Fitness für Faule

Training sollte einen fordern, den Geist erfrischen und die Muskeln belasten. Foto: Pixabay, Pexels

Hätte ich einen Sportblog, dann würde er «Fitness für Faule» heissen. Nicht, weil ich besonders faul wäre. Wenn es um Sport geht, hatte ich eher das konträre Problem. Jahrelang investierte ich zu viele Stunden, Gedanken und Leidenschaft in meinen Sport, das Klettern. Ich pausierte trotz Verletzungen nicht und erlitt Entzugserscheinungen, wenn ich nicht klettern konnte. Was, sobald ich Kinder bekam, zum echten Problem wurde.

Ein moderner Quacksalber hätte mir sicherlich Sucht attestiert, wie die Muskelsucht bei jungen Männern. Oder die Depression, die sich hinter dem Marathonwahn bei Herren mittleren Alters verbergen soll. Für Kletterer aber ist Fanatismus normal. Berge sind ihr Heroin.

Um mich vom Klettern zu entwöhnen, brauchte ich einen Ersatzstoff. Im besten Fall einen mit besserem Verhältnis zwischen zeitlichem Aufwand und Trainingsertrag. Eine Droge, für die man weniger Aufwand betreiben muss, die aber genau so wirksam ist. Oder vielleicht sogar gesund.

Laufen statt Klettern

Ich hatte mich zuvor immer in die jeweilig favorisierte Sportart verliebt, sah darin einen treuen Partner, der mich durch viele Lebenslagen begleitet hatte und versuchte immer besser zu werden. Aber wenn man sich über Aufwand und Ertrag Gedanken macht, dann ist Fitness das Effizienteste, der Sport für Faule. Es dauerte eine Weile, bis ich das herausgefunden hatte.

Zunächst versuchte ich Yoga, ist super, aber zu statisch. Ausserdem muss man sich an einen Stundenplan halten. Ich begann zu laufen. Der Vorteil: Laufen kann man überall, der Zeitaufwand ist überschaubar, der Spassfaktor hoch (sofern mit Naturerlebnis verbunden). Schöner Nebeneffekt: Laufen von Marathon bis Triathlon ist der Lieblingssport der Manager, und wer mitläuft, kann wenigstens Eindruck schinden und im besten Fall seine Karriere befeuern.

Doch es gibt wahrlich erfreulichere Erlebnisse, als in der Mittagspause einem Vorgesetzten keuchend hinterherzurennen. Auch sonst zeigten sich für mich bald die Grenzen des Laufsports: An der Tempohärte zu schrauben, langweilte mich – und für einen Marathon fehlte mir der Ehrgeiz. Doch selbst für Faule wie mich gibt es eine Lösung.

Das perfekte Training

Heute habe ich das absolut effizienteste Training gefunden; Fitness für Faule heisst HIT, also High Intensity Training. Es ist das Training mit dem kleinsten Zeiteinsatz und den besten Resultaten – man jagt den Puls ganz kurz maximal hoch, erholt sich kurz, jagt ihn wieder hoch. Das verbessert erstaunlicherweise sowohl die Ausdauer wie die Explosivität – mit Kraftübungen kombiniert, ist es das perfekte Training. Dreissig Minuten pro Einheit sind genug, drei Einheiten die Woche.

Ich mache das zu Hause im Wohnzimmer. Das kostet nichts, ist wetterunabhängig und maximal effizient. Und wenn ich mehr Spassfaktor brauche, gehe ich auf den Vitaparcours, eine Erfindung aus dem Jahr 1968. Wer wirklich faul ist, kann da auch einfach durchspazieren und sich die Läufer anschauen. Davon wird man wenigstens nicht süchtig.

31 Kommentare zu «Fitness für Faule»

  • Lina sagt:

    Liebe Frau Binswanger
    Ich schwöre auch schon seit einem Jahr auf HIIT – trainieren Sie mit Youtube-Videos oder eigens zusammengestellten Plänen? Kann die Fitnessblender-Filme nur empfehlen!
    Allerbeste Grüsse

  • Andrea sagt:

    Warum lässt man sich in einem Blog über ein Thema aus, dass man selbst nicht mag, nur um anderen zu zeigen wie diese das Thema im Blog auch nicht zu mögen haben müssen. Herumsitzen ist das neue Rauchen. Das weiss man doch nun schon länger. Immer dieses herum Genörgele ist kaum noch lustig und schwer zu ertragen.

    • tina sagt:

      im gegenteil. herumsitzen ist das neue „ich habe ein projekt“. nörgler, die nörgeln dass genörgelt wird sind die neuen moralapostel. hauptsache es wird nicht an rechtschreibung herumgenörgelt

    • Carolina sagt:

      Da kann ich Ihnen nur recht geben, Andrea! Immer diese Nörgelen – gehen mir auch auf den Geist! -:)

    • Jo Mooth sagt:

      Warum schaust du da dann rein? Dein Beitrag ist ja aselbst ziemlich, wie soll ich sagen, unmotivierend.

    • Sina sagt:

      @ Andrea
      War sehr sportlich, 20 Jahre Eiskunstlauf (bis Doppelsprünge). Mit 40 Jahren gibts keine Kategorie mehr für mich. Heute bin ich Couchpotato. Wäre bestimmt gesünder würde ich mich sportlich betätigen, jedoch kann ich dem nichts abgewinnen, dabei kann ich
      geistig nicht an mir arbeiten. Gerade lese ich Bücher über Immobilienverwaltung, Unternehmertum, BWL, Zeitmanagement, C Sharp und Generalogie. Ist das faul? Es gibt halt Sportlermenschen und Kopfmenschen. Nur weil ein Mensch keinen Sport mag, heisst das noch lange nicht, dass er faul, unmotiviert und ohne Wettkampfgeist ist. Eiskunstl.wettkämpfe für 40 Jährige gibts nicht, jedoch habe mit der Immobranche etwas entdeckt, wo ich wie im Eiskunstlauf wieder wettkämpferisch unterwegs sein kann ;-). Nörgeln is bei mir nich 😉

  • Eric sagt:

    Die 30 Minuten 3x pro Woche ist nun mal überhaupt nicht neu. Nur, sind wir mal ehrlich, auch dies benötigt etwas Disziplin und Ausdauer…… wirklich faule schaffen das nicht……

  • Rico sagt:

    Guten Tag Frau Binswanger
    Wie treiben Sie Ihren Puls im Wohnzimmer ans Maximum? Mit Burpees?
    Freundliche Grüsse, Rico

  • Niklas Meier sagt:

    3x in der Woche HIT und zusätzlich Krafttraining? Da haben Sie dann aber an 5 Tagen (mind.) zu tun. Oder wollen Sie HIT und Krafttraining in 30 Minuten abhacken?

  • Olivia Brunner sagt:

    Vielleicht noch etwas zu Quantenphysik? Kann ich nicht, mag ich nicht. But who cares…

  • tina sagt:

    ha lustig 🙂 ich war mein leben lang super unsportlich und habe nun direkt zu HIIT gefunden 😉 und nun weiss ich auch warum! danke :))) ich dachte immer, ich müsste doch rennen können – kann ich aber nicht und die überei ist abgrundtief langweilig. bin wahnsinnig entlastet jetzt

  • Andreas Locher sagt:

    HTL ist sehr effektiv, aber alles andere als ein Training für Faule, es ist – richtig ausgeführt – äusserst anstrengend, wie der Name verrät: HIGH INTENSITY!

  • Jo Mooth sagt:

    Sport ist für mich Bewegung ohne Lust, darum bin ich Sportmuffel. Kein Ehrgeiz, dazu noch ziemlich ungeschickt, wie sich bereits in den Turnstunden zeigte. Und doch, jetzt mit 50, muss ich mich bewegen, der Gesundheit zu Liebe. Ihr HIT kommt für mich aus den genannten Gründen natürlich nicht in Frage. Ich schwimme gerne, aber nur draussen. Am liebsten im Meer, aber ich wohne nicht am Roten selbigen. So bleibt mir nur noch das Velofahren, das mache ich auch sehr gerne, aber sicher nicht auf einem Rennrad oder mit dieser bekloppten Rennbekleidung. Fünfgänger, altes Miltärgnägi, Trainerhose. Dafür bei jedem Wetter und ganzjährig. Wenn es regnet oder windet, fahre ich bis an die Grenze des Nichtsports langsam.

    • Hotel Papa sagt:

      In meinem fall in der bekloppten Rennbekleidung. Warum? Weil ich am Ende im Büro arbeiten muss. Da ist die Sportkleidung für den Allwettereinsatz einfach praktisch, da am Abend wieder trocken.

  • Roman Günter sagt:

    Ist das jetzt auch wieder so ein Sex Ding? Täglich im Wohnzimmer?

  • maia sagt:

    Es würde mich noch interessieren, was genau Sie im Wohnzimmer machen?

    • Christoph Bögli sagt:

      Das nähm mich auch wunder. Alleine schon weil HIT eigentlich nichts mit Ausdauer zu tun hat und die Intensität grösstenteils durch hohe Gewichte/Widerstände erzeugt wird. Also aus Übungen besteht, für die man meist nicht unbedingt das Material im Wohnzimmer rumliegen hat wenn man das ernsthaft betreibt. Vielleicht meint Frau Binswanger ja HIIT (High intensity interval training), das eher der Beschreibung entspricht. Das ist eher wohnzimmer-tauglich mit Übungen a la Tabata-Workout, zumindest für gewisse Bereiche.

  • Henriette sagt:

    Auch ich hätte gerne detaillierte Beschreibungen der Wohnzimmerübungen. Vielleicht ist das auch etwas für mich. Meine grösste sportliche Leistung bisher ist, dass ich einen Turn- und Sportlehrer geheiratet habe.

  • Roger sagt:

    Fitness für Faule heisst HIT, also High Intensity Training.

    High Intensity Training ist nur mit entsprechender Ausrüstung und erfahrenen Personaltrainer durchzuführen . Benötigt maximale Intensität um erfolg zu bringen. das heißt maximale Anstrengungen nix für Faule!

  • Hans Minder sagt:

    Hier möchte ich mich als Architekt und Städtplaner einschalten. Leider ist es so, dass der Sauerstoffgehalt in den Wohnungen oft niedrig ist. Dies hängt mit reduzierten Lüftungsmöglichkeiten zusammen, aber auch mit dem Umstand, dass Lebensräume oft in dichten Wohngebieten liegen, wo sogenannte „Lungen“ wie Flüsse, Wiesen, Wälder fehlen. Wer Joggen/Fahrrad-Fahren geht und dazu Strecken entlang der „Lungen“ wählt, der gönnt sich eine hohe Dosis von Sauerstoff. Diesen Luxus kann kein Fitness-Zenter oder kein Wohnzimmer bieten. Hoher Sauerstoffgehalt wirkt sich positiv auf die Psyche aus….also Frau Binswanger, HIT nicht im Wohnzimmer sondern draussen in der Natur, sofern dies Möglich ist…..sonst geht es mit dem Psychischen-High nach ein paar Wochen vielleicht wieder bergab…

  • Anh Toàn sagt:

    Ich finde den Ansatz, Sport machen zu müssen um fit zu sein, daneben. Denn macht man keinen Sport, braucht man nicht fit zu sein, mag mein einen Sport wirklich, wird man automatisch fit.

    Und wenn es hier schon ums Erwachsen werden geht:
    Gentlemen don’t run.

  • Julian Casper sagt:

    praktisch formuliert: Mad Barz App aufs Natel und los geht’s.

  • Sarah sagt:

    Geht es beim Erwachsenwerden darum möglichst effizient zu werden? Der erwachsene Mensch bestimmt im Sinne des homo oeconomicus, was möglichst wirksam auf möglichst wirtschaftliche Weise zu Erfolg, zu Zufriedenheit führt. Banal. Stimmt so, oder? Von Frau Binswanger würde ich gerne erfahren, inwiefern sie (nicht) glaubt, dass sie die beste Variante von Frau Binswanger lebt. Eine zu intime Frage?

  • Roland K. Moser sagt:

    HIT ist ungesunde Zeitverschwendung.

  • Ruf sagt:

    4 Wochen Wandern im Wallis. Diese Fitness vergeht nicht so schnell. Weiterhin am Wochenende eine Tour zu Fuss unternehmen macht Spass.

  • Raymond sagt:

    Versuch’s mal mit Kundalini, Michèle. Ist alles andere als statisch. 😉

    Lese Dich immer wieder gerne.

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