögern- geantwortet, auch wenn sich in Europa gegenüber der schlimmen Vergangenheit einiges positiv entwickle (die Annäherung und wirtschaftlicher Ausgleich zwischen Frankreich und Deutschland), so würde er davon abraten, denn Europa werde gerade durch führende Köpfe des Neoliberalismus zusammengestiefelt.

  • Martin Holzherr sagt:

    Die Frage nach der Schuld ist immer auch die Frage nach der Ursache und die Frage nach den Ursachen ist der erste Schritt um die Probleme zu lösen und hinter sich zu lassen. Dass Griechenland von aussen Hilfe benötigt, berechtigt auch zum differenzierten Blick von aussen und zu von aussen diktierten Eingriffen. Kurzum, die Souveränität eines hilfsbedürftigen Landes ist eingeschränkt. Derjenige, der Ländern wie Griechenland über die Runden hilft, darf auch etwas verlangen. Misstände, wie die Tatsache, dass in Griechenland jährlich 20 bis 40 Milliarden Euro Steuern hinterzogen werden können nicht mehr einfach ein internes Problem Griechenlands bleiben, denn so etwas würde in Staaten die Hilfe geben – wie den Deutschen – nie akzeptiert werden. Warum sollen deutsche Bürger Steuerhinterzieher finanzieren und Banken aus der Patsche helfen. Sarah Wagenknechts Analyse, dass ein grosser Teil der Eurokrise keine Staatsschuldenkrise, sondern eine Bankenkrise ist und die Banken nun an das Geld der Steuerzahler wollen und ihnen Politker wie Merkel dabei helfen, sind nicht völlig absurd. Sie haben etwas Wahres.

  • Patrick Bisang sagt:

    So sehr ich den naiven Anspruch einer „sachlichen“ Ökonomie bestaune, so energisch muss ich ihm entgegenhalten, dass der ökonomische Diskurs nun mal wesentlich ein normativer Diskurs zu sein hat. Denn worum anderes als um den gerechten Güteraustausch handelt es sich bei der Ökonomie? Und was ist gerecht? Als erste Bestimmung halte man sich doch Platons Definition in „Politeia“ vor Augen: „Gerecht ist, wer seine Schuld zurückzahlt“. Oder eben keine hat.

    • Thomas sagt:

      @ Patrick

      Sie stellen hier ihre persönliche Meinung als generelle Maxime dar: „dass der ökonomische Diskurs nun mal wesentlich ein normativer Diskurs zu sein hat. Denn worum anderes als um den gerechten Güteraustausch handelt es sich bei der Ökonomie?“
      Das ist natürlich offensichtlicher Unsinn, bzw. Ihre persönliche sozialistische Gewichtung. Nur als Hinweis: Die Ökonomie muss sich ebensosehr mit der Frage befassen, wie Güter produziert werden – das wird von den verteilungsfreudigen Sozialisten aber gerne übersehen.

      Die Ökonomie als Wissenschaft befasst sich lediglich mit der Frage, wie ein Wirtschaftssystem funktioniert. Die Frage, wie Güter „gerecht“ verteilt werden, ist keine ökonomische, sondern eine politische. Und genau dies ist ja Gegenstand des Originalbeitrages, nämlich dass zu unterscheiden sei zwischen der Ökonomie (wie hängen die Dinge zusammen) und der Ethik (wie sollte es anständigerweise sein).

  • Donald Duck sagt:

    Eine nüchterne ökonomische Analyse der Reichen wäre interessanter. Nur passt die vermutlich nicht in den Tagi. Oder die Schuld der Spekulanten, die hoffen, mit den Sozialwerken werde es schon alles gut gehen.

  • Philipp Rittermann sagt:

    die moral ist schon lange tot. die solidarität auch. „globalisierung“ bedeutet schnellen, individuellen und egoistischen reichtum. profitieren hiervon tut nur wer skrupellos agiert. punkt-schluss.

  • Benedict Giger sagt:

    Unmoralisch sind sie leider des öfteren. Amoralisch ist wohl das Wort, das hier intendiert war. Und das sind sie bei den Ideologien die implizit (oder explizit) vertreten werden (Neoliberalismus kommt mir spontan in den Sinn…) äusserst selten. Bei den Cost-Benefit-Analysis z.B. nimmt man’s mit den Trägern der Kosten häufig nicht allzu genau. Zudem geht es ja um die Wirtschaft und die bestimmt die Verteilung der materiellen Güter und Services in einer Gesellschaft, da muss man Prioritäten setzen und wie das ohne eine spezifische Vision vom „guten (oder gerechten) Leben“ gehen soll, ist fragwürdig.

  • George Aengenheister sagt:

    Leider ist Kant so unlesbar. Dann wäre klarer zu erkennen, dass die Ökonomie ein Mittel oder ein konstruktives Bauelement einer organisierten Gesellschaft ist und die Moral hingegen eine Zielsetzung sein muss. Der Mensch ist immer Zweck und die Verdammung zum Mittel ist der Diebstahl der Freiheit. Insofern wirkt die Verschuldung stabilisierend, weil sie Verbindlichkeiten zementiert, die wir schwer wieder loswerden, ausser durch disziplinierte Amortisation. Davon ist wenig zu erkennen, der lausigste Wohnblock aus der Fünfziger Jahren lastet millionenschwer in den Büchern. Unsere Ökonomie scheitert nicht an romantischen Moralvorstellungen, sondern an der Summe der schlechten Kaufverträge und an falsch zementierten Eigentumsrechten über Generationen hinweg. Unser Problem ist konstruktiver Natur mit einer zuwiderlaufenden Zielsetzung. Wer das Ziel nicht kennt, der findet auch keinen Weg. Die Wahrheit ist ein dickes Buch, geschrieben von uns allen und gerade deshalb unlesbar im ganzen Kontext. Die richtige Zielsetzung ist nur an Merkmalen erkennbar: Einfacher, gerechter, nachhaltiger. Jede gute Idee besteht aus der Verschmelzung von Wissen und Fantasie zu einer sinnvollen Absicht. Wissen ist genug vorhanden, heute ist Fantasie und einen klare Zielsetzung vonnöten.

    • Ralf Schrader sagt:

      ‚Wer das Ziel nicht kennt, der findet auch keinen Weg.‘
      Guter Satz, den muss man sich merken. Vor allem die hiesigen Personen, welche für sich in Anspruch nehmen, Politiker zu sein.

      • George Aengenheister sagt:

        @Ralf: Kluge Sätze sind immer abgekupfert… Der Hans Dietrich Genscher hat es kürzlich so formuliert. NZZ TV. Des weiteren beantwortete er die nächste Frage der Journis mit dem wunderbaren Satz: Ich würde hier der Fantasie der Geschichte keine Zügel anlegen wollen. Das Alter macht aus Macht manchmal auch Bescheidenheit aus erkannter Machtlosigkeit. La vie, c’est malheureux, ohne Speis und Trank und ohne Hoffnung, sagt der wütende Mann aus Zentralafrika.

  • Ted Kartheiser sagt:

    „Moral Hazard“ Verhalten wohin wir auch kucken!
    Wenn Wirtschaftsanalysen amoralisch sein sollten, müssten wir Handelnden auch amoralisch sein.
    Michael Jensens Principal- Agent Theorie sowie Joseph Stieglitzs Ansatz der „Assymetric Information“ zur Erklärung unvollkommener Märkte sollten uns Anlass genug sein, neben den Zahlen, den amoralischen, auch die Beweg- und Hintergründe zu analysieren, auf denen unser Marktverhalten von morgen basiert.
    Wieviel „moral hazard plays“ der bankrotten Staaten, Banken und all jenen, die aus Geld Geld machen, verträgt der Markt? Wie viele wunschfreie Strategiesitzungen habe ich wohl mitgemacht, vollgestopft von wert-orientierten Managementtheorieen, gepredigt an den Unis von Zürich, Paris und sonst wo in der Welt? Keine!
    Danke Euch allen für die Denkanstösse.

  • Urs sagt:

    Ohne Ethik und MOral und Ideologie wird es wohl schwierig, zumal die Oekonomie selber eine Unwissenschaftliche Angelegenheit ist. Wir handeln ja auch aus ethisch moralischen Gründen und unser empfinden für GErechtigkeit hat ebenfalls dort seine Wurzeln… der andere Teil wird dann von individuellen Charaktereigenschaften abgedeckt…

    Als Beispiel für Moral ein anderer Artikel hier im TA in dem über einen jungen Mann berichtet wird der aus unachtsamkeit von einem Baum ins Wasser gesprungen ist und nun Hilfe braucht welche die Versicherung verweigert…
    Schreibt da ein Komentator etwas von einer „Airbag Gesellschaft“ und das halt jeder selber aufpassen muss und eigentlich der Verunfallte selber Schuld ist. Dafür werden noch viele positive Punkte verteilt…

    Das andere Beispiel ist das von den 3 Kindern die an einem Tsich sitzen. Auf dem Tisch hat es Kekse drauf und Kind 1 und 2 nehmen sich je eines, Kind 3 nimmt sich den Rest… früher hätte man Kind 3 wegen dessen schlechtem benhemen gemassregelt und heute wird so was noch bejubelt…

    Mein Eindruck ist der, das die heutige Oekonomie zu oft von Kind 3 ausgeht anstatt von Kind 1 und 2… und das Meinungen bejubelt werden wie die von der „Airbag Gesellschaft“….

    • ast sagt:

      @Urs Ihre Einschätzungen teile ich, auch aus eigener Erfahrung. Weil sich die angeblich so gute Schweizer Versicherung für Behinderte weigert trotz Versicherungsschutz (und objektivierbarer Erkrankung) faire Leistungen zu erbringen, habe ich 90% meiner früheren finanziellen Leistungskraft eingebüsst. Obwohl meine Krankheit durch eine Nervenfaser-Biopsie bestätigt wurde, weigerte sich der Medas-Gutachter den Bericht auch nur zu erwähnen. Reklamationen an die IV versickerten in deren Untätigkeit .die Bürokratie dort ist genauso korrupt wie in Griechenland.
      Dies macht sich natürllich in meinen Konsumauslagen bemerkbar, ich gehöre nicht mehr zu den Menschen welche ein positives Saldo zum Wachstum beitragen können.
      Das grösste moderne Raubrittertum beruhte allerdings auf bis vor Kurzem völlig legalen Kanälen, so zum Beispiel Steuersenkungen für Reiche, sowie die Möglichkeit via Tochtergesellschaften oder Schwarzgeldern der eigenen Nation Milliarden an Steuern zu entziehen. Nachdem die Reiche nun noch reicher geworden sind, hat man sie zu unsinkbaren Schiffen erklärt und die sogenannte Quantitative-Easing Druckerei der Notenbanken druckt nun exklusive für Reiche Geld. Wäre es anders, so würde man dies in erhöhter Inflation bemerken. Die Analogie mit Kind 3 als bevorzugte Person nennt man Sozialdarwinismus, was heute wieder so verbreitet ist wie vor dem zweiten Weltkrieg.

      • ast sagt:

        Anmerkung: Die Grundlagen zum grössten Raubzug in der Geschichte wurde mit der Schaffung von Fiat Money geschaffen, dass dann durch Richard Nixon durch die völlige Entbindung an zuvor vertraglich zugesagter Konvertabilität des US$ zu Gold geschaffen. Seither können durch die Eliten Schulden in beliebiger Höhe gemacht werden, man muss einfach Geld nachdrucken. Die Politik hat diesen Raubzug auch noch international fest genagelt, denn der IWF Beitritt konnte nach Nixon nur noch erfolgen, indem man auf die Bindung der eigenen Währung an Gold vertraglich verzichtete. Demnächst dürfte die USA die Schuldenobergrenze völlig aufgeben, wenn die Vorlage des abtretenden Finanzministers Geithner im Kongress durchkommt. Bisher war die Schuldenobergenze noch der letzte Strohhalm an Konvergenz zu den in unbekannter Höhe verbliebenen Goldvorräten der USA in Newyork und Fort Knox. Angeblich habe der Orkan in NewYork den Zugang zu den Lagern für Monate verunmöglicht, so dass auch ausländische Vorräte derzeit nicht überprüft werden können.

      • Thomas sagt:

        @ ast

        Ich kann Ihre Frustration über das hinterhältige Vorgehen, vor allem der öffentlichen Institutionen mehr als gut nachvollziehen.

        Trotzdem scheint mir, dass Sie die Selbstverantwortung jedes Einzelnen ablehnen, und eine diffuse „Gemeinschaft“ in die Pflicht nehmen möchten, für die Entscheide, die der einzelne trifft. Das ist zwar bequem für den Einzelnen, entmündigt und entmenschlicht ihn aber letztlich.

        Wenn „die Gemeinschaft“ letztlich die Konsequenzen tragen muss, dann wird „die Gemeinschaft“ auch entscheiden, was Sie tun dürfen, und was nicht. Im Extremfall wird man Sie physisch daran hindern, etwas riskantes zu tun. Am Ende sind Sie so frei wie ein Tier im Zoo.

        Tolle Aussichten.

        • ast sagt:

          „Trotzdem scheint mir, dass Sie die Selbstverantwortung jedes Einzelnen ablehnen“.

          Verantwortung ist eine Begriff der selbst auf der Wikipedia eine sehr lange Seite füllt http://de.wikipedia.org/wiki/Verantwortung

          Der Begriff Bewusstsein füllt ebenfalls ganze Bücherregale, bis hin zu ziemlich komplexen juristischen Werken über das Wort Schuld -im Zusammenhang mit Bewusstsein und Verantwortung. Ich sagte, man muss auf jeden Fall zuerst genau analysieren, bevor man einem Menschen zutraut bei vollem Bewusstsein eine Tat begangen zu haben.

    • Fabian sagt:

      Sorry Urs, aber bitte zitieren Sie den Artikel genau. Dieser „arme“ junge Mann ist sehr absichtlich (!!) (und nicht aus Unachtsamkeit) von einem Baum ins Wasser gesprungen und zwar ohne, dass er sich vorher vergewissert hat, wie tief das Wasser an der betreffenden Stelle ist. Nebenbei, auch wenn er aus Unachtsamkeit reingefallen wäre: Was macht ein 20 Jähriger auf einem Baum, nein, auf einem Ast über dem Wasser???? Wollte er sich wie unsere Vorfahren fühlen und als Äffchen auf den Bäumen rumturnen?
      Gegen Dummheit kann man sich nicht versichern lassen und das ist für die Allgemeinheit auch gut so. Insofern ist die Ökonomie sehr moralisch, weil rational.

      • Urs sagt:

        ..Ich habe nicht den Artikel zietiert sondern einen Kommentar den ich genauso abstoosend finde wie die positiven Bewertungen dazu. Nochmal, für was braucht man eine Versicherung wenn diese ad hoc so quasi pseudorational nach gut dünken entscheidet was versichert ist? So was ist völlig unbrauchbar…

        Sie versuchen hier einen Vorgang, einen Unfall, zu rationalisieren der es nicht sein kann. Das einzig rationale am Baumbesteigen, ins Wasserfallen und gelähmt zu sein wäre ein Vorsatz… und der kann wohl nach herkömmlichen Masstäben ausgeschlossen werden… der junge Mann ist wohl kaum ins Wasser gesprungen um für den Rest des Lebens im Rollstuhl sitzen zu dürfen…

        …das mit dem Aeffchen soll unkommentiert bleiben… ist besser so….

        Das etwas moralisch ist weil es als rational eingestuft wird ist mir zu weit hergeholt. Der Mensch mit seinem unendlichen Bedürfnis nach rationalem Verhalten und doch basiert der grösste Teil unseres Lebens auf Glauben da wir nicht in der Lage sind alles zu ratifizieren…

      • ast sagt:

        @Fabian, wenn auch Ihr Argument im ersten Moment logisch erscheint, so muss jeder Fall genau abgeklärt werden. So waren zum Beispiel in den USA Klagen gegen die Tabak-Industrie zuletzt verschiedentlich erfolgreich. Wenn jemand süchtig (gemacht wurde) so kann ihm ein bestimmtes Mass an Verantwortlichkeit nicht mehr zugesprochen werden. Was die Kletterei anbetrifft, auch hier muss man sich fragen in wie weit Hormone zu riskantem Verhalten derart beitragen, dass gewisse Menschen für ihr Risikoverhalten beim Sport etwas dafür können (zumal die Werbung viele Menschen auch noch zu riskantem Verhalten verführt). Es gibt eine ganze Palette von Risikofaktoren, die im täglichen Leben zu einem Verhalten führen dem man nicht gewachsen ist. Ein Fehlverhalten welches zur Selbstverletzung führt muss per se zuerst die Frage gestellt werden ob hier nicht Ursachen zu Grunde liegen welche Mitverantwortlichkeit der Gesellschaft, eines raffinierten Verkäufers oder einer raffinierten Verführung beinhalten.

        • ast sagt:

          PS: Oftmal haben Versicherungen in ihren Prämien solche Risiken durch bewusstseinsfremde Faktoren in ihren Prämien bereits mit einkalkuliert, zum Beispiel den Unterschied zwischen Jung und Alt, Mann und Frau, Herkunft aus bestimmten Ländern -beim Autofahren.

    • Thomas sagt:

      @ Urs

      Leider versauen Sie sich mit ihrer gedankenlosen Bemerkung ihren ansonsten bedenkenswerten Beitrag.

      „zumal die Oekonomie selber eine Unwissenschaftliche Angelegenheit ist“.

      Kein einziges Thema ist per se wissenschaftlich oder unwissenschaftlich. Es kommt darauf an, wie man das Thema bearbeitet. In der Medizin oder Physik (zB Stringtheorie…) wird an Unis viel unwissenschaftlicher Unfug, basierend auf reinen Glaubensartikeln und dem Nachbeten der unbelegten Vorurteile des jeweiligen Professors gemacht.

      Auch UFO’s und Telepathie kann man wissenschaftlich untersuchen, wenn man sich an die Regeln hält: Transparenz, offenlegen der Thesen, unabhängige Überprüfung etc.

      Ökonomie befasst sich mit der Funktionsweise des Wirtschaftssystems, einer hochkomplexen und dynamischen Angelegenheit. Das kann man wissenschaftlich tun (dann muss man sich zwangsläufig auf gewisse Ausschnitte beschränken und die Aussagen sind nicht sehr allgemeingültig, können aber helfen, gewisse Zusammenhänge besser zu verstehen. Etwas ganz anderes ist, was Politiker und Journis aus solchen Teilergebnissen machen.

      Wer solche undifferenzierten Bemerkungen, wie die oben zitierte, absondert, zeigt damit nur, dass er (a) nichts von Wissenschaft versteht und (b) nicht willens oder in der Lage ist, differenziert zu Denken. In einem Blog wie NMTM disqualifiziert man sich damit.

      • Joe Wegmüller sagt:

        Es gibt eine sichere Prognose in der Wirtschaft, nämlich die, dass ihre Prognosen fast immer scheitern.

        Nimmt man ein Lehrbuch der Ökonomie zur Hand, so wird man darin viel Mathematik finden. Wir stehen also vor der Paradoxie, dass eine exakt formulierte Wissenschaft – die Ökonomie – in ihrer praktischen Anwendung alles andere als exakte Ergebnisse erzielt. Paradigmen lenken das Denken der Ökonomen auf eine Weise, die sie einerseits veranlasst, unentwegt mit mathematisch exakten Modellen zu rechnen und Prognosen zu erstellen, andererseits aber mit ebensolcher Regelmässigkeit sich den Vorwurf gefallen lassen muss, dass die aus diesen Modellen entwickelten Prognosen falsch sind. Dieser Rahmen (Paradigma), der nicht hinterfragt wird, ist die Mechanik. Ökonomische Modelle sind – in einem weiteren Sinn – mechanische Modelle. Hätte die Physik mit ihren Prognosen einen solchen Erfolg, so würde kein Flugzeug fliegen oder keine Mars-/Mondlandung möglich sein und keine Sonnenfinsternis voraussagbar sein. Soviel zur Wissenschaftlichkeit der Ökonomie.

        Und die Ökonomen? Sie prognostizieren Wirtschaftsverläufe, beraten Regierungen oder lenken indirekt die Massnahmen der Geldpolitik. Am Ende erweisen sich Prognosen nachweisbar als falsch; verkehrte Massnahmen wurden ergriffen, vielleicht gehen Firmen in Konkurs und viele Menschen stehen auf der Strasse.

      • Urs sagt:

        @Thomas; Ich bin mir nicht so ssicher was den nun die Antwort genu bezwecken soll. ich dachte das in einem Blog wie dem hier ein Satz wie “zumal die Oekonomie selber eine Unwissenschaftliche Angelegenheit ist” von den meisten heir verstanden wird…

        Das Thema wird hier ja nicht zum erstenmal angesprochen. Ich hab das nur nochmal erwähnt weil ich einen Kontext zum vorhergesagten herstellen wollte… Ein Satz sollte dazu eigentlich ausreichen… nun versuchen Sie mir in 5 Paragraphen zu erklären was ich in einem Satz mittteilen wollte…

        Zudem, gehen viele wenn nicht gar die meisten von uns aus das wegen der teilsweise äusserst geschliffenen Sprache der Oekonomen und den sehr logisch daherkommenden Zusammenhängen , ja das eben die Oekonomie eine Wissenschaft ist…

        Man hängt so quasi an deren Lippen und die können erzählen was sie wollen… nicht böswillig, aber Ideologisch geblendet. Hier und heute die Neoliberale Ideolgie die ich bereits als Verbrechen an der Menschheit klassifiziere…

        Dann steht da weiter unten „persönliche sozialistische Gewichtung“ und „von den verteilungsfreudigen Sozialisten aber“… und da erkenn ich beim besten Willen keine Befreiung von Ideologie. Gut erkennbar die darin enthaltene Ethik….

        Dann folgt noch weiter unten „Die Ökonomie als Wissenschaft befasst sich lediglich mit der Frage, wie ein Wirtschaftssystem funktioniert. Für mich viel interessanter aber ist die Frage „warum funktioniert ein Wirtschaftssystem so wie es sich uns darstellt?“

        Die Frage des „wie“ wird wohl ungleich schwieriger zu beantworten sein als die Frage das „warum“…

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