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Schattenseiten des Fussballs

Guido Tognoni am Montag den 23. Oktober 2017

Erfolgreich, aber unterbezahlt: Die US-Nationalspielerinnen Mallory Pugh und Lindsey Horan (rechts) nach einem Treffer im Spiel gegen Neuseeland. Foto: Aaron Doster (Reuters)

Englands Fussball hat wieder einen Rassismusskandal, Brasilien ebenfalls. In Frankreich steht der katarische Präsident von Paris Saint-Germain, Nasser al-Khelaifi, unter Korruptionsverdacht. In New York bereitet die Justiz einen weiteren Verfahrensschritt gegen korrupte Fussballfunktionäre aus dem «Fifa Gate» vor. Der russische Präsident der AS Monaco musste wegen einer privaten Geschichte zum Kadi. In Dänemark bestreiken die besten Spielerinnen die Nationalmannschaft, weil sie mehr Geld wollen. In Uruguay streiken alle Spieler des bezahlten Fussballs, weil sie überhaupt Geld wollen. In ganz Grossbritannien sind nicht weniger als 331 Clubs in Verfahren wegen sexueller Missbrauch-Tatbestände verwickelt.

In den USA wird festgehalten, dass die gemäss eigener Einschätzung grösste und beste Nation der Welt seit 1930 an Weltmeisterschaften der Männer nur 6 Spiele gewinnen konnte,  während die viel schlechter bezahlten Frauen weitaus mehr Erfolge hatten als ihre leistungsschwachen Kollegen, was zu Rücktrittsforderungen an den amtierenden Präsidenten geführt hat. Nordirlands Nationalcoach wird der Fahrausweis entzogen, weil er im Suff herumfuhr. In Kosovo verprügeln Fans einige Spieler gleich auf dem Feld. Der amtierende Präsident des südafrikanischen Verbandes wird von einem Opfer öffentlich der Vergewaltigung bezichtigt. In Guinea macht sich ein früherer Verbandspräsident aus dem Staub und ausser Landes, weil ihm die massive Veruntreuung von Fifa-Geldern vorgeworfen wird.

Auch die Schweiz kann mithalten

Das ist ein kleiner Querschnitt aus dem täglichen Irrsinn aus der Umwelt des Fussballs. Die Schweiz kann da übrigens auch mithalten: Christian Constantins Ohrfeigen und Fusstritte, gezielt appliziert gegen seinen Kritiker Rolf Fringer, sind in diesem Getümmel ein ganz besonderer Leckerbissen. In Zürich spielen wieder einmal gewaltbereite Krawallanten am Samstag mit der Polizei Fangis, sie werden bei ihrem Wochenendvergnügen sofort wieder freigelassen. Zudem bemüht sich die Schweizer Bundesanwaltschaft in Bern unverdrossen, etwas Licht in die düsteren Geschäfte der früheren Fifa-Granden zu bringen. So viel in Kürze zu den Schattenseiten des Fussballs.

Aber auch die Sonne scheint: Chelsea und Roma lieferten sich in der Champions League ein mitreissendes 3:3, Trainer-Oldie Jupp Heynckes haucht im Alter von 72 Jahren seinen Bayern aus München frisches Leben ein, der FC Basel nutzt seine Chance gegen schwache Russen von ZSKA Moskau und liegt im Königswettbewerb an zweiter Stelle, die Young Boys bleiben im gleichen Wettbewerb ungeschlagen, selbst der gebeutelte FC Lugano zeigt, dass er noch gewinnen kann, und dies sogar in der Europa League. Murat Yakin bestätigt sich als Zauberer an der Seitenlinie. Das alles tröstet uns locker über die Fehlkicks und Missgriffe von Roman Bürki und Yann Sommer in der Bundesliga hinweg.

Guido Tognoni

Guido Tognoni

Als Ersatzspieler des FC Davos (3. Liga, untere Tabellenhälfte) erzielte er im Schneetreiben von Tavanasa vor einigen Jahrzehnten sein einziges Meisterschaftstor. Danach stieg er trainingsfrei mit dem FC Tages-Anzeiger in die höchste Firmenfussballklasse auf und hoffte meist vergeblich, dass seine Laserflanken zu Treffern führen würden. Da sein Talent auf dem Rasen nicht erkannt wurde, arbeitete er 15 Jahre an den Schreibtischen der Fifa und Uefa.

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