Gehen, wenn es vorbei ist

Für einen Oscar hat es ihr nie gereicht, dafür glänzt Cameron Diaz mit dem perfekten Abgang. Foto: Kevork Djansezian (Reuters)

Nach den zermürbenden, durchwegs männlichen Kommentaren auf mein Frauentag-Posting gibt es heute zur Strafe etwas, was die gemeinen, frauenhassenden Kommentatoren vom letzten Wochenende alle überhaupt nicht interessiert: guten Stil.

Der Hollywoodstar Cameron Diaz hat verkündet, mit der Schauspielerei aufzuhören. Diaz geht in Rente, und das mit erst 45 Jahren. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Sie kann das Bild, das sie in den letzten 20 Jahren als Ex-Model und Glamourgirl gezeichnet hat, als erwachsene Lady nicht mehr weitertragen und hat es weder nötig noch Lust, in dem ganzen Zirkus nach den wenigen passenden Rollen zu gieren.

Chapeau, sage ich da nur, ich habe grossen Respekt vor Superstars, die genau wissen, wann die Zeit gekommen ist, die grosse Bühne zu verlassen, und es dann sogar noch weit vor diesem Zeitpunkt tun. Harald Schmidt ist auch so jemand, der kurz nach dem Höhepunkt einfach verschwunden ist und ein Meer von schmerzerfüllten Fans zurückgelassen hat, die immer noch nach jedem seiner Worte gieren. Sehr sexy.

Gekommen, um zu bleiben

Xi Jinping stimmt gegen die Beschränkung seiner eigenen Amtszeit. Foto: Jason Lee (Reuters)

Genau das Gegenteil davon ist der chinesische Präsident Xi Jinping, der jetzt sein eigenes Ermächtigungsgesetz bewirkt hat und Diktator wird auf Lebenszeit; obwohl seine zweite und letzte Amtszeit schon abgelaufen ist, will er aber nicht zurücktreten. Eine selbst erwirkte Verfassungsänderung wird die Amtszeitbegrenzung – zweimal fünf Jahre – aufheben, und Xi wird der Menschheit bis zu seinem Tod erhalten bleiben ohne Rücksicht auf die Wünsche des Volkes.

Das ist peinlich und schrecklich zugleich. Warum will er nicht aufhören? Weil er süchtig ist nach Aufmerksamkeit und Macht, im Gegensatz zu der klugen Cameron Diaz, die mit dem, was sie bisher geleistet hat, zufrieden sein kann und sich jetzt neuen Aufgaben widmen kann für die neue Lebenshälfte – also genau das tut, womit wir uns in diesem Blog alle beschäftigen.

Was macht man, wenn die erste Runde erfolgreich abgelaufen ist? Zuerst wird man sich bewusst, dass es die erste (in Diaz‘ und meinem Fall sogar schon die zweite) Runde war und man macht sich bereit für die nächste.. Bravo, Cameron, cooles Mädchen!

30 Kommentare zu «Gehen, wenn es vorbei ist»

  • Paolo Martinoni sagt:

    Bin mit der Autorin einverstanden. Diese Männer, die sich an Macht und Erfolg klammern wie verängstigte und weinende Kinder an ihre Mutter, sich gegen die Forderungen der Zeit mit zum Teil brachialer Gewalt wehren, alles bekämpfend, was sich ihnen querstellt, sind so was von peinlich und widerlich – aber eben auch brandgefährlich für uns alle, für das Gemeinwohl. Hätten sie auch nur eine einzige Prise von Diaz Lebensklugheit, würden wir alle in einer friedlicheren Welt leben …

  • Stefan W. sagt:

    Auch wenn dieses Blog ja kein Ort für politische Diskussionen ist, ärgert mich Ihr Ausflug in die China-Politik jetzt doch: Allein der Verzicht auf Amtszeitbeschränkung ist kein unerhörtes Ereignis. Wir erleben ja gerade in Deutschland, wie Merkel ihre vierte Amtszeit antritt. Sowohl Merkel als auch Xi müssen nach jeder Amtszeit wieder von der Partei betsätigt werden. Und auch Merkel wurde nur von einem Drittel der Bevölkerung als Kanzlerin gewünscht. Würden Sie sie deshalb auch als Dikatatorin bezeichnen?

    Und ganz daneben finde ich Ihren Nazivergleich. Hitlers Ermächtigungsgesetz diente keineswegs der Amtszeitverlängerung.
    Es dient der Völkerverständigung nicht wirklich, wenn wir derart hochnäsig auf Andere blicken, ohne wirklich zu verstehen, was wir eigentlich kritisieren.

  • Roger sagt:

    „was die gemeinen, frauenhassenden Kommentatoren“

    Wenn Männer sich erlauben eine eigene Meinung zu haben, die sich nicht zu 100% deckt mit dem Mainstreamfeminismus, dann sind sie „frauenhassend“? Ehrlich?
    Gleiche alle Kommentatoren, auch wenn sie sachlich argumentierten? Alles hate speech, was nicht der eigenen Meinung entspricht? So einfach kann man es sich machen, denn dann muss man ja auch nicht auf die Argumente eingehen, d.h. in einen wirklichen Diskurs einsteigen.

    • Stefan Kohler sagt:

      Danke für Ihren Kommentar. Aber sobald eine solide Argumentation folgt, bzw. einige Gegenargumente folgen, schweigt die „wippende Röckli“ tragende Frau Wäis Kiani. 😉

      • Michael sagt:

        Chapeau ! Und sollte sich die Frau Wäis Kiani nicht auch fragen, warum so viele Männer und so wenige Frauen zum Thema Frauentag etwas geschrieben haben ? Sollte das etwa bedeuten, das die Frauen nichts mit dem Frauentag am Hut haben und es gut finden, so wie es ist ?

  • Jean Bon sagt:

    Also was ich so von Hollywood höre ist, dass Cameron Diaz ständig bekfifft ist. Sie kifft so viel, dass sie überhaupt keine Verantwortung mehr übernehmen will.
    Ihr Mann wollte mal Kinder, aber diese Idee hat er unterdessen begraben.

    • Wäis Kiani sagt:

      Das kann man doch gut verstehen,das Leben ist mit klarem Kopf auch kaum auszuhalten, wie ich leider weiss, wenn sie die Kifferei immer noch gut verträgt, warum nicht?

      • Andreas Fischer sagt:

        Genau!

      • Bernhard Piller sagt:

        Niemand hat die Kifferei gut vetragen, ausser Leute im Endstadium, die kiffen als Schmerztherapie.
        Ich bin indirekt betroffen von Leuten in meinem Bekanntenkreis und kann Ihnen versichern, dass Kiffen solche Persönlichkeitsveränderungen mit sich bringt, dass das Leben für die Person und deren Umgebung zur Hölle wird.

        • Mila Vivic sagt:

          Kann ich mich anschliessen, Herr Piller, zwar vielleicht nicht so radikal, dennoch in vielen Punkten fast übereinstimmend. Und..je jünger desto schlimmer.

      • Stefan sagt:

        Naja… die Wahrheit MUSS IMMER zu ertragen sein
        (Anderer Meinung sind hier aber sicher Politiker, die gern entscheiden, was für das Volk erträgliche resp. unerträgliche Wahrheit ist und willige Handlanger bei der ARD finden).
        Aber wir schweifen ab. Man sollte aufhören, wann’s am Besten ist. Gilt für das Essen wie für das Showbusiness. Danach kann es nämlich nur noch schlechter werden.

    • Rüdiger sagt:

      Kiffen wird immer gerne benutzt um Persöhnlichkeits-Defizite zu gerechtfertigen. Kiffen ist höchstens ein Amplifier davon. Die Person, der Charakter ist gegeben. Ergo ist Diaz einfach nicht fähig/willens Mutter zu werden. Wer mit einer solchen Person zusammen sein will, die sich nicht fortpflanzen will, der soll dies. Für mich ein No-Go

    • Karl-Heinz sagt:

      @Jean Bon: „Also was ich so von Hollywood höre ist“,
      ist mit Vorsicht zu genießen. Wissen sie, was man von Ihnen so hört? Würden sie akzeptieren, was man so über sie erzählt? Wenn man sie plötzlich meidet, wenn sie den Bankkredit nicht bekommen?

  • Karl-Heinz sagt:

    Ich hoffe, mein Kommentar ist nicht zermürbend. Cameron Diaz ist eine tolle Frau. Respekt.

  • Anh Toàn sagt:

    Mir wäre lieber, Diaz würde weiter machen und dafür Xi aufhören.

    Dass Diktatoren nicht aufhören wollen mit diktieren, ist verständlich: Bestenfalls können sie sich irgendwo ins Exil zurückziehen, weniger glückliche verkriechen sich in Erdlöchern, die meisten landen im Knast oder werden hingerichtet: Selten gibt es eine zweite Runde für Diktatoren.

  • Röschu sagt:

    „Harald Schmidt ist auch so jemand, der einfach auf dem Höhepunkt verschwunden ist …“
    Was für ein Schwachsinn! Harald Schmidt hatte seine grosse Zeit bei Sat1, machte dann 1 Jahr Pause und versuchte dann die gleiche Sendung (relativ erfolglos) bei der ARD zu machen. Und als das nicht funktionierte, ging er sogar noch zu Sky ins Bezahlfernsehen und floppte komplett. Erst dann hörte er auf, weil er wohl mittlerweile selbst feststellte, dass seine Sendung nicht mehr gefragt war.
    .
    Viel bessere Beispiele für gelungene Abgänge aus dem deutschen Fernsehen sind Stefan Raab und Hape Kerkeling.

  • Niklas Meier sagt:

    Ich hätte noch zwei Beispiele für Sesselkleber die einiges übler sind als Xi.
    Erdogan und Merkel.

    Aber irgendwie scheint die Welt doch simpel zu sein, wenn man eine abgehalfterte Schauspielerin mit einem Staatspräsidenten vergleichen muss.

  • egon egici sagt:

    vielleicht auch mal die quellen checken und die latest news googeln vor dem bloggen…

    https://www.vanityfair.com/hollywood/2018/03/cameron-diaz-retiring-acting

  • Leo Klaus sagt:

    Naja, ich weiss nicht. Wir brauchen ja auch gute Schauspielerinnen in jedem Alter, und die muessen ja nicht bloss eine Nebenrolle spielen.

    Dass Diaz geht sagt schon viel darueber, dass sie sich mehr mit ihrem Aussehen und nicht mit ihrer Schauspielerei einen Namen gemacht hat. Auf ein Meryl Streep will ich nicht verzichten, ebenso wenig spaeter auf Cate Blanchett, Rachel Weisz, Kate Winslet, Halle Berry oder zahlreichen anderen talentierten Schauspielerinnen. Und von mir aus duerfen sie Hauptrollen spielen, eigentlich sollten sie es auch tun! Warum wird diese Frage bei Maennern nicht gestellt?

    Wer wann geht sollte man dieser Person ueberlassen. Mit Roger Federer haben wir das beste Beispiel von einem der nicht gehen wollte, und schaut! Ausdauer zahlt sich aus.

    • Michael sagt:

      Warum wird diese Frage bei Maennern nicht gestellt ? Weil es zehnmal mehr Filme mit alten Männern als mit alten Frauen gibt.

  • Belo Zibé sagt:

    Ein Format zu halten ist eine Sache ,sich wirklich zu transformieren die weitaus anspruchsvollere Herausforderung.
    Greta Garbo gab ihre Hollywoodkarriere nach 1942 völlig auf,obwohl sie zunächst keinerlei Absicht hatte , sich dauerhaft von der Leinwand zu verabschieden.Sie war auf der Suche nach dem perfekten Comeback.Vielleicht sind die hier hochgelobten Entscheidungen schlichtweg kalkulierte Schritte und im Falle des Letterman Verschnitts Harald Schmidt die transformierte Meinung des Senders den Platz jüngeren Formaten Platz zu machen.Nicht selten findet eine Transformation ins Dschungelcamp statt(Lisa Fitz) und Bands oder Vocalisten befinden sich auf der 10.Abschieds-Tournee.

  • Mae sagt:

    Zuerst denke ich, kann man die beiden überhaupt nicht vergleichen. In der Politik sollte ein Mandat immer zeitlich beschränkt sein.
    Für eine Schauspielerin finde ich dies aber eher mutlos als gut. Denn wenn alle Schauspielerinnen mit 45 Jahren aufhören sollten, da sie keine Rollen mehr bekommen für ihr Alter, dann haben wir ein wirkliches sozailes Problem. Warum kann man denn ab 45 nicht auch noch glamourös und mit Charme vor der Kamera stehen und ein echtes Vorbild sein für die etwas älteren Frauen. In Europa gibt es genug Beispiele: Charlotte Rampling, Françoise Hardy, Isabelle Huppert, Catherine Deneuve etc. etc

  • Tom sagt:

    Mit einem Vermögen von über 150 Mio $ ist es kein allzu schmerzhafter Verzicht, eine Karriere zu beenden, die vorwiegend daraus bestanden hat, zappelnde und zickende Tussies zwischen 20 und 30 zu spielen. Dies hat sie gut und erstaunlich glaubhaft bis in ihre Vierziger geschafft. Aber um mit anderen Rollen weiterzufahren, fehlt ihr einfach die schauspielerische Qualität einer Helen Mirren oder Meryl Streep. Dies einzusehen, verdient Respekt.

  • marsel sagt:

    Jinping hat nie gesagt, er wolle lebenslang Chinas Nummer 1 bleiben, und Diaz wird nicht aufhören mit der Schauspielerei. Wir können also ganz beruhigt sein. Überhaupt hat das eine mit dem anderen nichts zu tun.

    • Michael sagt:

      Jinping hat nie gesagt, er wolle lebenslang Chinas Nummer 1 bleiben ? Klar, er wurde vom chinesischen Kongress mit nur 3 Gegenstimmen förmich gezwungen, das Präsidentenamt auf Lebenszeit zu übernêhmen.

  • Billary sagt:

    Dachte gerade noch an den Cameron aus GB. Der hat den Mist angerichtet und sich dann elegant von der Bildfläche verabschiedet.

    Meine Konektion in China fühlen sich von Xi Papa und seiner Frau „Mom“ wenig in der Diktatur gefangen. Wie auch immer. Hier im Gefängnis Schweiz ist es ja auch nicht wirklich nur das gelbe vom Ei.

    Ja, stimmt! Um Diaz muss ich mich dann wohl auch noch Sorgen.
    Übrigens, wer denkt eigentlich mal an meine Wenigkeit?
    Ich liebe m(D)ich.

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