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Rasen als Menschenrecht

Guido Tognoni am Montag den 11. August 2014
KUNSTRASEN, FUSSBALL, SUPER LEAGUE, NATIONALLIGA A, NLA, LNA, MEISTERSCHAFT, SAISON 2014/15, YB, YOUNG BOYS, BSC YOUNG BOYS BERN,

Ob Kunstrasen (wie hier im Stade de Suisse in Bern) oder Naturrasen: Wenn man nicht drauf darf, ist es auch egal, worauf nicht gespielt werden darf. Foto: Marcel Bieri/Keystone

Neues von der Diskriminierungsfront: Nachdem die Männer-WM in Brasilien auf Naturrasen ausgetragen worden ist und die Fifa entschieden hat, die Frauen-WM in Kanada im kommenden Jahr auf Kunstrasen zu spielen, wollen sich einige Spielerinnen diskriminiert fühlen. Sie haben Anwaltskanzleien in Kanada und den USA damit beauftragt, bei der Fifa wegen Benachteiligung der Fussball spielenden Frau grundsätzlich zu werden.

Das ist natürlich für Juristen ein begeisterndes Mandat, und einer aus der munteren Anwaltsbrigade hat bereits verkündet, alle Wege zu beschreiten – ausser einem Boykott (eine sehr weise Taktik, denn mit einem Boykott wären die Anwälte vom einen Tag auf den andern überflüssig).

Somit geht es beim Thema Kunstrasen, dem die Männer bisher eher mit Gelassenheit begegnet sind, um das Menschenrecht der Frau, auf natürlich gewachsenem Rasen Fussball spielen zu dürfen. Für Frauen in Somalia, Nigeria, Afghanistan und Indonesien ist es überaus beruhigend, zu wissen, dass sich unbekannte Kolleginnen im fernen Amerika in kämpferischer Weise um die elementaren Bedürfnisse der Frauen unserer Welt kümmern, denn die Frauen in Somalia, Nigeria, Afghanistan und Indonesien müssen zumindest vorübergehend leider andere Prioritäten setzen.

Sepp Blatter und die kurzen Höschen

Ja, und was sagt Sepp Blatter dazu? Er besteht darauf, dass der kanadische Kunstrasen gut sei und dass es mit dem künstlichen Spielfeld um ein Zukunftsprojekt gehe. Ihm müssen die Fussballerinnen undankbar vorkommen, denn es ist nicht abzustreiten, dass sich unser Walliser Fifa-Präsident seit Jahren für das Wohl des Frauenfussballs einsetzt. Als er forderte, die Frauen sollten kürzere Höschen tragen, wie etwa die Beach-Volleyballerinnen, um mehr Aufmerksamkeit zu erregen, wurde ihm das als Sexismus ausgelegt, und Sexismus ist in unseren Breitengraden etwas Schlimmeres als Terrorismus. Und als er wörtlich sagte, «die Zukunft des Fussballs ist weiblich», dachten viele, der Blatter Sepp sei nicht ganz gebacken.

Aber genau so hat er es gesagt, und wenn wir zu seiner Ehrenrettung hoffen, er habe das nicht so ganz seriös gemeint, will das Blatter vielleicht gar nicht, denn ein Fifa-Präsident möchte schliesslich ernst genommen werden. Zudem plant er, in zehn Monaten als 79-jähriger Jung-Senior nochmals gewählt zu werden und ebendiese Zukunft des Frauenfussballs weitere vier Jahre aktiv mitzugestalten. Sei es auf Gras oder auf Plastik.

Zu Sepp Blatters Plastikrasen-Fraktion hat sich inzwischen ein namhaftes kanadisches Kabinettsmitglied gesellt. Kellie Leitch sagt, dass Tausende Athleten (und auch Athletinnen, ist anzunehmen) täglich klaglos auf Kunstrasen trainieren und spielen, und dass eine Geschlechterdiskussion auf der Ebene des Kunstrasens völlig unpassend sei. Kellie Leitch muss sehr gut wissen, wovon die Rede ist: Sie ist eine Frau und in der kanadischen Regierung Ministerin für den Status der Frauen. Ein Posten übrigens, der in der Schweiz noch zu schaffen wäre.

Guido Tognoni

Guido Tognoni

Als Ersatzspieler des FC Davos (3. Liga, untere Tabellenhälfte) erzielte er im Schneetreiben von Tavanasa vor einigen Jahrzehnten sein einziges Meisterschaftstor. Danach stieg er trainingsfrei mit dem FC Tages-Anzeiger in die höchste Firmenfussballklasse auf und hoffte meist vergeblich, dass seine Laserflanken zu Treffern führen würden. Da sein Talent auf dem Rasen nicht erkannt wurde, arbeitete er 15 Jahre an den Schreibtischen der Fifa und Uefa.

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7 Kommentare zu “Rasen als Menschenrecht”

  1. Karl Knapp sagt:

    Einen Mann wie Blatter, der schon mehrere Päpste ausgesessen hat, muss man einfach ernst nehmen. Und wer die unsägliche Werbung für die Leichtathletik-EM verfolgt, muss auch noch zugeben: ob politisch korrekt oder nicht, Sepp hat einfach recht…

  2. René Baron sagt:

    Ich bin froh geht es bei diesem Titel um Kunstrasen und nicht um hochgezüchtete Sportwagen – wie anfangs vermutet 🙂

  3. Franka sagt:

    Ich finde es schade, dass Sie es bevorzugen, die Geschichte ins Lächrliche zu ziehen, statt ernsthaft darüber zu schreiben, wie sinnlos es ist, im Sport einen Krieg der Geschlechter oder eine Genderdebatte heraufzubeschwören (wie Kellie Leitch dies ja richtig sagt). Schliesslich sollte jedem klar sein, dass Frauen und Männer im Sport nicht aneinander gemessen werden können. Und der letzte Kommentar ist etwas gezwungen lustig, wenn man bedenkt, dass die Schweiz eben keine Frauenministerin hat, sondern eine Stelle für Gleichberechtigung, die sich für Frauen UND Männer einsetzt. Ich mag Satire durchaus, aber nicht, wenn sie Allgemeinplätze abspult, über die wir intellektuell langsam hinweg sein sollten.

    • Meier sagt:

      “…sondern eine Stelle für Gleichberechtigung, die sich für Frauen UND Männer einsetzt.”

      Ja Franka, Sie scheinen Satire tatsächlich zu mögen.

    • sepp z. sagt:

      Franka, informieren hilft.
      Das Büro für Gleichstellung des Bundes besteht aus 20 Personen.
      17 Frauen, 3 Männer. Das gesamte Kader ist weiblich.
      http://www.ebg.admin.ch/org/00018/00111/index.html?lang=de
      So sieht die Realität aus: Gleichstellung steht drauf, Frauenministerium ist drin.
      In allen grossen Städten des Landes sieht es genauso aus.

    • Eufemio Bernasconi sagt:

      Franka: Die Stelle für Gleichberechtigung setzt sich für beide Geschlechter ein? Das ist ein Witz, oder? Das können Sie nicht ernst meinen. Und morgen werden Sie schreiben, dass das KESB geschlechterneutral urteilt, oder was?
      Freundliche Grüsse, ein Mann, der sich mit solchen Institutionen (leider) zur genüge auskennt

  4. Marcel Lockhart sagt:

    Jede Fussballerin die diese Klage unterstützt sollte auf Lebzeiten gesperrt werden. Die Gerichte dieser Welt sollen sich mit ernsthaften Klagen beschäftigen, nicht mit so einem lächerlichen Mist. Kunstrasen ist in Nordamerika üblich, es scheint fair wenn alle Spiele auf Kunstrasen durchgeführt würden. Der Feminismus hat die Grenze längst überschritten an dem man ihn noch Ernst nehmen kann.

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