Endlich Pause

Wir Frauen sollten uns weniger darauf konzentrieren, was in den Wechseljahren alles verloren gehen könnte: Szene aus «American Beauty» Fotos: Dreamworks

Menopause, was für ein hässliches Wort. Nur noch übertroffen vom Begriff «Wechseljahre», dem trostlosen Äquivalent zur männlichen Midlife-Crisis. Nach einer gängigen Vorstellung ist dies die Phase im Leben eines Mannes, in der er eine zweite Jugend durchleben möchte und sich einfach nimmt, was ihm dafür zuträglich scheint. Während uns Frauen ein langer Katalog von Leiden zugedacht ist, die uns mit dem Einsetzen der Menopause einholen sollen. So jedenfalls will es uns die gängige Vorstellung weismachen. Ich halte das für Quatsch.

Tatsächlich durchleben die meisten Menschen im mittleren Alter eine Krise. Der Körper verändert sich, es stellen sich Fragen nach dem Älterwerden, auch danach, wie man bisher gelebt hat, welche Entscheidungen richtig, welche falsch waren. Gerade wenn Kinder im Spiel sind, ist dies auch die Zeit, in der man wieder mehr in die Beziehung investieren kann. Oder in anderes. Oder in eine neue Beziehung. Es ist die Zeit des Neuanfangs. Und das ist gut.

«Ich hab alles falsch gemacht»

Neulich berichtete mir mein Nachbar von einer Freundin seiner Eltern, die gestorben war. Mit Jahrgang 1928 hatte sie ihr Leben lang auf der Bank gearbeitet, war ledig geblieben, weil alle sie vor den Männern gewarnt hatten. Mit ihrem Geld unterstützte sie ihre Brüder, bis diese starben. Als die Frau im Sterben lag, gab es nur noch ihre Neffen als Angehörige. Diese interessierten sich aber nur für ihr Geld, das sie abholen kamen, ohne ihre Tante noch an ihrem Sterbebett zu besuchen. Die alte Frau habe gesagt: «Ich habe in meinem Leben alles falsch gemacht.» Was für eine erschütternde Aussage.

Ich nehme an, dass diese Frau immer brav war, tat, was man ihr sagte, nichts hinterfragte, sich aber alles versagte. Sie hat sich benommen, wie man es von einer Frau erwartet und musste erkennen, dass sie ihr Leben verschwendet hat.

Vielleicht ist das mit der Menopause oder der Midlife-Crisis ähnlich. Und vielleicht sollten wir Frauen uns weniger darauf konzentrieren, was uns alles verloren gehen könnte, wenn der Körper die Eierproduktion einstellt, welche Probleme wir alles haben werden. Sondern eher darauf, was wir gewinnen können.

Frauen sollten es wie die Männer machen

Nicht jammern, neu anfangen!

Neulich besprach ich das mit einer Kollegin. Wir waren uns einig, dass der weibliche Zyklus eine Zumutung ist, auf die wir auch gerne verzichten könnten: Eine Woche hat man Ruhe. Dann kommt der Eisprung und man möchte alles bespringen, was vor einem kreucht und fleucht, dicht gefolgt vom prämenstruellen Syndrom, das harmlose Rempeleien im Bus in dramatische Showdowns verwandelt. Wenn die Menstruation dann einsetzt, sind wahlweise Bauch-, Kopf- oder Rückenschmerzen und allgemeine Apathie angesagt. Und wozu das alles?

In unserer Gesellschaft haben Frauen jenseits der Menopause nicht gerade den besten Status, und den meisten fehlt das Geld, um dies mit nutzlosen Statussymbolen wettzumachen. Doch anstatt sich deswegen Depressionen einreden zu lassen, sollten sie sich ein Beispiel an den Männern nehmen. Ein Neuanfang ist immer eine Herausforderung, aber auch eine neue Chance. Vielleicht müssen wir Frauen einfach noch entdecken, zu was wir alles fähig sind, wenn wir nicht drei Wochen im Monat mit dem Zyklus zu kämpfen haben.