Logo

In vier Schritten zum passenden Mentor

Caspar Fröhlich am Montag den 16. März 2015
Mentor wider Erwarten: FBI-Agent Donnie Brasco (Johnny Depp) wird er zur rechten Hand des berüchtigten Mafioso Lefty Ruggiero (Al Pacino).

Feind oder Mentor? FBI-Agent Joe Pistone (Johnny Depp) wird in «Donnie Brasco» zur rechten Hand des Mafioso Lefty Ruggiero (Al Pacino). (Mandalay Entertainment)

Neulich führte ich ein Gespräch mit einer knapp unter dreissigjährigen Unternehmensberaterin mit klarem Machtanspruch: Sie will in einer global agierenden Unternehmensberatung Partnerin werden. Das fand ich stark. Nicht unbedingt dieses spezifische Ziel. Aber die klare Haltung zu einem Ziel. Und die im Gespräch zum Ausdruck gebrachte Disziplin, dieses Ziel auch zu verfolgen, wenn der Weg temporär unwirtlich werden würde.

«Was kann ich noch tun, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass ich Partnerin werde?», wollte sie wissen. Beeindruckend, aber etwas obsessiv, dachte ich. Auch weil wir schon eine ganze Reihe von konkreten Möglichkeiten besprochen hatten. «Haben wir schon mal über Mentoren gesprochen?», fragte ich Sie. «Ja. Habe aber keinen Bedarf, habe schon einen zugeteilt bekommen in der Firma.» «Und wie läufts?», erkundigte ich mich vorsichtig. Sie: «Nicht der Brüller – eher für die Gallerie. Wir haben uns einmal getroffen, dann ist die Sache im gegenseitigen nonverbalen Einvernehmen eingeschlafen.»

Falscher Ansatz. Falscher Mentor. Falsche Haltung zu Mentoring. Von beiden Seiten. Richtig funktioniert das so (die umfassende Handlungsanleitung finden Sie hier): Sie identifizieren eine Reihe von Personen, welche Sie beeindrucken. Entweder, weil sie über persönliche Qualitäten verfügen oder berufliche Positionen einnehmen, welche Sie selbst anstreben. Treffen Sie eine Auswahl von drei Personen, die Sie persönlich kontaktieren mit der Bitte um ca. 3–4 Treffen pro Jahr über einen Zeitraum von ca. drei Jahren. Dabei geben Sie an, worum es Ihnen geht, respektive was Ihnen wichtig ist. Hat eine Mentorin zugesagt, so trifft man sich 3–4-mal pro Jahr. Es gilt, sich entsprechend vorzubereiten. Passen Sie die Frequenz und Natur der Gespräche den Notwendigkeiten an. Besprechen Sie mit dieser Person die Punkte, welche Sie wirklich beschäftigen. Veranstalten Sie kein Schattenboxen. Wenn alles klappt, so verändert sich über die Zeit die Arbeitsbeziehung und der Mentor wandelt sich zum «Sponsor Ihres beruflichen Weges» und unterstützt Sie. Zum Beispiel mit der Vermittlung von für Sie interessanten Kontakten. Oder Ähnlichem.

So gehen Sie konkret vor:

  1. Longlist: Erstellen Sie eine Longlist von 10 Personen, welche Sie beeindrucken, und schreiben Sie hinter die Namen, weshalb Sie von diesen Personen beeindruckt sind.
  2. Shortlist: Erstellen Sie eine Shortlist mit den drei Ihnen intuitiv am attraktivsten erscheinenden Personen.
  3. Kontaktieren Sie diese drei Personen. NACHDEM Sie sich zu jeder Person individuell überlegt haben, was die wichtigsten Punkte sind, welche Sie vermitteln wollen, weshalb Sie Interesse haben an der spezifischen Person und was deshalb die adäquate Form der Kontaktanbahnung ist (Telefon, E-Mail oder formeller Brief).
  4. Verabreden Sie sich für ein erstes Gespräch, wenn die Person Interesse zeigt. Da können Ziele, Umfang, Frequenz und weitere Details nochmals besprochen werden. Sie können den Zeithorizont begrenzen oder offenlassen. Spielt keine Rolle, wichtig ist jedoch, dass beide Seiten ohne Angabe von Gründen das Mentorenverhältnis auflösen können. Das gibt auch die notwendige Freiheit, sich in einen für beide Seiten mit Unsicherheit verbundenen Prozess einzulassen.

«Aber ich kann doch nicht einfach Personen direkt anfragen, die mich nicht kennen!», das ist die meistgehörte Reaktion auf diesen Vorschlag. Sehen Sie, was Steve Jobs dazu in einem Interview gesagt hat:

«Haben Sie keine Angst, um Hilfe zu bitten»: Steve Jobs. (Youtube)

Stellen Sie Ihre Shortlist so zusammen, dass Sie selbst energetisiert sind. Es muss ein Freude-Angst-Kribbeln auslösen bei der Vorstellung, diese Personen zu kontaktieren.

Wie sieht Ihre Shortlist aus? Wie gehen Sie diese Personen nun an? Welche Art von Unterstützung brauchen Sie dazu von Ihrem Umfeld?


 

Nicht nur für Chefs! Kommen Sie zum  «Manage Your Boss»-Talk – wir führen Sie durch einen spannenden Abend.

Seit März 2014 lesen bis zu 25’000 Leser wöchentlich meinen Leadership-Blog «Manage Your Boss». Er erscheint auf dem Schweizer Top-Webportal Tagesanzeiger.ch/Newsnet (inklusive «Berner Zeitung» und BAZ). Diesen 20. April 2015 erscheint die Ausgabe des Blogs zum 50. Mal. Deshalb veranstalte ich mit Michael Marti, Leiter Digital, und Mitgliedern der Chefredaktion des «Tages-Anzeigers», eine unterhaltende und humorvolle Veranstaltung rund um das Blog-Thema «Manage Your Boss».

Der Anlass zum Thema «Manage Your Boss – Umgang mit dem Chef» findet statt am 20. April von 19.30 bis 21.30 Uhr im Zentrum Karl der Grosse, 8001 Zürich 
(mit anschliessendem Apéro). Die Teilnahme kostet 30 Franken. Keine Anmeldung nötig.

Am Anlass diskutieren wir die heissesten Fälle und die Blogs, die hohe Resonanz ausgelöst haben. Wie zum Beispiel «Spielt Erotik eine Rolle im Arbeitsalltag?» oder «Mein Chef will ehrliches Feedback – was soll ich machen?». Wir besprechen die wirrsten Kommentare und persönliche Attacken auf den Autor. Zudem beantworten wir Fragen aus dem Publikum, wie man mit schwierigen Chefs und Chefinnen umgehen kann. Michael Marti wird das Gespräch leiten und mit kontroversen Fragen nicht sparen. Wir freuen uns auf Ihr Kommen! Caspar Fröhlich & Michael Marti

« Zur Übersicht

4 Kommentare zu “In vier Schritten zum passenden Mentor”

  1. Philipp Rittermann sagt:

    “konformität” heisst das zauberwort in unserer wunderschönen…, globalisierten welt. seien sie unkritisch und hofieren sie dem chef – egal ob sie mit der firmenpolitik einverstanden sind, oder nicht. glauben sie mir, eine braune zunge bringt sie monetär gesehen am weitesten. gut…, ob sie damit glücklich werden, und ob dieses verhalten die firma weiterbringt, steht fürwahr auf einem anderen blatte geschrieben. ach ja. eines noch. ab einer gewissen hierarchie-stufe wird meist nicht mal mehr “hofieren” verlangt; es reicht dann, wenn sie beständig nicken. der “mentor” hat seinen preis.

  2. Philipp Rittermann sagt:

    ps: einen mentor benötigen sie aus 3 gründen:

    1) sie hofieren besser als sie arbeiten,
    2) sie haben kein eigenes netzwerk, (z.b. einen logenplatz bei den freimaurern),
    3) sie stellen das salär über die persönliche zufriedenheit, mittelfristig gesehen.

  3. martin sagt:

    Die Frau braucht eine Frauenquote. Und gut ist.

  4. bonito sagt:

    Ihre Rezepte sind immer so einfach, aber das Leben – wie übrigens auch Ihre Sprache – so kompliziert.