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Verdirbt ein Dummer den USA erneut die Party?

Guido Tognoni am Dienstag den 15. August 2017

Die WM 2026 wird eine Mammut-WM: Die Anzahl Teilnehmer wird auf 48 erhöht. Foto: Maja Hitij (DPA, Keystone)

«Niemand ausser uns ist dumm genug, sie zu wollen», schrieb dieser Tage ein kanadischer Journalist in der prestigereichen Zeitung «The Globe & Mail» in Toronto. Er sprach dabei von der gemeinsamen Kandidatur der USA, Mexikos und Kanadas für die WM-Endrunde der Fifa im Jahr 2026. Der Journalist ruft in Erinnerung, dass Kanada mit Calgary auch für die Olympischen Winterspiele im gleichen Jahr 2026 kandidiert, aber dass die Kanadier im Gegensatz zu einem Fussballturnier Winterspiele auch finanziell einigermassen schmerzfrei organisieren können. Für eine Mammut-Endrunde mit dannzumal 48 Teilnehmern gibt es zwischen Toronto und Vancouver bis anhin kein einziges taugliches Stadion. Und selbst mit WM-Stadien geschmückt würde Kanada nicht zu einer Fussballnation wachsen, wie das etwa auch in Südafrika der Fall ist.

Die grosse Verliererin gegen Katar

Man mag den Argumenten folgen oder auch nicht, jedenfalls hat sich der Journalist in einer Sache gründlich geirrt: es gibt inzwischen einen «Dummen», der sich ebenfalls um die Endrunde 2026 bewirbt. Das ist Marokko, dies nun schon zum fünften Mal. Für die WM-Turniere 1994 (USA), 1998 (Frankreich), 2006 (Deutschland) und 2010 (Südafrika) bewarb sich Marokko vergeblich und verlor nicht immer geräuschlos, was wie viele andere Vorkommnisse zur jüngeren Geschichte der Fifa beigetragen hat. Die USA waren bei der ebenfalls knirschenden Vergabe der Endrunde 2022 (Katar) die grossen Verlierer. Nun wollten die Amerikaner für 2026 bereits weit vorprellen, indem sie von der Fifa beim vergangenen Kongress in Bahrain einen frühen Vorentscheid zugunsten der Dreierkandidatur wünschten. Diesem Ansinnen wollte und konnte die Fifa mit guten Gründen nicht entsprechen.

Marokkos Chancen

Die von den USA angeführte nordamerikanische Bewerbung ist zwar weiterhin zu favorisieren, aber Marokko steht nicht chancenlos da. Marokko ist Afrika, und Afrika ist leicht gegen die Amerikaner einzustimmen. Zudem ist Marokko ein islamisches Land, und es wird auch ebenso leicht sein, die übrigen islamischen Verbände Afrikas und Asiens zu mobilisieren. Marokko ist zwar nicht reich, aber das Land wird von einem Königshaus regiert, das für ein solches Ereignis von anderen muslimischen Herrschern unterstützt wird. Zudem wird dieser Entscheid nicht mehr wie bisher vom wie auch immer leicht beeinflussbaren Exekutivkomitee (heute Council) der Fifa gefällt, sondern von der Generalversammlung mit ihren zurzeit 211 Mitgliedsverbänden.

Wer also auf Marokko wetten möchte, dürfte gute Gewinnchancen haben. Mit Marokko würde nicht die technisch beste, sondern die sportpolitisch stärkste Kandidatur die Wahl für das grösste Sportereignis unserer Tage gewinnen. Aber das wäre bekanntlich nicht zum ersten Mal der Fall.

Guido Tognoni

Guido Tognoni

Als Ersatzspieler des FC Davos (3. Liga, untere Tabellenhälfte) erzielte er im Schneetreiben von Tavanasa vor einigen Jahrzehnten sein einziges Meisterschaftstor. Danach stieg er trainingsfrei mit dem FC Tages-Anzeiger in die höchste Firmenfussballklasse auf und hoffte meist vergeblich, dass seine Laserflanken zu Treffern führen würden. Da sein Talent auf dem Rasen nicht erkannt wurde, arbeitete er 15 Jahre an den Schreibtischen der Fifa und Uefa.

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3 Kommentare zu “Verdirbt ein Dummer den USA erneut die Party?”

  1. Nordin Elmaghribi sagt:

    Katar mit Marokko in einem Topf zu werfen, ist genauso stimmig wie die Schweiz mit Holland zu vergleichen. Beide sind christlich und sprechen sowas ähnliches wie Deutsch. Das die Afrikaner oder Araber, bzw. muslimische Fussballverbände Marokko automatisch unterstützen ist auch eine unbewiesene Behauptung. Bisher sind diese eher dem Geld gefolgt und da hat die USA wohl die besseren Karten. Für Marokko spricht, dass das marokkanische Volk Fussball liebt und dass es schon einiges an Infrastruktur ( Hotels, Stadien ) gibt. Dagegen spricht, dass das Volk andere Probleme hat um Geld für ein solches Event auszugeben.

  2. FussballER sagt:

    Es wäre sehr schön wenn Marokko die WM 2026 ausrichten könnte da Sie sich schon zum Fünften mal Bewerben und jedes mal betrogen wurden.
    Marokko ist ein sehr modernes Land was sich in den letzten 10 Jahren sehr schnell positiv entwickelt hat,
    die Stadien sind sehr modern und in Marokko ist Fussball die Sportart Nr 1..
    Marokko ist das erste Land in Afrika und somit wäre es auch für die Europäer, Asiaten und Afrikaner viel einfacher nach Marokko zu Reisen als nach Amerika oder Mexico.

  3. Martin sagt:

    Eien Dreierkandidatur von so grossen Länder wie Kanada,USA und Mexiko sehe ich auch mit gemischten Gefühlen gegenüber. Andererseits nach Katar schon wieder in ein arabisches Land. Dies wird auch nicht zielführend sein.Dann noch lieber Australien und Neuseeland oder China.

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