Drei Grundregeln der Währungspolitik

Währungspolitische Diskussionen werden immer sehr hitzig geführt: Franken-, Dollar-, Euronoten und Gold. (Foto: Keystone)

Währungspolitische Diskussionen werden immer sehr hitzig geführt: Franken-, Dollar-, Euronoten und Gold. (Foto: Keystone)

Wo man hinschaut, überall wird über die Vorzüge von fixen und flexiblen Wechselkursen diskutiert. In Australien, Kanada, Neuseeland, Norwegen und Schweden sorgt man sich über den Aufwertungsdruck, in Hongkong fragt man sich, ob man weiterhin an der Bindung an den US-Dollar festhalten soll, und in der Schweiz wird immer wieder an der Untergrenze gegenüber dem Euro gezweifelt.

Wie soll man sich in der Diskussion positionieren? Ich empfehle, dass man sich an drei Grundregeln orientiert.

Erste Grundregel: Jedes Währungssystem hat gravierende Nachteile. In der Ökonomie (und im Leben allgemein) gilt zwar immer, dass man in Trade-offs denken muss, d. h. dass man Vor- und Nachteile einer Entscheidung sorgfältig gegeneinander abwägt. Jede Entscheidung hat Kosten. Aber in der Währungspolitik sind die Kosten und Nachteile jeder Variante besonders hoch. Ein fixes Währungssystem schränkt die Handlungsfreiheit der nationalen Wirtschaftspolitik stark ein. Ein flexibles Währungssystem ist in Krisenzeiten anfällig für schnelle und grosse Wechselkursverschiebungen. Besonders für kleine Länder ist diese Verwundbarkeit problematisch. Es kann dazu führen, dass die Zentralbank es für besser hält, temporär eine Untergrenze einzuführen wie zum Beispiel die Schweiz 1978 und 2011.

Die Wahl eines Währungssystems muss sich deshalb immer an den Nachteilen orientieren, nicht an den Vorteilen.

Die zweite Grundregel: Es gibt nur eine beschränkte Anzahl von Varianten. Im Gegensatz zur Altersversicherung, wo man immer wieder neue Revisionen beschliessen kann, ist das Angebot bei der Währungspolitik sehr beschränkt. Entweder ist ein Land Teil der Eurozone oder nicht, und sobald es dem Euro beigetreten ist, kann es nicht so leicht wieder austreten. Umgekehrt gibt es hohe Hürden für ein Land, den Euro einzuführen oder die Währung an den Euro zu binden, wie es Dänemark tut. Selbst bei der Einführung einer temporären Untergrenze kann der Exit schwierig sein, wie wir zurzeit beobachten können. 1978 war es einfacher, weil sich die D-Mark schnell wieder erholte, während der Euro ein unsicherer Kandidat bleibt.

Die Idee, ein bestimmtes Währungssystem zu wählen und dann später zu schauen, wie das herauskommt, ist deshalb äusserst gefährlich. Wenn ein Land sich in der Währungspolitik entscheidet, muss es davon ausgehen, dass es auf unabsehbare Zeit damit leben muss.

Die dritte Grundregel: Demokratie und fixe Wechselkurse sind schwierig miteinander zu vereinbaren. Wenn ein Land dem Euro beitritt oder seine Währung an andere Währungen bindet, verzichtet es auf eine eigenständige Geld- und Währungspolitik. Damit sind diesem Land in einer grösseren Krise die Hände gebunden, was zu grossen politischen und sozialen Spannungen führen kann. In den westlichen Ländern hat sich deshalb im 20. Jahrhundert, als sich das allgemeine Wahlrecht durchsetzte, eine klare Tendenz in Richtung flexible Wechselkurse gezeigt. Die Devise lautet: Lieber abwerten oder etwas Inflation generieren, als einen Zerfall der inneren Ordnung riskieren.

Wenn ein demokratisches Land also einen fixen Wechselkurs oder eine Einheitswährung einführt, muss es sich sehr gut überlegen, ob sich die Aufgabe einer eigenständigen Geld- und Währungspolitik zugunsten von anderen Zielen lohnt.

Es sind also drei Fragen, die ein Land beantworten muss, bevor es eine Entscheidung trifft:

  1. Welches System hat weniger Nachteile als die anderen?
  2. Können wir auf unbestimmte Zeit mit diesem System leben?
  3. Lohnt es sich, die Demokratie zugunsten von anderen Zielen einzuschränken?

Alle drei sind ungemütliche Fragen, weswegen währungspolitische Diskussionen immer sehr hitzig geführt werden. Aber wer ihnen ausweicht, läuft Gefahr, grosse Fehlentscheidungen zu treffen.

50 Kommentare zu «Drei Grundregeln der Währungspolitik»

  • Dollar in Argentinien ist ein Spiel zwischen der Regierung und der Firma. Sie machen den Dollar-Blau geht rauf und runter. Menschen sollten Sie Ihre dollares verkaufen auf dem illegalen Markt. (http://valordeldolarblue.com.ar/)

  • Linus Huber sagt:

    Off topic aber sehr interessant in Bezug auf die groesseren Zusammenhaenge der heutigen Situation ein Interview des Economists

    http://www.livestream.com/theeconomist/share?clipId=pla_36cbc150-b893-4af6-b820-0570d08fd4da&utm_source=lsplayer&utm_medium=ui-share&utm_campaign=theeconomist&utm_content=theeconomist

  • ast sagt:

    Das Betreiben von Währungspolitik mit unseren Fiat-Money Währungen ist ein Spiel das am Besten nur noch mit gezinkten Karten läuft. Damit meine ich, der Wert aktueller Papierwährungen ist generell überbewertet gegenüber Rohstoffen. Der Wert unserer Währungen beinhaltetdie Illusion der Rückzahlbarkeit der angehäuften Schulden, was mathematisch unmöglich ist.

    Anstelle manipulative Währungspolitik zu betreiben wäre es weltweit extrem wichtig und notwendig eine massive Umverteilung bei der Wertschöpfung vorzunehmen. Die Finanzindustrie besitzt einen viel zu hohen Wertschöpfunggrad gegenüber zum Beispiel der Landwirtschaft. Wussten Sie dass das Durchschnittsalter eines Landwirts in den USA und Australien nur 58 Jahre beträgt, in Japan sogar 66 Jahre. Das kommt daher dass etwa die Suizidrate bei Landwirten extrem hoch ist, in England derzeit dramatisch.

    Es ist auch aus Sicht des Schutzes unserer Demokratien notwendig, die Ungleichheit bei den Einkommen zu bekämpfen die inzwischen das Ausmass eines organisierten Raubes durch unsere Eliten angenommen hat. In Deutschland, der angeblich stärksten Wirtschaftsnation in Europe lebt jeder 5. Detsche in Armut und in den USA sind heute 45 Millionen Menschen nur noch mit Lebensmittelmarken überlebensfähig. Rohstoffe wie Gold. Silber etc. sind um Faktoren unterbewertet und manipuliert, weil inzwischen diese Rohstoffe durch „Papiergold“ inflationiert ist. Es gibt gar nicht so viel dieser Rohstoffe wie an der Börse gehandelt, überall sehe ich Betrug und mafiose Organisationen am Werk die zum Beispiel aus einer Unze 100 Papierunzen machen. Die Wirtschaft läuft nur noch weil der Betrug Weltweit institutionalisiert wurde, aber das geht nur noch indem man den Superreichen die Stiefel leckt und den Arbeitern die Löhne immer tiefer drückt, die Schulden auf zukünftige Steuerzahler abschiebt. Wer macht die beste Währungspolitik? Heute wohl derjenige welcher der grösste Gauner und Betrüger ist.

    • Thomas sagt:

      Ja. Diese Stellungnahme unterschreibe ich vorbehaltlos.

      Die offene Frage ist: Und was tun wir Mehrheitsbürger aka 99%er nun? Warten bis uns die „Elite“ völlig überwacht, enteignet und versklavt hat?

      • ast sagt:

        Blicken Sie nach Ungarn, dort ist aus meiner Sicht zu erkennen worauf es auch bei uns hinaus läuft. Wie bereits in Europa zu Ende der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts, fehlt den meisten Menschen der Mut sich für Demokratie einzusetzen. Auch damals trieb eine Reihe von Finanzkrisen einen Keil zwischen die verschiedenen Bevölkerungsschichten. Währendem der materielle Verteilungskampf zu nahm bemerkten nur Wenige wie Schritt für Schritt die Mitbestimmungsrechte verloren gingen. Der „Kapitalismus“ hat sein Gesicht seit damals kaum gewandelt -im Gegenteil- die sozialdarwinistische Funktionalität des unregulierten Geldes besitzt heute noch grössere Hebel als damals.

  • Michael Schwarz sagt:

    Das System des free floating kann nur funktionieren, wenn alle Länder mitmachen. Die Realität ist es, dass die Währung vieler Schwellenländer an dem Dollar oder EUR gebunden sind, somit entsteht Ungleichgewicht zwischen den Industrie- und Schwellenländern. Dieses Ungleichgewicht kann nur beseitig werden, wenn der EUR an Dollar bindet, usw. Das schafft Stabilität und Sicherheit.

    PS: es ist gut so, dass Ben Bernanke weg ist.

  • Linus Huber sagt:

    Um noch einen kleinen Nachsatz zur Preisstabilitaet hier zu machen, ist sicherlich als eine der negativen Aspekte darin zu sehen, dass die inflationaere Geldpolitik einen langfristigen Boom-Bust Zyklus erzeugt, da sich die Menschen in Sachwerte fluechten.

    Natuerlich ist es eher negativ, wenn man sich an einen internationalen Waehrungsraum koppelt, da man dadurch die Flexibilitaet der selbststaendigen Geldpolitik abgibt und sich damit fremdbestimmen laesst in diesem wichtigen Bereiche der Nation. Ich erinnere mich noch gut an die Diskussion im SF, wo alle oekonomisch gebildeten Teilnehmer sich vehement fuer einen Mindestkurs einsetzten, waehrend ein kleingewachsener aelterer Herr (ich denke er war von Kambli) sehr verwundert war ob dieser grossen Ueberzeugung und sich bescheiden aeusserte, dass diese andern Herren wohl wissen wovon sie reden, er selber sich jedoch nicht ueberzeugt zeigte. Er spuerte wohl den Aspekt, dass solche Manipulation auch nicht vorhersehbare Nebenwirkungen erzeugen kann.

    Es besteht der Glaube, dass unsere SNB unabhaengig handelt, was eine komplete Fehleinschaetzung der Situation darstellt. Das FED, die EZB sowie die Grossbanken ueben enormen Einfluss auf die Entscheidungen der SNB aus, womit die Idee der Unabhaengigkeit eher laecherlich ist. Mit der Fixierung des Unterkurses des chf wurde im Effekt ein QE (quantitative Easing) eingefuehrt, welches hauptsaechlich der Finanzbranche diente. Geld- wie die damit verbundene Waehrungspolitik sollte der schweizerischen Bevoelkerung dienen und nicht der Elite, da die evtl. Kosten einer fehlerhaften spekulativen Manipulation in diesem Bereiche ebenfalls auf dem Buckel der Bevoelkerung landen werden. Dies ist der Grund, dass in der heutigen Situation die Geldpolitik wohl besser demokratisiert wird um legitimiert zu sein und nicht einzig Sonderinteressen dient.

  • Linus Huber sagt:

    Der Artikel zeigt eine beschraenkte Betrachtungsweise der Problematik.

    Es ist ja ziemlich einfach, die Schuld der gegenwaertigen Misere der suedlichen Staaten in der Einheitswaehrung zu orten. Es wird nicht ueberlegt, aufgrund welcher Umstaende und mit welcher Motivation diese Staaten zu guenstigen Krediten kamen, ein Umstand, welcher offensichtlich vor vielen Jahren als nicht nachhaltig einzustufen gewesen waere. Im Endeffekt und bei genauer Analyse wuerden wir die manipulative Geldpolitik der EZB sowie die falsche Einschaetzung des Kreditausfallrisikos als Grund fuer diese Entwicklung erkennen.

    Die Funktion einer Waehrung wird hier einzig auf den Wechselkurs reduziert, was natuerlich eine extreme Vereinfachung darstellt.

    Ebenfalls wird impliziert, dass Zentralbanken fuer Preisstabilitaet zu sorgen haetten, was eine laecherliche Idee darstellt, wenn man betrachtet, wie Waehrungen seit 100 Jahren dauernd entwertet werden. Preisstabilitaet wuerde einen langfristigen Werterhalt einer Waehrung bedeuten. Jedoch haben wir uns schon so sehr daran gewoehnt, mit leichter und dauernder Inflation zu leben, dass wir diese langfristige Entwertung von Waehrungen (allen voraus wohl der US Dollar) als Preisstabilitaet bezeichnen. Wirkliche Preisstabilitaet jedoch wuerde bedeuten, dass der Wert der Waehrung auch nach 20 Jahren ungefaehr die gleiche Kaufkraft aufweist.

    Das Problem in Europa liegt grundsaetzlich ja nicht in der Waehrung sondern darin, dass die Kredite nicht mehr zurueckzahlbar sind und dass die Entscheidungstraeger sich weigern, diesen Umstand anzuerkennen.

    Die Manipulation von Wechselkurses ist eine fragwuerdige Angelegenheit, da dadurch natuerliche marktwirtschaftliche Aspekte unterdrueckt werden. Ebenfalls wird heute ein weltweiter Wechselkurskrieg gefuehrt um die eigene Exportwirtschaft zu bevorteilen. Dies ist ein Grund, warum ich diese Phase als Vorreiter von Handelskriegen wahrnehme.

    ./.

    • Martin Holzherr sagt:

      Die Einheitswährung hat die Misere der PIIGS-Staaten sicher nicht per se verursacht. Sie macht es jetzt nur sehr schwer für diese Staaten wieder aus dem Schlamassel herauszukommen.
      Gut finde ich an ihrem Kommentar, dass sie hervorheben, dass Wechselkursmanipulationen für ein Währungssystem an und für sich problematisch sind. Tendenziell werden fast alle Währungen über längere Zeiträume immer schwächer und zwar gerade weil man mit Abwertungen (oder Aufwertungen) den tieferen Ursachen ujnd Problemen ausweichen kann.
      So gesehen wäre die Wiedereinführung einer Golddeckung für Währungen eine gute Idee.

  • Anh Toan sagt:

    „Lohnt es sich, die Demokratie zu Gunsten von anderen Zielen einzuschränken?“

    Nun, als schweizerisches Extrembeispiel wäre Henri Guisan zu nennen, der bei „seinem Rütlischwur“ der Ansicht war, dies lohne sich.

    Wir schränken Demokratie in vielfältiger Weise zu Gunsten von anderen Zielen ein (z.B. von Menschenrechten, Gewaltentrennung, Rechtsstaatlichkeit usw.), Demokratie ist nicht Selbstzweck eines Volkes, sondern lediglich ein Mittel um eine „gerechte“ Gesellschaft zu gewährleisten, und unterliegt damit, wie jedes Mittel, einer Kosten/Nutzen Abwägung.

    Würde Demokratie nicht zu Gunsten von anderen Zielen eingeschränkt, wäre sie Diktatur der Mehrheit!

    „Wollt ihr Demokratie oder was zu fressen?!?“

    • Linus Huber sagt:

      @ Anh Toan

      Es stellt sich immer die Frage, ob wir gewisse Prinzipien und Ideen aus Effizienzgruenden oder aus finanziellen Gruenden ueber Board werfen oder ob wir diese Prinzipien als Grundlage der sozialen Gesellschaft betrachten. Ich betrachte die Angelegenheit eher in Bezug auf die Nachhaltigkeit einer sich ergebenden Entwicklung und in Bezug auf die damit verbundenen und oft schwierig einzuschaetzenden Nebenwirkungen. Die Idee ein System oder eine Struktur aufrecht erhalten zu wollen, indem man grundlegende Prinzipien des zu rettenden Systems ausser Kraft setzt, ist in meinen Augen eine fatale und sehr kurzfristig orientierte Verhaltensweise und verletzt dadurch auch immer staerker die grundlegenden Werte einer Gesellschaft und deren Nachhaltigkeit ist daher mehr als fragwuerdig.

      • Anh Toan sagt:

        @Linus Huber: Nein, es geht darum, dass weder Demokratie, noch wirtschaftlicher Erfolg, noch pedantische Rechtsstaatlichkkeit, noch uneingeschränkte Menschenrechte eine gerechte Gesellschaft schaffen. Auch Demokratie ist kein alleinseligmachendes Instrument, die schon mystisch verklärte Sichtweise auf Demokratie geht mir auf den Sack.

        Demokratie ist nicht immer gut, und mehr davon besser, und weniger davon schlechter. Es geht nicht um Prinzipien, die angewendet oder über Bord geworfen werden, es geht darum, das jeweils richtige Mass zu finden. Es gibt nicht Demokratie und Antidemokratie, Rechtsstaat und Unrechtsstaat, darum hat mich der Satz, ob es sich lohne Demokratie einzuschränken, gestört. Selbstverständlich lohnt es sich, uneingeschränkte Demokratie wird allenfalls von Träumern und Ignoranten als erstrebenswert angesehen.

        • Linus Huber sagt:

          Natuerlich geht es nicht einzig um demokratische Werte, welche im Grunde Teil des in der Gesellschaft vorherrschenden Vertrauens spiegelt. Viele Massnahmen untergraben schrittweise das Vertrauen zwischen den verschiedenen Laendern und Voelkergruppen und dies duerfte sich schrittweise verschaerfen, aber genau aufgrund der Tatsache, dass grundlegende Werte untergraben und verletzt werden. Wenn wir uns jedoch an bestehende Regeln halten, sind die Auswirkungen offensichtlich, erklaerbar und nachvollziehbar. Die heutigen Machenschaften hingegen werden immer undurchsichtiger und produzierend zunehmend Misstrauen in der Gesellschaft. Die Motivation, sich durch persoenlichen Einsatz sich fuer die Zukunft zu wapmen, wird ebenfalls tangiert, da der Staat sich immer staerker in saemtliche Bereiche einmischt und etwelche gesparte Arbeit einfach zerstoert nach belieben. Die Unberechenbarkeit sowie das nicht nachhaltige und willkuerliche Manipulieren sind nicht die Loesung sondern werden das wirkliche Problem.

  • Marcel Senn sagt:

    Die Republik Argentinien versucht sich gerade wieder mal in währungspolitischer Voodoo-Oekonomie. Der offizielle $ Kurs ist aktuell bei 4.75, daneben gibt es einen Strassenhändlerkurs von ca. 6.40 (Arbolitos), einen Kreditkartenkurs für Käufe im Ausland (offizieller +15%), einen Miamikurs für Importe = Kreditkartenkurs plus 50% über 300$, einen Soyaexporteurekurs = offizieller minus 35% Steuern = 3, dann noch den Celeste (hellblauer) aktuell für Häuserkauf = offizieller + schwarzmarkt/2 und noch einige mehr…
    Findet man alle auf http://www.dolarblue.net/.
    Da Argentinien unter chronischem US$ Mangel leidet, 90% ihrer Devisenreserven von ca 45Mia US$ in Basel beim BIZ vor den Hedge Funds (Holdouts von 2005) gebunkert hat und die Industriedefizite und Energieimporte in US$ und nötige Oelinfrastrukturen mehr US$ fressen als mit den Agrarexporten (Soya, Mais etc) in den oeffentlichen Haushalt reinkommen, könnte es bald wieder mal eng werden in der Pampa. Geld wird ihnen ja eh von niemandem mehr geliehen (vielleicht von Chavez noch, aber der ist auch ziemlich klamm).
    Ab 1. November können auch Häuser nur noch in A$ (Arg. Peso) verkauft werden (bis anhin in US$) – das Problem beim A$ ist, dass die inoffizielle reale Inflation bei 22-25% liegt, die manipulierten offiziellen Inflationszahlen bei rund 10% und die Zinssätze auf Festgelder bei 14-17%, darum läuft die Wirtschaft doch noch einigermassen gut, weil alle ihr Schwundgeld schnell loswerden wollen.
    Und da die Importe noch massiv reguliert wurden um den Devisenabfluss einzudämmen, sind bei der World Trade Organisation die meisten Beschwerden weltweit gegen Argentinien hängig.
    Der Liebling der Präsidentin, der junge Vizewirtschaftsminister Axel Kicillof – ein Keynes Experte und Initiator der YPF-Repsol Enteignung versucht nun seine Theorien durchzuziehen. Eigentlich eine sehr interessante Fallstudie für die Oekonomen dieser Welt, mal schauen wie es sich auf dem „Planeten Argentinien“ so weiterentwickelt

  • Mark Fankhauser sagt:

    Muster von Waehrungs-Stabilisierungs-Programmen (fixe, teil-fixe Wechselkurse) (Gruben 1996):
    1) Inflation sinkt, „reale“ Wechselkurs steigt (Inflation nicht abgefedert duch nominelle Wechselkurs Bewegungen)
    2) Zahlungsbilanz verschlechtert sich
    3) fruehe Phase: Kapital Zufluss > Import boom > Kapital-Flucht
    4) Zahlungsbilanz nicht mehr finanzierbar > boom endet > Kollaps der Waherungs-Stabilisierung
    Mal schauen, ob dieses Muster auf die Schweiz zutreffen wird.

    • thomas ernst sagt:

      @Martin

      Wenn man davon ausgeht, dass der durch die SNB gestoppte Höhenflug des CHF gegenüber anderen Währungen NICHT auf realwirtschaftliche Faktoren zurückgeht, sondern durch psychologische Faktoren (Herdentrieb, Glaube an den harten Franken etc.) ausgelöst ist, braucht der von Ihnen angesprochene Zyklus nicht einzutreten.

      Die Meinungen in den verschiedenen Blogs gehen ja weit auseinander, ob es jetzt ein „Endgame“ (Mauldin) sei, oder ein ganz normaler Schweinezyklus.

      Aus der Physik wissen wir, dass Systeme, die beginnen zu oszillieren dem Untergang geweiht sind, wenn die Ausschläge laufend stärker werden. Irgendwann wird eines der kritischen Systemelemente über seine Leistungsgrenze beansprucht und versagt. Dann bricht das System auseinander (oder zusammen, je nach dem).

      Wenn man die kulturelle Entwicklung anschaut, sind einige Autoren der Meinung, dass unser von Mythen, Märchen und Glaubensartikeln dominiertes materialistisches Weltkonstrukt seine Grenze erreicht hat und nun unweigerlich durch etwas Neues ersetzt werden muss. Aus dieser Optik wären wir nun tatsächlich im „Endgame“ und die früheren Regeln und Erkenntnisse helfen nicht weiter.

  • Gian-Carlo Amrein sagt:

    An den Autor: Erst sprechen Sie von Australien, Kanada, Neuseeland, Norwegen und Schweden, von der Schweiz dann ein bisschen allgemein über Währungspolitik, über Grundregeln, plötzlich geht es ganz konkret um den Euro und zum krönenden Abschluss haben wir die Lösung für all unsere Währungsprobleme mit drei einfachen, simplen Fragen beantwortet. Haben Sie diesen Artikel Ihren Kollegen gezeigt, bevor er online gestellt wurde?

    • Thomas ernst sagt:

      @ Gian-Carlo

      Haben Sie ausser der sinnfreien Polemik gegen den Blogautor auch was Inhaltliches zu bieten?

      • Gian-Carlo Amrein sagt:

        @ Thomas ernst

        Hier meine Meinung, ohne sinnfreie Polemik und Provokation 😉

        1. Nachteile abwiegen? Ist es nicht so, dass China seinen VORTEIL aus seiner künstlich tief gehaltener Währung zieht? In den USA gibt es ein Quantitative Easing nach dem anderen, was die Währung schwächt, folglich um sich einen WettbewerbsVORTEIL für die Exportindustrie zu sichern? Möchte sich die Schweiz nicht einen VORTEIL sichern indem der Wechselkurs fixiert wird? Also bitte sagen Sie mir wer denn hier die Nachteile abwiegt?

        2. Auf unbestimmte Zeit damit leben? Ich denke es ist jedem klar, dass man sein Währungssystem nicht jeden Tag ändern kann. Und keiner würde ein Währungssystem einführen, wenn er nicht davon überzeugt ist, dass es funktioniert. Aber zu wissen, dass man auf unbestimmte Zeit damit leben kann, ist unmöglich, noch kann keiner in die Zukunft sehen. Ja klar, im Nachhinein ist jeder schlauer.

        3. Einschränkung der Demokratie? Die Nationalbank muss (theoretisch) unabhängig von der Politik für ihre Hauptaufgabe, die Preisstabilität sorgen. Preisstabilität ist die Basis für den Wohlstand einer Nation und deren Demokratie. Wechselt eine Nationalbank Ihre Strategie in der Währungspolitik, dann im Normalfall um die Preisstabilität und somit Wohlstand und Demokratie weiterhin zu gewährleisten.

        Was mich an dem Artikel stört ist, dass er versucht ein wahnsinnig komplexes Thema mit drei einfachen Grundregeln, welche ohne umfangreiche Analyse oder Studie erstellt wurden, zu banalisieren. Dabei hätte man bereits bestehende Regeln wie Preisstabilität, Sicherung des Wohlstandes, Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit für passende Argumente nutzen können.

        Ich schätze die Denkweise des Autors ist darauf ausgerichtet alles mögliche vermeiden zu wollen, während meine Denkweise darauf aus ist etwas erreichen zu wollen. Und: Der Versuch mit einigen wenigen Beispielen aus jüngster Vergangenheit die Plausibilität für seine Grundregeln zu gewährleisten, ist ebenfalls pure Polemik.

        • thomas ernst sagt:

          Danke. Da hat’s ja tatsächlich einige valable Überlegungen drin.

          Lediglich beim Punkt „unbestimmte Zeit“ verweise ich auf den Unterschied zwischen „unbestimmt“ und „ewig“. Möglicherweise wäre die korrekte Bezeichnung „auf absehbare Zeit“.
          In einem gewissen Sinne ist die Situation ja ähnlich wie beim Heiraten: Der Weg zurück ist viel steiniger, als der Weg in die Ehe. Auch beim Heiraten gehen die Partner normalerweise davon aus, dass die Bindung „auf unbestimmte Zeit“ dauern wird. Aber alle wissen, dass das nicht ewig ist…

        • Martin Holzherr sagt:

          @Gian-Carlo Amrein: Meiner Ansicht geht es dem Autor vor allem um die Frage, was für und was gegen eine eigene Währung und Währungspolitik spricht. Offensichtlich hält der Autor die Währungssouveränität für wertvoll und er spricht sogar davon, dass im 20.Jahrhundert der Trend zu mehr Währungssouveränität geht
          Die Beispiele die sie unter Punkt 1) anführen wie China, USA, Schweiz mit ihren je eigenen „Manipulationsversuchen“ unterstützen alle die These des Autors, dass nämlich eine eigene Währung zusammen mit Inteverventionsmöglichkeiten dem Land mehr aktive Reaktionsmöglihchkeiten auf wirtschaftliche Probleme gibt als es eine reine Anpassung bringen würde. Zum Punkt 3) Die Nationalbank handelt zwar unabhängig von der Politik letztlich aber – so nehmen alle an – im Interesse des Landes, in dem die Nationalbank steht.

          Der Punkt, den sie erwähnen, die „Preisstabilität“, ist übrigens nur hier in Europa das Hauptziel von Nationalbanken. In den USA war es schon immer auch ein Ziel des FED, die Wirtschaft am Laufen zu halten und mehr Jobmöglichkeiten zu erzeugen.

          Für mich ist die Aussage des Artikels: Eine eigene Währung mit flexiblen Wechselkursen hilft dabei auf problematische Situationen so reagieren zu können , dass der demokratische Zusammenhalt gewährleistet bleibt.

          • Gian-Carlo Amrein sagt:

            @Martin Holzherr: Nun, dem Autor geht es um folgende Frage: Wie sollen sich Australien, Kanada, Neuseeland, Norwegen, Schweden, Hongkong und die Schweiz verhalten. Wir reden von unabhängigen Staaten mit einer eigenen Währung, die sich, wegen des Aufwertungsdrucks der eigenen Währung, entscheiden müssen, ob sie ihre Währung an eine andere, grössere Währung binden sollen, so wie es die Schweiz oder Hongkong aktuell macht. Er gibt uns drei Grundregeln um uns in der Diskussion „welche Währungspolitik soll man betreiben“ zurechtzufinden.

            1. Welches System hat weniger Nachteile als die anderen?
            2. Können wir auf unbestimmte Zeit mit diesem System leben?
            3. Lohnt es sich, die Demokratie zugunsten von anderen Zielen einzuschränken?

            In der ersten Grundregel redet der Autor von Vor/- und Nachteilen einer fixen resp. flexiblen Währungspolitik wobei er zum Schluss kommt, dass man die Nachteile abwiegen muss. Meiner Meinung nach geht es hierbei um die Nationalbankziele Preisstabilität, Sicherung des Wohlstandes. Letztendlich möchte jeder Staat seine Wettbewerbsfähigkeit schützen.

            In der zweiten Grundregel spricht der Autor die Langfristigkeit einer Strategie an, welche aus einer Entscheidung entstehen kann. Können wir wirklich wissen ob wir auf unbestimmte Zeit mit einer Währungspolitik leben können? Können wir die möglichen Folgen aus der Vergangenheit ableiten oder befinden wir uns aktuell nicht in einer völlig neuen noch nie dagewesenen Situation wieder? Die beste Alternative wählen, probieren und hoffen, genau das ist es was momentan geschieht.

            In der dritten Grundregel spricht der Autor über die Probleme von Demokratie und fixem Wechselkurs und bezieht sich dabei auf die EU. Man darf nicht vergessen dass die EU ein sehr junger Staatenverbund ist. Die Schweiz als föderalistischer Staatenbund zeigt dass ein Zusammenschluss prima funktionieren und mehr Vorteile als Nachteile mit sich bringen kann, inkl. Einheitswährung.

          • Martin Holzherr sagt:

            @ Gian-Carlo Amrein: Sie schreiben zu Punkt 3) die EU sein ein junger Staatenverbund und wie CH zeige, könne ein föderalistischer Staatenbund prima funktionieren inklusive Einheitswährung.
            Das stimmt grundsäztlich. Der föderale Zusammenschluss in der EU scheint mir aber weit von demjenigen der Schweiz, der Bundesrepublik oder den USA entfernt. Welche EU-Länder haben nicht nur gemeinsame Interessen, sondern kooperieren auch langfristig? Momentan tun das nicht einmal Deutschland und Frankreich.
            Deshalb die Frage an sie: Wieviele Jahre kann ihrer Meinung die Euro-Krise weitergehen: 5, 10 oder 20 Jahre. Und wenn diese x Jahre bedeuten würden, dass die Jugendarbeitslosigkeit in den PIIGS-Ländern x Jahre lang 30% und mehr beträgt. Wäre es das immer noch wert? Weil doch ein vereintes Europa entsteht?
            Ich behaupte: Die Eurozone (und nicht etwa die EU) ist ein Schöwetterkonstrukt. Es gab bis jetzt noch kaum tragfähige Entsicheidungen, die die Zukunft des Euro entscheidend gesichert und verbessert hätten und falls Frankreich in 1 bis 2 Jahren in den gleichen Strudel gerät wie Italien, dann ist es vorbei mit der Eurozone.

          • Gian-Carlo Amrein sagt:

            @Martin Holzherr: Da fehlt aus unerfindlichen Gründen der „Antwort-Button“ unter ihrem letzten Beitrag, also antworte ich hier.

            Ich denke es bringt nichts gegen die EWU zu wettern. Eine Auflösung würde nur die Frage, wer wem wieviel schuldet, vom Zaun treten. Die PIIGS Staaten würden sich trotz Währungsreform möglicherweise nicht oder nur sehr schwer refinanzieren können, die Arbeitslosigkeit würde noch höher steigen, nationale möglicherweise gewaltsame Proteste wären nicht ausgeschlossen. Durch die riesigen Abschreibungen der PIIGS Schulden würde Frankreich und wahrscheinlich auch bald Deutschland ins Visier der Ratingagenturen geraten. Was das bedeutet wissen wir mittlerweile nur zu gut. Einfach gesagt, steigt einer der Mitglieder aus, besteht eine grosse Wahrscheinlichkeit, dass eine riesige finanzielle Kettenreaktion ausgelöst wird. Man erinnert sich an Leman Brothers.

            Also gehen wir davon aus, dass die EWU noch einige Zeit bestehen bleibt, respektive es ist die günstigste und risikoärmste Alternative. Aufgabe der EU in den nächsten Monaten bleibt die Beruhigung der Märkte und die Vermeidung innerpolitischer Konflikte. Die Einigkeit der EU Länder ist die Grundvoraussetzung für den nächsten Schritt, die Bankenunion. Soviel ist bisher bekannt.

            Noch völlig ungeklärt ist die Frage wie die EU gedenkt die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Da man in letzter Zeit einges über die verloren gegangene Industrie in Europa gelesen hat, dürfte die Forderung an China seine Währung aufzuwerten, während der Euro weiter fallen wird, nicht allzu fern sein. China ist gemäss letzten Meldungen bestrebt die eigene Binnennachfrage zu stärken und von der exportorientierten Wirtschaft Abschied zu nehmen. Ich denke Europas Ziel sollte ein nachhaltiger europäischer Binnenmarkt sein, der sich auf den Wachstum in Osteuropa konzentriert.

            Was denken Sie über die Zukunft Europas?

          • Thomas ernst sagt:

            @ Gian-Carlo

            Wenn Sie kein Sanktionsmittel mehr haben, weil ein Ausschluss oder ähnlich explizit ausgeschlossen wird – wie wollen Sie denn noch Einfluss nehmen?

            Der EUR ist inzwischen ein Selbstbedienungsladen für Griechen, Banken und Hedgefonds…

          • Gian-Carlo Amrein sagt:

            @Thomas ernst: Der Einfluss für strukturelle Reformen in den Krisenländern geschieht durch den zunehmenden Druck durch EU-Rat, die Presse und die Bevölkerung. Auf Dauer zerstört dieser Druck allerdings das Zusammengehörigkeitsgefühl der EU-Staaten, die Bevölkerung macht das nicht ewig mit. Deshalb ist es meiner Meinung nach von enormer Bedeutung, dass auch positive Signale gesendet werden. Das Wegkommen von der reinen Austeritätspolitik ist hierfür ein bedeutender Schritt. Ebenso, dass schlicht und einfach mehr Zeit gewährt wird. Aber es ist zu wenig. Die EU sollte sich endlich Gedanken darüber machen wie man Jobs schafft. In den USA ist das, das Thema Nummer eins. Vielleicht sollten sich europäische internationale Grossfirmen mit der Frage beschäftigen, dass Nachhaltigkeit in Europa, nicht mit der Auslagerung von Stellen nach Asien erreicht wird. Aktionäre sollten sich mit ihrer Rendite befassen, sind 5-10% im aktuellen Umfeld überhaupt gerechtfertigt? Vielleicht sollten sich europäische Konsumenten selbstkritischer hinterfragen was sie kaufen, woher es kommt oder wo man seine Ferien verbringt. Wo ist der europäische Patriotismus? Ist die Politik nicht fähig sowas wie einen positiven Euro-Hype auszulösen?

          • Thomas sagt:

            @Gian-Carlo

            „Wo ist der europäische Patriotismus?“

            Ihre Aussage zeigt mir, dass Sie die Situation völlig falsch einschätzen. Die USA wurde von Einwanderern auf Kosten der Ureinwohner aufgebaut, hat eine einheitliche Sprache und die Bevölkerung hat (neben allen Differenzen) ein starkes Gefühl, „Amerikaner“ zu sein. Also nicht primär Floridaner oder Kansasser oder Oregoner.

            Das ist in Europa völlig anders. Die Griechen verstehen sich primär als Griechen, erst dann (vielleicht) als Europäer. Die kulturelle Entwicklung eines Pan-Europäischen Einheitsgefühls hat noch nicht einmal ansatzweise begonnen. Diejenigen, welche sich heute als Turbo-Europäer gerieren sind jene, die sich davon persönlich Macht, Geld und Prestige versprechen. Die Bevölkerung sieht primär die Kosten, die Vorschriften, die Einschränkungen, die Brüsseler Arroganz.

            Der Euro könnte nur funktionieren, wenn Europa eine einheitliche Wirtschaftszone wäre (wurde in NMTM schon diskutiert). Diese könnte sich bilden, wenn sich eine dominierende Einheitssprache durchsetzen könnte und die Mentalitäten sich angleichen.

            Ihr technokratischer Ansatz kann daher heute nicht funktionieren. Der EUR wird also entweder die Demokratie in Europa zerstören, oder die EU.

          • Martin Holzherr sagt:

            @Gian-Carlo Amrein: Ich teile ihre Ansicht, dass der Euro vor allem darum noch weiterbesteht, weil die unmittelbaren Folgen einer Auflösung der Eurozone fatal wären. Sie schreiben hierzu: “ Durch die riesigen Abschreibungen der PIIGS Schulden würde Frankreich und wahrscheinlich auch bald Deutschland ins Visier der Ratingagenturen geraten. .. Einfach gesagt, steigt einer der Mitglieder aus, besteht eine grosse Wahrscheinlichkeit, dass eine riesige finanzielle Kettenreaktion ausgelöst wird.“
            Doch die kürzlich von Frankreichs Präsident Hollande geäusserte Ansicht, das schlimmste an der Euro-Krise sei schon vorbei, teile ich nicht. Vielmehr steht das Schlimmste noch bevor, nämlich zunehmende Probleme Frankreichs infolge seiner schwindenden Wettbewerbsfähigkeit, die jetzt schon 20% hinter derjenigen Deutschlands liegt. Und Frankreich unternimmt nichts um diese Entwicklung umzukehren.
            Ich erwarte also, dass sich die Eurozone zwangsläufig in den nächsten Jahren restrukturieren muss. Eine Möglichkeit wäre eine Auftrennung in eine Süd- und eine Nord-währungszone, wobei Frankreich das führende Land der Südwährungszone werden würde.
            Für eine einzige Eurozone fehlt tatsächlich der (Zitat)„europäische Patriotismus“. Weder Grossbritanniens Regierungsmannschaft, noch Frankreichs Präsident denkt europäisch. Sie denken national.
            Deutschland – und dort vor allem Schäuble – haben noch am ehesten eine Vision von einem zukünftigen Europa, allerdings einem Europa nach deutschem Muster, wo der erste Schritt darin besteht in allen europäischen Mitgliedsländern einen deutschen Buchhalter zu installieren (gemeinsame Haushaltspoliitk). Doch: Europa deutsch machen, das wird nicht gehen. Die Länder sind zu verschieden (allein schon aufgrund ihrer Geschichte) als dass sie sich den Zwängen unterordnen würden, die nötig wären um eine gemeinsame Eurozone aufrechtzuerhalten.

          • Linus Huber sagt:

            Das System der EU wurde in einer positiven Geschichtsperiode geboren und geschaffen. Die Frage der Nachhaltigkeit verschiedener Regeln wurden nicht beachtet aufgrund dieser Stimmung. Basierend auf der Idee der Socioeconmics bestimmt die vorherrschende Stimmung der Wahrnehmungsfaehigkeit den Erfolg von politischen Projekten. Aufgrund der Entwicklung der letzten Jahre bin ich zur Ueberzeugung gekommen, dass wir die positive und zuversichtliche Phase der 80iger und 90iger Jahre verlassen haben und uns eher in einer negativen Phase befinden, in welcher nicht nachhaltige Projekte der Vergangenheit schrittweise als solche erkannt werden und damit die negative Spirale wohl dementsprechend verstaerken duerften.

            In Zeiten von Unsicherheit und Krisen fokusiert sich der Mensch in erster Linie auf seine direkte Umgebung, womit der Druck zur Aufsplitterung der EU ebenfalls an Gewicht gewinnen duerfte. Natuerlich haengen die EU Politiker an ihren guten Jobs und versuchen die Stimmungsveraenderung zu ignorieren, weshalb sie natuerlich auch jedesmal zittern, wenn wirkliche demokratische Funktionen sich zum Ausdruck bringen. In meinen Augen geht es weniger darum, ob die EU in dieser Form langfristig Bestand hat, sondern eher darum, ob wir eine geordnete oder ungeordnete Aufloesung erleben werden. Aufgrund der korrupten Politiker wird wohl die 2. Moeglichkeit eher der Fall sein.

          • Gian-Carlo Amrein sagt:

            @Thomas: Ich teile Ihre Meinung. Der europäische Patriotismus muss durch geschickte Kommunikation und Marketing von der EU grösstenteils erst noch erschaffen werden. Aber das bedeutet nicht, dass die Kulturen der einzelnen Mitgliedsländer untergehen, ganz im Gegenteil, die Kultur fördert mit der tausende von Jahre alten Geschichte Europas die Zusammengehörigkeit. Die EU setzt sich mit verschiedenen Projekten bereits heute dafür ein. Beispiel hierfür ist der Bologna Prozess, welcher bei der jungen Generation ein solches Gefühl vermittelt und von meiner Generation rege genutzt wird. Oder auch die Abschaffung der Visapflicht was uns das Reisen durch sämtliche europäischen Staaten massiv vereinfacht hat (so wie ich das zur Zeit mit meinem Motorrad mache).

            Zur Sprachbarriere: Meiner Meinung nach hat sich die englische Sprache als Einheitssprache längst durchgesetzt. Wichtig ist, dass Englisch in sämtlichen Länder und Bevölkerungsschichten bereits in jungen Jahren zur Verfügung steht.

            Zur europäischen Wirtschaftszone: Wie bereits erwähnt gilt es meiner Meinung nach die europäische Binnennachfrage zu stärken, was unweigerlich zu einer einheitlichen Wirtschaftszone führen würde. Eine Studie von unseren Ökonomen hierzu würde ich sehr begrüssen.

            Nachhaltigkeit, die zweite Industrielle Revolution: Ich denke Nachhaltigkeit wird DAS Thema überhaupt im 21. Jahrhundert. Die Nachfrage nach Rohstoffen ist durch die aufstrebenden Staaten im Osten und Südamerika in den letzten Jahren massiv gestiegen. Dies ist beispielsweise auch der Grund weshalb der Ölpreis trotz Krise in Europa und den USA nicht markant an Wert verloren hat. Sämtliche Branchen werden in Zukunft mit weniger Rohstoffen auskommen oder neue technologische Entwicklungen voranbringen müssen. Dies ist die grosse Chance für die europäische Industrie, der restlichen Welt einen Schritt voraus zu sein. Ermöglicht nicht zuletzt durch die europäische Gemeinschaft und deren Stabilität. Zukunftsmusik – Was denken Sie dazu?

          • Anh Toan sagt:

            @Gian-Carlo Amrein: Schön, in diesem Blog eine zweite Stimme zu vernehmen, welche nicht jede Veränderung als Bedrohung auffasst, nicht jedes Problem zur Apokalypse steigert. Ich habe mich mit meinem Optimismus zur Idee eines vereinigten Europas lange sehr einsam gefühlt hier!

  • Anton Keller sagt:

    Die meisten Währung sind an eine der grossen Währungen Euro und USD angebunden, und das ist ökonomisch am besten und flexibelsten. Die Aufgabe der eigenen Währung ist daher eher ein Schritt um politisch etwas zu erzwingen. Das ist so wie, wenn die Eroberer die eigenen Schiffe versenkt haben, damit niemand einen Rückzieher machen kann.

  • Martin Holzherr sagt:

    Ein fixer Wechselkurs oder der Beitritt zu einer Währungsunion gefährdet also gemäss dem obigen Artikel die Demokratie eines Landes, womit der Autor wohl einfach die Souveränität meint. Das scheint mir logisch, wobei kleinere und weniger wirtschaftsstarke Länder wohl besonders vom Souveränitätsverlust betroffen sind, der eine Währungsunion mit sich bringt.
    Denn letztlich bringt eine Währungsunion nur dann Vorteile für alle, wenn in ihm eine Fiskal- und Finanzpolitik betrieben wird, die im Sinne der wirtschaftsstärksten Teilnehmer der Währungsunion ist. Als Ausgleich müssen diese wirtschaftsstärksten Länder dann aber Transferleistungen erbringen, allerdings immer relativ zu ihrer Wirtschaftskraft und Zahlungsfähigkeit.
    Die Eurozone gibt ein besonders aktuelles, die obigen Thesen bestätigendes Bild ab. Das wirtschaftsstärkste und zudem stark exportorientiere Land, Deutschland nämlich, profitiert vom tiefen Kurs des Euro. Zum Ausgleich erwarten die schwächeren, jetzt zum Kreisenclub gehörenden Finanztransfers, wobei sie das nicht immer so offen deklarieren. Die Bankenunion (ESM) z.B. wurde von den Südländern schnellstmöglich gefordert, würde er doch ihre maroden Banken sanieren, allerdings wohl auf Kosten Deutschlands weswegen dieses zögert.
    Der Souveränitätsverlust der Südländer zeigt sich natürlich in der Unmöglichkeit abzuwerten womit ihnen nur noch die innere Abwertung bleibt um verlorengegangene Wettbewerbsfähigkeit wiederzuerlangen. Die innere Abwertung ist jedoch ein Kampf gegen die Interessen der eigenen Bevölkerung und verbessert auch mit Sicherheit nicht die Schuldensituation.
    Erstaunlich, dass der Euro unter solchen Umständen von den Südländern herbeigesehnt wurde. Das kann nur psychologisch erklärt werden. Die PIIGS-Länder glaubten wohl, Die Währung der Reichen brächte ihnen den Wohlstand der Reichen: Werch ein Illtum!

    • Michael Schwarz sagt:

      @Martin Holzherr:

      „Erstaunlich, dass der Euro unter solchen Umständen von den Südländern herbeigesehnt wurde. Das kann nur psychologisch erklärt werden.“

      Der Beitritt der EU von ämderen Südländern hat eine rationale und ökonomische Erklärung, die Psychologie spielt hier nicht.

      • Martin Holzherr sagt:

        Ich meine nicht den Beitritt der Südländer zur EU, sondern den Beitritt der Südländer zum Euro.
        Das schnelle kreditbefeuerte Wirtschaftswachstum der PIIGS-Länder nach der Einführung des Euro deutet aber darauf hin, dass der ökonomische Grund für den Beitritt eben genau die billigen Kredite waren. Die PIIGS-Länder, denen vorher nur zu höheren Zinsen Geld geliehen wurde, erhielten plötlich Geld zu den gleichen Konditionen wie alle anderen Länder. Diese billigen Kredite nahmen sie dann auch in Anspruch, was ihre Wirtschaft (scheinbar) beflügelte.
        Doch die Qualität der Kredite ware genau so schlecht wie sie vor dem Beitritt der Länder zur Eurozone gewesen war und nach dem Stabilitätspakt konnte ihnen offiziell auch kein anderes Land helfen, falls sie sich durch diese Kredite übernahmen.
        Die Möglichkeit billige Kredite zur erhalten, scheint mir also der Grund für den Eurobeitritt der PIIGS-Länder. Doch vielleicht gab es ja noch andere Gründe, nur fallen sie mir nicht ein. Was halten sie denn für die entscheidenden Gründe warum die PIIGS-Länder den Euro so begrüsst haben? Worin sonst sahen sie die Vorteile?

        • Michael Schwarz sagt:

          Der leichte Zugang zum Kreditmarkt ist sicherlich ein guter Grund für den Beitritt. Es gibt viele andere Vorteile, bspw. die steigende Reputation, Inflationsanschub und steigende Einkommen …

          • Michael Schwarz sagt:

            Jetzt haben sie aber das Problem, dass der höhere Einkommen nicht die Leistung entsprach. Deshalb muss solche Länder die Einkommen zurückfahren. Die Bevölkerung verstehen es aber nicht warum deren Einkommen rückläufig sind, deshalb gehen sie auf der Strasse.

        • thomas ernst sagt:

          Leider wird in der Diskussion zuwenig zwischen Konsumkredit und Investitionskredit unterschieden.

          Hätten die PIIGS die billigen EUR-Kredit zu Investitionen genutzt, ihre Wirtschaft gestärkt und damit auch neue Arbeitsplätze geschaffen, hätten sie heute das Problem nicht.

          Die Politiker haben aber die Kredit für blossen Konsum verscherbelt, was eine tödliche Wirkung auf die Wirtschaft hat, weil man ihr vorgaukelt, man sei reich. Die Griechen haben wegen des starken EUR selbst Olivenöl billiger importiert, als selber hergestellt. Von den zigtausend „Staatsbeschäftigten“, welche faktisch keine Arbeit hatten, sondern einfach eine Rente auf Staatskosten bezogen. All diese Gelder sind weg, die Wirtschaft ruiniert und der Staat am Ende.

          Nachdem aber Merkel öffentlich klar gemacht hat, dass „man“ GR nicht fallen lassen könne, können es sich die Griechen im Arbeitslosenasyl Europas gemütlich machen. Egal was sie tun oder eben nicht tun, die Deutschen müssen sie ja trotzdem finanzieren, um ihren geliebten EUR zu retten.

          Ist der Staat erst ruiniert, lebt sich’s gänzlich ungeniert (frei nach Goethe).

  • Philipp Rittermann sagt:

    1) die snb steuert den geldfluss – dies hat sich für die schweiz nachhaltig bewährt.
    2) ja.
    3) nein.
    ich sehe das problem nicht.

    • Karl Knapp sagt:

      Sie machen sich das vielleicht ein wenig einfach, Herr Rittermann. Aber da unser oekonomisches Basiswissen für die Sortierung der Single-Malt Flaschen zu Hause ausreicht, macht das nichts. Die Meinung des Fussvolks ist auch gar nicht gefragt, jedenfalls solange es (i.e. Sie oder ich) nicht in der SNB arbeiten.

      • Philipp Rittermann sagt:

        das ist mir bewusst – und sehe ich auch so, herr knapp. es ist mir aufgefallen, dass die hochakademischen diskussionen hier nur einem ganz elitären teil der bevölkerung vorbehalten sind. ich finde es aber gut, dass die hh prof-dr’s nur theoretisieren; in der wirtschaft würden sie einiges mehr an schaden anrichten. seien wir also froh und genissen wir die single malts! 🙂

  • Alice Voellmy sagt:

    Die Schweiz mit eigener Waehrung betreibt flexible Wechselkurse – normalerweise. Momentan, um eine Flucht in den CH-Franken zu vermeiden, besteht eine CH-Franken-Obergrenze. Die Nationalbank hat als Folge dieser Massnahme riesige Devisen von Euros, etc, angehaeuft. Diese sollten aber ausgegeben werden: Euros ausgeben im Euroraum, Landkaeufe in der Region Genf.

  • Michael Schwarz sagt:

    Ob die Frage der Währungspolitik mit Fix oder Flexible beantworten kann, bezweifele ich daran. Die Frage kann nicht mit entweder oder beantwortet werden. Die rücksichtslose Abwertung stellt keine Lösung dar, wie grenzlose Aufwertung. Der Lösungansatz des Trade-off ist die Kombination der beiden Varianten.

    Das wichtigste Ziel der Währungspolitik ist die Stabiltiät des Wechselkurses, nicht die Abwertung der eigner Währung zur Gunst kurzfristigen Exports und Inlandskonsums. Das typische Beispiel ist die US-Währungspolitik, die der US-Wirtschaft runiert wurde, weil Fed kein mittel- und langfristiges Ziel der Währungspolitik hat. Eine Währung, die absolut frei schwankt, ist eine Illusion der Akademiker aus letztem Jahrhundert.

    • Michael Schwarz sagt:

      Die graviende Veränderung im Devisenmarkt, ist der Verlust der Kontrolle und Steuerungsmöglichkeit bei Zentralbanken. Heute haben die ZB bei der Wechselkursgestaltung wenig zu sagen. Das flexible Wechselkurssystem funktioniert nicht, weil die Stabilität des gloablen Handels zusehend gefährtet wird.

      • Michael Schwarz sagt:

        Das flexible Wechselkurssystem in 21. Jh. fördert Destabilisierung und Ungleichgewicht zwischen den Handelspartnern.

    • Martin Holzherr sagt:

      Sie haben längerfristig sicher recht, wenn sie sagen: “ Die rücksichtslose Abwertung stellt keine Lösung dar, wie grenzlose Aufwertung“
      Doch kurzfristig gesehen haben sie sicher falsch. Wenn ein Land zunehmend an Wettbewerbsfähigkeit verliert oder in eine andere schwierige Situation gerät, kann ein Anpassen der Wechselkurse schnelle Linderung bringen.
      Für die PIIGS-Länder bedeutet der Euro wohl noch viele Jahre wirtschaftliche Probleme. Und wenn die Jugendarbeitslosigkeit viele Jahre lang 30 Prozent übersteigt, gefährdet das sogar die längerfristige Zukunft.

      • Michael Schwarz sagt:

        @Martin Holzherr

        Der Konflikt zwischen kurzfristigem und langfristigem Ziel ist das grösste Problem der Geld- und Währungspolitik. Die Ziele können sich kurzfristig widersprechen, das macht die geldpolitische Entscheidung schwierig. Aber wenn man die Geld- und Währungspolitik mittel- und langfristig ausrichtet, verschafft man mittel- und langfristige wirtschaftliche Stabilität, obwohl die Wirtschaft durch defensive Geld- und Währungspolitik kurzfristig leidet, aber mittelfristig in 3 bis 5 Jahren, wird die Bemühung sich mehr als auszahlen. Ein typisches Beispiel der aggressiven Geld- und Währung des Fed, hat sich nicht ausgezahlt. Im Gegenteil, solche Geld- und Währungpolitik destabilsiert die Investition und gefährdet den Abbau der Handelsdefizite.

        Deshalb ist Ihre Argumentation basiert nicht auf ökonomische Fakten. So wird die neoliberale Ökonomen aus letzten Jahrhundert argumentiert. Das Ergebnis sehen wir heute.

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