Drei Grundregeln der Währungspolitik

Währungspolitische Diskussionen werden immer sehr hitzig geführt: Franken-, Dollar-, Euronoten und Gold. (Foto: Keystone)

Währungspolitische Diskussionen werden immer sehr hitzig geführt: Franken-, Dollar-, Euronoten und Gold. (Foto: Keystone)

Wo man hinschaut, überall wird über die Vorzüge von fixen und flexiblen Wechselkursen diskutiert. In Australien, Kanada, Neuseeland, Norwegen und Schweden sorgt man sich über den Aufwertungsdruck, in Hongkong fragt man sich, ob man weiterhin an der Bindung an den US-Dollar festhalten soll, und in der Schweiz wird immer wieder an der Untergrenze gegenüber dem Euro gezweifelt.

Wie soll man sich in der Diskussion positionieren? Ich empfehle, dass man sich an drei Grundregeln orientiert.

Erste Grundregel: Jedes Währungssystem hat gravierende Nachteile. In der Ökonomie (und im Leben allgemein) gilt zwar immer, dass man in Trade-offs denken muss, d. h. dass man Vor- und Nachteile einer Entscheidung sorgfältig gegeneinander abwägt. Jede Entscheidung hat Kosten. Aber in der Währungspolitik sind die Kosten und Nachteile jeder Variante besonders hoch. Ein fixes Währungssystem schränkt die Handlungsfreiheit der nationalen Wirtschaftspolitik stark ein. Ein flexibles Währungssystem ist in Krisenzeiten anfällig für schnelle und grosse Wechselkursverschiebungen. Besonders für kleine Länder ist diese Verwundbarkeit problematisch. Es kann dazu führen, dass die Zentralbank es für besser hält, temporär eine Untergrenze einzuführen wie zum Beispiel die Schweiz 1978 und 2011.

Die Wahl eines Währungssystems muss sich deshalb immer an den Nachteilen orientieren, nicht an den Vorteilen.

Die zweite Grundregel: Es gibt nur eine beschränkte Anzahl von Varianten. Im Gegensatz zur Altersversicherung, wo man immer wieder neue Revisionen beschliessen kann, ist das Angebot bei der Währungspolitik sehr beschränkt. Entweder ist ein Land Teil der Eurozone oder nicht, und sobald es dem Euro beigetreten ist, kann es nicht so leicht wieder austreten. Umgekehrt gibt es hohe Hürden für ein Land, den Euro einzuführen oder die Währung an den Euro zu binden, wie es Dänemark tut. Selbst bei der Einführung einer temporären Untergrenze kann der Exit schwierig sein, wie wir zurzeit beobachten können. 1978 war es einfacher, weil sich die D-Mark schnell wieder erholte, während der Euro ein unsicherer Kandidat bleibt.

Die Idee, ein bestimmtes Währungssystem zu wählen und dann später zu schauen, wie das herauskommt, ist deshalb äusserst gefährlich. Wenn ein Land sich in der Währungspolitik entscheidet, muss es davon ausgehen, dass es auf unabsehbare Zeit damit leben muss.

Die dritte Grundregel: Demokratie und fixe Wechselkurse sind schwierig miteinander zu vereinbaren. Wenn ein Land dem Euro beitritt oder seine Währung an andere Währungen bindet, verzichtet es auf eine eigenständige Geld- und Währungspolitik. Damit sind diesem Land in einer grösseren Krise die Hände gebunden, was zu grossen politischen und sozialen Spannungen führen kann. In den westlichen Ländern hat sich deshalb im 20. Jahrhundert, als sich das allgemeine Wahlrecht durchsetzte, eine klare Tendenz in Richtung flexible Wechselkurse gezeigt. Die Devise lautet: Lieber abwerten oder etwas Inflation generieren, als einen Zerfall der inneren Ordnung riskieren.

Wenn ein demokratisches Land also einen fixen Wechselkurs oder eine Einheitswährung einführt, muss es sich sehr gut überlegen, ob sich die Aufgabe einer eigenständigen Geld- und Währungspolitik zugunsten von anderen Zielen lohnt.

Es sind also drei Fragen, die ein Land beantworten muss, bevor es eine Entscheidung trifft:

  1. Welches System hat weniger Nachteile als die anderen?
  2. Können wir auf unbestimmte Zeit mit diesem System leben?
  3. Lohnt es sich, die Demokratie zugunsten von anderen Zielen einzuschränken?

Alle drei sind ungemütliche Fragen, weswegen währungspolitische Diskussionen immer sehr hitzig geführt werden. Aber wer ihnen ausweicht, läuft Gefahr, grosse Fehlentscheidungen zu treffen.