Ich bin auch eine Kantine

Nächster Halt Saucenfleck: Kebab-Werbung am Stauffacher in Zürich. Foto: Esther Michel

Mir geht die Jugend auf die Nerven. Nicht grundsätzlich, nur täglich um die Mittagszeit. Lehrlinge, Studentinnen, Gymi- und Berufsschüler machen aus Bus und Tram eine Kantine. Hemmungslos futtern sie ihre Chicken-Nuggets und China-Nudeln, leeren Saucen über Salate und schlürfen Zuckerbomben aus Aludosen.

Es ist widerlich. Und es ist respektlos. Gegenüber den anderen Passagieren und jenen, die das Essen vielleicht durchaus mit Liebe zubereitet haben, gegenüber all den Chauffeuren, Disponentinnen und Bauern auf der ganzen Welt, die im Schweisse ihres Angesichts … Ja, ja, ich weiss, griesgrämige Schachteln wie ich haben immer etwas zu meckern. Das bekomme ich jeweils zu hören, falls ich es mal wage, eine Bemerkung zu machen. Mittlerweile halte ich den Mund und leide schweigend.

Ein Geschmatze wie am Schweinetrog

Es ist paradox. Die Jugend schreit noch Superfood und alles bitte vegan, wegen Ethik und den ausgebeuteten Tiere, aber schon im Tram ist Schluss mit clean eating. Ein Geschmatze wie am Schweinetrog und versabberte Sitze, achtloses Insichhineingestopfe und am Schluss ein Abfallberg aus Einwegverpackungen.

Auch ältere Semester verpflegen sich ungeniert in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Foto: Martin Meissner (Keystone)

Können die nicht essen, bevor sie einsteigen? Oder nachher? Muss das Tram unverhofft bremsen – und das muss es öfters, weil eine mit Tomaten in Form von Kopfhörern auf den Ohren über die Gleise latscht –, fliegt die ganz Chose dem Sitznachbarn vis-à-vis auf dessen Kebab. Oder aufs Hemd. Mittlerweile tun es ja auch immer öfter ältere Semester der Jugend gleich und verpflegen sich ungeniert in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Im Sinne des alten Mottos der VBZ: Ich bin auch eine Kantine.

Aber hey, was wotsch? Das Essen wird kalt, ich habe Hunger! Jetzt! Sofort! Ist eh verlorene Zeit im Tram! Im Sommer reicht die Zeit doch auch für ein Picknick am See. Und nichts gegen ein Sandwich (Thon riecht, im Fall!) im Intercity nach Genf. Aber Spaghetti bolognese im 9er zwischen Bellevue und ETH? Ich frage mich, was kommt als Nächstes? Pedicure mit Fussbad, um die Reisezeit im 31er nach Schlieren optimal zu nutzen?

Für ein besseres Klima im Tram!

Neuerdings rottet sich die Jugend wieder zusammen, streikt und lärmt und demonstriert, für Klima und Zukunft und gegen Plastikabfall in den Ozeanen. Ich finde das gut. Ich unterstütze das, ohne wenn und aber. Zuweilen frage ich mich nur, was aus dem Slogan «Think globally, act locally» wurde.

Lokales Handeln wäre, sich den Fast Food in eine Tupperware-Dose füllen zu lassen. Das geht an ganz vielen Orten, man muss nur fragen. Ist mit ein bisschen Aufwand verbunden. Das Personal muss zuerst die Waage auf das Geschirr eichen, bevor sie es befüllt. Bei meiner daheim dauerte das drei Sekunden. Ich habs gemessen. Und der Konsument muss nachher sein Geschirr selber waschen. Ist natürlich mühsam, wenn kein Mami da ist, die das erledigt. Aber wäre ein erster Schritt.

Und als Zweites könnte man mit Essen zuwarten, bis man nicht mehr harmlose Mitmenschen unnötig quält. Ich gebe zu: Auf das globale Klima hätte das wenig Einfluss, jenes im Tram aber würde sofort deutlich besser.

63 Kommentare zu «Ich bin auch eine Kantine»

  • ehemalige Studentin sagt:

    Sehr herablassend geschrieben.
    Ich verstehe, dass einem der Geruch stören kann, tut es mich gelegentlich auch. Wenn ich aber an meine Studienzeit zurückerinnere, dann hatte ich teilweise schlicht keine Zeit fürs Essen, ausser im Tram. Denn zwischen den Vorlesungen lagen gerade mal 20-30 Minuten und dabei musste von Oerlikon ins Zentrum gependelt werden. Schön für alle, die sich gemütlich irgendwohin setzen und ihr Essen geniessen können.

    • Ralf Schrader sagt:

      Wenn keine Zeit zum Essen ist, isst man eben in der Zeit nicht. Länger als 16h wird das ja wohl nicht anhalten und diese Technik nennt man modern ‚Intervallfasten‘.

      • Martin Ordody sagt:

        An die ehemalige Studentin, schämen Sie sich Ihr Name hinzuschreiben? Ich habe auch studiert, und musste deswegen nicht im Tram essen. Alles ausreden.

        • Maru sagt:

          MO: Gehe ich recht in der Annahme, dass es nicht Germanistik bwz. Deutsche Literatur war, was Sie studiert haben?

    • Georg sagt:

      Wenn Sie so desorganisiert sind, dass Sie „keine Zeit zum Essen hatten“, haben Sie Ihre akademischen Prüfungen hoffentlich allesamt nicht bestanden, denn wenn man annimmt, dass Sie nach dem Studium mal irgendwas mit Menschen zu tun haben, evtl. sogar in so genannter Führungsposition, ist zu sagen, dass man Sie auf keinen Fall auf Mitmenschen loslassen darf.

      • Bob Freeballer sagt:

        Ein Säckli Studentenfutter tut es auch und ist wahrscheinlich gesünder als all der Müll (Kebab & Co), den sich die nächste Generation in den Rachen schiebt.

        • tina sagt:

          und das studentenfutter kauft man ja ganz ohne verpackung, nicht wahr 😉 und kauen muss man es auch nicht. ausserdem heisst es studentinnenfutterinnen!

    • Maike sagt:

      Arrrrrggggg – da ist es, das Unwort schlechthin = ZURUECKERINNERN ! Das gibt es schlichtweg nicht. Man kann sich nur an die Vergangenheit – aber nicht an die Zukunft – erinnern. Deswegen geht erinnern nur nach hinten.
      Ansonsten kann ich eine Lanze für die Studierenden respektive für die Jugendlichen brechen, die hier von der Autorin angeschwärzt werden . Würde sie öfters fahren, würde sie bemerkt haben, das auch Erwachsene während Bus oder Bahn ihre Speisen zu sich nehmen. Und in der Banh ist man sogar in der ersten Klasse nicht davon gefeit.

    • nando widmer sagt:

      Pah, wenn ich während der Studienzeit schon geklagt hätte, dass ich keine Zeit fürs Mittagessen finde, was soll ich denn jetzt noch klagen, wo ich nicht mal mehr Zeit finde, um meine Geschäftsmails zu lesen? Keine Zeit fürs Mittagessen während der Studienzeit…echt jetzt?

      • Aquila Chrysaetos sagt:

        Keine Zeit Ihre Geschäftsemails zu lesen? Dann sollten Sie dringend an Ihrem Selbstmanagement arbeiten. Es gibt auch Kurse dazu, falls Sie Hilfe brauchen.
        Die ehemalige Studentin scheint damals ihre Zeit auf jeden Fall besser eingeteilt zu haben als Sie heute.

  • Ralf Schrader sagt:

    ‚Können die nicht essen, bevor sie einsteigen? Oder nachher?‘

    Seien Sie da nicht so kompromisslerisch. Essen, Trinken und Rauchen ausserhalb dafür vorgesehener Räume sollten in der Öffentlichkeit strikt verboten sein. In vielen Kulturen und z.B. den Luzerner Verkehrsbetrieben ist das so der Fall. Auch im Zug nach Genf isst man, wenn überhaupt, nur im Speisewagen. Die Schweiz ist zu klein, um in einem öffentlichen Verkehrsmittel Mahlzeiten einnehmen zu müssen.

    • Asta Amman sagt:

      In einer bestimmten Wiener U-Bahn ist das Essen seit Anfang Jahr tatsächlich untersagt – und in den Kommentarspalten wurde wochenlang darüber gegrantelt. Offenbar ein ganz heisses Thema: Als „Standard-Online“-Fan habe ich mich über gefühlte tausend Reaktionen amüsiert.

  • Anh Toàn sagt:

    Jetzt habe ich gedacht, was für ein bescheuerter Text, bis ich gelesen habe, dass da „viel schwarzer Humor“ ist: Also Sarkasmus, Sie motzen gar nicht über die Jugend wie man meinen könnte, sondern über Alte, die über die Jungen motzen.

  • Sportpapi sagt:

    Griessgrämige alte Schachtel war auch etwa das erste, was mir eingefallen ist. Ein ziemlich peinlicher Rundumschlag gegen „die Jugend“, die gleich mal pauschal gesamthaft in einen Topf geworfen wird.
    Persönlich verstehe ich nicht ganz, warum es ok sein soll, in einem Zug zu essen, aber absolut verwerflich, das gleiche im Tram zu tun. Und dass Studenten die Zeit von einem Standort zum nächsten sinnvoll nutzen, weil ihre Stundenpläne dicht sind und sie keine Zeit für fröhliches Picknick am See haben, dazu braucht es nicht so viel Vorstellungsvermögen.

    • Martin Ordody sagt:

      Dann sollen diese , ach soo belasteten Studenten, wenigstens den Abfall Mittnehmen und nach sich abputzen.

      • Sportpapi sagt:

        @Martin Ordody: Machen Sie das denn nicht? Ich sehe jedenfalls im ÖV keine Abfallberge, abgesehen von den Gratiszeitungen. Andererseits: War auch nicht die beste Idee, dass man alle Abfallkübel entfernt hat…

        • Tramfahrerin sagt:

          @Sportpapi
          Seit es die Kübel in Tram und Bus nicht mehr gibt, sind diese sauberer geworden. Die Dinger waren eh viel zu klein für die modernen Fastfood-Verpackungen. Als Tramführerin bin ich jedenfalls dankbar, wenn hungrige Mäuler mit dem Kebab und anderen Geruchsemissionen nach hinten gehen; wenn dort bei einem Notstop die stinkende Angelegenheit jemandem auf den Schoss fliegt, tangiert mich das ziemlich peripher.

    • hugentobler sagt:

      naja, ist halt oft eine frage der ästhetik…

    • Christoph Mathis sagt:

      Ich denke, die Autorin biedert sich bei älteren Lesern an. Essen im Tram stört eine bestimmte Altersgruppe, aber sich kaum die unter Fünfzigjährigen.

  • Samira sagt:

    „Die Jugend“ gibt es nicht und gab es nie! Diejenigen, die einen Burger essen, sind nicht diejenigen, die veganes Superfood propagieren.
    Was Ernährungsgewohnheiten betrifft haben sich die Zeiten auch schon früher geändert und tun es immer noch – haben Sie ihre Eltern oder Grosseltern gefragt, was die von all den neuen Ernährungsgewohnheiten gehalten haben, die für Sie selbstverständlich sind?
    Öffentliches Essen gilt nicht mehr als schamlos, also muss man es an Orten, an denen es unerwünscht dies kommunzieren – Regeln müssen neuen Gegebenheiten angepasst werden. Schreiben Sie doch an die VBZ – die sind verantwortlich – nicht „die Jugendlichen“.
    Und sollte Ihre Kolumne mit dem unten zitierten „schwarze Humor“ gespickt sein, dann ist er gut versteckt…

    • Michael Häberli sagt:

      Richtig. Allerdings beschleicht mich der leise Verdacht, dass weit über neunzig Prozent der Jugendlichen, die momentan für das Klima auf die Strasse gehen, nicht ansatzweise begriffen haben, wie viel ihr eigener Fleischkonsum zum Klimawandel beiträgt.

  • adam gretener sagt:

    So ein Artikel kommt raus, wenn man alt im Kopf wird. Im Tram ja nur flüstern, könnte ja jemanden stören. Und immer schön fragen, ob da noch frei sei, obwohl völlig offensichtlich noch frei ist. Essen gehört zu den Grundbedürfnissen eines jeden Menschen.

    • Barbara Grohé sagt:

      Lieber Herr Gretener. Höflichkeit hat noch nie jemandem geschadet, im Gegenteil. Ich bin noch ziemlich jung im Kopf, dafür sorgen schon meine beiden Kinder. Aber etwas Disziplin und Anstand im Öffentlichen Raum könnte nicht schaden. Manchmal könnte man meinen, jeder glaubt er lebt allein auf dieser Welt. Mir stinkts auch, und mich interessiert laut vorgetragenes Privatleben nicht im Geringsten.

      • hugentobler sagt:

        genau das! danke für diesen kommentar!

      • Asta Amman sagt:

        Extrem laut geführte Handytelefonate im ÖV können tatsächlich nerven. Das Gegenteil ist aber auch nicht ohne: Als kürzlich eine Frau ihr Gespräch im Flüsterton führte, hat das halbe 5er-Tram die Ohren gespitzt, um nichts zu verpassen. Das Thema war aber auch ausgesprochen interessant.

    • hugentobler sagt:

      rücksicht heisst das zauberwort, ist aber heutzutage ganz offensichtlich ein fremdwort…

      • tina sagt:

        aber es gibt da noch ein zauberwort, das heisst toleranz. am besten praktiziert man beides, dabei fühlt man sich selber erstmal besser als ohne. nebeneffekt: angenehm für die umwelt

    • Michael sagt:

      Jugendliche und Erwachsene sind mittlerweile auch soweit, Videos auf ihren Smartphones in einer Lautstärke schauen, ohne Kopfhörer zu benutzen. Früher trug man Kopfhörer, um andere Leute nicht zu belästigen, heutzutage trägt man sie um nicht belästigt zu werden.

    • Lukas Aeschbacher sagt:

      Herr Gretener, Urinieren und Stuhlen sind ebenfalls Grundbedürfnisse eines jeden Menschen. Aus gutem Grund tun dies aber Menschen mit einem Grundlevel an Anstand nicht im ÖV. Essen ist wohl etwas weniger störend als Körperentleeren aber dennoch störend – zumal oftmals nicht gegessen wird sondern gefressen. Nicht nur die Gerüche (mal positiv formuliert) sind störend sondern auch der Anblick sowie das Schmatzen, Schlürfen und Fingerabschlecken. Kommt hinzu, dass die Fresser oftmals eine widerliche Sauerei zurücklassen. Und um das noch zu erwähnen: Nein, es sind nicht nur Jugendliche. Alt im Kopf? Von mir aus….

      • tina sagt:

        wer so angeekelt übers essen denkt, muss eine essstörung haben. wie überleben Sie einen restaurantbesuch?

        • Lukas Aeschbacher sagt:

          Wenn das von mir Geschilderte für Sie unter „Essen“ fällt, dann würde ich die Störung eher bei Ihnen verorten. In den Restaurants, die ich besuche, essen die Gäste mit Messer und Gabel. Ausserdem ist das Restaurant der passende Ort fürs Essen – Tram und S-Bahn hingegen nicht.

  • Heinz sagt:

    Benehmen in der Bahn ist sowieso Fehlanzeige. Noch schlimmer als Leute, die essen, sind Telefon-süchtige Mitreisende, die ihre Umgebung mit sinnentleertem Handy-Geplapper terrorisieren.

    Warum regt man sich über die Jugend auf? Die meisten Handy-süchtigen sind keine Jugendlichen (die beschäftigen sich ruhig mit ihren Smartphones ohne andere zu stören). Zumeist sind es Leute mittleren Alters, und ich habe auch schon Streitereien mit Rentnern wegen deren unerträglichen Telefonierens gehabt.

    Diverse Verkehrsbetriebe in Deutschland haben das Essen im ÖV sogar verboten (bekannt ist mir z.B. Düsseldorf). Leider ist dies nicht der Fall mit dem unsäglichen Telefonieren.

  • Laura Fehlmann sagt:

    Dieser Beitrag spricht mir aus dem Herzen, würde die Sicht aber erweitern: auf Ältere, aufs Trottoir, öffentliche Plätze. Z. B. in Bern hat der Abfall um die Mittagszeit unglaubliche Ausmasse angenommen. Habe mich auch schon gefragt, wo denn der Umweltgedanke geblieben ist. Bei den kürzlichen Klimademos in Bern sah ich viele Demonstranten mit Einweg-Kaffeebechern… naja. Bin auch eine meckernde alte Schachte.

    • tina sagt:

      aber dann schwärmen von der lebendigkeit auf der piazza in einem städtchen im süden, nicht? 🙂
      wo ist das problem, den leuten beim essen zuzusehen? warum ist es im restaurant kein problem?

      • Laura Fehlmann sagt:

        Der Vergleich mit der Piazza in Italien ist komplett verkehrt. Mich stört nicht das Essen, sondern der Abfall und das Geschmatze rund um die Uhr.

  • annetta tamburini sagt:

    Solange jeder eigene Abfall mitgenommen wird, stört mich Essen in den ÖVs nicht. Das muss jeder selber wissen, wie hygienisch oder eben unhygienisch mit dem eigenen Essen umgegangen wird.

  • Marianne Lütscher sagt:

    Der Artikel trifft voll ins Schwarze. Mich stört es immer – egal – wer isst und schmatzt. Und die Duftnoten sind auch nicht immer nach meinem Geschmack. Im Kt. Zug ist essen in den Bussen verboten. Es stört mich übrigens auch im Zug. Dort hat es dummerweise noch Abfallkübel, die jedoch um 12.30 Uhr total verstopft sind. Also stinkt es weiter….

    • Asta Amman sagt:

      Ich dachte, es wird flächedeckend über das Verschwinden der mobilen Minibar in den SBB-Zügen gemeckert? Die gab es schon in meiner Kindheit. Essen und trinken im Zug hat also lange Tradition – auch ausserhalb des Speisewagens.

  • Dan Ernst Mühlemann sagt:

    Sehr geehrte Frau Brüderlin
    Geschätzte Kommentator/innen
    Als 67-jähriger Mann schätzt ich ein sauberes Tram auch sehr. Für Schmutz und Gestank jedoch in globo die Jungen verantwortlich zu machen und nebenbei erst noch gegen ökologische Denkende und Handelnde zu hetzen ist mehr als humorlos. – Vielen Dank all den Jungen und älteren Menschen die die Trams sauber halten – und denen, die sie sauber machen!

  • Sonusfaber sagt:

    Bin oft mit den ÖV unterwegs und nur selten, aber wirklich selten habe ich mich aus Respekt vor meinen Mitfahrenden getraut, etwas zu verzehren. Denn mich selber ekelt der Geruch von Esswaren in einem Zugabteil an, bisweilen schon der Anblick eines gierig kauenden Kiefers. Es gibt Esswaren, die derart übel riechen, dass ein einziger Fahrgast damit ein ganzes Abteil verpesten kann. Verständnis für Fahrgäste, die eine kurze Strecke zum Essen nutzen, habe ich daher keins – denn es ist schlichtweg anstandlos, so was zu machen. Das Verzehren von stark riechenden Esswaren und das Hören von lauter Musik stellt in einem Zugabteil eine massive Grenzüberschreitung dar, zeugt jedenfalls von Rücksichtslosigkeit und ja – vor rücksichtslosen Menschen habe ich persönlich nicht die geringste Achtung.

    • tina sagt:

      esswaren riechen schlechter in der öv als ausserhalb? das muss mit den passagieren zutun haben ;-). oder woran liegts?
      wer den duft von lebensmitteln als pest empfindet muss ein echt gestörtes essverhalten haben. aber in dieser sekunde wird mir endlich klar, warum ich lieber velofahre als öv. an essensgerüchen liegts nicht

      • Fritz sagt:

        Draussen riecht man die Esswaren weniger gut, weil man nicht in einem, achtung, jetzt kommts, „geschlossenen Raum“ ist. Aber Sie wollen es gar nicht verstehen, weil Sie wahrscheinlich auch im ÖV essen, von dem her ist jede Diskussion sinnlos…

        • tina sagt:

          ich fahre wenn möglich nicht mit öv sondern velo. und da ist essen zwar schwierig, aber praktikabel. ja gut, eiersandwichs haben ihre tücken. aber immerhin kann man die effektvoll auf windschutzscheiben schleudern, deren dazugehöriges vehikel auf dem velostreifen steht.
          ich möchte es gern verstehen! restaurants und die gute stube sind ja auch geschlossene räume. wo isst du denn und warum ist es da kein problem?

  • Paolo Martinoni sagt:

    Danke für Ihren Text, Frau Brüderlin, für Ihre Ehrlichkeit. Ich fühle mit und würde das, was Sie geschrieben haben, gerne unterschreiben!

  • Till Frey sagt:

    Guter Beitrag aus dem Tagi. Nur: in Basel ist Essen in den BVB (Basler Verhersbetriebe für die Zürcher Leser der Baz:) schon lange verboten.

  • Sonusfaber sagt:

    Meinen Beobachtungen nach sind es aber nicht nur junge Menschen, die in den ÖV Esswaren verzehrend, schon eher, aber eben – nicht nur …

  • M. Graf sagt:

    Mimimi. Es gibt eine Alternative: Leben und leben lassen. Schon mal gehört? So sind die Schweizer eben: Langweilig, kleinkariert und Hauptsache, es ist jemand da, über den man nörgeln kann. Warum sollen alle Schüler nicht mehr im Tram essen? Können die, die es stört, nicht einfach nicht mehr am Mittag Tram fahren? Wär doch einfacher. Ich esse auch, solange es warm ist. Und ich nehme auch nicht den Rucksack mit, den ganzen Tag das dreckige Tupperware mitzuschleppen. Zumal sowieso nicht jeder eine mobile, handtaschengrosse Mikrowelle mit sich trägt, so wie sich das die Autorin anscheinend vorstellt. Ich muss ja auch das Büro ertragen, das Workaholics und gewiefte Blogger mit in den Feierabendverkehr oder ins Kaffee schleppen. Ungefähr ähnlich lachhaft.

    • Barbara Grohé sagt:

      Nein M. Graf, Schweizer sind nicht langweilig, kleinkariert und nörgelig. Sie sind bunt, laut und reizen Gutmütigkeit bis zum Gehtnichtmehr aus!? Besser so?

  • k. miller sagt:

    Ich gehöre zur Generation Ü50. Und ja, ich esse manchmal in der S-Bahn. Abends auf dem Heimweg, wenn das Mittagessen schon 6 oder 7 Stunden zurückliegt und der Magen in der Kniekehle hängt, hol ich mir am Bahnhof eine Brezel oder ähnliches, um den ärgsten Hunger zu besänftigen. Ich weiss nicht, ob ich mit meinem kauenden Kiefer andere störe. Glaub ich eher nicht, da die meisten eh auf ihr Smartphone schauen und/oder Stöpsel im Ohr haben. Oder selbst was essen. Aber die Zustände erlebe ich lange nicht so schlimm, wie im Artikel beschrieben (der vermutlich eh überspitzt ist). Ob ich toleranter bin? Vielleicht, weil ich die „Zustände“ in anderen Ländern kenne und deshalb die Sauberkeit in der Schweiz sehr schätze. Aber manchmal kommt dabei halt meckern auf hohem Niveau raus 😉

  • Michael sagt:

    Wieso nicht aus dem letzten Tramwagon ein Speisewagon machen? Festsitzende Tische und Bänke einbauen wo die Leute sich verpflegen dürfen. Ich steig dann vorne ein.

  • Sam Fuller sagt:

    Köstlich, wie garstig das geschrieben ist und dann als schwarzer Humor verkauft wird.
    Verluderung der Sitten? Das höre ich seit 45 Jahren, vorher war ich noch zu jung um zu begreifen, was damit gemeint ist.
    Ich erlebe das nicht so. Früher wurde überall geraucht. DAS war normal,aber ein Problem. Was hier aber übertri wird! Ich pendle seit 40 Jahren und ich finde es nicht so schlimm, wie hier viele das beschreiben.

  • Hans Minder sagt:

    Auch wenn ich manchmal über die Sörglein im „perfekten Zürich“ schmunzeln muss (hier in Eugene Oregon, USA, gibts im ÖV von illegal „vapenden,“ Boombox-plärenden, oder Alkohol schlürfenden Jugendlichen alles bis hin zu den Obdachlosen, die im Winter den Bus zu ihrer wärmenden Wohnung machen), stelle ich trotzdem irgendwelche Ignoranz der jüngeren Generation gegenüber ihrem Umfeld fest. Selbst bei meinem Nachwuchs staune ich immer wieder, wie egal es ihnen alles ist, was sich nicht gerade in ihrem Blickfeld befindet oder zu ihrem Eigenutzen beiträgt. Vielleicht waren wir 50-ziger bei der Erziehung der nächsten Generation einfach zu wenig strickt…und kriegen nun unsere Quittung….

  • tina sagt:

    ich verstehe das problem wirklich nicht. im restaurant stört es einen nicht, wenn man anderer leute essen riecht, aber im tram soll es ein problem sein. das geht nicht auf.
    wie nimmt man denn eine pizza im eigenen tupper heim? :D. so ein kebab macht ja nicht viel abfall. ich selber bin bis jetzt gescheitert daran, leere verpackungen mitzutragen, um damit einzukaufen. da würde ich mich hüten, ausgerechnet den jungen leuten vorwürfe zu machen.

    • Daniel sagt:

      In der Sauna stört es mich absolut nicht, nackte Menschen zu sehen. Im Team befremdet es mich doch sehr.

      • tina sagt:

        mich befremdet persönlich das essen in gruppen ja auch ein wenig, aber dass für jemanden essen am nicht dafür vorgesehenen ort ähnlich wie nackt sein am nicht vorgesehenen ort sein könnte, das wäre mir nie im traum eingefallen. wenn das gutes benehmen sein soll, oder eine gute erziehung, dann geht hier beides massiv zu weit. das erkennt man an den assoziationen wie schmatzen, schlürfen, finger ablecken und berge von müll hinterlassen (das geht hiner an die anderen rückmeldungen zu meinen einwürfen). leute, die so denken, gehen ja offenbar davon aus, dass die selben leute genau das in restaurants nicht machen (ja gut, beim müll ist es nachvollziehbar).
        unterm strich: so ein menschenbild ist echt echt schräg, glaubts mir

      • Sportpapi sagt:

        @Daniel: Nackte Menschen im Team? Im Tram? So oder so wäre es für mich eher ungewohnt und damit seltsam, als irgendwie abstossend (solange sie auf einer Unterlage sitzen…).
        Aber essen im Tram ist ja nicht ungewohnt…

  • Laura Fehlmann sagt:

    Ausser der Esserei im ÖV gibt es ja auch noch die meist jüngeren Zeitgenossen, die Nägel lackieren, sich schminken und mit Deo einsprühen – so riecht man Kepab und Thonsandwich weniger.

    • Sportpapi sagt:

      Ärgerlicher sind ja die älteren Damen, die gerne ihr Handtäschchen auf dem Sitz neben sich platzieren. Aber was ist das nur für ein Alltag, wenn man sich ständg über seine Mitmenschen ärgern muss? Schmunzeln oder wegschauen reicht doch auch. Zumal eben die meisten selber auch Marotten haben, die wiederum andere stören könnten.

  • Widerspenstige sagt:

    Her mit den Speisewagentrams! Her mit 1. Klasse und 2. Klasse auch in Trams! Huch! Bei der SBB braucht es dringend eine 3. Klasse statt mehr Doppelstöcker! Jetzt aber, hopp! Zum Glück bin ich weder Pendlerin noch auf Trams angewiesen im Alltag, denn ich wohne auf dem Land und geniesse das Landleben: Hahngekrätze als Weckerersatz, Kuhglockengebimmel als Fitnessmusik, Gülegestank als Frühlingsduft lieblich begleitet mit Vogelgezwitscher frühmorgens etc. 😉

    Das Leben ist aufregend, egal wo es stattfindet. Aber es herrscht FRIEDEN im Land, keine kriegerischen Zustände. Was für ein Segen! En Gueta!

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